14 Kommentare

  1. Tja… dann braucht halt jeder Künstler wieder einen reichen Freund. Wer den nicht hat, ab in die Dachkammer. Vielleicht führen wir ja auch wieder die Tbc ein, um die Romantik komplett zu machen.

  2. Zur These: Wofür gibt es denn flattr und co.?

    Und in der Hoffnung das Herr Woelk das hier ließt. Zur Überschrift: Es sei mal darauf hingewiesen, dass der Satz “Eigentum ist Diebstahl” nicht auf Marx zurückgeht. Der Satz stammt von Proudhin und wurde von Marx heftig kritisiert:

    “Das Ungenügende der Schrift war schon in ihrem Titel angedeutet. Die Frage war so falsch gestellt, daß sie nicht richtig beantwortet werden konnte. Die antiken “Eigentumsverhältnisse” waren untergegangen in den feudalen, die feudalen in den “bürgerlichen”. Die Geschichte selbst hatte so ihre Kritik an den vergangnen Eigentumsverhältnissen ausgeübt. Das, worum es sich für Proudhon eigentlich handelte, war das bestehende modern-bürgerliche Eigentum. Auf die Frage, was dies sei, konnte nur geantwortet werden durch eine kritische Analyse der “politischen Ökonomie”, |27| die das Ganze jener Eigentumsverhältnisse, nicht in ihrem juristischen Ausdruck als Willensverhältnisse, sondern in ihrer realen Gestalt, d.h. als Produktionsverhältnisse, umfaßte. Indem Proudhon aber die Gesamtheit dieser ökonomischen Verhältnisse in die allgemeine juristische Vorstellung “das Eigentum”, “la propriété”, verflocht, konnte er auch nicht über die Antwort hinauskommen, die Brissot mit denselben Worten in einer ähnlichen Schrift schon vor 1789 gegeben hatte: “La propriete c’est le vol.” |”Eigentum ist Diebstahl”|

    Im besten Fall kommt dabei nur heraus, daß die bürgerlich-juristischen Vorstellungen von “Diebstahl” auch auf des Bürgers eignen “redlichen” Erwerb passen. Andererseits verwickelte sich Proudhon, da der “Diebstahl” als gewaltsame Verletzung des Eigentums das Eigentum voraussetzt, in allerlei ihm selbst unklare Hirngespinste über das wahre bürgerliche Eigentum.” (MEW16/26f.)

  3. Quarktasche

    Ein sehr wichtiges Thema, welches allerdings oft auf Basis von Irrtümern diskutiert wird. Hier ist wirklich Aufklärung nötig, eine Aufgabe für *die vierte Gewalt*!? ;)

    Oft zu beobachten wie hierbei ausgehend von falschen Fallbeispielen munter komplette “Systemumwelzungen” herbei gefordert werden. Argumentationsmuster sind dabei zu beobachten, die in der Form durchaus populistisch sind.

    “Nehmen wir einmal an, ein begeisterter Hobbykoch postet auf der Chefkoch-de-Seite eine seiner kulinarischen Kreationen. Dort wird sie von einem professionellen Küchenchef entdeckt, nachgekocht und zum Renner eines Drei-Sterne-Restaurants am anderen Ende der Republik. Das Rezept generiert also Gewinne, ohne dass der Urheber daran beteiligt ist.”

    Unabhängig davon, was dieses kleine(auch nicht ganz fertig gedachte) Beispiel beweisen soll: Einfache Kochrezepte sind allgemein nicht schützbar. Jeder Mensch kann versuche sich selbst eine Coca Cola zu mischen oder einen Mac Donalds Hamburger nachzukochen. Vertreiben darf er sein Produkt dabei natürlich nicht unter dem Namen “Mc Donalds” denn dieser ist durch das Markenrecht geschützt. Markenrecht hat aber nur tendenziel mit “geistigem Eigentum” zu tun. Auf jeden Fall nicht so unmittelbar, das davon fundamentale Erkenntnisse bezüglich “geistiges Eigentum” abzuleiten sind.

