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  1. eine beteiligte

    Also ehrlich gesagt sträuben sich mir hier die Nackenhaare, beim Kommentarlesen!
    Da wird gerätselt, philosophiert und alles in “die” eine bestimmte Ecke gedrängt.

    Wir, die wir die Aktion initiiert und umgesetzt haben, haben so eine Symbolik, die deutschlandweit Wellen geschlagen hat, ja nicht aus der hohlen Hand heraus getan.
    Um uns eben genau von makaberem Instrumentalisieren abzugrenzen, sind wir unter dem Konsens stumm und gewaltfrei mit eben jenem aussagekräftigem Transpi, aufgetreten. Die Nazis in Magdeburg marschieren alljährlich unter dem Motto “Gegen das Vergessen”. Das wir es tatsächlich mit unser Replik “Für das Erinnern” geschafft haben, ihnen einen Kilometer auf ihrer eigenen Route entgegen gehen zu können – während sie stehen – haben wir so nicht erwartet.
    Unser konkretes Anliegen war es, es auf die Route zu schaffen, um kostümiert und aneinander gekettet ein symbolträchtiges Bild abzugeben, das aussagt, Geschichte kann sich wiederholen und noch immer gibt es Menschen, die revisionistisch und falsch Geschichte darstellen! Und das lautstark und deutschlandweit in zunehmender Zahl.

    Und genau das haben wir im Vorfeld sogar mit Menschen jüdischen Hintergrundes abgestimmt. Abgestimmt mit Nachfolgerinnen von KZ-Überlebenden, die in Gänze hinter unserer Aktion und unserem gelungenem Versuch stehen, in ebenjener Stadt, in der alljährlich hunderte Nazis traurig, gesittet und umrahmt von Wagner-Musik, durchlatschen. Und das sind eben auch Menschen, die sich im Nachgang in der regionalen Presse hinter uns gestellt haben.

    In jeder Medienmeldung im Vorfeld, im Nachgang und auch in jedem Interview haben wir herausgestellt, dass wir keine Opfer-Perspektive einnehmen und nicht nachstellen, was Menschen im KZ damals empfunden haben.

    Die Presse dazu ist bis auf Blogs und die ein oder andere orthodox-israelisch oder amerikanische Zeitung positiv und hebt insbesondere das gewaltfreie, stumme Entgegnen hervor.

    Teilweise leider, werden wir aber auch als Enkel von Tätern bezeichnet, als Menschen, die die Opfer verharmlosen oder auch Geschichte instrumentalisieren. (Wobei mensch sich hier fragen sollte, was instrumentalisieren ist/ nämlich nicht, wenn Themen im richtigen Zusammenhang eingebracht werden).

    Zusammengefasst, stehen wir dazu, eine kreative Aktionsform gewählt zu haben, bei der uns von Beginn an durchaus klar war, was mögliche Meinungen sein können und haben uns daher mit “Betroffenen” im Vorfeld abgestimmt.

    Insgesamt aber freuen wir uns, dass die Aktion in dem Maße erfolgreich war, dass sie nicht nur am Tag selbst sondern auch bis heute in vieler Munde ist und medial die Bilder selbst nach fünf Tagen noch als Aufhänger dienen.

    Seit Samstag auch werden wir angefragt, wer wir sind. Für die Aktion waren und sind wir BürgerInnen Magdeburgs, also Einzelpersonen. Und diese Gruppenlosigkeit und Kreativität erhalten wir aufrecht. Die Aktion selbst werden wir nicht wiederholen, sondern lassen dieses eindrucksvolle und aussagekräftige Bild für sich stehen. Und lassen es stehen auch als Antwort auf den wiederkehrenden Naziaufmarsch in Magdeburg und natürlich auch, als das was es war: ein symbolträchtiges Bild, mit jüdischen Menschen der Stadt als moralische Stütze.
    Wir waren und sind in diesem Zusammenhang BürgerInnen, die für die Anonymität von tausenden KZ-Häftlingen stehen und die mahnen, dass trotz deutscher Geschichte, noch heute Menschen mit rechtsextremem Gedankengut demokratische Möglichkeiten ausnutzen und zu hunderten durch Städte marschieren und mit Propaganda, die bestimmte Personengruppen abwertet, öffentlich marschieren.

    Wir freuen uns über kritische Reflexionen der Aktion (erinnern@gmx.de), wünschen uns aber, dass insbesondere von Personen der “bürgerlichen Mitte” ein wenig nachgedacht und reflektiert wird, was genau an Meinungen kundgetan und ohne Hintergründe nachzulesen verbreitet wird.
    Viele Grüße
    d.

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