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Überfall auf 13-Jährige: Zwei Jahre Haft für Neonazi Kevin S. gefordert

05. Januar 2009 18:59 166 mal gelesen 11 Kommentare

Im Prozess um den Neonazi-Überfall auf ein linkes Zeltlager in Nordhessen vor dem Landgericht Kassel hat die Staatsanwaltschaft am 05. Januar 2008 eine Jugendstrafe von zwei Jahren und drei Monaten für den Angeklagten Kevin S. gefordert. Der Verteter der Strafverfolgungsbehörde wirft dem 19-Jährigen schwere Körperverletzung und Sachbeschädigung vor, weil er im Juli 2008 mit einer Glasflasche und einem Klappspaten mehrfach auf ein 13-jähriges Mädchen und ihren zehn Jahre älteren Stiefbruder eingeschlagen hatte, während sie schliefen.

Von Kai Budler 

Nur durch Zufall habe der Angriff für die wehrlosen Opfer keine schlimmeren Folgen gehabt, sagte der Staatsanwalt. Damit wird Kevin S. nicht wegen versuchten Mordes verurteilt, wie es das Gericht anfangs noch nicht ausgeschlossen hatte. Eine verminderte Schuldfähigkeit in Folge eines übermäßigen Alkoholgenusses schloss der Staatsanwalt aus: Kevin S. sei der Initiator des Überfalls gewesen, überlegt und planvoll vorgegangen und habe sich anschließend mit der Tat gebrüstet. Nachdem er die Gewalt zu seiner Handlungsoption gemacht habe, sei unklar, ob der angebliche Ausstieg aus der Neonaziszene heute nur ein Lippenbekenntnis sei.

Der Verteidiger des Angeklagten und ehemaliger Landtagskandidat der NPD, Dirk Waldschmidt, wertete den Ausstieg als ebenso straf mildernd wie das Geständnis und die Reue seines Mandanten. Die dem 23-jährigen Opfer zugefügten Verletzungen bewegten sich „am Rand einer gefährlichen Körperverletzung“ und auch die seiner Stiefschwester seien im Vergleich nicht derart schwer, dass es nötig sei, den oberen Strafrahmen auszuschöpfen. Ohnehin müsse bei der Tat der Alkoholkonsum beachtet werden, denn unter diesen Umständen hätte es auch auf einer Burschenschaftsfeier zu einem solchen „dummen Zwischenfall“ kommen können. Da Kevin S. nicht gewusst habe, dass es sich bei seinem Opfer um ein 13-jähriges Mädchen gehandelt habe, liege auch keine für die Jugendstrafe erforderliche Schwere der Schuld vor. Waldschmidt plädierte für „geeignete Zuchtmittel“ und eine Geldstrafe im Rahmen eines Täter-Opfer-Ausgleichs.

 

Bereits vor den Plädoyers hatte sich der Verteidiger der Nebenklage mit dem von Kevin S. ins Gespräch gebrachten Täter-Opfer-Ausgleich einverstanden erklärt. Als Bedingung forderte er ein Schmerzensgeld von insgesamt 5000 Euro und die Teilnahme des Angeklagten an dem Aussteigerprogramm IKARus des hessischen Landeskriminalamtes. Der 19-jährige hatte gegenüber dem Verteter der Jugendgerichtshilfe behauptet, innerlich mit der Neonaziszene abgeschlossen zu haben. Vor Gericht erklärte er, künftig nicht mehr politisch aktiv sein zu wollen, betonte aber gleichzeitig: „Ich habe meine politische Einstellung, die kann man mir nicht nehmen.“

 Angefangen hatte der Verhandlungstag mit den den Ausführungen des Rechtsmediziners Klaus Steffen Saternus. Demnach erlitten die Opfer insgesamt mindestens acht Schläge gegen Kopf, Hüfte, Oberschenkel und das Sprunggelenk. Zwar seien die Tatwaffen geeignet, den Opfern schwerste Verletzungen zuzufügen, dafür aber seien die Schläge mit einer zu geringen Intensität ausgeführt worden. Bei der Untersuchung des Alkoholgenusses schloss Saternus einen Vollrausch aus. Der nach Angaben von Kevin S. errechnete Alkoholwert betrug zum Tatzeitpunkt 2,5 bis 2,8 Promille: Dies passe zwar zu der „erheblichen Enthemmung“, eine damit einher gehende Einschränkung der Steuerungsfähigkeit sei bei dem Überfall aber nicht erkennbar. Auch das Überklettern des 2,50 Meter hohen Zauns sei eher eine außerordentliche motorische Leistung als das Werk eines Betrunkenen. Ein Urteil wird am 12. Januar 2008 erwartet.

