Völkische Familienpolitik: “Freie Nationalisten” unterstützen Abtreibungsgegner
Die “Freien Nationalisten München” haben dazu aufgerufen, eine Kundgebung der Organisation “EuroProLife” zu unterstützen. Ex-JN-Bundesvorstand Philipp Hasselbach hat offenbar aber weniger ethische Bedenken gegen Abtreibungen, sondern ihm geht es – wie für Neonazis üblich – um das Volk. Das deutsche Volk genauer gesagt. Ein Lehrstück der völkischen Argumentation, das die Ideologie der Ungleichwertigkeit genau darlegt. Hasselbach schreibt:
Eine grauenvolle Tatsache ist es jedoch, daß jeden Tag ungefähr 1000 Kinder in der Bundesrepublik abgetrieben werden – 1000 Kinder, denen man die Chance auf ein Leben bereits im Mutterleib nimmt. Eine erschreckende Zahl, da dies einmal mehr zur negativen demografischen Entwicklung in unserem Land beiträgt. Währendessen läßt sich seit Jahren die Gebärfreudigkeit gerade ausländischer Familien feststellen. Nichtdeutscher Nachwuchs welcher – gefördert durch das herrschende System – in manchen Alterskategorien bereits den Löwenanteil bildet. In Zeiten zunehmender Homosexualisierung und Familienfeindlichkeit von Seiten der etablierten Politik steht damit unserem Land insgesamt eine katastrophale Zukunft bevor. Abtreibung ist durch fast nichts zu rechtfertigen, denn Familien sind die Keimzelle des Volkes aus der Kinder hervorgehen, die eines Tages unser Werk für ihre Nachkommen weiterführen und entwickeln sollen. Ein souveräner Staat muß daher dem Schwangerschaftsabbruch einen deutlichen Riegel vorschieben und insbesondere wirtschaftliche Absicherung bieten.
Noch nicht einmal die Zahlen, die Hasselbach aufführt, stimmen:
Der rückläufige Trend der Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland setzt sich fort. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, wurden im Jahr 2007 116’871 Schwangerschaftsabbrüche gemeldet, ein Rückgang um 2,4% gegenüber dem Vorjahr. Auch die Zahl der Abtreibungen an unter-18-Jährigen ist erneut zurückgegangen und zwar um 6%. Seit 1996, dem ersten Jahr nach Einführung der Fristenregelung, war die Zahl noch nie so tief. Die von Gegnern der Fristenregelung prophezeite massive Zunahme ist nicht eingetreten. Vielmehr ist die Zahl gegenüber den 80er Jahren deutlich gesunken – dank besserer Verhütung.
Besonders unpassend ist übrigens die Formulierung “Löwenanteil” im Bezuug auf menschlichen Nachwuchs. Was “zunehmende Homosexualisierung” eigentlich sein soll, das bleibt wohl Hasselbachs Geheimnis.
Völkische Ideologie: die Rechte des Individuums sind nachrangig
Klar ist hingegen: Den Völkischen geht es nicht um das einzelne Kind an sich, sondern um das Volk, welches ihrer Ideologie zufolge über allem steht, also auch ganz klar über dem Interesse von Frauen, die einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen lassen. Daher fordern die Neonazis: “Ein souveräner Staat muß daher dem Schwangerschaftsabbruch einen deutlichen Riegel vorschieben.” Sogar den rechtsextremen Wahn, die Bundesrepublik sei nicht souverän, bringt Hasselbach also noch in seinem Text unter. Auf den Seiten der “Freien Nationalisten München” wird revolutionärer Pathos übrigens groß geschrieben – doch ein Blick auf die Inhalte zeigt, dass es sich hier schlicht und ergreifend um herkömmliche Reaktionäre, teilweise verkleidet als Autonome, handelt.
Literaturtipp zur Konstruktion von Nationalismus und Volk:
Siehe auch: Apartheidspolitik à la NPD, Globalisierung: Die Angst der NPD vor dem “Volkstod”

“Daher fordern die Neonazis eine autoritäre Lösung: Der Staat müsse Schwangerschaften verbieten.”
Das meintest du bestimmt anders als es da steht, oder?
Ne, das war tatsächlich falsch formuliert, danke für den Hinweis.
Um das einmal umzurechnen: Es sind demnach nicht 1000, sondern nur 320 Abtreibungen pro Tag – also ein Drittel dessen, was die Nazis behaupten. Übrigens behauptete Pastörs auch einmal in einer Diskussion, in der DDR sei die Geburtenrate viel höher heute im Osten gewesen. Demnach hätte die Bevölkerung dort wachsen müssen. In Wahrheit schrumpfte sie aber.
