95 Kommentare

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  1. Philipp S.

    Gauck nennt Sarrazin zunächst mutig – das ist erst einmal nichts sagend, wobei er damit Anerkennung suggeriert. Diese Anerkennung relativiert er in anderen Interviews nur hinsichtlich der angeblichen Genetischen Veranlagung zur Intelligenz ganzer Bevölkerungsgruppen.
    Was er nicht relativiert ist die These der Überfremdung Europas sowie die These, der Islam sei eine „unaufgeklärte“ und „unreformierte“ Religion, die in Europa das gleiche Auftreten habe wie in islamischen Ländern.
    Außerdem sagt er, dass in „städtischen Milieus in Rotterdam und Amsterdam […] Menschen unverdächtig sind, Rassisten zu sein“

    Dies alles sind hochproblematische Aussagen, die näher untersucht werden müssen.

    Zunächst zum Begriff der Überfremdung. Dies ist eine Reaktion mit Fremdem umzugehen. Menschen reagieren auf fremdes in der Regel auf zwei Arten. Zum einen mit Neugier und Romantisierung. Es entstand das Bild des Ehrenhaften Arabischen Wüstenbewohners, wo Gastfreundschaft über alles geht und der jeden Eingriff in seine Kultur um jeden Preis abwehrt und dadurch seit Tausenden von Jahren unverändert in seiner kleinen Welt lebt. Oder das Bild des eifrigen Türkischen Geschäftsmannes, der mit allen Mitteln der Kunst – Korruption eingeschlossen – eifrig seinem Teppichgeschäft nachgeht und mit vielen Verwandten – den einzigen denen er traut – erfolgreich wirtschaftete. Seit jedoch seit den 50er Jahren die Deutsche Bevölkerung nicht nur durch diese Karl May Romantik mit Islamischen Kulturen in Berührung kommt, sonder im alltäglichen Leben – gerade in Städten – in direktem Kontakt mit Muslimen steht, schlug sich diese Neugier bei vielen in Ablehnung um. Da es allerdings keinen Belegbaren Grund für diese Ablehnung gab – außer man steht offen zu einer Rassistisch Gesinnung – musste etwas konstruiert werden, das es auch dem normalen Bürger ermöglicht gegen Ausländer zu sein, die sein Bürgerliches Leben stören. Es wurde die Überfremdung Europas konstruiert. Diese bezeichnet den Plan der Muslime, Europa systematisch zu unterwandern, möglichst viel islamische Kultur zu etablieren und somit Europa dem Islamischen Kulturkreis einzuverleiben. Belegbar oder auch nur wahrscheinlich ist das mit einem gesunden Menschenverstand nicht, und daher in das Reich der Verschwörungstheorien zu verbannen. Genau in diese Sparte sticht Gauck jedoch wenn er diesen Begriff „ganz bewusst“ verwendet.

    Einige Sätze weiter behauptet er der „Ansatz des Islam ist nicht durch eine Reformation gegangen, wie in Europa, und auch nicht durch eine europäische Aufklärung, […]“.
    Er zielt hierbei auf die Frühislamische Zeit ab, die er mit dem Mittelalter in Europa vergleicht und daher einem aufgeklärten Christentum grundsätzlich unterlegen ansieht. Die Frühislamische Zeit wird jedoch auch von Muslimen romantisiert. In der Islamischen Überlieferung wird sie als friedliches und perfektes Zusammenleben der Muslime beschrieben, die auf Augenhöhe mit anderen Kulturen agieren und in der Toleranz und Gleichberechtigung einen großen Stellenwert haben Auch dies ist natürlich eine Überhöhung, die ihnen jedoch nicht negativ vorzuwerfen ist, sondern mit der Islamische Werte vermittelt werden. Die Gründungsgeschichte des Islam wird in der Wissenschaft heute jedoch zumeist als Spätantike bezeichnet, also einer Zeit in der eine Hochkultur entstand, die nachfolgende Kulturen entscheidend geprägt hat (Ähnlich wie die römische und griechische Hochkultur Europa künstlerisch und kulturell geprägt haben). Hat der Islam also eine Reformation bzw. eine Aufklärung durchlaufen? Im Europäischen Sinne hat er dies nicht. Er durchläuft eher eine permanente Aufklärung, die mal mehr und mal weniger erfolgreich in verschiedenen Gegenden ist bzw. war. Eine Reformation des Islam ist hingegen beim sunnitischen Islam, dem ca. 90 % der Muslime angehören nicht möglich, da es keinen Klerus wie im Katholizismus gibt, von dem man sich abspalten könnte. Es ist auch hier ein ewig fortlaufender Prozess. In einigen Islamischen Ländern wie in Saudi Arabien wird dieser derzeit sicherlich unterdrückt, jedoch zeigen gerade die Arabischen Revolutionen dass er in den meisten Islamischen Ländern hoch dynamisch und absolut aktuell ist.

