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Das Wort, das wir nicht aussprechen dürfen

12. Juni 2012 19:27 6.822 mal abgerufen 51 Kommentare

Eigentlich wundert es mich nicht. Einige von Euch wurmt es noch immer. Es wurmte Euch ganz gewaltig, dass die Sarah so madig geredet wurde und alles nur wegen diesem bescheuerten Wort, das sie nicht einmal so meinte, sondern anders. Nämlich didaktisch für ihre weiße peer group, es wurde also absichtlich falsch verstanden.

Von Sabine Mohamed

Und dann dieser Shitstorm im Netz mit den ganzen Hass-Kommentaren. Au weia. Glücklicherweise war auf Spiegel Online und Welt Online Verlass, sie waren sofort zur Stelle und haben auf die Absurdität eines Wortes im Zusammenhang mit der Autorin Sarah Kuttner hingewiesen und publikative.org zieht einen Artikel darüber mit Verweis auf – siehe oben – zurück. Andere haben es schon wieder vergessen. Worum geht es hier? Mehr als Euch lieb ist, denn in ihr habt ihr etwas erkannt und das spürt Ihr.

Es ist so allgegenwärtig, dass es nicht der Rede wert ist. Banal und tödlich wie das Leben. Bloß nicht den Fehler machen, es zu thematisieren, sonst drohen Sanktionen, Abwehrmechanismen werden wach und uns wird Überempfindlichkeit attestiert. Das sind meist die Momente, an denen ich vor Schock verstumme oder spreche, aber doch nicht gehört werde. Es geht um nichts weniger als die Definitionsmacht. Wir haben nichts zu sagen, weil wir draußen stehen. Wir werden genannt wie ihr wollt. Nein, es gibt keine Tabus für Euch weiße außer eines: das R-Wort, das sollte besser nicht fallen.

Klar, es gibt Regeln für den Sprachgebrauch. Das R-Wort darf im Kontext von Rechtsradikalen, Nazis, der NSU, von der angeblich niemand wusste oder bei sonst unbeliebten Persönlichkeiten ausdrücklich benannt werden. Wichtig ist hierbei, dass ausschließlich von Einzelfällen gesprochen wird.

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Nennen wir es mal beim Namen: Rassismus. Was sich wie von selbst versteht, ihr selbst seid keine Rassist_innen. Werdet ihr ungebeten trotzdem so genannt, gibt es Ärger. Denn dann solidarisiert ihr Euch mit anderen Weißen. Gegenseitig schrubbt ihr Euch wieder rein und negiert Rassismus in den eigenen Reihen. Besonders perfide wird es, wenn ihr plötzlich Eure guten schwarzen Freundinnen oder Freunde aus der Schublade hervorzaubert, die das auch nicht so eng sehen. Ja, solche Zufälle soll es geben.

Manchmal sagt ihr rassistische Wörter einfach aus didaktischen Gründen quasi um zu zeigen, wie es nicht gemacht werden soll. Antirassismus für Dummies. Wer es nicht versteht, ist selbst schuld. Das war wohl auch das Ziel von Sarah Kuttner als sie sowohl auf der Lesung in Hamburg wie in ihrem Buch „Wachstumsschmerz“ über die schwarze Puppe der Protagonistin sprechen wollte. Einfach mal N-Wort sagen, warum auch nicht? Einfach Überzeichnungen aus der Kolonialzeit verwenden, warum auch nicht? Rassismus im Sinne einer didaktischen Übung. Wer’s nicht versteht, ist selbst schuld.

Bei rassistischen Morden seid ihr schon schockiert und manchmal gibt es eine Schweigeminute oder, wie kürzlich, eine nette Feier, zu der auch die Betroffenen der NSU-Morde eingeladen werden und auf Eure Anweisung hin reden dürfen. Aber dass es schon bei Worten beginnt, das wollt ihr nicht sehen. Dass Worte Lebensrealitäten schaffen, sie uns entmenschlichen oder einfach überflüssig machen, das geht nicht in Eure weißen Köpfe. Vielleicht interessiert es Euch einfach nicht.

Nein, es hat nichts mit Euch zu tun. Und wenn sich doch der Verdacht erhärten sollte, lasst ihr es Euch erklären. Aber selbst nach den Erklärungen seht ihr das irgendwie immer anders. Vielleicht noch kurz und knapp: Wer N sagt, ist auch R.

Ihr kennt die Abwehrmechanismen ziemlich gut, und weil das so ist, müsst ihr nicht reflektieren. Dabei ist es höchste Zeit mal über den alltäglichen Rassismus und Eure eigene Verstricktheit nachzudenken. Dass ihr das nicht tut ist vielleicht banal, aber es macht mir Angst, weil Rassismus tötet und das spürt ihr.

51 Kommentare »

  • susi said:

    Schade, dass du außer suggestiven unterstellungen nichts zu bieten hast: “Mehr als Euch lieb ist, denn in ihr habt ihr etwas erkannt und das spürt Ihr.” Wer ist denn da “ihr”? Woher weisst du, was das von dir imaginierte weisse kollektiv erkennt und spürt? Ist dir das nicht alles ein bisschen zu platt, selbst wenn man es als subtile (naja …) umkehrung des denkens liest, dass bei weissen über “_die_ schwarzen” (oder eine andere geotherte gruppe) immer noch zu oft vorkommt?
    Auf der ebene von “ihr spürt, dass ihr rassistisch seit, wollt aber nicht drüber reden” wird sich kaum eine sinnvolle diskussion entspinnen – aber das ist wohl auch nicht dein ziel, spüre ich mal so.

  • Mario said:

    Damit können wir uns von publikative.org als ernst zunehmende Seite verabschieden. Schade, hier wurden auch mal sinnvolle Artikel publiziert.

