Sogenannter Journalismus: Wie erzähle ich Fußballrandale?
Nur selten war vor, während und nach einer Fußballübertragung so viel von Fans – guten und bösen, echten und falschen – die Rede wie am Dienstagabend im ZDF zum Pokalspiel von Borussia Dortmund gegen Dynamo Dresden. Jeder Spieler, Trainer und Funktionär, der interviewt wurde, musste auch zu den „unerfreulichen Begleitumständen“ Auskunft geben, musste erklären, ob er sich – im Fall der Dresdner – nicht schäme oder – als Dortmunder – überhaupt verstehen könne, was hier passiert.
Von Nicole Selmer
Passiert ist, soweit sich das jetzt sagen lässt, durchaus einiges: Vor dem Spiel kam es offenbar zu Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Dynamo-Fans nach deren vereinbarten Marsch zum Stadion. Während des Spiels wurde Pyrotechnik im Dresdner Block gezündet, es gab Böller, Bengalos wurden Richtung Spielfeld oder in die unteren Ränge geworfen. Fans, Randale und Gewalt – darüber wollte das ZDF berichten, es war die Story des Abends. Wie Moderator Michael Steinbrecher sagte: „Wir wollen weder verharmlosen noch dramatisieren, sondern Fakten sprechen lassen.“
Der Gewährsmann des ZDF war der mehrfach interviewte Dortmunder Polizeidirektor. Das ist okay, die Sicht der Polizei auf Vorfälle jedoch nur eine von mehreren. Agenturmeldungen über Ausschreitungen beim Fußball, die lediglich aus dem Polizeibericht abgeschrieben sind, haben sich schon häufiger als in etwa so objektiv erwiesen wie Zitate aus einem Fanforum zu denselben Vorfällen. Es waren also nicht die Fakten, die das ZDF hier sprechen ließ, sondern eben ein Polizeidirektor.
Null Differenz
Dass das Thema „Fans“ – sonst bei Fußballübertragungen oft nur lustiges Gimmick – überhaupt so viel Raum einnahm, hatte einen aktuellen Grund: Am selben Tag war der Jahresbericht der Zentralen Informationsstelle Polizeieinsätze (ZIS) präsentiert worden, über den sowohl in der heute-Sendung als auch im heute-Journal berichtet wurde. Zu diesem Bericht lassen sich, ganz ohne das Problem der Gewalt im Fußball zu verharmlosen, interessante Details erwähnen: Zum Beispiel die Tatsachen, dass zu den 846 verletzten Personen auch diejenigen gehören, die bei Polizeieinsätzen verletzt werden. Am vergangenen Sonntag in Hannover waren das 36.
Aber zurück zu Dortmund gegen Dresden: Was die Berichterstattung des ZDF an diesem Abend wirklich unangenehm und unprofessionell gemacht hat, war die moralische Empörung, die sich durch sämtliche Statements zog. Der Kommentator des Spiels, Wolf-Dieter Poschmann, machte deutlich, dass der Einsatz von Pyrotechnik in jedem Fall („Da kann man sagen, was man will.“) unsinnig und gefährlich ist. Eine kleine Ohrfeige für den Kollegen Oliver Schmidt, der beim letzten Länderspiel der DFB-Auswahl der Männer noch angemerkt hatte, er persönlich habe nichts gegen Pyro, solange man es nur vernünftig entsorgen würde. Das ist eine Sichtweise, die man nicht teilen muss, aber sie hat den unbestreitbaren Vorteil, differenziert zu sein. Auch BVB-Trainer Jürgen Klopp wollte ein wenig differenzieren. Er sagte nach dem Spiel, dass er gegen Bengalos („wenn das so ein bisschen hell wird“) eigentlich nichts hätte, aber Böller und Werfen der Bengalos aufs Spielfeld ginge nun mal gar nicht und wäre sehr gefährlich. Auch zu viel Differenz offensichtlich, aus seiner Äußerung wurde in der Nachberichterstattung ein Plädoyer für „emotionale Stimmung im Stadion“. Null Toleranz für Pyro also.
- Bengalos beim Spiel Dortmund – Dresden (Foto: Ultras Dynamo)
- Bengalos beim Spiel Dortmund – Dresden (Foto: Ultras Dynamo)
Dabei wäre eine kritische journalistische Betrachtung der Vorfälle im Dresdner Block auch ebenso gut mit einer differenzierten Sichtweise möglich, wenn man einfach ein wenig Kontext und Hintergrund einbezieht. Der massive Einsatz von Pyrotechnik bei diesem und den anderen Pokalspielen und auch aktuell in der Liga beispielsweise muss im Zusammenhang mit den abgebrochenen Gesprächen zwischen den Fußballverbänden und der vereinsübergreifenden Kampagne „Pyrotechnik legalisieren. Emotionen respektieren“ verstanden werden. Die aktuelle „Pyro-Offensive“ ist daher nicht einfach blindes Wüten einiger verrückter Chaoten und „sogenannter Fans“, sondern sie ist ein strategisch eingesetztes Mittel, um den Preis für Verbände und Vereine in die Höhe zu treiben. Die Verwendung von Böllern und das Werfen auf Spielfeld und Ränge ist dabei etwas, was die Kampagne nach eigenen Aussagen selbst verhindern möchte. Daran haben die Dresdner Ultras – kein unbedeutender Teil der Initiative – sich definitiv nicht gehalten und damit die eigenen Ziele demontiert. Aber auch das wäre vermutlich der Information und Differenzierung zu viel gewesen.
Gute Dortmunder, böse Dresdner
Einfacher ist es da immer noch, die Geschichte von den guten und den bösen Fans zu erzählen. Die Guten, das waren an diesem Abend die Dortmunder, die wunderbare Stimmung der voll besetzten Südtribüne mit den besten Fans der Welt. Dass genau diese Fans bei anderen (Auswärts-)spielen selbst auch gerne Pyro einsetzen und damit in der Logik des ZDF in jedem Fall eine Gefahr für die Sicherheit sind – geschenkt. Die Bösen waren die Dresdner oder eben zumindest einige „Unbelehrbare“ und „Chaoten“. In der 79. Minute wurde das Spiel wegen Knallkörperwürfen und weil offenbar einige Dresdner versuchten, aus dem Gästeblock zu gelangen, unterbrochen. Ein weiterer Anlass für moralische Entrüstung des Kommentators; kein Versuch, vielleicht auch zu verstehen und zu erklären, was gerade passierte.
Dafür hätte ein Blick auf die Tribünen oder einfach auf die gesendeten Bilder gereicht: Viele der Dresdner Gäste trugen eigens produzierte T-Shirts mit der Aufschrift „Europa, wir kommen“ – das kann man in der 2. Runde des DFB-Pokals etwas größenwahnsinnig finden, es zeigt aber auch, wie wichtig die Partie den Anhängern war. Die Dortmunder Fans kannten diese T-Shirts offensichtlich schon, denn sie präsentierten beim gefühlt sicheren Stand von 2:0 in Minute 77 etwa eine kleine Botschaft für die Gäste: Ein Transparent mit der Aufschrift „Europa, wir kommen. Ausreiseantrag abgelehnt“ und einem mit „Abgelehnt“ abgestempelten Dynamo-Wappen. Das ist keine Entschuldigung dafür, mit gefährlichen Gegenständen zu werfen oder Menschen zu bedrohen, aber es ist eine Erklärung, und zwar eine, die leicht zu beschaffen gewesen wäre. Zur journalistischen Berichterstattung – und die Berichterstattung über das Thema Fans hatte sich das ZDF auf seine Fahnen geschrieben – gehört es, solche Kontexte einzubeziehen, den Zuschauern Hintergrunde zu erklären, ihnen Wissen über Zusammenhänge zu vermitteln. Gut möglich übrigens, dass genau diese Dortmunder Transparente an einem anderen Abend vom moralischen Bannstrahl getroffen worden und etwa als geschmacklose Entgleisung, als Beleidigung aller Bürger der ehemaligen DDR gebrandmarkt worden wären. Aber am Dienstagabend waren die Dortmunder eben die Guten.
Männlichkeit, Ehre und Gewalt
Um nicht missverstanden zu werden: Es geht nicht darum, gewalttätige Ausschreitungen kleinzureden oder zu entschuldigen, sondern darum, dass es Teil der journalistischen Arbeit sein sollte, sie einzuordnen und differenziert zu betrachten, statt sie mit moralischer Empörung und Ignoranz zusammengerührt zu präsentieren. Dazu gehört auch, sie im Kontext von Fankultur und den dazugehörigen Vorstellungen von Männlichkeit, Ehre und Gewalt zu sehen. In genau diesem Kontext nämlich funktionieren Provokationen und Beleidigungen wie das Transparenz der Dortmunder. Als Reaktion darauf wurden im Dresdner Block Dortmunder Schals verbrannt, die zuvor vermutlich – darüber berichten mehrere Stimmen im BVB-Fanforen – Dortmundern unter Androhung von Schlägen abgenommen wurden. Dieses „Abziehen“ – das Strafrecht nennt es schlicht „Raub“ – ist ein beliebter Sport der (jugendlichen) Fankultur und fügt sich bestens ein in die Ideen von Revier- und Ehrverteidigung, in denen die Männlichkeitskultur des Fußballs funktioniert.
