NPD scheitert bei “Schicksalswahl”
Die NPD wird nicht in den Landtag von Sachsen-Anhalt einziehen. Hochrechnungen vom Abend zufolge landete die Partei bei etwa 4,5 bis 4,8 Prozent der Stimmen. Die NPD hatte als Ziel mindestens sieben Prozent ausgegeben. Ausschlaggebend für das Scheitern dürfte die gestiegene Wahlbeteiligung sein. Jüngste Umfragen hatten die NPD bei rund fünf Prozent der Stimmen gemessen.
Von Patrick Gensing
Bereits am Nachmittag hatten sich deutlich mehr Bürger beteiligt als bei der Landtagswahl vor fünf Jahren. Damals waren nur etwa 44 Prozent an die Urnen gegangen – heute waren es um 16.00 Uhr bereits knapp über 40 Prozent (2006: 31,4 Prozent). Dies ist zwar keine hohe Beteiligung, dürfte sich aber zum Nachteil der NPD ausgewirkt haben, da diese mehr Anhänger und Sympathisanten mobilisieren musste, um die Fünf-Prozent-Hürde zu meistern.
Einer ARD-Analyse zufolge war die Partei bei der Wahl erneut bei jungen Männern und Hartz-IV-Empfängern erfolgreich. Dies war auch in anderen Bundesländern bereits zu beobachten – und spiegelt sich in der Struktur und den Wahllisten der Partei wieder, die männlich dominiert sind.
Für die gesamte NPD kommt das Ergebnis wie ein Keulenschlag daher: Sie hatte sämtliche Kräfte nach Sachsen-Anhalt mobilisiert, um hier nach Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern die dritte Landtagsfraktion stellen zu können. In der Szene war von einer „Schicksalswahl“ die Rede. Kurz vor der Wahl wollte die Partei nach eigenen Angaben noch 5000 “Mobilisierungs-SMS” versenden, um ihre Ziele zu erreichen. Erfolglos.
Im Herbst muss die NPD nun auch um den Wiedereinzug in den Schweriner Landtag bangen, sie liegt laut Umfragen derzeit bei etwa vier Prozent in Mecklenburg-Vorpommern.
Bürgerliche Fassade
NPD-Spitzenkandidat Matthias Heyder hatte in Sachsen-Anhalt voll auf ein bürgerliches Image sowie eine Materialschlacht in der Provinz gesetzt. Zuletzt geriet Heyer ungewollt in die Schlagzeilen, als tagesschau.de über ein internes Neonazi-Forum berichtete, in dem der NPDler unter Pseudonym eine Anleitung zur Herstellung von Sprengstoff veröffentlicht haben soll. Zudem hatte „Junker Jörg“ in dem Forum unter anderem „Mein Kampf“ sowie Neonazi-Musik verbreitet und zur “Schändung” von linken Frauen aufgerufen.
Die höhere Wahlbeteiligung könnte auch mit der Katastrophe in Japan zusammenhängen, das Thema Atomkraft polarisierte die Bevölkerung in den vergangenen Tagen. In Sachsen-Anhalt spielen regenerative Energieformen eine überragende Rolle: Rund 50 Prozent des Strombedarfs kommen aus erneuerbaren Quellen.
Erwartbare Reaktionen?
NPD-Anhänger reagierten auf die ersten Hochrechnungen mit Pöbeleien, schrieben bei Facebook von “gehirngeficktem antideutschen Pack”. Auch die Partei wird die Pleite mutmaßlich wie gewohnt auf angebliche Wahlfälschung sowie eine vermeintliche Medien-Kampagne schieben. Dabei hatte sie ein desaströses Krisenmanagement an den Tag gelegt: Die NPD behauptete zuletzt, bei den Einträgen von „Junker Jörg“ habe es sich um eine Manipulation aus der Linkspartei gehandelt – ohne Angaben von Quellen oder Indizien versteht sich.
Zuvor hatten die Rechtsextremisten verbreitet, die Seite “Freie-Freunde.de” sei von Antifaschisten gehackt worden. Heyder hatte die Urheberschaft der Kommentare zuletzt bestritten, gegenüber dem Tagesspiegel räumte er allerdings ein, er sei vorübergehend als „Junker Jörg“ im Netz unterwegs gewesen. Zuletzt wollte er keine Nachfragen zu dem Thema mehr beantworten.
Schwarz-Rot wahrscheinlich
Wer künftig den Ministerpräsidenten in Sachsen-Anhalt stellt, bleibt noch offen, wahrscheinlich regiert aber die schwarz-rote Koalition weiter, obgleich auch ein rot-rotes Bündnis möglich wäre. Die Grünen werden wieder im Landtag vertreten sein, die FDP fliegt hingegen aus dem Parlament, sie verlor fast die Hälfte ihrer Stimmen.
