43 Kommentare

  1. Herr Keuner schreibt:

    6. April 2012 at 19:08

    … was definitiv gesagt werden musste!!!!!!!!!!!!!!!!
    - aber jetzt is` auch wieder gut…

  2. schreibt:

    6. April 2012 at 20:04

    Dieses bewusste Missverstehen von Grass oder Augstein, diese üble Verwechslung von berechtigter Kritik an einer israelischen Regierung mit Antisemitismus, ist das eigentlich Bedauerliche an dieser Debatte.

  3. l schreibt:

    6. April 2012 at 20:05

    was ist denn bitte die “internationale der moralisten”? bitte um erläuterung.

  4. thegurkenkaiser schreibt:

    6. April 2012 at 20:11

    spitzenargument! weil manche linken israel nicht mögen ist broder heute ein rechter moslemhasser, klimawandelleugner und kapitalismus-fan der in der weltwoche schreibt. der mann ist ein getriebener ohne eigenen willen, oder wie?

  5. Christian schreibt:

    6. April 2012 at 20:51

    was mich – ganz sippenhaft – wieder daran erinnert, dass rudolf augstein damals in sachen holocaust-mahnmal eine der schlimmsten antisemitischen spiegel-kolumnen aller zeiten geschrieben hat.
    habe ich online leider nicht mehr gefunden…

  6. Bernardo schreibt:

    6. April 2012 at 21:32

    Warum wundert mich das nicht? Augstein habe ich noch nie als Linken gesehen, mal ganz abgesehen davon, dass “die Linke” (was auch immer das sein soll) dem Antisemitismus noch nie abgeneigt war. Und ja, man darf und soll antisemitisch nennen, wer fantasiert, “die jüdische Lobby” wäre es, die amerikanische Aussenpolitik beeinflusst.

    Allerdings ist das ja nicht nur in Deutschland so, die radikale Linke in anderen Ländern (z.B. England) ist beispielsweise auf eine derartig selbstverständliche Art und Weise offen antisemitisch, dass einem die Haare zu Berge stehen. Ich sass mal auf einem Kongress neben einem südafrikanischen Gewerkschafter auf einem Panel, der seinen Vortrag über den Aufbau von community radios für Arbeiter in Westafrika mit den Worten beschloss, ein solches Projekt sei deshalb nötig, weil die zionistische Lobby die weltweiten Massenmedien kontrolliere.

    Das rechtfertigt aber nicht, dass Broder “sich von der Linken abgewendet” hat. Denn er hat emanzipatorische Positionen grundsätzlich aufgegeben, und so sehr er mit seinen Invektiven gegen den deutschen Antisemitismus recht hat, ist er dennoch leider auch ein ganz gewöhnlicher Rassist (und damit meine ich nicht (nur) seine “Islamkritik”, die durchaus rassistische Züge trägt; als Beispiel nur sein Artikel auf spon über das “afrikanische Dorf” im Augsburger Zoo). Ist das die Wahl, die man als Linke/r in Deutschland (und anderswo) hat? Entweder mit Antisemiten oder mit Rassisten gemeinsame Sache?

  7. N.I.X. schreibt:

    6. April 2012 at 22:44

    Ich frage mich gerade, ob der Augsche Kommentar tatsächlich gelesen wurde und wenn ja, unter welcher Maxime. Den Kommentar tatsächlich zu verstehen – das kann wohl nicht das Ziel gewesen sein.

    Aber gut. Was wundere ich mich darüber auf dieser Internetseite noch?

  8. schreibt:

    6. April 2012 at 22:49

    Wenn Ihr, da werfe ich einfach mal Andrej Reisin und Patrick Gensing (Beim Schälen der Kartoffel, Grass – der Sarrazin für Israelkritiker?) in einen Topf, Euch um mehr Sachlichkeit bemühen würdet, dann könntet Ihr eventuell auch jemanden überzeugen, der nicht ohnehin schon Eurer Meinung ist. Wenn man sich aufregt, ist Polemik natürlich leichter, wie Ihr gleich sehen werdet.

    Etwas Richtiges zu schreiben ist dann schwieriger. Deshalb kann es dann leicht zu Fehlern kommen, die einen in der vorgefassten Meinung bestätigen: Es passt ja alles prima zusammen. Da kann man doch einfach zu Beginn des Textes schon voraussetzen, was man erst mal begründen müsste, nämlich dass Augstein “in bester Karfreitagstradition noch einmal [predige], warum Israel an allem Schuld ist – und warum diese Wahrheit “uns” und “die Welt” am Ende frei machen wird.” – und das ausgerechnet “Wenige Stunden vor Beginn des jüdischen Pessach-Festes”. Der Augstein muss ein echter Judenhasser sein, wenn er sich zu so einem, ähm, empörenden Timing entschließt. Das ist ja, als würde der Iran an Pessach angreifen.

    Aber es kommt noch besser. Zitat Augstein:
    “Mit der ganzen Rückendeckung aus den USA, wo ein Präsident sich vor den Wahlen immer noch die Unterstützung der jüdischen Lobbygruppen sichern muss, und aus Deutschland, wo Geschichtsbewältigung inzwischen eine militärische Komponente hat, führt die Regierung Netanjahu die ganze Welt am Gängelband eines anschwellenden Kriegsgesangs.“

    Zitat Reisin:
    Augsteins Argumentation bedient dabei antisemitische Denkmuster in Reinkultur, sie halluziniert ein “wir”, das von “jüdischen Lobbygruppen” im Bunde mit der “israelischen Regierung” die “am Gängelband” geführt wird, und das nun – dank Grass, dank Augstein – seiner kollektiven rhetorischen und moralischen Befreiung harrt, um “die Zukunft der Welt” zu retten.

    Das ist sprachlich so unsauber (Deutschlehrer sagen: falsch), dass es so scheint, als werde die “Regierung Netanjahu” am Gängelband geführt. Wer hat dem Autor das “die” nach “Regierung” in die Feder gegeben? Seine Erregung?
    Augstein hat nicht von ““jüdischen Lobbygruppen” im Bunde mit der “israelischen Regierung”” geschrieben, wie es ihm untergeschoben wird. Augstein schrieb, dass die “Regierung Netanjahu” “Rückendeckung aus den USA” und aus Deutschland habe. Die “jüdischen Lobbygruppen”, die wandern erst bei Reisin ins Zentrum.

    Der nächste Lapsus ist das Zitat “die Zukunft der Welt”, die angeblich laut Augsteins Argumentation zu retten sei. Aber was schrieb Augstein? Das: “Hier geht es nämlich nicht um die Geschichte Deutschlands. Sondern um die Gegenwart der Welt.” – Das Wort Zukunft kommt in Augsteins ganzem Text nicht vor.
    Im Historikerstreit gab es das auch schon mal, dass sich die Streithähne gegenseitig Falschzitate vorwarfen und dann aufwändige “Zitatenkontrolle” betrieben. Diese Maßnahme hat den Historikerstreit erledigt. Wenn Ihr es nicht hinbekommt, wenigstens Zitate sauber abzuschreiben – geschweige denn, korrekt zusammenzufassen, was jemand inhaltlich sagen wollte, bevor Ihr das kritisiert – dann kann man sich die ganze Veranstaltung sparen. Die Fakten zurechtbiegen, da ist das Falschzitieren nicht das geringste Mittel, sondern das wichtigste.
    Ein anderes Mittel ist, seine Ausführungen mit Links auf Artikel zu untermauern, die titeln “Günter Grass’ seltsames Verhältnis zu den Fakten”, und die dann Zwischenüberschriften schreiben wie “Es gibt keine Planspiele”.[1] Vielleicht war das mit der “faktenfreie[n] Welt” aber auch nur ironisch gemeint, weil diese Lächerlichkeit nun gerade in der zuweilen faktenfreien Zeitung “Die Welt” stand.

    Und wenn man auf solcher Grundlage dann “so viele Komponenten einer antisemitischen Bilderbuch-Wahnwelt” wiederfindet, dann weiß man, dass man händeringend nach den Komponenten gesucht hat, die man haben wollte.
    Wenn Augstein (oder “dieses antisemitische Geschwätz”) schuld ist, dass Broder ein Rechtspopulist ist, dann hat man aber dringend einen Grund gesucht, Broders, ähm, Positionierung zu verteidigen.

    Was soll das überhaupt heißen?
    Was, wenn nicht diese Imagination des Erlösers vom israelischen Übel, diese Paraphrasen von “Wahrheit macht frei” und “Die Juden sind unser Unglück” soll Antisemitismus denn sonst noch sein?
    Die Paraphrase auf “Die Juden sind unser Unglück” hat Gensing schon als großen Tusch zum Abschluss seines Kartoffelschältextes vorgetragen: “Israel ist unser Unglück.” Ich habe dort schon auf falsche (Grass-)Zitate hingewiesen und betont: “Grass ist weder Heinrich von Treitschke, noch Julius Streicher.” Das zu unterstellen relativiert den historischen Antisemitismus (genau, das ist der mit Auschwitz) zugunsten des sekundären Antisemitismus.
    Und dann steht da noch “Wahrheit macht frei”. Echt? Augstein und Grass bringen Paraphrasen von “Wahrheit macht frei”? Seid Ihr Verfechter der unendlichen Verschiebung von Zeichen und Bezeichnetem, oder habt Ihr bloß vergessen, wovon “Wahrheit macht frei” die infame Abwandlung ist?