Vor einigen Wochen ist es in Zürich zum ersten Spiellabbruch der Schweizer Ligageschichte gekommen, mit vielen anschließenden Debatten und Rufen nach härteren Sanktionen. Eine kluge Stimme im Schweizer Journalismus gehört Pascal Claude. Er schrieb in der Wochenzeitung einen Satz, den man auch der deutschen Diskussion um Gewalt und Fußball ins Redaktionsbuch notieren möchte: „Vielversprechender wäre es womöglich, die Gunst der Stunde zu nutzen und statt über Fussfesseln und Eingreiftruppen über Männlichkeit und Macht in Subkulturen zu debattieren.“
Weitere Fotos der Ultras Dynamo.
Siehe auch: Etwas Besseres als diesen Journalismus, ”Bomben auf Dynamo”: Vorwärts und vergessen




Vielen Dank für diesen Beitrag.
Ähnliche Gedanken kamen mir gestern auch!
Super Artikel, spricht einrm aus der Seele!
scheiß deutsche presse !
immer diese hetzerei gegen leute die nur atmosphäre in das stadion bringen wollen ….
PRO PYRO !
Keine Böllerei !
Einen solchen kulturrelativistischen Stuss habe ich beim früheren NPD-Blog und jetzt bei Publikative.org noch nie gelesen. Die Autorin darf ja gerne einmal über Männlichkeit und Macht in Subkulturen debattieren, wenn Fäuste, Flaschen und Fackeln fliegen.
Völlig unterschlagen wird hier, dass eine beachtliche Anzahl von (angeblichen?) Dynamo-Anhängern bereits weit vor Spielbeginn randalierte und versuchte, gewaltsam das Stadion zu stürmen. Ich kenne aus meiner Dortmunder Zeit noch die Zustände, als sich die “Borussenfront” breit machte, als die Schalke-BVB-Rivalität zu Messerstechereien mit Todesfall führte. Alles das braucht keiner mehr; wenn einige angebliche Dynamo-Fans – die seit Jahr und Tag dieses Programm aufführen – das noch nicht begriffen haben, dann werden sie es sicher jetzt nicht durch differenzierte Debatten lernen. Thema verfehlt – den Schlägern ging es nicht um Pyrotechnik, sondern um Gewalt.
Wir können uns hierzulande glücklich schätzen, dass es in unseren heutigen Stadien noch nicht zu solchen Katastrophen wie vor Jahren in England gekommen ist, bei denen Hunderte ums Leben kamen (mal nach Valley Parade und Hillsborough googeln, Heysel-Stadion nicht vergessen). Unsere alltägliche Fußball-Randale-Kultur ist heute in England in und um die Stadien nicht mehr möglich. Dort gibt es mittlerweile so etwas wie lebenslange Stadionverbote. Und das ist auch gut so.
Wer hat das geschrieben? Egal – denn ist genial reflektiert. Ich kenne etwas die Dresdner Szene und weiß um die nicht immer bremsbaren Emotionen dieses Vereins. Bin selber mit Herz dabei.
Nun macht sich hier tatsächlich mal einer die Mühe, nicht nur oberflächlich seine Betroffenheit ins Mikro zu seiern, sondern das Thema komplett auseinander zu nehmen.
Dafür mein aufrichtiger Dank! Werde es verbreiten, so weit es geht!
NORTHEND
Wenn schon von Fakten reden, dann bitte richtig. Die Krawalle auf der Nord begannen schon vor dem zeigen der Fahne und Spruchbänder auf der Süd. Aber dafür hätte
Mensch eben selbst im Stadion sein müssen .
Nett geschrieben, aber leider redest du das Problem in meinen Augen durchaus runter. Da schmeißen Leute brennende Gegenstände auf Menschen, in deren Richtung oder sonst wohin, wo es überflüssig ist… Ich stell mir gerade vor, dass mein Anfall von Männlichkeit auf irgendeiner Demo mich zum werfen von, ach scheiß drauf was solls, Molotovcocktails… nein, das wäre zu hart, es sind ja nur brennbare chemische substanzen, die bei richtiger Verwendung keinen Schaden anrichten. Bei richtiger Verwendung… leider jedoch ist die richtige Verwendung beim Durchschnittsfan nahezu ausgeschlossen. Allein der Bierkonsum im Stadion und (Auswärstfans sind im allgemeinen die hartgesottenen) der allgemeine Zeitvertreib beim Zug fahren, ist zumeist Bier trinken, bringen eine Eingeschränktheit mit sich im Umgang mit Feuer, Schere und Licht. Und “Männlichkeitsdomänen” von Betrunkenen gipfeln zumeist in Auseinandersetzungen, wo die Polizei nun mal eingreift. Die bösen Cops, ich kann es nicht mehr hören. Wenn du in einen Club gehst und da jemand betrunken rumpöbelt und dieser jemand anschliessend von Türstehern und Security rausgeschmissen wird, weil er eine Plage für die Allgemeinheit ist. Sind dann die Türsteher die bösen, weil sie die Party für meist (Obacht Ähnlichkeit zu alkoholisierten Fussballfans) gewaltbereitere Personen beenden?
Ich persönlich frag mich immer worum es beim Fussball eigentlich geht… 90 Minuten… wofür waren die doch gleich? Beleidigungen? Feuer auf andere Ränge schmeißen? 90 Minuten hinauszögern indem man Feuer auf das Spielfeld wirft? Sich sinnlos besaufen um sich im Anschluss mit den gegnerischen Fans anzulegen, weil das Spiel an sich ja egal ist??
Ehrlich gesagt, bin ich genervt. Bei dem emotionalen Part des Fussball, dem Fantum, sollte es nicht um solche Belanlosigkeiten gehen, wen ich mit ner Flasche bei der Ecke treffe, ob ich das Spiel mit Bengalos verzöger oder Schals verbrenne, die dir für 10 Euro hintergeschmissen werden. Sondern um Fussball.
Und man könnte jetzt sagen, beide Seiten betrachten… was ist mit den Fans? Ja was ist denn mit denen? Frag jemanden der Bengalos zündet. Da kommt vermutlich “war geil”. warum? “darum”. hat es nen sinn? “…” es hat zumeist keinen sinn, aber schön, dass sie die feuerwerke trotzdem werfen. schliesslich kommt dadurch erst die diskussion über bierverbot und erhöhte eintrittspreise (kind, hannover 96) als gegenmaßnahme ins gespräch. danke, dass ein paar wenige aufgrund eines fan-wenig-selbstbewusstsein-männlichkeit-wasauchimmer-schwachsinns-ausrede die allgemeinheit der fans im stadion in mitleidenschaft zieht.
bei bengalos ist es nicht so, dass gesagt wurde “nein wollen wir nicht”, sondern “das verletzungsrisiko für andere ist zu hoch, deswegen sind sie nicht erlaubt”. ansonsten lasst uns doch für die mitnahme von schusswaffen ins stadion eintreten. wir können ja in die luft schiessen, dann passiert nichts…
entschuldigt meine auswüchse der gedanken, aber im grund geht es mir nur um eines:
ich liebe den fussball und wäre ich ein spieler auf dem feld, so würde ich es scheiße finden, wenn mir jemand ein spiel unterbricht, weil er grad ne mini-krise im stadion feiert.
Danke für diesen Beitrag.
Einen ähnlichen – nur nicht so gut – habe ich heute an die ZDF-Zuschauerredaktion gemailt.
Sehr geehrte Damen und Herren,
sehr geehrter Herr Poschmann,
sehr geehrter Herr Steinbrecher,
ich bin entsetzt, dass Sie gestern so fürchterlich uninformiert und fürchterlich pauschalisierend Ihre Kommentare zum Abbrennen von Pyro im Stadion geäußert haben.
Ich verweise hier ausdrücklich auf folgenden Link der schreibenden Zunft: http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,787591,00.html: Leuchtfeuer im Stadion – Ultras starten Pyrotechnik-Offensive.
Ich verweise ebenso ausdrücklich auf die Kampagne „Pyrotechnik legalisieren“ http://www.pyrotechnik-legalisieren.de/blog/ und den Facebook-Auftritt http://de-de.facebook.com/Pyrotechnik.legalisieren, mit 34.806 „Gefällt mir“-Klicks.
Seit dem Weggang von Helmut Spahn, sprich mit Amtsantritt von Hendrik Große Lefert, sind die langen, intensiven Gespräche, Konzepte und Kompromissideen, die unter Spahn mit Fanprojekten und Fans einen guten Anfang hatten, ad absurdum geführt. Das ist Politik mit dem Hammer, die gerade beim DFB wieder Einzug hält.
Und es ist unverantwortlich von Journalisten, sich so pauschal zu äußern und der „Kriminalisierung“ von Fans somit Vorschub zu leisten.
Warum fragt denn von den Journalisten, die wie Sie im Rampenlicht stehen, keiner nach, was aus den Ideen, die mit Dr. Theo Zwanziger auf dem Fankongress in Leipzig 2008 entstanden sind, geworden ist?
Warum Fans sich überhaupt so einbringen konnten in „hochoffizielle” Gespräche beim DFB mit einem – zwar durchaus verbesserbaren – aber immerhin bestehenden Konzept zum legalen Abbrennen von Pyro, das jetzt unter Große Lefert wieder in den Schubladen zu verschwinden scheint?
