Täter von Pömmelte steht erneut vor Gericht

Der Rädelsführer der schweren Misshandlung eines 12-Jährigen in Pömmelte im Januar 2006 steht nach einem rassistischem Angriff auf einen Imbissbetreiber in Schönebeck erneut vor Gericht. Er soll mit anderen Neonazis auf den Türken eingeschlagen haben. Der mutmaßliche Täter stand noch unter Bewährung.

Am kommenden Mittwoch, den 28.09.2011, beginnt nach Angaben der Opferberatung um 9:00 Uhr vor dem Jugendschöffengericht am Amtsgericht Magdeburg der Prozess gegen den heute 25-jährigen Neonazi Francesco L. sowie zwei weitere 19- und 22-jährige Rechtsextreme wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung. Die Staatsanwaltschaft Magdeburg wirft den drei Angeklagten vor, am 1. Januar 2011 gegen 4:00 Uhr gemeinsam mit mindestens einem weiteren, unbekannt gebliebenen Mann mit einem Schlagstock und Stuhlbeinen bewaffnet zu einem Döner-Imbiss in Schönebeck gegangen zu sein und dort den Inhaber sowie einen Gast angegriffen und verletzt zu haben.

Zum Hintergrund berichtet die Opferberatung:

Während einer Silvesterfeier am frühen Neujahrsmorgen diesen Jahres betritt plötzlich eine etwa siebenköpfige Gruppe Rechtsextremer einen Döner-Imbiss in Schönebeck. Nach der Ansage „Du bist kein Deutscher!“ schlagen mehrere Männer auf den Inhaber des Lokals ein. Auch zwei Gäste, die dem Betroffenen helfen wollen, werden angegriffen. Schließlich verlässt die Gruppe der Rechten den Imbiss. Alle drei Betroffenen erleiden Verletzungen und Hämatome an Kopf bzw. im Gesicht – zwei von ihnen ebenfalls am Oberkörper. Sie müssen ärztlich behandelt werden.

Die Polizei ermittelte in der Folge drei Tatverdächtige. Während die Angriffe auf den Imbiss-Besitzer und einen der Helfer im nun anstehenden Prozess verhandelt werden, wurde die Körperverletzung an dem zweiten Gast im Vorfeld des Prozesses eingestellt, weil der Täter nicht zweifelsfrei ermittelt werden konnte.

Weiter heißt es, der damals 24-jährige Francesco L. habe zur Tatzeit noch unter Bewährung gestanden. Der Schönebecker Neonazi war im Mai 2006 vom Amtsgericht Schönebeck wegen versuchter schwerer Körperverletzung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung, Nötigung und Freiheitsberaubung zu einer Jugendstrafe von 3 Jahren und 6 Monaten verurteilt worden. Francesco L. hatte am 9. Januar 2006 gemeinsam mit drei weiteren Rechtsextremen einen 12-jährigen Schwarzen Deutschen in Pömmelte unter fortdauernden rassistischen Beleidigungen über eine Stunde hinweg gedemütigt und körperlich misshandelt.  Der 12-Jährige erlitt bei dem Angriff 34 Verletzungen, darunter ein Schädel-Hirn-Trauma, einen Nasenbeinbruch, Blutergüsse und Platzwunden.

Der zur Tatzeit 19-jährige L., der damals von der Richterin als Haupttäter identifiziert worden war, hatte den Jungen mehrfach mit einer Gasdruckpistole bedroht, ihn massiv getreten und geschlagen und ihm eine Zigarette auf dem Augenlid ausgedrückt. Außerdem war der 12-Jährige von der Gruppe gezwungen worden, auf Fragen mit „Jawohl, mein Führer“ zu antworten. Nach seiner Haftentlassung ist Francesco L. weiter in der Schönebecker Neonaziszene aktiv. So nahm er beispielsweise gemeinsam mit Kameraden am 15. Januar 2011 an einem Neonaziaufmarsch in Magdeburg teil und an einem Rudolf-Heß-Gedenkmarsch am 19.08. diesen Jahres in Schönebeck.

Rassistisches Tatmotiv

Vom Gericht erwartet der Betroffene auch eine deutliche Verurteilung des rassistischen Tathintergrunds: „Sie greifen mich an, weil ich Ausländer bin. Das verstehe ich nicht! Bei mir ist jeder willkommen – ob er nun aus Nigeria, Pakistan oder Deutschland ist. Wir sind alle Menschen!“.

Zum Prozessauftakt sind der Hauptbetroffene, der bei dem Prozess als Nebenkläger auftritt, sowie vier weitere Zeugen geladen. Ein weiterer Verhandlungstag ist für den 5. Oktober, ebenfalls um 9 Uhr anberaumt.

Neonazis scherzen über Tod des Jugendlichen

Das Opfer von Pömmelte ist mittlerweile nicht mehr am Leben, der Jugendliche verstarb überraschend im Jahr 2008 – allerdings nicht an den Spätfolgen des Überfalls von Neonazis. “Ein kausaler Zusammenhang ist ausgeschlossen”, sagte Hannes Grünseisen, Sprecher der Staatsanwaltschaft Erfurt.

In Neonazi-Kreisen herrschte Genugtuung darüber, dass der Jugendliche nicht an den Spätfolgen des Überfalls gestorben war. Allein die Tatsache, dass über den Tod des Jungen berichtet wurde, werteten die Rechtsextremisten bereits als einen Angriff auf sich selbst. Zudem versuchen sie immer wieder, die rassistische Motivation der Tat zu leugnen, es handele sich um “bedauerliche, aber keineswegs ungewöhnliche Gewalt unter Jugendlichen”. Die Täter hätten keiner “nationalen Organisation” angehört, zudem hätten sich organisierte Rechtsextremisten von der Tat distanziert. Dass aber genau die völkische Propaganda der Rechtsextremisten zu solchen Taten führt, will man selbstverständlich nicht einräumen. Mitgefühl oder zumindest Respekt gegenüber dem Toten und dessen Angehörigen ist den Rechtsextremisten fremd, Altermedia kalauerte in gewohnt völkischer und menschenverachtender Schenkelklopfermanier nach dem Tod des 15-Jährigen: “Klima nicht bekommen? Pömmelte-Äthiopier verstorben”.

Siehe auch: Rassisten-Opfer von Pömmelte gestorben, 400 rechte Gewalttaten – ein Drittel davon im Osten

11 Kommentare

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  1. N.G.

    Hallo,

    ich möchte meinen vorherigen Kommentar gerne zurückziehen, da dieser zu umständlich und unpräzise formuliert wurde. Danke :-)

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