17 Kommentare

  1. Jan

    der gegenentwurf ist doch rein ideologisch, als wären schulden die ursache der krise und nicht deren aufschub !?! der kapitalismus reproduziert sich doch nur noch über schuldenbasierte ausweitung des fiktiven kapitals das immer weniger deckung, das heisst verbindung zur wertproduktion im primären sektor aufweist. daher die blasen, die auf immer größerer stufenleiter sich reproduzieren. permanent findet doch keine krisenlösung, sondern ein immer weiterer aufschub des crashs statt, der unweigerlich kommen wird. deshalb hat die aussage “unterkapitalisierung der banken”, so ekelhaft sie ist, einen wahren kern, der allerdings meist unverstanden bleibt

  2. Thomas

    Die Frage ist doch vielmehr, ob man sich nicht aus bürgerlichen krisenverwaltung konsequent heraushalten sollte und vielmehr in sozialen auseinandersetzungen dagegen kämpft, dass die krisenlasten immer größeren teilen der bevölkerung aufgebürdet werden

  3. Der Sizilianer

    Walter Krämer ist auch anderweitig in ähnlicher Art und Weise aktiv. So ist er beispielsweise auch bekannt als langjähriger Vorsitzender des “Vereins Deutsche Sprache e.V.” (VDS), mit dem er die “Rettung der deutschen Sprache” vor einer “Überfremdung” und “Amerikanisierung” durch Anglizismen erkämpfen will. Manchmal beklagt er darüber hinaus z. B. auch einen vermeintlichen “Bombenterror auf Dresden” durch “die Amerikaner” …

    Quellen: http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/vielschreiber-walter-kraemer-ein-sprachwaechter-und-seine-mission-a-311735.html

    Rainer Wimmer: Sprachkritik und Sprachpflege. In: Kristel Proost/ Edeltraud Winkler (Hrsg.) (2006): Von Intentionalität zur Bedeutung konventionalisierter Zeichen. Gunter Narr Verlag Tübingen

  4. anderer Jan

    Raus aus dem Euro…und dann? Wissen die Herren der NPD, von PI oder die Unterzeichner um Herrn Sinn, wie es mit Deutschland weitergehen soll? Allein der Aufwand für die Unternehmen, alle Verträge von Euro auf die neue Währung umzustellen. Und würde die neue Währung dann höher bewertet sein als der Euro? Soweit ich das verstanden habe, ist das keine positive Aussicht für eine Exportnation wie Deutschland.
    Ich empfinde den Aufruf gegen den Euro ansich schon fragwürdig. Können wir einfachen Bürger überhaupt die Tragweite eines Auseinanderbrechens der Euro-Zone abschätzen? Wir sehen nur die Horrormeldungen über noch mehr Garantieren die Deutschland abgeben muss, untermalt mit dem Hinweis auf “unsere Steuergelder”. Aber wie kann ich gegen etwas protestieren, dass ich nicht verstehe? Versteht das jemand hier im Blog? Ist einer hier wirtschaftlich so versiert, dass er sagen kann….Ja die Gruppe um Herr Sinn hat Recht?
    So blöd es klingt, aber man sollte einfach mal darauf vertrauen, dass eine Angela Merkel und ein Wolfgang Schäuble wissen, was sie tun. Auch wenn man Herrn Schäuble nicht mag, wenn er irgendwo Kompetenz gezeigt hat, dann als Finanzminister. Als Bürger zu sagen, man sei gegen den Euro, sagt nichts darüber aus, ob man auch die Folgen eines Austritts kennt. Können mir die Euro-Kritiker eine Garantie geben, dass wir ohne den Euro besser dran sind?

  5. lars

    Wo kommt euer Zitat her? Der auf der FAZ verlinkte Text enthält den peinlichen Grammatikfehler im ersten Satz nicht. (172 Wissenschaftler unterschrieben, aber keiner las den Text?) Wer zitiert hier falsch?

  6. MaterialismusAlter

    Dieser Streit unter VWLern ist eigentlich nur amüsant: Seit 2007 weigert sich die Ökonomie standhaft, sich so zu verhalten wie die Lehrbücher es verlangen. Da wird man schonmal gereizt und gerät mit den – ebenso Ahnungslosen – Kollegen in Streit.

    Diese Ideologie hat den Namen Wissenschaft nicht verdient.

