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  1. Floda Nashir

    Wenn das Elternteil mit dem höheren Einkommen Elternzeit nimmt und Elterngeld vom Staat kriegt, dann ist aber mit der höheren Differenz zum Normallohn auch der Verlust größer. Es ist also besser, die weniger verdienende Mama bleibt daheim bei Kind und Kegel.

    Aber was hat das mit dem lächerlichen Streit um Rinder (damit sind _nicht_ pauschal alle Mütter gemeint) und den hinter allen Emanzipationserfolgen zurückgefallenen Latte-Müttern im Prenzlberg zu tun?

    • Zu ersterem: Genau das besagt der Artikel ja auch: Mit dem Elterngeld in dieser Form wird die bestehende Rollenverteilung eher bestärkt als verändert – was ja unter Umständen trotz aller schönen Gegenreden auch die Absicht der Koalition gewesen sein könnte, die somit ihre konservative Klientel gewissermaßen durch die Hintertür bedienen kann. Das heißt, man unterstützt das eigentlich favorisierte konservative Familienbild (Mama kümmert sich um die Kids), versteckt dies aber gleichzeitig hinter einer als total “modern” verkauften Maßnahme. Und trotzdem sorgt man unter Umständen sogar noch für ein wohliges Gefühl bei der avisierten Klientel (Großstadt-Akademiker). Warum? Weil, wenn beide ungefähr dasselbe verdienen (wie in unserem Beispiel), dann bleibt Papa tatsächlich auch mal länger daheim. Und wenn nicht, dann wenigstens die zwei Monate, die es braucht , um sich als “neuer Mann” zu fühlen und darüber zu berichten. Gleichzeitig ist am unteren Ende der Einkommensskala aber durch die Reform real massiv gekürzt worden. Ein Schelm, wer da die bevölkerungspolitischen Maxime “Die Falschen haben in Deutschland zu viele Kinder” als Hintergrund des Elterngeldes vermutet.

      Zum zweiten: Es hieß “pauschal alle Mütter im Prenzlauer Berg” – und nach wie vor finden wir, dass man den TAZ-Artikel durchaus so lesen kann, schließlich wird dort nicht ein einziges Mal eine nicht abwertende Bezeichnung für *dortigen* Mütter gefunden – noch nicht einmal der Begriff Mutter taucht außerhalb der Überschrift auf. Den Zusammenhang sehen wir darin, dass im TAZ-Artikel auf der symbolischen Ebene (Kaffehausbesitzerin vs. “Rinder”) Frauen gegeneinander ausgespielt werden, aber in keiner Weise thematisiert wird, warum ständig die Mütter allein in den Cafés hocken und wo eigentlich die Männer sind? Wir sehen da insgesamt eher einen Klassenkonflikt, den man in Deutschland ja leider meistens nicht mehr so bezeichnen will, wohinter er sich dann umso besser verstecken lässt: Die Mütter und Kinder des Bürgertums, wie großstädtisch, prekär und cool auch immer, in Gegenüberstellung zu Frauen, die eben einfach arbeiten müssen, so wie die Caféhausbesitzerin. Darum ging es unter anderem in unserem Beitrag.

  2. Floda Nashir

    Die Idee der Elterngeldreform war ja auch: mehr Kinder von Akademikerinnen. Was anderes stand doch da nie drauf. Funktioniert hats aber leider nicht. Die kriegen nach wie vor keine Kinder, sondern kümmern sich um ihre heutzutage endlich mögliche Karriere. Logische Folge der Emanzipation, kann ich nix gegen sagen.

    Und ja: wo sind die Väter? Ich habe bei meinem ersten Kind fünf Monate Elternzeit genommen, und in dieser Zeit war ich nicht Kaffee trinken, weil das Kind da schon größer war und nicht mehr den ganzen Tag im Kinderwagen schlief. Zudem mag ich das rudelmäßige Rumsitzen hinter Kinderwagenburgen ohnehin nicht. Weil ich Mann bin? Irgendsoeine sexistische Theorie bahnt sich da in meinem Hinterkopf an.

    Und es gibt im Prenzlberg eben wirklich genau diese Sorte Mütter, die Frau Maier da beschreiben lässt: rücksichtslose Muttertiere ohne andere Interessen als ihre eigenen Kinder, von denen sie sich auf der Nase herumtanzen lassen und von allen anderen dasselbe erwarten.

    Aber es ist ein Auszug aus dem Buch, und ich lese ihre Kolumnen in der Taz regelmäßig und bin daher sicher, dass in anderen Kapiteln auch andere Standpunkte zur Sprache kommen. Und der Witz an der Rede der Cafébesitzerin ist doch, dass sie sich in bolleberliner Ton über die spießigen, rückschrittlichen, provinziellen Mütter aufregt und früher wäre alles besser gewesen usw., und dabei gar nicht merkt, dass sie sich dadurch selber zur ekelhaften Spießerin erster Güte degradiert.

    Und eben genau den Zickenkrieg anfängt, der seine Ursachen u.a. im Klassenkonflikt (?) hat.

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