Ein unpolitischer Terrorismus?

Nach dem Attentat von Oslo und dem Massaker von Utøya werden sich viele „Islamkritiker“ unbequemen Fragen stellen müssen. Der folgende Beitrag befasst sich mit der so genannten „Islamkritik“ und der Reaktion einiger ihrer prominentesten Vertreter auf die Ereignisse in Norwegen.

Von Andrej Reisin*

Seit Freitag Nachmittag herrscht bei vielen prominenten Autorinnen und Autoren aus dem islamkritischen Spektrum ein seltsames, aber umso beredteres Schweigen: Melden Sie sich normalerweise nur Stunden nach großen Terroranschlägen mit langen Elogen zu Wort, in denen meist von handlungsunfähigen Politikern und der vermeintlich noch immer unterschätzten terroristischen Bedrohung durch den globalen Jihad die Rede ist, so war dieses Mal nach dem Abebben der ersten fälschlichen Zuschreibungen an Al Kaida & Co. erst einmal Schluss.

Der Attentäter inszeniert sich als "Marxist Hunter" - alles unpolitisch?
Der Attentäter inszeniert sich als "Marxist Hunter" - alles unpolitisch?

In mehr oder weniger offen rechtsradikalen Blogs und Foren wie bspw. dem in der öffentlichen Debatte am stärksten im Fokus stehenden „Politcally Incorrect“ folgte dann der Katzenjammer: Als „eine konservative Katastrophe“ bezeichnete das Blog den Anschlag von Oslo und das Massaker von Utøya. In den Kommentarspalten befürchten die Anhänger dieser Art von „Islamkritik“, um „Jahre zurückgeworfen“ zu werden. Immerhin konnte sich der Leitartikel selbst zu einer Art Eingeständnis durchringen: „Was er (Anm.: Breivik) schreibt, sind großenteils Dinge, die auch in diesem Forum stehen könnten. Wir dürfen uns nicht unserer Eigenverantwortung entziehen.“

Und wieder geht es um Moral…

Nach geschlagenen drei Tagen reagierte als einer der wenigen bürgerlichen Islamkritiker auch Henryk M. Broder, allerdings gänzlich anders: Er wehrt sich massiv gegen eine „Gegenseite, die mit einer Schamlosigkeit sondergleichen versucht, sich einen moralischen Vorsprung zu verschaffen, indem sie die Verantwortung für einen Massenmord ‚Islamkritikern’ von Ates bis Sarrazin, von Broder bis Wilders in die Schuhe zu schieben versucht.“ Broder fährt fort, er könne sich dagegen in Bezug auf Selbstmordattentate im Irak nicht „an keinen einzigen Bericht erinnern, in dem die Frage gestellt worden wäre, was die Terroristen gelesen hatten, welche Art von Lektüre sie zu ihren Taten animiert hatte.“

Breivik verbreitete sein "Manifest zur Rettung" Europas - der Massenmord war offenbar ein Marketinginstrument.
Breivik verbreitete sein "Manifest zur Rettung" Europas - der Massenmord war offenbar ein Marketinginstrument.

Wirklich nicht? Nun, ich erinnere mich an dutzende, ja hunderte von Berichten und Artikeln (keineswegs nur von Broder), in denen ein Zusammenhang zwischen dem Terror der Täter und dem, was sie gelesen hatten – nämlich den Koran – hergestellt wurde; und zwar bis hin in die Tiefen der minutiösen Suren-Exegese. Der Elefant in seinem Wohnzimmer, den Broder offenbar nicht zu sehen vermag, trompetet in Wirklichkeit lautstark eine einfache Botschaft: Wenn die von Broder und anderen Publizisten immer wieder verbreitete These stimmt, dass es einen Zusammenhang zwischen islamistischen Terroristen und dem Islam gibt, warum sollte es diesen Zusammenhang zwischen Ideologie und Tat bei Breivik dann nicht geben?

Um es mit Broder zu sagen: Gerade umgekehrt wird ein Schuh draus. Wenn die Morde der RAF mit linksradikaler Ideologie zu tun hatten, und wenn die Anschläge islamistischer Terroristen etwas mit dem Islam zu tun hatten – dann haben die Bombe von Oslo und das Massaker von Utøya selbstverständlich auch etwas mit der politischen Ideologie zu tun, die Breivik vertritt. Diese könnte nicht nur zu großen Teilen auch in islamkritischen Blogs und Foren stehen, sondern sie ist zu weiten Teilen direkt von dort kopiert.