    Aber zum Abschluss wird es ja nicht besser, sondern absurder! Aus der Parallelisierung, dass “diese Linke so weit von einer vernünftigen Politik- und Gesellschaftsanalyse entfernt wie Mahmud Ahmadinedschad von der friedlichen Nutzung der Atomkraft” sei, lässt sich ja ohne weiteres entnehmen, dass “diese [Austeinsche] Linke” eine total vernünftige Politik- und Gesellschaftsanalyse beherrsche. Man muss dazu nur zugeben, dass “Ahmadinedschad von der friedlichen Nutzung der Atomkraft” nur ein ganz kleines Bisschen entfernt ist. Er ist ganz dicht dran, so wie der Augstein.
    Aber warum er dafür bombardiert werden muss, das wird deshalb nicht klarer.

    Wenn man sich so aus dem Fenster lehnt, und mit den Springer-Boys in eine Wanne steigt, dann muss man sich richtig Mühe geben, sonst ist man am Ende kein bisschen sauberer als die. Und dafür wurde Publikative.org nicht gegründet, dachte ich.

  9. Jan B. schreibt:

    7. April 2012 at 00:05

    Danke, besser hätte ich das nicht ausdrücken können. Leider hat sich seit damals bereits Jean Améry den linken Antisemitismus als solchen benannt hat, nicht sehr viel getan.

  10. streifenstyle schreibt:

    7. April 2012 at 00:37

    Bedauerlicherweise führt Herr Augstein nicht aus, wie jener “Druck” auszusehen habe, der “jetzt endlich auch auf Israel” auszuüben wäre.
    Wer wohl in den autoritären Phantasien eines linksliberalen Deutschen den Judenstaat unter Druck setzen soll ?

  11. hegtz schreibt:

    7. April 2012 at 02:56

    Sehr guter Artikel. Die lächerliche Selbststilisierung, dass man ja nur das ausspreche, was gesagt werden müsse, und Verschleierung jeglicher Fakten ist so dermassen perfide, dass sie anscheinend so dumm ist, um beim Stammtisch jeder Coleur Anschluss zu finden.

    Augstein, der ja in seiner Kolumne nichts unversucht lässt, um als CSU-naher Deutscher rüberzukommen, zeigt mit seinem aktuellen Beitrag zum Diskurs, wo er steht: überall, nur nicht links.

  12. Dennis K. schreibt:

    7. April 2012 at 06:08

    Spätestens der letzte Satz – eine Parteinahme zu Gunsten Broders – zeigt, woher der Wind hier weht.

    Und ich gebe Jörg Tauss (wenn er’s wirklich ist) vollkommen Recht – das Erbärmliche an dieser Debatte ist, dass sowohl Grass als auch Augstein bewusst oder aus Verblendung (oder wegen beidem!) falsch verstanden werden. Dass jedes ihrer Worte so negativ wie irgend möglich interpretiert wird, um durch diese als Wahrheit verkaufte Interpretationen dann doch noch den bösen Antisemiten zu erstellen, den man sich so hersehnt.

    Ja wo gefährdet Israel denn den Weltfrieden? Vielleicht dadurch, dass sie offen einen Angriffskrieg gegen den Iran planen?!? Vielleicht dadurch, dass sie ein angebliches Kernwaffenprogramm des Iran als Kriegsgrund sehen, dabei aber selbst bekanntermaßen über Kernwaffen verfügen (oder will das noch irgendwer bezweifeln?!?)?

    Natürlich sind die jüdischen Lobbygruppen nur eine Gruppe von vielen im US-amerikanischen Wahlkampf – aber sie sind eine. Vermutlich nichtmal die Mächtigste (da dürften die Waffen-, Öl- und Tabaklobby noch stärker sein, von den Religiösen mal ganz ab…), aber sie sind eine Lobby, die man recht leicht auf die eigene Seite ziehen kann, indem man aktionistisch zum Vorteil Israels handelt, wie es die USA leider seit jeher tun.

    –> Gegen kein anderes Land sind so viele Sanktionsmaßnahmen durch die UN-Sicherheitsrat eingeleitet und durch ein Veto geblockt worden wie gegen Israel. Und das ist einfach Unrecht – es kann und darf nicht sein, dass sich einige Länder derartiges Unrecht erlauben können, weil sie wissen, dass sie den Rückhalt der Veto-Macht USA haben.

    Die Siedlungspolitik Israels als Haupt-Kritikpunkt würde in jedem anderen Land sofort zu Sanktionen führen – warum nicht hier?
    Die Atomwaffenpolitik Israels (geheimes Programm, keinerlei Kontrolle) würde, wenn andere Länder sie betreiben würden, sofort als Kriegsgrund ausreichen – aber Israel darf das. Warum?!?
    Der Fall Mordechai Vanunu würde – spielte er in China – sofort zu einem neuen Liu Xiaobo oder Ai Weiwei werden. Aber Israel wegen diesen massiven Menschenrechtsverletzungen anzuklagen heißt wieder direkt, als Antisemit beschimpft zu werden. Warum zur Hölle?!?

    Dieser Blog hier ist und bleibt einseitig Pro-Israelisch. Damit hätte ich kein Problem, würde es offen erkennbar auf der Seite proklamiert werden. Aber der Versuch, immer so zu tun, als sei man “neutral” und würde nur die bösen Antisemiten enttarnen, während man in Wirklichkeit nie ein Wort der Kritik zur israelischen Politik äußert und jeden Kritiker direkt als Antisemiten bezeichnet ist einfach unter aller Sau.

    Ihr messt mit vielerlei Maßen – und dagegen werde ich hier immer anschreiben.

  13. Dennis K. schreibt:

    7. April 2012 at 06:29

    Ach, und weil es auch hier nochmal gesagt werden muss:

    Die inhaltlichen Meinungen von Grass und Augstein werden auch in Israel von linken Juden exakt so vertreten – der Vorwurf des Antisemitismus ist auch daher unhaltbar.

    Es gibt gerade in den linken Teilen des israelischen Volkes viele Menschen, die eine immense Angst davor haben, dass “ihre” Regierung nun in den Krieg mit dem Iran zieht und die dagegen protestieren.

    Würde man diesen Leuten Antisemitismus vorwerfen – oder auch nur Antizionismus? Letztes vielleicht schon, denn es gibt auch genügend jüdische Antizionisten, gerade im linken Bereich. Aber für diesen Blog scheint ja weiterhin die Gleichsetzung zwischen Antizionismus und Antisemitismus zu gelten, bewusst verkennend, dass Antizionismus viele Gründe fern des Antisemitismus haben kann.

    Aber was soll ich mir hier die Finger Wund tippen. Hier will man einfach jede Kritik an der israelischen Regierung, die nicht durch die Blume ausgesprochen wird, als Antisemitismus verkaufen. Wäre ich so bemüht, jeden Beitrag hier zwanghaft negativ antilinks zu interpretieren, wie ihr es hier mit Grass und Augstein tut, könnte ich auch sagen: “Die Publikative ist ein antilinker Blog!” – Belege, so wie ihr sie hier anführt, könnte ich dazu genug sammeln – wenn ich ebenso bösartig interpretiere und diese Interpretationen als Wahrheit verkaufe, wie ihr das tut.

    Ihr malt den Antisemitismusteufel so oft an die Wand, dass euch die Farbe ausgegangen sein wird, wenn die richtigen Antisemiten schließlich auftauchen. Ihr bezeichnet so oft aus politischer Verblendung die Falschen als Antisemiten, dass euch niemand mehr rufen hören wird, wenn ihr die richtigen anklagt. Wenn das euer Weg sein soll – bitte. Für mich wird es langsam Zeit, den RSS-Feed zu diesem Blog abzubestellen, denn die Glaubwürdigkeit der Inhalte allgemein sinkt mit jedem Antisemitismus-Fehlalarm immens.

    So lange Leute dafür als Antisemiten deklariert werden, dass sie die Meinung der israelischen, teils jüdischen Linken vertreten, so lange kann ich diesen Blog nicht ernst nehmen.

    Daher nochmal der Aufruf:
    Berichtet endlich Neutral über den Nahost-Themenbereich oder schreibt euch wenigstens eure einseitige Meinungsmache auf die Fahne, so wie es alle anderen Extremisten tun, statt euch hinter einem vermeintlich neutralen Recherche-Blog zu verstecken.

  14. schreibt:

    7. April 2012 at 07:48

    @gurkenkaiser: Stichwort Entebbe: Entebbe war nur für einige „intellektuelle Außenseiter“ wie Wolfgang Pohrt, Eike Geisel und Christian Schultz-Gerstein ein Grund, anhand der Vorfälle das Verhältnis der deutschen Linken zum Antisemitismus kritisch zu betrachten oder sich ganz von der Linken zu distanzieren. Eine breitere Auseinandersetzung in der Linken fand erst deutlich später statt und prägte die Diskurse, welche von der Strömung der Antideutschen neu angestoßen wurden.http://de.wikipedia.org/wiki/Operation_Entebbe#Auswirkungen_in_der_linken_Szene

  15. Heinrich schreibt:

    7. April 2012 at 08:27

    Och bitte…! Man kann ja viel zu Augstein und Grass sagen, aber darüber dass ihr ausgerechnet Broder als Kronzeugen anführt kann ich nur den Kopf schütteln.

