Mügeln: Ein Bürgermeister geht seinen Weg
Ende Januar 2008 ist der der Jugendclub “Free Time Inn e. V.” im sächsischen Mügeln offenbar durch die Stadtverwaltung geschlossen worden. Dies geht aus einer Pressemitteilung des Jugendclubs hervor. Danach seien “von heute auf morgen die Türschlösser des Clubgebäudes ausgetauscht” worden, obwohl die Stadt zugesichert habe, dass der Club noch eine Woche geöffnet sei. “Völlig überraschend, denn der Jugendclub beteiligte sich an verschieden kommunalen Veranstaltungen und veranstaltete Fußball- und Volleyballturniere, Ausflüge (z. B. nach Auschwitz), Workshops (z. B. zur Kaffeeherstellung, gegen Rechtsextremismus), Kinderfeste und vieles mehr.
Auf einem letzen Treffen mit den aktiven Mitgliedern des Vereins im Rathaus, habe der Mügelner Bürgermeister Deuse erklärt, dass dieser Jugendclub künftig sowohl von Linken, als auch von Rechten genutzt werden sollte. Und das, obwohl es laut ihm, keine Rechten in Mügeln gebe. Weiter heißt es: “Tatsache ist, dass dieser Jugendclub 1997 von linksorientierten Jugendlichen übernommen und damit Besucher mit fremdenfeindlichem Gedankengut vergrault wurden. Seitdem kam es mehrmals zu rassistischen und ausländerfeindlichen Handlungen in Mügeln. So wurde der Jugendverein “Free Time Inn e. V.” bereits im April 1998 von Rechtsgesinnten überfallen. Doch nach Aussagen von Herrn Deuse, direkt nach der Hetzjagd auf die Inder zum Stadtfest 2007, “existieren keine organisierten rechten Strukturen” in Mügeln. Allerdings gibt es in Mügeln viele andere Jugendtreffpunkte die oftmals rechtsorientiert sind bzw. Personen mit menschenverachtendem Weltbild dort ein- und ausgehen dürfen und toleriert werden.
Aktiv gegen Links?
Außerdem erklärte Herr Deuse, zu seinem Neujahrsempfang, er werde gegen die “Linksextremen und Autonomen” vorgehen, während er das Problem von rechts komplett ignoriert. So gab es im Jugendclub diverse Veranstaltungen gegen Rechtsextremismus, wozu stets alle BürgerInnen, inklusive Stadträte und der Bürgermeister Deuse, eingeladen wurden. Doch sie hielten es nicht für nötig, zu erscheinen.”
“Wir brachen Unruhe in Ostdeutschland”
Der Konfliktforscher Wilhelm Heitmeyer hatte nach den Ausschreitungen in Mügeln darauf hingewiesen, dass die Gesellschaft in Ostdeutschland Unruhe durch unbequeme Jugendliche benötige. Bürgermeister Deuse hatte damals von einer Medienkampagne gegen seine Stadt gesprochen – unter anderem in einem Interview mit der “Jungen Freiheit”, auch Sachsens Ministerpräsident Milbradt äußerte sich ähnlich. Die NPD hatte natürlich auch ihren Senf dazugegeben und sich nicht entblödet, einen Brief an den indischen Präsidenten Singh zu schreiben. In mehreren Verfahren wurden bereits mehrere der Randalierer mittlerweile verurteilt.

[...] Mügeln: Ein Bürgermeister geht seinen Weg Und macht einen Jugendclub dicht, weil dort Besucher mit fremdenfeidlichem Gedankengut vergrault worden seien. Kann den bitte mal jemand LARTen? [...]
Vielleicht ein guter Weg. Die rechten Jugendlichen nicht mehr auf der Straße sitzen lassen, sondern ihnen einen Ort geben wo sie hingehen können. Einigen mag das nicht gefallen weil sie gewohnte Privilegien verlieren, aber wenn es der Stadt hilft.
Zitat: „Der Konfliktforscher Wilhelm Heitmeyer hatte nach den Ausschreitungen in Mügeln darauf hingewiesen, dass die Gesellschaft in Ostdeutschland Unruhe durch unbequeme Jugendliche benötige. „
da musste ich etwas schmunzeln. Ich glaube “unbequeme Jugendliche” gibt es in Ostdeutschland zu Hauf. Nur machen sie halt nicht das was von ihnen verlangt wird.
