Home » Allgemein, Neonazis, NPD-Verbot, Rechtsterrorismus, Thüringen

Flop für Deutschland

08. Juli 2012 17:52 11.590 mal abgerufen 9 Kommentare

In Gera versammelten sich am Samstag rund 700 Neonazis, um die rechtsextreme Festivalsaison in Thüringen mit ihrem vermeintlichen Highlight – dem “Rock für Deutschland” ausklingen zu lassen. 

Von Martina Schmitt, Gera

Die Anzahl der Besucher auf dem Bahnhofsvorplatz in der *südostthüringischen Stadt war im immerhin zehnten Jahr des Festivals allerdings weit vom Besucherrekord von 2009 mit über 3.000 Neonazis entfernt. Dies dürfte vor allem auch am Fehlen echter Größen der Szene sowohl in musikalischer als auch rednerischer Sicht gelegen haben. Selbst die zuvor angekündigte Hauptband „Max Resist“ aus den USA konnte nicht teilnehmen, denn laut den Veranstaltern wurde dem Sänger kurzerhand die Einreise nach Deutschland verweigert.

Als Redner traten eine bunte Mischung extrem rechter Führungskader auf: Unter anderem war auch die alte und im neuen NPD-Bundesvorstand ungewollte Garde mit Udo Voigt und Matthias Faust vertreten. Voigt war erst im November 2011 von Apfel an der Spitze der Partei gestürzt wurden und Faust, der als DVU-Vorsitzender die Fusion mit voran getrieben hatte, stand nie auf Apfels Wunschliste als Vorstandsmitglied. Etwas fremd wirkten beide dann auch im typischen Szenepublikum zwischen extrem rechten Tätowierungen und den einschlägigen Modemarken.

Startseite » Flop für Deutschland » Rock für Deutschland 2012
Rock für Deutschland 2012
Rock für Deutschland 2012
Rund 700 Neonazis hatten den Weg nach Gera gefunden, zum Abhängen beim RFD 2102 (Foto: M.S.)
Gegendemonstration
Gegendemonstration
Mehr als 2.000 Menschen demonstrierten in Gera gegen die Nazis. (Foto: M.S.)
Rock für Deutschland 2012
Rock für Deutschland 2012
Die Hände zum Himmel ... Besucher beim Rock für Deutschlad 2012 (Foto: M.S.)
Thüringer Heimatschutz
Thüringer Heimatschutz
Klare Botschaft: Der Gott, der Eisen wachsen ließ, ließ daraus offenbar auch Mordwaffen in Tschechien fertigen (Foto: M.S.)
Terror
Terror
Mit Terrorismus hat das nichts zu tun. Die wollen nur spielen. (Foto: M.S.)
Rock für Deutschland 2012
Rock für Deutschland 2012
Eindeutige Gesten: "Kommt doch her, haltet Euch bereit", hatten Sleipnir schon gedichtet. (Foto: M.S.)
Rock für Deutschland 2012
Rock für Deutschland 2012
Ordner und "Vollstrecker" in einer Person. Das hatte noch nicht mal Volksgerichtshof-Präsident Freisler geschafft (Foto: M.S.)
NPD-Größen: Voigt und Faust
NPD-Größen: Voigt und Faust
Matthias Faust und Udo Voigt vor ihrem Auftritt.
T-Shirt-Größen
T-Shirt-Größen
Immer wieder schade, wenn es das gewünschte T-Shirt nicht in XXXL gibt. Aber das hält keinen guten Kameraden ab. (Foto: M.S.)
Rock für Deutschland 2012
Rock für Deutschland 2012
Deutsche "Helden" einst und heute. (Foto: M.S.)
Rock für Deutschland 2012
Rock für Deutschland 2012
"Geboren als Deutscher, gelebt als Kämpfer, gefallen als Held." Bitte fallen Sie nicht vor Schreck tot um, wenn Sie diesen "Helden" über den Bordstein stolpern sehen. (Foto: M.S.)
Rock für Deutschland 2012
Rock für Deutschland 2012
Freiheit für alle Nationalisten. Die Frage ist, auf welcher Seite des Zauns. (Foto: M.S.)
Rock für Deutschland 2012
Rock für Deutschland 2012
NAZI: Noch Fragen, Kienzle? (Foto: M.S.)
Rock für Deutschland 2012
Rock für Deutschland 2012
Fröhliche Gesten bis zum Schluss. (Foto: M.S.)