    Man kann seine Ergüsse ja gut lesen, wenn einem im Aldi die türkische Mutti mit Kopftuch mal wieder die letzte Milch weggeschnappt hat, aber was hat er denn in einer ernsthaften Debatte zu suchen?

    Als nächstes führt ihr als Beispiel für die Bewegungen im Links-Rechts-Schema noch Horst Mahler an, oder wie…?!

  16. l schreibt:

    7. April 2012 at 09:11

    die frage war, ob broder ein getriebener ohne eigenen willen war und ist? inwieweit rechtfertigt entebbe den rassismus broders?

  17. schreibt:

    7. April 2012 at 09:28

    @Dennis: Wo haben wir Antisemitismus gerufen, als der Innenminister Israel kritisierte? http://www.dw.de/dw/article/0,,15822862,00.html

    Sie sprechen von Nahost, wir von Deutschland, Sie sprechen von der israelischen Linken, wir von der Deutschen, Sie sind Israelkritiker, wir kritisieren die Verhältnisse in Deutschland. Sie werfen uns vor, uns mit Broder gemein zu machen – und verteidigen Grass, der – vollkommen angemessen – Beifall von der NPD bekommt.

    Glauben Sie, Antisemitismus fängt erst dann an, wenn Juden in die Gaskammern getrieben werden? Wer 40 Jahren Diskurs zum Thema Antisemitismus einfach ausblendet, kann mit solchen Fragen nichts anfangen, klar. Haben Sie sich einmal ernsthaft mit sekundärem Antisemitismus beschäftigt? Ist die Mehrheitsgesellschaft immun gegen Antisemitismus und Rassismus, weil sie gegen Nazis ist?

    Nein, natürlich nicht. Und deswegen wurde dieses Blog erweitert – und wir sind mit dieser Entscheidung sehr zufrieden. Dass wir dabei auch Leser verlieren werden und uns viel Kritik einhandeln, war uns klar, doch wer sich ernsthaft mit allen Formen der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit auseinandersetzen will, macht sich eben nicht nur Freunde.

    Wer nur von der NPD sprechen will, schweigt vom Rassismus und Antisemitismus der Mitte.

    Gruß
    Patrick Gensing

  18. bibi schreibt:

    7. April 2012 at 09:53

    Nun ja.
    Es gibt israelische Stimmen,die Grass`Äußerung 8wenn auch nicht in allen Punkten unwidersprochen begrüßen.Innerhalb der jüdischen Diaspoara gab es bereits viele Stimmen,die Netanjahus Politik und den massiven Einfluss der AIPAC auf die amerikanische Politik in einem ähnlichen Wortlaut thematisieren.
    Auch im Iran gibt es eine Opposition.Netanjahu spielt innenpolitisch keine grosse Rolle.
    Wen also muss man stärken?Die Kriegstreiber oder die seit langer Zeit um Ausgleich bemühten Bewegungen?
    Und: gab es eine ähnlich erregte Diskussion über die kürzlich veröffentlichte deutsche Anti-Semitismus-Studie? Was haben Fragen um Staatsrecht,Politik,Rüstung mit unserem kollektiven Bewußtsein zu tun?

  19. schreibt:

    7. April 2012 at 10:42

    Mal ab davon, dass ich diesen Text als ersten vernünftigen zu diesem Thema bei euch werten würde, weil der Augstein da wirklich schmierfinkte – ist es falsch, an Journalisten, die in ihrem anderen Leben für eines der letzten TV-Politmagazine arbeiten, den Anspruch zuerheben, das Thema mal etwas mehrdimensionaler anzugehen? Spricht man z.B. mit Deutschiranern, deren Eltern vor Khomeni geflüchtet sind und die Urlaub in Israel machen, weil sie das Land mögen, sieht die Sache völlig anders aus. Die haben Angst davor, dass ihre Freunde und Verwandten im Iran ähnlich platt gemacht werden könnten wie die Nachbarn im Irak. Und das von den USA. Die hassen Achmadineschad wie die Pest, verweisen jedoch auf eine hoch differenzierte, innenpolitische Lage, und verweisen im Falle des Atomprogramms eher darauf, dass das ja auch dazu könnte, vor Angriffen zu schützen – und dass Achmadineschad seine schwer angeschlagene Position auch dadurch stützen könne, indem sich alle fragen,wieso denn nun Frankreich die Atombombe haben solle, aber nicht eine traditionsreiche Regionalmacht wie Persien, das zwischen Irak und Afghanistan liegt, und gleich dahinter kommt Pakistan. Was mit einer Konstanz ignoriert wird sind die Sicherheitsinteressen des Iran und seiner Bevölkerung. Ich fände ein iranisches Atomprogramm auch äußerst beunruhigend, auch wegen Israel, aber diese Vorstellung, dass einfach ein paar Bekloppte in Teheran sitzen, die den ganzen Tag nichts anderes im Kopf haben als Juden zu vernichten, die ist ein Think Thank-Gewächs zur Kriegsvorbereitung und Stabilisierung der von Bush dann implementierten Sichtweisen, die den alten Blockgegensatz ersetzen halfen. Und natürlich der Nährboden ist für exakt jenen antimuslimischen Rassismus, den ihr hier sonst kritisiert.

    Indem nun aber wieder nur über Israel geredet wird, verschwinden diese Zusammenhänge völlig. Würde euer Blog weltpolitisch eine Rolle spielen, würdet ihr gerade Achmadineschad stützen, weil ihr die ganzen postkolonialen Fragen, also z.B. den Einfluss der USA und Großbritanniens auf die Geschichte der iranischen Innenpolitik, gar nicht statt finden lasst und stattdessen Israel in einer innenpolitischen Situation instrumentalisiert. Genau das nährt doch dessen Macht, dass das weltweit passiert. Und das zu einem Zeitpunkt, da die Grüne Revolution noch gar nicht so lange her ist, die dieser Despot mit Hilfe von Bürgerwehren vom Lande, die er wirtschaftlich stützt, niedergeschlagen hat. Ich würde von euch schon erwarten als Journalisten, die Zugang zu ganz anderen Distributionskanälen haben, so was mal zu fecherchieren, selbst wenn alles grober Unfug sein sollte, was ich hier gerade schreibe.

    Auch dieser Scheiß mit dem Südafrikaner weiter oben entsteht doch auch, weil “vom Westen”, also bestimmten politischen Kreisen, seit dem 6-Tage-Krieg Israel in eindeutig postkolonialen Konstellationen ständig instrumentalisiert wird. Das würde auch passieren, wenn da ganz andere Kräfte als Netanjahu am Ruder wären, weil es so schön praktisch ist, Juden immer wieder als Sündenbock an die Front zu schieben und dann darüber zu feixen, dass allerlei Diktatoren das Angebot dankend annehmen. Die eigentliche Frage ist doch, wie man die durchaus existente Opposition im Iran stützt.

    Solche Fragen verschwinden völlig, wenn ihr hier auch noch diese unsägliche “Antiimp”-Rhetorik übernehmt.

    Meines Wissens hat sich Broder übrigens rund um den Irak-Krieg von Papa Bush, da ja tatsächlich Scut-Raketen auf Israel fielen, von “der Linken” distanziert, damals ja durchaus brilliant? Er alterte dann schlecht, als er Daniel Pipes und solche nachäffte; das könntet ihr aber ja vielleicht mal bleiben lassen und auch den existenten sekundären Antisemitismus mal zu kontextualisieren, so als Journalisten, anstatt nun in Neocon-Rhetorik zu verfallen.

  20. Blak schreibt:

    7. April 2012 at 12:18

    Ich verstehe die Aufregung um Grass echt nicht.

    Israel ist ein befreundetes Land, und es ist völlig
    normal, das man sich um einen Freund sorgt.

    Wenn ein Freund schreckliche Fehler begeht (Siedlungspolitik, geplanter Angriffskrieg, womöglich atomar), dann muss man seinem Freund doch sagen,
    das er da grad Mist baut, oder?

    Was ist daran antisemitisch?

    Blak

  21. Daniel Domeinski schreibt:

    7. April 2012 at 16:09

    @Publikative.org

    Der Satz
    “Sie werfen uns vor, uns mit Broder gemein zu machen – und verteidigen Grass, der – vollkommen angemessen – Beifall von der NPD bekommt.”,
    verrät viel über das geistige Niveau der Autoren dieses Blogs.
    Man könnte sich nun auf diese Ebene herunterlassen und entgegnen, dass auch Broder schon Beifall von der NPD bekommen hat. Diese “Argumentation” ließe sich trefflich umdrehen, in dem man behauptet, das Publikative.org und PI-News gleichzusetzen sind, da beide das heutige Verhalten von Grass auf seine Mitgliedschaft bei der Waffen-SS zurückführen. Zielführender erscheint es mir jedoch, dem Gensings eigenes Fazit entgegenzuhalten: “Wer nur von der NPD sprechen will, schweigt vom Rassismus und Antisemitismus der Mitte.” Deshalb reicht es nicht Grass vorzuwerfen, dass er von der NPD “Beifall bekommen” hätte. Die Causa Grass lässt sich mit dem peinlich oberflächlichen Kindergarten-Antifaschismus a la Publikative.org nicht erfassen. Antidemokratische Rechte gibt es bei den Befürwortern als auch den Gegner von Grass und die Reaktionen der Neonazi-Szene sind vielfältiger, als es hier suggeriert wird.

