22 Kommentare

  1. Der Hans

    Also ich war schon ein paar mal in Jena und hatte dort nie das Gefühl mich in einer “Hochburg der Rechten” zu bewegen.
    Das ist für mich leider mal wieder ein Versuch gleichzeitig noch einen Ost/West Konflikt daraus zu initieren.
    Ich könnte jetzt mit Geschichten kommen über Imigranten in kleinen fränkischen Dörfern, mach ich aber nicht.

  2. smutje

    Ich geb dir Recht – es gibt kein “wir” mit Rassisten, Nazis, fundamentalen Christen, Homophoben und auch nicht mit “ostdeutscher Identitätsbefindlichkeit [...]“. Ebensowenig gibt es für mich ein “wir” mit westdeutscher Identitätsbefindlichkeit, die die Zustände in den alten Bundesländern zu verklären versucht. Mal ehrlich – Dortmund Dorstfeld anzuführen um den ach so aufgeklärten Umgang der Bevölkerung in den alten Bundesländern mit den Nazis vor Ort aufzuzeigen ist ja wohl der blanke Hohn!
    Ein Stadtteil des Ruhrgebiets in dem jeden Tag mehr “nicht-weiße Deutsche auf der Straße unterwegs” sind, als “in den meisten Orten des Ostens in einem ganzen Jahr” – wow – und das trifft z.B. auf große Teile sagen wir mal der bayrischen, niedersächsischen oder ostfriesländischen Provinz nicht zu?
    Und das Nazi-Problem von Dortmund Dorstfeld ist ja auch gesellschaftlich und offiziell allgemein (an-)erkannt – nicht war? Deshalb wurde es auch jahrelang totgeschwiegen bzw. schöngeredet von Seiten der Stadt und von der Mehrheit der ‘weißen Deutschen’ vor Ort. Die Beteiligung an der Gedenk-Demo für den vor sechs Jahren in Dorstfeld von Nazis ermordeten Dortmunder Punk “Schmuddel” lag dieses Jahr bei (immerhin!) 600 Personen – sieht das für dich nach Anteilnahme durch die Mehrheit der Bevölkerung vor Ort aus? Die regelmässigen Nazi-Angriffe auf die einzige alternative Kneipe in Dortmund, die von der Polizei und den Medien gleichermaßen immer zielsicher als unpolitische Schlägerei unter Jugendlichen/Betrunkenen dargestellt wurden (und werden) sind wohl auch ein eindeutiges Zeichen dafür, dass der Umgang mit der Nazi-Problematik “im Westen” ja wirklich um Vieles besser ist als “im Osten”.
    Und die Nazis in Dortmund Dorstfeld sind nun bei weitem nicht die einzigen in den alten Bundesländern! Ich will das hier nicht noch weiter in die Länge ziehen, in dem ich mich in weiteren Beispielen ergehe …

    Definitiv finde ich es absolut inakzeptabel, was der aufgebrachte, weil sich persönlich angegriffen fühlende Mob in Jena da abzieht! Auch mit der tendenziösen Berichterstattung der taz bin ich nicht zufrieden. Aber Waffen, selbstgebastelte Sprengsätze bzw. Material zum Bau ebensolcher etc. wurden auch schon bei Nazis “im Westen” gefunden. Was also lässt dich glauben, rechter Terror sein ein spezifisches Problem Thüringens bzw. ein spezifisches Problem “des Ostens”?
    Klar gibts Nazis “im Osten” – ziemlich viele, gut vernetzt und aktiv – ich denke, dass bestreitet niemand, der/die sich mit der Materie mal ‘n bisschen ernsthafter auseinandergesetzt hat.
    Aber dadurch steht der Westen doch nicht automatisch besser da.
    Die Nazis in Deutschland sind ein gesamtdeutsches Problem! Wer das immer noch auf ein hauptsächlich oder spezifisch ostdeutsches Problem zu reduzieren versucht, der verkennt die Realität und behindert eine Auseinandersetzung mit den Ursachen ebenso wie jene, die sich als “die armen Ossis, die seit 1990 ausgegrenzt” wurden stilisieren.

