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  1. JJ

    Schon mal was über das Prinzip von Phobien gehört? Es lautet: Vermeidung. Solange der Sozialphobiker Gelegenheiten der Begegnung mit anderen meidet, kann er sich weiterhin einreden, der Kontakt mit anderen wäre etwas, wovor er sich fürchten MÜSSE.

    Solange man sich damit herausreden kann, keine mehrmaligen bzw. längeren konkreten Erfahrung im Realleben der sog. “ostdeutschen Angstzone” zu besitzen, und sich stattdessen an abstraktem Zahlenmaterial aus fragwürdigen “Studien” eindeutig interessegeleiteter “Wissenschafter” festklammert, kann man natürlich so fast alles über “Ossis” behaupten.

    Den Jenaern (als Bespiel für DIE “Osssi”) wird unterstellt, sie wären gleichgültig bezüglich rechtsextremer resp. rechtsterroristischer Taten. Vom Niveau der “Sachlichkeit” also ungefähr gleichlautend mit den Anwürfen Läpples bzw. dem von ihm verlesenen Briefe von Akteuren, die von “typisch ostdeutschen Reflexen” fabulierten und auch in der Vergangenheit bereits durch plumpe, pauschale Ressentiments gegenüber “Ossis” in Erscheinung traten.

    Wie bereits in der Podiumsdiskussion im Jenaer Theaterhaus vom Soziologen Prof. Dörred richtig erwähnt wurde, ist es notwendig, Behauptungen zu begründen, was bei den pauschalen Anwürfen gegenüber den Bewohnern Jenas nicht erfolg(t). Wenn ich in das Impressums dieser Seite sehe, fällt mir noch eine andere ein, die in diversen Zeitungsbeiträgen ihre Ansichten über das “böse Wesen” der Deutschen mit Thesen unterfüttert, die allenfalls das Niveau psychoanalytischer Theorien bzw. fundamentalistischer Glaubengrundsätze aufweisen – also einfach behaupten und es als Bestandteil des “Credos” zu betrachten, diese Behauptungen nicht begründen zu müssen.

    Den Jenaern in ihrer – Zitat einer Tageszeitung – “Heimat des Hasses” bzw. den Thüringern in ihrem – Zitat einer anderen Tageszeitung – “Hort des Terros” würde angeblich die Sensiblität über Gefahren des Rechtsextremismus fehlen. Das sei einmal dahingestellt. Wenn ich dabei an die V.i.S.d.P.-Angaben denke, frage ich mich, wie sachlich dieser Vorwurf ist, wenn ich gleichzeitig daran denke, wer daran mitgewirkt haben soll, die Verwendung eines Aufklärungsfilms “ugendlicher Extremismus mitten in Deutschland – Szenen aus Thüringen” zu verindern. Ich will da niemandem etwas unterstellen und lasse daher lieber jemanden zu Wort kommen, dem dieser Film nicht behagt zu haben scheint:

    (Quelle: )

    Ich weiß ja nicht, ob ich so falsch liege, aber ich denke, dass jenseits purer Agitation die Anschauung das geeignete Mittel der Information ist, d.h. die Präsentation dessen, worüber aufgeklärt werden soll, eingebettet in ergänzende, orientierende Informationen durch Sachkundige. Und genau das war bzw. ist bei diesem Film der Fall: Man kann sehen und erfahren, wie sich besagte Gruppierungen in der Öffentlichkeit bewegen, was sie von sich geben, und erfährt u.a. durch Erläuterungen von Polizisten, wie sich diese Gruppierungen organisieren und was ihre vermutliche “Strategie” ist; ergänzt wird das Ganze durch Interviews mit Sachkundigen verschiedener Bereiche, wie etwa dem Leiter des Fanprojekt Jena e.V. oder Professoren aus den Fachrichtungen Psychologie, Pädaogik und Politikwissenschaft. Für jemanden, der keine der dargelegten extremen Orientierungen angehört, erscheint das plausibel. Wer sich dennoch an dem Film reibt, könnte sich evtl. fragen (lassen), ob die vorgebrachten Gründe der Ablehnung die einzigen oder eigentlichen sind.