  22. neuer Leser schreibt:

    7. April 2012 at 17:48

    1.
    Die “Israel-Kritik” (deutscher) linker Kreise hat in den letzten Jahren – ob willentlich oder nicht sei erstmal dahingestellt – auf gefährliche Weise Positionen der “Israel-Kritik” deutscher rechter Kreise übernommen. Während Israel zur Zeiten des Kalten Krieges aus Sicht linker Kreise “bloß” ein willfähriger Handlanger der “imperialistischen” US-Außenpolitk im Nahen Osten war, sind es heute “die Juden” und die Israel-Lobby, die die US-Außenpolitik in diesem Teil der Welt diktieren. Schlimmer als diese rechte Verschwörungsphantasie ist allerdings, dass linke Kreisen Israel heute eine rassistische Vernichtungspolitik gegen die Palästinenser vorwerfen (http://bak-shalom.de/index.php/2009/01/12/alles-nur-israelkritik%E2%80%A6/, http://www.zeit.de/politik/deutschland/2011-05/linkspartei-antisemitismus-studie) und diesen Staat damit in die Nähe des “Dritten Reichs” rücken. Mit solchen Argumentationsmustern mutiert die “Israel-Kritik von links” unfreiwillig zum Stichwortgeber relatvierender gesichtspoliticher Diskurse von rechts. Es ist doch kein Wunder, dass Grass auf rechter Seite abgefeiert wird. Grass’ “freundschaftliche Warnung” an Israel geschieht nicht trotz (“darf man das als Deutscher?”) des Holocausts, sondern gerade weil es den Holocaust gegeben hat. Die pathetische Überbetonung ewiger deutscher Schuld verbunden mit der Formulierung von der “Auslöschung des iranischen Volkes” erwecken zumindest bei mir einen ganz üblen Nachgeschmack, womit ich beim zweiten Punkt angelangt wäre.

    2.
    Herr Gensing hat absolut recht: Grass geht es nicht um Israel, sondern um Deutschland. Er lotet mit seinem “israel-krtischen Gedicht” die Grenzen des Erlaubten aus. Dies hat persönliche und nicht persönliche Gründe. Fakt ist jedoch, dass er nichts Neues beizutragen hat und dass er kein Tabu bricht, schließlich wird der Staat Israel täglich kritisiert, und zwar in Israel selbst. Wenn Grass allerdings schreibt, “er habe zu lange geschwiegen”, heißt das nichts anderes, als dass in Deutschland zu lange geschwiegen wurde. Warum sonst ließ er dieses “Gedicht” veröffentlichen? Ginge es Grass ausschlißlich um Grass’ persönliches Befinden in dieser Angelegenheit, wäre dieses “Gedicht” in der Schublade verschwunden. Nein, Grass geht es um das (angebliche) Schweigen in Deutschland, mit dem “endlich” Schluss sein müsse – nur zu welchem Zweck? Wäre Grass ehrlich gewesen, hätte er dies auch klar und deutlich gesagt.

    So diffus Grass’ “Israel-Kritik” ist, so diffus wird auch weiterhin über Israel und die irsaelbezogene Debattenkultur in diesem Land debattiert werden. Dies ist – auch wegen des uninspirierten Inhalts dieses “Gedichts” – kein tatsächlicher Fortschritt. Vielmehr werden sich jetzt jene wieder aus ihren Löchern trauen, die Israel schon immer mal die Meinung geigen wollte. Möllemann, Hohmann, Walser und jetzt Grass – die Liste der Stichwortgeber und “Tabubrecher” ist bunt.

    Das Auffälligste an der deutschen “Israel-Kritik”, unabhängig ob von rechts oder links oder aus der Mitte der Gesellschaft, ist, dass sie sich ausschließlich auf den israelisch-palästinensischer Konflikt, Israels Regionalpolitik und die Israel-Lobby in den USA beschränkt und dass mal mehr oder weniger deutlich, jedoch immer, der Holocaust im Hintergrund mitschwingt.

    Kein “Linker” kritisiert die etwa horrenden Lebenshaltungskosten in Israel, die viele alte Menschen mit ihren niedrigen Renten in die Obdachlosikgeit oder in die “Taffeln” treiben. Kein selbsternannter rechter “Lebensschützer” kritisiert die Stammzellenforschung in Israel mit ihrer industriellen Heranzüchtung und Abtötung von Embryonen, während hier im Bundestag leidenschaftlich darüber gestritten wird. Nein, es geht immer nur um Israels strategisches und militärisches Verhalten in der Region. Nur das interessiert.

    Die “Israel-Kritik” in Deutschland ist verlogen in ihrer nonothematischen Beschränktheit, oberflächlich, ideologisch motiviert – und vor allem, oder gerade deswegen, schlichtweg irrelevant. Und am Ende wird wieder deutlich, dass man in Deutschland mit sich noch lange nicht im reinen ist und andere deshalb belehren will. So wie Günter Grass.

    Was ich mal sagen musste.

  23. schreibt:

    8. April 2012 at 01:31

    @ER (Erbloggtes)

    Der Augstein`sche Hauptsatz lautet:

    “Mit der ganzen Rückendeckung aus den USA(…),führt die Regierung Netanjahu die ganze Welt am Gängelband eines anschwellenden Kriegsgesangs.”, Ende.

    …Damit hat jener Herr Augstein alles gesagt: vollkommen unabhängig von Ihrer nihilistischen Ereiferung über weitere Deutungen der restlichen Inhalte des Hauptsatzes etc.

    Augstein schrieb` nichts Anderes, was jeder kleine Antisemit und vom Anti-Amerikanismus zerfressene Deutsche in seinem “antiimperialistischen” Neu-Speech nicht auch schreiben würde. – Das sind alles alte Hüte! Und Lobby-Gruppen, egal ob aus Juden oder Gartenzwergen und in den USA oder hinter den Sieben Bergen beheimatet, ändern nichts an den kundgetaenen Zielen des Iran und bzgl. den USA und Israel. Bei einem schiitisch-atavistischen System, dessen Basis auf dem Märtyrer-Tod “…im Wege Ali`s, Hassan und Hussein” (schiitischer Kalif und Söhne) basiert, wird doch Israel nicht zugucken, ehe seitens dieses “Staates” (Iran) eine Position erreicht wird, die es quasi dem “Märtyrer” erlaubt, Israel vernichten zu können, wobei es ihm (dem “Märtyrer”) dabei herzlich wenig interessiert, was wir hier schreiben. – Was ein Grass und ein Augstein schreiben, bringt ihm lediglich seinem Ziel näher.

    Ich halte Sie, Augstein und Grass und mit dem was Sie schreiben – und vor allem WIE sie es schreiben -, für vollkommen dekadente und wortverliebte Spinner, denen es überdies an jenem Maß Bildung hinsichtlich des Iran mangelt, um sich überhaupt ein Bild machen zu können. Bei Grass käme hinzu, sich keine weiterführenden Gedanken über “Maulhelden” gemacht zu haben, OBWOHL er selbst einmal einem “spirituellen” schwarzen Orden angehört hat, dessen Mitglieder bzgl. der Juden keine Maulhelden waren. – Nun unterscheidet sich nicht viel zwischen jener schwarzen “Spiritualität” der Nazis und der Schiitischen sowie hinsichtlich Israels und den Juden – außer vielleicht die Sterbebereitschaft Jener, die man im Iran sicherlich nicht im Fernsehen zeigen wird.

    Letztendlich weiß ich gar nicht, was Sie, Grass und jener Augstein sich eigentlich bzgl. Israel und seiner Sicherheit anmaßen; hinsichtlich Dessen was Sie schreiben – auch unter Ihrem Blog – bleibt` es für mich im Dunkeln, was Sie überhaupt wollen.

  24. schreibt:

    8. April 2012 at 12:47

    @Axel Milius:

    Beschäftigen Sie sich doch bitte erst mal mit dem politischen System des Iran, bevor Sie hier so einen PI-förmigen Schwachsinn verbreiten – und das muss man Publikative vorwerfen, diese Geister zu rufen. Das System dort ist zweifelsohne Scheiße, dikatorisch und zutiefst patriachal, aber ihre morbiden Fantasien und feuchten Träume bzgl. der Wirkung der schiitischen Religion sind im Falle der Realpolitik dieses üblen Antisemiten Ahmadineschad nicht zutreffend, so weit ich informiert bin.

    “Antiamerikanismus” ist auch so ein Slogan aus der Mottenkiste der politischen Demagogie, der wie alles in dieser Diskussion einfach das reproduziert, was schon das Machwerk von Grass so empörend macht – diese mit Übertreibungen und falschen Behauptungen agierende Simplifizierung hochkomplexer Zusammenhänge. Mit Unsinn wie “Maulheld”, der Unterstellung nuklearer Erstschlagspläne, des Staates Israels als Gefährdung des Weltfriedens wie auch der Dreistigkeit, Israel die Absicht unterzuschieben, das iranische Volk ausrotten zu wollen, bewegt sich Grass ungefähr auf dem Niveau ihres Geschreibsels hier. Ja, der Herr aus Teheran hat jede erdenkliche brutale Rhetorik in Richtung Israel ausgestoßen, weil er den äußeren Feind braucht, um seine alles andere als sattelfeste Macht im Innern zu sichern und bedient dabei antikonloniale Reflexe wie auch einen in Teilen der Bevölkerung existenten Antisemitismus.

