Die Wutbürger von Jena
In Jena herrscht die Wut. Nicht über die rassistische Mordserie, die von Terroristen aus der Stadt verübt wurde, nicht über die skandalösen Vorgänge beim Verfassungsschutz – sondern darüber, dass die Stadt angeblich in eine braune Ecke gestellt wurde. Eine Petition - die vom ZDF eine Entschuldigung für einen Beitrag bei “allen Bürgern” der Stadt, also auch bei den örtlichen Neonazis - fordert, wurde tausendfach unterzeichnet. Wir meinen: Dieses “wir”, das hier konstruiert wird, ist unerträglich.
Von Publikative.org
Mehr als 4500 empörte Jenaer haben eine Petition unterzeichnet, der sich gegen folgenden Beitrag des ZDF stellt. Die taz sekundierte dazu: “Eine Stadt fühlt sich denunziert”.
Ein bemerkenswerter Vorgang: In einer Sendung, die öffentlich sonst nur wenig Beachtung findet, setzt sich ein Schriftsteller mit Migrationshintergrund mit seiner Einstellung zu Jena und dem Osten auseinander, stellt fest, dass er hier nicht leben möchte. Er trifft sich mit einem Ex-Neonazi, und erfährt, dass dieser sich des Öfteren mal umdreht oder aus dem Fenster schaut, um sicher zu sein, dass ihm keine Gefahr drohe – und der lokalen Sektion der Wutbürger fällt nichts anderes ein, als einen Sturm der Entrüstung zu entfachen – über diesen ZDF-Beitrag.
Blogs, die sich sonst mit Kinderbasteleien oder Sternegucken beschäftigen, mutieren zur letzten Verteidigungslinie Jenas. Über die rassistische Mordserie ist dort nichts zu lesen, erst als ”ihre” Stadt vermeintlich in die rechte Ecke gestellt wird, schalten sich die Bürger ein. Sie fühlen sich persönlich angegriffen – und in einer Petition wird eine Entschuldigung vom ZDF gefordert - und zwar bei “ALLEN” (!) Bürger Jenas – und “nicht nur” bei denen mit Migrationshintergrund. Also auch bei den Kameraden der Rechtsterroristen, die aus der Stadt stammen - aber die sind hier nicht (mehr) das Thema.
Dieses “wir” ist unerträglich. Dieses “wir” entwickelt aber so großen Druck, dass das ZDF nach Jena fährt und mehr oder weniger zu Kreuze kriecht – was derselbe Sender beispielsweise beim tausendfachen Protest gegen seine Art der Fußballgewalt-”Berichterstattung” im Übrigen in keiner Weise für nötig befindet. Beim Jenaer Public-Viewing kommt dann richtig Volksfest-Stimmung auf – und der ZDF-Vertreter wird ordentlich ausgebuht, als er fragt, warum jetzt die kollektive Empörung herrscht – und nicht bereits nach der rechtsextremen Terrorserie. Gute Frage übrigens.
Jena, so suggerieren die Empörten, ist längst zum Hort des kollektiven antifaschistischen Widerstands geworden. Schade nur, dass die Akteure, die vor Ort mutig und engagiert die Neonazi-Umtriebe bekämpfen, da nicht mitspielen: Katharina König von der Linkspartei kritisierte, Tausende unterzeichneten die Petition gegen den ZDF-Beitrag, aber bei Trauerveranstaltungen für die Opfer verloren sich 300 Menschen. Ihr Vater, der Jenaer Jugendpfarrer Lothar König, kämpft tatsächlich seit Jahren gegen Nazis, wofür er allerdings auch genauso lange angefeindet und kriminalisiert wird. Auf dem Lindenberg’schen Rock-Event gegen Rechts konnte er nicht einmal seine Rede beenden, weil er ausgebuht wurde. Auf Twitter wurde anschließend gegen den “spastischen Kommunistenpfarrer” gehetzt: “Das einzige Buhhhhh des Nachmittags“, so die Meinung “ganz normaler” Konzertbesucher, die natürlich keine Nazis sind. Anetta Kahane von der Amadeu-Antonio-Stiftung merkte treffend an: “Die Leute fürchten sich mehr vor dem Imageschaden, der durch die Aufklärung entsteht, als vor dem verbrecherischen Potenzial, das sich jahrelang in ihrer Mitte entfaltete.”