    In diesem Sinne: Faschismus, Rassismus und Nationalismus bekämpfen – vor allem in den Köpfen der Leute!

    Gruß, smutje.

  3. jenenser

    wenn sich der herr autor mal die podiumsdiskussion zwischen aspekte-redakteur und lokalen akteuren zu gemüte führen will, was er bei der recherche zu diesem beitrag anscheinend versäumt hat…

    http://www.youtube.com/watch?v=h4bFkzZZEEk

    … wird er mit erstaunen feststellen, dass es die lokalpatrioten und spießbürger doch vollbracht haben, neben aller berechtigter kritik an dem handwerklich offensichtlich schlechten aspekte-beitrag das wesentliche thema nicht zu vernachlässigen: die notwendigkeit des gesellschaftlichen engagements gegen nazis und andere rassisten. denn gerade auf diesem gebiet haben sich in jena in den letzten 5 jahren in leider bundesweit einzigartiger weise die dinge zum besseren gewendet.

  4. Provinzlerin

    Jena ist in Thüringen wahrlich keine Nazihochburg wie im ZDF-Beitrag beschrieben. In der Vergangenheit haben deswegen die jetzt in der Öffentlichkeit großspurig auftretenden Akteure aus genau diesem Grund der thüringer “Provinz” die Solidarität versagt, denn dort ist Hopfen und Malz “eh verloren”. Da kochte man doch lieber in Jena sein eigenes Süppchen. Die Kritik an der Standortlogik ist richtig und wichtig und das “Anti-Nazi-Konzert” ein Verarschung sondergleichen. Die Fixierung auf Jena zeigt aber die Unkenntnis über Thüringer Verhältnisse. Immerhin können jetzt einige ihre Profilneurosen ausleben, für Kenner_innen des Gebahrens wirkt das alles ziemlich surreal…

  5. Gegenpol

    “Viele von “uns” fahren nicht in den Osten zum Zelten
    oder in den Urlaub, weil sie Angst haben, …”

    Na hoffentlich, ich will meine liebe Mauer wiederhaben,
    jeder verfolgte Deutsche kann gern zu UNS kommen und
    jeder, der sich hier bei uns unwohl fühlt, wird in die
    Alt-BRD abgeschoben. Dann haben WIR alle, was wir wollen.

    Ist das ein Vorschlag? Die “Friedliche Koexistenz nach
    Lenin” wußte nichts von der “Liebe” aller untereinander.

    PS. Ich habe schon gegen den Vietnamkrieg demonstriert, da
    haben Eure schwachsinnigen BRD-Eltern noch “BRAVO” gelesen.

  6. duböseichgut

    zur Diskussion…nur weil sich (als Beispiel) “bayrische Provinzler” nicht in Springerstiefel und Bomberjacken zwängen, bedeutet das ja noch lange nicht, dass sie frei von nationalistischem oder rassistischem Gedankengut sind. Wer glaub das Rechtsextremismus ein reines Problem des sogenannten “Ostens” ist, hat über den Tellerrand nicht weit geschaut. Fakt ist, dass ein Großteil der Bürger Jenas und vieler anderer Städte der “neuen Bundesländer” offen mit dieser Problematik umgehen und sich ihr engagiert und oft erfolgreich entgegen stellen – darauf dürfen sie stolz sein und ich kann verstehen, dass die Aufregung groß ist wenn an diesem Stolz gekratzt wird – mein perönlicher Eindruck der Stadt wird von drei Nazis jedenfalls kaum berührt… würde er auch nicht von drei Snobs aus München, drei Bänkern aus Frankfurt, drei Punks aus Kreuzberg, oder drei Herreboutique-Besitzer aus Wuppertal, um jetzt mal alle Klischees zu bedienen
    “Wir sind besser als die” ist eben so viel einfacher als “Wir haben alle ein Problem, lasst uns was dagegen machen”

    Anmerkung…
    1. Ich könnte wetten, dass die meisten Akteure in der Diskussion um dieses Thema mehr Zeit ihres Lebens in einem Gesamtdeutschland verbracht haben als in einem geteiltem. “Osten”-”Westen” ..whatever
    2. Wer nicht erkannt hat, dass der Aspekte Bericht eine einzige (mit Absicht propagandistische) Werbesendung für das dort ausführlich angesprochene Buch ist, hat nichts erkannt.