    Eine weitere Abstruse Behauptung des wahrscheinlich zukünftigen Bundespräsidenten ist, dass städtische Bevölkerungen grundsätzlich nicht rassistisch seien. Dass Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Ablehnung von Fremdem in der gesamten Bevölkerung tief verankert ist zeigen Umfragen wonach 20 Prozent der Bevölkerung und aller Gesellschaftsschichten Antisemitisch sind. Die Nationalsozialisten vor der Machtergreifung waren gerade in den Städten am Erfolgreichsten.

    Wenn man der Rede zuhört, kann diese durchaus harmlos erscheinen. Gauck wirft mit gängigen Formeln um sich. Er relativiert scheinbar seine Aussagen, jedoch wird bei näherer Betrachtung deutlich dass genau das Gegenteil der Fall ist. In einem Interview wie diesem kann es durchaus sein und es ist verzeihbar dass unbedachte Äußerungen getätigt werden. Diese machen ihn nicht zum Rassisten, zumal er sich offensichtlich in islamischen Dingen sehr wenig auszukennen scheint, aber gerade dies disqualifiziert ihn zu diesen Themen öffentlich Stellung zu nehmen und sich als Philosoph dieser Sache anzunehmen.

  2. Wenn bei den Grünen jetzt, nachdem man Gauck zwei mal nominiert hat, Kritik an dessen Position halblaut wird, wird die ganze Inhaltsleere dieses Theaters besonders deutlich.

    So ist es. Bei der SPD ist das etwas anders, ihre Wähler- und Mitgliedschaft ist konservativer. Die Grünen haben sich ein Ei gelegt, und jetzt sind se mitgefangen. Ich weiß aber auch nicht, ob sie die Möglichkeit gehabt hätten, da wieder rauszukommen, nachdem sie ihn 2010 nominiert hatten. Zwar war dazwischen die Sarrazin-Debatte – aber das ist ja nicht das einzige, wozu man hätte nachfragen können.

    Ich würde sagen: man sollte nun mit Gauck ins Gespräch kommen. Hab ich aber auch schon vorgestern gesagt. Ich glaube, das könnte interessant werden. Vielleicht hat ja auch er nach den Nazi-Morgen Positonen hinterfragt (oder könnte beginnen, dies zu tun, wenn er mal andere Sichtweisen ernsthaft vorgetragen bekommt)

  3. John Stuart iLL

    Ich stimme meinem Vor-vorredner Schrotthändler zu.

    Gaucks Feststellung, dass es deutliche kulturelle Differenzen zwischen islamischen und nicht-islamischen Gesellschaftsgruppen gibt, die potentiell problematisch sind, ist richtig und legitim. Allein das Problem nicht konstruktiv zu betrachten, sondern von der Warte der “Fremdheit” (=Angst) zu argumentieren und sich dadurch so unglaublich pauschal abzugrenzen, ist einseitig, dumm und gefährlich.

  4. anonymdurchpseudonym

    http://blog.karlshochschule.de/2012/02/20/gauck-in-der-filterbubble-oder-wie-wir-lernten-den-kontext-zu-ignorieren/

    Anm. d. Red.: Man kann diesen Link natürlich gerne noch zum einhundertunddröflten Mal kommentarlos hier rein posten, dadurch hat der Inhalt aber auch nicht mehr mit unserem Artikel zu tun, bzw. führt man so einfach keine Debatte. Wir haben hier keinen “Kontext ignoriert”, wie Herr Breitenbach und etliche seiner Leser/innen meinen, die ihrerseits offenbar nicht in der Lage sind, sich selbst einen “Kontext” anzulesen. Gauck wird von uns sehr präzise im Kontext zitiert und zwar so ausführlich, dass es schon fast länglich ist. Das genaue Gegenteil ist wahr: Je mehr “Kontext” dazu kommt, desto deutlicher werden Gaucks festgelegte und wiederholt zur Aufführung gebrachten Positionen. Und diese sind eben nicht die unsrigen.

