Im Infokrieg
Die derzeitige Lage in Syrien macht es der dogmatischen Linken besonders schwer, ihr bipolare Weltbild von den bösen Imperialisten im Westen und den guten Freiheitskämpfern zu verkaufen. Doch versuchen kann man es ja. Die Junge Welt interviewte dafür einen “Experten”, der eine wichtige Figur im Milieu der „Truther” und „Infokrieger” darstellt.
Mit freundlicher Genehmigung von reflexion.blog.com übernommen
In der gestrigen Ausgabe der Tageszeitung „Junge Welt” wurde der Verschwörungspropagandist Christoph R. Hörstel befragt, der eine wichtige Figur im Milieu der „Truther” und „Infokrieger” darstellt. Im Interview mit der Tageszeitung ging es um einige Personen, die vor ein paar Tagen verhaftet wurden, weil sie im Verdacht stehen, an der Überwachung syrischer Oppositioneller in Deutschland beteiligt gewesen zu sein. Christoph R. Hörstel hat sein Urteil bereits gefällt: „Ich denke nicht, daß auch nur einer der Festgenommenen sich am Ende als einer der Beteiligten herausstellt bei dem rechtswidrigen und gewaltsamen Übergriff gegen den syrischen NATO-Komplizen in Berlin”, sagte Hörstel der „Jungen Welt”. Dort wurde er als „Publizist und Experte für Zentral– und Südasien, Nah– und Mittelost” vorgestellt, seine wichtigsten politischen Positionen kamen dafür nicht zur Sprache, dabei würden sie gut zu dieser Tageszeitung passen.
Der ehemalige ARD-Journalist und Siemens-Mitarbeiter Christoph R. Hörstel betätigt sich seit Jahren als Person, die die Ereignisse des 11. Septembers 2001 umdeutet. Er spricht, im Interview mit dem antisemitischen Internetportal „Muslim Markt”, von einem „angeblichen Attentat” am 11. September 2001. Hörstel ist sich sicher, dass die Anschläge durch „die CIA unter ihrem ehemaligen Chef George Tenet maßgeblich mitorganisiert” wurden. Mit derartigen Theorien sorgt Hörstel für Begeisterung im Milieu der „Truther”, „Infokrieger” und „Wahrheitsbewegten”, die die Anschläge des 11. Septembers 2001 auf ähnliche Weise umdeuten.
Hörstel ist einer der Ihren: Daher durfte er auch am 10. September 2011, auf einem Aufmarsch der Verschwörungsszene in Karlsruhe, eine Brandrede halten, die von den begeisterten Verschwörungsfans mit „Wir sind das Volk”–Rufen quittiert wurde. Dort propagierte Hörstel verschiedene Verschwörungsmythen und entwarf ein Jahrhundert der Verschwörungen, für die er eine „ganz kleine Clique” verantwortlich machte. Er erinnerte auch an Verschwörungsmythen um den Untergang der Lusitania, der immer wieder als Beispiel für eine frühe „False-Flag”–Aktion angeführt wird. Im Falle der Lusitania, die am 7. Mai 1915 von einem deutschen U-Boot angegriffen und versenkt wurde, wird die Behauptung aufgestellt, dass die USA für den Untergang des Passagierschiffes verantwortlich gewesen seien, um in den ersten Weltkrieg eingreifen zu können. Dies was allerdings erst zwei Jahre später, am 6. April 1917, der Fall. Mit dem Lusitana-Verschwörungsmythos werden die deutschen Angreifer entlastet. Kein Wunder, dass diese Theorie auch in der rechten Szene beliebt ist. Hörstel sprach in seiner Brandrede wohl auch daher von rechten Freunden: „Da kommen unsere Freunde von Rechts, die mit den seltsamen Stiefeln und den kurzen Haaren und weisen auf 1916 hin, auf dieses Schiff namens Lusitania. Ihr Lieben, Recht habt ihr! Das war auch eine gezinkte Sauerei”. Die Rede findet sich bis heute im Internet und ist mit „Deutschlands Helden der Wahrheit” betitelt.
Im Interview mit der Tageszeitung „Junge Welt” sprach Hörstel (s. Foto) zwar nicht von seinen rechten Freunden, dafür deutete er aber seine anti-israelischen Positionen an: „Antisemitismus ist auch so ein Vorwurf, der ja auch im Bundestag beliebt geworden ist, wenn es jemand wagen sollte, die abenteuerliche Politik Israels zu kritisieren”, behauptete Hörstel dort. Diese Position ist vergleichsweise harmlos, wenn man sich andere Interviews und offene Briefe anschaut, für die der umtriebige anti-israelische Apologet verantwortlich ist. In einem offenen Brief an den israelischen Botschafter droht er: „Sollte auch nur eine einzige israelische Bombe auf den Iran fallen, erkläre ich hiermit, dass ich mich danach stets, überall, engagiert und unter allen Umständen für die ‘Ein-Staaten-Lösung’ in Nahost einsetzen werde”. In einem Interview mit dem Verschwörungsfilmer Frank Höfer, der mit seiner „NuoViso”–Filmproduktion Filme zum 11. September und über Kornkreise produziert, spricht Hörstel ebenfalls Klartext. „Man säubert glaubensmäßig dieses Gebiet von Muslimen. Das ist die zionistische Denkweise”, hetzt Hörstel.