Das keineswegs linke, sondern im europäischen Sinn wohl liberal-konservativ zu nennende amerikanische Blog „Little Green Footballs“ (LGF), das in Breiviks Manifest ebenfalls zitiert wird, hat die Abgrenzung zu diesen radikalen Teilen der Islamkritik bereits seit langem vollzogen. Sein Hauptautor Charles Johnson fast seine Kritik an der „Anti-Jihad-Ideologie“ (wie er die Blogs und Texte radikaler amerikanischer Islamkritiker nennt, die von Breivik seitenweise zitiert werden) pointiert zusammen:

„Wenn man diesen Artikeln zu ihrer widerlichen logischen Konsequenz folgt, dann ist die Zivilisation selbst in Gefahr. Es ist eine apokalyptische Sichtweise, eine Vision von einem Krieg ums Dasein gegen einbrechende, dunkelhäutige Horden. Ist es wirklich so verwunderlich, dass von denjenigen, die an diese paranoide Weltsicht glauben, einer nun endlich den nächsten logischen Schritt unternahm? Bei Anders Behring Breivik gibt es keinen Zweifel daran, wo er die Inspiration und die Ideologie herhat, die unaufhaltsam zum Grauen in Oslo geführt haben.”

Nach all den Jahren, in denen „Islamkritiker von Broder bis Wilders“ (Broder) bei jeder Gelegenheit darauf hingewiesen haben, dass es sich beim Islam nicht (nur) um eine Religion, sondern (auch oder vor allem) um eine potentiell mörderische Ideologie handle, können sie sich daher jetzt nicht ernsthaft hinstellen und meinen, linke und islamistische Mörder würden aus ideologischen Gründen morden, rechtsextreme Mörder hätten aber einfach einen an der Waffel oder seien getrieben vom „Spaß am Töten“(Broder).

Eher Eichmann als Jack the Ripper

Letzteres Argument ist so schwach, dass man wirklich ernsthaft hoffen muss, Broder oder anderen Autoren der „Achse des Guten“ fällt noch etwas besseres ein. Denn nichts, aber auch gar nichts – weder im Manifest des Attentäters, noch in seinem Verhalten auf der Todesinsel, noch in seinen bisherigen Aussagen – deutet in irgendeiner Weise auf Spaß (vulgo: eine Lust) am Töten hin, wie sie zum Beispiel sexuell getriebene Straftäter verspüren.

Im Gegenteil: Breiviks Text ist durchdrungen von eiskalter, rationaler Kalkulation, gekoppelt mit bürokratischem Eifer und einem mörderischen Arbeitsethos; eine Kombination, die – wenn überhaupt – eher an einen Eichmann als an einen Jack the Ripper denken lässt. Genauso berechnend, ruhig und eiskalt beging Breivik laut Augenzeugen seine unvorstellbaren Taten. Auch bei seinen Vorgängern in Geist und Tat, dem Unabomber Theodore Kaczynski (von dem er ebenfalls weite Auszüge kopiert) und dem Oklahoma-Attentäter Timothy McVeigh kann man sicherlich einiges an Motiven unterstellen – Spaß am Töten gehörte bislang nicht zum Stand der Forschung.

Von Genen und Gemüsehändlern

Sarrazin auf den Seiten der NPD (Screenshot vom 11.9.2010)
Sarrazin auf den Seiten der NPD (Screenshot vom 11.9.2010)

Wirklich nötig wäre im Gegensatz zur reflexartigen Abwehr möglicher Zusammenhänge zwischen Ideologie und Tat, dass diejenigen Islamkritiker, die es mit ihrem Plädoyer für Freiheit, Demokratie und Humanismus wirklich ernst meinen – und denen es nicht um ein weiteres Vehikel für Rassismus und Hass geht – endlich Schluss machen mit der ärgerlichen Koketterie mit radikaler Rhetorik, die im Zweifelsfall aber bitte folgenlos oder nicht ganz so gemeint gewesen sein soll. In der öffentlichen Debatte muss künftig wieder ein klar erkennbarer Unterschied zwischen der Kritik am politischen Islam und der diffusen Ablehnung muslimischer Zuwanderung per se erkennbar sein, der in Sarrazins Gerede von Genen und Gemüsehändlern nicht mehr gegeben ist.