Warten wir nun noch darauf, bis die Nazis auch gegen Verhütung sind, weil ein “souveräner Staat” ja keine Kondome anbieten würde. Mit Details wie den 2+4 Gesprächen beschäftigt man sich natürlich nicht, das ist doch alles Besatzerpropaganda…
Die Schnittmenge mit dem Panzerkardinal in Rom aber ist doch überraschend. Doch leider wird der sich nicht mit “Odin statt Jesus” anfreunden können. Schade, sonst hätte man ja einen mächtigen Mitstreiter – inklusive eines autoritären Staates ohne Gewaltenteilung.
Früher nannte man das übrigens Rassenzucht.
Da haben wir mit Papst Benedikt ja einen sehr guten Verbündeten in dieser Frage. Ach, übrigens der Schreiber dieser Zeilen würde sich durchaus als bekennenden Katholiken einordnen.
Was unsere ” heidnische ” Fraktion betrifft, so ist diese zweifellos und recht stark vorhanden, allerdings gehen beide Lager recht tolerant intern miteinander um.
..Und jetzt viel Spaß beim löschen.
“In Zeiten zunehmender Homosexualisierung”
Dass die braunen aus Unna in Papst Benedikt “einen sehr guten Verbündeten” auch in dieser Frage haben wundert nicht – zeigt doch die Ideologie der Katholischen Kirche mit ihren menschenfeindlichen Dogmen sehr viele Übereinstimmungen mit anderen fanatischen Ideologien. Es wird behauptet, dass Homosexuelle unsere Gesellschaft gefährden, dadurch dass sie keine Kinder bekommen.
Die Neonazis setzen mit ihrem Begriff “Homosexualisierung” die diskriminierende Pflege des nationalsozialstischen Gedankengutes fort. Im Nationalsozialismus standen die Homosexuellen Hitlers “Utopie von Volksgemeinschaft” im Wege – von daher wurden sie als verfolgungswürdige Menschen eingestuft.
Da Homosexuelle keine Nachkommen zeugen können, sind sie für die Arterhaltung bzw. Menschenproduktion – so die NS-Terminologie – überflüssig, quantitativ gesehen würden dem deutschen Volk durch ihre Existenz “potentielle Erzeuger von Kindern verloren” gehen.
Sexualität – und zwar nur in der Institution Ehe – war für die NS-Ideologie einzig und allein Mittel zum Zweck, sie diente allenfalls der Herstellung von Menschen, um die Art zu erhalten, und sollte keinesfalls eine Lustkomponente tragen, wobei gerade diese bei den sexuellen Aktivitäten Homosexueller zu finden ist.
(Literatur. Günter Grau (Hg.): Homosexualität in der NS-Zeit – Dokumente einer Diskriminierung und Verfolgung, Frankfurt/Main 1993)
Dann frage ich mich doch, lieber KV Unna, wie man als bekennender Katholik und Anhänger einer Religion, welche die Gleichheit aller Menschen und Nächstenliebe predigt und sich heute vom Antisemitismus distanziert, den rassistischen und Konsens der NPD unterstützen kann. Fällt der Groschen, oder muss man erst eine Münze einwerfen, damit das Gehirn anspringt?
[...] protest. wie place2be schon am 31.8. bei mir in den kommentaren anmerkte und nun auch auf dem npd-blog nachzulesen ist, mobilisieren nach münchen nämlich auch örtliche neonazis, was wohl auch einige [...]
[...] ignorieren. An dieser Stelle gibt es durchaus Überschneidungen mit Nazis, weshalb sich zumindest in München die ansässigen Freien Nationalisten am Aufmarsch beteiligen wollen. Der Protest sollte sich auf [...]
[...] kommen vor allem aus der Ecke fundamentalistischer christlicher Glaubensrichtungen und nationalistischer Bewegungen – ein eher seltsames, aber bei näherem Hinsehen gar nicht so unlogisches Bündnis von Gruppen, die [...]
[...] christliche Fundamentalisten keine Probleme mit Nazis und ihrer Ideologie haben ist an sich nichts neues, jedoch erschreckt es jedes mal wieder. [...]
[...] an den Märschen, wie 2008 in München, auch waschechte Neonazis unbehelligt teilnehmen können (hier und hier). Jene Zustände zum Gegenstand einer radikalen feministischen Kritik zu machen, haben [...]
[...] auch: Die “Freien Nationalisten München” und die NPD, Völkische Familienpolitik: “Freie Nationalisten” unterstützen Abtreibungsgegner Philipp Hasselbach ist führendes Mitglied der Münchner Neonazi-Szene, kandidierte 2009 für [...]
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