Siehe auch: “Nüchtern hätte ich das nie gemacht” – Prozessauftakt gegen Kevin S., Fall Kevin S.: Opfer-Familie will Anklage wegen versuchten Totschlags erreichen, Video von NPD-Aufmarsch: Daniel Cohn-Bendit “an die Wand stellen”, Hessen: Ex-”Volksfront-Medien”-Macher aus Nazi-Szene ausgestiegenHessen-NPD marschiert: “Cohn-Bendit an die Wand stellen”, Hessen: Offenbar erneut brutaler Nazi-ÜberfallHessen: Staatsanwaltschaft prüft Anklage wegen versuchten Mordes,   Nazi-Überfall in Hessen: 13-Jährige schwer verletzt, Täter aus NPD-Umfeld, Hessen: Keine organisierte Nazi-Szene?!?, Angriffe auf jugendliche Camper: “In Buchenwald, da machen wir die Juden kalt”, Nazi-Überfall: 13-Jährige außer Lebensgefahr

11 Kommentare »

  • Hans Christoph Stoodt said:

    Diese Strafmaßforderung ist absolut unglaublich – sie stellt eine Ermutigung zu weiteren Nazi-Gewaltakten dar!
    http://antinazi.wordpress.com/2009/01/05/staatsanwaltschaft-fordert-strafe-fur-kevin-schnippkoweit-zwei-jahre-und-drei-monate-wegen-schwerer-korperverletzung/

  • Kevin S. ein junger Neonazi « said:

    [...] weiter lesen [...]

  • NPD-BLOG.INFO » Überfall auf 13-Jährige: Zwei Jahre Haft für Neonazi Kevin S. gefordert « dokumentationsarchiv said:

    [...] Hinterlasse einen Kommentar » via NPD-BLOG.INFO » Überfall auf 13-Jährige: Zwei Jahre Haft für Neonazi Kevin S. gefordert. [...]

  • Margot said:

    Das ist ein Witz, der muß mindestens 10 Jahre wechgeschlossen werden!

  • 2 Jahre Haft für Kevin S. gefordert « Rakete said:

    [...] Für den Neonazi Kevin S., der im Sommer ein linkes Zeltlager in Hessen überfallen hat, hat die Staatsanwaltschaft zwei Jahre und drei Monate Haft gefordert. Kai Budler war beim Prozess dabei. [...]

  • Parteiloser said:

    @Margot

    Sie fordern also die Höchststrafe und noch mehr für jemanden, der zur Tatzeit nachweislich unter starkem Alkoholeinfluss stand, sich im Nachhinein geläutert zeigt und beschlossen hat persönliche Konsequenzen zu ziehen?

    Ich will seine Tat nicht im geringsten herunterspielen, aber ich bezweifle, dass Sie nur die Tat bewerten, als dass Sie seine Propaganda für Sie persönlich als einen Beweis seiner besonders schweren Schuld nehmen.
    Ich persönlich befinde die Anklage für durchaus angemessen. Man muss nicht jede Gelegenheit für ein Exempel nutzen wollen nur weil sie sich bietet, sondern auf dem Boden der Rechtsstaatlichkeit bleiben. Auch dem braunen Mob gegenüber.

  • Birgit said:

    @Parteiloser

    Übertreiben Sie da nicht ein wenig? Seit wann wird auf diesem Blog “Propaganda” betrieben? Das gehört dann wohl doch eher ins rechtsextremistische Spektrum.

    Im Übrigen halte ich diese Strafe auch für viel zu gering. Ich finde es wird langsam Zeit dass man bei solchen menschenverachtenden Überfällen mal ein Exempel statuiert, bevor die Nazis noch glauben sie könnten für solche Gewalttaten auch noch Unterstützung durch unser Rechtssystem erhalten. Damit würde man meiner Meinung nach die Bevölkerung für die Nazis zum Abschuss freigeben. Frei nach dem Motto: “Überfallt ruhig wenn immer ihr wollt, aber achtet darauf, dass ihr vorher genug Alkohol getrunken habt, damit sich das ganze dann auch ja strafmildernd auswirkt.”
    Ich weiß, so ist es sicher nicht gemeint, aber da den Nazis das egal ist, werden sie es genau auf diesen Konsens beschränken. Es reicht ihnen auch völlig um ihre Ziele zu erreichen: Angst unter der Zivilgesellschaft zu verbreiten durch Gewalt und Terror gegen die Bevölkerung!