Außerdem muss klar und deutlich eine Abgrenzung von radikalen Vertretern erfolgen, die in der europäischen Auseinandersetzung mit dem Islam eine Art apokalyptischen Endkampf sehen – genau, wie es die Islamkritiker ihrerseits seit Jahren von muslimischen Organisationen und Vertretern verlangen. Denn zwischen ideologisch motivierten Massenmördern und unzurechnungsfähigen Psychopathen im Sinne der Forensik gibt es einen gewaltigen Unterschied. Die Kritiker islamistischer Ideologie sollten diesen in ihrem eigenen Interesse besser nicht verwischen – und rhetorisch dahinter verstecken sollten sie sich auch nicht. Denn wer Vertretern des Islams vorwirft, sie würden durch die fehlende Abgrenzung zu radikalen Islamisten ihrerseits zu Apologeten des Terrors – der wird sich kaum denselben Vorwurf einhandeln wollen.

* Anmerkung: Der Autor teilt viele Aspekte der Kritik am politischen Islam. Auch glaube ich nicht, dass die gesellschaftliche Debatte unter Stimmen wie der von Henryk M. Broder leidet oder auf sie verzichten könnte, ganz im Gegenteil: Für eine lebendige demokratische Streitkultur bräuchte es noch viel mehr derart pointierte Stimmen. Allerdings kann und darf auch nicht übersehen werden, dass an den Rändern der „islamkritischen“ Blogs und Foren längst eine Radikalisierung stattgefunden hat, die als Stichwortgeber zumindest mittelbar zu der Katastrophe beigetragen hat, die Anders Behring Breivik in Oslo und auf Utøya herbeigeführt hat.

Siehe auch: Massaker als Marketing: Das Manifest des Massenmörders, Dokumente des Hasses,  Norwegen: Mutmaßlicher Attentäter war bei der “Fortschrittspartei”, Norwegen: 87 Tote bei Blutbad, Verdächtiger aus rechter Szene, Rechtsterrorismus: Hunderte Tote in Europa und den USA, Deutsche Neonazis verhöhnen norwegische Opfer, Von Oklahoma nach Oslo: Norwegens Rechte

21 Kommentare

  1. Sehr gut analysiert, das wird die nächste Zeit noch auf uns zukommen. Diese Meute hat die gezündelt, und jetzt, wo die Scheune in Brand steht, wollen sie damit nichts zu tun haben. Die kritische Öffentlichkeit hat genau auf dieses verlogene Muster die nächste Zeit hinzuweisen, und darauf, wie Sarrazin, Broder etc. in exakt dasselbe ideologische Feld gehören wie Breivik.

  2. gollum

    ich finde diese kritik wirklich nicht vollkommen unberechtigt, aber es scheinen mir da hier und dort kleine, sagen wir “auslassungen”, ins auge zu stechen.
    1. breivik hat seine opfer gezielt ausgesucht. und das war kein islamisches kulturzentrum, keine moschee und kein islamisch geprägtes stadtviertel. obwohl er dazu genug bezug hätte, wie aus den beschreibungen um seine jugend und den kämpfen rivalisierender jugendgangs hervorgeht. dort schreibt er, wie er die gewalt von (vermeintlich) islamisch geprägten jugendlichen erlebt hat. teilweise hört man dort eine gewisse bewunderung heraus, was sich auch an einer stelle zeigt, wo er die erfolge terroristischer vereinigungen vergleicht. die RAF und andere linksextremistische gruppen seien an ihrer eigenen ideologie gescheitert, schreibt er dort. al kaida hingegen sei besonders erfolgreich, wegen ihrer rücksichtslosigkeit etc. den islam, und das was er verschwörungstheoretisch hineininterpretierte, nämlich die gezielte “demografische kriegsführung” von seiten “des islam”, sah er als eine art würdige gegner, der unter umständen auch durch einen anderen ersetzt hätte werden können. aber der feind, der erzfeind, das war der “kulturmarxismus”, mit seiner verräterischen, zersetzenden, verweichlichten art. den hasste er tatsächlich. der “kulturmarxismus” war für ihn eine chiffre für alles feministische, liberale, emanzipatorische. das hat ihn narzisstisch gekränkt. so gesehen könnte man die erlebenswelt von breivik mit der eines freikorpskämpfers aus der zeit der weimarer republik vergleichen: die franzosen, der gegner, diese rolle spielt der islam. doch die verräter in der heimat, die den dolch in den rücken der soldaten rammten, das sind die sozialdemokraten, die kommunisten, und also die juden.
    aus dieser sicht wird deutlich dass breivik den islam nicht hasste, er bewunderte ihn insgeheim, für die ruchlosigkeit, und den vermeintlichen “eroberungserfolg”, den er dem islam zugestand bzw. andichtete. die motivation für seine taten kam aber aus einer anderen quelle, und das war jene der ohnmacht gegenüber den gesellschaftlichen zuständen. und diese zustände identifizierte er mit einer ideologie des “kulturmarxismus”. den islam wollte er dort hin haben, wo er seiner meinung nach hingehörte. er wollte ihn nicht abschaffen, demokratisieren, liberalisieren, sondern nur aus europa verdrängen, und das gehe nicht durch die aufklärung der muslime und deren integration, sondern durch deren abschiebung etc. breivik war also schlichtweg ein ausländerhasser. seine stichworte hat er zusammengesucht wo er auch immer er sie fand, und er hat sie interpretiert wie es ihm passte. so wurden kant und hannah arendt zu kronzeugen einer wahnsinnstat. man muss nicht sehr viel über kant und arendt wissen, um sich darüber im klaren zu sein, dass deren denken nicht dazu geeignet ist, die rechtfertigung für dutzendfachen mord zu liefern. genauso verhält es sich mit broder (auch wenn ich zugebe, dass broder oft schnellschüsse von sich gibt. aber er ist in der lage, diese zu reflektieren).