Mit Eurem “Wir” wollen wir nichts zu tun haben!
Die taz haut indes weiter auf die Tonne vom diskriminierten Ossi: “Eine ganze Stadt” fühle “sich denunziert”, heißt es empathisch. Dabei sei Jena “erzstudentisch, erzakademisch, wohlerzogen und lieb, so lieb, dass man nicht einmal den Punks in der Innenstadt ihre Subversion abkauft.” Es sei daher viel zu einfach, von einem ostdeutschen Problem zu sprechen. Darf man fragen, warum eigentlich? Dieser Hinweis war nach Mölln und Solingen vollkommen angebracht, aber jetzt? Was spricht denn dagegen, sich – angesichts einer bislang rein ostdeutschen Terrorbande und ihrem Gewaltexport in den Westen – jetzt intensiv und ausführlich damit zu beschäftigen, was da bei “Euch” so los ist – ohne im gleichen Atemzug sofort irgendwas zum Westen sagen zu müssen? Bei aller Liebe: Das Thema ist in der Tat eine Mörderbande, die in Thüringen ausgebrütet wurde – und nicht in Dortmund, Mesopotamien oder Spitzbergen!
Aber bitte, sagen wir was zum Westen: Dortmund-Dorstfeld hat ein Nazi-Problem, aber es ist trotzdem keine No Go Area: Jeden Tag sind dort mehr nicht-weiße Deutsche auf der Straße unterwegs als in den meisten Orten des Ostens in einem ganzen Jahr. Und das hat seine Gründe, viele Gründe sicherlich. Einer aber ist die schlichte Ignoranz gegenüber dem Nazi-Problem. Statt das Unwohlsein eines Deutschen mit nicht ganz so heller Hautfarbe zumindest einmal zu überdenken, wird ein empörtes “wir” entgegengesetzt, mit dem wir wiederum nichts zu tun haben wollen.
Hauptsache integrieren?
Das Faktum, das Ostdeutschland ein spezifisches Nazi-Problem hat, zu leugnen, heißt, die Suche nach den Ursachen zu torpedieren. Die taz mischt derzeit hier in der ersten Reihe mit, was besonders bitter ist, da sie über Jahre eine kontinuierliche, fundierte Berichterstattung über die rechtsextreme Bewegung geliefert hat. Möglicherweise handelt sie aus einem falschen, linken Moment der Inklusion, nach dem Motto, wir dürften keinen ausgrenzen, schon gar nicht die armen Ossis, die seit 1990 ausgegrenzt würden.
Dieser Glaube an eine bessere Gesellschaft, der zum Beispiel in Gorleben geboren wurde und sich auf den Weg gemacht hat, auch noch den dümmsten Bauern von der Größe ökologisch angebauter Kartoffeln zu überzeugen – kippt angesichts des Rassismus’ der real existierenden Gesellschaft in die totale Regression. Warum? Weil er sich schlechterdings zum Werkzeug des Appeasements gegenüber den Nazis macht. Es gibt kein “wir” mit Rassisten, es gibt kein “wir” mit Nazi-Mördern, es gibt kein “wir” mit evangelikalen Christen, es gibt kein “wir” mit Homophobie, es gibt kein “wir” mit militanten Abtreibungsgegnern und es gibt kein “wir” mit ostdeutscher Identitätsbefindlichkeit, die genau all diese anderen Ausgrenzungen ignoriert und gedeihen lässt, weil man selbst das Opfer der bösen Wessis sei. Dieses “wir” ist nicht unser “wir”.
“Wer zwingt Dich dazu, Dir Deine Haare bunt zu färben?”