Dort wird auch eine weitere Position des Christoph R. Hörstel deutlich, die in der „Jungen Welt” verständlicherweise nicht zur Sprache kam. Hörstel relativiert im Interview mit „NuoViso” ganz offen die Shoa, in dem er die Todeszahlen des Menschheitsverbrechens in Frage stellt: „Wenn es dabei bleibt (…), dass wir (…) die hunderttausenden, vielleicht” (!) „Millionen Toten eines schrecklichen Verbrechens, verechnen und sagen, deshalb darf Israel neue Verbrechen begehen und wir Deutschen dürften dagegen nichts sagen, das ist eine Rechnung die historisch (…) nicht aufgeht”.
Trotz oder wegen seinen Positionen, die Hörstel bereits im Jahr 2009 formulierte, wurde er nun von der Tageszeitung „Junge Welt” interviewt. Das nationalbolschewistische Blättchen scheint mit der anti-israelischen und verschwörungsideologischen Propaganda, für die Christoph R. Hörstel berühmt und berüchtigt ist, gar kein Problem zu haben. Es ist allerdings nicht nur die „Junge Welt”, die Interviews mit Christoph Hörstel führt. Ein weiteres Interview wurde bereits am 13. Juni 2011 von der Internetseite „Infokrieger-News” ins Internet gestellt, in deren — mittlerweile geschlossenen Forum — die antisemitischen „Protokolle der Weisen von Zion” beworben wurden. Dieses Interview wurde am 14. Dezember 2011 von „Radio Zusa” aus Lüneburg erneut gesendet, allerdings ohne Verweis auf dessen Herkunft, einer Internetseite der Verschwörungsszene. Kurz darauf wurde dieses Interview von „Radio Lora” aus München übernommen.
Interviews mit dem Verschwörungsideologen Christoph R. Hörstel finden sich also nicht nur in der nationalbolschewistischen Tageszeitung „Junge Welt”, sondern auch im Programm einiger linksalternativer Radiosender. Die verschwörungsideologische Verklärung der Realität ist eben nicht nur die Sache von „Truthern” und „Infokriegern”.




Bei aller berechtigten Kritik bitte ich doch etwas auf dem Boden zu bleiben. “Nationalbolschewistische Zeitung” finde ich ist eine Wortwahl die nicht zum sonst seriösen Schreibstil von euch passt.
Nur mal so als Frage: Sind die hier auch im “Infokrieg”?
http://www.queer.de/detail.php?article_id=15933
Seit 19:47 wird nun also zurückgeschossen. Damit steckt die Publikative selbst mitten drin im Infokrieg.
Schade, dass auch hier so hirnerweichend polemisiert werden muss. Kommt ihr in Zukunft wieder zurück auf den Boden der sachlichen Argumentation?
da muss ich gallendieter recht geben. sowas ist unnötig.
Ich hab mal ein weilchen bei der jungen Welt gearbeitet und muss sagen, Nationalbolschewistisch ist natürlich Quatsch – es muss Nationalstalinistisch heißen.
Ich sehe es leider weiterhin so, dass die Talfahrt von Publikative.org weiterhin fortgeführt wird. Mit welcher Energie sich hier völlig nebensächlichen Sachen wie Fussball oder irgendeinem Zeitungsartikel gewidmet wird, lässt mich immer wieder fragen, was eigentlich der Zweck hiervon sein soll. Vermutlich wird aber Kritik daran nur als Ritterschlag empfunden, denn wer nirgendwo aneckt, hat schließlich auch nicht viel zu sagen. Oder ich bin selbst ein bolscxhewistischer Linksfaschist…
oh man Danke, ich hab mich köstlich amüsiert! Merkt ihr noch was bei Publikative.org so Richtung Selbstteflexion?!? Welch schlechte Schreib- und Diffamierunsgmethodik an den Tag legt. Ich kann nur hoffen, dass der Autor einem anderen Beruf nachgeht und diesen schlechten Artikel aus freizeitlichem Grund oder als Schreibprobe für einen schlechten VHS-Kurs verfasst hat.
Danke für den Artikel!
Im Übrigen bin ich sehr wohl der Meinung, dass die Bezeichnung “nationalbolschewistisch” auf die “junge Welt” zutrifft.
scheiß Artikel. Verschwörungen sind gang und gäbe.