    2. der zweite aspekt bezieht sich auf das, was an breiviks denken als pathologisch im klinischen sinn betrachtet werden muss (zitat):
    “In order to successfully penetrate the cultural Marxist/multiculturalist media censorship we are forced to employ
    significantly more brutal and breath taking operations which will result in casualties. In order for the attack to gain an influential
    effect, assassinations and the use of weapons of mass destruction must be embraced. When employing such methods the Justiciar Knight becomes a force multiplier, he becomes a one-man army. The continuation of these “humiliating strikes” on the Multiculturalist”
    fazit: eine ein-mann-armee, die mit massenvernichtungswaffen (!) einfluss auf die entwicklungen nehmen soll. wer so denkt, ist verrückt. es geht dabei nicht nur um das wahnsystem seiner verschwörungstheorie, die an sich schon irrational ist. verrückt und wahnhaft ist auch, dass er tatsächlich glaubt, mit seiner methode ließe sich das ziel erreichen, welches ihm vorschwebt. wenn er tatscählich so intelligent ist, wie es ihm jetzt allerorten nachgesagt wird (weil er ein 1500 seitiges copy+paste seelenstrip-machwerk zusammengeschustert hat, in dem jeder etwas findet, was ihn beeindruckt), dann hätte er merken müssen, dass so ein plan nicht funktionieren kann. das nennt man gesunden menschenverstand. der ist breivik aber abhanden gekommen. es gibt keinen grund sich zu scheuen, ihn einen wahnsinnigen zu nennen, das ist er zweifellos. ich behaupte desweiteren, dass breivik sich im status eines realiätsverlusts befindet. die aussage, er möchte in seiner (fantasie-)uniform vor gericht erscheinen dürfen, um sich dort zu erklären, sagt sehr viel aus (bereits die RAF wollte die anerkennung des kriegsgefangenen-status). auch die selbstherrlichen fotos am ende des manifests. breivik sieht sich als erlöser und auserwählter. er befindet sich in einem zustand der selbstüberhöhung. er leidet an einer art narzisstischen persönlichkeitsstörung, deren ursache sich in seiner biografie mit sicherheit irgendwann finden lässt. dass er eine polizeiuniform trug, und sich der polizei sofort ergab, spricht auch bände. einerseits hat ihm die verkleidung bei der umsetzung seines plans geholfen, aber ich denke der symbolische gehalt ist nicht minder von bedeutung: breivik wollte sich mit einer höheren autorität identifizieren, er wollte dass die polizei auf seiner seite ist, er wollte selbst polizist sein und straflos das tun, was er für gerechtigkeit hält. kein wunder, dass er sich für unschuldig hält. man muss über freud nicht viel wissen, um hier sofort an den ödipus-komplex zu denken.

    breivik wird eines gewaltsamen todes sterben. nach seiner verurteilung wird er noch ein wenig von dem hype um seine person zehren können, bis alle boulevardmagazine sich wieder anderen themen zuwenden. nach einigen wochen, monaten oder jahren wird bei ihm unweigerlich die erkenntnis ankommen, dass sein kampf vorbei ist, es nicht mehr weitergeht wie bisher. doch diese kränkung wird er nicht ertragen können. er wird daher früher oder später versuchen, suizid zu begehen.

