5 Comments

  1. MaterialismusAlter

    Danke!

    Die großen Fragen, die jetzt noch zu beantworten wären, sind:

    1.)WARUM tun deutsche Journalisten das was sie tun?
    Ist es Schwarz-Rot-Geil Verblödung im fortgeschrittenen Stadium? Der deutsche autoritäre Charakter, der sich gut in der Rolle des Mahners gefällt (in diesem Fall gegen undisziplinierte Südländer)? Ich bin ratlos…

    2.) Wo bleibt ein Arthur Harris um wieder einmal Europa zu retten.

  2. Roland

    Sehr gute Analyse, nur leider fehlt eine Partei die eine klare wirtschaftspolitische Alternative zur jetzigen Regierungspolitik bietet. Ein Problem der politischen Linken in Deutschland ist das weit verbreitete Desinteresse an der Ökonomie und der daraus resultierenden Unkenntnis. Da wundert es nicht wenn diese Lücke durch Verschwörungsideologien und Wirtschaftsnationalismus gefüllt wird und der so genannte „Mittelstand“ sich dem Rechtsliberalismus zuwendet: Gegen die da „oben“(Banker, Manager, Konzerne und vermeintlich gekaufte Politiker), gegen die da „unten“ („Arbeitsscheue“ und „Sozialschmarotzer“) sowie gegen die „Südländer“! Henkel, Sinn und Sarrazin haben dies frühzeitig erkannt und sich an die Spitze dieses Windes gestellt.

    Kruderweise ist es Die Linke die sowohl eine sinnsvolle keynesianische Wirtschaftspolitik verfolgt und gleichseitig ein Sammelbecken von Verschwörungsideologien und Wirtschaftsnationalismus ist. Auf die ursprünglich marxistisch-keynesianische SPD und ihrer sozialdemokratischen Europa-Idee ist seit der Regierung Schröder leider auch kein Verlass mehr, wozu auch die Grünen ihren Beitrag leisteten.

    @MaterialismusAlter: Ich würde hier differenzieren. Es sind ausgerechnet die Wirtschaftszeitungen Handelsblatt (trotz Henkel-Kolumne) und FTD die auch keynesianische Sichtweisen beleuchten, während die BILD halt Sinn und Sarrazin hochleben lässt und die FAZ zu Recht als konservativ-liberal bezeichnet wird.

  3. Thomas Steiner

    Wie diese Politik zu erklären ist? “Verblödung im fortgeschrittenen Stadium?” fragt MaterialismusAlter.
    Man könnte die sogenannte “Eurokrise” doch auch einfach als Fortsetzung der seit 2008 schwelenden Bankenkrise sehen. Man stelle sich vor Merkel und Co. müssten seit vier Jahren immer wieder Rettungspakete schnüren, nur um Banken (und natürlich auch das Geld derjenigen, die dicke Bankkonten haben…;-) zu retten. Da wäre der doch irgendwann sogar der brave deutsche Michel ernsthaft sauer. Skandal, würde mancher rufen! Und wie kaschiert man einen großen Skandal? Bekanntlich indem man einen kleinen inszeniert.
    Also erklärt frau den Staatsbankrott eines Westeuropäischen EU-Mitgliedslandes für möglich, die “bösen” Spekulanten, die das nie für denkbar gehalten hätten, fallen aus allen Wolken, die Finanzmärkte laufen Amok und die Politiker Europas können in aller Ruhe ein Rettungspaket nach dem anderen schnüren, von dem immer nur die Banken profitieren…
    Wer jetzt “Verschwörungstheorie” ruft, der erkläre mir bitte, wie ein Land wie die BRD mit einem BIP von 2,88 Bio. € für seine Banken bürgen kann, wenn allein die größte deutsche Bank mit 58 Bio. € an Derivatgeschäften beteiligt ist (Quelle: Geschäftsbericht der Deutschen Bank 2011).
    Da ist es doch praktisch, dass es die Auseinanderentwicklung der Wettbewerbsfähigkeiten einzelner EU-Staaten gibt, mit deren Hilfe man die ganze EU in Geiselhaft nehmen kann. Und der brave Michel ist auch ruhig. Man rettet ja den “Euro”.
    Wer für sich mal recherchiert wie hoch Bankschulden und -risiken sind, weiss wo der Hund begraben liegt. Die Chefredakteure der großen Meinungsmacher wissen es bestimmt.
    “Komplette Verblödung?”. Nein, kompletter Zynismus…man könnte den Spuk morgen beenden (Stichwort Staatsfinanzierung durch EZB). Doch wer rettet dann die Vermögen derer, die eins haben?
    Mit besten Grüßen Thomas Steiner

  4. Roland

    Die sogenannte Bankenkrise war von Beginn an eine Wirtschaftskrise. Fällt eine systemrelevante Bank fallen auch andere Banken. Fallen Banken werden Wirtschafts- und Privatkredite fällig, damit gehen Unternehmen und Privatleute pleite. Zinsen steigen sprunghaft an und würgen Investitionen und Konsum ab, die Wirtschaft schrumpft und die Arbeitslosigkeit steigt. Guthaben auf Banken können nicht mehr ausgezahlt werden. Somit kommen z.B. auch die Sozialversicherungen, Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen nicht mehr an ihr Geld und auch die Gewerkschaften haben das Streikgeld nicht im Tresor in Keller liegen, sondern bei Banken angelegt.

    Hätte sich diese drastische Situation ende 2008 rumgesprochen und hätten die Menschen das Vertrauen in die Banken verloren und ihr Guthaben panikartig abgehoben, hätte dies die Bankenpleiten verstärkt und zu einer Geltentwertung geführt. Wir wären unweigerlich in einer heftigen weltweiten Wirtschaftskrise gelandet.

    Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften haben im groben relativ klug gehandelt: Die Menschen vor einer schwierigen Zeit gewarnt ohne Panik auszulösen, die Banken notdürftig mit staatlichen Geldern über Wasser gehalten und über Konjunkturprogramme die Wirtschaft vor dem Absturz gerettet.

    Was die Politik dann vergessen hat, ist dass für Menschen ihr Arbeitsplatz und somit ihr Lebenseinkommen auch „lebensrelevant“ ist, das Kinderbetreuung, unser Bildungssystem, bezahlbarer Wohnraum. Krankenhäuser und Sozialleistungen auch Systemrelevant sind, das Menschen anfangen zu fragen warum das örtliche Schwimmbad pleite gespart wird aber Banken unvorstellbare hohe Summen in den Arsch geblasen und die Verantwortlichen noch Millionenbeträge an Abfindungen bekommen.

    2008 musste schnell gehandelt werden. Anstatt aber weiterhin den Konsum und die Konjunktur durch Erhöhung von Sozialleistungen und niedriger Einkommen (z.B. durch einen Mindestlohn) anzukurbeln, die Arbeitslosigkeit durch Ausbau des öffentlichen Sektors zu verringern und mit Investitionen in das Bildungs- und Gesundheitswesen die Wirtschaft zu stärken, wurden Schuldenbremsen eingeführt, Sparprogramme auferlegt und Personal abgebaut. Damit bezahlen die Menschen in den unteren Einkommensschichten die Krisenlast, während die oberen Einkommensschichten ihren Lebensstandart weiterhin halten können. Das dies irgendwann zu sozialen Konflikten führt wird uns in Spanien und Griechenland vorgeführt.

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