In einem dieser Jenaer Blogs, die derzeit um das Image “ihrer” Stadt kämpfen und es dabei erst kaputt machen, schrieb ein “Bunthaariger”, er habe sich schon oft unwohl im Osten gefühlt. Ein anderer fragte: “Und wer zwingt Dich dazu, Dir Deine Haare bunt zu färben?” Das ist die Message: Du wirst von Nazis angemacht? Selbst Schuld! Wenn alle gleich aussehen, gibt es auch keine Probleme…
Wenn “Ihr” “Euch” solche Sorgen um “Euer” Image macht, dann möchten wir “Euch” mal etwas mitteilen: Viele von “uns” fahren nicht in den Osten zum Zelten oder in den Urlaub, weil sie Angst haben, dass sie selbst oder ihre nicht bio-deutsch aussehenden Kinder rassistisch angefeindet werden. “Unser” Problem? Nein, “Euer”!
Linktipp: Petition “Aspekte sollte sich NICHT entschuldigen!”
Siehe auch: Angst vor “Überfremdung” – ohne “Fremde”, Wenn der VS Thüringen über Nazis aufklärt…, Im Osten nichts Neues …?, “Wunderbare Jahre”: Nazi sein als Lebensgefühl, Im Osten nichts Neues …?, Demokratie von oben: Bürgerpreis ohne Bürger, Ein Hoch auf die Nestbeschmutzer!
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“UNS” HÖRT JA NIEMAND ZU!
mehr Wutkleinbürger: “1/2 sonstiger Herkunft”: Kleingärtner beschließen “Migrationsanteil” – Nazis applaudieren
Also ich war schon ein paar mal in Jena und hatte dort nie das Gefühl mich in einer “Hochburg der Rechten” zu bewegen.
Das ist für mich leider mal wieder ein Versuch gleichzeitig noch einen Ost/West Konflikt daraus zu initieren.
Ich könnte jetzt mit Geschichten kommen über Imigranten in kleinen fränkischen Dörfern, mach ich aber nicht.
Ich geb dir Recht – es gibt kein “wir” mit Rassisten, Nazis, fundamentalen Christen, Homophoben und auch nicht mit “ostdeutscher Identitätsbefindlichkeit [...]“. Ebensowenig gibt es für mich ein “wir” mit westdeutscher Identitätsbefindlichkeit, die die Zustände in den alten Bundesländern zu verklären versucht. Mal ehrlich – Dortmund Dorstfeld anzuführen um den ach so aufgeklärten Umgang der Bevölkerung in den alten Bundesländern mit den Nazis vor Ort aufzuzeigen ist ja wohl der blanke Hohn!
Ein Stadtteil des Ruhrgebiets in dem jeden Tag mehr “nicht-weiße Deutsche auf der Straße unterwegs” sind, als “in den meisten Orten des Ostens in einem ganzen Jahr” – wow – und das trifft z.B. auf große Teile sagen wir mal der bayrischen, niedersächsischen oder ostfriesländischen Provinz nicht zu?
Und das Nazi-Problem von Dortmund Dorstfeld ist ja auch gesellschaftlich und offiziell allgemein (an-)erkannt – nicht war? Deshalb wurde es auch jahrelang totgeschwiegen bzw. schöngeredet von Seiten der Stadt und von der Mehrheit der ‘weißen Deutschen’ vor Ort. Die Beteiligung an der Gedenk-Demo für den vor sechs Jahren in Dorstfeld von Nazis ermordeten Dortmunder Punk “Schmuddel” lag dieses Jahr bei (immerhin!) 600 Personen – sieht das für dich nach Anteilnahme durch die Mehrheit der Bevölkerung vor Ort aus? Die regelmässigen Nazi-Angriffe auf die einzige alternative Kneipe in Dortmund, die von der Polizei und den Medien gleichermaßen immer zielsicher als unpolitische Schlägerei unter Jugendlichen/Betrunkenen dargestellt wurden (und werden) sind wohl auch ein eindeutiges Zeichen dafür, dass der Umgang mit der Nazi-Problematik “im Westen” ja wirklich um Vieles besser ist als “im Osten”.
Und die Nazis in Dortmund Dorstfeld sind nun bei weitem nicht die einzigen in den alten Bundesländern! Ich will das hier nicht noch weiter in die Länge ziehen, in dem ich mich in weiteren Beispielen ergehe …
Definitiv finde ich es absolut inakzeptabel, was der aufgebrachte, weil sich persönlich angegriffen fühlende Mob in Jena da abzieht! Auch mit der tendenziösen Berichterstattung der taz bin ich nicht zufrieden. Aber Waffen, selbstgebastelte Sprengsätze bzw. Material zum Bau ebensolcher etc. wurden auch schon bei Nazis “im Westen” gefunden. Was also lässt dich glauben, rechter Terror sein ein spezifisches Problem Thüringens bzw. ein spezifisches Problem “des Ostens”?