    Wenn man sagt, dass man das Wort “Negerpuppe” rassistisch findet, ist man also Rassist. Mehr hat Sarah Kuttner ja nicht gesagt.
    Vielleicht sind wir auch alle nur zu Blöd um zu erkennen, dass wir alle Rassisten sind.

  • Gonzo said:

    “das geht nicht in Eure weißen Köpfe.”

    Klar, weil “wir Weiße” ja alle gleich dämlich sind, wir können ja garnicht anders, weil wir weiß sind. Noah Sow lässt grüßen…

    Ehrlich, Publikative, das könnt ihr besser.

    PS: Ich hab übrigens immer noch nicht verstanden, warum es falsch ist, wenn Frau Kuttner ihr Unverständnis über diese Puppen äußert. Aber das kann ich vermutlich auch nicht, weil ich nicht schwarz genug bin.

  • Wonko said:

    Ich höre einfach immer auf zu lesen, wenn zum ersten Mal ‘Irgendwas_innen’ in einem Traktat kommt, ab da geht es erfahrungsgemäß mit Texten argumentativ eh in einer selbstgepusteten Blase weiter und der Erkenntnisgewinn geht hart gegen Null.
    Habe leider gerade weiter gelesen und es schon bereut. Und nein, ich lasse mich immer noch nicht in die Schublade stecken, die Du mir gerne aufmachen möchtest. Und ja, Deine angeblich beobachteten Reflexe und Stützungen rühren nur daher, dass Du schon vorher Deine eigene Sichtweise auf die Geschehnisse anwendest und Du sie Dir dnn hübsch bestätigt sehen lässt. So ist das halt in der Filter-Blase.

  • IstNichtWichtig said:

    @Mario: ja, vlt. sind wir das wirklich. ich mein, sorry, aber wir als weißen werden nunmal in einer gesellschaft die whiteness als norm hat rassistisch erzogen. und wenn Schwarze menschen, sich durch unsere äußerungen angegriffen fühlen, sollten wir es auch ernst nehmen anstatt auf gedeih und verderb sarah kuttner zu verteidigen, die schon in der vergangenheit mit ausdrücken aufgefallen ist, die nicht koscher waren. ich finde es sehr gut das publikative.org diesen beitrag veröffentlicht hat, weniger gut, finde ich es, dass sie sich von ihrem alten beitrag distanzierten. alles in allem ist das aber immernoch eine seite, die ich sehr zu schätzen weiß und mittlerweile sogar viel mehr als sämtliche andere informationsportale, von daher weiter so!
    @susi: ich bitte dich, das weiße kollektiv ist eine priviligierte gruppe, die die begriffshochheit über sämtliche zuschreibungen besitzt. weil das weiße kollektiv die dominanzkultur ist, kann es sich auch rausnehmen menschen mit den perfidesten begriffen zu bezeichnen, auch mit dem N wort. und wenn sich Schwarze menschen zurecht empören, heißt es dann immer: “mimimi, dass war doch gar nicht so gemeint, das war nur didaktisch und sieh her ich habe auch Schwarze freunde”. ja, seid froh wenn diese so tolerant sind und über den weißen alltagsrassimus hinwegsehen und dankt ihnen dafür!
    übrigens will ich mich selber nicht aus der gruppe der weißen herausnehmen, ich habe lediglich ein gewisses theoretisches vorwissen zu dem thema und versuche aus dem whiteness club auszusteigen, mehr nicht, in wie weit mir das gelingt, müssen diejenigen entscheiden, die rassismus ausgesetzt sind.

  • tsn said:

    frau kuttner hat eben nicht einfach nur ihr unverständnis über diese puppen geäußert. sie tat dies, indem sie rassistische begriffe reproduziert hat. manche phrasen und begrifflichkeiten sollten einfach nie mehr ausgepackt werden.

    es gibt einen guten grund, warum zum Beispiel das N-wort in den USA von den nachkommen der vorherigen unterdrücker nicht mehr in den mund genommen werden darf und auch wird.
    ein understatement und zeichen von respekt, das scheinbar in deutschland vielen noch fremd ist. und bei der dann folgenden berechtigten kritik bellen die getroffenen hunde dann laut auf.

  • Blosch said:

    Weil also, gemäß zitiertem Spiegel-Artikel, Frau Kuttner ein Wort aus ihrem fiktionalen Text zitiert, der eindeutig sowohl in fiktionalen Kontext gebettet ist als auch im realen Kontext Ablehnung des Begriffs verdeutlicht, so ein Geschrei?

    Das Thema mag ja der Erwähnung immer und immer wieder wert sein; allein: Der Aufhänger ist mehr als lächerlich.

  • Betti said:

    Boah, typisch!!! Vielen Dank, liebe Vor-Kommentator_innen, dass Ihr GENAU das nochmal anschaulich macht, was der – sehr gute, vielen Dank dafür! – Artikel oben ausdrückt. Es ist immer und immer und immer wieder das Gleiche, es könnte so öde sein, wenns nicht so ärgerlich und bezeichnend wäre. Zuhören, Nachdenken und Selbst-Überprüfung sind nicht drin, auf jeden Fall müssen wir Weißen IMMER die Definitionsmacht haben und jederezeit reflexhaft rauskrakeelen dürfen, wie wir denn so Rassismus verstehen und definieren und wie vor allen Dingen nicht: z.B. so wie die Betroffenen, wo kämen wir denn da hin, wenn DIE jetzt schon darüber bestimmen dürften, welche Worte WIR gedankenlos benutzen dürfen und welche nicht… White surpremacy, white privilege und das alles lassen grüßen! Es ist peinlich.
    Wie gesagt: Ich habe aufgrund meiner Hautfarbe das große Glück, diese Standard-Reaktionen gerade auch von achsolinken, achsoantirassistischen Menschen “langweilig”, “ärgerlich”, “bezeichnend” oder “peinlich” finden zu können und sie ansonsten ausblenden zu können – alle Menschen, die das nicht können und mit diesem furchtbaren Alltagsrassismus, dieser furchtbaren Borniertheit und dieser schrecklichen Arroganz auch in vermeintlich reflektierten Kreisen tagtäglich konfrontiert sind, können einem in dieser Gesellschaft wirklich wirklich leid tun. In diesem Sinne: Ein großes Danke für das Schreiben solcher Artikel und das Aushalten von Reaktionen wie den vorstehenden…!

