Anklage wegen versuchten Mordes gegen Rechtsextreme

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat gegen zwei 21-jährige Rechtsextreme Anklage u.a. wegen versuchten Mordes zum Landgericht – Jugendkammer – Stuttgart erhoben. Den Angeschuldigten wird vorgeworfen, am 10. April 2011 kurz nach Mitternacht eine Gartenhütte, in der sich mherere Personen befunden hatten, in Brand gesetzt zu haben.

Nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Stuttgart und der 32-köpfigen Ermittlungsgruppe „Gartenhütte“ feierten in der Nacht vom 09.04. auf den 10.04.2011 die Angeschuldigten zusammen mit ca. 70 weiteren Personen, die vorwiegend der rechten Szene zuzuordnen waren, auf einem Gartengrundstück am Engelberg, oberhalb von Winterbach, ein Geburtstagsfest. In unmittelbarer Nähe befanden sich auf einem anderen Gartengrundstück 10 junge Männer mit Migrationshintergrund, die einen Grillabend am Lagerfeuer verbringen wollten.

Nach einer Auseinandersetzung zwischen Beteiligten beider Gruppen auf einem nahegelegenen Feldweg stürmten ca. 10 bis 20 Personen, unter ihnen auch die beiden Angeschuldigten, auf das benachbarte Gartengrundstück, auf dem sich zu diesem Zeitpunkt 6 junge Migranten aufhielten, und riefen dabei u.a. „Scheißkanaken“. Daraufhin flüchteten 3 junge Männer in die angrenzenden Streuobstwiesen. Die anderen 3 Personen suchten Schutz in einem fensterlosen Schuppen und schlossen diesen von innen ab.

Die Gruppe um die Angeschuldigten forderte die Eingeschlossenen mit den Worten „Kommt raus, ihr Scheißkanaken, wir machen euch fertig“ auf, heraus zu kommen. Andernfalls drohten sie ihnen, den Schuppen anzuzünden. Daraufhin nahm der zur Tatzeit noch 20-jährige Angeschuldigte aus dem Kreis Ludwigsburg einen brennenden Ast aus dem Lagerfeuer und entzündete damit eine am Schuppen hochwachsende Kletterpflanze sowie dadurch den Schuppen selbst. Der zweite Angeschuldigte stand währenddessen neben dem anderen Angeschuldigten. Beide nahmen – so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft – billigend in Kauf, dass sich die Männer im Schuppen nicht trauen würden, diesen zu verlassen und dadurch zu Tode kommen könnten.

Während dieser Geschehnisse näherten sich zwei der vorher geflüchteten jungen Migranten der Hütte, die ihre Verfolger hatten abschütteln können. Als sie sahen, wie der Angeschuldigte den brennenden Ast aus dem Feuer nahm, riefen sie ihm zu, dass er die anderen im Schuppen in Ruhe lassen solle. Weil sie durch ihr Rufen vom Angeschuldigten entdeckt wurden, ergriffen sie wieder die Flucht in die Streuobstwiesen. Die Gruppe um die Angeschuldigten folgte ihnen.

In der Zwischenzeit hatten sich noch zwei weitere Geschädigte in den bereits brennenden Schuppen geflüchtet. Kurz vor 2 Uhr rief einer der Geschädigten bei der Polizei an und gab einen Notruf durch, dass er sich in einer brennenden Hütte befinden würde. Nur durch intensives Zureden des Notrufsachbearbeiters konnten die Geschädigten schließlich dazu bewegt werden, die Hütte zu verlassen. Nachdem die Angeschuldigten die Anderen verfolgten und daher nicht mehr vor dem Schuppen standen, konnten die Geschädigten die Hütte nur leicht verletzt verlassen. Die Gartenhütte brannte vollständig nieder. Es entstand ein Sachschaden in Höhe von rund 3.600,- Euro.

Die nicht vorbestraften Angeschuldigten leugnen die Tat. Sie befinden sich seit dem 11.05. bzw. 19.05.2011 in Untersuchungshaft. Die Ermittlungen gegen die anderen insgesamt 38 Beschuldigten, darunter auch die beiden vorübergehend in Haft Genommenen, dauern noch an.

In strafrechtlicher Hinsicht werden sich die Angeschuldigten wegen eines Verbrechens des gemeinschaftlichen versuchten Mordes mit dem Mordmerkmal niedrige Beweggründe, gemeinschaftlicher besonders schwerer Brandstiftung, gemeinschaftlicher versuchter Brandstiftung mit Todesfolge und gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung vor Gericht zu verantworten haben. Die 3. Große Jugendkammer hat nun über die Eröffnung des Hauptverfahrens und die Anberaumung der Verhandlungstermine zu entscheiden.

In Deutschland wurde in den vergangenen 21 Jahren fast 150 Menschen von Rechtsextremen getötet. Im ersten Halbjahr 2011 gab es nach vorläufigen Angaben mehr als 400 Gewalttaten von Rechtsextremen.

Siehe auch: Täter von Pömmelte steht erneut vor Gericht,  400 rechte Gewalttaten – ein Drittel davon im Osten

4 Kommentare

  1. Was mir heute wichtig erscheint #288…

    Anklage: Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat gegen zwei 21-jährige Rechtsextreme Anklage u.a. wegen versuchten Mordes zum Landgericht – Jugendkammer – Stuttgart erhoben. Den Angeschuldigten wird vorgeworfen, am 10. April 2011 kurz nach Mitternacht ein…

  2. Es ist doch immer wieder erschreckend, das es immer noch und immer wieder Fälle von rechtsextremer “Hatz” auf Personen mit Migrationshintergrund gibt. Der hier geschilderte Tathergang weckt bei mir Assoziationen zu dem brennenden Asylbewerber-Heim aus den 90ern, wenn auch die Dimension etwas kleiner ist… Erschreckend das soetwas immer wieder passiert…

  3. Anklage wegen Winterbacher Brandangriff erhoben…

    Die durch den Brandanschlag völlig zerstörte Gartenlaube. Foto: Denzinger / die-beobachter.infoNachdem eine Gruppe von Nazis in Winterbach (Rems-Murr-Kreis) am 10. April Jagd auf eine Gruppe Jugendlicher mit Migrationshintergrund gemacht hatte flüchtet…

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