Berlin: Protest gegen neuen “Thor Steinar”-Laden
In Berlin-Friedrichshain demonstrierten am 28.02.2009 rund 250 Menschen gegen die Neueröffnung des “Thor Steinar”-Ladens “Tromsø”. Das Geschäft in der Petersburger Str. 94 verkauft nach Aussage der Grünen-Sprecherin für Strategien gegen Rechtsextremismus, Clara Herrmann, nur die Marke “Thor Steinar” (Tagesspiegel). Diese gilt als Modemarke der Neonaziszene. Dass sich der Protest gegen Läden der rechten Szene lohnt, wurde bereits mehrfach bewiesen. Beispielsweise wurde der Inhaber des “Tønsberg”-Ladens in Berlin-Mitte im Oktober 2008 dazu verurteilt, das Geschäft in der Rosa-Luxemburg-Straße zu räumen. Ähnlich entschieden auch die Richter in Leipzig, Magdeburg und Hamburg.
Broschüre: Investigate THOR STEINAR (pdf, 1,5 MB)
Siehe auch: “Hardcore” als Neonazi-Marke rechtlich geschützt, Neuer “Thor Steinar”-Laden in Dessau, Thor Steinar bei der Berliner Polizei, “Thor Steinar”-Laden in Magdeburg muss schließen, Thor Steinar – “Hausbesuche” mit G36 sorgen für neuen Ärger, Hamburg: “Thor Steinar” auf dem Weg zur etablierten Marke?, Hamburg: Eröffnung von Thor-Steinar-Laden zwischenzeitlich gestoppt, Spekulationen über Neubau des Thor-Steinar-Modemachers, Norwegen geht gehen Quisling-Fans vor, Berlin: Neuer Thor-Steinar-Laden lockt Neonazis nach Mitte.


Der Naziladen heißt Tromsø, benannt nach der norwegischen Stadt.
Guter bericht, nur der neue Laden heißt: Tromso (mit nem strich im o). (Nicht dass der Name wirklich so von Interesse wäre, aber der Ordnung halber..)
Ein Video der Demo gibt es übrigens hier:
http://www.morgenpost.de/videos/article1044720/Demonstration_gegen_Thor_Steinar_Laden.html#autoplay
Und Fotos hier:
http://flickr.com/photos/jakobhuber/
http://www.flickr.com/photos/28169281@N06/3315540345/
Hab mal geschaut, brauch 20min mit Auto von zuhause bis dahin. Hoffe die schließen den Laden. Die pdf ist sehr informativ.
Vielleicht sollte aber nicht unerwähnt bleiben, dass es womöglich genau das Kalkül der Steinar-Leute ist, sich unter einem unverfänglich wirkenden „Outdoor”-Label in bester Lage einzumieten und nur noch darauf zu warten, dass dann irgendjemand herausfindet, dass es sich um einen Steinar-Ableger handelt. Das kann man sonst auch ggf. selber streuen. Dann bricht die Welle des Protests los – auf die Reflexe der Antifa ist schließlich Verlass – der Vermieter gerät unter öffentlichen Druck und versucht alles, um die Wölfe im Schafspelz wieder loszuwerden. Wenn es dann nur mittels einer hohen Abfindungszahlung geht, ist das denkbare Kalkül der Steinar-Leute aufgegangen. So kann man schnell und einfach viel Geld verdienen.
Verfolgt(e) die dauerhaft klamme NPD denn nicht eine vergleichbare Strategie mit ihren Immobilienkäufen? Jemand kauft privat irgendein Haus, bis irgendwann ruchbar wird, dass es sich bei dem Käufer um eine Marionette der NPD handelte, die diese Räume eigentlich nutzen will (vermeintlich). Sobald dies bekannt ist, versucht die jeweilige Gemeinde, die Immobilie teuer zurück zu kaufen, was mit einem Gewinn für die NPD endet. Das ist selbstverständlich keine Tatsachenbehauptung, sondern eine Wiedergabe von andernorts bereits geäußerten Vermutungen.
In diesem Licht ist die Feststellung in obigem Artikel, wonach sich der Protest gegen Läden der rechten Szene lohne, ambivalent. Es könnte sich dabei durchaus auch um Pyrrhussiege handeln. Der Protest könnte sich auch in erster Linie für Steinar lohnen. Nicht zu vergessen, dass Steinar auf diese Weise eine enorme kostenlose Publicity erhält. Steinar verfügt über einen sehr modernen Online-Shop und ist bei genügend Publicity vielleicht gar nicht auf Ladenlokale angewiesen.