  • Random said:

    Unsinn. Das “N-Wort” ist in keinster Weise rassistisch, es ist nichts anders als veraltet, wie man heutzutage ja auch nicht mehr Mohrenkopf/Negerkuss sagt.

  • q0cx said:

    Zu den Kommentare kann ich nur sagen: Erwischt. “Werdet ihr ungebeten trotzdem so genannt, gibt es Ärger. Denn dann solidarisiert ihr Euch mit anderen Weißen.”

    Zu dem Topic:
    Wenn jemand (mal) rassistische Dinge sagt oder tut, ist sie/er gleich ein/e Rassist/in. Manchmal ist es eben nur Fahrlässigkeit oder fehlende Reflexion. Rassistisch bleibt die Aussage/Tat dann trotzdem.

    Ich denke wir “Weiße” sollten den Argumenten zum Thema (Alltags)rassismus sorgsam zuhören, anstatt gleich in Beißreflexe zu verfallen. “Wir” sind schlicht nicht in der Position hier einen Deutungsanspruch geltend zu machen. Stattdessen sollten wir alle sensibilisiert sein und gemeinsam an der vollständigen Inklusion aller arbeiten.

  • q0cx said:

    “Wenn jemand (mal) rassistische Dinge sagt oder tut, ist sie/er gleich ein/e Rassist/in.”

    Da fehlt offensichtlich ein NICHT.
    (Gerne bei der Freischaltung korrigieren)

  • Jan said:

    Haben wir eigentlich keine anderen Probleme? Müssen wir uns wirklich darüber zerreißen, dass eine Autorin eine Puppe so benannt hat, wie sie ursprünglich auch verkauft wurde? Meine Güte sie hat Negerpuppe gesagt….aber wieso ist sie denn dann gleich rassistisch? Wir reden von einer PUPPE, einem Ding das lediglich ein Abklatsch der Realität ist. Man kann es auch übertreiben. Rassismus ist für mich, wenn ein Mensch auf Grund seiner Herkunft oder seiner Hautfarbe diffarmiert und angegriffen wird. Und das, werte Frau Mohamed, ist sicherlich kein “weißes” Phänomen. Rassismus finden Sie auf jedem Kontinent dieser Welt, verpackt in jeder Hautfarbe. Wir “Weiße” kennen die Abwehrmechanismem gut? Darf ich dann den “Nichtweißen” unterstellen, dass sie ihre “Opferrolle” mehr als genug kennen? Stört mich etwas am Lebensstil meiner “farbigen” Mitmenschen, und sei es auch noch so gerechtfertigt, werde ich doch gleich als Rassist abgestempelt. Sage ich etwas gegen die israelische Politik, bin ich gleich ein Antisemit.
    Wie haben wirklich besseres zu tun, als uns wegen einer dämlichen Puppe zu streiten. Diese Welt ist voll von Hass aus den unterschiedlichsten Motiven heraus….da sollten wir ansetzen und nicht bei einem blöden Wort aus dem vorletzten Jahrhundert.

  • Betti said:

    “Haben wir eigentlich keine anderen Probleme? ”

    Kommt halt drauf an, wer dieses “wir” ist.. “Wir” weiße Mehrheitsgesellschaft haben, ja klar, andere Probleme, die uns wichtiger erscheinen mögen. Menschen, die tagtäglich mit strukturellem und individuellem Rassismus konfrontiert sind, dürften diese Frage etwas anders beantworten… Und wenn sie das tun, würde es uns Mehrheitsgesellschaft gut zu Gesicht stehen, ihnen zuzuhören und sie ernst zu nehmen – wenn wir schon nicht von selbst drauf kommen, dass Begriffe und Handlungen mit rassistischer Tradition irgendwie nicht so richtig knorke sind. Ich verstehe einfach nicht, warum wir sooo dringend diese Worte benutzen dürfen wollen. Wem nützt das? Wem nimmt es was weg, wenn wir es nicht mehr benutzen? Was ist so wichtig daran, das N-Wort benutzen zu dürfen, warum ruft es solche Reaktionen hervor, wenn Menschen einen bitten, es nicht zu tun oder einen damit konfrontieren, dass es rassistisch ist? Wieso können wir nicht einfach zur Kenntnis nehmen, dass diejenigen, die damit bezeichnet werden, damit ein Problem haben? Wieso ist es sooo schwer, ein kleines bißchen von der eigenen Deutungshoheit abzugeben an diejenigen, die seit Jahrhunderten von uns fremddefiniert werden? Wieso so wenig Empathiefähigkeit? Ich checks nicht.

  • hnk said:

    Brauchbarer & wichtiger Text.
    Vielleicht kann das ja dann auch mal irgendwer vonner Jungle World lesen.

  • sanczny said:

    Äh, Publikative… Ihr führt Euch hier irgendwie gerade selbst ad absurdum, indem ihr dieselben ignoranten Äußerungen und rassistische Sprache, die der Beitrag völlig zu Recht beklagt, in den Kommentaren duldet.

  • Nadia said:

    @Jan

    Lustig übrigens: Problematisieren dass Sachen problematisiert werden obwohl es ja Problematischeres gibt.

    Ansonsten: Super Text! Viele doofe Kommentare die die These bestätigen! Danke Sabine!