  7. Rainer Möller

    In den Stellungnahmen von Horn, Bofinger und De Grauw kommt eine Ideologie zum Ausdruck, die die Existenz von ökonomischen Interessenkonflikten – seien es nun Klasseninteressen oder nationale Interessen – negiert und damit indirekt auch die Demokratie als Konfliktlösungsmechanismus negiert: Wirtschaftspolitik reduziert sich auf die richtige Befolgung von wirtschaftswissenschaftlichem Expertenwissen.

  8. Einlagensicherung über europäische bzw. eurozonäre Bankenunion ist etwas anderes als Bankenrekapitalisierung über ESM (ohne Haftung des jeweiligen Landes?).

    Aber okay: Ökonomen, welche die aktuelle Schuldenkrise nur als eine solche “mit zwei Wurzeln (Staatsschulden und unterkapitalisierte Banken)” ansehen (und allenfalls noch das ‘Inflationsversagen’ Deutschlands als Krisenursache begreifen), nicht aber die aus anderen Gründen mangelnde Wettbewerbsfähigkeit der Südländer, sind ohnehin kaum die besten Ratgeber für eine Krisenlösung.
    Jedenfalls nicht für eine Lösung, welche die deutschen Bürger und Steuerzahler schont.

  9. Roland Sieber

    @Lars: Wir haben hier den Aufruf veröffentlicht, der am Mittwoch mit ca. 40 Erstunterzeichnern mit der Bitte um Unterstützung an weitere Wirtschaftsprofessoren versendet wurde. In der Mail wurde der Abdruck in der FAZ ab 150 Unterstützern angekündigt. Am Donnerstagmorgen veröffentlichten dann Onlinemedien einen entschärften Text mit 150 Unterzeichnern und mehr; FAZ.net listete 172 namentlich auf.

  10. Ouy Phatum

    Vieles ist ungewiss, nur eins ist gewiss, die Rettung des Euro ist nicht nur teuerer als die Aufgabe, sondern auch unmöglich.

  11. Hans Sottmaier

    Sehr geehrter Herr Sieber!
    Sie schreiben “Die Eurokrise und ihre Ursachen bleiben für die meisten Bürger undurchschaubar. Auch viele Ökonomen können keine sinnvolle Analysen liefern,…”.
    So undurchschaubar will mir die angebliche “Eurokrise” nicht erscheinen. Wenn viele Ökonomen keine Ursachenanalyse der Krise liefern, so liegt es einfach nicht in ihrem Interesse, über die wahren Ursachen der Krise aufzuklären.
    Jeder wird sich daran erinnern wie der ganze Spuk begann, als am 15.09.2008 die amerikanische Investmentbank Lehmann-Brothers kollabierte. Grund dafür, auch das ist allgemein bekannt, war der exzessive Handel mit hochspekulativen Derivaten. Verstrickt in diesen Handel waren natürlich auch zahlreiche andere Banken, die seitdem am Abgrund stehen und von den Staaten gerettet werden müssen.
    Was hat sich seitdem geändert? Wie Ex-BaFin-Chef Jürgen Sanio kürzlich anlässlich seines Abganges bei der BaFin sagte: “Nichts”. Inzwischen fordern selbst Hedgefonds-Manager: “Lasst Banken pleitegehen”. (Quelle: http://www.zeit.de/politik/ausland/2012-06/kritik-euro-rettungskurs)
    Selbst in den Mainstream-Medien bricht sich langsam die Anschauung Bahn, dass z.B. in Spanien, das vor dem 15.09.2008 eine deulich niedrigere Schuldenquote hatte als z.B. Deutschland, nicht der Euro und nicht das Land Spanien gerettet werden muss, sondern nur mit Derivaten (auch “Schrottpapiere” genannt) überladene Banken.
    Warum verkauft uns die Politik die Bankenkrise dann als “Eurokrise” ? Nun, es waren schliesslich die Vertreter von Schwarz-Gelb, die jahrelang die Deregulierung des Finanzmarktes in Deutschland gefordert haben und die Vertreter von Rot-Grün, die diese Deregulierung 2003 durchsetzten. Verständlich, dass nun die Allparteienkoalition von Schwarz-Rot-Gelb-Grün lieber den “Euro” rettet, als den Bürger darüber aufzuklären, dass Billionen Euro im globalen Finanzkasino verzockt worden sind. Und wenn dann ein drohender Zahlungsausfall bei der Rückzahlung von Staatsanleihen in einem kleinen Land wie Griechenland die Finanzmärkte der Welt zittern lässt, redet man lieber über angeblich “Faule Griechen”, als darüber, wie kartenhausfragil ein Bankensektor ist, der beim kleinsten Zahlungsausfall (Eintreten der Kreditausfallversicherungen) zu kollabieren droht.
    Sehr aufschlussreich zu dieser ganzen Thematik ist z.B. auch der Text “Desaster Derivatehandel” auf:
    http://der-oekonomiker.blogspot.de/2012/07/stanpunkt-291-derivate-desaster.html
    Mit freundlichen Grüßen Hans Sottmaier

  12. mjb4

    Wie kann man eigentlich so rücksichtslos und dumm sein?