  5. Paul

    Gauck ist Muddis Meisterwerk

    http://www.pnn.de/potsdam/625011/

    HAHAHA ich lach mich schlapp und ihr denkt das is real was da abgeht ?

    der Rösler lacht sich ein tag später schlapp bei jeder kamera
    und die der dicke und die rothaarige bekommen es nicht mal mit

    hahaha

    president der herzen … lol

    selbst die ösis wissen es besser als die eigenen leute
    http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/politik/europa/438167_Euphorie-ueber-Gauck-waehrte-nur-einen-Tag.html

    omg banaenrepublik live verarsche im tv

  6. [...] Haltung zum Thema können wir im Fernsehkanal der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) erfahren. Laut publikative.org sagte er auf die Frage, ob er den Satz "Der Islam gehört zu Deutschland" auch so [...]

  7. Lalelu

    Mein Problem bei diesem Ausschnitt aus dem Interview ist nicht so sehr das, was er gesagt hat, sondern das was er NICHT gesagt hat.
    Er ist offenbar der Auffassung, dass wir das “Problem” erkennen und benennen sollten.
    Ich denke, wir sind schon längst so weit. Jetzt geht es um den nächsten Schritt. Es wäre die Aufgabe eines Bundespräsidenten eine Richtung zu zeigen.
    Aber Gauck ist, wie bei allen anderen Themen, der Gesellschaft hinterher. Mir scheint, als habe er die letzten 10-15 Jahre nichts neues mehr aufgenommen. Deshalb wäre er für mich auch dann ungeeignet, wenn ich seine politische Ausrichtung teilen würde.

  8. [...] Ganz nebenbei: Die Opfer wurden nicht von den Rechtsterroristen ermordet, weil sie besonders schlecht oder ausgesprochen gut, so wie Buschkowsky & Co. sich das wünschen, integriert waren, nein, sie wurden mit Kopfschüssen exekutiert, weil sie Migranten waren. Und sie wurden posthum öffentlich zu angeblichen Kriminellen gemacht, weil sie Migranten waren. Und weil sie Migranten waren, wird sogar an dem Tag der Trauerfeier über ihre vermeintlichen Versäumnisse gesprochen, anstatt die rechtsextreme Parallelwelt in Teilen Ostdeutschlands zu thematisieren, aus denen die Täter stammen, oder über Rassismus in den Medien, oder über einen designierten Bundespräsidenten, der ausdrücklich den Begriff “Überfremdung” benutzt. [...]

  9. Eigentlich brauchen wir gar keinen Bundespräsidenten.

    Der ist so überflüssig wie die Königing von
    England!

    Aber Deutschland ist ein Land, welches nur extrem langsam reagiert.
    Und wenn es mal schnell und überraschend geht (z.b. bei der Energiewende), dann sind die Entscheidungen meistens äußerst schlecht!

    Also: Gauck for Bundespräsident + Bundespräsident abschaffen ab 2222 ;-)

  10. Ben

    Also als neuer Lehrer in einem Hamburger Migrantenviertel habe ich den ganzen Tag Leute mit unterschiedlichsten Hintergründen vor mir sitzen – und ja: der Islam wird mir im Moment eher fremder als näher – und die Leidenschaft, mit der sich manche Jugendliche aus liberalen Elternhäusern in fundamentalistische Weltbilder begeben macht mir teilweise schon große Sorgen.

    Vielleicht können wir als Lehrer hier manches beeinflussen, aber der Begriff der Fremdheit ist schon mehr als angebracht. Und Gauck ist hier in weiten Teilen schon recht deskriptiv und das ist nicht verkehrt. Warum ist seine zentrale Forderung, die Fremdheit ernst zu nehmen, denn so falsch?

    • @Ben:

      Daran ist aus unserer Sicht leider eine ganze Menge grundfalsch. Wir werden diese Thematik am Beispiel von Herrn Gaucks Rhetorik morgen oder in den nächsten Tagen noch einmal aufgreifen.