Man sollte sich immer klar machen, dass womöglich das Fußvolk der Rechten – so mein persönlicher Eindruck – eher zu den bildungsfernen Schichten zu zählen ist, dass aber weiter oben durchaus intelligente, wenn auch ideologisch verblendete Köpfe am Werk sind – die gefährlichste Mischung überhaupt. Das sollte man bei aller Antipathie unbedingt anerkennen, weil man sonst unter falschen Prämissen handelt, was nur nach hinten losgehen kann.
Dies soll kein Plädoyer gegen einen Protest gegen Rechts sein. Vielmehr soll der Wunsch zum Ausdruck gebracht werden, dass man darüber nachdenkt, ob es sich wirklich um einen Sieg im Kampf gegen Rechts handelt, wenn man exakt gemäß einem denkbaren Kalkül der Rechten handelt und so dazu beiträgt, dass dieses aufgeht. Man sollte sich Gedanken machen, wie man einen Sieg erringen kann bei gleichzeitiger Durchkreuzung möglicher Kalküle rechter Gruppen.
Ich finde diesen Protest gegen Thor Steinar total daneben. Erstens finde ich es lächerlich, gegen eine Firma vorzugehen, nur weil sie Kleidung herstellt, die bei Nazis beliebt ist. Zweitens haben mehrere Ladenbesitzer schon Entschädigungszahlungen abgegriffen, weil Ihnen vor Vertragsende gekündigt wurde.
Drittens kam es bei diesen Protesten immer wieder zu Angriffen auf Kunden und sogar vermeintlichen Kunden dieser Läden und mittlerweile geht es schon so weit, das Kleidung mit norwegischer Flagge als Rechts identifiziert wird.
Auch lässt der Protest jegliche Phantasie vermissen, ich würde zum Beispiel Kopien der Kleidungsstücke anfertigen und mit linken Symbolen verzieren. Wie lange würde Thor Steinar noch die Lieblingsmarke der Nazis sein, wenn lauter Linke damit rumlaufen?
[...] Wegen der Neueröffnung des Naziladens fand heute (28.02.2009) eine Demonstration statt. Weitere Infos über die Demonstration in Friedrichshain findet ihr hier: [1;2;3] [...]
Schon allein der Standort ist mehr als eine Provikation. An der Stelle des alten SA-Folterkellers und genau neben der Gesundheitsberatungsstelle für MigrantInnen.Hoffentlich geht es diesem Laden ähnlich wie denen in der Rosa-Luxemburg-Str., in Leipzig und weiteren Ex-Standorten…
Ist etwas über den Standpunkt des Vermieters zum Laden bekannt?
Grüße
Oliver
zu Flupke:
Es gibt erste Urteile, dass den Betreibern solcher Läden sehr wohl ohne Entschädigungszahlung gekündigt werden kann, da sie sich ja oft als “harmloser Outdoorladen” einmieten. Oft ist dann auch beim Vermieter der Schreck groß, wenn er bei der Eröffnung merkt, wen er sich da ins Haus geholt hat. Daher haben schon mehrere Gerichte Räumungsklagen statt gegeben, da der Mieter unter arglistiger Täuschung zum MIetvertrag gekommen ist. In Magdeburg und auch hier in Berlin in der Rosa-Luxemberg-Str. wurden die Läden rausgeklagt. Das geht zwear wohl hoch bis zum allerobersten zuständigen Gericht, aber zwei Instanzen haben schon dementsprechend geurteilt. In diesem Fall muss durch Kampagnen und Demonstrationen darauf aufmerksam gemacht werden und der Druck auf den Vermieter erhöht werden.
Zu Popeye:
Du hast scheinbar die pdf von “Investigate Thor Steinar” nicht gelesen, sonst würdest du so etwas wie “Erstens finde ich es lächerlich, gegen eine Firma vorzugehen, nur weil sie Kleidung herstellt, die bei Nazis beliebt ist.” nicht sagen und mal ganz unter uns: Du findest es sicher auch nicht gerechtfertigt, Kleidung besonders für Nazis herzustellen, oder?
“Erstens finde ich es lächerlich, gegen eine Firma vorzugehen, nur weil sie Kleidung herstellt, die bei Nazis beliebt ist.”
TS ist wohl eher von Nazis für Nazis! Lies dir mal die Broschüre Investigate Thor Steinar durch (wenn du nicht selber von rechtsaußen bist).
