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Die rechtsextreme Bewegung ist nicht auf die NPD zu reduzieren

02. Januar 2009 16:47 57 mal gelesen Kein Kommentar

In der rechtsextremen “Volksfront von rechts” kracht es derzeit gewaltig: Die “Freien Kräfte” haben die Zusammenarbeit mit der NPD teilweise aufgekündigt. Die Unzufriedenheit mit der Parteiführung war offenbar zu groß.

 Kommentar in der taz vom 03. Januar 2008 / von Patrick Gensing

Und die Aussicht auf einen neuen Vorsitzenden Andreas Molau dürfte die parteifreien Neonazis weiter verdrießen. Der ehemalige Waldorfschullehrer kündigte nämlich bereits an, die rechtsextreme Partei für nationalkonservative Kreise öffnen zu wollen.

Aus Sicht der NPD ist das eine kluge Entscheidung. Immerhin steckt die Partei in einer strategischen Sackgasse. Einerseits ist sie auf die aktionistischen Neonazis angewiesen, um die Basis bei Laune zu halten und erfolgreich die Wahlkämpfe zu bestreiten. Andererseits verhindern die auf Krawall gebürsteten militanten Neonazis größere politische Erfolge in der ganzen Bundesrepublik. Mit ihnen wollen die meisten bürgerlichen Rechtsextremisten nichts zu tun haben.

Mit ihrer Distanzierung von der NPD stellen die “Freien Kräfte” also die Machtfrage hinsichtlich der wichtigsten Organisation innerhalb der rechtsextremen Bewegung. Einflussreiche Neonazis bezeichnen die NPD als ihre beste Waffe, denn sie benötigen eine offizielle Struktur, um an öffentliche Gelder heranzukommen und um größere Konzerte, Demonstrationen und andere Aktionen zu organisieren. Diese wegen der eingeschleusten V-Leute “unverbietbare” Partei ist für die Neonazis nicht unverzichtbar, aber sehr hilfreich.

Der aktuelle Machtkampf zeigt aber auch, was Politik und Medien gerne ignorieren: Die NPD ist nur ein Teil einer rückwärts gewandten sozialen Bewegung, sie ist ihr parlamentarischer Arm. Wer die politische Debatte über den Rechtsextremismus auf die NPD begrenzt, blendet dessen Komplexität sowie Schlagkraft aus, ebenso wie die konkurrierenden Strömungen und das enorme mit ihnen verbundene Konfliktpotenzial. Dieses bietet übrigens weit mehr Angriffspunkte gegen den ausdifferenzierten Rechtsextremismus als die x-te Neuauflage der NPD-Verbotsdebatte.

Siehe auch: “Volksfront” ade – Wulff verkündet Ende der Zusammenarbeit mit der NPD, NPD-Machtkampf: Parteichef Voigt sucht Unterstützung der “Freien Kräfte”, Molau will NPD für nationalkonservative Kreise öffnen, NPD-Bundesvorsitz: Molau bestätigt Kandidatur gegen Parteichef Voigt , NPD-Vorsitz: Apfel und Pastörs werfen Molaus Hut in den Ring, “Sozial geht nur national”? NPD und DVU im Westen ohne Chance

Kein Kommentar »

  • Niels said:

    wohl eher 2.Januar oder?

    und natürlich Lob: Guter Text!

  • Axel Mylius said:

    Welche “nationalkonservativen Kreise” meint denn der Herr Molau eigentlich? – Sind diese Kreise nicht schon längst Bestandteil der NPD?

    Aber wenigstens weiß` man jetzt, warum es auch im Jahre 2009 zu keinem NPD-Verbotsverfahren kommt… *lol*

    Ich bin der Überzeugung, dass jene nationalkonservativen Kreise jetzt schon dafür sorgen, dass es in der Öffentlichkeit so aussieht, als würde eine NPD nicht Hand-in-Hand mit den “Freien Kräften” gehen… usw.usf.

    Die maßgeblichen Nazis sitzen ganz Woanders – und da sitzen sie schon seit Jahrzehnten.

  • P.G. said:

    Danke für das Lob. 03. Januar ist richtig (06. war natürlich quatsch), der Kommentar wurde vorab auf taz-online veröffentlicht, ist aber erst morgen in der Printausgabe.

  • Heinz Oskar Hauenstein said:

    Andreas Molau wörtlich: “Ich stehe für einen modernen europäischen Nationalismus im Sinne Henning Eichbergs und Alain des Benoists als einzige Alternative zu einer unsozialen Globalisierung und werde in den nächsten Wochen und Monaten für diesen Weg in der NPD und im weiteren nationalen und konservativen Bereich werben.”

    Molau spricht eben nicht von nationalkonservativen Kräften, um die er werben will, sondern er will werben um Nationale und um Konservative. Das ist etwas völlig unterschiedliches.

    Man kann das leicht aus dem Zusammenhang ersehen, in dem Andreas Molau ja eben Bezug nimmt auf Henning Eichberg und Alain des Benoist. Hiermit meint er eher nationalrevolutionäre Kräfte.

    Heinz_OH