Warum ist diese Form des Sportjournalismus oftmals nur in den Internetblogs und bei kleinen, freien Journalisten zu finden?
Ich danke Herrn Klopp für seine zurückhaltende und differenzierte Antwort.
Es wäre hocherfreulich, wenn Sie den Themen, die die Fans betreffen, mehr Beachtung schenken würden, sich aber zumindest einen Einblick in die durchaus komplexe Fansituation verschaffen könnten. Vielleicht wäre eine Extrasendung zu diesem Thema ja auch mal was… Es gibt ja nicht nur das Thema Pyro, sondern viele andere, die den aktiven Fans in den Stadien/Arenen unter den Nägeln brennen…
Zu den Kommentatoren des ZDF kann ich nichts sagen, da ich das Spiel live von einem Platz auf dem Oberrang der Tribüne schräg oberhalb der Stehplätze des Dresdner “Fans” (ja, mit An – und Abführungszeichen) aus sah bzw. lange Zeit wegen der Rauchentwicklung nicht sah.
Und, nein, ich mag den Besuch eines Fußballspiels auch nicht zum soziologischen Feldversuch mit allen möglichen Erklärungsversuchen für nicht akzeptables Verhalten werden lassen. Sorry, aber den Eindruck, dass genau dies getan wird, habe ich, wenn ich den Beitrag lese.
Über “Sogenannten Journalismus” möchte der Beitrag aufklären. “Sogenannter Journalismus” ist zunächst einmal ein solcher Journalismus, der gar nicht beschreiben kann, was tatsächlich geschehen ist, weil der Berichterstatter bzw. die Berichterstatterin offenbar das Geschehen lediglich im TV verfolgt hat und daraus nun einen Beitrag strickt. So wie manche Parlamentsberichterstatter ihre Weisheit aus dem Dauerkonsum von Phoenix beziehen. Wer Details zum Geschehen vom Dienstagabend erfahren will, wird mit den diversen Berichten von Agenturen und Zeitungen, die vor Ort vertreten waren, weit besser bedient – sogar was den Hintergrund betrifft, der über eine bloße Fernsehkritik hinausgeht.
Abschließend: Die Autorin empfiehlt einen genauen Blick auf die “gesendeten Bilder”. Hätte sie die nicht gesendeten Bilder der Stadionbesucher auf dem Weg von den Parkplätzen zum Stadion beispielsweise gesehen, die nicht gesendet werden konnten, weil vermutlich keine Kameras in der Nähe waren, hätte sie vielleicht – einen “journalistischen Blick” vorausgesetzt – anders geurteilt. Und wahrscheinlich hätte sie auch nicht empfohlen, dass Stadionbesucher, die möglicherweise an der linken Hand einen Elfjährigen und an der rechten Hand eine Neunjährige haben und denen Flaschen und Böller um die Ohren fliegen, empfohlen, nun einen Diskurs über Männlichkeit und Macht in Subkulturen zu führen.
Wenn man keine Ahnung hat …. jeder schreibt es so wie er will aber keiner stand da drinnen von denen. :-(
Ich bin, wie viele andere auch, gegen die Pauschalisierung von bösen Ostklubs mit ihren ganzen “Hooligan” Fans. Da kann ich nur drüber lachen. Vielleicht sollten sich einige, die am Dienstag laut eine Verbannung Dynamos aus dem Profisport gefordert haben, mal überlegen, warum Kaiserslautern vs. Frankfurt ein Hochsicherheitsspiel ist. Trauen sich dort die Familenväter auch nicht mehr ins Stadion? Wenn alle Clubs mit Ultras aus den Profiligen verbannt verden, können wir uns dann währscheinlich noch an solchen Spielen wie “Aue gegen Hoffenheim” erfreuen. Unabhängig davon erwarte ich vom DFB konkrete Vorschläge, was ein Club gegen gewaltbereite “Fans” tun soll. Mit einer hohen Geldstrafe oder Geisterspielen oder Punktabzug löst man das Problem wohl eher nicht…
Die “Provokation” der Dortmunder (“Ausreiseantrag abgelehnt”) ist eine sehr intelligente und ironische Antwort darauf, daß es in der Dresdner Fanszene zum guten Ton zu gehören scheint, sich als originäre “Ossis” zu gerieren und bewusst Ostalgie und Wendeverliererromantik zu leben…
super Beitrag zum Thema
Danke!
ähnliche Gedanken findet man ja bereits bei Bill Buford’s Standartwerk “Geil auf Gewalt”
Zitat: >> Es ging gar nicht darum, daß die Reporter sich nicht dem Geschehen in den Weg stellen wollten, vielmehr versuchten sie, es überhaupt erst herbeizuführen [...] Italiener, die sich wie Hooligans benahmen? Nie gehört. Aber Engländer, die sich wie Engländer benahmen? Das war interessant!<<
(braucht man bloß Dortmunder und Dresdner anstatt Italiener und Engländer einsetzen)
auch seine Gedanken zur "Masse" und die mediale Berichtertattung über sie sind sehr interessant
und bei Jean Baudrillard
http://www.egs.edu/faculty/jean-baudrillard/articles/das-heysel-syndrom/
und bei diesen Bildern fragt man sich auch, wer hier eigentlich Aggressor ist
https://www.youtube.com/watch?v=oedFFeTNnYs
Irgendwie find ich die ganzen ungefickten Typen die ich immer mit Vereinsschals behangen am Spieltag durch Dresden laufen sehe sehr belustigend… Aber es ist doch nur ein fucking Game… Und wenn Dynamo Scheiße spielt und absteigt warum gehn da manche so dermaßen ab? Habt ihr kein Leben?
Ebenso wenn sie gewinnen, ist doch egal, die Leistung liegt doch nciht bei den “Fans” (wie passend dass das Wort von fanatiker kommt) sondern bei den Spielern, und die spielen auch ohne Fans gut oder schlecht…
Dieser ganze Fußballwahn in Deutschland ist absolut überflüßig…
Klasse Beitrag, das ist Balsam auf der verwundeten Dresdner Seele. Ich würde mir noch viel mehr solche Artikel wünschen. Aber leider ist es heute Gang und Gebe, das Mainstream Medien von anderen nur noch kopieren, eine Recherche als solche findet nicht statt. Es wird dramatisiert und die Quote zu erhöhen (egal ob Print oder TV). Eine wirkliche Aufklärung findet nicht statt, und das künstliche empören über etwas, ist einfach nur noch widerlich und heuchlerisch. Und das ständige fordern nach höheren Strafen ist quatsch. Es ist ein Widerspruch in sich: Der Klub soll was tun, aber ihm soll gleichzeitig die finanzielle Grundlage genommen werden. Das ist Schwachsinn. Auch Geisterspiele sind nicht der Weg. Gestern gab es mit Ralf Loose bei MDR eine interessante Diskussion. Wie er sagte ist es zum Beispiel in Italien so, das man ohne gescannten Personalausweis usw. gar nicht rein gelassen wird. Der Weg sind sichere Systeme. Innovation und Fortschritt, statt sinnfreie Sperren und Strafen. Wichtig ist das mutmaßliche Chaoten sofort aus dem Block gezogen werden. Videoüberwachung macht das möglich. In diesem Punkt sollte man natürlich auch mit den Fans kooperieren. Da muss ein Dialog statt finden. Verbände und Vereine haben aber bisher über den Kopf der Fans weg entschieden. Und das funktioniert nicht. Man sagt immer, “eine Hand wäscht die andere”. Der DFB aber nimmt und gibt nichts zurück (siehe Pro 15:30, kontrolliertes abbrennen von Pyro etc.). Die Folge ist dann ziviler Ungehorsam. Sicher werden da auch Parallelen in die Politik offenbart, so viel anderes ist es nicht. Die Zukunft heißt also kooperative Prävention!
Auf den ersten Blick ist der Artikel sehr gut geschrieben, jedoch ist der Aufhänger möglicherweise falsch gewählt, um die gewünschte Intention zu vermitteln. Wie man an den Kommentaren sieht, werden Anreise-, Abreiseweg, hier geh ich auf Toilette oder hier geht mal einer an nen Kiosk, auseinandergepflückt und nach weiterem möglichen Fehlverhalten der Dresdener Fans gesucht. Dass die Berichterstattung sehr einseitig ist und oftmals eine gewisse Doppelmoral vorherrscht, möchte ich garnicht ausschließen, jedoch ist ein Pokalspiel zwischen dem BVB und Dynamo für die Kritik am Journalismus ungeeignet. Gewisse Themen lassen sich vielleicht noch einigermaßen plausibel erläutern, doch bei manchen wird es schwierig. An dem Punkt erfüllen die “Ultras Dynamo” dann wieder die Ihnen auferlegten Klischees eines Osthooligans.
Ein Artikel wie dieser kann zwar teilweise aufklären, aber stellt meiner Meinung nach jene in den Hintergrund, die auf Anfahrtswegen nicht prügeln, klauen, Polizei provozieren und dafür im Stadion mit geplanter Pyrotechnik oder gezielten Protestaktionen auf sich aufmerksam machen. Aktionen bei denen keiner zu Schaden kommt. Anscheinend sind aber selbst für die Autorin dieses Textes angesprochene Vorgänge zu uninteressant. Man brauch nicht über die Männlichkeit und Ehre offensichtlicher Gewalttäter sprechen und im weiteren Verlauf pyrotechnische Aktionen gutheißen, bei denen MAterial aufs Spielfeld und Personen geworfen wird. Dies entspricht ganz und garnicht den Vorstellungen der Kampagne (wobei jenes ja auch erwähnt wurde).