  • Parteiloser said:

    Birgit, ich habe mich wohl wieder missverständlich ausgedrückt. Der Ausdruck “Propaganda” bezog sich auf die aktive Teilnahme Schnippkoweits am AN-NPD-Projekt “Volksfront-Medien”. Diese macht Schnippkoweit für die Braunen zu so etwas wie einen “Prominentenfall”. Nebenbei berichtet: Schnippkoweit kann sich freuen, wenn er nicht bei erst bester Gelegenheit einen Besuch eines braunen Schlägertruppts erhalten wird.

    Um ehrlich zu sein, ich bin kein Jurist und kenne keinen vergleichbaren Fall. Besitze diesbezüglich also keine Kompetenzen. Aber eine zweijährige Haftstrafe befinde ich persönlich unter Berücksichtigung der bereits von mir aufgeführten Punkte für einen ausreichend strafenden Eingriff in das Leben des Täters.
    Ich kann mir vorstellen, dass unter dem Umstand der aktuellen Diskussion, ausgelöst durch den Fall Mannichl, genau überlegt worden ist wie Schnippkoweit bestraft werden kann.

    Ich weiß nicht, ob Sie die Strategie der Rechtsextremisten nicht doch leicht verkennen. Sicher gehört dies zu einer Ihrer Ziele gegenüber von ihnen ausgemachten Feinde, jedoch: müssen die Rechtsextremen dafür wirklich auf körperliche Gewalt zurückgreifen, dass diese tatsächlich als eine Strategie bezeichnet werden kann? Hat es sich nicht bereits als äußerst effektiv für die Rechtsextremen herausgestellt die Heime und Arbeitsplätze ihrer Gegner zu belagern und hetzerische Propaganda zu verteilen?
    Abgesehen davon, fallen nicht ohnehin die meisten Gewaltakte von Rechtsextremen unter der Kategorie “Kurzschlusshandlung” (ohne diese Gewaltausbrüche abmildern zu wollen) bei denen Drogen häufig zuvor konsumiert wurden?
    Bei anderen Fällen, in denen die Opfer gezielt aufgesucht werden, glauben Sie wirklich man würde gezielt den Erfolg riskieren, indem man sich vorher ordentlich “besäuft”?
    Mir ist irgendwie nicht klar wie Ihr Ansatz, der zunächst berechtigt klingt, in die Praxis finden soll.

    Was wollen Sie machen!? Wir können doch nicht unsere Prinzipien verraten und Recht beugen um ein Zeichen zu setzen.
    Achja. Sofort gestanden hat der Täter auch noch. Ein weiterer strafmildender Umstand.

    Welches Strafmaß halten Sie für angemessen?

  • Birgit said:

    @Parteiloser
    Danke für den zusätzlichen Hinweis. :-)

    Aber Sie haben Recht, inzwischen betrachte ich die rechtsextremen Gewalttaten durchaus als strategisch eingesetztes Mittel. Bis vor einiger Zeit hätte ich Ihnen voll und ganz zugestimmt und vermutet, dass diese Gewalt Kurzschlusshandlungen sind. Da ich auch ohne Gewalt problemlos durchs Leben komme, hätte ich mir das auch gar nicht anders erklären können.

    Die Angriffe auf die Journalisten bei der Demo in Hamburg haben mich dann aber bewogen mich näher mit diesem Thema zu befassen. Also habe ich mich mit dem Aufstieg des dritten Reiches befasst und so nach und nach begriffen, dass Gewalt bewusst benutzt wurde um die Bevölkerung in Angst und Schrecken zu versetzten. Damals gab es zahlreiche Auseinandersetzungen vorzugsweise mit Mitgliedern der kommunistischen Partei. Die damaligen Nazis provozierten ganz gezielt Schlägereien bis hin zu Bürgerkriegsähnlichen Zuständen und gaben ständig ausschließlich den Kommunisten die Schuld daran. Die Nazis von 1933 konnten durch ihre Propaganda wirklich in der Öffentlichkeit den Eindruck erwecken, dass sie die „Guten“ hingegen die Kommunisten und die SPD die „Bösen“ seien.