Klar gibts Nazis “im Osten” – ziemlich viele, gut vernetzt und aktiv – ich denke, dass bestreitet niemand, der/die sich mit der Materie mal ‘n bisschen ernsthafter auseinandergesetzt hat.
Aber dadurch steht der Westen doch nicht automatisch besser da.
Die Nazis in Deutschland sind ein gesamtdeutsches Problem! Wer das immer noch auf ein hauptsächlich oder spezifisch ostdeutsches Problem zu reduzieren versucht, der verkennt die Realität und behindert eine Auseinandersetzung mit den Ursachen ebenso wie jene, die sich als “die armen Ossis, die seit 1990 ausgegrenzt” wurden stilisieren.
In diesem Sinne: Faschismus, Rassismus und Nationalismus bekämpfen – vor allem in den Köpfen der Leute!
Gruß, smutje.
wenn sich der herr autor mal die podiumsdiskussion zwischen aspekte-redakteur und lokalen akteuren zu gemüte führen will, was er bei der recherche zu diesem beitrag anscheinend versäumt hat…
http://www.youtube.com/watch?v=h4bFkzZZEEk
… wird er mit erstaunen feststellen, dass es die lokalpatrioten und spießbürger doch vollbracht haben, neben aller berechtigter kritik an dem handwerklich offensichtlich schlechten aspekte-beitrag das wesentliche thema nicht zu vernachlässigen: die notwendigkeit des gesellschaftlichen engagements gegen nazis und andere rassisten. denn gerade auf diesem gebiet haben sich in jena in den letzten 5 jahren in leider bundesweit einzigartiger weise die dinge zum besseren gewendet.
Jena ist in Thüringen wahrlich keine Nazihochburg wie im ZDF-Beitrag beschrieben. In der Vergangenheit haben deswegen die jetzt in der Öffentlichkeit großspurig auftretenden Akteure aus genau diesem Grund der thüringer “Provinz” die Solidarität versagt, denn dort ist Hopfen und Malz “eh verloren”. Da kochte man doch lieber in Jena sein eigenes Süppchen. Die Kritik an der Standortlogik ist richtig und wichtig und das “Anti-Nazi-Konzert” ein Verarschung sondergleichen. Die Fixierung auf Jena zeigt aber die Unkenntnis über Thüringer Verhältnisse. Immerhin können jetzt einige ihre Profilneurosen ausleben, für Kenner_innen des Gebahrens wirkt das alles ziemlich surreal…
“Viele von “uns” fahren nicht in den Osten zum Zelten
oder in den Urlaub, weil sie Angst haben, …”
Na hoffentlich, ich will meine liebe Mauer wiederhaben,
jeder verfolgte Deutsche kann gern zu UNS kommen und
jeder, der sich hier bei uns unwohl fühlt, wird in die
Alt-BRD abgeschoben. Dann haben WIR alle, was wir wollen.
Ist das ein Vorschlag? Die “Friedliche Koexistenz nach
Lenin” wußte nichts von der “Liebe” aller untereinander.
PS. Ich habe schon gegen den Vietnamkrieg demonstriert, da
haben Eure schwachsinnigen BRD-Eltern noch “BRAVO” gelesen.
