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Hessens NPD-Chef Wöll spricht sich für militantes Vorgehen aus

12. Juli 2007 00:44 56 mal gelesen Kein Kommentar

Der hessische NPD-Chef Marcel Wöll kann sich nicht über zu wenig Aufmerksamkeit beklagen: Seine Nachrichten-Propaganda-Sendung im Internet brachte ihm bundesweite Berühmtheit ein, sein tatkräftiger Einsatz im Kreistag von Wetterau Ermittlungen gegen seine Person. Bei seinen Auftritten im Kreistag und in seinem Nachrichtenstudio versucht Wöll meist seriös zu wirken. Wie der NPD-Funktionär aber zur Gewalt auf der Straße steht, dokumentierte er jetzt in einer Erklärung zu einem NPD-Aufmarsch in Frankfurt am Main, bei dem es zu Auseinandersetzungen zwischen den Teilnehmern und NPD-Ordnern kam.

Auf einer rechtsextremen Internet-Seite bekannte sich Wöll deutlich zur Militanz: Der Sinn von militantem Vorgehen sollte es sein, seine Rechte durchzusetzen wenn man sie beschnitten bekommt, darin sollten wir uns auch einig sein. Zu dem Verhalten der so genannten Autonomen Nationalisten meinte Wöll: Sinnvoller Widerstand sieht anders aus. Wenn es Probleme mit der Polizei gibt, diese provoziert, die Marschroute blockiert, schikaniert mit Kontrollen oder ähnlichem kann man die komplette Palette von Widerstand auffahren, aber warum sollte man dies tun, wenn es nicht nötig ist?

Wie diese Palette von Widerstand aussehen kann, verrät der hessische NPD-Chef auch: Als allerdings die Antifa an einem Streckenabschnitt mit Steinen warf, tat sich besagter Block dann durch gänzliche Dummheit hervor. [...] Nein, zurückgeworfen wurde nichts, dass hätte ich noch gut verstehen können.

Konflikt zwischen NPD-Funktionären und Autonomen Nationalisten?!

Außerdem zeigen Wölls Ausführungen sehr deutlich, wo die Konflikte in der rechtsextremen Bewegung liegen: Fest steht auch, das Kameraden, die auch auf Demonstrationen keine Autoritäten anerkennen können gerade ein geschlossenes Bild und auch ein geschlossenes Vorgehen unmöglich machen wenn es denn nötig ist. Solche Personen zeichnen sich eher dadurch aus, das sie noch pluralistischer sind als FDP und Grüne zusammen.

Die NPD-Funktionäre haben offenbar herzlich wenig Lust, mit den jungen selbstbewussten Neonazis - die sich Kleidung, Aktionsformen und Namen bei der Linken geklaut haben - herumzudiskutieren. Nochmal NPD-Funktionär Wöll: Es kann keine Diskussionen auf Demonstrationen geben, was denn nun richtig sei und was nicht, die Versammlungsleitung (in diesem Fall meine Person) hat hier eine Entscheidung zu treffen. Inwieweit das die Neonazis auch so sehen, die noch keinen Posten in der NPD abbekommen haben, wird sich zeigen.

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  • Hans Christoph Stoodt said:

    In deisem Bericht fehlt ein nicht uninteressantes Detail: Wöll wird von Seiten der Autonomen Nationalisten” (AN entgegengehalten:
    “das hüpfen und die erhobenen hände waren koordiniert, um steinwürfe von aktivisten aus dem block zu verdecken und wie man sieht mit erfolg…”
    (http://de.altermedia.info/general/marcel-woll-uber-die-geschehnisse-am-070707-in-frankfurtmain_10414.html)

    Dazu der Frankfurter Polizeipräsident Achim Thiel am 9. Juli:
    ““Es waren keine vermummten NPD’ler dabei, es wurden auch nicht entsprechende verbotene Lieder gesungen, es wurden auch keine Steine geworfen. Wir haben in Absprache mit der Staatsanwaltschaft fortlaufend sehr eng kontrolliert, ob alle Auflagen eingehalten werden.[…] wir haben sehr aufgepaßt…”
    (TV-Hessenjournal).

    Die Unterschlagung von eindeutig deokumentierten Rechtsverstößen der NPD-DemonstrantInnen gegen die Auflagen der Demonstration waren in ihrer Summe grotesk. Besonders herausragend: das aktive Ignorieren einer Vielzahl antisemtischer Ausschreitungen (Sprechchöre: “Nie wieder Israel”, “Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen”, BRD – Judenstaat, wir haben Dich zum Kotzen satt”). Genauere -aber sicher noch unvollständige – Dokumentation: http://www.antinazi.wordpress.com
    Die Frankfurter Anti-Nazi-Koordination fordert deshalb und wegen der Verantwortung für das völlig absurde Sicherheitskonzept der Polizei an diesem Tag Kosten lt. FAZ, 9. Juli: 20 Mio. Euro) den Rücktritt des Polizeipräsidenten. Denn mit diesem teuren Konzept, das zugleich noch nicht einmal die Einhaltung der Demo-Auflagen sichern konnte, wurde ein ganzer Stadtteil gegen AntifaschistInnen so hermetsich abgeriegelt, daß auch die möglicherweise an der NPD interessierte Öffentlichkeit nicht an deren Kundgebungen teilnehmen konnte. Das aber widersprach flagrant den Auflagen des Hessischen Verwaltungsgerichtshofes vom 6. Juli. Vile Geld für nichts – und dazu noch jede Menge Rechtsverstöße!