    fazit:
    bei dem attentat ging es nicht um den islam, es ging vor allem um fremdenhass, den breivik in seinem leben kultiviert hat. und das ist mit sicherheit eine politische motivation für die tat, wenn man fremdenhass und das ganze anhängsel des rechtsradikalen gedankenguts von breivik als politisch einheitliche ideologie anerkennen will. aber die tat ging weit über das hinaus. sehr weit! ziel des attentats war es, vor aller welt, vor gericht stehen zu können, vor den kameras, und endlich die aufmerksamkeit und anerkennung zu bekommen, von der er glaubt, dass er sie verdient hat. wenn man breiviks blick auf dem foto sieht, das ihn im fond des polizeiwagens zeigt, dann kann daran kein zweifel bestehen. er ist geschmeichelt, wie sie alle um ihn herumschwirren. man bringt ihm nun zu seinem vater, und das ist der staat, und das gericht. sein vater kann ihn jetzt nicht mehr ignorieren. doch er wird abermals enttäuscht werden.

  3. Noreg

    Machen wir es doch mit den Islam-Kritikern einfach so, wie wir es nach Terroranschlägen der Islamisten machen:

    – Bloß kein General-Verdacht gegen Islamkritiker und Rechtspopulisten!
    – Nicht die Islamkritik ist verantwortlich, sondern die, die sie mißbrauchen!
    – In meiner Fjordman-Übersetzung findet sich kein Aufruf zur Gewalt!
    – Wir müssen jetzt mehr staatl. Förderprogramme für Islamkritiker auflegen! Warum gibt es keinen rechtspopulistischen Lehrstuhl in Deutschland?
    – Wir sollten mehr Islamkritiker und Rechtspopulisten im eigenen Land ausbilden und von ihnen gute Kenntnisse der deutschen Sprache verlangen!
    – Bitte keine Ausgrenzung von Islamkritikern! Das führt nur zu neuen Anschlägen!
    – Wir müssen uns stärker fragen, was wir falsch gemacht haben, daß es zu dieser islamkritischen Gewalt überhaupt kommen konnte. Haben wir wirklich eine Willkommenskultur für Islamkritiker in Deutschland?
    – Aufgrund demographischer Entwicklung können wir auch in Zukunft nicht auf den Zuzug von Islamkritikern verzichten!
    – Wir sollten in kultursensibler Sprache über die Islamkritiker berichten!

    Ich würde selbst zwar nicht so weit gehen, die Islamkritiker und Rechtspopulisten “mit ihrer vielfältigen Kultur, ihrer Herzlichkeit und ihrer Lebensfreude (als) eine Bereicherung für uns alle” zu sehen, aber man kann ja mal darüber nachdenken.

    Was aber unbedingt angegangen werden muß und zwar gesamtgesellschaftlich, ist diese in der Mitte des Feuilletons ungeheuer verbreite Rechtspopulistenphobie.

  4. @Noreg:
    Ja, ja. Die berühmte Rechtspopulistenphobie in der deutschen Presse, dieser linke Meinungsterror, der z.B. die völlig rationalen und statistisch belegten Thesen einen Thilo S. völlig ignoriert hat…

  5. Dennis K.

    Schöner Artikel, merkwürdige Kommentare.

    Die Kommentatoren sollten einmal über den Unterschied zwischen konstruktiver Kritik und Hasskritik nachdenken. Islamkritiker verbreiten leider allzu oft Letzteres – und werden folglich zu Recht abgelehnt. Gleiches gilt für Rechtspopulisten – das sagt das Wort bereits. Populistische Kritik ist nur selten fair und konstruktiv, sondern in der Regel bewusst übertreibend und rein destruktiv.

    Eine “Rechtspopulismusphobie” kann daher nur befürwortet werden, wobei das, was du Angst nennst, in meinen Augen Vernunft ist.

    Am schönsten im Artikel ist übrigens, dass Broder sich selbst auf eine Stufe mit Geert Wilders stellt *g* Selten etwas so treffendes von ihm gehört…

  6. dot tilde dot

    ich kann broders unwohlsein gut verstehen.

    das konvolut des b. zitiert broder allerdings zwei mal. der von broder erwähnte fjordman-artikel nimmt aber bezug auf einen englischsprachigen auszug aus broders buch “hurra, wir kapitulieren”.

    das von broder erwähnte zeitungsinterview zitiert paul belien in einem blogposting auf der gleichen website.

    folgt man beim oben verlinkten welt-artikel dem link zum text bei “die achse des guten”, sind dort auch beide artikel mit quellenlink dokumentiert. bei der “welt” wird daraus ein urheber und ein artikel. belien bleibt unerwähnt.

    .~.