zur Diskussion…nur weil sich (als Beispiel) “bayrische Provinzler” nicht in Springerstiefel und Bomberjacken zwängen, bedeutet das ja noch lange nicht, dass sie frei von nationalistischem oder rassistischem Gedankengut sind. Wer glaub das Rechtsextremismus ein reines Problem des sogenannten “Ostens” ist, hat über den Tellerrand nicht weit geschaut. Fakt ist, dass ein Großteil der Bürger Jenas und vieler anderer Städte der “neuen Bundesländer” offen mit dieser Problematik umgehen und sich ihr engagiert und oft erfolgreich entgegen stellen – darauf dürfen sie stolz sein und ich kann verstehen, dass die Aufregung groß ist wenn an diesem Stolz gekratzt wird – mein perönlicher Eindruck der Stadt wird von drei Nazis jedenfalls kaum berührt… würde er auch nicht von drei Snobs aus München, drei Bänkern aus Frankfurt, drei Punks aus Kreuzberg, oder drei Herreboutique-Besitzer aus Wuppertal, um jetzt mal alle Klischees zu bedienen
“Wir sind besser als die” ist eben so viel einfacher als “Wir haben alle ein Problem, lasst uns was dagegen machen”
Anmerkung…
1. Ich könnte wetten, dass die meisten Akteure in der Diskussion um dieses Thema mehr Zeit ihres Lebens in einem Gesamtdeutschland verbracht haben als in einem geteiltem. “Osten”-”Westen” ..whatever
2. Wer nicht erkannt hat, dass der Aspekte Bericht eine einzige (mit Absicht propagandistische) Werbesendung für das dort ausführlich angesprochene Buch ist, hat nichts erkannt.
[...] nichts anderes ein, als einen Sturm der Entrüstung zu entfachen – über diesen ZDF-Beitrag. Weiterlesen [...]
Ja: Die Kritik an der Petition aufgebrachter BürgerInnnen ist notwendig und muss – wie jede gute Kritik – scharf vorgetragen werden!
Nein: Bei Jena handelt es sich sicher nicht um eine ziemlich große No-Go-Area. Auch wenn es richtig ist darauf hinzuweisen, dass der Osten ein besonders großes Nazi-Problem hat und man dass auch aussprechen sollte, führen Beiträge wie der von Aspekte (man beachte diese gewollt dramatische Kameraführung) dazu, dass das Problem im Westen verharmlost wird. Ein Vorredener hat einiges zu Dortmund geschrieben.
Und insgesamt: Dem Aspekte-Beitrag ging es doch nun wirklich nicht um einen fundierten Beitrag zur Thema in Jena und auch nicht insgesamt. Es wurde ein Buch vorgestellt für welches man etwas Dramatik benötigte. Der Beschäftigte im Döner-Imbis hätte sicher mehr über – mit Sicherheit vorhadene – Probleme in Jena reden können, als ein für einen Tag angereister Autor.
Deswegen: Der Aspekte-Beitrag ist schlecht, aber auch nicht sonderlich schlimm. Die Reaktion der JenaerInnen ist eklig.
[...] Umland II: Die Wutbürger von Jena…Publikative [...]
Tja, während z.b. einen Herrn Sarrazin in erster Linie Verallgemeinerung vorgeworfen wurde,werden die Bürger von Jena im ZDF, aber auch in diesem Blog ganz selbstverständlich in Sippen-Verantwortung genommen. Sich dagegen wehren wird lächerlich gemacht. Was soll man da noch sagen!
schön, daß “die” jenaer_innen zu armen opfern einer bösen hetzkampagne stilisiert werden. habe mich selber jahre lang in jena bewegt und wurde von freunden vor den entsprechenden vierteln gewarnt. keine frage, der zdf- beitrag ist panne. aber was zur hölle erwartet ihr vom großteil der medien? fundierte und kritische analysen? da müßte mensch anfangen sich selbst und die eigene rolle zu hinterfragen…
frage an die empörten wutbürger jenas: wo waren die 4500 unterzeichner der petition als sich das braune pack zum “fest der völker” versammelte? ich kann mich nicht daran erinnern, daß jemals im rahmen der blockade aktionen sovielen teilnehmer genannt wurden…
es gibt in der deutschen sprache einen schönen spruch:
getroffene hunde bellen!
in zukunft mal handeln bevor das kind in den brunnen fällt. aktiv gegen xenophobie, homophobie und sexismus, jeden tag!
aber tröstet euch, ihr empörten jenaer_innen. ihr seid nicht allein in diesem land. jena kann so ziemlich überall in dieser republick liegen.
Diese peinliche und unangebrachte Aktion der jenaener Bürger zeigt doch, wie sehr der ZDF-Beitrag der Wahrheit entsprach.