  • MGrote said:

    So spätestens jhetzt muss ich aufhören das zu abonnieren. Neger, ein ganz nromales Wort, ich esse auf Negerküsse und nicht Schokoküsse, ganz normale geprägte Warenbezeichnung. Bye

    PS: Schreibt doch mal etwas das wichtig ist und nicht über die Verwendung des Wortes Neger*.

  • P.M. said:

    @sanczny:
    Kein Stück. Besseres Anschauungsmaterial gibt es gar nicht.

  • oliphant said:

    Danke für diesen Artikel!

    Zu den Kommentaren: Ich finde es immer wieder spannend, dass weiße Menschen glauben sie wären allein im Internet. Ich bin mir sicher die Hälfte der Leute hat das “ihr”und “wir” im Kopf nicht auseinanderfädeln können, frei nach der Devise “ja, wie denn? Das ist KEINE weiße Perspektive??? Wie geht das denn?” Das hektische Gewimmel in den Kommentaren ist in der Tat ein plötzliches “ertappt fühlen” und wahrscheinlich das beste Beispiel, um den Artikel zu unterstützen.

    Großartig.

    JA, WIR SIND SCHWARZ, WIR KÖNNEN DEUTSCH UND WIR LESEN EURE KOMMENTARE!!!

  • Jan said:

    Der Großteil der Kommentare stimmt mich ehrlich traurig.
    So viel Rassismus in nur einer Kommentarspalte.
    So etwas Ekliges wie “Aber das kann ich vermutlich auch nicht [verstehen], weil ich nicht schwarz genug bin” habe ich lange nicht gehört/gelesen.

    Danke dennoch für den sehr guten Artikel!

  • Blosch said:

    Liebe Betti,

    ich bezog mich vor allem auf eine Differenz zwischen Realität und Fiktionalität und die völlige Dekontextualisierung die hier („es könnte so öde sein, wenns nicht so ärgerlich und bezeichnend wäre“) betrieben wird.

    Das bezeichnende Wort entstammt doch ganz offenkundig einem fiktionalen Text. Das hat der mit der Biographie der Autorin und einer damit vielleicht möglichen Realitätsanbindung überhaupt nichts zu tun.

    Dass dann dieser Realitätsbezug von der Autorin selbst hergestellt wird — so suggerieren zumindest die Artikel, auf denen dieser hier basiert –, geht aber dann auf die Bezeichnung zurück, die in der Jugend dieser Autorin offenkundig üblich war. In dem Fall wäre wohl eher von einer historischen Anekdote als von zeitgenössischem Rassismus zu sprechen, der dann doch im gleichen Moment der Äußerung von der Autorin noch reflektiert wird.

    Der Aufhänger für eine Debatte dieser Art, die völlig unzweifelhaft weiterhin nötig und richtig ist (mit dem „Argument“, dass es ja Wichtigeres gäbe, ist ohnehin jede Diskussion vermeintlich unnötig), ist aber einfach falsch gewählt und bringt genau darum ein Moment der Unterstellung in die Diskussion, die daraufhin emotional wird und von der Sache wegführt — was man sich hätte ersparen können, wenn man keine Dekontextualisierung betrieben hätte.

  • Quarktasche said:

    “Wir reden von einer PUPPE, einem Ding das lediglich ein Abklatsch der Realität ist.”

    …ja genau! Nicht mehr und nicht weniger.

    Ich war im ersten Augenblick sehr geschockt. Immer “Ihr, Ihr, Ihr!” und Vorwürfe, die ich für mich nicht anerkennen kann/will. Denn das Rassismus “schon” bei Worten beginnt ist für mich völlig klar. Wo denn sonst?

    Vielleicht ist es nicht das Ziel des Kommentars weitere Fakten zusammenzutragen. Vielleicht soll er ein Gefühl vermitteln, wie es ist ohne Begründung anhand seiner Hautfarbe negative Merkmale zugeschrieben zu bekommen. Denn das tut er ja. Und nein – es fühl sich nicht gut an! In diesem Sinne kann man das auch einfach mal auf sich wirken lassen.

    Wenn die Schlagzeile der Bildzeitung lautet “Ausländer hat wieder das und das gemacht…”, dann betrifft das nicht nur die entsprechende Person. Es wirft Dreck auf jeden, der als vermeintlicher Ausländer für den Bildleser erkennbar ist. Und dann geht es ganz konkret um die Hautfarbe und dann ist das nichts anderes als Rassismus.

  • none said:

    Danke für den Artikel! (Und ja, leider ist Anschauungsmaterial gleich drunter.)

  • etg said:

    Irgendwie verstehe ich den Artikel nicht.

    Was wird jetzt genau kritisiert? Das Rassisten Sarah Kuttner verteidigt haben? Oder soll gesagt werden, dass alle, die Sarah Kuttner verteidigt haben, Rassisten sind?

    Einfach zur Information für mich, ich finde den Artikel einfach sprachlich verwirrend.

    Zur Sache Sarah Kuttner selbst auch eine Frage: Wenn ich das richtig gelesen habe, hat S.K. gesagt, dass sie früher eine “Negerpuppe” hatte und das Wort und die Puppe heute rassistisch findet. Ist das korrekt oder hat sich der Spiegel da was zusammengesponnen? War im Urlaub und habe die ganze Entwicklung nicht verfolgt.

    Danke für Hilfe.

  • Spencer said:

    Zu schade, dass die Seite, die ich gerade entdeckt habe, doch nicht gespeichert wird. Denn wenn ich R bin weil ich N sage, dann bin ich hier offensichtlich verkehrt.

    Ohne schutzmechanistischen Hinweise auf maximalpigmentierte Freunde drückt sich AlltagsR nunmehr doch in anderen Handlungsweisen aus.