      Einstweilen nur eine Gegenfrage an Sie:
      Wenn Sie in einem “Hamburger Migrantenviertel” tätig sind, dann meinen Sie damit höchstwahrscheinlich einen Ort wie Billstedt, Wilhelmsburg, Veddel, Rothenburgsort oder Steilshoop, ja? Diese Viertel sind aber nicht umsonst (und auch nicht grundlos) gleichzeitig soziale Brennpunkte der Stadt. Meinen Sie wirklich, dass Ihnen die Kinder gebildeter Muslime, die in Blankenese Abitur machen, genauso “fremd” wären? Und sind Ihnen die “echten” “deutschen” “Prolls” an ihrer Schule oder in Ihrem Viertel wirklich weniger fremd? Oder schieben Sie es da nur nicht auf “den Islam” …?
      ;-)

  11. [...] Kann man Deutscher werden? Ganz nebenbei: Die Opfer wurden nicht von den Rechtsterroristen ermordet, weil sie besonders schlecht oder ausgesprochen gut, so wie Buschkowsky & Co. sich das wünschen, integriert waren, nein, sie wurden mit Kopfschüssen exekutiert, weil sie Migranten waren. Und sie wurden posthum öffentlich zu angeblichen Kriminellen gemacht, weil sie Migranten waren. Und weil sie Migranten waren, wird sogar an dem Tag der Trauerfeier über ihre vermeintlichen Versäumnisse gesprochen, anstatt die rechtsextreme Parallelwelt in Teilen Ostdeutschlands zu thematisieren, aus denen die Täter stammen, oder über Rassismus in den Medien, oder über einen designierten Bundespräsidenten, der ausdrücklich den Begriff “Überfremdung” benutzt. [...]

  12. [...] Ganz nebenbei: Die Opfer wurden nicht von den Rechtsterroristen ermordet, weil sie besonders schlecht oder ausgesprochen gut, so wie Buschkowsky & Co. sich das wünschen, integriert waren, nein, sie wurden mit Kopfschüssen exekutiert, weil sie Migranten waren. Und sie wurden posthum öffentlich zu angeblichen Kriminellen gemacht, weil sie Migranten waren. Und weil sie Migranten waren, wird sogar an dem Tag der Trauerfeier über ihre vermeintlichen Versäumnisse gesprochen, anstatt die rechtsextreme Parallelwelt in Teilen Ostdeutschlands zu thematisieren, aus denen die Täter stammen, oder über Rassismus in den Medien, oder über einen designierten Bundespräsidenten, der ausdrücklich den Begriff “Überfremdung” benutzt. [...]

  13. [...]   In dem Part des Gesprächs geht es um den Islam; Gauck schafft es gekonnt, über Sarrazin zur “Überfremdung” zu kommen, um dann auch noch sein Lieblingsthema, den Kommunismus, unterzubringen. Bemerkenswert dabei: Gauck zieht bei seinen Ausführungen über die Fremdheit des Islams in Europa eine Parallele zum politischen Systemkampf zwischen West und Ost vor dem Fall der Mauer. Was früher die Bedrohung durch die Bolschewisten war ist heute offenbar die Gefahr durch den Islam. (Quelle: publikative.org) [...]