  7. Christopher

    Ja: Die Kritik an der Petition aufgebrachter BürgerInnnen ist notwendig und muss – wie jede gute Kritik – scharf vorgetragen werden!

    Nein: Bei Jena handelt es sich sicher nicht um eine ziemlich große No-Go-Area. Auch wenn es richtig ist darauf hinzuweisen, dass der Osten ein besonders großes Nazi-Problem hat und man dass auch aussprechen sollte, führen Beiträge wie der von Aspekte (man beachte diese gewollt dramatische Kameraführung) dazu, dass das Problem im Westen verharmlost wird. Ein Vorredener hat einiges zu Dortmund geschrieben.

    Und insgesamt: Dem Aspekte-Beitrag ging es doch nun wirklich nicht um einen fundierten Beitrag zur Thema in Jena und auch nicht insgesamt. Es wurde ein Buch vorgestellt für welches man etwas Dramatik benötigte. Der Beschäftigte im Döner-Imbis hätte sicher mehr über – mit Sicherheit vorhadene – Probleme in Jena reden können, als ein für einen Tag angereister Autor.

    Deswegen: Der Aspekte-Beitrag ist schlecht, aber auch nicht sonderlich schlimm. Die Reaktion der JenaerInnen ist eklig.

  8. Thomas

    Tja, während z.b. einen Herrn Sarrazin in erster Linie Verallgemeinerung vorgeworfen wurde,werden die Bürger von Jena im ZDF, aber auch in diesem Blog ganz selbstverständlich in Sippen-Verantwortung genommen. Sich dagegen wehren wird lächerlich gemacht. Was soll man da noch sagen!

  9. ihr kotzt mich an!

    schön, daß “die” jenaer_innen zu armen opfern einer bösen hetzkampagne stilisiert werden. habe mich selber jahre lang in jena bewegt und wurde von freunden vor den entsprechenden vierteln gewarnt. keine frage, der zdf- beitrag ist panne. aber was zur hölle erwartet ihr vom großteil der medien? fundierte und kritische analysen? da müßte mensch anfangen sich selbst und die eigene rolle zu hinterfragen…
    frage an die empörten wutbürger jenas: wo waren die 4500 unterzeichner der petition als sich das braune pack zum “fest der völker” versammelte? ich kann mich nicht daran erinnern, daß jemals im rahmen der blockade aktionen sovielen teilnehmer genannt wurden…
    es gibt in der deutschen sprache einen schönen spruch:
    getroffene hunde bellen!
    in zukunft mal handeln bevor das kind in den brunnen fällt. aktiv gegen xenophobie, homophobie und sexismus, jeden tag!
    aber tröstet euch, ihr empörten jenaer_innen. ihr seid nicht allein in diesem land. jena kann so ziemlich überall in dieser republick liegen.

  10. K.I.T.T.

    Diese peinliche und unangebrachte Aktion der jenaener Bürger zeigt doch, wie sehr der ZDF-Beitrag der Wahrheit entsprach.
    Für die jaener Bürger gilt scheinbar: wegschauen, nicht hinsehen, nichts sagen…
    Die Priorität ihrer Empörung ist eindeutlich verzerrt und falsch gewählt.

  11. Ludo

    Zitat:
    “Wenn “Ihr” “Euch” solche Sorgen um “Euer” Image macht, dann möchten wir “Euch” mal etwas mitteilen: Viele von “uns” fahren nicht in den Osten zum Zelten oder in den Urlaub, weil sie Angst haben, dass sie selbst oder ihre nicht bio-deutsch aussehenden Kinder rassistisch angefeindet werden. “Unser” Problem? Nein, “Euer”!”

    Das ist auch Rassismus; Ost-West-Rassismus voller dumpfer Vorurteile.
    War der Autor schon mal in Jena?
    Das hier war mal ein objektiver Watchbolg; inzwischen scheint daraus eine Art subjektiver “Hetzblog” geworden zu sein. Schade.
    Ich fahre übrigens auch nach München oder Köln, obwohl dort Leute in der U-Bahn verprügelt werden. Ich fahre dort sogar U-Bahn! Manchmal sogar nachts!

