“Gießen bleibt bunt” veröffentlicht “Die NPD. Fakten – Hintergründe – Kritik”

Aus Anlass der für den 16. Juli 2011 angemeldeten NPD-Demonstration in Gießen hat die Gießener Politikwissenschaftlerin Dr. Alexandra Kurth das Buch „Die NPD. Fakten – Hintergründe – Kritik“ herausgegeben. Die Aufsätze des Bandes, der am 14. Juli 2011 vorgestellt wurde, sind im Sommersemester 2011 im Rahmen eines universitären Seminars für Lehramtsstudierende entstanden. Absolut vorbildlich: In der mittelhessischen Universitätsstadt hat sich gegen die geplante NPD-Demonstration ein breiter zivilgesellschaftlicher Protest organisiert. So haben sich unter anderem mehr als 200 Organisationen – darunter das Netzwerk für politische Bildung, Kultur und Kommunikation – im Bündnis „Gießen bleibt bunt. Gemeinsam gegen Nazis“ zusammengeschlossen, um ihre Ablehnung der menschenverachtenden und antidemokratischen Parolen der Rechtsextremen zum Ausdruck zu bringen.

Transparent der Kampagne für ein NPD-Verbot

Aufgrund des aktuellen Anlasses wurde das vorgesehene Thema „Schule und Rechtsextremismus“ modifiziert und spezifiziert, aus einer „gewöhnlichen “ universitären Lehrveranstaltung wurde ein Projektseminar, das das ohnehin knappe Zeitbudget der Studierenden wie auch der Seminarleiterin weit über das übliche Maß hinaus beanspruchte. Das ist keine Selbstverständlichkeit, erst recht nicht vor dem Hintergrund, dass es sich bei dem Seminar um eine grundwissenschaftliche Veranstaltung handelte. Damit waren nicht nur Studierende des Unterrichtsfaches „Politik und Wirtschaft“ beteiligt.

Die Verpflichtung aller Lehramtsstudierenden (ganz unabhängig von der eigenen Fächerkombination), Politikwissenschaft als Grundwissenschaft zu studieren, stellt eine Besonderheit der hessischen Lehramtsausbildung dar und ist eine Konsequenz aus der historischen Erfahrung des Scheiterns der Weimarer Demokratie und der ungeheuerlichen Verbrechen des Nationalsozialismus. Die Themenauswahl orientierte sich am Erkenntnisinteresse der beteiligten Studierenden, alle Texte eint die entschiedene Parteilichkeit für die bundesrepublikanische Demokratie mit dem Grundgesetz als Norm und damit die Ablehnung des Demonstrations-Mottos „Das System ist am Ende – Wir sind die Wende.“

Florian Harbig und Christian Schneider vergleichen die Programmatik der NSDAP mit der der NPD, Nicolai Fritzsche und Lara Wirth das Menschenbild der NPD mit dem des Grundgesetzes. Katharina Huft und Juliana Ostrowizki verweisen auf die Unvereinbarkeit der ausländerpolitischen Forderungen der NPD mit den Grundrechten. Alexandra Hofmann, Marius Hummizsch und Sebastian Rachor interpretieren die Globalisierungskritik der NPD als „Spiel mit den Ängsten“ von Teilen der Bevölkerung. Mirjam Elett und Jasmin Kropp setzen sich mit der Finanzierung der NPD, insbesondere vor dem Hintergrund der jüngsten Finanzskandale der Partei, auseinander. Eileen Kirsten und Carmen Mittelstädt beschreiben das „Scheitern des NPD-Verbotsverfahrens“, das 2003 seitens des Bundesverfassungsgerichts nicht aus inhaltlichen, sondern aufgrund der sogenannten V-Mann-Affäre aus formalen Gründen eingestellt werden musste.

Marcus Ahlheim und Reinhold Tissen zeigen, wie die NPD soziale Netzwerke im Internet strategisch zu nutzen versucht, Michael Schwesinger beschreibt das Interesse der NPD an Ehrenämtern im Sport, André Goldberg befasst sich mit dem Thema Rechtsrock. Isabelle Fischer und Katharina Schäfer thematisieren die 2010 beschlossene, aber bislang aus rechtlichen Gründen noch nicht vollzogene Fusion von NPD und Deutscher Volksunion (DVU). Tobias Schmidt analysiert „Organisation und Auftreten“ der JN. Andreas Bork, Nadine Müller und Margarita Schmidt stellen die Beziehungen von Autonomen Nationalisten (AN) und NPD dar. Anna Damköhler und Katharina Völlinger stellen die wichtigsten Symboliken innerhalb der rechtsextremen Szene vor.

Alexandra Kurth erläutert, warum es in der Regel sinnlos ist, NPD-Demonstrationen verbieten zu wollen. Leo Johannes Freund, Lena Hoffmann, Cinderella Krämer, Melanie Lohberger, Mario Schappert und Moritz Schmandt haben eine Chronik der NPD, Ausstiegsmöglichkeiten aus der rechtsextremen Szene, eine kommentierte Internetlinks-Liste und eine Auswahlbibliografie zum Weiterlesen erstellt. Allen beteiligten Studierenden dankte Alexandra Kurth herzlichst für ihr großes Engagement.

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