    Ein weiterer weit verbreiteter Irrtum(der zu mutigem Schlußfolgern führt) ist: eine Idee wäre schützbar. Das ist so falsch. Ideen sind nicht schützbar. Schutz kann erst beansprucht werden, wenn die Idee zu einem Konzept heran gereift ist, das in schriftlicher/bildlicher Form dastellbar ist.

    Der Hobbykoch aus dem Beispiel kann die Vorarbeit die der Profikoch geleistet hat(das an seiner Kundschaft zu testen, sein Restaurant dafür zur Verfügung zu stellen, u.s.w..) wiederum nutzen um seinerseits ein Restaurant mit dieser “besonderen Speise” zu eröffnen. Er wird von seiner Erfindung nur profitieren, wenn er die Resourcen dafür hat.

    Das mag durchaus zu bedauern sein. Es ist aber in dem Sinne nicht abartig oder annormal sondern viel mehr ein Prozess der in der Geschichte der Erfindungen oft zu beobachten ist. Zum Beispiel bei der Erfindung der Glühbirne. Wer zur richtigen Zeit kommt, über die richtigen Vertriebswege verfügt, macht das Geschäft…

    Das Thema lohnt sich sicher darüber nachzudenken. Einem *professionellen* Urheber sollten diese Mechanismen bewusst sein. Wenn ich aber Artikel lese, in denen die Berliner Techno Szene Krokodilstränen vergiesst: Die Vertriebswege hätten sich geändert, so das kein Geld mehr verdient wird, kann ich nur den Kopf schütteln. Da hat man offensichtlich den gesponnen Legenden selbst zu sehr vertraut: Techno sei Mainstream und so weiter. Techno ist tot. Sorry: thats it. No money involved, no mony to earn… “Geld können Musiker nur noch generieren, wenn sie in Clubs auflegen” wird dort als neue Erkenntnis verkauft: Ja das ist im Techno Bereich so. Woanders übrigens auch möchte man den Experten sagen.

  4. Hallo Quarktasche,
    ich finde das Beispiel mit dem Kochrezept auch ziemlich schwach, aber den grundsätzlichen Gedankengang interessant und erwähnenswert. Der Hinweis auf diesen Kommentar auf DradioKultur sollte die Debatte hier öffnen, nicht abdecken, es ist ein weites Feld – und in der Tat sollten wir uns um das Thema kümmern. Da wir dieses Blog nur “nebenbei” befüllen, sind wir leider noch nicht dazu gekommen, freuen uns daher auch über Unterstützung.
    Gruß
    Patrick Gensing

  5. augenauf

    Der Diebstahl von geistigem Eigentum, ist für den Künstler wohl ärgerlich. Dennoch sind die angegebenen Verluste der Mainstream-Industrie nicht ausschließlich auf illegales Kopieren zurück zuführen. Mehr wohl auf die mangelnde Qualität der angebotenen Produkte. Des Weiteren mag es wohl oft vorkommen, daß der böse filesharer gerade durch filesharing oder youtube etc., auf einen Künstler aufmerksam wird und womöglich legal und kostenpflichtig Konzerte besucht und/oder Tonträger kauft.

  6. @augenauf: Das finde ich nun wiederum sehr kurz gedacht. Diebstahl von geistigem Eigentum ist für viele Künstler nicht einfach ärgerlich, sondern kann existenzbedrohend sein, unterhalten Sie sich mal mit Leuten von kleinen Labels, deren CDs bereits vor oder kurz nach der Veröffentlichung im Netz kostenlos zu haben sind. Zudem ergibt es keinen Sinn, wenn die Produkte der Mainstream-Industrie angeblich mangelnde Qualität haben, gleichzeitig aber im Netz kursieren. Warum sollten sich die Leute die Sachen saugen, wenn sie schlecht sind?

    Sicherlich stimmt es aber auch, dass kleine Labels das Internet gekonnt nutzen, um unbekannte Künstler zu pushen – und so zumindest über Konzerte oder Merchandise Einnahmen zu generieren. Es muss eben neue Wege geben, aber die User müssen auch ein Verständnis dafür entwickeln, das nicht alles umsonst sein kann. Warum sollte ich beispielsweise für einen Film, den ich mir in einer Online-Videothek leihe, nicht drei Euro bezahlen? Ich bekomme ja auch was dafür.