  12. Anonymous

    “Das ist auch Rassismus;”

    Nein, Rasismus definiert sich nun wirklich anders.

    “Ost-West-Rassismus voller dumpfer Vorurteile.”

    Wenn du hier den Begriff “Rassismus” herausnimmst, ähnelt das schon eher einem ernstzunehmenden Statement.
    Allerdings haben die hier vertretenen Standpunkte insofern auch nichts mit “Vorurteilen” zu tun, da sie doch erstens nicht jedem Bewohner Jenas (oder – im weiteren Sinne – der neuen Bundesländer) die statisitsch durchaus erfassbaren Werte als Individuum zur Last legen, zweitens die dortigen zivilen Bemühungen GEGEN Rassismus wohl kaum diskreditieren dürften (sondern im Gegenteil angesichts der Umstände eher hervorhaben), und drittens letztendlich mit “Jena”, mit “den neuen Bundesländern” ohnehin nicht jeder einzelne gemeint ist, sondern letztlich dessen Repräsentanten in Politik und Öffentlichkeit, die angesichts einer gravierenden Problematik in jüngster (und auc etwas fernerer) Vergangenheit NICHTS getan haben.
    Wenn DIE es jetzt aber schaffen, ihre Versäumnisse, ihre Inkompetenz vom “Volk” verteidigen zu lassen, dann werden sie auch weiterhin mit ihrer Masche durchkommen, weiterhin nichts gegen faschistoide Tendenzen und rassistische Ressentiments unternehmen, weiterhin die Augen zu machen, wenn hamrlos Anderartiges pogromartigen Verfolgungen zum Opfer fällt.
    Erst DANN wird jeder als Indiuviduum mitschuldig. Und ein “wir”, wie es die Jenaer Petition unterstellt, ist auf dem besten Wege dahin.
    Von einer vergleichbaren öffentlichen Empörung habe ich – vielleicht auch aufgrund einfacher Unkentnis? – nichts mitbekommen, als sich herausstellte, wozu rechtsideologisch verbohrte Leute aus Thüringen (oder von mir aus auch sonstwoher) über die letzten Jahre fähig waren. Es gab keine Petitionen gegen Rechts, stattdessen gibt es Empörung gegen eine angebliche Diffamierung, worüber sich die Verantwortlichen in der Politik als auch die Täterkreise freuen dürfen.
    Als WIRKLICH kritisch denkender Mensch wäre man ja eigentlich froh darüber, wenn Misstände gerade in der eigenen Umgebung aufgedeckt und hoffentlich auch adäquat angegangen würden. ABer man ist da in den politischen Rängen wohl eher auf seinen Ruf bedacht, den man eigentlich durch konsequentes Handeln durchaus besser über Wasser halten kann als durch sture Ignoranz.

    “War der Autor schon mal in Jena?”

    Ja? Nein? Egal! Ich selbst wohne in einer anderen Stadt und wage nicht zu vermuten, was sich auf deren Straßen abspielt. Wenn der Autor also mal in Jena war…was soll er daraus schließen? Etwas in der Art vielleicht: “Ich habe keine Nazis gesehen, also gibt es auch keine”?
    Ist es das ,worauf du ninaus willst? Bitte…

    “Ich fahre übrigens auch nach München oder Köln, obwohl dort Leute in der U-Bahn verprügelt werden. Ich fahre dort sogar U-Bahn! Manchmal sogar nachts!”

    Wow. Ich verleihe dir hiermit den Indianernamen “Der ab und zu etwas macht, was andere tagtäglich tun müssen”.

  13. Cem Krüger

    Was für ein Blabla… Da hat sich einer in der Stadt verwählt, der nur sein Buch promoten wollte. Hätten sie das in Zwickau abgezogen, wären sie vermutlich damit durchgekommen. Ich war schon öfter mal in Jena, auch in Stadtteilen wie Lobeda oder Winzerla – anders als in München-Perlach fühlt man sich da auch nicht.