  7. je.ha

    @Noreg:
    Hättest Du statt “Islamkritiker und Rechtspopulisten” einfach “Christ” und statt “Islamkritik” dann “Christentum” verwendet, dann hätte wenigstens die Analogie gestimmt. Witzig wäre es trotzdem nicht.

    @gollum:
    Wo hast Du das denn her: der Islam wäre für den Täter ein würdiger Gegner, der auch durch einen anderen ersetzt werden könnte? Wo hat der Täter das je behauptet? Nein, diese Beliebigkeit gibt es beim ihm nicht!

    Da machte sich ein Täter die Mühe, reich mit Zitaten illustriert, seine Motive für die Tat offen auszubreiten, und dann wird das von so vielen einfach ausgeblendet! Das darf einfach nicht wahr sein, dass der die gleichen Interessen hat wie hoch intelligente Publizisten oder Wortführer eines berechtigten Unmutes gegen Zuwanderung! Nein—da muss irgendwas mit seiner “Persönlichkeit” nicht stimmen!

    Vermutlich nehmen ihn viele nicht beim Wort, weil sie sonst bemerken müssten, dass er nur das Gerede über Gutmenschen, die zum Untergang Europas beitragen, ernst genommen hat.

  8. Nakambale

    @Noreg

    Sie leben genau die fehlende Differenzierung vor, die den aktuell kritischen Stimmen von der anderen Seite derzeit vorgeworfen werden:

    “Wir sollten mehr Islamkritiker und Rechtspopulisten im eigenen Land ausbilden und von ihnen gute Kenntnisse der deutschen Sprache verlangen!”
    “Aufgrund demographischer Entwicklung können wir auch in Zukunft nicht auf den Zuzug von Islamkritikern verzichten!”

    In Bezug auf die Ausbildung kritisieren Sie die Forderung der Ausbildung von Imamen hierzulande, dann müssten Sie aber auch schreiben “Wir sollten mehr Pastoren und kritische Ethiker im eigenen Land ausbilden” Ihre Differenzierung ist ungefähr genaus stichhaltig, als ob man jedem Pfarrer vorwirft zu Kreuzzügen aufzurufen.

    Zum Thema Zuzug meinten Sie wohl eher “… auf den Zuzug von Menschen nicht-muslimischen Glaubens verzichten.”

    Die Tatsache, dass viele Blogger und Kommentatoren im Netz den Unterschied zwischen Religionszugehörigkeit und Glaube von Fanatismus nicht trennen können, aber dies auf der anderen Seite fordern, zeigt, wie recht der Artikel hat. Fanatismus ist kein singuläres Problem des Islams, sondern ein globales in dem auch Christen und Juden heute täglich mitspielen. Bei der Intoleranz machen auch alle mit.

  9. sabine

    Der Terrorist Brevek war und ist ein kaltblütiger Hardcore-Nazi der meinte einen “Befreiungskrieg”gegen alles Demokratische zu führen,ob es nun Islam,Multikulti,Kommunismus 68.er Friedensbewegung oder Emanzipation der Frau,eben alles was ein friedliches menschenwürdiges Leben in der freien westlichen Welt ausmacht.
    Er ist Irre aber nicht dumm,der Killer bereitete das Massaker akribisch 9.Jahre vor und suchte sich bewusst das Regierungs-Viertel in Oslo und die Ferien-Insel Utoya aus und schlachtete dort die wehrlosen Kinder aus Blutgeilheit ab.
    Er war seinen Rassenwahn und Hass gegen Moslems,Ausländer und sonstigen Nicht-Nazis völlig verfallen,nun soll der Irre laut seines Verteidigers auch noch Drogen konsumiert haben,na toll,kommt der Killer nach einigen Jahren wieder raus und schlachte weiter??
    Auch in Deutschland können solche Verrückten Nazis austicken,da sollte mal mehr beobachtet werden und die Nazi-Szene ausgetrocknet werden.
    Mein tiefstes Mitgefühl der Opfer und den Hinterbliebenen.

  10. Mar52

    Im Zusammenhang zur Geisteshaltung des Taeters empfehle ich die Lektuere von Dave Grossman – On Killing: The Psychological Cost of Learning to Kill in War and Society. Exzellentes Buch. Punchline: Solange er positive Bestaetigung von aussen und aus mehreren Kreisen bekommt, ist der Mensch faehig, fast alles als richtig und notwendig anzuerkennen.

    In diesem Sinne haben Herr Broder und seine Kollegen,vielleicht unwissentlich, vielleicht ungewollt, zur Rechtfertigung der Tat durch den Taeter vor sich selbst beigetragen.