    In dem Film sind auch Interview-Segmente eines bärtigen Mannes enthalten, die mich fragen lassen, was denn nun die damit ausgedrückte Einstellung zum Thema Gewalt sein soll:

    In o.a. “Kritik” zu dem Film heißt es, er würde “gewaltbereite linke Jugendliche herbeizuhalluzinieren”. Sind die wirklich nur “herbeihalluziniert”? Unterstellt diese Behauptung etwa, der anhand der Daten der polizeilichen Kriminalitätssatistik für den Bereich “politisch motivierte Kriminalität” ersichtliche Trend würde auf falschen Daten beruhen oder gar auf vorsätzlich gefälschten Daten? Wie sah und sieht das in Thüringen nur konkret wirklich aus? Fragen wir doch Leute, die beruflich mit der Erfassung und Auswertung von Daten zur Kriminalität zu tun haben:

    (Quelle: 9. Symposium des Thüringer Landesamtes für Verfassungsschutz, Seite 42f. der gedruckten Fassung)

    Bezogen auf die Einwohnerzahl (also Anzahl der Delikte pro Hundertausend Einwohner) folgt der Flächenstaat Thüringen bzgl. der Anzahl linksextremer Gewalttaten übrigens gleich nach den “Stadtstaaten” Hamburg und Berlin.

    Im Lichte solcher Realdaten erscheint es evtl. verständlich, warum bestimmte “Kreise” versuchen, politisch motivierte Kriminalität als pures “Konstrukt” abzutun die Aufgabe geseztlicher Pflichten der Strafverfolgungsbehörden (wie Polizei und Justiz) in Abrede stellen zu wollen.

    Und ich frage mich auch, ob es angemessen sein kann, dass bei bestimmten Zeitungen bzw. den Blogs von Initiativen und Stiftungen immer wieder den gleichen ein Podium geschaffen wird, um als “Zeugen” resp. “Gutachter” das vermeintlich wahre Urteil über Jena bzw. die “Rechten” in Jena zu fällen, wenn diese “Zeugen” bzw. “Aktivisten” durch eigene Statemens über ihre Einstellung zu Gewalt und der Billigung von Handlungen des “Schwarzen Blocks” von sich reden machen. Aber vermutlich zählt man schon als “Rechtsextremer”, wenn man zu sachlich ist bzw. sich von Extremismus jeglicher Art distanziert, denn für manche Leute gibt es nur die Diochotomie von “links” und “rechts” – und wer nicht zu der Devise “Antifaschismus ist kein Verbrechen und rechtfertigt daher alle Mittel” klatschen will, der kann dann in der Rechtfertigungslogik gewisser Aktivsten eben auch nur ein “Nazi” sein.

    Um es abzuschließen: Für den Totalfehltritt des apsekte-Beitrages bin ich übrigens sehr dankbar, weil er im Nachgang nicht zuletzt durch den Distanzierungsartikel des Schriftstellers Steven Uhly einmal einen Einblick gewährte, wie für (einige) Redaktionen im Hintergrund eine Fassade konstruiert wird für die “Message” einer Gesamtaussage, die als Meinung von vornherein feststand, also unabhängig von jeglicher Recherche. Lassen wir abschließend den Schriftsteller selbst zu Wort kommen:

    Oder auch:

    Besagte Redakteurin ist übrigens türkisch-kurdischer Herkunft; obwohl sie amüsiert darüber war, dass während ihrer Dreharbeiten niemand Angst hatte, verantwortet sie dennoch einen Beitrag, der gleich mit der unbegründeten Behauptung beginnt, Jena wäre “kein Paradies für Migranten” – so wird “Realität” produziert. Apropos Krawall-Marketing bzw. aspekte: Wer war eigentlich für die Idee bzw. den Beitrag im Sommer verantwortlich, in welchem Thilo Sarrazin nach Kreuzberg geschickt und mit der Kamera begleitet wurde? Stimmt die Angabe der ZDF-Mediathek, dass es sich dabei um dieselbe Autorin/Redakteurin handelt wie bei dem Jena-Beitrag?

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