Noch an Albrecht Kolthoff:
Ihren letzten Absatz finde ich etwas fehl am Platze. Bei einem Artikel, indem es um schlechten Journalismus und falsche Beleuchtung von Fanverhalten, sollte man nicht versuchen im Kontext seines Kommentars Fahler der örtlichen Ordnungs- und Sicherheitskräfte in die Schuhe der Fans zu schieben! (Bei der Heysel-Katastrophe lässt sich drüber diskutieren, wobei jedoch dort auf koruppte UEFA-Funktionäre einen erheblichen Teil beitrugen)
Endlich mal ein guter Artikel wo alles beleuchtet wird
und nicht nur die Dresdner als die bösen dargestellt werden
auf jedenfall sind Dynamo Dresden oder ihre Ultras “Ultras Dynamo” nicht die einzigen die Pyrotechnik im Stadion abfackeln
der Kommentator sagte auch das wegen dem negativen Image das Dynamo wegen seinen Fans hat es wenige Firmen gibt die so einen Verein unterstützen wollen
aber dieses schlechte Image kommt zum Großteil von den Medien
auch bei dem Pokal Spiel von Frankfurt (auf Sport1 gelesen) kam es zu Ausschreitungen aber das wird nur nebenbei erwähnt auf der Seite von Sport1 waren aber vom Dynamo Spiel sofort 4 Artikel nur über die Ausschreitungen drin und nur in einem davon ging es wirklich um das Spiel selber
ich bin Dresdner und für Pyrotechnik im Stadion wenn man damit ordentlich umgeht dann ist das völlig ungefährlich
aber ohne Böller und das Werfen von Bengalos aufs Spielfeld
aber das verurteilen auch die “Ultras Dynamo”
aber die die Böller werfen sind auch keine von den Ultras
denn die halten sich an die Regeln von “Pyrotechnik legalisieren – Emotionen respecktieren”
http://www.sportlich-elegant.jimdo.com/aktuelles/
“Vor dem Spiel kam es offenbar zu Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Dynamo-Fans nach deren vereinbarten Marsch zum Stadion.”
Gut finde ich, dass Sie mit dem “offenbar” gleich darauf hinweisen, dass Sie nicht vor Ort waren. (Siehe Beitrag Albrecht Kolthoff.) Und mit dem “vereinbarten” dann auch gleich implizit klarmachen: Aggressor war natürlich die Polizei. Das 1312 liest man zwischen den Zeilen.
Dass da insgesamt viel mehr über den kulturellen Hintergrund gesprochen werden muss, sehe ich auch so. “Abziehen”, das gehört halt irgendwie dazu, richtig? (War schon immer so, im ganz großen Stil. Wie uns die Alten sungen, gab’s das auch schon bei der WM 1954 – oder doch nicht? Ist es vielleicht doch eher eine neue Erscheinung?) Gehört zur Kultur. So ein wenig wie die Peitschenhiebe zur Scharia oder die Genitalbeschneidung als Initiationsritus. Da sollten wir nun wirklich nicht einfach nur dagegen sein!
“ein strategisch eingesetztes Mittel, um den Preis für Verbände und Vereine in die Höhe zu treiben.”
Super Sache. Fast so schön wie die Idee von Herrn Kind, die Strafen des DFB auf die Ticketpreise umzuschlagen. Ich soll mehr bezahlen, weil im Block nebenan ein paar Leute durchdrehen? Nein, der Ausweg kann nur heißen:
1. Deutlich härteres Durchgreifen der Staatsmacht. Warum müssen in Dortmund einige Hundertschaften (!) Polizei mit Gummiknüppeln auflaufen, wenn 10 Mann mit Gummigeschossen deutlich effektiver und effizienter für Ruhe sorgen könnten?
2. Konsequentes Umlegen der Strafen auf die Täter. Dafür können auch gerne die Überwachungsmaßnahmen noch drastisch erhöht werden.
Leute, die sich deutlich zu wichtig nehmen, raus aus den Stadien. 95% der restlichen Besucher werden sie nicht vermissen. Hallo? Die Typen wollen auf Gedeih und Verderb Pyros, deshalb zündeln sie immer mehr, weil das ist ihre Strategie? Geht’s denn überhaupt noch? Das muss man sich mal auf andere Kontexte übertragen vorstellen. Ich fände es zB gut, auf dem Oktoberfest Gläser zu zerschlagen. Das soll bitte jetzt dazugehören. Natürlich nur auf den Boden, das ist eine ganz sichere Sache. Und jetzt meinen die Oktoberfestbetreiber, das wäre nicht toll? Dann mach ich einfach noch mehr kaputt, dann müssen sie die Gläser teurer machen. Machen sie das, bestrafen sie aber die anderen Besucher. Also vielleicht geben sie vorher auf, und meine Glaszertrümmeraktion wird endlich Teil des Oktoberfests!
Und irgendeine Bloggerin, die das irgendwie schon okay findet, finde ich auch noch.
Sehr schöner Beitrag, der den Nagel auf den Kopf trifft! Die Medien betreiben, insbesondere im TV, bewusst Stimmung pro DFB/DFL in Sachen Pyrotechnik. Der Kommentar von Oliver Schmid beim Länderspiel war da wohl leider nur ein Ausrutscher.
Es ist auch bezeichnend dass jedes Mal wenn die berühmt-berüchtigten Anhänger von Vereinen wie Frankfurt oder Dresden Pyrotechnik abbrennen von Chaoten gesprochen wird, die dem Fußball schaden. Über den Einsatz von Pyrotechnik beispielsweise bei Auswärtsspielen des FC Bayern, wie im Text angedeutet Borussia Dortmund oder sogar wie am letzten Wochenende geschehen bei den als eher harmlos bekannten Fans des SC Freiburg wird dagegen nur am Rande gesprochen. Dabei handelt es sich – vielleicht bis auf letzteres Beispiel – nicht um seltene Einzelvorfälle.
Als FCK-Fan habe ich gestern abend das im Vorfeld mal wieder als Randale-Spiel angekündigte brisante Derby zwischen der Eintracht und dem FCK live im Stadion verfolgt. Und selbstverständlich dominieren in der Berichterstattung heute mal wieder die Berichte über die die Randale.
Dass es im Vergleich zum März ruhig geblieben ist, der erste Einsatz von Bengalos erfolgte _nachdem_ und als Reaktion darauf dass die Polizei massiv unter Pfeffersprayeinsatz in den Block stürmte um das Aufhängen von Blockfahnen zu verhindern (!), kein Wort.
Dass die Polizei bei der “Pyro-Show” in der zweiten Halbzeit nicht in den Block stürmte und damit das durchaus kontrollierte Abbrennen ermöglichte ohne dass irgendjemand gefährdet wurde, kein Wort.
Dass es trotz 45-60 Minuten Blocksperre für die Zugfahrer – wodurch etliche, die nicht mit dem Sonderzug anreisten, den letztmöglichen Zug für die Heimfahrt verpassten – zu keinen nennenswerten Auseinandersetzungen kam (was man z.B. aus Bremen anders kennt), kein Wort.
Stattdessen Hysterie und Panikmache. Ich gehöre keiner Ultra-Gruppierung an und fahre zu Spielen weil ich mit dem Verein mitfiebere. Trotzdem bekommt man unweigerlich am eigenen Leib mit wie es wirklich abgeht, insbesondere auswärts. Und das unterscheidet sich immer häufiger signifikant von dem, was am nächsten Tag in den Medien berichtet wird.
Einfach nur ein großes Dankeschön für diesen Artikel!
Das sich Fans gegen seitig necken oder provozieren gehört zur Fankultur dazu. Das man deshalb aber ausrastet und in den gegnerischen Block stürmen nicht. Da hätte der Kommentator auch sagen können was er wollte. Sinnlose Gewalt hat im Stadion nichts zu suchen. wenn diese Menschen sich gerne schlagen, dann bitte gegenseitig, fernab des Stadions. Fussball ist nur ein Spiel. Man kann auch alles übertreiben.
Vielen Dank für diesen ausgewogenen Beitrag!
Sehr schöner Beitrag, der den Nagel auf den Kopf trifft! Die Medien betreiben, insbesondere im TV, bewusst Stimmung pro DFB/DFL in Sachen Pyrotechnik. Der Kommentar von Oliver Schmid beim Länderspiel war da wohl leider nur ein Ausrutscher.
Es ist auch bezeichnend dass jedes Mal wenn die berühmt-berüchtigten Anhänger von Vereinen wie Frankfurt oder Dresden Pyrotechnik abbrennen von Chaoten gesprochen wird, die dem Fußball schaden. Über den Einsatz von Pyrotechnik beispielsweise bei Auswärtsspielen des FC Bayern, wie im Text angedeutet Borussia Dortmund oder sogar wie am letzten Wochenende geschehen bei den als eher harmlos bekannten Fans des SC Freiburg wird dagegen nur am Rande gesprochen. Dabei handelt es sich – vielleicht bis auf letzteres Beispiel – nicht um seltene Einzelfälle.
