Home » Allgemein, Breivik, Neue Rechte, Skandinavien

Massaker als Marketing: Das Manifest des Massenmörders

24. Juli 2011 08:20 3.864 mal abgerufen 22 Kommentare

Ein Massaker zu Marketingzwecken: Der Norweger Breivik wollte Aufmerksamkeit für sein “Manifest zur Rettung Europas” schaffen. Nun erklärt sich auch, warum der 32-Jährige die Jugendorganisation der Arbeiterpartei angriff und möglichst viele Jugendliche ermordete. Er beklagte nämlich einen  Siegeszug des “kulturellen Marxismus”, der aus der “destruktiven” Frankfurter Schule hervorgegangen sei.

Von Patrick Gensing

Breivik verbreitete sein "Manifest zur Rettung" Europas - der Massenmord war offenbar ein Marketinginstrument.
Breivik verbreitete sein “Manifest zur Rettung” Europas – der Massenmord war offenbar ein Marketinginstrument.

Das Motiv für den Massenmord in Norwegen ist klarer geworden: Der rechtsradikale Norweger Behring Breivik wollte Aufmerksamkeit für sein “Manifest” zur Rettung Europas schaffen und durch das Massaker weltberühmt werden, um seine kruden Thesen möglichst weit zu verbreiten. Das geht laut norwegischen Medienberichten aus dem Geständnis des 32-Jährigen hervor. Breivik hatte sein etwa 1500-Seiten-umfassendes “Manifest” eine Stunde vor den seit Jahren geplanten Anschlägen an rechte Politiker in Skandinavien geschickt.

Nun erklärt sich auch, warum Breivik die Jugendorganisation der Arbeiterpartei angriff und möglichst viele Jugendliche ermordete. Breiviks beklagte nämlich einen vermeintlichen Siegeszug des “kulturellen Marxismus”, der aus der “destruktiven” Frankfurter Schule hervorgegangen sei. Dieser Siegeszug sei Voraussetzung für die “Islamisierung Europas” – so die bekannte Argumentation der “Islam-Kritiker”, die nicht weniger als die Abschaffung Deutschlands (Sarrazin) oder eben Europas (Breivik) prophezeien. So wird ein Szenario entworfen, in der Selbstverteidigung gegen einen vermeintlichen Massenansturm von islamistischen Horden als legitim erscheint. Nicht umsonst finden sich in Breiviks Kommentaren auf einer rechtsradikalen Internet-Seite ausführliche Statistiken über den Anteil der islamischen Bevölkerung in europäischen Großstädten.

Breivik inszenierte sich im Netz 2.0

Breivik inszenierte sich im Netz 2.0

Damit nicht genug, durch die religiöse Komponente Christentum gegen Islam könnte Breivik in seiner Wahnsinnstat eine quasi heilige Tat gesehen haben. Den Nachwuchs der Arbeiterpartei, die in Norwegen die Regierung stellt und das Land mit Unterbrechungen über Jahrzehnte regiert hat, könnte Breivik als Träger der Ideen der Frankfurter Schule und 68er in dem skandinavischen Land identifiziert haben. Durch den Massenmord an dem sozialdemokratischen Nachwuchs erreicht Breivik zwei Ziele: Maximale Aufmerksamkeit für seine Tat – und er eröffnet aus seiner Sicht seinem Land eine bessere Zukunft, da der Arbeiterpartei viel Nachwuchs verloren gegangen ist,  die Ideen der Frankfurter Schule geschwächt werden. Der zweite Teil seiner Rechnung dürfte zumindest nicht aufgehen: Ministerpräsident Stoltenberg hat in beeindruckenden Ansprachen bereits mehrfach deutlich gemacht, dass die Antwort der Norweger auf dieses Hass-Verbrechen nicht weniger, sondern mehr Demokratie und Solidarität sein werden. Die Qualitäten der norwegischen Gesellschaft, Toleranz und Offenheit, sollen erhalten bleiben, betonte der Premier.

Breiviks Thesen zu Islam und 68ern lassen sich Millionenfach in Internet-Foren und auch Mainstream-Medien nachlesen. Unter dem Banner der Meinungsfreiheit (“Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!”) wird eine angebliche linke Hegemonie gezeichnet und der Untergang des Abendlandes beklagt. Eine brisante Mischung aus Minderwertigkeitskomplexen und Chauvinismus, die mit religiösen Elementen verbunden offenbar das Motiv für den Massenmord in Norwegen geliefert hat. Der Kampf der Rechtsradikalen für mehr Freiheit ist das genaue Gegenteil, die Konsequenz sind Gräben in der Gesellschaft, Intoleranz, Hass – und nun sogar Massenmord.

