Neonazis im Keltenmuseum

Die prächtig inszenierte Eröffnung des Keltenmuseums am 5. Mai 2011 ist einem Bericht der FR von einer peinlichen Panne überschattet. Zwei Neonazis standen demnach Wache neben der Sandsteinfigur des Keltenfürsten – in Uniformen, die an die der SS erinnern: braunes Hemd, schwarze Hose. Die beiden, die bereits bei Neonazi-Aufmärschen und als Verteiler rechtsextremer Flugblätter aufgetreten sind, wurden laut FR von einer Sicherheitsfirma entsandt. Das Immobilienmanagement des Landes Hessen hatte diese Firma beauftragt. Die beiden seien noch am Donnerstagmittag abgezogen worden – sofort, nachdem ihre rechtsextreme Gesinnung bekanntgeworden war, sagte die Sprecherin der Hessen-Archäologie, Eveline Grönke.

Die Ausstellung "Keltenwelt am Glauberg"

Die Ausstellung "Keltenwelt am Glauberg"

Die Geschäftsführerin der Sicherheitsfirma bestätigte das. Ihr sei die politische Einstellung der beiden nicht bekanntgewesen, sagte sie zur FR. Sie selbst habe mit Rechtsextremismus nichts zu tun. Die getragene Uniform sei in der Firma üblich, sie sei Standard bei Wachdiensten.

Der Vorfall rücke die unrühmliche Seite des Kelten-Kultes vom Glauberg in den Vordergrund, meint die FR. Die ersten Grabungen waren 1933 unter der Regie der SS gemacht worden. Im Flur zur Ausstellung sind Stimmen über die Kelten gesammelt. Eine davon lautet: „Das Keltenkreuz ist verboten, weil die Nazis es benutzten, aber da können die Kelten auch nichts dafür.“

Der Landesarchäologie sei bewusst, dass der Glauberg auch Anlaufstelle für Rechtsextreme werden könnte. Vor zwei Jahren hatte Landesarchäologe Egon Schallmayer laut FR ein Treffen von Keltengruppen auch deshalb untersagt, weil rechtsextreme Gruppierungen darunter sein könnten.

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2 Comments

  1. Keine Arbeit für NeoNazis…

    Wie die Welt gestern berichtete, kam es im neuen Museum “Keltenwelt” auf dem Glauberg zum Eklat: Tatsächlich hatten 2 NeoNazis es geschafft einen privaten Sicherheitsdienst zu infiltrieren. Die nahende Katastrophe konnte gerade noch durch d…

  2. Den konkreten Vorgang könnten man, rein juristisch gesehen, schnell abhaken: weder ist die NPD verboten, noch ist es ungewöhnlich, dass Neonazis bei Wachtdiensten arbeiten. Und solange die NPD nicht verboten ist und die Frage der “charakterlichen Eignung” (an der bei Anhängern einer offen menschenfeindlichen Ideologie zu zweifeln ist), bei Wachtdiensten kaum eine Rolle spielt, wird sich daran leider nichts ändern.
    Wirklich problematisch wird der Vorfall durch die symbolische Aufladung. Neonazis haben oft eine starke Affinität zu Kelten (nur von ihrem Hang zum “germanischen” übertroffen),und die Ausgrabungen am Glauberg wurden vom “Ahnenerbe”, einer zur SS gehörenden Organisation, begonnen.
    Die Frage muss also sein: Wie kann ich verhindern, dass Museen, Fundstätten und Feiern von “völkischen” Menschenverachtern instrumentalisiert werden?
    Oder pragmatisch, für einen Museumsbetreiber: Wie gestaltet man eine öffentliche Präsentation so, dass sich Nazis dort nicht wohl fühlen?

    Für unbedingt notwendig halte ich es, wie die hessischen LINKEN, “sich in den Räumen des Museums kritisch mit der Instrumentalisierung der keltischen Geschichte durch neonazistische Gruppen zu beschäftigen.”
    Das darf nicht in eine stillen Nische geschehen, das muss unübersehbar, durchaus auf “aufdringlich” sein! Der Vorschlag der LINKEN: auf einer Schautafel an prominenter Stelle den Geschichtsmissbrauch durch die Nazis verurteilen.

    Als Einfallstor für die Instrumentalisierung durch völkische erweist sich wieder einmal die “Eventkultur”. Nun möchte ich ausdrücklich nicht zum “Glasvitrinenmuseum” alten Stils zurück. Auch ein Verzicht auf populäre Begriffe wie “Keltenfürst” zugunsten einer streng wissenschaftlichen Terminologie wäre nicht nur aus museumspädagogischer Sicht problematisch: werden Begriffe wie “keltisch” oder “germanisch” ängstlich gemieden, vielleicht sogar die Beschäftigung mit “Kelten” oder “Germanen” tabuisiert, dann ist das quasi eine Aufforderung an die völkischen Ideologen, die Leerstellen mit ihren Geschichtsklitterungen auszufüllen. (Ähnliches ist im Bereich “Runenkunde” ja tatsächlich passiert. Eine Marginalie,die ungewollt die Problematik zeig: “Keltische Runen”, von denen im dpa-Text die Rede ist, gibt es nicht – außer in völkisch-esoterischen Schriften. Hoffentlich waren die “keltischen Runen” nur ein Flüchtigkeitsfehler.)
    Anderseits: Müssen feierliche Eröffnungen unter Anwesenheit “wichtiger” Politiker unbedingt sein? (Auch das ist übrigens ein Instrumentalisierung des Museums für politische Zwecke.)

    Immerhin ist der Landesarchäologie sich bewusst, dass der Glauberg auch Anlaufstelle für Rechtsextreme werden könnte. Vor zwei Jahren hatte Landesarchäologe Egon Schallmayer ein Treffen von Keltengruppen auch deshalb untersagt, weil rechtsextreme Gruppierungen darunter sein könnten. Das mag für nicht-völkische Keltengruppen bedauerlich sein, es geht aber offensichtlich aus pragmatischen Gründen nicht anders.
    Es wäre sehr zu begrüßen, wenn mehr nicht-völkische Kelten-, Germanen-, Wikinger-, Römer- usw. – Gruppen sich deutlich sichtbar gegen rechte Geschichtsklitterungen und (auch latenten) Rassismus und für Demokratie und Menschenrechte einsetzen würden.

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