  14. JJ

    Schon mal was über das Prinzip von Phobien gehört? Es lautet: Vermeidung. Solange der Sozialphobiker Gelegenheiten der Begegnung mit anderen meidet, kann er sich weiterhin einreden, der Kontakt mit anderen wäre etwas, wovor er sich fürchten MÜSSE.

    Solange man sich damit herausreden kann, keine mehrmaligen bzw. längeren konkreten Erfahrung im Realleben der sog. “ostdeutschen Angstzone” zu besitzen, und sich stattdessen an abstraktem Zahlenmaterial aus fragwürdigen “Studien” eindeutig interessegeleiteter “Wissenschafter” festklammert, kann man natürlich so fast alles über “Ossis” behaupten.

    Den Jenaern (als Bespiel für DIE “Osssi”) wird unterstellt, sie wären gleichgültig bezüglich rechtsextremer resp. rechtsterroristischer Taten. Vom Niveau der “Sachlichkeit” also ungefähr gleichlautend mit den Anwürfen Läpples bzw. dem von ihm verlesenen Briefe von Akteuren, die von “typisch ostdeutschen Reflexen” fabulierten und auch in der Vergangenheit bereits durch plumpe, pauschale Ressentiments gegenüber “Ossis” in Erscheinung traten.

    Wie bereits in der Podiumsdiskussion im Jenaer Theaterhaus vom Soziologen Prof. Dörred richtig erwähnt wurde, ist es notwendig, Behauptungen zu begründen, was bei den pauschalen Anwürfen gegenüber den Bewohnern Jenas nicht erfolg(t). Wenn ich in das Impressums dieser Seite sehe, fällt mir noch eine andere ein, die in diversen Zeitungsbeiträgen ihre Ansichten über das “böse Wesen” der Deutschen mit Thesen unterfüttert, die allenfalls das Niveau psychoanalytischer Theorien bzw. fundamentalistischer Glaubengrundsätze aufweisen – also einfach behaupten und es als Bestandteil des “Credos” zu betrachten, diese Behauptungen nicht begründen zu müssen.

    Den Jenaern in ihrer – Zitat einer Tageszeitung – “Heimat des Hasses” bzw. den Thüringern in ihrem – Zitat einer anderen Tageszeitung – “Hort des Terros” würde angeblich die Sensiblität über Gefahren des Rechtsextremismus fehlen. Das sei einmal dahingestellt. Wenn ich dabei an die V.i.S.d.P.-Angaben denke, frage ich mich, wie sachlich dieser Vorwurf ist, wenn ich gleichzeitig daran denke, wer daran mitgewirkt haben soll, die Verwendung eines Aufklärungsfilms “ugendlicher Extremismus mitten in Deutschland – Szenen aus Thüringen” zu verindern. Ich will da niemandem etwas unterstellen und lasse daher lieber jemanden zu Wort kommen, dem dieser Film nicht behagt zu haben scheint:

    (Quelle: )

    Ich weiß ja nicht, ob ich so falsch liege, aber ich denke, dass jenseits purer Agitation die Anschauung das geeignete Mittel der Information ist, d.h. die Präsentation dessen, worüber aufgeklärt werden soll, eingebettet in ergänzende, orientierende Informationen durch Sachkundige. Und genau das war bzw. ist bei diesem Film der Fall: Man kann sehen und erfahren, wie sich besagte Gruppierungen in der Öffentlichkeit bewegen, was sie von sich geben, und erfährt u.a. durch Erläuterungen von Polizisten, wie sich diese Gruppierungen organisieren und was ihre vermutliche “Strategie” ist; ergänzt wird das Ganze durch Interviews mit Sachkundigen verschiedener Bereiche, wie etwa dem Leiter des Fanprojekt Jena e.V. oder Professoren aus den Fachrichtungen Psychologie, Pädaogik und Politikwissenschaft. Für jemanden, der keine der dargelegten extremen Orientierungen angehört, erscheint das plausibel. Wer sich dennoch an dem Film reibt, könnte sich evtl. fragen (lassen), ob die vorgebrachten Gründe der Ablehnung die einzigen oder eigentlichen sind.