  14. Malte Wienebüttel

    Warten auf Gauck

    Am 18. März werden wir Gauckrepublik. Und das ist gut so. Allmehlich fung sick dat inner ollen Midde nu an ut tau kristallisiren, dat de olle Gauck man doch gaud för de Presedentschaap wir.
    Wem es gelingt, dass eine Behörde nach ihm genannt werden tut, vielleicht weil man sich nicht ständig an die deutsche Staatssicherheit erinnern mag, dem soll es vergönnt sein, wenn nun der ganze deutsche Staat sicherheitshalber nach ihm genannt wird. Denn er steht für Freiheit, für Freiheit, für Freiheit.
    Er ist konservativ. Das heißt nicht rechts, sondern Mitte. Die dynamische Lebensphase (à la Wulff) hat er hinter sich. Er ist eine Vaterfigur. Sagt man. Er ist alt, sieht man. Er ist alte Mitte, Rostock hin, Berlin (West) her, aus der auch Sarrazin kommt, den er mutig nennt. Als Präsident bekommt er die Macht – des Wortes. Er kann gut sprechen. Er ist Pastor. Ökumene, Judentum. Sicher. Und der Islam? „Nun sag, wie hast du’s mit dem Islam?“ Bist du, Gauck, mutig wie Sarrazin oder wie Wulff?
    „Der Islam gehört zu Deutschland“, sprach Wulff, – behauptete Wulff, widersprachen zwei Drittel der Deutschen, behauptete BILD. Die alte Mitte. Sie haben aber nicht verstanden, wie Wulff das meinte.
    Dat ging nehmlich wohl so: Maschmeyer, Groenewold, Wulff am Stammtisch: Christian, Du brauchs’ ’nen Knaller, so’n echten Medienknaller. Bettina, Bettina, Bettina reicht nicht. Als Präsident bist Du politisch Null, Du hast nur die Rede, das gesprochenen Wort, um in die Geschichte einzugehen. Also sprich: „Der Islam gehört zu Deutschland“. Denn (leise beiseite) zum Islam gehört Bakschisch. Prost auf Integration!
    Mögen andere das anders interpretieren, und es als Wulffs Vermächtnis in die Geschichte eingehen lassen. Da gibt es keinen Schritt hinter zurück. Das ist gut so.
    Jetzt ist Gauck der Präsidentschaftskandidat. Bakschisch interessiert ihn nicht, was nicht unislamisch sein muss. Mit ihm kommt ein Denkmal der DDR-Bürgerrechtsbewegung auf den höchsten Sockel im Staat. Politisch Null. Welche Themen sind nun noch frei für „sein“ Medienknallerpräsidentengroßwort? Sein Präsidialamtsredenschreiber muss findig sein. Freiheit, Freiheit, Freiheit, reicht nicht. Gauck sagte (NZZ, 10. 9. 2011) zu Wulffs Spruch: „Jetzt einen Zustand zu beschreiben als wäre dieser kulturelle Schritt innerhalb der muslimischen Welt schon vollzogen, täuscht uns über diese Fremdheit, die nach wie vor existiert“. Er fremdelt, muss noch viel Entfeindungsarbeit leisten. Ein lebendes Denkmal für was Gutes, aber von gestern und steht auf der Stelle. Stillstand. Ruhe und Friede für die Alte Mitte. Gauckrepublik.
    Übrigens. Gauch ist ein altes Wort für Kuckuck. Da ist das Kuckucksei nicht fern. Hoffen wir, dass der alter Gauch keine krummen Eier mehr legt zu den Themen Mut, Hartz4, zur „fremden“ muslimischen Welt, zum Finanzkapital, zu Occupy, Vorratsdatenspeicherung, usw. Ward schon allens schejp gahn, dank den Presediolamtshistorischeworteschriever. Hei künn ‘nen Presedent warden, so gaud as ein. Zum Schluss ein Tipp für Gaucks zukünftigen präsidialamtlichen Redenschreiben. Wulff nannte das Christentum, das Judentum und den Islam als zu Deutschland gehörig. Lieber ghost von Gauck, schreibe: „… ja meine Damen und Herren, auch das Heidentum gehört auch zu Deutschland.“ Bingo! Das ist mutig, das ist kontrovers. Es erinnert daran, dass es auch in Deutschland eine Aufklärung gab. Heiden sind Ungläubige. Aber Vorsicht zu Kuckuck nochmal, es soll auch aufgeklärte Heiden mit islamischen Hintergrund geben.

  15. Vernunft

    Ich finde nichts Anstößiges an der Argumentation Gaucks und frage mich ein Bißchen ob es völlig aus der Mode gekommen ist zwischen Analyse, Situationseinschätzungen und Wertungen zu unterscheiden, wie ich dies bereits bei der Diskussion um das Buch Sarrazins wahrgenommen habe. Man kann eine Integration eben nicht herbeireden, sondern muss dafür arbeiten. Also mir ist das zutiefst logisch und richtig.

  16. Markus Rehberg

    Danke für das Kontext-Zitat. Ich weiß allerdings nicht, was die Aufregung soll. Ich würde jeden Satz von Gauck unterschreiben. Er hat Recht! Die Massenzuwanderung nach Deutschland erfolgte nach allen Umfragen stehts gegen den Mehrheitswillen. Die Ergebnisse waren teils katastrophal und das Thema lange Zeit tabuisiert. Ich finde, er spricht dafür noch sehr moderate Worte aus.