    Gruß
    PG

  7. holf

    um mal einen rapper zu zitieren:”sie sagen downloads würden die musik zerstören. check ich ich nicht! wenn ich download´kann ich die musik doch hören!… scheißt auf die industrie.die Industrie scheißt auf musik. meint ihr vor der musikindustrie gabs keine musik?”
    antilopengang for life!

  8. Dennis K.

    Was ist der Zweck des Beitrages hier?
    Eine Befürwortung von ACTA und co?

    Ich widerspreche aufs schärfste, wenn es heißt, illegale Downloads wären Existenzbedrohend für kleine Künstler und Labels.

    Weit wahrscheinlicher ist:
    Kleine Künstler und Labels profitieren vom illegalen Download, während die großen Künstler (absolut vertretbare!) Verluste machen. Warum?

    Ganz einfach:
    Wer schonmal versucht hat, Musik von wirklich kleinen Bands downzuloaden, wird festgestellt haben, dass diese meist kaum online erhältlich ist. Kommt natürlich darauf an, wo man nun “Klein” ansetzt. Die kleinen Bands können aber über das Internet deutlich schneller an Popularität gewinnen und letztlich dadurch auch richtige Plattenverträge bekommen – wenn sie gut sind.

    Und dass die Major Labels heute immer noch Milliarden umsetzen ist keine Frage. Wirklich populäre Künstler können heute ebenso wie damals binnen weniger Jahre 9-stellige Vermögenswerte erreichen – als aktuelles Beispiel sei u.a. Justin Biber genannt. Es gibt etliche weitere Beispiele.

    Ein weiterer maßgeblicher Aspekt kommt noch hinzu:
    Bands verdienen – sowohl die kleinen, als auch die größeren – weit mehr Geld durch Live-Auftritte als durch den Verkauf ihrer Musik-CDs – von diesen profitiert das Label dafür weit stärker.

    Wie genau ist also Kritik an jenen zu rechtfertigen, die bewusst keine Platten kaufen, sondern downloaden, und das gesparte Geld in Konzerte oder Fan-Artikel (z.B. Bandshirts…) anlegen?!? Hier ist keine Kritik abseits eines moralischen Kapitalismus möglich, insbesondere keine wirtschaftlich sinnvolle Kritik. Im Gegenteil profitieren alle davon, wenn mehr gedownloaded wird, das Geld dann aber in Konzerte oder Fanartikel fließt – denn diese Erlebnisse und Waren kann man eben nicht 1:1 kopieren.

    Das Thema ist weit komplizierter, als es hier gemacht wird.

    Dazu noch eine Bitte an Patrick und den Rest der Redaktion:
    Ihr achtet – was ich gut finde – in vielen Themen gerne auf die Ausdrucksweise und insbesondere darauf, dass keine journalistisch fragwürdigen Hetzbegriffe genutzt werden.

    Ein Artikel darüber fände ich mal weit interessanter – denn ich mag weder das Wort “Raubkopierer”, da es eine schwere Straftat unter Gewaltanwendung impliziert (“Raub”), noch das Wort “Software-Piraterie”, da dafür das gleiche gilt, noch das Wort “Datendiebstahl”, da es unsachlich ist – es wird nicht gestohlen, es wird vervielfältigt, was moralisch wie juristisch ein erheblicher Unterschied ist, da eben keine allseits negativ anerkannte “Wegnahme”-Komponente im Kopieren liegt.

    Dass diese Hetzbegriffe bis in die Tagesschau vorgedrungen sind finde ich zuhöchst bedenklich – zeigen sie doch den Einfluss der Content-Industrie, die natürlich eng mit dem Fernsehen – leider auch dem Öffentlich-Rechtlichen – verbunden ist.

  9. @Dennis: Mit dem Begriff Raubkopien gebe ich dir recht, da hatte ich noch nicht drüber nachgedacht. Danke für den Hinweis.

    Also, was soll dieser Artikel? Wie oben geschrieben, es ist ein Diskussionsbeitrag zu einem wichtigen Thema. Ich würde darum bitten, deswegen nicht gleich in Schubladendenken zu verfallen.