Siehe auch: Kommentar: Nicht nur auf die NPD starren!






Es wäre hervorragend, würde der braune Sumpf draußen bleiben. Knete gibt’s trotzdem zurück – leider.
Es ist wohl Ironie des Schicksals, wenn ausgerechnet die NPD andere stets als “Versagerparteien” bezeichnet…
Auf Altermedia finden es die Nazis dagegen höchst verdächtig, wenn die vor der Wahl prognostizierten Zahlen nun bestätigt werden und sehen – mal wieder – eine Verschwörung. Es kann ja nicht angehen, dass die Werte bis auf wenige Zehntel präzise sind. Warum man dann Prognosen macht, scheint den Nazis nicht klar zu sein.
Das Scheitern der NPD an der 5%-Hürde ist sicherlich mit auch ihren Rechercheergebnissen zu verdanken Herr Gensing – von daher Gratulation zu diesem gelungenen Coup und weiterhin viel Erfolg!!!
Erschreckend bleibt die Tatsache, das trotz Spitzenkandidat “Junker Jörg” (und allem, was sonst noch so im Vorfeld der Wahl über die sachsen-anhaltinische NPD öffentlich bekannt gemacht wurde) immer noch ca. 90.000 bis 100.000 Menschen diesen Nazidreck gewählt haben. Absolut nicht zu verstehen wie ich finde.
herr gensing, an dieser stelle sei ihnen für die erstklassig recherchierte “junker-jörg”-geschichte gedankt. die hilflosen npd-reaktionen sprechen für die qualität ihrer journalistischen arbeit.
ein besorgter und nun erleichterter demokrat
[...] Die NPD scheitert mit 4,7% knapp bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt. mehr… GA_googleFillSlot("468x60_default"); [...]
Die Sozial-Reaktionäre geben den Sozial-Faschisten nochmal ein paar Jahre.
naja aber ja nicht die ganze kohle, die sie in den wahlkampf gesteckt haben! und pastörs will jetzt bestimmt sein darlehen zurück haben. verzinst natürlich, wie man das bei freunden ja macht! :D oh herrlich. aber sie reden sich wieder raus.
die wahl sei gefälscht oder es liegt an japan-katastrophe, das die “systemlinge” ihr kreuz bei den grünen anstatt der NPD gemacht haben. gestern regte sie sich im MDR chat darüber auf, das die NPD braun als farbe im diagramm hat. woher kommt das wohl?….
Wenn ich mir die Wahlbeteiligung ansehe, dann haben die Menschen damals anscheinend nicht für demokratische Wahlen die Revolution gestartet, sondern für West-Autos, Bananen und Urlaub auf Mallorca.
Unter Berücksichtigung der Wahlbeteiligung sieht das Ergebis wie folgt aus:
CDU: 16,64%
Linke: 12,13%
SPD: 11,01%
Grüne: 3,64%
NPD: 2,36%
FDP: 1,95%
[...] auch: NPD scheitert bei “Schicksalswahl”, Reaktionen: “Gehirngeficktes antideutsches Pack!” Tweet [...]
Trotzdem hat die NPD den hoechsten Zuwachs an Stimmen, wenn man es nuechtern betrachtet. Klar, von 0 auf irgendwas ist immer ein grosser Schritt, aber das antidemokratische Potential gibt es halt ueberall.
[...] Zweitstimmen maßgebend gewesen, die NPD säße mit 5,1% sicher im Magdeburger Landtag. Dazu: Das NPD-Blog verweist darauf, dass 1998 in Sachsen-Anhalt die DVU gerade aufgrund einer hoher Mobilisierung von Nichtwählern [...]
[...] Siehe auch: Analyse: NPD scheitert in den Städten, NPD-Ergebnis aus “nationaler” Sicht: “Die Opferrolle ist so bequem”, NPD-Ergebnis aus “nationaler” Sicht: “Die Opferrolle ist so bequem”, NPD scheitert bei “Schicksalswahl” [...]
[...] auch: NPD scheitert bei “Schicksalswahl” Tweet Bei den [...]
[...] eine Splitterpartei, NPD-Ergebnis aus “nationaler” Sicht: “Die Opferrolle ist so bequem”, NPD scheitert bei “Schicksalswahl” Tweet Gewohnt [...]
[...] Die NPD wird nicht in den Landtag von Sachsen-Anhalt einziehen. Hochrechnungen vom Abend zufolge landete die Partei bei etwa 4,5 bis 4,8 Prozent der Stimmen. Die NPD hatte als Ziel mindestens sieben Prozent ausgegeben. Ausschlaggebend für das Scheitern dürfte die gestiegene Wahlbeteiligung sein. Jüngste Umfragen hatten die NPD bei rund fünf Prozent der Stimmen gemessen. weiter… [...]
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