Als FCK-Fan habe ich gestern abend das im Vorfeld mal wieder als Randale-Spiel angekündigte brisante Derby zwischen der Eintracht und dem FCK live im Stadion verfolgt. Und selbstverständlich dominieren in der Berichterstattung heute mal wieder die Berichte über die die Randale.
Dass es im Vergleich zum März ruhig geblieben ist, der erste Einsatz von Bengalos erfolgte _nachdem_ und als Reaktion darauf dass die Polizei massiv unter Pfeffersprayeinsatz in den Block stürmte um das Aufhängen von Blockfahnen zu verhindern (!), kein Wort.
Dass die Polizei bei der “Pyro-Show” in der zweiten Halbzeit nicht in den Block stürmte und damit das durchaus kontrollierte Abbrennen ermöglichte ohne dass irgendjemand gefährdet wurde, kein Wort.
Dass es trotz 45-60 Minuten Blocksperre für die Zugfahrer – wodurch etliche, die nicht mit dem Sonderzug anreisten, den letztmöglichen Zug für die Heimfahrt verpassten – zu keinen nennenswerten Auseinandersetzungen kam (was man z.B. aus Bremen anders kennt), kein Wort.
Stattdessen Hysterie und Panikmache. Ich gehöre keiner Ultra-Gruppierung an und fahre zu Spielen weil ich mit dem Verein mitfiebere. Trotzdem bekommt man unweigerlich am eigenen Leib mit wie es wirklich abgeht, insbesondere auswärts. Und das unterscheidet sich immer häufiger signifikant von dem, was am nächsten Tag in den Medien berichtet wird.
kulturrelativistischer Stuss – so ist es treffend auf den Punkt gebracht. Danke, Herr Kolthoff!
@ Sogenannter Fan:
Sie haben mit Ihrem Einwand natürlich recht, wenn mein angesprochener Absatz so verstanden werden musste. Das war wohl zu verkürzt. Natürlich waren an Valley Parade und Hillsborough vor allem die katastrophalen Bedingungen und das Fehlverhalten der Sicherheitskräfte Schuld. Im Heysel-Stadion fing es mit Gewalttätigkeiten der “Fans” an, wobei die Sicherheitskräfte völlig versagten.
Jedenfalls führten diese Katastrophen und die folgenden internationalen Sperren für den englischen Fußball zu erheblichen Veränderungen sowohl bei den Stadionbauten wie auch bei der Organisation und bei Strafen für Gewalttäter. Jetzt ist einigermaßen Ruhe, aber zu einem Preis.
Was ich ausdrücken wollte: Hierzulande gibt es noch Stehtribünen, nur bei internationalen Spielen muss auf all-seater umgebaut werden. Hierzulande kommt man noch zu erschwinglichen Preisen an ein Ticket, in England muss man mit einem Mehrfachen rechnen (Zahlen von 2008: durchschnittliche Einnahme pro Zuschauer Deutschland 17 Euro, Spanien 25 Euro, England 61 Euro). Damit werden bestimmte Gruppen als Zuschauer von vornherein ausgeschlossen, und ernsthaft um die Meisterschaft können nur noch vier oder fünf Vereine spielen.
Wenn das Hooligan-Theater hier weitergehen sollte, dann geht’s auch hier in diese Richtung, und das will ja wohl kaum jemand. Deshalb, und jetzt doch noch mal verkürzt: weil es nicht teuer für den Zuschauer werden soll, raus mit den Randalierern.
Ich komme aus Dresden, bin kein wirklich überzeugter Fan wurde jedoch am Dienstag vom genannten Herren Poschmann und seinen Eidgenossen in meiner liberalen Haltung gegenüber Fussball schwer getroffen.
Ich habe mich schon am Dienstag gefragt was diese einseitige propagandistische Berichterstattung und die nach dem Spiel folgende Hexenjagd sollte.
Da macht es einfach keinen Spass Fussball zu schauen.
Seltsame Fanallüren gibt es zur genüge und das nicht nur im Dresdner Block.
Aber was meines erachtens viel schlimmer ist, ist die deklaration dieses Problems als ein ostdeutsches Fussballphänomen.
Und das hat mit unvoreingenommener Reportage nichts zu tun.
In meinen Augen nur ein weiteres Indiz das der Ostdeutsche Fussball diffamiert werden soll.
Schauen wir uns doch mals die Derbys Dortmund – Schalke bzw Dortmund – Bochum an.
Da brennt auch der Blcok, nur das interessiert im Nachhinein niemanden.
Randale von Dynamo-Fans in Dortmund Ausschließen! Auf unbestimmte Zeit!
Ein Kommentar von Freddie Röckenhaus
Pyrotechnik im Stadion, attackierte Passanten. An Einlasskontrolle war nicht mehr zu denken: Nach den schweren Ausschreitungen durch Dresdner Fans beim Pokalspiel in Dortmund muss der DFB reagieren – und Dynamo-Fans von Auswärtsspielen künftig fernhalten. Der Verein ist mit großen Teilen seiner Anhängerschaft überfordert.
In Dortmund ist man aus den Derbys gegen Schalke so einiges an Provokation und Konfrontation gewöhnt. Zur Fankultur gehört das Hissen jeder Form von Piratenflaggen dazu. In Dortmund und Schalke kennen sie aber meist die Grenzen, die zum Spiel gehören. Man hält sich an Rituale und gefällt sich in oft humorvollen, intelligenten Verbal-Attacken auf den sogenannten Erzfeind.
Selbst altgediente BVB-Fans aus dem Lager der “Ultras” bezeichnen jedes Ruhrpott-Derby gegen Schalke deshalb als einen Kindergeburtstag im Vergleich zu dem, was am Dienstag die Fans von Dynamo Dresden gezielt inszenierten.
Ahnungslose Passanten wurden körperlich attackiert und geschlagen, Mütter mit Kindern, die sich auf ein Cupspiel vor 70.000 Zuschauern freuten, brachten sich aufgelöst und weinend in Sicherheit. An eine Eingangskontrolle am Stadion, etwa auf mitgebrachte Feuerwerkskörper, war gegen die Horden von 100-Kilo-Hünen nicht mehr zu denken, ohne zu riskieren, krankenhausreif geschlagen zu werden.
Meist versuchen Vereins-Verantwortliche, Deutscher Fußball-Bund (DFB) und Sozialforscher in solchen Fällen die Dinge zu relativieren und zu verharmlosen, indem sie stets auf einen nur kleinen Kern von Randalierern mit dem Finger zeigen. Doch bei Dresdens Fanszene greifen diese Erklär-Stereotype nicht. Bei Dynamo, heißt es in den Fan-Szenen schon länger, würden die “Selbstreinigungskräfte” nicht mehr greifen. Wer nicht selbst gewaltbereit sei, könne sich in bestimmten Fangruppen von Dynamo Dresden nicht mehr halten.
Selbst Fankreise, die sich sonst vehement gegen Stadionverbote wehren, gestehen inzwischen zu, dass man bei den Dynamo-Fans nur noch mit klaren Sanktionen weiter kommt: Der DFB und die Deutsche Fußball Liga (DFL), der Verbund der 36 Erst- und Zweitligisten, müssen Dresdens Fans für unbestimmte Zeit von Auswärtsspielen komplett ausschließen, falls es weiterhin nicht gelingt, den gewaltbereiten Kern zu isolieren. Alternativ sind kleine, mitreisende Gruppen denkbar, bis zu maximal 500 Fans, im Block eskortiert von einem Sicherheitsdienst.
Der Verein Dynamo Dresden wird die Resozialisierung von großen Teilen seiner Anhängerschaft nicht allein bewältigen können. In Dresdens Szene gilt Gewalt als akzeptierter als irgendwo sonst. Blöcke von Dynamo-Fans inszenieren sich gerne als “Wendeverlierer”. 18-Jährige halten DDR-Fahnen und Transparente hoch mit Slogans wie: “Die Wende machte aus uns Monster”.
Man sollte aber nicht darauf hereinfallen, die Gewalttätigkeiten für soziologisch oder politisch motiviert zu halten. Es ist vielmehr nichts als spätpubertäres, Testosteron-geschwängertes, pöbelndes Muskelspiel. Der DFB und der Fußball müssen den Mehr-als-Halbstarken zeigen, wo exakt die Grenze verläuft. Die Mehr-als-Halbstarken müssen künftig in Dresden bleiben.
URL:
http://www.sueddeutsche.de/sport/randale-von-dynamo-fans-in-dortmund-ausschliessen-auf-unbestimmte-zeit-1.1174148
Selten was blöderes gelesen!Ausreiseantrag abgelehnt war ist also keine Entschuldigung aber vielleicht eine Erklärung. Mein Gott, dass sind ganz normale Provokationen, die ins Stadion gehören. Die Dresdner haben uns gleich am Anfang als BVB-Hurensöhne betittelt. Reißen wir deswegen das Stadion ab oder prügeln uns mit der Polizei bzw. mit den Ordnern? Natürlich nicht. Was war denn die Erklärung von den zig vergangenen Vorkommnissen? Hat der Schiedsrichter versehentlich Abseits entschieden obwohl es keines war? Oder die gegnerischen Fans haben einen Spieler von Dynamo ausgepfiffen? Keine entschuldigung aber zumindest eine Erklärung war es. Wenn das jetzt einmal vorgekommen wäre, würde ich diesen Beitrag verstehen und wirklich zustimmen aber das passiert ja immer und immer wieder. Wenn da Leute im dresdner Block mit einer Skimaske da stehen, dann haben die mit nix anderem gerechnet und sind da von vornerein auf Krawall ausgewesen. Wie naiv muss man sein, diese Plakate als evtl. Auslöser zu nehmen?