    Dann habe ich dieses Vorgehen mit dem Vorgehen der modernen Nazis verglichen. Auch heute wird offensichtlich viel von dieser Taktik übernommen. Die Drohgebärden sind die eine Seite aber auch Übergriffe auf Menschen werden aktiv unter Nazis diskutiert.
    (Siehe: http://www.netz-gegen-nazis.de/frage/warum-ist-gewalt-fuer-nazis-so-reizvoll)

    Viele die sich im Kampf gegen den Rechtsextremismus engagieren können ein Lied davon singen, dass die heutigen Nazis mit Drohungen in jeder Form nicht gerade zurückhaltend umgehen. Das fängt im Kleinen an und reicht über öffentliche Morddrohungen bis hin zu Übergriffen. Nun könnte man durchaus sagen Hunde die Bellen beißen nicht zwangsläufig. Das ist richtig, aber ich bin mir ehrlich gesagt nicht mehr so ganz sicher, wer nun eigentlich die Situation verkennt. Die, die sagen dass das alles übertrieben ist, oder die die sagen dass man so ganz allmählich einmal genauer hinsehen sollte. Schwer zu sagen. Wie soll man es einstufen, wenn in Tschechien ein Überfall auf einen Stadtteil angekündigt und auch durchgeführt wird?
    (http://www.netz-gegen-nazis.de/artikel/tschechische-neonazis-im-aufwind )

    Wie gesagt, ich bin inzwischen zu der Überzeugung gelangt, dass diese Gewalt wirklich bewusst und geplant eingesetzt wird. Deshalb spreche ich es auch genau so aus, denn diesen Umstand herunterzuspielen oder gar zu verschweigen hilft wohl eher den modernen Nazis und weniger der Demokratie. Zudem lasse ich mir lieber vorwerfen übertrieben argumentiert zu haben, als womöglich irgendwann einmal mir dem Vorwurf „Ihr hättet es doch besser wissen müssen“ konfrontiert zu werden. Da ich eine Wiederholung der Geschichte nicht ausschließen kann, bin ich eben in diesem Fall lieber Übervorsichtig. Ich lebe gern in einer Demokratie und möchte schon, dass diese auch in Zukunft weiterhin bestand hat.

  • Parteiloser said:

    Danke für die aufschlussreiche Antwort. :)

    Auf jedem Fall vertreten Sie einen Standpunkt, den man nicht unter dem Teppich kehren darf.

    Im NW wird ja seit jeher über terroristische Aktivitäten diskutiert. Bisher verließ man sich glücklicherweise auf den parlamentarischen Weg. Das erhoffte Ziel, der stetige Ausbau der Einflussnahme innerhalb der Parlamente, scheint mehr und mehr unerreichbar.
    Jetzt, da die “Volksfront” aufgekündigt ist, verliert die NPD ihren “gemäßigten” Einfluss auf die Extremsten der Szene. Die werden sich jetzt nicht mehr sagen lassen wie sie sich zu verhalten haben.
    Weiterer Punkt ist, dass sich der NW ja eine Deadline setzt bis wann aus ihrer Sicht der “Point of no Return” erreicht sein soll. Je näher wir diesem kommen um so mehr Verzweifelung und damit eine erhöhte Gewaltbereitschaft dürfte sich im NW breit machen. Somit dürften die Terrorforderer mehr Gehör erhalten und die Drohungen Riegers mehr Richtung Realität rücken.
    Ereignisse wie der 1. Mai in Hamburg wird von rechtsextremer Seite sicherlich als so etwas wie Proben für den richtigen Aufstand gesehen. Man leckt Blut und erhält ein Gefühl der Befriedigung, wenn man Journalisten, die man schon seit langem auf der Abschussliste hat, Auge in Auge gegenüber steht und ihnen zeigen kann was echte nationale Argumentationskraft ist, wenn man wie eine Meute losgelassener Affen über sie herfallen kann.
    Kürzlich durfte ich lesen, dass, wenn die NPD Tagesausflüge veranstaltet, man Marschformationen übt.
    Die soziale Isolation scheint mir ein besonders wichtiger Punkt zu sein, um sich die Anhänger gefügig zu machen, dass diese die eigene “Wahrheit” verinnerlichen, nur noch einer Seite trauen und dies gefestigt nach außen tragen können.

    Im übrigen finde ich es etwas amüsant wie momentan der Fall Schnippkoweit unter den Braunen diskutiert wird. Erst ist er ein Verräter, dem man schleunigst einem Besuch abstatten möchte, dann fragt man sich doch wieder, ob sein Verhalten nur taktischer Natur sei, um sich dann wiederum die Frage zu stellen, wenn Schnippkoweit so ein Schädling für den NW mit seiner Aktion ist, wie tragbar dann wohl die anderen Herren sind, die nicht wegen Einzelaktionen auffallen und gar hohe Positionen einnehmen.
    So sieht es aus, wenn der Diskurs auf Parolen und lerem Schwadronieren basiert. Dann sind selbst einfache Fragen wie die der Solidarität gegenüber Schnippkoweit zu komplex, als dass man sie beantworten könnte.

    Beste Grüße,
    Parteiloser

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