  • ataúlfo said:

    “Antirassismus für Dummies” ist für mich, was die Autorin hier postuliert. Das Wort Neger und seine diversen Abwandlungen schaffen eben keine Lebensrealitäten, das ist der verschwurbelte poststrukturalistische Linguistenquatsch der meint, allein der Gebrauch von Sprache würde Ausgrenzungen etc schaffen. Als ob ein korrekterer Sprachgebrauch die Realität (um-)formen würde. Sieht man ja im Falle des Antisemitismus, da hat die Mehrheit ihre Lektionen gelernt und gewisse Worte sind tabu. Ist dadurch der Antisemitismus verschwunden? Wohl kaum.

    So einfach ist es eben nicht. Ein korrekter Sprachgebrauch bedeutet nicht, dass man frei von Rassismus ist. Aber wo so schön sauber von den Weissen gesprochen wird (dem scheinbar alle anderen gegenüberstehen, die natürlich keinerlei Quell irgendeines Rassismus sind), die natürlich im Fall der Fälle alle zusammenhalten, bei dem ist das stereotype Denken wohl selber nicht weit und im Endeffekt werden alle wieder auf ihre Hautfarbe zurückgeworfen. Ein wenig emanzipativer Ansatz, der wenig von Strukturen und Bedingungen spricht, sondern nur auf der obersten Ebene, der Sprache kleben bleibt.

  • xoxo said:

    ziemlich befremdlich, was hier einigen aus dem mund/den fingern sprudelt.

    “Ich höre einfach immer auf zu lesen, wenn zum ersten Mal ‘Irgendwas_innen’ in einem Traktat kommt, ab da geht es erfahrungsgemäß mit Texten argumentativ eh in einer selbstgepusteten Blase weiter und der Erkenntnisgewinn geht hart gegen Null.”

    “Ich hab übrigens immer noch nicht verstanden, warum es falsch ist, wenn Frau Kuttner ihr Unverständnis über diese Puppen äußert. Aber das kann ich vermutlich auch nicht, weil ich nicht schwarz genug bin.”

    “Damit können wir uns von publikative.org als ernst zunehmende Seite verabschieden. ”

    publikative.org geht nen richtigen weg; ihr solltet euch eher mal gedanken über eure eigene borniertheit machen.

  • Quarktasche said:

    “Meine Emotionen werden gegen mich verwendet” Amewu
    http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=2R6747A8UOY

  • etg said:

    @alle: natürlich sorgt die Vermeidung rassistischer Worte nicht automatisch für eine rassismusfreie Gesellschaft.

    Aber es ist ein wichtiger Anfang. Und ein notwendiger.

    Und ja, @Spencer, wenn Du Schwarze als “Neger” bezeichnest, bist Du Rassist.
    Und nein, nur weil man nicht mehr “Neger” sagt, ist man noch lange kein Rassist mehr.

    Muss man diese Binsenweisheiten immer wieder aufschreiben?

  • elias said:

    »Dummheit ist Einsatz von vorhandener Intelligenz, der ihr zuwiderläuft.« (Karl Held)

    Abgesehen davon, dass die Autorin sich offenbar entschieden hat , den Kontext dieser – vermeintlich rassistischen – Passage zu ignorieren, vertritt sie den postmoderne Unsinn, die Wirklichkeit würde durch Sprache hergestellt. Das ist eine Riesendummheit.
    Tatsächlich entspringen Rassismus, Antisemitismus, Ausländerdiskriminierung, sowie die Zumutungen die unser schöner Staat, Arbeitslosen und Hartz IV-Empfängern tagtäglich angedeihen lässt den herrschenden Zuständen. Diesen Zuständen entnimmt der brave Bürger allerdings nicht, dass sie dem System geschuldet sind, sondern ist der festen Überzeugung, dass gerade IHM, das vorenthalten wird, was ihm eigentlich zusteht. Er geht von davon aus, dass ihm die „Welt offen steht“ und jeder es „zu bringen etwas kann“, wenn er sich nur genügend anstrengt und sich an die herrschenden Verhältnisse anpasst . Leider klappt die Sache mit dem Erfolg nur in den allerseltensten Fällen. Die Gründe dafür sucht der gute Bürger allerdings nicht beim Kapitalismus und dem Staat, der die Bedingungen gewährleistet, dass der Laden eben so läuft, wie er läuft, sondern entweder bei sich selbst („ ich bin eben zu anständig für diese Welt“ ) sowie bei allen anderen, denen es unterstellt, eben nicht so anständig zu sein wie man es selber ist – das v.a. Ausländern oder solchen Leuten die ausländisch aussehen. Rassismus eben. Die in dem Artikel vorgebrachte Sprachkritik macht lediglich ein paar konstruktive Vorschläge, die „von der Politik“ sicher wohlwollend aufgenommen werden.

  • Wonko said:

    @xoxo
    Schön, dass Du gerade meine Textpassage ‘befremdlich’ findest. Um es Dir nochmal zu verdeutlichen: Nicht das Kompendium aus ‘Irgendeinwort’ mit angehängtem ‘Innen’ ist für mich ein Zeichen mit dem Lesen aufzuhören, sondern dieser vermaledeite ‘_’.
    Wenn dies in einem Text benutzt wird, dann weiss ich schon, welcher Geist dahinter steckt. Nur, glaube mir, diesen ganzen linguistischen Poststrukturalismus, den kann ich herunter beten wie weiland der Pfarrer seinen Katechismus.
    Nur, weil Du und Deinesgleichen das Alles so festgelegt habt, daran mit vollem Eifer glaubt und es jedem andauernd unter die Nase reibt, wird es nicht wahrer, sinnvoller ode rnicht mehr diskutabel. Für Dich macht es Sinn, für mich nicht (mehr).

    Ich weiss nach all den Jahren, dass man es Menschen aus dieser geistigen Ecke niemals, niemals, niemals Recht machen können wird, wenn man auch nur den Hauch eines Dissenses zu Ihrer Sichtweise zeigt.

    Ach komm, ist auch eigentlich egal….