Vielleicht gibt das bürgerlichen Kreisen in Deutschland, die gerne mit vermeintlichen Tabubrüchen liebäugeln, auch endlich zu denken.

Siehe auch: Norwegen: Mutmaßlicher Attentäter war bei der “Fortschrittspartei”, Norwegen: 87 Tote bei Blutbad, Verdächtiger aus rechter Szene, Rechtsterrorismus: Hunderte Tote in Europa und den USA, Deutsche Neonazis verhöhnen norwegische Opfer, Von Oklahoma nach Oslo: Norwegens Rechte

:

22 Kommentare »

  • Quarktasche said:

    Ah! .. Ein “Zahlen-Rechner”!

    (http://npd-blog.info/2011/07/23/norwegen-mutmaslicher-tater-war-bei-der-fortschrittspartei/)

    …rechnet Opfer verschiedener ideologischer Systeme und Bevölkerungsentwicklungen gegeneinander auf. Man sollte versuchen diese “Zahlen-Rechner” an ihrem eigenen wissenschaftlichen Anspruch zu messen.

    -Thesen prüfen(“Deutschland schafft sich ab!”, “Definiere Deutschland!”)
    -Raum der “Erhebung” eingrenzen(“Islamisierung in Europa”, “Ja aber die Zahlen aus Anatolien haben mit Europa nichts zu tun!”)
    -Zeitraum eingrenzen
    -Quellen verlangen
    -Auf Diskrepanz zwischen Bedeutung der These und Irrelevanz der Indizien hinweisen

    Und wenn sie sich dann völlig in ihrem pseudowissenschaftlichen Quark verheddert haben, könnte man sie fragen, was das nun eigentlich mit den Menschen zu tun hat…

    Menschenfeindliche Abstraktisten!

  • dot tilde dot said:

    ein “mutmaßlichen” hätte den titel doch auch nicht weiter kaputt-alliteriert, als er’s schon ist. oder?

    .~.

  • Axel Mylius said:

    Sozusagen auch ein norwegischer John Doe („Sieben“), der im konservativen Jungunternehmer-Outfit a`la „Deutschherrenklub“ –zig Menschen tötet, um ein „humanistisches Final“ zu setzen. Er tötet aber nicht etwa das für ihn offenbar “Rassenfremde” in Norwegen, nein … er greift` ein Jugendlager an, das für ihn wohl zu einer „Frankfurter Schule“ gehört…

    Da können sich ja nun die Norweger bei den deutschen „Konservativen“ und Neonazis „bedanken“ – und damit man in Norwegen versteht was im Kopf des Massenmörder vor sich geht, sollte man vielleicht dort die „Junge Freiheit“ verteilen oder auf „Altermedia Deutschland“ (nebst deutscher Justiz) verweisen… *lölchen* ;)

    Der deutsche Innenminister verwies zynisch darauf, dass es für die deutschen Behörden keine Hinweise auf Groß-Anschläge deutscher Neonazis Hierzulande gibt. – Das mag` sein, aber dass deren Geist in Norwegen wütet, möchte er wohl nicht eingestanden wissen, geschweige den täglichen Naziterror in der “Ostzone”, der von denen geschührt und entfacht wird, die täglich in Deutschland unter den Augen des Innenministeriums, der Politik und der Justiz dem skandinavischen Massenmörder die “geistige Grundlage” geliefert haben und zukünftigen Attentätern weiterhin liefern …

  • Stoppt die Rechten » Norwegen: Hintergründe über rechtsextremen Terror said:

    [...] einem vom Täter veröffentlichten Manifest, bezeichnet er sich als “Tempelritter” und gibt an Europa vor der [...]

  • peet said:

    Der gleichlautende Blogeintrag bei blog.tagessschau.de wurde von vielen Lesern zu Recht verrissen – für die denunzierende Gleichstellung der Islamkritiker und des norwegischen Attentäters, die genauso aussieht wie die Stellungnahme von der Hamas oder von der türkishpress zum Attentat. Einige Leser haben dort den Autor dafür aber auch ausdrücklich gelobt, hoffentlich froht er sich darüber.

  • Geistes Kind said:

    Harter Tobak. In die Medien jedenfalls, hat er es erfolgreich geschafft.
    Mit besten Wünschen.

