Analyse: NPD scheitert in den Städten

Die NPD hat ihr Ziel bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt deutlich verpasst: “Sieben Prozent plus x” sollten am Ende über dem braunen Balken auf den Fernsehschirmen leuchten, am Sonntagabend verkündete der Landeswahlleiter “nur” 4,6 Prozent für die Rechtsextremen. Die Analyse zeigt: Besonders in den Städten war die NPD schwach, stärkere Ergebnisse auf dem Land konnten dies nicht ausgleichen.

Von Patrick Gensing

Vor fünf Jahren war die DVU in dem Bundesland angetreten – und hatte 3,0 Prozent (26.905 Stimmen) geholt – ohne eine aktive Basis, mit der die NPD gerne prahlt. Allerdings lag die Wahlbeteiligung damals historisch niedrig: Gerade einmal 44,4 Prozent der Bürger nutzten ihr demokratisches Recht. 2011 blieb immer noch fast jeder Zweite Wahlberechtigte zu Hause – bzw. suchte keine Wahl-Lokale auf.

Der Atlas zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt zeigt: Die NPD ist im Süden des Bundeslandes stark, in den Städten relativ schwach.

Der Atlas zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt zeigt: Die NPD ist im Süden des Bundeslandes stark, in den Städten relativ schwach.

1998 hatte die DVU sensationell 192.352 Stimmen gewonnen, was damals 12,9 Prozent entsprach, fast ohne Basis in dem Bundesland, mit einer reinen Materialschlacht. Die NPD holte 2011 rund ein Viertel dieser Stimmenzahl: 45.697. Das heißt: Obwohl die Partei sämtliche Kräfte, über die sie bundesweit verfügt, in das Bundesland warf, konnte sie nicht einmal 20.000 Stimmen mehr holen als die schwächelnde DVU vor fünf Jahren; das Potenzial in der Bevölkerung, welches offen für rechtsextreme Parteien ist, konnte die Partei nicht mobilisieren. Dabei war der Wahlkampf in Sachsen-Anhalt in den vergangenen Wochen alles andere als mitreißend, eigentlich eine gute günstige Situation für eine Krawallpartei wie die NPD.

Warum hat die NPD also nicht den Einzug in den Landtag gepackt? Erneut scheiterte die Neonazi-Partei an den Städten. Im Wahlkreis Magdeburg II (33.489 abgegebene Stimmen) holte sie beispielsweise gerade einmal 2,1, in Halle II nur 2,8 Prozent. Solche Ausreißer können nicht durch stärkere Ergebnisse wie beispielsweise in Hohenmölsen (21.454 abgegebene Stimmen insgesamt, 6,6 Prozent für die NPD) ausgeglichen werden. Das Ziel von sieben Prozent + x erreichte die Partei fast nirgendwo, im Wahlkreis Nebra (18.945 abgegebene Stimmen) holte sie 8,4 Prozent – hier trat Lutz Battke für die Partei an, der als ausgeschlossener Fußball-Trainer regional bekannt wurde – und bei den Erststimmen sogar 9,1 Prozent für die NPD vermelden kann.

In den Städten bleibt die NPD relativ schwach – das gilt für die gesamte Bundesrepublik. Der NPD fehlen die Mittel, um auf dem Land so stark abzuräumen, damit die Schwäche in den Städten ausgeglichen werden kann. Denn in der Provinz ist der Wahlkampf aufwändiger und teurer, da in den einzelnen Dörfern oft nur einige Hundert Menschen leben und so viel Zeit und Material nötig ist, um relativ wenige Menschen zu erreichen. Zudem war in Sachsen-Anhalt auf dem Land die Wahlbeteiligung auch noch geringer, so dass selbst relativ starke Einzelergebnisse nicht so stark wirkten.

Fazit: Die NPD wird versuchen, sich weiter lokal zu verankern, möglicherweise werden die Strategen zunehmend die Städte ins Visier nehmen, da hier der Schlüssel zu Wahlerfolgen liegt – vor allem im Westen. Allerdings dürfte das Label NPD besonders in den alten Bundesländern verbrannt sein, die Partei ist auch für viele Rechtsradikale schlicht vollkommen unwählbar. Zudem wird sich die Finanzlage möglicherweise noch weiter verschlechtern, da in diesem Jahr noch eine weitere Strafzahlung wegen Fehlern in einem Rechenschaftsbericht droht.

