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  1. Benjamin

    Sehr geehrter Herr Reisin,

    grundsätzlich ist Ihre Erkenntnis, dass bei Spielen der deutschen Nationalmannschaft ein vielschichtiges Klientel zugegen ist sicherlich richtig. Dass hierbei auch Vertreter der rechten Ecke zu finden sind, dürfte nicht sonderlich überraschen.

    Allerdings wird mir im Blog zu vieles vermischt und letztendlich undifferenziert betrachtet. Gerade die Disukussion um den Gassenhauer Mexico von den Böhsen Onkelz geht in die falsche Richtung.

    Ihre überragend tolle Recherche beginnt mit dem Fehler, dass das Album “Der nette Mann” nach “Mexico 86″ erschienen sei. Dies ist schlichtweg falsch. Somit ziehe ich den Schluss, dass Sie hier überhaupt nicht recherchiert haben (ein Blick auf Google macht’s möglich) und Ihr propagiertes Wissen über die Band wohl eher lückenhafter Art ist.

    Des Weiteren vermischen Sie hier eindeutig die Begrifflichkeiten Hool/Skin/Nazi. Dies führt für mich und andere Leser zum Eindruck, dass sie einen Teil der Fans in eine gewisse (rechte) Ecke stellen möchten.

    Sie führen in auch in diesem Zusammenhang immer wieder das ominöse Mexico an. Von der damaligen (hier falsch dargestellten) Gesinnung der Onkelz schließen Sie auf die Gesinnung vieler Fans heute.
    Die Onkelz waren in dieser Zeit der unpolitischen (http://de.wikipedia.org/wiki/Skinhead) Skinheadszene zuzuordnen. Hier dominierten sinnlose Gewaltverherrlichung und Alkohol. Im Leben und in den Texten der Band. Dies allerdings vollkommen unpolitisch. Oder verwundert es Sie, dass die Lieder der Onkelz sowohl in der extrem rechten als auch in der extrem linken Szene geächtet sind? Somit haben Skinheads sicherlich ein Wenig mit Hooliganismus zu tun (grundlose Gewalt). Ganz sicher aber nichts mit irgendeiner politischen Gesinnung. Dass personen beider extrempolitischer Lager unter Siknheads bzw. Hools zu finden sind, lässt sich nicht bestreiten. Allerdings besteht hier wohl nur eine geringe Deckungsgleichheit.

    Somit wäre die politische Dimension des Stadionliedes Mexico wohl widerlegt. Was bleibt ist die potentielle Gewaltbereitschaft.

    Betrachten wir jetzt noch völlig unvoreingenommen, dass die Stadiongänger, die dieses Lied heutzutage anstimmen, in etwa im Alter von 20-30 Jahren sind, so bedeutet dies, dass viele zur Zeit als die Lieder noch einen gewaltverherrlichenden Hintergrund hatten, noch nicht einmal das Licht der Welt erblickt hatten. Daraus lässt sich schließen, dass jene Konnotation bei der Intonierung des Stücks über 25 Jahre nach dessen Veröffentlichung wohl eher nicht mitschwingt.

    Bleibt noch, dass Fußballfans sich bei der Unterstützung ihres Teams oft martialisch in Szene setzen wollen um den Gegner einzuschüchtern. Der Gesang einer großen Gruppe dient diesem Zweck unverholen (wer schon einmal “You’ll never walk alone” von den Kops in Glasgow und Liverpool gehört hat, weiß was gemeint ist) genauso wie der militärisch anmutende Aufmarsch einer Gruppe. Allerdings hinkt auch hier der (schon oft angeführte) Nazi-Vergleich deutlich, da militärische Gruppen seit dem antiken Ägypten diese Form der Inszenierung praktizieren. Auch hier offensichtlich völlig unpolitisch. Sich vor diesem Hintergrund über “Deutschland Deutschland”-oder “Sieg Sieg”-Rufe zu stören zeugt in meinen Augen von Böswilligkeit.