    Ich wünsche mir Gauck auch nicht als Bundespräsident, weil ich ihn lieber als Kanzler hätte, der die Willensbildung des Volkes wirklich ernst nimmt. Demokratie heißt nämlich Mehrheiten-Entscheidungen auf Basis von Grundrechten und kein Minderheiten-Terror.

  17. ollo

    Also ich würde nicht jeden Satz untzerschreiben, weil ich sie einfach nicht alle verstehe aufgrund der Matroshka-mäßigen Schachtelsätze. Aber vieles von dem, was er sagt, würde ich unterschreiben. Unabhängig von den Integrationsproblemen, die er anspricht, finde ich insbesondere seinen Beitrag zur verfehlten Aufgabe der Politik mehr als passend.

    Die Politik hat nicht die Aufgabe, Wasser als Wein zu verkaufen (wie sie es seit geraumer Zeit zu tun pflegt), sondern uns reinen Wein einzuschenken und dafür einzustehen, dass der uns vielleicht mal nicht so schmeckt wie wir uns das wünschen. Und das macht sie nicht, faselt stattdessen Sachen wie “systemrelevant”, “alternativlos” und “Ethikkommission” und versucht ansonsten so unbeschadet wie möglich zur nächsten Wahl zu kommen. Ein Trauerspiel.

  18. Markus Rehberg

    ollo, ja, das liegt aber möglicherweise auch daran, dass Ehrlichkeit oft nicht goutiert wird. Beispiel: In Griechenland hat die letzte Wahl vor der großen Krise nicht die Partei gewonnen, die auf die Ausgabenbremse treten wollte, sondern die Partei, die versprach “Es gibt Geld”.

    Anderes Beispiel: Merkel fuhr ein sehr schlechtes Wahlergebnis ein, als sie ankündigte, die Mehrwertsteuer zu erhöhen.

    Kohl verlor 1998, er hatte weniger populäre Sozialreformen eingeleitet, diese wurden von Schröder erst wieder abgeschaft und dann mit der Agenda 2010 noch übertroffen.

    Daher haben die Wähler teilweise auch mitschuld an der politischen Landschaft. Hinzukommt, dass m.E. sich viel zu wenig für Politik wirklich interessieren bzw. engagieren. Vorherrschend ist das Schlagzeilenlesen in der Mittagspause etc.

  19. Anonymous

    ER war OV, nicht IM, selbst IM-geführte Personen waren Opfer der Diktatur.
    Ihr dummen Menschen kapiert das endlich, ehe ihr hetzt!

  20. ollo

    @Markus:

    Ja, das kann ich durchaus verstehen. Aber man sollte auch nicht vergessen, dass das Volk die Lügen inzwischen gewohnt ist. Aber Lügen haben kurze Beine, ergo, wenn man dem Lügner glaubt mit seinen Hirngespinsten, wird man auch irgendwann spitzkriegen, dass es eben Lügen waren (so zumindest meine Hofnung). Solange alle Lügen, macht es keinen großen Unterschied.

    Aber der Grund, warum wir auf so ein Blabla reinfallen, liegt ja gerade darin, dass die Meisten lügen, vielleicht der eine oder andere mal die Wahrheit sagt, aber keiner von beiden sich die Mühe macht, sein Aussagen ausreichen zu hinterfüttern und zu begründen. Am Ende liegt es natürlich auch an uns, die wir i.d.R. zu faul sind, uns die Wahrheit zu erarbeiten um die Lügen durchschauen zu können.

    Es gilt eben wie immer der Satz: jedes Volk hat die Regierung, die es verdient…

  21. filosof

    Ich freue mich auf einen intellektuell anregenden BuPrä, der selbst denken kann und nicht nur Worthülsen seiner Ghostwriter von sich gibt. Spannend für mich: wie Gauck die Freiheit, die er liebt, als real existierende Unfreiheit der 1-Euro-Jobber zu versöhnen sucht. Ich wünsche mir einen ermächtigenden Sozialstaat, eine Abkehr vom paternalistischen “Vater Staat” – aber wie soll diese Ermächtigung aussehen, gestaltet werden, wenn alles was wir uns dazu einfallen lassen die Gutsituierten weiter von den Armen entfernt, und Harz4 Empfänger durch Kafkaeske Minijobmarathons schickt?

    Das kann der Weg zur Freiheit nicht sein.

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