In Strategiepapieren verkündeten braune Strategen bereits vor Jahren, man wolle die Städte vom Land aus erobern. Bislang offenbar ohne durchschlagenden Erfolg.

Linktipp: Wahlatlas

Siehe auch: NPD scheitert bei “Schicksalswahl”, Reaktionen: “Gehirngeficktes antideutsches Pack!”

15 Comments

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  1. [...] Die NPD hat den Einzug nicht geschafft. 45.697 Zweittsimmen bei insgesamt 993.175 gültigen Kreuzen – es fehlten nicht ganz 4000 und damit weniger als halb so viele wie in Thüringen 2009. Die von einigen Demoskopen prognostizierte niedrige Wahlbeteiligung trat nicht ein – wären wie 2006 nur 902.254 gültige Zweitstimmen maßgebend gewesen, die NPD säße mit 5,1% sicher im Magdeburger Landtag. Dazu: Das NPD-Blog verweist darauf, dass 1998 in Sachsen-Anhalt die DVU gerade aufgrund einer hohen Mobilisierung von Nichtwählern – die Wahlbeteiligung lag letztlich bei über 70% – spektakulär zulegen konnte. Das ist richtig, aber die Wiederholbarkeit der gleichen Taktik war aus verschiedenen Gründen ohnehin nicht gegeben: Der NPD fehlt für eine solche Kampagne das Geld. Mögen die Sachsen-Anhaltiner auch nicht rundum zufrieden sein, eine allgemeine diffuse Proteststimmung wie 1998 gibt es nicht (und auch die NPD hat nicht versucht, auf „Protest“ als Motto zu setzen). Die DVU selbst hat sich damals in einem schon fast kafkaesken Maße desavouiert. Die NPD hatte daher versucht, jenseits ihrer typischen Wählerschaft eine eher „bürgerliche“ Strategie zu fahren, was aufgrund einiger Enthüllungen nicht funktionieren konnte. Und wo wir dabei sind: Analyse des NPD-Blogs zur regionalen Stimmenverteilung. [...]

  2. Meinung

    Was ist denn die Schlussfolgerung daraus?
    Das typische NPD Klientel wird ja in der Unterschicht vermutet.
    Diese ist aber in den Städten definitiv höher.
    Ist der typische NPD Wähler also eher ein land- und naturverbundener Typ??

  3. sabine

    NPD-Wähler können in allen Schichten der Gesellschaft sein,der Naturverbundene Bürger sollte dann Grün wählen.
    Selbst kleinere Unternehmer können NPD-Wähler sein.
    Es ist richtig das in Städten mehr soziale Brennpunkte sind,das muß aber noch lange nicht heissen das z.B jeder Hartz 4 rer NPD wählt.
    NPD-Wähler sind entweder sowas von braun das sie von Anfang an NPD wählten oder diese die durch solche Rattenfänger wie z.B Lutz Battke der Trainer in Laucha war und so Leute über den Sport-Sektor geködert werden die Nazis unterwandern ja alle Sportbereiche wo viele Menschen hingehen.Überall gammeln die Nazis rum im Internet an Schulen wo sie ihre “Schulhof CD” verteilen In Kindergärten in Elternbeiräten ect.
    Leider fallen viel zu viele Menschen auf diesen Lügen der Nazis rein,weil sie es in Hochglanz verpacken,ähnlich einer Mogelpackung.
    Auch sind einige durch das Gedöns Nazis so verblendet und fühlen sich auch noch wohl dabei,in freudiger Erwartung der ach so tollen “Volksgemeinschaft”
    Sowas muss aus den Köpfen der Bürger wieder raus,ob auf dem Land oder in einer Großstadt.
    Auch ich mag Deutschland aber bitte OHNE Nazis,dann währe es viel schöner.
    Deutschland mehr gesagt die Bundesrepublik-Deutschland braucht mit absoluter Sicherheit keinen National-Sozialismus!!!
    Daran müssen alle daran arbeiten das der Rechtsextremismus endgültig der Geschichte angehört!!!

  4. [...] Die NPD hat ihr Ziel bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt deutlich verpasst: “Sieben Prozent plus x” sollten am Ende über dem braunen Balken auf den Fernsehschirmen leuchten, am Sonntagabend verkündete der Landeswahlleiter “nur” 4,6 Prozent für die Rechtsextremen. Die Analyse zeigt: Besonders in den Städten war die NPD schwach, stärkere Ergebnisse auf dem Land konnten dies nicht ausgleichen. weiter… [...]

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