“Ich glaube “unbequeme Jugendliche” gibt es in Ostdeutschland zu Hauf. Nur machen sie halt nicht das was von ihnen verlangt wird.”
Eben nicht. Wie auch der Fall Mügeln zeigt, sind junge Rassisten keinesfalls die Rebellen, für die sie sich halten, sondern sie vertreten Meinungen, die an vielen Stammtischen und bei vielen Älteren auch verbreitet sind. Unbequeme Jugendliche wären alternative Subkulturen, die wirklich neues wollen, nicht ewiggestrige Schläger, die ihre Opas für deren Fronteinsatz beglückwünschen. Patrick Gensing
Zum Handeln des Bürgermeisters fällt mir spontan ein Spruch ein, den ein Bekannter neulich auf einem T-Shirt gelesen hat:
“Ich wollte mich ja geistig mit dir duellieren,
aber ich sehe du bist unbewaffnet…”
Hallo, Birgit. Genau, aus eben diesem Grund haben Duelle mit Herrn Gensing keinen Sinn.
Mit Herrn Gensing schon, aber mit den Rechten macht es keinen Sinn. Übrigens Steve, ein echt schwacher Versuch… Geh noch mal nachdenken!
[...] auch aus dem nahegelegenen Mügeln gibt es ähnlich krude Nachrichten. Das Ganze kann hier und hier nachgelesen [...]
Ich würde gerne von “Rollo” den Quellentext genannt bekommen aus dem das Zitat von Wilhelm Heitmeyer stammt. Ich zweifle an der Richtigkeit des Zitats! In welchem Zusammenhang steht diese Aussage?
Oder bezieht sich das Zitat auf das Interview (mit den Vorgängen in Mügeln) das Patrick Gensing mit Wilhelm Heitmeyer im 1.Deutschen Fernsehen am 23.8.07 führte mit dem Titel “Wir brauchen Unruhe!”
….. Frage von Patrick Gensing: Viel wurde an der Förderstruktur kritisiert, da jetzt die Kommunen Geld beantragen, die Initiativen können dies nicht mehr tun.
Antwort Heitmeyer: Bei den kommunalen Trägern gibt es das Problem, dass mehr Bürokratie entsteht. Und durch diese bürokratischen Abläufe soll gewährleistet werden, dass Ruhe im Karton ist. Aber bei der Lage in Ostdeutschland braucht man Unruhe! Die kleinen Initiativen, die immer wieder mahnen, die müssen ermuntert und nicht über Bürokratie gebremst werden.Die Schweigespirale muss unterbrochen werden. Schweigespirale heisst: Alles was als normal gilt, das wird nicht mehr problematisiert. Und wenn gewisse Normalitäten, noch abgesichert durch einen Bürgermeister, herausstellen, dann werden rechte Einstellungen weiter verstärkt.”
Ich halte mich mit der unterstellten Vermutung – dass Rollo sich dieses Zitat zusammengebastelt haben könnte – nur so lange zurück, bis er mich und natürlich die Blogteilnehmer vom Gegenteil überzeugt hat. Ich betone: Es ist nur eine Frage!
Sorry, meinen obigen Beitrag nehme ich zurück – habe zu Spät den Zusammenhang gemerkt. Kurz: ich hatte ein Blackout – soll ja in den besten Familien vorkommen. Also “Rollo” bitte nicht aufregen!
Hallo Birgit,
danke für den Beistand, aber das geht schon in Ordnung. Damit komme ich gerade noch klar.
Schöne Grüße
Patrick Gensing
PS Steve: Selber doof
Hallo Herr Gensing,
das habe ich auch gar nicht bezweifelt.
Aber für alle diejenigen, die hier veilleicht zum ersten Mal mitlesen, wollte ich nur klarstellen, dass ich genau das was Steve mir versucht zu unterstellen, ganz sicher nicht gemeint habe.
[...] Warum Egotronic recht haben? Darum. [...]
[...] Bürgermeister wie Herr Deuse aus Mügeln auf Dauer ohne effektiven Widerstand Ihr schmutziges Spiel spielen [...]
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