Für die jaener Bürger gilt scheinbar: wegschauen, nicht hinsehen, nichts sagen…
Die Priorität ihrer Empörung ist eindeutlich verzerrt und falsch gewählt.
[...] auch: Die Wutbürger von Jena Tweet Weltoffen, modern, lebenswert: Unser Norderstedt, von extra 3 durch den [...]
Zitat:
“Wenn “Ihr” “Euch” solche Sorgen um “Euer” Image macht, dann möchten wir “Euch” mal etwas mitteilen: Viele von “uns” fahren nicht in den Osten zum Zelten oder in den Urlaub, weil sie Angst haben, dass sie selbst oder ihre nicht bio-deutsch aussehenden Kinder rassistisch angefeindet werden. “Unser” Problem? Nein, “Euer”!”
Das ist auch Rassismus; Ost-West-Rassismus voller dumpfer Vorurteile.
War der Autor schon mal in Jena?
Das hier war mal ein objektiver Watchbolg; inzwischen scheint daraus eine Art subjektiver “Hetzblog” geworden zu sein. Schade.
Ich fahre übrigens auch nach München oder Köln, obwohl dort Leute in der U-Bahn verprügelt werden. Ich fahre dort sogar U-Bahn! Manchmal sogar nachts!
“Das ist auch Rassismus;”
Nein, Rasismus definiert sich nun wirklich anders.
“Ost-West-Rassismus voller dumpfer Vorurteile.”
Wenn du hier den Begriff “Rassismus” herausnimmst, ähnelt das schon eher einem ernstzunehmenden Statement.
Allerdings haben die hier vertretenen Standpunkte insofern auch nichts mit “Vorurteilen” zu tun, da sie doch erstens nicht jedem Bewohner Jenas (oder – im weiteren Sinne – der neuen Bundesländer) die statisitsch durchaus erfassbaren Werte als Individuum zur Last legen, zweitens die dortigen zivilen Bemühungen GEGEN Rassismus wohl kaum diskreditieren dürften (sondern im Gegenteil angesichts der Umstände eher hervorhaben), und drittens letztendlich mit “Jena”, mit “den neuen Bundesländern” ohnehin nicht jeder einzelne gemeint ist, sondern letztlich dessen Repräsentanten in Politik und Öffentlichkeit, die angesichts einer gravierenden Problematik in jüngster (und auc etwas fernerer) Vergangenheit NICHTS getan haben.
Wenn DIE es jetzt aber schaffen, ihre Versäumnisse, ihre Inkompetenz vom “Volk” verteidigen zu lassen, dann werden sie auch weiterhin mit ihrer Masche durchkommen, weiterhin nichts gegen faschistoide Tendenzen und rassistische Ressentiments unternehmen, weiterhin die Augen zu machen, wenn hamrlos Anderartiges pogromartigen Verfolgungen zum Opfer fällt.
Erst DANN wird jeder als Indiuviduum mitschuldig. Und ein “wir”, wie es die Jenaer Petition unterstellt, ist auf dem besten Wege dahin.
Von einer vergleichbaren öffentlichen Empörung habe ich – vielleicht auch aufgrund einfacher Unkentnis? – nichts mitbekommen, als sich herausstellte, wozu rechtsideologisch verbohrte Leute aus Thüringen (oder von mir aus auch sonstwoher) über die letzten Jahre fähig waren. Es gab keine Petitionen gegen Rechts, stattdessen gibt es Empörung gegen eine angebliche Diffamierung, worüber sich die Verantwortlichen in der Politik als auch die Täterkreise freuen dürfen.
Als WIRKLICH kritisch denkender Mensch wäre man ja eigentlich froh darüber, wenn Misstände gerade in der eigenen Umgebung aufgedeckt und hoffentlich auch adäquat angegangen würden. ABer man ist da in den politischen Rängen wohl eher auf seinen Ruf bedacht, den man eigentlich durch konsequentes Handeln durchaus besser über Wasser halten kann als durch sture Ignoranz.
“War der Autor schon mal in Jena?”