Trotz der “NSU”-Morde: Klares Bekenntnis zum “Thüringer Heimatschutz”

In Gera hatte sich gegen die Veranstaltung ein breiter Protest organisiert. Mehr als 2.000 Menschen gingen gegen die Veranstaltung auf die Straße und zeigten, dass die Rechtsextremen auch in Thüringen alles andere als willkommen sind. Sogar Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) nahm an den Gegenprotesten teil. Neben Lieberknecht waren auch Innenminister Jörg Geibert (CDU) und Sozialministerin Heike Taubert (SPD) als Gäste bei der Gegenveranstaltung anwesend. Besonders Geibert steht derzeit unter erheblichem politischen Druck und entließ erst vor wenigen Tagen den Chef des Thüringer Verfassungsschutzes.

"Rock für Deutschland 2012": Bühnen-Deko mit klarer Botschaft (Foto: M.S.)

“Rock für Deutschland 2012″: Bühnen-Deko mit klarer Botschaft (Foto: M.S.)

Und auch die Bühnendekoration erinnerte auf ihre Weise an die Morde des „Nationalsozialistischen Untergrunds“: Dort hing nämlich das einschlägig bekannte Banner des „Thüringer Heimatschutzes“, eben jener Organisation, aus deren Umfeld auch die Rechtsterroristen des „NSU“ kamen. Die Botschaft ist dieselbe: „Der Gott, der Eisen wachsen ließ, der wolle keine Knechte.“ Dieses Bekenntnis der Veranstalter zu jener Organisation, die mit einer großen Anzahl von V-Leuten durchsetzt war, muss angesichts der „seriösen Radikalität“, für die der NPD-Bundesvorstand neuerdings eintreten möchte, fast etwas überraschen.

Es dürfte sich dabei allerdings um ein klares Zeichen an die freien und militanten Neonazistrukturen handeln: Gerade in Zeiten der „seriösen Radikalität“ ist man bei der NPD auf derartige Veranstaltungen angewiesen, um die schlechte Stimmung zwischen den „freien Kräften“ und der Partei wieder etwas aufzubessern. Nur Ralf Wohlleben, früherer NPD-Kader und Organisator ähnlicher Veranstaltungen (wie zum Beispiel „Fest der Völker“ in Jena), war diesmal nicht dabei: Er sitzt seit November 2011 in Untersuchungshaft. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm aufgrund seiner vermuteten Unterstützung des „NSU“ Beihilfe zum Mord in sechs Fällen vor.

Siehe auch:

„Rock für Deutschland“ – hunderte Neonazis feiern für ihr DeutschlandNPD floppt mit “Thüringentag”Die Steigerung von fassungslosBfV, MAD, VS: Zehn V-Leute beim THS?Terror-Zentrale Braunes Haus?“Blut muss fließen” – Undercover unter NazisHeise will Rechtsrockfestival etablieren,

*Siehe Hinweis in den Kommentaren

9 Kommentare »

  • LaHaine said:

    Das Banner müssen die Nazis neu angefertigt haben, schließlich wurde eine frühere Version antifaschistisch beschlagnahmt: https://linksunten.indymedia.org/de/node/62646

  • Marco said:

    “in der südthüringischen Stadt” – wohl eher ostthüringischen Stadt ;-)

    Anm. d. Redaktion:
    Schon näher an Sonneberg als an Nordhausen, aber von uns aus … auch das.

  • „Rock für Deutschland“ – hunderte Neonazis feiern für ihr Deutschland » Gera, Jahr, Deutschland, Rock, Thüringer, Besucher » Störungsmelder said:

    [...] Bildergallerie findet sich bei den Kollegen auf publikative.org. Kategorien: Thüringen 2 Kommentare Empfehlen Social Bookmarks Zu den neuesten [...]

  • Anne said:

    Was ist ihr Zecken? Ihr fuerchtet uns etwa nicht :D

  • Publikative said:

    @LaHaine: Tja, die Regel, wonach man an den Gegner verlorene Materialen nicht neu anfertigt, gilt offenbar nur in Ultra-Kreisen … ;-)

  • Quarktasche said:

    @LaHaine, @Publikative

    Das ist denen alles Banane. Zeigt ja schon die Schrift: “Arial – The perfect way to show that you just don’t care.” :D

  • „Flop für Deutschland“ « RASH Leipzig said:

    [...] typischen Szenepublikum zwischen extrem rechten Tätowierungen und den einschlägigen Modemarken. Weiterlesen [...]

  • dot tilde dot said:

    @4 (anne):

    ich weiß zwar nicht genau, wen sie meinen, aber ich für meinen teil fürchte sie etwa nicht.

    was auch immer das heißen soll.

    .~.

  • Publikative.org » Blog Archive » Nazi-Rock vom Schulchor: Und alle singen mit said:

    [...] Immer wieder traten sie auch auf großen Rechtsrockfestivals wie dem von der NPD organisierten “Rock für Deutschland” oder dem “Fest der Völker”. Die Band pflegt neben der NPD und den “Freien [...]