Für mich ein Daumen runter für diesen schwachsinnigen Beitrag. Ein kleiner Teil der Dynamo-Fans sind unbelehrbar und machen alles kaputt. Für mich war die Leistung der Dynamo-Fans grandios und mit 13.000 Fans unter der Woche zu kommen, zolt mir den größten Respekt ab, nur machen diese Idioten, die hier leider noch im Schutz genommen werden, alles, wirklich alles wieder kaputt und in den Medien wird nur über diese paar Idioten berichtet. Mir tut es um Dynamo und den vielen mitgereisten normalen Fans wirklich leid.
Eines vorweg: Ich war nicht im Stadion, ich hab das Spiel nichtmal im Fernsehen gesehen, weil ich die Biene-Majas nicht so gern mag.
Egal. Wenn ich Bilder sehe, auf denen Bengalos in Fankurven abgebrannt werden, dann ist das für mich richtig tolle Stadionstimmung. Ganz ehrlich: Pyrotechnik macht richtig was her im Stadion.
Aber nur wenn ich nicht im gleichen Block stehe. Man kann all den besoffenen Typen nicht trauen – und davon gibts in jedem Stadion mehr als genug. Und da sich viele nicht unter Kontrolle haben, was das angeht, und Alkohol einfach die Hemmschwelle senkt und auch die Kontrollfähigkeit.
Und Pyrotechnik hin oder her, böse Ost-Fans oder böse West-Fans, völlig egal: Es ist einfach kein tolles Gefühl, wenn man im Block steht und unter oder über einem rückt eine Hundertschaft der Polizei ein. Oder irgendein vermummter Vogel nach dem 6. Bier 5 Meter hinter dir ein Bengalo rauszieht. Ich möchte ins Stadion um das Spiel zu sehen. Und nicht, um zwischen die Fronten irgendwelcher Idioten zu kommen.
Darum findet für mich Profifußball nur im Fernsehen statt.
Super Text, danke.
Ich möchte ergänzen, dass Poschmann die Dynamo-Fans auch übel verunglimpft hat. Natürlich ist es nicht in Ordnung, zu prügeln, aber Poschmann hat bei Nahaufnahmen währen der letzten Spielunterbrechung die eingeblendeten Dynamo-Fans nicht nur als Chaoten bezeichnet, sondern auch gesagt, sie hätten alle “dumpfe Gesichter”. Das ist mir als ziemlich üble Beleidigung im Gedächtnis geblieben.
ich bin schon gespannt auf die zdf kommentatoren demnächst bei der cl-hexenkessel,wunderbare athmosphäre etc. bei spielen in südeuropa…
das die guten dortmunder auch anders können:
https:
//www.youtube.com/watch?v=2HnkMA-ez-s
aber da war es ja nur anlässlich der meisterfeier mit anschlissendem platzsturm,aber da ist es ja fussballbegeisterung.
tendenzell macht es in der wahrnehmung anscheinden einen unterschied um welche vereine es geht.
Ein guter Beitrag, vielen Dank!
Seit ich Denken kann, fehlt mir jedes Verständnis für ein solches Verhalten, wenn es um Sport geht. Ich würde mich als “mental flexiblen” Menschen bezeichnen, der stets versucht alle und jeden zu verstehen bzw. Standpunkte und Einstelklungen seiner Mitmenschen nachzuvollziehen.
Wenn man wegen der Verletzung seiner persönlichen Ideale die Kontrolle über sich und seine Handlungen verliert, oder aus Liebe zu einer Religion, enem land oder seinem Volk randaliert, kann ich das noch nachvollziehen.
Wie man aber zu einem Sportverein eine solch emotionale Bindung aufbauen kann, dass man deshalb dieses Verhalten an den Tag legt, war mir schon imemr unbegreiflich. Aktionen wie Schals des “verfeindeten” Vereins zu verbrennen oder Böller zu werfen sind für mich entweder pubertäres oder primatenhaftes Verhalten, was nichts mit Männlichkeit oder Ehre zu tn haben sollte.
Aber scheinbar müssen manche Männer ihr Geschlecht über den Kampf um einen Ball definieren, wenn sie schon sonst keine Ideale haben, die es sich zu verteidigen lohnt.
Auch auf die Gefahr hin zu polarsieren, nochmal kurz für alle leidenschaftlichen Fußballfans: gibt es denn nichts Wichtigeres in Eurem Leben?!
Man muss nicht ein Verständnis für Ultras mit ihrem recht rückwärtsgewandten Verständnis von Gemeinschaft und Führung sein, aber man sollte die Fan Kultur zumindest kennen, bevor man sich zu diesem Thema äußert. Was im ZDF schon seltsam rüberkommt, ist bei Sport1 schon penetrant abstoßend, weil hier bei jedem nicht fernsehkonformen Verhalten der Fans sofort und immer und immer wieder von “unverbesserlichen Schwachköpfen” die Rede ist.
Vielen Dank für diesen wirklich grandiosen Artikel, wieder ein Leser mehr für Eure Plattform.
Ein guter Bericht über die vollkommen einseitige Berichterstattung des ZDF.
Ich fand es auch bedenklich, dass Spieler sich wenige Sekunden nach dem Abpfiff zu den dem Geschehen auf den Rängen äußern sollen. Wobei Ihnen die politisch korrekten Aussagen in den Mund gelegt wurden.
Ich, persönlich, finde den Einsatz von Pyrotechnik an sich nicht schlimm und es ist aus der Ferne auch nett anzuschauen.
Allerding ist es für die Personen in der direkten Umgebung äußert unangenehm. Und die Bengalos dann auf den Rasen oder die Ordner zu werfen (auch von den Belgiern in Düsseldorf) sollte definitiv unterlassen werden.
Nur den Versuch, jetzt den Dortmunder Fans, wegen dem Plakat die Schuld zuzuschieben sehe ich als übertrieben an.
Solche Provokationen gehören auf den meisten Tribünen (Ausnahme Golfsburg und Hoppenheim)dazu. Und auch die Dresdener hatten ihr Transparent dabei, auf dem sie angaben mit Lars Rickens Frau schlafen zu wollen. Trotzdem haben die Fans auf der Südtribüne nicht den Rasen gestürmt.
Ich vermute die Dredener Fans waren sich auch des Medieninteresses bewusst und wollten die Inszenierung vor dem großen Fernsehpublikum möglichst intensiv ausnutzen.
sehr schön finde ich auch, dass die ard auf ihren plakaten für die bundesliga saison 2011/12 im Hintergrund mit Fotos von Pyrotechnik im Stadion wirbt. Mehr Aussage brauch man glaube ich nicht
Bitte um Entschuldigung für die Tippfehler (ja, ich weiß – es heißt polarisieren). Und vielleicht sollte man “leidenschaftliche” durch “fanatische” ersetzen.
So geht differenzierter Diskurs:
“In Dresden sehe es aus, wie früher in Dortmund – nicht ohne zu erwähnen, dass es „dank” des Einsatzes der Fans von Dynamo Dresden heute in Dortmund aussehe, wie früher in Dresden.”
http://www.dnn-online.de/dresden/web/regional/kultur/detail/-/specific/Martin-Sonneborn-in-der-Scheune-Parteiwerbung-statt-Lesung-819227729
Ein exzellenter, wichtiger Beitrag!
Gruß
“Man muss diese Idioten aus dem Stadion kriegen. Eine Selbstreinigung wird es nicht geben. Dafür gibt es zu viele, die mitlaufen, die es einfach dulden.”
http://www.sz-online.de/nachrichten/artikel.asp?id=2898970
Was soll man von den Medien denn erwarten? Die sind doch auch nur noch Verkäufer ihres teuer gekauften Fußball-Produkts.
Bei den privaten sind es die Telekom oder Sky … ähh die Bayern und Wolfsburg oder Schalke (so genau verfolge ich das nicht mehr), die dem Markt angeboten werden müssen.
Bei den ÖR sitzen auch nur noch moralisierende Pappnasen rum, die Leistung als Sportkommentator ist bei vielen dieser Leute sehr schlecht. Wobei es sich auch positive Ausnahmen gibt.
Was mich am meisten stört sind die vermummten Leute im Block. Die wissen genau, das sie etwas falsch machen, die planen das und die anderen Fans nehmen das regelmäßig hin.
Jetzt haben wir wieder ein tolles Thema für die Medien. Mit blöden Fragen von Reportern und blöden Antworten von Spielern, Polizisten und Fans.
Probleme lösen will da kaum einer.
Sehr guter Artikel, sehe ich absolut genauso.
Dass die “lieben Dortmunder” im letzten Saisonspiel gegen die Eintracht gezündelt haben wie die Weltmeister und den Platz gestürmt haben wird von DFB und Medien unter den Teppich gekehrt, das will niemand hören. Der ach so symaptische Club mit den jungen Wilden, dem offensiven Hurrafussball soll als ein neues Aushängeschild der Bundesliga gelten, es passt nunmal nicht, wenn man über Fehlverhalten von deren Fans berichtet.