    Aber ich verstehe, dass es sehr hart sein muss sich einzugestehen, dass das eigene Weltbild zum Massenmord an Kindern beigetragen hat.

  11. Demokrat

    Lieber Mar52,

    andererseits muss man sagen, dass alle anderen Anhänger und Rezipienten dieser Rechtspopulisten keine Massenmörder geworden sind, obwohl sie das Weltbild und die entsprechenden Texte gelesen haben.

    Irgendein Alleinstellungsmerkmal, vielleicht in Form einer psychischen Abnormalität, muss der Täter augenscheinlich haben.

    Das macht Die Hetze natürlich kein bisschen besser! Eine Art kollektive Teilschuld müssen sich die Herren schon zueignen.

  12. David

    Komisch, wenn nach den aberhundert Anschlägen im Namen des Islams einer auf die Idee kommt, der Herr Mohammed habe was damit zu tun, dann darf das nicht gesagt werden.

    Wenn im Falle Norwegen aber jetzt im Manuskript eines offensichtlich Irren Leute zitiert werden, dann tragen diese Leute Mitschuld, Herr Broder, Fjordman, Jesus. Alles Rechtsradikale, “da sollte mal mehr beobachtet werden”.

    Geht’s noch?

    Das darf also nicht gesagt werden? Offenbar lesen Sie ja Broder, dann googlen Sie doch auch einmal nach älteren Beiträgen. Geht es nicht einmal ohne diese Beißreflexe? Immer wird aufgerechnet, obwohl das eine mit dem anderen nichts zu tun hat. Das ist genau die Rhetorik, die jetzt in der Kritik steht. Wer jetzt behauptet, die Hintergründe des islamistischen Terrors seien in den vergangenen Jahren nicht beleuchtet und untersucht worden, der ist einfach nicht ernst zu nehmen.

  13. o.b.

    *Zitat*
    Komisch, wenn nach den aberhundert Anschlägen im Namen des Islams einer auf die Idee kommt, der Herr Mohammed habe was damit zu tun, dann darf das nicht gesagt werden.
    */Zitat*

    Da fängt es doch schon an
    Die Anschläge werden von Herren durchgeführt, die vorgeben, im Namen des Islams zu handeln, damit aber eher ihre Defizite oder Minderwertigkeitskomplexe zu verklausolieren. Diese nennt man “Islamisten” oder “Fundamentalisten”.

    Der Typ hat hat auf Basis von Leuten aggiert, die selbst von sich vorgeben, im Namen christlicher, westlicher, nationalister, fundamentalistischer Werte die Freiheit Europas zu verteidigen? Auch die geben das nur vor um ihre Defizite zu verklären. Der Typ hat diese Gedankenwelt einfach nur konsequent umgesetzt.

    Merken Sie die Ähnlichkeit?

    Nochmal:

    Begründung des Mörders für seine Tat:
    u.a.
    – Scheiss Multikulti
    – Scheiss Emanzipation
    – Scheiss sexuelle Freizügigkeit
    – Scheiss Toleranz
    – Scheiss Vielfältigkeit

    Rhetorik von Rechtspopulisten bzw. Fundamentalisten:
    u.a.
    – Scheiss Multikulti
    – Scheiss Emanzipation
    – Scheiss sexuelle Freizügigkeit
    – Scheiss Toleranz
    – Scheiss Vielfältigkeit

    Rhetorik von radikalen Islamisten bzw. Fundamentalisten (bitte nicht mit bormalen Moslems verwechseln):
    u.a.
    – Scheiss Multikulti
    – Scheiss Emanzipation
    – Scheiss sexuelle Freizügigkeit
    – Scheiss Toleranz
    – Scheiss Vielfältigkeit

    Ich sehe da durchaus Gemeinsamkeiten…

    Dazu die Frage, wo das Ganze hinführen soll. Der Täter hat diese Frage mit seinem Massaker für sich beantwortet. Ich glaube, diese Antwort sollte niemanden gefallen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Olli

  14. dot tilde dot

    @15 (o.b.):

    alle genannten ideologien haben einen gemeinsamen gegner: die demokratische gesellschaft. die norweger haben das verstanden.

    ob es gelingen wird, die diskussion in deutschland auf dieses eigentliche thema zu lenken, steht noch aus.

    .~.

  15. David

    Zitat:
    Da fängt es doch schon an
    Die Anschläge werden von Herren durchgeführt, die vorgeben, im Namen des Islams zu handeln, damit aber eher ihre Defizite oder Minderwertigkeitskomplexe zu verklausolieren. Diese nennt man “Islamisten” oder “Fundamentalisten”.
    ZITAT ENDE.

