Islamisten bedrohen Bloggerin Leena Ben Mhenni

Leena Ben Mhenni ist eine der Ikonen der Arabellion, des Aufstandes der arabischen Welt gegen die Diktatur. Mit ihrem Blog A Tunisian Girl schrieb sie gegen die Verhältnisse in Tunesien an. Nun wird sie von radikalen Islamisten bedroht.

Von Stefan Laurin, Ruhrbarone

Leena Ben Mhenni ist eine  mutige Frau. Schon lange bevor die Menschen in Tunesien auf die Straße gingen, um gegen die Diktatur von Zine el-Abidine Ben Ali zu protestieren, klärte sie in ihrem Blog A Tunisian Girl über die Zustände in Tunesien auf, berichtete von Polizeiwillkür und geriet so immer wieder in Konflikt mit der Staatsgewalt. Auf den Ruhrbaronen schrieb Leena im Oktober 2010 einen Gastbeitrag über Zensur in Tunesien, ihr Blog gewann den Blog-Award der Deutschen Welle.

Doch ein Jahr nach dem Ende der Diktatur Zine el-Abidine Ben Ali steht Leena wieder unter Druck. Diesmal nicht vom Staat, obwohl sie wieder auf der Straße ist, um gegen die Zustände in Tunesien zu protestieren, sondern von den Salafisten, extrem radikalen Islamisten, die auch in Tunesien viele Anhänger haben. Ich habe Leena gefragt, ob ich ein Facebook-Posting von ihr veröffentlichen darf und sie hat zugestimmt:

The Salafis/Islamists announced that I am on a death list when I answered them by sharing Quraniq verses and the prophet’s sayings to show them how stupid and how far from religion are they , they said that I did this because I am afraid . No I am not . I was under the live bullets when you did not dare to reveal your ideologies and beliefs and when you did not dare to have your beards and total veils so I won’t be afraid of cowards.

Leena wird mit dem Tod bedroht, weil sie mit Koran-Zitaten versucht den Salafisten zu beweisen, dass ihre radikale Auffassung des Islams nicht im Einklang mit dem Koran steht. Die Träume vieler Menschen die vor einem Jahr in Tunesien und anderen arabischen Ländern auf die Straße gegangen sind, um für Freiheit und Demokratie zu kämpfen, wurden enttäuscht. Aber das Frauen wie Leena trotz der Gefahr nicht aufgeben zeigt wie wichtig es ist, dass wir sie unterstützen und ihnen unsere Solidarität zeigen.

3 Comments

  1. EsEf

    Gegen Fanatiker helfen keine Worte, keine sachlichen Argumente, keine Beweise. Gegen Fanatiker helfen Bildung, eine aufgeklärte Gesellschaft und – wenn es gar nicht mehr anders geht – Waffen. Toleranz kann nur bis zu einem gewissen Punkt gehen.

  2. Ich muß ganz ehrlich sagen, daß ich die Aufmerksamkeit, welche Leena Ben Mhenni in westlichen Medien gegeben wird, ein wenig überzogen finde. Ich lebe in Tunesien und finde sie zwar als Person und Bloggerin interessant und auch relevant, aber sie ist nicht die Heldin der Revolution als welche sie im Western dargestellt wird. Dies sind viel mehr junge, arbeits- und sprachlose (weil nicht des Frz. bzw Eng mächtig) hauptsächlich Männer, welche sich ohne Rücksicht auf eigene Gefahren mit der Polizei auf der Straße prügelten. Die Tuniser Bourgeoisie, gebildet und mehrsprachig, leistete einen viel späteren und – im Vergleich – viel weniger relevanten Beitrag zur Revolution. Dieser wird aber in den westlichen Medien als revolutionär hochgejubelt.

    Noch ein Wort zur jetzigen Todesdrohung. Es handelt sich bei den Besatzern der Universität von Manouba um höchstens 20 Salafisten, welche abgesehen von einigen kleineren Prügeleien bisher mit – relativ – friedlichen Mitteln für die Ausübung einer Religionsfreiheit demonstrieren (um es Frauen zu erlauben an der Uni eine Niqab zu tragen). Dazu kann man stehen wie man will, ich bin eher dagegen, aber es ist auf keinen Fall so, daß es sich hierbei um eine terroristische oder kriminelle Gruppierung handelt. Dies nur als Klarstellung.

    Ich möchte dies bitte nicht als Kritik an Leena verstehen lassen, deren Arbeit ich gut heiße und für die ich viel Respekt habe, sondern viel mehr als Aufforderung für westliche Beobachter mit ihrem Blick auf den arabischen Raum mehr Platz für Grautöne zu lassen. Es ist gerade hier sehr einfach der Interpretation von gebildeten Leute, die wie ‘wir’ sind, zu folgen, ohne sich darüber im Klaren sein, daß diese nur sehr bedingt als repräsentativ für ihre Gesellschaft wahrgenommen werden sollte.

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