Dass Dortmunder Anhänger eine Fahne von Frankfurtern vor 18 Monaten geklaut haben gehört mittlerweile zum Fussball dazu, dass dann aber vor dem Rückspiel Berichte zu lesen sind, die Fans aus Frankfurt (die übrigens durch die Bank alle “Problemfans” sein sollen) hätten Ausschreitungen geplant und seien nur auf Ärger aus zeigt, wie wie beschränkt doch die Sichtweise vieler Medienvertreter ist.
Bei Fangruppierungen aus Dresden und Frankfurt hingegen wird nach Zwischenfällen gesucht. Falls es nichts zu berichten gibt, wird eben improvisiert. Da wird gerne mal von Ausschreitungen Frankfurter Fans in Dresden berichtet, als Bild dient dann jedoch ein Foto aus dem Eintracht Heimspiel vom 7.5.2011 gegen Köln.
Von daher, guter Bericht, mal jemand der nicht alle bisher dagewesenen Stellungnahmen einfach nur blind kopiert sondern auch mal einige Dinge hinterfragt.
Tja, der deutsche Journalismus ist nicht unbedingt in der Lage, differenziert zu berichten.
Leider greifen die meisten Kommentatoren hier den Punkt gar nicht auf, sondern schreiben nur Ihre Meinung zu den „unerfreulichen Begleitumständen“.
Sehr guter Artikel, sehe ich absolut genauso.
Dass die “lieben Dortmunder” im letzten Saisonspiel gegen die Eintracht gezündelt haben wie die Weltmeister und den Platz gestürmt haben wird von DFB und Medien unter den Teppich gekehrt, das will niemand hören. Der ach so symaptische Club mit den jungen Wilden, dem offensiven Hurrafussball soll als ein neues Aushängeschild der Bundesliga gelten, es passt nunmal nicht, wenn man über Fehlverhalten von deren Fans berichtet.
Dass Dortmunder Anhänger eine Fahne von Frankfurtern vor 18 Monaten geklaut haben gehört mittlerweile zum Fussball dazu, dass dann aber vor dem Rückspiel Berichte zu lesen sind, die Fans aus Frankfurt (die übrigens durch die Bank alle “Problemfans” sein sollen) hätten Ausschreitungen geplant und seien nur auf Ärger aus zeigt, wie wie beschränkt doch die Sichtweise vieler Medienvertreter ist.
Bei Fangruppierungen aus Dresden und Frankfurt hingegen wird nach Zwischenfällen gesucht. Falls es nichts zu berichten gibt, wird eben improvisiert. Da wird gerne mal von Ausschreitungen Frankfurter Fans in Dresden berichtet, als Bild dient dann jedoch ein Foto aus dem Eintracht Heimspiel vom 7.5.2011 gegen Köln.
Von daher, guter Bericht, mal jemand der nicht alle bisher dagewesenen Stellungnahmen einfach nur blind kopiert sondern auch mal einige Dinge hinterfragt.
In diesem Zusammenhang kurz einmal der Link zur Stellungnahme der Fangemeinschaft Dynamo.
Diese ist die Dachorganisation aller Dynamofans und diese Stellungnahme daher also keineswegs ein ARD oder ZDF-Statement, sondern eben eins von den Dynamo-Fans selbst:
http://www.dynamo-dresden.de/de/aktuelles/verein/details/artikel/stellungnahme-der-fangemeinschaft-dynamo-zu-den-vorkommnissen-beim-dfb-pokalspiel-gegen-borussia-dor.html
Was fürn Schwachsinn sich hier über Bengalos und Feuerwerk zu lamentieren, wenn das eigentliche Problem die Gewaltbereitschaft ist. Geht doch nur darum, vom eigentlich Problem abzulenken und am Ende doch zu verharmlosen. Wer stellt eigentlich die Ordner beim Dynamo an, die scheinen genauso drauf zu sein, wie der gewalittätige Teil der Fans.
[...] http://publikative.org/2011/10/26/so…usballrandale/ [...]
In der Halbzeitpause wurde das Thema “merkwürdigerweise” auch im Heute-Journal von Marietta Slomka aufgegriffen. Sie sprach von “ü-bel-ster Randale”.
Dabei ist bei dem, was “vorgefallen” ist, keine einzige Person verletzt oder auch nur in Gewahrsam genommen worden. Jedenfalls konnten keine derartigen Zahlen präsentiert werden. Offensichtlich ein für Fussballverhältnisse ruhiger Verlauf.
Was hier in den Medien abgelaufen ist, war eine übergreifende und vorfabrizierte Kampagne. Das ist der Skandal an den “Vorkommnissen”. Und sonst nischte.
Sogenanntes Ossitum:
Wer ist Schuld? Die Presse. Die Polizei. Die Wessis. Alle anderen, nur wir nicht. Widerliches und jämmerliches Rumgeheule. Steht doch dazu, asozial zu sein. Habt doch voll Bock drauf.
[...] Der Artikel von Nicole Selmer zu den Ereignissen rund um das Pokalspiel von Dynamo Dresden bei Borussia Dortmund hat in den Kommentaren eine breite Kontroverse ausgelöst. Die Publikative versucht daher noch einmal, die unterschiedlichen Diskussionsstränge zu entwirren. Einerseits, weil wir das Gefühl haben, dass Teile der ursprünglichen Argumentation entweder nicht verstanden oder absichtlich ignoriert wurden, andererseits weil unsere Kritik an einer bestimmten Art von Journalismus täglich aufs Neue bestätigt wird. [...]
[...] Eine Woche voller Schlagzeilen steht hinter uns: Die Ereignisse insbesondere um die DFB-Pokalspiele zwischen Dortmund und Dresden, sowie Frankfurt und Kaiserslautern schlugen hohe Wellen und gerade die Journalistenschaft bekleckerte sich zum Teil alles andere als mit Ruhm. Wir als FanPresse Braunschweig wollen euch hierzu einen großen Überblick im FanPressespiegel anbieten und verweisen exemplarisch insbesondere auf diesen Artikel, welcher die aktuelle Debatte wohl am Besten und Differenziertesten darstellt: “Sogenannter Journalismus: Wie erzähle ich Fußballrandale?” [...]
Oh Nein! Diese gemeinen Dortmunder. Wagen es doch tatsächlich, die Dresdner, welche sich schon auf dem Weg zum Stadion mehr als artig und anständig verhalten haben, derart auf’s Blut zu reizen: “Ausreiseantrag abgelehnt” – bei solch einer perfiden Provokation ist es kein Wunder, dass die ansonsten pazifistischen Dresdner austicken, Bengalos auf’s Spielfeld werfen und Fänblöcke – und zwar nicht die eigenen – stürmen.
Dass diese dann in den Fokus der TV-Berichterstattung geraten war den kreuzvbraven Dresdnern sicher selbst peinlich. Hier werden Opfer zu Tätern gemacht!
Und ansonsten, liebe Nicole, hast du ganz offensichtlich schwer einen an der Mütze. Such dir Hilfe.
[...] [...]
Hier geistern einige Fehlinformationen durch den Artikel und die Kommentare.
1. Der interviewte Polizeiführer war PD Andres, Leiter der PI-Mitte. Er ist nicht “der” dortmunder Polizeidirektor. PD ist ein Rang im höheren Dienst. In Dortmund gibt es mehrere Kollegen mit diesem Rang.
2. Der Kollege PD Andres hat während der Interviews lediglich die Zahlen bekannt gegeben und das Spiel anhand dieser als gewaltbereitestes in seiner Amtszeit eingeschätzt. Ich teile diese Einschätzung zu 100%. Insbesondere, da ich seine gesamte Amtszeit an den Spielen im Einsatz war.
3. Bengalische Fakeln erreichen eine Temperatur von 1600-2500°C. In Bochum wurde in der letzten Saison eine Fakel in die Menge geworfen. Eine Frau fing in Sekunden Feuer und erlitt eine 80% Verbrennung ihrer Haut mit einer Schwere von 2-3. Sie lag ein halbes Jahr in einer Spezialklinik für Verbrennungen.
4. Vor dem Spiel wurden schon eine zweistellige Zahl an Personen in Gewahrsam genommen. Und das sind nur die Personen, deren man habhaft werden konnte.
5. In der Stellungnahme wird der Angriff von dresdner Ordnern auf die 3. EHu gelegnet. Der Angriff ist videografisch dokumentiert und sogar auf Youtube einsehbar.
[...] Sogenannter Journalismus: Wie erzähle ich Fußballrandale? [publikative.org] [...]
inhaltlich ist dein beitrag sehr einfach gestrickt und die Argumente sind sehr weit hergeholt.
Allerdings ist das, was du uns sagen möchtest, sehr war und spricht mir aus der seele.
[...] Zum Feuer: Nach den vielen Spielunterbrechungen beim DFB-Pokalspiel des BVB gegen Dynamo Dresden hat die Diskussion über Ultras und Pyrotechnik an Fahrt aufgenommen. Dazu eine kritische Betrachtung der Berichterstattung: (publikative.org) [...]
[...] In Deutschland wurde vergangene Woche wieder kräftig randaliert. [...]
[...] Sogenannter Journalismus: Wie erzähle ich Fußballrandale? Etwas Besseres als diesen Journalismus Glosse: Handschellen für die Sachlichkeit Bundesligaanalyse: Pyrotechnik und "Gewalt-Wahnsinn" [...]