    Genau das ist es. Bei der einen Fraktion unterstellt man, daß die sog. Herren “vorgeben”, im Namen des Islams zu handeln – aber das gilt eben nur für diese eine Fraktion. Warum diese Sonderlocken für die, die sich auf den Islam berufen? Und haben Sie immer noch nicht entdeckt, welche wüste Kampfschrift der Islam ist, die seit bald 1.500 Jahren nicht überdacht worden ist? Daß die Scharia mit der zitierten Demokratie unvereinbar ist? (Und komme mir jetzt keiner mit der Bibel.)

    In Deutschland gefällt das, wir sind gut, lieben andere Kulturen, holen uns Menschen, die uns wirtschaftlich nur belasten, spenden sonstwohin. Na fein. Warten wir mal ab, was sein wird, wenn die, die bereits heute oft die deutliche Mehrheit in den deutschen Schulen haben, mal zwanzig Jahre weiter sind.

    Breivik ist genauso ein Dschihadist wie Mohammed Atta und all die anderen bei den gut 17.000 Terroranschlägen mit zigtausend Toten seit 2001. Bei letzterem wurde immer versucht, um Herrn Mohammed herumzureden. Bei Breivik werden nun alle, die er in seinem Pamphlet genannt hat, als Verursacher genannt. Plötzlich ist dann Herr Wilders oder auch Jesus schuld. Das ist einfach irre.

  16. Wie sehr doch der „verwirrte Geist“ des Breivik Anlass für hitzige Auseinandersetzungen geben kann… Sich von einem „verwirrten Geist“ durch tief-intellektuelle Debatten distanzieren zu wollen, spricht` eigentlich der Mutmaßung Hohn, dass Breivik verwirrt sei oder ist. Es muß da etwas geben, was nicht verwirrt genug ist, um es einfach als wirr zu belassen und nicht näher benennnen zu können. – Speziell bei jenen “konservativen Islamkritikern” ist offenbar eine Erklärungswut ihrer selbst ausgebrochen, die angesichts des Breivik (als „Probanden“ mit “nicht nachvollziehbaren Motiv”) schon verwundert. – Vom unverholen jubelnden Nazi-Mob einmal gänzlich abgesehen.

    Glauben sich “irgendwie” erklären zu müssen – angesichts eines Mannes der herumläuft und Kinder erschießt -, ist sonderbar…

  17. Liberal

    man sollte den koran verbieten, denn islam terroristen stützen sich auf diesen.
    außerdem sollte man den islam verbieten,denn aus diesen entsteht islamismus und weltweiter terror und unterdrückung.

    der weltweite antisemitismus wird durch die linkspartei salonfähig gemacht.

    so, mehr krude ideen habe ich nicht auf lager, wollte mich den schlechten niveau nur anpassen.

    Die Heuchelei ist natürlich unglaublich ekelerregend, während man permanent zu den täglich weltweit islamistischen anschlägen schweigt.

  18. o.b.

    @David
    Genauso wenig, wie Islamisten den Islam vertreten, vertreten Rechtspopulisten oder Rechtsextreme die Werte bzw. eine Kultur eines Landes. Beide haben eines gemeinsam: Sie glauben aber, dass sie es tun und nehmen sich das Recht heraus über anderen zu stehen. Und vorallem: Beide wettern gegen den anderen in dem sie pauschal gegen alles wettern, was bei drei nicht auf den Bäumen ist.

    Und wenn Du schreibst, dass Breivik auf einer Stufe mit Mohammed Atta steht, dann muss da sicherlich auch nachgeschaut werden, auf welcher Basis sie stehen. Atta war indoktriniert von Al-Quaida und co. Und Breivik? Tja, der hat sich vom Rechtspopulismus/Rechtsradikalismus beeinflussen lassen. Und nun soll das aber nicht interessieren? Das wäre doch arg schlecht oder?

    Und das interessante:
    “dot tilde dot” schrieb:
    “alle genannten ideologien haben einen gemeinsamen gegner: die demokratische gesellschaft.”

    Breivik hat also mehr oder weniger antidemokratisch gehandelt. Er hat sich antidemokratischer Ideen bzw. Methoden bemächtigt. Insofern wäre der Rechtspopulismus/Rechtsradikalismus mit der Demokratie auch unvereinbar.

    Mit freundlichen Grüßen
    Olli

Kommentarfunktion geschlossen.