  • THX said:

    Lesempfehlung zum Thema: http://derailingfordummies.com/menu.html

    (leider nur auf englisch, aber sehr zu empfehlen!)

  • max said:

    wunderbar …

    das tollste daran ist, dass die autorin bereits im text auf die abwehrmechanismen verweist, die dieser text hervorrufen wird und sie schon vorab ins reich des “erwischt” geschoben hat.

    ergo: man kann der autorin recht geben, oder sich gegen diese ausführungen verwahren und … der autorin damit recht geben! überraschung!
    das ist so ne art idiotenfalle. kommt mir auch aus den antisemitismusdebatten bekannt vor.

    was kann man dagegen machen? mit solchen leuten entweder nicht reden oder sich ihnen anschließen. damit rettet man sich auf die sichere seite und kann über das ganze andere (rassistische/sexistische/anisemitische) pack herziehen, dass sich der weisheit dieser worte weiterhin verschließt.

    dem kampf gegen den rassismus wir hier wirklich ein bärendienst erwiesen. der aufklärerische wert von texten tendiert gegen null, wenn publikumsbeschimpfung bezüglich der menschen betrieben wird, die erreicht werden sollen.

  • xoxo said:

    verteidigt eure scheiß bürgerliche ideologie mit all ihren ungleichheitsgenerierenden, ausgrenzenden implikationen und wisst selbst nicht warum. denkt nur, ihr wärt die guten, gefeit von jeder kritik.
    zum kotzen

  • Quarktasche said:

    Abgefahrene Argumentationen hier: Weil die Autorin recht hat darf man sich ihr nicht anschliessen. Oder: Hinter einem Bindestrich verbirgt sich ein Weltbild und das ist egal.

    Text lesen. Hirn an. Weiter machen.

    “linguistischen Poststrukturalismus” Abgefahrn wie hoch gestochen man glatt am Thema vorbei diskutieren kann. Was ist denn dein Problem!? Findest du das interessant was du hier erzählst? Die Diskussion ist abgegessen, richtig erkannt!

    Immer schön dran vorbei diskutieren. Sich über “wiederliche Schlauchbootlipen” zu unterhalten, nein wer will das schon!? Eintritt zahlen und ablachen. Aus der Masse heraus und am besten anonym. Auf der sicheren Seite sein, darum gehts. Das muß die legendäre “Gesamtscheiße” sein… Mit oder ohne Strich.

  • amfenster said:

    Dass jeder Widerspruch gleich von vornherein zur Bestätigung der eigenen Aussage herangezogen wird, ist in der Tat ein sehr billiger Trick und verärgert auch den wohlwollenden Leser. Ich will’s trotzdem mit Differenzierung versuchen.

    Es ist ja völlig klar, dass die Definitionshoheit darüber, was Rassismus sei, im Zweifelsfall eher nicht bei demjenigen liegt, der das sozial erwünschte Gratis-Bekenntnis vor sich herträgt, er sei kein Rassist. (Auch wenn es andererseits vielleicht problematisch wird, wenn wirklich jede kleine Privatbefindlichkeit in den gesamtgesellschaftlichen Konsens darüber einfließen soll, wo Diskriminierung anfängt.)
    Natürlich sitzen rassistische Denkmuster tief, auch bei Leuten, die sich für superaufgeklärt und antirassistisch halten. Dem kommt man aber sicher nicht bei, indem man ein pauschales “Ihr wollt’s ja gar nicht kapieren!” in die Menge keift und jedes schüchterne “Ja, aber…” mit “Da habt ihr’s!” niederbügelt, bevor man wutentbrannt von dannen zieht.
    Ich plädiere für differenziertes Hinschauen, bevor man die großen Keulen schwingt, sowie im Bedarfsfall für eine gewisse Nachsicht, freundliche Aufklärung und – ganz naiv – für weniger Verbissenheit. Bei allen Beteiligten.
    Und was dann vielleicht auch noch ganz gut kommt: dem Gegenüber bis zum Beweis des Gegenteils erstmal keinen bösen Willen zu unterstellen.

    Was die “Tabuwörter” angeht:
    Ich halte es für unsinnig, unterschiedslos jede Verwendung z.B. des N-Worts mit einem Tabu zu belegen, weil es ja so “reproduziert” würde. Das Denken ist ja trotzdem da. Und wie soll denn ein (im Idealfall aufklärerischer) Meta-Diskurs über Rassismus stattfinden, oder wie soll etwa auch die Lächerlichkeit rassistischen Gedankenguts karikiert oder entlarvt werden, wenn die entsprechenden Vokabeln nicht mehr verwendet werden dürfen? Sorry, aber das ist Newspeak.

  • Quarktasche said:

    “Dass jeder Widerspruch gleich von vornherein zur Bestätigung der eigenen Aussage herangezogen wird, ist in der Tat ein sehr billiger Trick”

    …das ist kein Trick, das ist das Thema des Artikels. Bitte. Danke.

  • Your Childhood Memories Don’t Trump Mine. « stop! talking. said:

    [...] be it on “Chinese dolls” or “Childhood literature” or the reactions to pieces trying to explain again why it is racism to insist on the use of racist terms, kind of makes this impossible to not write a [...]

  • Mirú said:

    @amfenster

    “ch halte es für unsinnig, unterschiedslos jede Verwendung z.B. des N-Worts mit einem Tabu zu belegen, weil es ja so “reproduziert” würde.”

    Tabu ist finde ich ein (allzu) häufig bemühter Begriff. “Neger” war schaut man sich z.b. das Spiegelarchiv an bis in die 1970er an absolut üblich. Da wurde auch ein wohlwollenden Artikel über “Negerführer”, “Negerpoeten” ect. berichtet.

