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Weiterer Neonazi-Aussteiger geht an die Öffentlichkeit

09. Januar 2010 07:53 2.024 mal gelesen 8 Kommentare

Die taz hat ein Interview mit einem weiteren Neonazi-Aussteiger aus Hamburg veröffentlicht. Maik P. sei nun in der linken Szene aktiv, heißt es. Der Weg dorthin sei weit gewesen, so P. Zudem seien Viele vorsichtig gewesen – zu Recht, meint er. “Mir wurde langsam klar, wie wenig Gehalt die rechten Schriften wie die “Protokolle der Weisen von Zion” haben. Ich hatte in der Szene einfach aufgehört nachzudenken. Als ich dann total kaputt war, ausgebrannt, mich völlig kraftlos fühlte, emotionslos, wie eine Maschine, begann ich mein Leben zu hinterfragen. Mir fiel auf, dass die links-alternativen Ansätze gar nicht so verkehrt sind.”

Hamburger Morgenpost: Fotostrecke – Maik P. und sein Leben als Neonazi

Auch für P. war der 1. Mai 2008 in Hamburg ein Wendepunkt. “Damals gab es ja diese massiven Übergriffe von meinen Ex-Kameraden. Fünfzehn gingen da auf einen Demonstranten los. Das hat mich echt geschockt.” Ihm sei klar geworden, “wie wenig wir politisch wirklich als Alternative zu dem Bestehenden anbieten. Nämlich gar nichts”. Auch der Autonome Nationalismus biete nichts an, meint P. “In der NPD und bei den Autonomen Nationalisten wird das Soziale ethnisiert. Doch einzelne Ethnien sind nicht Schuld am Kapitalismus, der mit seiner Globalisierung weltweit Mensch und Tier ausraubt und vernichtet.”

Geht die rechte Kapitalismus-Kritik nach hinten los?

Frank Försterling als Anti-Antifa-Fotograf auf einer NPD-Demo im Jahr 2005

Frank Försterling als Anti-Antifa-Fotograf auf einer NPD-Demo im Jahr 2005

Interessanterweise haben sich andere Aussteiger ähnlich geäußert, beispielsweise der Hamburger Ex-Neonazi Frank Försterling, der ein Weggefährte von Maik P. war. Die Pseudo-Kapitalismuskritik der Neonazis könnte also ein Ansatzpunkt für Gegenstrategien sein, um den Kadern die Menschenfeindlichkeit der extrem rechten Ideologie deutlicher zu machen.

Dass der Ausstieg aus der Neonazi-Szene auch mit Gefahren verbunden ist, zeigt auch der Fall Maik P. Er sagte am 07. Januar 2010 vor dem Amtsgericht Hamburg-Barmbek gegen Ex-Kameraden aus, die ihn nach dem Ausstieg bedroht und einen Freund verprügelt haben. “Zu dem Prozess gehe ich nicht ohne Schutz”, betont P. Er kenne die Hamburger Szene nur zu gut: “Sie schlägt schnell zu.” In der NPD und dem Kameradschaftsnetzwerk seien es “die militanteren Kräfte um Jan-Steffen Holthusen, die bestimmen”. Mit ihm habe er zusammen gearbeitet, erzählt P. “Mein Ausstieg ist für sie eine Provokation.”

Dementsprechend fallen auch die Reaktionen in der Neonazi-Szene aus. P. wird im Internet als Mitläufer und Wichtigtuer bezeichnet. Der Ausstieg sei ein Gewinn für den “Nationalen Widerstand”.

Übrigens verurteilte das Gericht den Angreifer nach Angaben der Hamburger Morgenpost zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen á acht Euro wegen Körperverletzung. Außerdem muss der Neonazi seinem Opfer 300 Euro Schmerzensgeld zahlen, so das Urteil des Amtsgerichts Barmbek.

Siehe auch: Ein Neonazi steigt aus: “Ich will, dass es allen Menschen gut geht”, Interview mit Aussteiger Frank Försterling: “Autonome Nationalisten” werden die Skinheads ablösen, Innenansichten aus der Neonaziszene: Ein Autonomer Nationalist steigt aus, Rückblick: Ein NPD-Aussteiger packt aus

Alle Meldungen aus Hamburg.

8 Kommentare »

  • Hamburg: Weiterer Neonazi-Aussteiger geht an die Öffentlichkeit « dokumentationsarchiv said:

    [...] via NPD-BLOG.INFO » Blog Archive » Hamburg: Weiterer Neonazi-Aussteiger geht an die Öffentlichkeit. [...]

  • NPD-BLOG.INFO » Blog Archive » Neualtes Strategieorgan der Autonomen Nationalen Sozialisten und ein Herr namens Malcoci said:

    [...] Siehe auch: Hamburg: Weiterer Neonazi-Aussteiger geht an die Öffentlichkeit [...]

  • Th1nk said:

    Für mich ein weiterer Beweis, dass wenn man immer weiter nach rechts läuft man auch irgendwann links wieder rauskommt.
    Vllt. bringt diese erkentnis ja irgendwann beide lager zu der erkenntnis, dass man mit stumpfer gewalt keine politischen erfolge erziehlt.

  • dot tilde dot said:

    @th1nk:

    ich sehe darin eher einen hinweis darauf, dass die rechte plage versucht, ihre steinzeitliche ideologie mit moderneren motivationen zu lackieren. sie scheinen hingegen die parodie der “linken” versatzstücke für voll zu nehmen. das sagt mehr über ihre vorstellung der “linken” aus, als über die zustände, die sie beurteilen.

    braucht es die gleichsetzung von rechts- und linksextremismus wirklich, um für gewaltlosigkeit zu argumentieren? ich halte das eher für ablenkung.

    .~.

  • Entdinglichung said:

    vielleicht in diesem Zusammenhang interessant: Children of Hate – Fighting Back Against Racist Parents, ein neuer Artikel auf der Webseite des “Southern Poverty Law Centers” (SPLC) aus den USA zu Kindern von US-Faschos, die mit ihren Eltern brachen

  • SON GOKU said:

    Es Gibt mehr Namen Bilder und Videos und auch Austeiger ( die wiederum vll. nicht die kraft haben sich als Austeiger in die Öffentlichkeit zu wagen…) Es wird noch einiges rauskommen über die faschos!
    Da bin ich mir sogar ziemlich sicher !

  • NPD-BLOG.INFO » Blog Archive » NPD-Kundgebung in Hamburg geplant said:

    [...] auch: Weiterer Neonazi-Aussteiger geht an die Öffentlichkeit, NPD-Stand in Hamburg: Passantin von Neonazis [...]

  • NPD-BLOG.INFO » Blog Archive » Verfassungsschutz betreute rund 100 Neonazi-Aussteiger said:

    [...] und getäuscht werden wollen,  “Zähne zusammenbeißen und auf die Machtübernahme warten”, Weiterer Neonazi-Aussteiger geht an die Öffentlichkeit, Nazi-Aussteigerin: “Ich wollte ein vernünftiges Leben”, Ein Neonazi steigt aus: “Ich will, [...]