    Man muss sich nur die iranische Bevölkerungsstruktur etwas genauer anschauen, um zu erkennen, dass es da auch sehr viele andere gibt, die schlicht Angst haben, etwas zu verlieren, die aber ganz anderen Einflüssen folgen – it’s the economy, stupid.

  25. swisscomment schreibt:

    8. April 2012 at 13:11

    Das Problem liegt wohl darin, dass,um Israel zum Hauptschuldigen im Iran-Konflikt zu machen, die Israel-feindlichen und staatlich geförderten Aeusserungen und Demonstrationen in Iran als “Maulheldentum”, das kein vernünftiger Mensch ernst nimmt, bezeichnet werden müssen.

    Als “kleiner” Irankenner (ich habe im Land gelebt) glaiube ich zwar, dass Grass und Augstein hier Recht haben, gleichzeitig finde ich etwas schwierig für jemanden, der für die Sicherheit Israels verantwortlich ist, unter den gegebenen Umständen (Urananreicherung, Bau Mittelstreckenraketen) etc. einfach nicht zu reagieren, da das Ganze ja ohnehin nur infantiles innenpolitisches Säbelrasseln eines populistischen Präsidenten, der mit seinem Chef Khamenei Probleme hat, ist.Wenn sich Ahmadinejad als Präsident eines 70-Millionen-Landes als Maulheld aufführt, der nicht verhindert, dass die Rückeroberung von Al-Ghods zumindest in halboffiziellen Demonstrationen gefordert wird, dann wäre er zumindest bei einem Schlag gegen seine Atomanlagen der Hauptverantwortliche. Aussenpolitik ist nicht Kleinkindererziehung, wo man die Kinder ihren Blödsinn schwatzen lässt.

    Und das weitere Problem ist, dass Grass unterstellt, Israel werde Atomwaffen gegen Persien einsetzen und die Zivilbevölkerung töten. Wenn so etwas geschähe, dann wäre die Regierung Netanjahu hoch kriminell. Vorläufig spricht man aber von einem punktuellen Angriff auf Atomanlagen. Ich finde die Idee eines solchen Schlages gegen Persien sehr schlecht, weil ich ziemlich überzeugt bin, dass Iran und Israel, die beide von ihren arabischen Nachbarn als Fremdkörper empfunden wären, kein Interesse an einem Konflikt, der dem sunnitichen Islamismus Auftrieb bringen wird, haben, und ich weiter überzeugt bin, dass fast allen Persern die Existenz von Israel piepegal ist, die meisten wissen gar nicht, wo Israel liegt. Im Übrigen ist der Antisemitismus in Persien auch viel weniger ausgeprägt, als zum Beispiel im Maghreb, weil die Juden in Persien nie mit einer Kolonialmacht identifziert wurden.

    Dass aber Israel nicht mit der gleichen Gelassenheit auf die Zündeleien Ahmadinejads reagiert, wie ich das tun würde, ist auch nicht ganz unverständlich. Und das haben Augstein und Grass wohl etwas zu wenig bedacht. Aber so schlecht, wie er hier gemacht wird, war Augsteins Artikel nicht. Das Gedicht von Grass war hingegen so grottenschlecht, dass man sich fragen muss, welche Qualitätskriterien die SZ anwendet.

    Die Einreisesperre gegen Grass ist wohl auch ein bisschen infantil

  26. schreibt:

    8. April 2012 at 15:44

    Ich denke nicht, swisscomment, dass Grass oder Augstein versucht haben, “Israel zum Hauptschuldigen im Iran-Konflikt zu machen”. Grass hat appelliert: Netanjahu, mach keinen “Präventivschlag” gegen iranische Atomanlagen! Und dann hat Grass noch ganz schön drum herum geschwurbelt. Grass befürchtet offensichtlich, dass auf einen punktuellen Angriff auf iranische Atomanlagen ein “Flächenbrand” folgen könnte, an dessen Ende Israel Atomwaffen einsetzt (mit dem Einsatz von Atomwaffen gleichgesetzt wird wohl “Zivilbevölkerung töten”).

    Aber das gilt ja manchem hier – Ihnen wohl nich, swisscomment – als nihilistische Ereiferung vollkommen dekadenter und wortverliebter Spinner über “weitere Deutungen” neben der einzig wahren Bedeutung. Da die Spinner die einzige Wahrheit nicht bekennen, bleibt wohl auch im Dunkeln, was sie überhaupt wollen. Denn letztlich kommt es ja nur darauf an, die richtige Gesinnung lauthals vor sich her zu tragen. Argumente sind ohnehin nur eine verwirrende Erfindung gesinnungsloser Nihilisten.

  27. Manny schreibt:

    8. April 2012 at 18:53

    Da ist mir zuviel non sequitur im Text, zuviel hinzugedacht, hinzuprojiziert. Diese Tendenz, auf eine Position noch Polemik hinzuzuwerfen, und sich dann über die hinzugeworfene Polemik zu echauffieren, das ist einfach intellektuelle Nachlässigkeit.

    Für den Freitag Herausgeber geht es nur um die Friedensfrage und da droht derzeit der Staat Israel, selbst illegale Atommacht, dem Iran einen militärischen Schlag gegen die Atomanlagen an, mit möglichen Folgen der nuklearen Verseuchung und Eskalation im Nahen Osten. Und die Bundesregierung liefert auch noch Uboote für Atomraketen an Israel. Dabei ist die Unterstützung eines Angriffskrieges strafbar.

    Selbst wenn der Iran Atomwaffen hätte, was hiesse das denn? Es stimmt doch einfach nicht, dass der Iran Israel angreifen möchte. Nun kannst du sagen, Iran unterstützt die Palaästinenser. Die anderen Staaten unterstützen die gezielte Tötung iranischer Atomwissenschaftler.

    Denn: Es ist nach Augstein Jr. einzig und allein Netanjahus fünfte Kolonne, in Kooperation mit der militärischen deutschen Vergangenheitsbewältigung, die “die ganze Welt am Gängelband” führt.

    Das hat er nicht behauptet. Das stammt von Deiner Lesart.

    Wer sich fragt, warum Henryk M. Broder und andere sich vor Jahren angewidert von der deutschen Linken abwandten und heute nur noch als “Neocons” gelten, der findet in Augsteins Text die Antwort:

    Ganz einfach, weil seine Polemik auf der Linken ausgelutscht war, und er es mal mit was anderem probierte.

    Was, wenn nicht diese Imagination des Erlösers vom israelischen Übel, diese Paraphrasen von “Wahrheit macht frei” und “Die Juden sind unser Unglück” soll Antisemitismus denn sonst noch sein?

    Auch das stammt von Dir. Folgt man dir, dann kann Israel nie falsch sein. Da wird man zum blinden Weggefährten der Rechtsaussen-Regierung Israels, und fällt der israelischen Friedensbewegung, der israelischen Linken in den Rücken.

    Antisemitisch ist Dein Philosemitismus und deine Projektion des Antisemitismus, nicht Augstein und sein Resonanzboden, wo Du Deinen Antisemitismus hinzugeträumt hast.

  28. schreibt:

    9. April 2012 at 05:40

    @momorulez

    In so weit sind Sie eben falsch bzw. gar nicht informiert, sofern für Sie die „Wirkung der schiitischen Religion (…) im Falle der Realpolitik dieses üblen Antisemiten Ahmadineschad“ nicht zutrifft oder zutreffen würde. Es ist u.A. die Unkenntnis über den religiösen Ablauf innerhalb von politischen Entscheidungen im Iran, die Intellektuelle in Deutschland veranlasst, über die iranische Politik zu schreiben, als schrieben sie über China, Freiheits-und Bürgerrechte oder einen sog. „arabischen Frühling“. Die schiitische Religion bzw. die schiitische Ausrichtung innerhalb eines sunnitisch dominierten Islam, ist im schiitischen Iran und nach Ayatollah Khomeini buchstäblich DIE KARDINALSFRAGE. – Diese zu verstehen ist keine Frage des PI-förmigen Schwachsinns. Sofern also von einem Ahmadineschad als „Maulhelden“ die Rede ist, so sollte man wissen, welche Kräfte – in Form der iranischen Armee, der „Revolutionsgarden“, der „Pasdaran“, der „Hisb`allah“, des „VEVAK“ (iranischer Nachrichtendienst) und vor allem der religiös motivierten Intelligenzia aus den aktiven Revolutionsjahrgängen (der „islamischen Revolution“ / 1979) – jener Präsident hinter sich bündelt und welcher religiösen Doktrin gefolgt wird: Und diese Doktrin folgt nun einmal – ob es uns passt` oder nicht – dem von Khomeini vorgegebenen Diktat, dass Schiiten – bis zur erhofften Wiederkehr des „Mahdi“ (des „entrückten 12. Imam“) und stellvertretend für ihn und SO wie es in der Iranischen Verfassung dargelegt ist – einen „Märtyrerkampf“ zu führen hätten, an dessen Ende notfalls und erhofft der eigene Tod zur Verschmelzung mit den im Iran als Heilige stigmatisierten Söhnen des Ali (Hussein/Hassan) führt.

