Sachsen: NPD verliert 15 Prozent ihrer Mitglieder
Die rechtsextreme NPD hat in ihrem Landesverband Sachsen massiv Mitglieder verloren – offenbar zu Gunsten der “Freien Kräfte”. Nach Angaben des sächsischen Innenministers Buttulo verlor die NPD-Sachsen rund 150 Mitglieder – jetzt sind noch etwa 850 Personen in dem Freistaat mit einem NPD-Parteibuch ausgerüstet.
Ursachen für den Mitgliederschwund sind offenbar unter anderem das “Chaos” in der Landtagsfraktion und die Strafverfahren gegen NPD-Mitglieder in Sachsen und bundesweit, hieß es in einem Pressebericht aus dem März 2008. Diesen Bericht hatte die NPD noch dementiert. Bundesweit scheinen die Mitgliederzahlen der NPD aber noch leicht zu steigen, so soll die NPD die DVU inzwischen eingeholt haben, bzw. die DVU ist hinter die NPD zurückgefallen.
Massiver Zulauf zu den “Freien Kräften”
Bei der Vorlage des Verfassungsschutzberichtes für Sachsen sagte Buttolo, die sogenannten Freien Kräfte im Freistaat hätten “massiv Zulauf”. Die Zahl der Anhänger verdoppelte sich laut Bericht auf etwa 500. Buttolo betonte laut Medienberichten, im parteiunabhängigen Bereich des Rechtsextremismus gebe es zwar gewisse Auflösungserscheinungen bei organisierten Gruppierungen. Allerdings würden sich die Mitglieder zunehmend den “Freien Kräften” zuwenden. Sie reagierten damit offenbar auch auf Verbote von Neonazi-Gruppierungen wie im Fall der Organisation “Sturm 34″ oder den “Skinheads Sächsische Schweiz”. Kein neues Phänomen, die “Freien Kameradschaften” sind überhaupt erst nach diversen Verboten anderer Organisationen ins Leben gerufen worden.
Rechtsextremisten ohne Wenn und Aber
Verfassungsschutzpräsident Boos sagte laut einem AP-Bericht, die Wanderung mache “unsere Arbeit nicht gerade leichter”. Er sprach von Rechtsextremisten “ohne Wenn und Aber”. Die dem Kreis zugerechneten 500 Personen seien gewaltbereit und in der Lage, kurzfristig zwischen 50 und 300 Gesinnungsgenossen zu organisieren. Der Aktionsradius erstrecke sich auch auf an Sachsen angrenzenden Bundesländer.
Zugenommen habe im vorigen Jahr die Zahl der Straftaten mit rechtsextremistischem Hintergrund: Sie stieg auf 2.144 (2006: 2.063). Darunter waren 90 (77) Gewaltdelikte, was einer Zunahme um rund 17 Prozent entspricht. Boos erklärte, ein Grund für den Anstieg sei eine spürbar zunehmende Gewalt gegenüber Linksextremen.
Der NPD-Landesverband in Sachsen zählt trotz Mitgliederschwund weiter zu den großen im Bundesgebiet. Seit 2004 sitzt die NPD in Dresden auch im Landtag. Sie kam auf 9,2 Prozent der Stimmen.