    Wenn die Angesprochenen der Meinung sind dieses Wort beleidige sie, ist das hinreichend um über Alternativen nachzudenken. Und da ich z.b. im allgemeinen ein “Weißer” bin und kein “Albius” (das Wort lat. für weiß wurde ergoogelt, keine Ahnung wie die korrekte Form aussähe) spricht so gar nichts dagegen statt Neger von Schwarzen [People of coulor - für die Magier] zu sprechen.

    Ich verstehe auch nicht warum manche noch heute so sehr auf die alte Form bestehen oder sie unausgesetzt semantisch zu begründen suchen, Semantik sollte nicht über die Realität gestellt werden.

    ———————

    Das gilt allerdings ebenso für obigen Text, der seit den 80er Jahren noch in jedem Soziologie Grundstudium nahezu wortgleich entsteht. Und ebenso glaubt dann mancher an eine nahezu magische Kraft der Sprache die er qua seiner überlegenen Magikkräften vor sämtlichen sprachlichen Phänomenen inkl. der sehr auffälligen Euphemismus Tretmühle zu schützen können glaubt.

    Natürlich darf die altehrwürdig Erkenntnis das der Mensch nicht etwa absolut sondern in Relation zu seiner Umwelt seine Definitionen bastelt und die Majorität eben eine Definitionsmacht hat nicht fehlen.

    Weiland bei irgendwelchen Altvorderen war es die Geschichte vom Sehenden der in das Tal der Blinden gerät, heute ist es die “Whitness”. Englisch ist so lernen wir offenbar die Zaubersprache der magisch Erhobenen die je nach Temperament mitleidig herablächelnd, oder herrisch gellend auf die Unterlinge blicken uns aber immerhin ihr Herrschaftswissen zu kommen lassen.

  • Mirú said:

    @quarktasche

    “…das ist kein Trick, das ist das Thema des Artikels.”

    Das ist schlichte textliche Selbstimmunisierung Texte versuchsweise hermetisch abzuschließen ist das Ziel mancher Menschen, völlig unabhängig des jeweiligen Anliegens.

    Nach dem Postulat wurde textlich auch sofort aufgehört, den eine Alternative dazu aufzuzeigen ist zwar grundsätzlich denkbar, aber nicht praktikabel. An einem “neuen Menschen” den diese Alternative meiner Meinung nach zwangsweise benötigt sind schon so Manche gescheitert. Weswegen ich es auch für näherliegend halte, den Jetztmenschen als Fundament in die Gedanken einzubeziehen.

  • Your Childhood Memories Don’t Trump Mine. « stop! talking. said:

    [...] it on “Chinese/Negro dolls” or “Childhood literature” or the reactions to pieces trying to explain again why it is racism to insist on the use of racist terms, kind of makes this impossible to not write a [...]

  • Quarktasche said:

    @Mirú Danke auch für deinen Beitrag! Der Rassismus wohnt dem Menschen inne, ok… Und du hast die Deffinitionsmacht darüber, wer der von dir sogenannte “Jetztmensch” ist? Anhand welcher Kriterien würdest du das festlegen? Auch gerne stichpunktartig.

  • blub said:

    “N-Wort”, “R-Wort” statt “Neger” oder “Rassist” zu verwenden ist genauso lächerlich wie “F-Wort” statt “Fuck” zu verwenden, sry. entweder es wird verstanden dann seh ich keinen Sinn in der Kappselung oder es wird eben nicht verstanden und der Text wird unverständlich.

    Momentan siehts es so aus das wohl so aus, dass sich niemand davon freisprechen kann rassistischen Einflüssen ausgesetzt zu sein und von diesen auch beeinflusst werden. Personen sind sozusagen mehr oder weniger Rassist nicht Rassist oder nicht.
    (Beispielsweise ist diese Aussage unabhängig von der Hautfarbe gültig)

    Obs jetzt Sinn macht rassistische Kollektive mit Formulierungen wie “das geht nicht in Eure weißen Köpfe” oder dem ständigen “ihr” und “wir” zu verhärten (zu didaktischen Zwecken nehme ich an) ist fraglich, besonders da wir uns ja beide einig sind das Sprache und das Gesprochene einen Einfluss auf die Welt haben. Das Streiten darüber welcher zweier Kollektive die Definitionsmacht haben sollte, trotz Konsens darüber das beide Kollektive dekonstruiert werden sollten, kommt mir unangenhem aus der Feld Feminismus/Antisexismus bekannt vor.

  • amfenster said:

    @Mirú
    “Ich verstehe auch nicht warum manche noch heute so sehr auf die alte Form bestehen oder sie unausgesetzt semantisch zu begründen suchen, Semantik sollte nicht über die Realität gestellt werden.”

    Da bin ich ganz bei Ihnen.
    Dieses Spielchen, trotzig darauf zu beharren, dass “Neger” doch völlig wertfrei das Faktum “dunkle Hautfarbe” bezeichne, ist absolut lächerlich. Selbst wenn dem jemals so gewesen sein sollte (was ja auch schon diskussionswürdig ist) – die Bedeutungsgeschichte des Wortes zeigt ja, dass das so nicht (mehr) stimmt. Dass sich hier und jetzt Menschen von dem Wort angegriffen fühlen, ist dabei nur einer von vielen guten Gründen.
    Wogegen ich mich allerdings verwahre ist, jeglichen Gebrauch eines solchen Tabu-Wortes zu sanktionieren. Wie könnten wir sonst eine Diskussion darüber führen? Oder auch dem unreflektierten Sprachbenutzer erklären, warum er “es” besser nicht sagen sollte?
    Aufklärung erreicht man so sicher nicht.

  • AB said:

    Du findest es gemein, wenn allen Weißen Rassismus unterstellt wird? Im Gegenteil: dadurch fühlst Du Dich selbst “rassistischen” Äußerungen ausgesetzt?

    Und überhaupt sind Deine Gefühle sehr verletzt, wenn eine Person of Colour über ihre Gefühle und Erfahrungen schreibt und Menschen mit Deiner Hautfarbe dabei nicht so gut wegkommen?