  • o.b. said:

    Vielleicht gibt das bürgerlichen Kreisen in Deutschland, die gerne mit vermeintlichen Tabubrüchen liebäugeln, auch endlich zu denken.

    Ich glaube nicht. Da müsste dann Selbstreflektion vorhanden sein. Die sehe ich aber nicht.

    In Grunde genommen ist es doch ganz einfach:
    Wer sprachlich Gewalt anwendet, muss zwangsläufig damit rechnen, dass irgendjemand diese virtuelle Gewalt real ummünzt. So wie hier geschehen. Das sollte man eigentlich immer im Hinterkopf haben, wenn man sich irgendwie äußern möchte.

    Das sich Rechtsextremisten, -populisten usw. noch der gleichen Mechanismen in Sachen Agitation bedienen wie Islamisten, sollte man dabei auch mal bemerken.
    - Gleiche Art der Feindbildschaffung durch Pauschalisierungen, Schwarz-weiß-Denken usw.
    - Aggressive Tonart, persönliche Diffamierungen
    - “Wer nicht für mich ist, ist gegen mich” Rhetorik
    - Negativierung von Kritik oder Gegenargumente bzw. werden als persönliche Angriffe wahrgenommen
    - Nur man selbst hat die einzig wahre Wahrheit
    - Nur man selbst verteitigt seine Kultur/Volk/Religion oder stellt sie dar.
    - Die anderen sind immer schuld

    Da gibt es so viele Gemeinsamkeiten. Im Endeffekt agitieren Rechtsextremisten gegen Rechtsextremisten…

    Traurig, dass da nun mehr als 90 Menschen für büssen mussten.

    Mit freundlichen Grüßen
    Olli

  • mar52 said:

    “Kein Gerede, nur die Tat”, oder wie war das?

    Ich finde es uebelkeitserregend, wie die ganzen Pantoffel-Goebbels, die im Internet mit Schaum vorm Mund hetzen, jetzt ganz erschrocken tun, dass es wirklich mal einer ernst meint…

    Ja, ihr seid schuld. Jeder, der am Stammtisch gegen “die” hetzt. Jeder, dem bei Begriffen wie “Leitkultur” nicht schlecht wird. Die staendige gedankenlose Bestaetigung dieses Weltbildes hat zu dieser Tat gefuehrt. Waere dem Taeter mit derselben Konsequenz gesagt worden, dass er sich auf dem Holzweg befindet, waere es wohl nie zu diesen Anschlaegen gekommen.

    “Verwirrte” Einzeltaeter in ihrem kruden Weltbild zu bestaetigen und sich dann voller geheuchelter Abscheu abwenden, aber hinter vorgehaltener Hand “gut gemacht” saeuseln…

    Abgefuckte Welt in der wir leben.

  • Wiedergutwerdung » tw_24:blog said:

    [...] haben”, während ein wohl gänzlich Autochthoner für das Staatsfernsehen und das NPD-Blog “bürgerlichen Kreisen in Deutschland, die gerne mit vermeintlichen Tabubrüchen [...]

  • Anonymous said:

    Gegen einen wahnsinnigen Einzeltäter kann sich eine Gesellschaft nicht schützen. Geht der Täter geheim und planvoll vor, ist die Tatausübung nicht zu verhindern.

    Allerdings kann man sich sehr wohl auf solche Taten vorbereiten. Hierfür ist Kritik an der Reaktion der Polizei angebracht.

    Ein erster Angriff durch die Streifenbeamten ist ausgeblieben. Man hat hier auf die Spazialkräfte gewartet. Ob aus Angst oder aufgrund mangelnder Ausrüstung (Boote, Schutzwesten, Bewaffnung) ist unerheblich.
    In Deutschland wird bei einem Amoklauf durch die ersteintreffenden Beamten umgehend gestürmt. Diese Taktik hat bei den letzten beiden Amokläufen in Deutschland funktioniert und die Opferzahl deutlich minimiert. Die Beamten sind dahingehend ausgebildet.

    Die Anreise der Spezialkräfte mittels KFZ, da der Hubschrauber nicht einsatzfähig war, ist in jedem fall zu langsam. Es müssen jederzeit einsatzbereite Fortbewegungsmittel bereitgehalten werden.

    Norwegen wird aus dieser Tragödie lernen, so wie andere Länder aus anderen Amokläufen gelernt haben.

    Mit Herrn Gensings Forderung nach einer konsequenteren Verfolgung von Straftaten im Bereicht der Meinungsäußerung im Internet stimme ich überein.