    – Es handelt sich also durchaus um ein fatalistisch-atavistisches Endzeitsystem, das auf der Welt einmalig ist und eine gesamte Staatsreligion sowie Staatspolitik bestimmt. Überdies ist es Ahmadineschad durch sein Bekenntnis zur Linie Khomeinis jederzeit möglich, jene Großayatollah, die auf eine eventuelle aussenpolitische Mäßigung gegenüber den USA und Israel abzielen, des „Verrates“ an den Zielen der „islamischen Revolution“ zu bezichtigen bzw. durch die Khomeinitreue Geistlichkeit bezichtigen zu lassen, so, wie es bekannter Weise bereits geschehen ist. Wenn also die islamistische Doktrin nicht nur auf die Vernichtung „der Ungläubigen“ oder ihre „Bekehrung zur Konvertierung“ abzielt, sondern überdies offen in Israel „ein Teufel“ gesehen wird, der, post-stellvertretend für die Umayyaden und den Tod von persischen „Märtyrern“ vor hunderten von Jahren, zum vernichtungswürdigen Erzfeind stigmatisiert und dämonisiert wird, und dies aus dem Mund einer anstrebenden Atommacht im 21. Jahrhundert (von einer „schmutzigen Bombe“ nun einmal ganz zu schweigen), dann hat eben ein deutscher „SS-Ästhet“ wie Grass UND als Nobelpreisträger und DEUTSCHES AUSHÄNGESCHILD sein „Maul“ zu halten, anstatt Ursache und Wirkung zu verwechseln und sich als genauso „uninformiert“ wie Sie zu zeigen…

    - Hinsichtlich der Angst innerhalb der iranischen Bevölkerung um ökonomische Mißverhältnisse (durch einen eventuellen Krieg), stimme ich Ihnen natürlich zu, und diese Ängste sich auch durchaus verständlich, bedauerlich und nachvollziehbar – aber auch in diesem Fall sollte man wissen, dass es neben der verstaatlichten Industrie hauptsächlich die Basaris (als ökonomische Basis der Mullahs) sind, die sich nun Sorgen machen. – Aber die haben sich bereits Sorgen während der Schah-Zeit gemacht und darum maßgeblich die „islamische Revolution“ finanziert. – Nun machen sie sich eben wieder Sorgen, da ihr eigenes Protege durch seine Tiraden, seine Einmischung, seine Terrorunterstützung usw. das Land an den Rand eines Krieges bzw. einer militärischen Intervention bringt.

    @Erbloggtes

    „(…) Grass befürchtet offensichtlich, dass auf einen punktuellen Angriff auf iranische Atomanlagen ein “Flächenbrand” folgen könnte, an dessen Ende Israel Atomwaffen einsetzt (mit dem Einsatz von Atomwaffen gleichgesetzt wird wohl “Zivilbevölkerung töten”). (…), Auszug Ende.

    …Na sehen Sie, es geht doch..! – Auch wenn Ihre „Ergänzung“ zu dem, was Grass „offensichtlich“ sagen wollte, von ihm eben NICHT so gesagt wurde, wie es für Sie nun „offensichtlich“ sei. – Hätten Sie das blos einmal eher geschrieben… ;)

    @Manni

    Deine von dir verortete “Linke” in Israel, würde dir für deine Ausführungen – speziell im Kontext zu Grass – mutmaßlich in den Arsch treten, auch wenn sie bzgl. der Siedlungspolitik mit Aussagen der deutschen “Linken” konform gehen würde; natürlich nur so lange, wie ihr in Tel Aviv keine Kassam auf`n Nüschel fällt.

  29. schreibt:

    9. April 2012 at 17:05

    @Axel Milius:

    Meine Quellen habe ich ja genannt, Deutschiraner, die sich häufig im Iran aufhalten und sehr gut in der exiliranischen Szene auskennen u.a, Diplomarbeiten über den Iran geschrieben haben, in denen Effekte des politischen Systems auf Kulturproduktion analysiert wurden – mir schienen da z.B. Analogien zur ehemaligen DDR deutlich zu werden,, und diese schiitische Schriftauslegung, die Sie als Leitfaden der iranischen Außenpolitik ausführen, ist die in den Äußerungen Ahmadineschads denn je aufgetaucht?

    Die apokalyptische Orientierung ist meines Wissens auch der jüdischen Religion, da bitte ich um Korrektur, falls das falsch ist, angelegt, der Missions- und Konvertierungshedanke der christlichen Religion ebenso inhärent,, wozu insbesondere jüdische Mitbürger schaurige Geschichten erzählen könnten, äh … das leitet vielleicht dazu über, dass allerlei US-Christen in Israel gerne ihr Amageddon feiern würden, aber welche Rolle jenseits reinen Machterhaltes und wohl auch identitärer Fragen Religion im Mullah-Staat nun wirklich spielt, glauben Sie, dass Sie das wirklich beurteilen können? Ich kann nur wieder geben, was mir da, siehe oben, berichtet wurde. Und dass lebensweltlich trotz Geschlechtertrennung und Kopftuchzwang in den Städten im Iran das Ganze sehr viel säkularer ist als in Saudi-Arabien zum Beispiel. Mir erschien es sich eher wie im realexistierenden Sozialismus so zu verhalten, dass Religion als formale Ideologie politische Institutionen legitimiert, aber ansonsten ungefähr so viel damit zu tun hat wie das ZK der SED mit Marx. Was im Vatikan ja auch nicht anders ist und eh für Religionsgeschichte typisch: Auf der Kanzel die “soziale Frage” predigen und dann die Vatikanbank betreiben. Gerade im Fall Rushdie finden sich dazu ganz interessante Hinweise im Netz, welche politische Funktion das hatte.

    Was alles nur deshalb kommentierenswert ist, weil frei flottierend insbesondere auch hier bei der vierten Gewalt eine wildgewordene Ideologiekritik rund um das Sujet, bei der dann eher die Frage ist, wer auf der richtigen Seite und wer auf der falschen, betrieben wird, aber jegliche materiale Basis sich steil in idealistischer Luft auflöst. Und das betrifft dann die Frage, wie es denn nun um den Journalismus im Jahre 2012 bestellt ist. In der Tat ist es wichtig, ideologische Muster, Argumentationsweisen etc. zu benennen und zurück zu weisen; die bilden sich aber nicht unabhängig von institutionellen und ökonomischen Ordnungen und Historie. Und während Grundzüge der deutschen Geschichte ja auch hier geläufig sind, macht es ein wenig den Eindruck, als sei unter vermeintlich “antideutschem” Einfluss eine vollständige Entkopplung der Ideologeme von den Interessenlagen der Protagonisten in der Analyse maßgeblich geworden. Weshalb es so attraktiv ist, sich auf Grass zu stürzen, weil man dann politische Analyse wie Literaturkritik betreiben kann, ohne sich z.B. darum zu scheren, in welchen manifesten Interessenkonstellationen sich so eine Debatte auch hierzulande situiert. So blödsinnig und falsch und schlimm ich das Grass-Gedicht finde, der Mann ist ja weder Heerführer noch Industriekapitän noch Waffenhändler.

    Mir macht das schon Sorge, wenn Herr Döpfner und öffentlich-rechtliche Journalisten so an einem Strang ziehen und mir nicht mehr klar wird, wo eigene Akzent gesetzt werden. Auch wenn dann vorsichtshalber noch mal der Sarrazin hinterher geschoben wird. Mir ist das hier gerade alles zu platt.

  30. max schreibt:

    10. April 2012 at 01:03

    publikative: “Glauben Sie, Antisemitismus fängt erst dann an, wenn Juden in die Gaskammern getrieben werden?”

    warum zur hölle, muss man sich diese peinlichkeiten eigentlich ständig geben? ist euch langweilig? das eindrucksvollste an der ganzen debatte ist, dass es keine kleine münze, keine kleinen kaliber mehr zu geben scheint. wer unter nazi/antisemit mit seiner kritik bleibt, der ist ja quasi nur lauwarm. und dass ihr ganz vorne in der reihe der schreihälse steht, wird leider zur tradition.
    manches hier lese ich gerne, aber ich weiß genau, wenn hier was von antisemitismus steht, wird mir übel ob der dummheit, mit der vermeintliche fachkunde, tatsächlich aber klugschwätzende dummheit zur schau getragen wird. der aufklärerische impuls ist null, der inquisitorische dagegen ungefähr 100%.
    ihr habt sie leider nicht mehr alle.
    wo alle faben ausgegangen sind, da gibt es nur noch schwarz und weiß.

  31. Gast schreibt:

    10. April 2012 at 04:02

    Zitat aus einem Kommentar von Patrick Gensing:
    “Sie werfen uns vor, uns mit Broder gemein zu machen – und verteidigen Grass, der – vollkommen angemessen – Beifall von der NPD bekommt.

    Glauben Sie, Antisemitismus fängt erst dann an, wenn Juden in die Gaskammern getrieben werden? (…) Wer nur von der NPD sprechen will, schweigt vom Rassismus und Antisemitismus der Mitte.”