Ja? Nein? Egal! Ich selbst wohne in einer anderen Stadt und wage nicht zu vermuten, was sich auf deren Straßen abspielt. Wenn der Autor also mal in Jena war…was soll er daraus schließen? Etwas in der Art vielleicht: “Ich habe keine Nazis gesehen, also gibt es auch keine”?
Ist es das ,worauf du ninaus willst? Bitte…
“Ich fahre übrigens auch nach München oder Köln, obwohl dort Leute in der U-Bahn verprügelt werden. Ich fahre dort sogar U-Bahn! Manchmal sogar nachts!”
Wow. Ich verleihe dir hiermit den Indianernamen “Der ab und zu etwas macht, was andere tagtäglich tun müssen”.
Dieser Blog wird immer subjektiver.
Stimmt.
Was für ein Blabla… Da hat sich einer in der Stadt verwählt, der nur sein Buch promoten wollte. Hätten sie das in Zwickau abgezogen, wären sie vermutlich damit durchgekommen. Ich war schon öfter mal in Jena, auch in Stadtteilen wie Lobeda oder Winzerla – anders als in München-Perlach fühlt man sich da auch nicht.
[...] Weise sehen nicht alle Menschen der deutschen Medienlandschaft es so wie Jenas Bürger. So sieht publikative.org Jena gerade wegen der Petition gegen das ZDF als braun angefärbt. Gut, der Artikel ist nicht der [...]
Schon mal was über das Prinzip von Phobien gehört? Es lautet: Vermeidung. Solange der Sozialphobiker Gelegenheiten der Begegnung mit anderen meidet, kann er sich weiterhin einreden, der Kontakt mit anderen wäre etwas, wovor er sich fürchten MÜSSE.
Solange man sich damit herausreden kann, keine mehrmaligen bzw. längeren konkreten Erfahrung im Realleben der sog. “ostdeutschen Angstzone” zu besitzen, und sich stattdessen an abstraktem Zahlenmaterial aus fragwürdigen “Studien” eindeutig interessegeleiteter “Wissenschafter” festklammert, kann man natürlich so fast alles über “Ossis” behaupten.
Den Jenaern (als Bespiel für DIE “Osssi”) wird unterstellt, sie wären gleichgültig bezüglich rechtsextremer resp. rechtsterroristischer Taten. Vom Niveau der “Sachlichkeit” also ungefähr gleichlautend mit den Anwürfen Läpples bzw. dem von ihm verlesenen Briefe von Akteuren, die von “typisch ostdeutschen Reflexen” fabulierten und auch in der Vergangenheit bereits durch plumpe, pauschale Ressentiments gegenüber “Ossis” in Erscheinung traten.
Wie bereits in der Podiumsdiskussion im Jenaer Theaterhaus vom Soziologen Prof. Dörred richtig erwähnt wurde, ist es notwendig, Behauptungen zu begründen, was bei den pauschalen Anwürfen gegenüber den Bewohnern Jenas nicht erfolg(t). Wenn ich in das Impressums dieser Seite sehe, fällt mir noch eine andere ein, die in diversen Zeitungsbeiträgen ihre Ansichten über das “böse Wesen” der Deutschen mit Thesen unterfüttert, die allenfalls das Niveau psychoanalytischer Theorien bzw. fundamentalistischer Glaubengrundsätze aufweisen – also einfach behaupten und es als Bestandteil des “Credos” zu betrachten, diese Behauptungen nicht begründen zu müssen.
Den Jenaern in ihrer – Zitat einer Tageszeitung – “Heimat des Hasses” bzw. den Thüringern in ihrem – Zitat einer anderen Tageszeitung – “Hort des Terros” würde angeblich die Sensiblität über Gefahren des Rechtsextremismus fehlen. Das sei einmal dahingestellt. Wenn ich dabei an die V.i.S.d.P.-Angaben denke, frage ich mich, wie sachlich dieser Vorwurf ist, wenn ich gleichzeitig daran denke, wer daran mitgewirkt haben soll, die Verwendung eines Aufklärungsfilms “ugendlicher Extremismus mitten in Deutschland – Szenen aus Thüringen” zu verindern. Ich will da niemandem etwas unterstellen und lasse daher lieber jemanden zu Wort kommen, dem dieser Film nicht behagt zu haben scheint:
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