…sehr guter Artikel der leider noch nicht weit genug geht!
Ich lese ständig hier vermutlich, bekannterweise, wie gehöhrt…und noch weiter solche Variablen die kein Grund und Basis haben!
Der Sturm auf die Kassenhäuschen (waren ja sowieso geschlossen)naja ich kenne kein Bild oder Video davon, trotz Masse an TV Anstalten und Handyvideos…?
Kennt Ihr welche…und auch Auseinandersetzeungen zwischen der Polizei und den sogenannten Hooligans…sorry Fussballfans…hier wird auch von vielen Kommentatoren plakativ kommentiert das sich die Balken biegen!
Selbst im Stammtisch von Sport1 wurde so ein Unfug erzählt…da wurde selbst vor Aussagen, über die bösen Dresdner, nicht zurückgeschreckt wie”die schossen sogar mit Schreckschußpistolen auf die Polizisten”
Wie weit soll denn der Pranger noch laufen???Das ist unsportlich, indiskutabel und hetzerei!
Es gab Rangeleien und Auseinander zwischen der Polizei und den Dresdnern…aber schwere Randale oder Ausschreitungen???
Mir sind auch da keine TV Bilder bekannt…bin gerne bereit mir welche anzusehen…wenns welche gibt ;)
Ein Beispiel…es gibt ein Viedeo was immer gezeigt wird im fernsehen wie Dynamos auf dem Weg zum Stadion sind…jaaaaaaa natürlich sind da einige die den Stinkefinger zeigen…doppelt…grrrr janz Gefährlich…aber das dieses Viedeo geschnitten ist :-) ja denn nach 30 sek, was man nicht sieht, kommt ein Dynamofan vorbei, trinkt seine Bierflascha aus und geht schnurgerade an einem Polizisten vorbei und schmeißt die Flasche in den Papierkorb :-O
GUT in diesem Moment wäre ich gerne Polizist gewesen und hätte den wegen Dummheit verhaftet…oder der ist ein reicher Ossi :-)
Egal…so können Bilder verzerren…vielleicht hat er zu normal ausgesehen…lockige, schwarze Haare…mit Brille und ein Lächeln auf dem Mund :-)
…und wieso wurden beide Fangruppen kurz vor dem Stadion vermischt…sehr unprofessionell oder Kalkül…egal kann jeder sich seine Sicht Basteln wie man will…
Ich versteh vollends das sich Leute beschweren das sie Angst haben im Stadion oder drumm herumm wenn Böller und Feuer eingesetzt wird.Absolut!
Ich bin der Erste der solche Leute verurteilt und auch lebenslanges Stadionverbot erteilen würde…ganz Deutschland!
Aber Herrschaften…jeder Verein hat so seine Probleme aber eben Auswärts!
WARUM konnten soviele benghalische in Stadion kommen???
WARUM?Weil Ihr so tolle Sicherheitleute habt…oder braucht Ihr genausoviel Nachhilfe wie jeder anderer Club in Deutschland…wie man sein Sicherheitkonzept überdenkt!
Aber ich versteh die Leute nicht, die schreiben, sowas gabs hier noch nie und sonst ist alles schick in Dordmund…hört doch auf Leute…Ihr lügt euch doch so sehr in die Taschen…von wegen Ihr kennt die Grenzen…lächerlich sich so eine Stufe über alle Fans zu stellen und auch noch zu sagen”wir sind die besten Fans der Welt”…tztz über Euch lacht nicht nur die Sonne sondern ganz Europa :-) Arroganz pur!
Qualität ist nicht Quantität, hat man ja gehöhrt am Dienstag :)
Jedes Land in Europa und in der Welt haben sehr gute Fans und sind auf Ihre Weise einzigartig…Bsp: schon mal Derby miterlebt zwischen Sparta und Bohemians Prag oder mal in Brasilien beim Spiel gewesen…?
Also etwas mehr Demut vor anderen Fans!
…achja England, Spanien, Portugal, Serbien ect.
Also ich will das nicht verharmlosen was beim Pokal passiert ist aber ich bitte inständig darum auch mal nachzudenken wieso alles sehr Einseitig gesendet wurde…
Gewaltbereite Fans gehören in den Steinbruch und nicht auf die Tribüne!!!
…ein Fan seit 35 Jahren …Forza SGD
Vielen Dank für den Versuch der Differenzierung der Ereignisse. Ich war als Tageszeitungsredakteur selbst im Block der Dresdner (auch nahe bei den Geschehnissen des versuchten Übergriffs auf einen (!) Dortmunder Fan) und bin schier entsetzt über die auf niedrigestem Boulevardniveau stattfindende Berichterstattung. Das gilt besonders für die überregionale Presse, aber auch regionale Tageszeitungen.
Allerdings stimme ich nicht mit dem an Pascal Claude orientierten Fazit überein: Aus meiner Sicht wäre es dringend an der Zeit, über den auf Platitüden und 1:0-Berichterstattung verkommenen Sportjournalismus zu diskutieren, der sich inzwischen fast ausnahmslos Meilenweit von der Fankultur entfernt hat und lieber Schnittchen im VIP-Raum ist. (Mit vollem Mund lässt es sich immer schlecht recherchieren…)
Ich hoffe, sowohl die Text- als auch die Bildberichterstattung mit den dazugehörigen Bildunterschriften werden mal Thema einer Masterarbeit oder wenigstens unserer Fachblätter.
[...] http://publikative.org/2011/10/26/sogenannter-journalismus-wie-erzahle-ich-fusballrandale/ [...]
Also Vorweg ich bin Ossi und das Plakat der Dortmunder Fans war für mich Lustig und ein super Konter auf die T-Shirts, aber keine Beleidigung oder sowas. Solche Sachen braucht doch der Fußball und die Fan-Lager, im Endeffekt Sticheleien aber halt auch nicht beleidigend.
So, Thema Pyrotechnik. Ich bin da auch der Meinung das Pyros super Stimmung erzeugen und erlaubt werden sollten, ABER es muss halt kontrolliert passieren die Entsorgung muss gewährleistet und organisiert werden und blindes wegschmeissen geht halt garnicht.
Thema Böller, sollten für mich weiterhin verboten bleiben, da durch den Knall allein schon kein kontrolliertes “abfeuern” machbar ist.
Zur Berichterstattung: Mir ist der Satz von dem Moderator Michael Steinbrecher „Wir wollen weder verharmlosen noch dramatisieren, sondern Fakten sprechen lassen.“ auch aufgefallen, da er in seinem weiteren Gelaber nur im Konjunktiv sprach und gleich vorweg schickte das nichts genaueres zu den Vorfällen, geradde die Vorfälle vor dem Spiel, bekannt ist.
Das die Medien nicht wissen das die Gespräche zwischen Fan-Gruppierungen und DFB/DFL abgebrochen wurden, war schon vor einiger Zeit klar als die Rostocker Fans den Anfang mit der “Pyro-Offensive” gemacht haben was glaube ich eine Woche nach dem Abbruch der Gespräche war. Da wurden die Fans noch als dumm dargestellt, weil es ja besagte Gespräche gibt, wie gesagt Diese waren schon abgebrochen.
Fazit: Bei dem Thema wird es nie eine zufriedenstellende Berichterstattung geben da diese auch nicht, von Medien und DFB/DFL, gewünscht wird.
Die Dresdner haben natürlich übertrieben reagiert, Pyro hätte ich verstanden die Böller waren zuviel und wenn die wirklich geklaut haben ist dieses auch nicht tollerierbar, aber ok normal werden die ja von der Polizei begleitet und wenn die dann noch Dortmundern die Schals klauen können wäre das wohl eher eine Sache die man zumindest zum Teil der Polizei mit ankreiden muss.
Das scheint mir bei weitem der beste Artikel zur Thematik zu sein.
Ich weiß nicht, was Wolf-Dieter Poschmann als Fußball-Kommentator beim ZDF verloren hat. Nichts wahrscheinlich. Er war Leichtathlet und war meines Wissens dort ein guter Kommentator bei WM oder EM. Weiterhin verstehe ich Freddie Röckenhaus in der SZ nicht, wenn er stereotypisierend von ‘Horden von 100-Kilo-Hünen spricht’.
http://www.sueddeutsche.de/sport/randale-von-dynamo-fans-in-dortmund-ausschliessen-auf-unbestimmte-zeit-1.1174148?commentCount=45&commentspage=2#kommentare
[...] [...]
[...] Der Journalist Daniel Raecke hat aktuell im deutschen «Stern» einen Artikel geschrieben über die Gewaltdebatte, die eigentlich eine Pyrotechnikdebatte ist. Und: Wenn es rund um den Fussball heiss zu und her geht, reden die Journalisten gerne von sogenannten Fans. Nicole Selmer und die sogenannten Journalisten hier. [...]
[...] via Publikative.org [...]
[...] auch: Etwas Besseres als diesen Journalismus, Sogenannter Journalismus: Wie erzähle ich Fußballrandale?, Fußball, identitärer Lokalpatriotismus und Gewaltfetisch Tweet Nicht nur in [...]
[...] in der letzten Zeit zum Thema Fußball und der herbeifabulierten Gewaltwelle erschienen sind. taz Wie erzähle ich Fußballrandale Yahoo! [...]
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