“Die Dreisterne-Generale sind Bestens informiert…”, so das wichtige Hörstelchen bzgl. “9/11″ und des “Kenntnisstandes des BND” zur “Einbindung der CIA”… Ein Wunder, dass die Generale alle noch am Leben sind… `haben wahrscheinlich bei “der Planung” alle mitgemacht und nun Angst vor`m Hörstelchen. – So staffiert wie der da saß, gehört der bestimmt einer gediegenen Loge an, die die eigenen Kopf-”Kopp”-Verschwörungen den “Verschwörungen” Anderer noch schnell unterjubeln möchte. Der Kamera-Zoom auf die, in Geheimformeln gestikulierenden, Hände, verrät Bände: wie Merkel und andere Politiker, mutmaßlich auch Dreisterne-Generale. Bestimmt wollten Hörstel und “Kopp” damit noch mehr mitteilen, als wir zu verstehen im Stande sind: so eine Art Verschwörungstheoretiker-Chiffre. Vielleicht sind DIE die CIA und bewahren sich vor sich selbst..?
Wie im Film… noch besser! *lol* ;)
hetzt ruhig weiter ihr imperialisten obwohl ich foltersad nicht mag finde ich geht er gegen die klerikalfaschisstischen rebellen genau richtig um.nur das foltern von deren kindern und das foltern von gefangenen an sich sehe ich kritisch.ansonsten braucht assad sich über nichts zu rechtfertigen.die nato sollte mal besser ganz ruhig sein,denn die hat mit guantanamo und der nutzung dersyriscgen folterknäste genug dreck amstecken.hörstel hat also follkommen recht.no at war und hoffentlich kommt es in syrien zwischen der regierung und der opposition zu einer friedlichen lösung.doch das liegt an der krimminellen opposition.
@ the blob
es ging in meinem Kommentar auf den du ansprichst nicht darum, ob “nationalbolschewistische Zeitung” eine passende oder unpassende Bezeichnung für die junge Welt ist.
Mir ging es darum ob diese Wortwahl zu dem Schreibstil von publikative passt. Dazu will ich nun ergänzen, dass ich gesehen habe, dass der Artikel ja von einem anderen Blog übernommen wurde und nicht von publikative selbst verfasst wurde.
Daher will ich meine Kritik an publikative ändern und äußern, dass es ME nicht passend ist zun seriösen Stil von publikative einen Artikel zu verlinken, der sich diese Wortwahl nicht ersparen kann.
Die Junge Welt als linksdogmatisch anzusehen, ist – je nach Perspektive – sicherlich nicht falsch. Nationalbolschewistisch ist jedoch absoluter Unsinn. Nationalbolschewistisch heißt so viel wie nationalsozialistisch (bzw. nennen sich zahlreiche Nationalsozialisten auch Nationalbolschewisten). Wenn der Verfassende hier also die Junge Welt als “nationalbolschewistisch” bezeichnet, folgt er nur konsequent der Extremismustheorie, indem er Links- und Rechtsextremismus einander gleichsetzt.
Ich wage zu bezweifeln, dass der Blogbetreiber dieser Gleichsetzung folgt. Aber vielleicht irre ich mich auch.
Ein weiterer Gedanke: Wieso soll das Interview eines umstrittenen Verschwörungstheologen gleich Beleg für “Linksdogmatismus” oder gar “Nationalbolschewismus” sein?
Betrachten wir das Ganze doch mal aus einem anderen Blickwinkel: Die JW ist gewiss keine Zeitung, die prinzipiell Verschwörungstheorien nachhängt, lässt aber Verschwörungstheoretiker zu Wort kommen. Aus dieser Perspektive wäre das wieder Ausdruck von Pluralismus, weniger von Dogmatismus.
Kurzum: Die Junge Welt ist eigentlich lediglich am linken Rand einzuordnen. Ob dogmatisch, pluralistisch oder “nationalbolschewistisch”, entzieht sich jedoch jeglicher Objektivität. Dafür sind die Redakteure, die da schreiben, selbst wiederum innerhalb der Linken völlig unterschiedlich verortet, haben eine vollkommen unterschiedliche Vergangenheit usw..
Ich wünsche mir daher sehr, sich in Zukunft einerseits kritisch mit Beiträgen der JW zu befassen, wenn es ein Anliegen des Blogbetreibenden ist, allerdings sich nicht unbedingt einer Agitationsrhetorik bedient, in der dem Lesenden vorgesetzt wird, welches Medium er als seriös, welches als “dogmatisch” und welches als “nationalbolschewistisch” einzuschätzen haben soll.
Noch eine weitere Ergänzung, da ja der Beitrag zweitpubliziert wurde: Dieser Artikel ist – meiner Auffassung nach – auf jeden Fall diskussionswürdig (hauptsächlich allem in Bezug auf die Wortwahl, da stehe ich ja scheinbar nicht alleine mit der Meinung). In solchen Fällen fände ich es schön, wenn dem Artikel ein Kommentar angefügt würde, d.h. die Publikative dem Beitrag einen eigenen Rahmen gibt, da Lesende häufig erst auf dem zweiten Blick sehen, dass es zweitpubliziert wurde und der Eindruck entsteht, als sei das Publizierte die Meinung des Blogbetreibenden.
Literatur
Auszeichnungen
Lesetipp
Facebook
Twitter
Jüngste Artikel
RSS-Feed
Kategorien
Publikative.org
Newsletter
Switch to our mobile site
TechHelp by Italien Blog | Entries (RSS) | Google+ | Arthemia theme by M. Hutagalung | Impressum