    Und in einem solchen Zusammenhang berufen Sie sich ausgerechnet auf Broder? Hatte der nicht “Beifall” von einem rechtsextremen Massenmörder mit Namen Anders Breivik bekommen? Steht er nicht dem rechten Blog “PI” und dem Rassisten Sarrazin auffallend nahe?

    Und um Ihr polemisches Pathos aufzugreifen: Glauben Sie, Rassismus fängt erst dann an, wenn Muslime in die Gaskammern getrieben werden?

    Warum merken Sie nicht, daß es nicht Rassismus UND Antisemitismus, sondern nur Rassismus gibt, wovon der Antisemitismus lediglich eine “Spielart” ist? Sie schreiben, Sie wollten sich mit Menschenfeindlichkeit befassen und versuchen – wie auch andere Kommentatoren der deutschen Medien in diesen Tagen – ausgerechnet den boshaften Stil des Menschenfeindes Broders nachzuahmen! Von falschen Zitaten bis zu haltlosen Unterstellungen: Das ist einfach unseriös…

  32. schreibt:

    10. April 2012 at 06:41

    @momorulez

    Als Erstes muß ich meiner Verwunderung darüber Ausdruck verleihen, dass Sie sich bei Ihrem Zweifel über meine Aussagen auf Exil-Iraner berufen, die offensichtlich hinsichtlich der religiösen Dominanz innerhalb der politischen Entscheidungen des iranischen Präsidenten, dieser (der Dominanz) keine entscheidende Rolle zurechnen.

    Gerade Exil-Iranern wird wohl bekannt sein, dass sich der iranische Präsident des sog. Taqlid/Fadwa-Wesen befleissigt, also der Einholung eines religiösen “Rechtsgutachten” bei einem Mullah bzw. Ayatollah (“Zeichen Gottes”) seiner Wahl. Ebenfalls müsste Exil-Iranern bekannt sein, dass JEDER gläubige Schiit im Iran einen für sich “personalisierten” islamischen Geistlichen der eigenen Wahl hat, den er zu Fragen des Alltagslebens anfragt, um sich “Gottgerecht” (wie auch immer) zu verhalten. Alle jene Geistlichen haben verschiedene Interpretationen (gespeist aus dem Quran, der Sunna/Hadithe (den überlieferten Aussagen des islamischen Propheten und der islamischen Gemeinde) und INSBESONDERE der “Najuhl Balagha” (den Reden des Ali`s). – Die Geistlichkeit eint dennoch die Ergebenheit gegenüber der “islamischen Revolution” und speziell gegenüber Khomeini.

    Was nun Ahmadineschad anlangt, so erhält er seine POLITISCH-RELIGIÖSEN Richtlinien von und aus jener – und für den Iran als theokratischen Staat nur als “höchst-richterlich” zu bezeichnenden – Quelle:

    http://german.irib.ir/​radioislam/beitraege/​beitraege/item/​149124-ajatollah-islamische​s-erwachen-ausgangspunkt-e​iner-großen-wende

    Diese politischen Zielstellungen sind unabdingbar verwoben mit der “Märtyrer”-Bereitschaft Jener, vor Denen Ahmadineschad bevorzugt seine inner-iranischen Tiraden vom Stapel läßt – übertragen vom iranischen Fernsehen. Ich weiß also nicht, von welchen Deutsch-Iranern bzw. Exil-Iranern Sie sprechen bzw. schreiben, denen wohl Jenes nicht nur nicht bekannt zu seien scheint, sondern überdies Informationen Ihnen gegenüber erfolgen, die Sie dann zu der Frage bewegen: “(…) … diese schiitische Schriftauslegung, die Sie als Leitfaden der iranischen Außenpolitik ausführen, ist die in den Äußerungen Ahmadineschads denn je aufgetaucht? (…)”

    Hinsichtlich des von Ihnen angesprochenen Harmagedon aus der “Offenbarung des Johannes” (Neuen Testament) kann ich nur frotzeln, dass ich für die individuellen Untergangsfantasien einzelner US-Christen nicht “zuständig” bin, die in Israel biblische Orte besuchen. – Überdies finde ich auch Ihren Versuch Analogien zwischen Israel und dem Iran herstellen zu wollen – gerade angesichts Israels als pluralistischen Staat und einzige Demokratie Vorort -, etwas unpassend: bei aller Kritik, die man beim israelisch-palästinensischen Konflikt oder des Siedlungsbaues haben könnte.

    Eschatologischen Endzeit-”Wirrnisse” gibt es selbstverständlich auch unter Juden, so wie innerhalb sämtlicher Anhänger der drei großen Buchreligionen. – Diese Wirrnisse hinsichtlich eines Ende Israels (bzw. seiner Zerstörung) zeigen sich dann aber ausschließlich und “nur” im gemeinschaftlichen Treffen zwischen – zumindest in meinen Augen – verwirrten Juden und europäischen Neonazis auf jener durch den Iran und speziell durch die Beraterkreise des iranischen Präsidenten (siehe I.R.I.B./Muhammad Ali Ramin) ausgerichteten sog. “Holocaust Conference”, wo Juden nach der Zerstörung Israels schreien, da seine jetzige Existenz “nicht Gott gewollt” sei. – Dieser religiöse Wahn paart sich dann natürlich “hervorragend” mit den restlichen Intentionen der Anwesenden (auf jener “Conference”), denen es eben nicht “nur” um die Leugnung des Holocaust geht, sondern indirekt auch noch um die Rechtfertigung des von ihnen eigentlich Geleugneten. – Wobei es dann wirklich bezeichnend ist, dass nun ausgerechnet die neuen/alten Anhänger der SS Diejenigen sind, die am lautesten DAS leugnen wollen, was ihre Vorbilder zur NS-Staatsdoktrin werden ließen.

    Gerade bei Grass und seinen ihm beispringenden Adepten – um zum ursprünglichen Thema zurück zu finden -, sollte wohl vorauszusetzen seien, dass jene deutschen “Vorzeigegeister” auch über eine gewisse Kenntnis über das o.g. verfügen, ehe sie sich zum Trollo machen und letztendlich zu überbezahlten “geistigen Proleten” verkümmern, deren Aussagen (und damit einhergehenden Suggerierungen) man dann durchaus auch in eine gewisse Ecke rücken könnte… Speziell angesichts der Vita eines Günther Grass, die ihn vorgeblich geläutert hätte, da er ja “so jung” und letztendlich unwissend gewesen sei. – Unwissend ist er (auch auf die Gefahr hin, sich beim ausgelutschten Thema wiederholen zu müssen) bzgl. des Iran immer noch.

    Abschließend noch Etwas zu Ihrem: “(…) Und dass lebensweltlich trotz Geschlechtertrennung und Kopftuchzwang in den Städten im Iran das Ganze sehr viel säkularer ist als in Saudi-Arabien zum Beispiel. (…)”

    …Ich kenne derartige Ausführungen zum schiitischen Islamismus und zur Sharia im Iran eigentlich nur aus den Mündern junger deutscher Islam-Konvertiten und senilen Islam-”Wissenschaftlern” mit Rechtsdrall, die in das buchstäblich menschenverachtende Mullah-Regime eine quasi “islamische Perestroika” bzw. “den guten, reinen Ur-Islam” – gegenüber der sunnitischen Sharia in Saudi-Arabien etc. – projizieren wollen: Auch das müssten Exil-Iraner eigentlich wissen und hätten es Ihnen sagen können – denn warum sollten sie ansonsten den Iran verlassen haben bzw. verlassen haben müssen?

  33. schreibt:

    10. April 2012 at 12:27

    @Axel Mylius:

    Ich berufe mich auf Informationen von Deutschiranern, die unter anderem jene Proteste unterstützen, die zur Solidarität mit der Grünen Revolution statt fanden. Und ich weiß nicht, ob diese in der Panorama-Redaktion zum Beispiel zur Kenntnis genommen wurden; da es bei NDR jedoch ausgewiesene Experten zu diesem Thema gibt, wundere ich mich um so mehr, wieso man sich hier nicht informiert, um die Sachlage mal etwas komplexer anzugehen.

    Ob man nun seinen persönlichen Gottesberater hat oder seine Stasi-Blockwart, das ist ja nun gerade gehupft wie gesprungen, und gerade islamische Rechtsgutachten sind wirklich eine Wissenschaft für sich, weil die Lage da ungleich komplexer ist als im Falle der “10 Gebote” zum Beispiel. Wenn ich da nicht völlig fehlinformiert bin, ist aus dem Dschungel der Hadite oder wie die heißen so ziemlich alles abzuleiten, was einem gerade in den Kram passt. Was auch daran liegt, dass eine Ideologisierung des Islam eine historisch recht spät einsetzende Reaktion auf die Ideologien des Westens darstellt. Es gab diese Striktheit da vorher wohl nicht, und es gibt viele Rechtsschulen.

    Ihre Lektüre entspricht da einfach der Dogmen-Auslegung der christlichen Kirchen, deshalb skizzieren Sie ja nicht zufällig exakt das, was auch jüdischem und christlichem Messianismus (nur dass der in den Augen der Christen schon da war und dass man das, was das in jüdischer Lesart heißen kann, z:b. eher bei Walter Benjamin und Theodor W. Adorno erfährt als bei christlichen Autoren) und Apocalypse-Vorstellungen entspricht.