    Die Hilfe naht – folge diesen 3 einfachen Schritten:
    1. Lies genau – Wort für Wort!
    2. Unterdrücke den Zwang, sofort Deine Meinung kundzutun!
    3. Denke mindestens eine Woche darüber nach, was Du gelesen hast!

    http://ladyatheist.tumblr.com/post/22849851547/for-the-white-people-who-still-dont-get-it
    http://ladyatheist.tumblr.com/tagged/white+people+study/

    Gute Besserung!

  • AKDEN_P said:

    “Wer N sagt, ist auch R.”

    Und wer Autobahn sagt oder Jude oder Schäferhund, ist ein Nazi?

    Das ist kein Rassimus, sondern moraltümelnder Plumpismus.

    “Ihr kennt die Abwehrmechanismen ziemlich gut, und weil das so ist, müsst ihr nicht reflektieren.”

    Das gilt doch für die Gegenseite ebenso. Sie kennt die Rassmuskeule ziemlich gut und muss nicht reflektieren. Mit Rassismus und vermeitlichem Rassimus kann man heute trefflich Aufmerksamkeit generieren – vor allem, wenn man sich als Weißer zum Sprecher der Opferisierten aufschwingt. Und dann läuft es ab, wie bei kleinen Kindern. Wenn die erstmal kapiert haben, womit sie Aufmerksamkeit, Mitleid und Schokolade einheimsen können, treiben sie es bis zum Exzess. Die Eltern sind meist emotional zu involviert, um das Spiel zu durchschauen. Helfen würde nur konsequentes Ignorieren.

    “Dabei ist es höchste Zeit mal über den alltäglichen Rassismus und Eure eigene Verstricktheit nachzudenken.”

    Heute lebende Deutsche haben mit der Sklaverei zu Zeiten des Kolonialismus, der Apartheit in Amerika und Südafrika usw. nichts zu tun – NICHTS. Ebenso wie die Jüngeren mit dem 3. Reich nichts zu tun haben. Da gibts keine Versticktheiten. Die heute lebenden Schwarzen haben mit dem Kolonialismus übrigens auch kaum noch etwas zu tun. Es ist einfach zu lange her.

    “Dass ihr das nicht tut ist vielleicht banal, aber es macht mir Angst, weil Rassismus tötet und das spürt ihr.”

    An dieser Aussage wird die ganze Absurdität deutlich: Rassimus tötet nicht. Mörder töten. Es ist noch niemand durch einen Begriff umgekommen. Aber die Unterstellung, unabhängig vom Kontext wäre ein Wort Rassismus und dieser würde dann töten, also würde auch das Wort töten, verdeutlicht, worum es geht: Moralischer Ablasshandel. Von dem Rassimusvorwurf kann man sich mit billigen Euphemismen freikaufen und gehört dann zu den Guten!

  • Samia said:

    @elias

    Du solltest deine Behauptungen mal auf Zitate stützen. Da steht z.B. nirgends, Sprache würde Rassismus schaffen. Kann sein, dass die Autorin das denkt, aber es steht da nicht. Auch das angebliche Fehlen von Kontext hast du dir ausgedacht. Und Vorschläge an die Politik stehen da schon gar nicht. Tatsächlich teile ich einiges von dem, was du sagst. Aber du wirkst so, als würdest du bloß dein Standardprogramm abspulen, ohne Bezug zum Text, ohne Belege.

  • Axel Mylius said:

    Spencer hat` nen geiles Piktogramm… das musste jetzt aber einmal geschrieben werden: bei aller Ernsthaftigkeit des Themas! :)

  • Links vom 17.06.2012 bis 18.06.2012 | endorphenium Links vom 17.06.2012 bis 18.06.2012 | photography & other stuff said:

    [...] Publikative.org » Blog Archive » Das Wort, das wir nicht aussprechen dürfen – [...]

  • veronikadimke.de said:

    Sehr geehrte Frau Mohamed,

    Danke für diesen erfrischenden Artikel. Ich finde es ist auch mal Wut angebracht.

    Über Definitionsmacht wird viel zu wenig nachgedacht, vorallem von denen die sie besitzen. Wer sich wann verletzt/diskriminiert fühlt von einer privilegierten Person entscheidet IMMER diejenige, die sich verletzt/diskriminiert fühlt und nicht diejenigen die das nicht nachvollziehen können. Es ist eine Frechheit was Leute die keine Ahnung haben was Rassismus zu ertragen bedeutet meinen, das für andere entscheiden zu können. Ich habe auch keine eigenen Erfahrungen damit, bekomme das aber von meinen Freund_innen und Kolleg_innen mit und versuche solidarisch zu sein.

    Kuttner muss akzeptieren, wenn Leute sich angegriffen fühlen, obwohl sie es ganz anders gemeint hat. Es ist nämlich nicht erträglich, wenn dumme, krude, herabsetzende Wörter in einem männlich domninierten öffentlichen Raum selbstgerecht ausgesprochen werden, weil mensch es ja nicht so gemeint hat.

    Genauso wie ich es lächerlich finde wenn eine reine cis*-Männer Band gegen Sexismus bei ihrem Publikum und in der Musikszene Stellung bezieht ohne konkret Musiker_innen dabei zu haben.
    Ich will Kuttner gar nicht an den Pranger stellen. Wir leben in einer zutiefst rassistischen Gesellschaft und sie ist ein Beispiel davon.

    Dass Kuttner dann auch noch nicht mit dem Menschen, der sie kritisieren wollte reden wollte spricht für ihren verinnerlichten Rassismus, den Weisse in rassistischen deutschen Gesellschaft verinnerlicht haben. Da ist eine kompetente Person, die sich mit ihr über Alltagsrassismus wirklich auseinandersetzen will und sie weist sie ab.