    In dem Film sind auch Interview-Segmente eines bärtigen Mannes enthalten, die mich fragen lassen, was denn nun die damit ausgedrückte Einstellung zum Thema Gewalt sein soll:

    In o.a. “Kritik” zu dem Film heißt es, er würde “gewaltbereite linke Jugendliche herbeizuhalluzinieren”. Sind die wirklich nur “herbeihalluziniert”? Unterstellt diese Behauptung etwa, der anhand der Daten der polizeilichen Kriminalitätssatistik für den Bereich “politisch motivierte Kriminalität” ersichtliche Trend würde auf falschen Daten beruhen oder gar auf vorsätzlich gefälschten Daten? Wie sah und sieht das in Thüringen nur konkret wirklich aus? Fragen wir doch Leute, die beruflich mit der Erfassung und Auswertung von Daten zur Kriminalität zu tun haben:

    (Quelle: 9. Symposium des Thüringer Landesamtes für Verfassungsschutz, Seite 42f. der gedruckten Fassung)

    Bezogen auf die Einwohnerzahl (also Anzahl der Delikte pro Hundertausend Einwohner) folgt der Flächenstaat Thüringen bzgl. der Anzahl linksextremer Gewalttaten übrigens gleich nach den “Stadtstaaten” Hamburg und Berlin.

    Im Lichte solcher Realdaten erscheint es evtl. verständlich, warum bestimmte “Kreise” versuchen, politisch motivierte Kriminalität als pures “Konstrukt” abzutun die Aufgabe geseztlicher Pflichten der Strafverfolgungsbehörden (wie Polizei und Justiz) in Abrede stellen zu wollen.

    Und ich frage mich auch, ob es angemessen sein kann, dass bei bestimmten Zeitungen bzw. den Blogs von Initiativen und Stiftungen immer wieder den gleichen ein Podium geschaffen wird, um als “Zeugen” resp. “Gutachter” das vermeintlich wahre Urteil über Jena bzw. die “Rechten” in Jena zu fällen, wenn diese “Zeugen” bzw. “Aktivisten” durch eigene Statemens über ihre Einstellung zu Gewalt und der Billigung von Handlungen des “Schwarzen Blocks” von sich reden machen. Aber vermutlich zählt man schon als “Rechtsextremer”, wenn man zu sachlich ist bzw. sich von Extremismus jeglicher Art distanziert, denn für manche Leute gibt es nur die Diochotomie von “links” und “rechts” – und wer nicht zu der Devise “Antifaschismus ist kein Verbrechen und rechtfertigt daher alle Mittel” klatschen will, der kann dann in der Rechtfertigungslogik gewisser Aktivsten eben auch nur ein “Nazi” sein.

    Um es abzuschließen: Für den Totalfehltritt des apsekte-Beitrages bin ich übrigens sehr dankbar, weil er im Nachgang nicht zuletzt durch den Distanzierungsartikel des Schriftstellers Steven Uhly einmal einen Einblick gewährte, wie für (einige) Redaktionen im Hintergrund eine Fassade konstruiert wird für die “Message” einer Gesamtaussage, die als Meinung von vornherein feststand, also unabhängig von jeglicher Recherche. Lassen wir abschließend den Schriftsteller selbst zu Wort kommen:

    Oder auch:

    Besagte Redakteurin ist übrigens türkisch-kurdischer Herkunft; obwohl sie amüsiert darüber war, dass während ihrer Dreharbeiten niemand Angst hatte, verantwortet sie dennoch einen Beitrag, der gleich mit der unbegründeten Behauptung beginnt, Jena wäre “kein Paradies für Migranten” – so wird “Realität” produziert. Apropos Krawall-Marketing bzw. aspekte: Wer war eigentlich für die Idee bzw. den Beitrag im Sommer verantwortlich, in welchem Thilo Sarrazin nach Kreuzberg geschickt und mit der Kamera begleitet wurde? Stimmt die Angabe der ZDF-Mediathek, dass es sich dabei um dieselbe Autorin/Redakteurin handelt wie bei dem Jena-Beitrag?

Kommentarfunktion geschlossen.