    Ansonsten kann ich Ihnen hier jenen Kumpel, auf den ich mich berufe, nicht ersetzen, das tut mir leid, traue aber seiner Expertise eher als Ihrer, mit Verlaub.

    Wäre Publikative.org da seriöser, hätte hier aber schon längst ein Text von einem solchen gestanden. Gründe genug, vor Khomeni zu flüchten, gab es nun weiß Gott auch dann, wenn nichts von dem wahr wäre, was Sie oder ich hier schreiben. Wie es zuvor auch gute Gründe gab, vor dem Schah zu flüchten.

    Und es hat sich ja nun auch einiges getan seit 1979. Es gibt bürgerliche Schichten, die viel zu verlieren haben, und auf die reagiert man im Iran ja auch schon:

    http://www.welt.de/politik/ausland/article106164953/Chamenei-plant-Zukunft-Irans-ohne-Ahmadinedschad.html

    Ich sehe mich da deutlich bestätigt in dem, was ich hier die ganze Zeit schreibe. Wenn das auch eine Reaktion auf Netanjahus Drohungen ist, dann ist das ja auch gut.

  34. Daniel schreibt:

    10. April 2012 at 13:48

    Das scheinen die klassischen deutschen Bauchschmerzen zu sein: Israel hat den Völkermord überlebt und ist stärker geworden als je zuvor. Ganz ohne deutsche Hilfe. Das tut in mehrerlei Hinsicht weh. Auch das in Deutschland die arabsiche Öllobby einflussreicher ist als die jüdische, die fast nur aus Russen und liberalen protestantischen Konvertiten besteht.

  35. schreibt:

    10. April 2012 at 14:01

    Danke momorulez, dass Sie sich gegen Menschenfeindlichkeit stellen.
    Der DDR-Vergleich ist interessant. Die wollten, gesteuert vom Antichrist in Moskau, ja auch lange die pluralistischen und liberalen Demokratien in Schutt und Asche legen, hieß es damals in jenen pluralistischen und liberalen Demokratien.

    Wenn man als Quellen auf Islam-Konvertiten und senile Islam-”Wissenschaftler” mit Rechtsdrall verweist, dann hat man natürlich bessere Informationen, als man von Emigranten bekommen kann. NICHT.

    Und die “Adepten” sind begriffsgemäß in die Geheimlehren ihres Meisters eingeweiht und somit Beteiligte an der Verschwörung der Holocaustleugnungs-Konferenz, über die sie ja “eine gewisse Kenntnis” haben.

  36. schreibt:

    11. April 2012 at 04:05

    @momorulez

    Auch wenn es langsam ermüdend wird, aber: Ob man nun, wie Sie schreiben, “…seinen persönlichen Gottesberater hat oder seinen Stasi-Blockwart”, ist eben im vorliegenden Fall und hinsichtlich des Verständnis um die Vorgänge im Iran eben NICHT “…gerade gehupft wie gesprungen”, da der Blockwart (ob nun Stasi oder Nazi) der Zuträger, der Büttel (oder wie auch immer) einer säkularen Diktatur war, wo gegen sich der Gottesberater aus freien Stücken und religiösen Gründen seitens des Gläubigen gesucht wird… da es nun einmal gerade dem Schiismus bzw. der Schia immanent ist. – Und welche Rolle der Geistlichkeit im Iran zugerechnet wird, BEWEIST doch Ihre eigene Verlinkung bzw. der Artikel innerhalb der “Welt”. Sofern man dessen Inhalten glauben schenken kann, wären doch überdies “Hopfen und Malz” noch nicht verloren, wobei ja Ahmadineschads Rolle bzw. seine Reaktionen noch vollkommen unklar sind.

    Und wie kommen Sie darauf, von “Ihrer” (also der Meinigen) Lektüre zu schreiben, die mir zwar durchaus geläufig ist aber von mir angeführt wurde um darauf hinzuweisen, dass es eben quasi die Pflichtlektüre eines jeden gläubigen Schiiten ist. – Und jene Lektüre wird auch von JEDEM Gläubigen im Iran als ursprüngliche Basis für den eigenen Glauben angesehen, wobei Ahmadineschad nicht ausgenommen ist. – Von mir wurden doch keine christlichen Kommentierungen angeführt, so, wie Sie es kolportieren, und schon gar nicht Walter Benjamin oder Theodor W. Adorno, die soundso nicht in den Kontext der vorliegenden “Debatte” passen würden.

    Ich wüsste auch nicht, warum eine vorgebliche Unseriösität der “Publikative” bzw. des Blog, Ihren Freund (oder Bekannten) daran hindern sollte, das über den Iran zu schreiben, was er für nötig hält. – Es ist ja wohl nicht so, dass es dazu keine Iranisten oder Interessenten gäbe, die sich zustimmend oder ablehnend ebenso äußern könnten oder wollten.

    Bezüglich http://www.welt.de/politik/ausland/article106164953/Chamenei-plant-Zukunft-Irans-ohne-Ahmadinedschad.html und Ihrem: “Ich sehe mich da deutlich bestätigt in dem, was ich hier die ganze Zeit schreibe.”, muß ich anmerken, dass sich unsere “Debatte” eben daran entzündet hat, da es für Sie eben KEINE entscheidende Geistlichkeit im Iran gab bzw. gibt, wobei mir ja nun klar ist, dass Sie sich auf etwas bezogen haben, das offensichtlich andere erzählen. – Aber wie dem auch sei: Wir werden doch darin übereinstimmen, dass ein Krieg für alle Beteiligten die schlechtere Wahl gegenüber dem Abgang eines Ahmadineschad wäre, auch und speziell der Bevölkerung zuliebe.

    @Erbloggtes

    Sie können direkt an mich schreiben und benötigen dafür nicht momorulez als Mittler. – Sofern Sie dies täten bzw. vorhätten, verspreche ich Ihnen, aus meinen Niederungen der “Menschenfeindlichkeit” heraus mich deutlich zu äußern. ;)

    Ich hab` da mal eine Frage bzgl. Ihrer offensichtlichen Sorge um die Nichteinhaltung der Menschenrechte und einer daraus resultierenden Menschenfeindlichkeit. Wenn sie Einerseits vom Moskauer Antichrist (offenbar für Sie der leibhaftige Belzebub des “Kalten Krieges”) schreiben, dann war also dennoch für Sie die Angst des “Westens” vor einer Zerstörung durch “den Antichrist” eine Chimäre bzw. eine Einbildung, obwohl eine Gefahr bestand!? – Denn so “…hieß es damals in jenen pluralistischen und liberalen Demokratien.”

    Ehrlich gesagt weiß` ich immer noch nicht so recht, was Sie eigentlich wollen: Moskau war der “Antichrist”; der “Westen” hat` sich eine Gefährdung eingebildet (“jene pluralistischen und liberalen Demokratien”); Sie danken momorulez für seinen Einsatz gegen “Menschenfeindlichkeit”, während es eigentlich – relativ nüchtern – um das religiös untermauerte und politische Bestreben von Ahmadineschad geht; dann interpretieren Sie Grass in einer Art, die wiederum “versöhnlich” stimmt; dann unterstellen Sie mir indirekt, dass ich gesagt hätte, dass Grass` Adepten Beteiligte an der Verschwörung der Holocaust-Konferenz seien usw. – Ich wäre ja schon zufrieden, wenn Sie schreiben würden, dass Sie “lediglich” für “ein bißchen Frieden” sind… aber so wird mir eben weiterhin Nichts ersichtlich, sorry! – Außer vielleicht, dass Sie ein großer Iran-Freund sind: was Ihnen ja belassen bleibt.

  37. Sebastian schreibt:

    12. April 2012 at 14:39

    ” Daniel said:

    Das scheinen die klassischen deutschen Bauchschmerzen zu sein: Israel hat den Völkermord überlebt und ist stärker geworden als je zuvor. Ganz ohne deutsche Hilfe.”

    Selten so gelacht wirklich!! Besonder bei dem Satz : Ganz ohen Deutsche Hilfe habe ich mich kaputtgelacht.

    Ohne deutsche Hilfen und “Wiedergutmachungen” würde in Israel nicht ein Kraftwerk stehen.

    Lese gerade ein sehr interssantes Buch von Nahum Goldmann:

    “Israel muss umdenken”

    Der Typ war schon vor 40 Jahren weiter als wir alle heute.

    Tenor: Israel muss umdenken, sonst geht es drauf.

    Dort steht auch drin, dass alles was in Israel an Technik gibt (Brücken; Schiffe, Kraftwerke) von den Deutschen! bezahlt wurde.

    Also nix aus eigener Kraft.

  38. schreibt:

    13. April 2012 at 16:36

    Jo, @Sebastian… GERADE wenn es so seien sollte, wie es Nahum Goldmann deiner Ansicht nach gesagt hätte, sollte es, ob` deines Eintrages zu bzw. über ihn und im Kontext zu Grass und dem Iran, auch so bleiben. – Auch wenn dir dann bestimmt die Kohle für deine Flat-Rate ausgehen könnte oder dein Kühlschrank leer bleibt…

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