    • Sehr geehrter “Benjamin”,

      leider war hier in den letzten Tagen sehr viel los, deswegen erst jetzt eine Antwort auf Ihren Beitrag:

      1. Zunächst: Vielen Dank für Ihre Korrektur, Sie haben natürlich Recht, was die Nennung von “Der nette Mann” an der entsprechenden Stelle angeht. Gemeint war “Onkelz wie wir” (ist im Text korrigiert). Allerdings offenbart dies weniger “den Schluss, dass Sie hier überhaupt nicht recherchiert haben (ein Blick auf Google macht’s möglich) und Ihr propagiertes Wissen über die Band wohl eher lückenhafter Art ist“, wie Sie offenbar sofort unterstellen müssen, sondern es handelt es sich dabei schlicht um einen Flüchtigkeitsfehler in einem Kommentar zum Text, wie aus dem Kontext mehr als deutlich wird. Dort heißt es:

      “Zwischen “Frankreichüberfall” und “Mexico” liegen zwei Jahre, kompositorisch möglicherweise noch weniger. Das ist ja sogar noch VOR dem ominösen Auftritt im “KdF”-Bunker, der angeblich (laut Onkelz) die Initialzündung für das Lossagen von der rechtsradikalen Skinhead-Szene war, das ist noch vor “Der nette Mann” und “Kneipentrroristen”, also den Alben, die zwar keine rechtsradikalen Inhalte, aber immer noch genug Hool, Suff-, Gewalt- und andere Inhalte hatte, die die “unpolitische” Hool-Szene zumindest nicht gerade abstießen.”

      NATÜRLICH kann damit NICHT “Der nette Mann” gemeint sein, denn dieses enthält neben dem Titelsong ja mit “Frankreich 84″, “Deutschland” und “Böhse Onkelz” jede Menge Lieder mit relativ eindeutig rechtsradikalen Inhalten. Von daher: Ja, weil später in dem Kommentar auch noch von “Der nette Mann” die Rede ist, ist es oben gewissermaßen als Freud’scher Fehler mit reingerutscht. Gemeint waren aber die beiden ersten Platten NACH dieser Phase der Onkelz, nämlich “Onkelz wie wir” und “Kneipenterroristen”. Sie wissen im Übrigen, dass es eine Mexiko-Version von “Frankreich 84″ gab, bevor man dann doch einen neues Lied für das neue Turnier schrieb?

      2. Ich weiß nicht, ob die Onkelz-Diskussion in ihrer 150.000sten Auflage hier nun zu bahnbrechend neuen Ergebnissen führt. Wissen Sie, wenn ich alle Anhänger Band “in die rechte Ecke” stellen möchte, könnte ich es mir sehr viel leichter machen. Die TAZ hat sich ja bekanntermaßen sogar das Recht erstritten, die Onkelz eine “berüchtigte rechtsradikale Band” nennen zu dürfen. Meinen Sie nicht, da könnte man dann ganz anders dahergehen, wenn man das sagen wollte? Es ist viel mehr eines der beliebten Totschlagargumente von Onkelz-Fans: Sobald man es auch nur wagt, darauf hinzuweisen, dass man die Onkelz nicht komplett unproblematisch findet, kommt immer sofort jemand um die Ecke uns sagt trotzig: Aber wir sind keine Nazis. Sorry, aber das ist Kindergarten.

      Wenn Sie an meiner persönlichen Meinung interessiert sind: Ich finde es lächerlich, zu behaupten, die Onkelz hätten sich von Anfang bis Mitte der Achtziger auch nur einen Deut von 99% der restlichen Skin-Szene unterschieden. Und diese politisierte sich nun einmal relativ schnell relativ eindeutig nach rechts, gerade in Abgrenzung zu Punk. Die Onkelz sind diesen Weg bis ca. 1986 mitgegangen und haben der Szene musikalische Denkmäler gesetzt, die damals ihresgleichen suchten. Nichts daran war “unpolitisch”, die Überschneidungen zwischen den genannten Szenen waren damals fließend, gerade auf Konzerten und im Stadion. Natürlich gab es auch Differenzen, natürlich waren nicht alle Beteiligten Neonazis (schon gar nicht in ihrer eigenen Wahrnehmung), aber diese klare Abgrenzung, die Sie hier vornehmen wollen, entspringt reinem Wunschdenken.