    “[..] Noch unsere Kinder und Enkel werden darunter leiden. Weder der Euro noch der europäische Gedanke [..]”

    Als ob die “[..] Steuerzahler, Rentner und Sparer der bislang noch soliden Länder Europas [..]” die einzigen wären die ein Recht darauf haben das ihre Renten und Ersparnisse sicher sind.
    Anstatt den europäischen Gedanken (der wohl absolut falsch verstanden wurde) ins Zentrum zu stellen und so zu fordern das gerade solide Staaten dafür sorgen, dass das Geld von allen Rentnern und Sparern (und warum eigentlich nur diese Gruppen) sicher ist zu betonen, wird hier eine Untergangsangst geschürt um endlich die Antieuropa Ideologie mit mehr als nationalistischen Klischees aufzuladen.

    Das traurigste ist wohl das Sarrazin und Co. bis heute noch nicht verstanden haben das ihre “neue” Ideologie und ihre “neuen” Argumentationen die unterfüttern, die ohnehin schon von der demokratischen pluralistischen Natur der BRD abgestoßen sind.

    Doch warum schafft es NPD und Co nicht aus eigenen Reihen solche “Geistigen” Argumente zu Platzieren, weil diese Argumentation aus den Reihen der NPD klingen wie das alte bekannte nationalistische Gewäsch, was als formal und inhaltlich grob falsch zurück gewiesen wird.

    Warum schaffen es also NPD ferne Kreise solche Argumentationen in die Mitte der Gesellschaft zu tragen, weil es genau dort an einer neuen “Rechten” zu mangeln scheint, wie es aussieht ist es nur noch eine Frage der Zeit bis eine Partei rechts von CDU/CSU mit diesen “neuen” Denkstrukturen in die Parlamente zieht.

  13. Roland Sieber

    Fast alles was sich rechts von FDP und CDU bewegt, springt aktuell auf diesen Anti-Euro-Zug auf. So wird die nationalistische „Mein letztes Hemd“-Kampagne auf Facebook sowohl von den REPs als auch von PI-News beworben, obwohl diese inhaltlich der PdV nahe steht. Diese wendet sich dagegen, dass „selbstlos die Steuergelder der Bundesbürger in ganz Europa verteil[t] werden“ und gegen eine „solidarische Ausgewogenheit“ in Europa. Während Euro und ESM für „Die Freiheit” noch Zweitthema ist, haben die „Bürger in Wut“ dies inzwischen wie die Freien Wähler zum Hauptthema erhoben. Pro NRW übernimmt gar den NPD-Slogan „Raus aus dem Euro“.

    Die Geschichte des Ökonomen-Streits geht weiter: Peter Bofinger widerspricht dem Protestbrief. Der Wirtschaftsjournalist Philipp Löpfe kommentiert, dass „sich der streitbare deutsche Ökonom Hans-Werner Sinn an die Spitze eines akademischen Saubannerzuges gegen Brüssel stellt“. Der linke Wirtschaftwissenschaftler Rudolf Hickel wirft den Kritikern der Euro-Beschlüsse „Links-Rechts-Populismus“ vor und spricht vom „Sarrazin der Ökonomie”.

  14. mjb4

    @Roland Sieber

    ah hab gerade erst die Versionsgeschichte gelesen auf die Hier indirekt verlinkt wurde, das ist ja interessant was gekürzt wurde!

    “[..] Ein Vergleich von Prototyp und Endprodukt offenbart den Dilettantismus unserer VWL-Elite erst so richtig. Fremdschampotenzial: maximal hoch.”
    aus
    http://wirtschaftswunder.ftd.de/2012/07/06/zum-dilettantismus-der-deutschen-okonomen/

    http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2012/07/05/die-zwei-versionen-des-okonomenaufrufs/

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