“Wie lange würde Thor Steinar noch die Lieblingsmarke der Nazis sein, wenn lauter Linke damit rumlaufen?”
Na das könnte dir und vielen braunen Pappenheimern wohl passen, wenn Linke anfangen in Nazi-Klamotten zu investieren. Träum weiter!
“Ich finde diesen Protest gegen Thor Steinar total daneben. Erstens finde ich es lächerlich, gegen eine Firma vorzugehen, nur weil sie Kleidung herstellt, die bei Nazis beliebt ist.”
Beschäftigte dich doch bitte erstmal mit den Hintergründen zur Marke Thor Steinar. Dieser von dir beschriebene Sachverhalt trifft auf Schulen zu, die Lonsdale-Klamotten verbieten, aber nicht auf Thor Steinar.
Popeye,
erstens gibt es bereits ironische Anspielungen auf Thor Steinar unter dem Namen “Storch Heinar”:
http://www.endstation-rechts.de/index.php?option=com_content&view=article&id=2648&Itemid=482
Zweitens ist die Marke nicht einfach nur bei Nazis beliebt, sondern wird auch von einem Nazi hergestellt und orientiert sich in Ihrer Symbolik klar am Nationalsozialismus. Die Nähe ist also gewollt. Das unterscheidet Thor Steinar zum Beisipiel von Londsdale, die für ihre Beliebtheit bei Nazis nichts konnten und dagegen vorgingen.
Mit der Bemerkung, das Kleidung mit norwegischer Flagge als “rechts” identifiziert wird, sagen Sie darüberhinaus selbst aus, warum man dagegen vorgehen muss: Die Nazis versuchen unentwegt, ganz verschiedene Symbole für sich zu besetzten, umzudeuten, mit ihrer Ideologie zu verbinden und so in der Gesellschaft rechtes Gedankengut etablieren, z.B. eben die Flagge oder das eigentlich linke Erscheinungsbild der “autonomen Nationalisten”, die Kapitalismuskritik, der Begriff “nationale SOZIALISTEN”, seit vielen Jahren bereits die Skinheadbewegung, das Antifa-Symbol (die wehende Flagge), englische Parolen…
Das darf man ihnen nicht durchgehen lassen und darum sind Aufklärung dazu und Widerstand dagegen notwendig.
Die Kampagnen gegen Thor Steinar haben auch einen großen Erfolg zu verbuchen: Es ist den Nazis um Thor Steinar nicht gelungen, mit ihrer Kleidung auf leisen Sohlen in der Mitte der Gesellschaft anzukommen.
Durch alle Aufklärungskampagnen wurde der Großteil der Bevölkerung sensibilisiert und heutzutage kann man zu 95% davon ausgehen, dass ein Nazi in Thor Steinar Klamotten steckt.
Gewalt ist nie ein Mittel und Übergriffe verurteile ich in jeglicher Form! Aber sowas muss ich nicht noch extra erwähnen, das ist eigentlich selbstverständlich.
Es stimmt, das Vorgehen gegen Thor Steinar hätte ich nicht als lächerlich bezeichnen dürfen, doch ich empfinde es als medienwirksamen Nebenkriegsschauplatz.
“Na das könnte dir und vielen braunen Pappenheimern wohl passen, wenn Linke anfangen in Nazi-Klamotten zu investieren.”
Darum habe ich ja geschrieben, man sollte die Klamotten kopieren.
Wie schnell man doch für Kritik gleich in die rechte Ecke gestellt wird!
Ich bin liberal, gegen Rechts- UND Linksextremismus und habe was dagegen, wenn der Kampf gegen rechts von Vandalismus und Gewalt begleitet wird.
Die Linke beschwert sich also über die Übernahme von Symbolen und Parolen von rechts, doch wie sehr sich Links und Rechts inzwischen ideologisch gleichen, hat man z. B. in den letzten Wochen in Bezug auf den Gazakrieg ja gesehen.
wie kann es sein, dass auf dieser seite reklame angezeigt wird (google-anzeigen), dass mensch bei ebay thor steinar klamotten kaufen kann. gehts eigentlich noch??!!
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Hallo,
das liegt an GoogleAds. Es gibt glücklicherweise eine Spam-Liste, dort habe ich den Link eingetragen. Damit sollte dieses Angebot hier nicht mehr erscheinen. Bei weiteren ähnlichen Anzeigen bitte einen Kommentar schicken oder eine Email an npd-blog.info ( at ) email.de
Danke für den Hinweis.
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