      Mit welchen Bedeutungen das alles 30 Jahre später aufgeladen ist, kann hier nicht abschließend entschieden werden. Ich halte es für extrem fragwürdig, wenn Liedgut das eindeutig aus dieser Phase stammt, nun als völlig harmloser Partykracher tituliert wird, der KEINERLEI Bezug mehr zu seinem historischen Kontext haben soll. Wenn dem so wäre, könnten wir ja auch über ganz andere Songs neu nachdenken: Auch “denn heute gehört uns Deutschland und morgen die ganze Welt” könnte jenseits seines historischen Kontexts als schmissiger Stimmungssong durchaus durchgehen. Zugegeben polemisch, aber so einfach ist es nun mal nicht. Nachdem in den letzten 15 Jahren genau diese Art der mit rechtsradikalen Einstellungen immer wieder liebäugelnden Fußballkultur durchbrochen wurde, gibt es aus meiner Sicht überhaupt keinen Grund, derlei Liedchen aus einer anderen Zeit, “unkritisch” zu betrachten.

      3. Wissen Sie, wenn nur noch Leute mit rechtsradikalen Einstellungen herumlaufen würden, die ein Hakenkreuz auf der Stirn tätowiert haben, dann hätten wir deutlich weniger Probleme. Dieser Blog existiert aber unter anderem deswegen, um aufzuzeigen, dass rechtsradikale Denkmuster und Einstellungen von Rassismus über Antisemitismus bis hin zu Gewalt als Problemlösung eben NICHT nur bei bekennenden Nazis verbreitet sind. Das sind immer die wenigsten, denn wer mag sich schon offen zu einer derart gesellschaftlich geächteten Weltanschauung bekennen? Eben: Nur die wenigsten.

  2. namenamenameanme

    jede/r der sich positiv auf eine nation bezieht ist nationalistisch. in der qualität gibt es unterschiede. dennoch ist diese person klar im politisch rechten kontext einzuordnen(die angeblich linken völkischen spinner ebenso).
    es besteht hier (deutschland abgefeiere) folgerichtig eine anschlußmöglichkeit für neonazis. auch ist offfensichtlich gar kein wille der “schland-fans” vorhanden sich von extrem rechten personen abzugrenzen. sie würden es ohnehin nicht schaffen.
    und dann aber mit einer nationalfahne unpolitisch wirken wollen. das ist ja wohl ein schwachsinn ohne namen. deshalb scheißt auf deutschland und spielt lieber selbst fußball. das wetter ist doch gut.

  3. carsten

    Habe ich schon unter den Text von Florian Schubert gepostet, passt hier aber auch zur Diskussion um die falsch interpretierten Gassenhauer der Onkelz:
    Herzlichen Glückwunsch! Publikative hat mal wieder den Nerv getroffen. Florians Artikel hob sich wohltuend, neben sehr wenigen anderen, von einem journalistischen Einheitsbrei ab. Wenn die Uefa die Bilder bestimmt und viele Redaktionen die Schwarzrotgeilheit des Pöbels schüren, da fallen hämische Kommentare über jeden der noch einen kleinen Rest Vernunft in sich trägt.
    Zu den Onkelz und ihrem Song Mexico möchte ich doch noch etwas beisteuern. Auf der Scheibe auf der er veröffentlicht wurde, und die auch von heutigen Fans noch gehört wird, befindet sich als letztes der Song “Gesetz der Strasse”. Der gewiss auch so völlig harmlos gemeint wie lustig in die Debatte um einen neuen Partynationalismus passt:

    Zeig was Du denkst, tu was Du willst
    Nur verlier’ nie Dein Gesicht,
    zeigt keine Schwäche, zeig keine Angst,
    denn Verlierer zählen nicht
    CHORUS:
    Gesetze der Straße sind Gebote der Gewalt
    Gesetze der Straße sind Blut auf dem Asphalt
    Kampf in den Stadien
    Kampf in den Straßen
    nie endende Gewalt
    sind Ausdruck des Unmuts und der Arbeitslosigkeit

    Da hat der Texter doch glatt Heitmeyers These des Modernisierungsverlierers vorweggenommen. Aber nein alles ganz harmlos liebe Fußball/Onkelz-Fans…
    Wie gut, dass Verlierer nicht zählen.
    Wer hat gewonnen?

  4. Lisa M.

    Allmählich wird dieser Blog immer lächerlicher. Mal schwappt er ins Linksextreme, dann ist er antideutsches Gesocks (wie hier) und mal gibt er sich der Lächerlichkeit preis, indem Sachen zusammengeworfen werden, die nicht zusammengehören.

    Sorry, früher habe ich mir diesen Blog gerne durchgelesen, aber allmählich fährt er die falsche Schiene. Klingt allmählich eher wie Antifa-Stimmungsmache oder die Linkspartei, die mit dem Finger auf Fußballfans zeigt…

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