    Was das Beispiel mit den kleinen Labels und mehr Einnahmen durch Konzerte angeht, wovon alle angeblich profitieren: Sorry, aber das ist in dieser Form Unsinn. Die Eintrittspreise für Konzerte sind in den vergangenen Jahren extrem angezogen, so dass ich es fast eingestellt habe, größere Auftritte zu besuchen, weil ich 30 bis 40 Euro oder mehr für 1,5 Stunen Live-Mucke vollkommen übertrieben finde. Kino, Fußball, Theater, Lesungen – alles ist billiger. Zudem wiederhole ich den Hinweis auf die kleinen Labels, die das mitnichten witzig finden, wenn die Sachen, die sie verkaufen wollen, schon im Netz kursieren.

    Ja, ich bin für geistiges EIgentum, ich habe mich schon öfter geärgert, wenn ich Textfragmente und Infos, die mir sehr bekannt vorkamen, anderswo finde. Du kannst die ganze Sache doch nicht nur aus der Konsumenten-Perspektive sehen. Sicherlich haben viele Labels gute Wege gefunden, mit der Entwicklung umzugehen, das sehe ich auch, und es ist auch gut, dass Majors nicht mehr mit überhöhten CD-Preisen sich die Taschen vollmachen – aber einfach zu sagen, ich will alles umsonst, sollen sie sich halt ihr Geld mit Touren verdienen (was ist mit Künstlern, die das nicht können oder wollen?), das ist wirklich zu einfach.

    Gruß
    Patrick

  10. Michael

    Ich sehe noch mehr Möglichkeiten als nur das genannte Mäzenatentum. Zum einen gibt es das noch, zum Beispiel in der Forschung, dort wurden die Mäzen institutionalisiert und heißen heute Max-Planck-Gesellschaft oder Universität. Das Prinzip ist das Gleiche: Kreative (hier Forscher_innen) bekommen Geld und können machen worauf sie Lust haben (leicht vereinfacht).
    Eine andere Möglichkeit ist die Auftragsarbeit. Auch diese gibt es schon heute, zum Beispiel in der Werbeindustrie. Kreative schaffen Werbespots im Auftrag von anderen Leuten und werden dafür bezahlt.
    Die dritte Möglichkeit ist Crowdfunding. Hier wäre als bekanntestes Beispiel Kickstarter zu nennen, dass in diesem Jahr voraussichtlich mehr Geld vergeben wird als die (zugegebenermaßen unterfinanzierte) US-Kulturstiftung. Auch hier gibt es Konzepte für den Journalismus.
    Des weiteren gibt es das noch einzuführende bedingungslose Grundeinkommen. Ein Betrag der jedem Menschen die Existenz sichert und mit dem dann der Mensch entscheiden kann was er in seinem Leben machen möchte – zum Beispiel Musik oder Nachrichtenrecherche.
    Vier Möglichkeiten die alle parallel funktionieren und alle besser sind als ACTA und die dahinter stehende Geisteshaltung.

  11. Jan B.

    Die Rede vom “Diebstahl geistigen Eigentums” und der unvermeidliche Diebstahl im Supermarkt-Vergleich sind schlicht irreführend. Es werden unerautorisierte Kopien erstellt – nichts “gestohlen”. Beim Ladendiesbstahl “kopiere” ich aber nicht die Tafel Schokolade, sondern entwende sie.

  12. Martin N.

    Lieber Patrick,
    an anderer Stelle habe ich gelesen, Du wärest nicht mehr bereit, 30-40€ für ein Konzert auszugeben. Mein Ansatz ist mittlerweile: Fast nichts mehr für Konserven ausgeben (ausser für die wirklich wichtigen Scheiben) und dafür vermehrt auf Konzerte gehen. Kann ich mir durch die Umsonstkultur nämlich leisten. Wenn ich dran denke, dass bei mir unterm Bett an die 500 CDs lagern (alle zwischen 10 und 20€), habe ich gefühlt noch etwas Kredit der Musikindustrie gegenüber…
    An Herrn Regener habe ich übrigens bislang für die Herr Lehmann Trilogie in Papierform meinen vollen Beitrag gezahlt und zwar gerne. Was ich nicht verstehe ist, warum ein Hörbuch 35€ kosten muss. Tut mir leid, dann lieber illegaler Fan.

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