  • Transatlantikblog said:

    Oslo Attentäter Anders Behring Breivik: Auch von Henryk M. Broder motiviert?…

    Der Irre Breivik, der in seinem Wahn fast hundert Menschen getötet hat, war offenkundig getrieben von Wahnvorstellungen, sein Land würde von Linken, Liberalen und Muslimen bedroht. Seine kranken Ansichten hat er in einem über 1500-seitigen Manifest dar…

  • Massaker als Marketing: Das Manifest des Massenmörders « dokumentationsarchiv said:

    [...] via npd-blog.info: Massaker als Marketing: Das Manifest des Massenmörders [...]

  • Hinweis said:

    http://www.der-rechte-rand.de/wp-content/uploads/DRR_EXTRA_Norwegen.pdf hier gibt es Hintergrundinformationen zur extrem rechten Szene in Norwegen.

  • fassungslos!!! said:

    Die Nazischweine knallen jetzt völlig durch:

    http://de.altermedia.info/general/das-video-des-osloer-attentaters-25-07-11_68539.html/comment-page-1#comment-889436

    Wie soll man sich mit solchen Leuten überhaupt noch auseinandersetzen? Über sowas und mit solchen Irren kann man doch gar nicht mehr diskutieren! War ja schon klar das die das Massaker nicht alle veurteilen würden, aber das hier ist ja nun echt der volle Hammer! Die Typen sind einfach nur noch gesteskrank und gemeingefährlich!!!!

    WAS KANN MAN TUN??????????

  • Wiedergutwerdung | Jihad Watch Deutschland said:

    [...] gehätschelt zu haben”, während ein wohl gänzlich Autochthoner für das Staatsfernsehen und das NPD-Blog “bürgerlichen Kreisen in Deutschland, die gerne mit vermeintlichen Tabubrüchen liebäugeln” [...]

  • NPD-BLOG.INFO » Blog Archive » Dokumente des Hasses said:

    [...] auch: Massaker als Marketing: Das Manifest des Massenmörders, Norwegen: Mutmaßlicher Attentäter war bei der “Fortschrittspartei”, Deutsche Neonazis [...]

  • NPD-BLOG.INFO » Blog Archive » Ein unpolitischer Terrorismus? said:

    [...] auch: Massaker als Marketing: Das Manifest des Massenmörders, Dokumente des Hasses,  Norwegen: Mutmaßlicher Attentäter war bei der “Fortschrittspartei”, [...]

  • Der Terror & Verschwörungstheorien. « Reflexion said:

    [...] ausgemacht, die für die verachtenswerten Taten verantwortlich sein sollen. Das nationalistische Manifest des Täters, Anders Behring Breivik, der auf mehr auf 1500 Seiten seine mörderischen Taten mit [...]

  • NPD-BLOG.INFO » Blog Archive » Debatte über Breivik: Von Beißreflexen und Pauschalvorwürfen said:

    [...] auch: Massaker als Marketing: Das Manifest des Massenmörders, Ein unpolitischer [...]

  • nana said:

    Wenn man aus der Distanz von ein paar Tagen diese Kommentare hier liest, ist man erstaunt, wie wenig Achtung die Kommentatoren offenkundig vor der Ratio haben, oder gar der Wahrheit. Nicht die Rechten hetzen seit Jahren gegen Moslems. Henryk M. Broder hetzt in den öffentlich-rechtlichen Anstalten, gut bezahlt vom Steuerzahler gegen alles, was ein Kopftuch trägt. Und der Zentralratssprecher der Juden, Graumann, kann sich bei Kritik der Linkspartei am Landraub der Israelis nicht verkneifen, wie Broder gegen den sog. Kopftuchzwang zu hetzen.

    Breivik ist ein Nazihasser und Israel-Verehrer. Aber die Wahrheit passt nicht zum warmgehaltenen Klischee, also muss sie eben untergebuttert werden. Die Lüge nützt nur den Lobbyisten, die Wahrheit aber muss sich heute bereits verschanzen und rechtfertigen. Wir sind längst in einer Meinungsdikatatur der üblsten Sorte gelandet. Und Leute, die diese Meinungsdiktatur anhimmeln, ausgerechnet die kritisieren die Nazis?! Lachhaft.

  • NPD-BLOG.INFO » Blog Archive » Norweger trauern, Rechtspopulisten hetzen said:

    [...] auch: Breivik-Debatte: Beißreflexe und Pauschalvorwürfe, Massaker als Marketing: Das Manifest des Massenmörders, Ein unpolitischer Terrorismus? Alle Artikel zum Doppelanschlag in [...]