Die Internationale der Rechtsterroristen
NSU, Breivik und nun der Anschlag auf Sikhs in den USA: Rechtsextreme töten weltweit – scheinbar unabhängig voneinander. Doch die Internationale der Rechtsterroristen ist in Ideologie und Motivation vereint. Wie viele “Homegrown Terrorists” noch losschlagen, kann niemand sagen – auch die Sicherheitsbehörden nicht.
Von Patrick Gensing
Sechs Menschen hat der Neonazi Wade Michael Page in den USA erschossen, offenbar weil er sie für Muslime hielt. Ungezählte Male hatte der Rechtsrocker solche Gewalttaten zuvor propagiert – öffentlich. Page war Mitglied in mehreren NS-Hatecorebands, bei Gruppen wie “Definite Hate” und “End Apathy” – Musik von weißen Rassisten für weiße Rassisten.
“Its 2010 and here we are to get rid of them
the enemies of the white race
here we are to get rid of them
we have got to win
if we fail our children will pay
we wont let that happen
ill see you in the end”
(End Apathy)
Die bekannteste seiner Bands dürften die “Blue eyed devils” (BED) gewesen sein, bei denen er laut NYT angeblich Mitglied war. Das “Netz gegen Nazis” schreibt, in Deutschland seien die “Blue Eyed Devils” anfangs durch die Werbearbeit des “Blood & Honour”-nahen Versands “Hatesounds” aus Werder (Brandenburg) bekannt geworden. Im Dezember 2009 sollen die BED angeblich auch in Sachsen-Anhalt aufgetreten sein, nach nicht bestätigten Berichten auf Szene-Seiten mit Faustrecht und Sleipnir (deren “unpolitisches” Liedgut an einer deutschen Schulen bei der Abschlussfeier gesungen wurde…).
Nigger lover! Race traitor! Walk in shame and hide your face
Nigger lover! Race traitor! For false pride you sold out your raceSo now it’s a civil war, white against white
Cause you’re a scared little bitch, an empty threat
And in this game you lost your bet
In the search for respect, what did you find
Are all this drugs fucking up your mind?
Kissing nigger ass, how does it taste?
You lost your dignity and sold out your raceOn your knees, my gun to your head
Worthless scum you know what lies ahead
With the pull of the trigger, now you’re dead!(BED – Walk in shame)
Im Jahr 2006 wurden BED zum Ian-Stuart-Gedächtnisfestival gemeinsam mit den deutschen Bands Kraftschlag und Oidoxie angekündigt. Das Konzert wurde dem Plakat zufolge von dem kriminellen Neonazi Sebastian S. organisiert – S. verkaufte zu dieser Zeit dem Inlandsgeheimdienstes namens Verfassungsschutz in NRW Informationen. Ein weiteres Kapitel in der skandalträchtigen Geschichte der Kooperation zwischen Staat und Neonazis.
Platten sowie Merchandise der oben erwähnten Bands gehören auch bei gut sortierten Neonazi-Versandhändlern ins Programm. So bietet Wewelsburg Records Musik von Definite Hate an, unter anderem bei FrontRecords aus Sachsen werden die BED verkauft. Der Versandhandel wird nach Angaben des Blogs gamma maßgeblich von Neonazis aus dem “Aryanbrotherhood”-Umfeld beeinflusst. Gamma zeigt auch ein Bild, auf dem ein Front-Records-Macher bewaffnet zu sehen sein soll – eine Horde Neonazis, die sich als Chapter Leipzig der “arischen Bruderschaft” bezeichnet.
Auch die Spuren der NSU-Unterstützerszene führten in die Musikszene, NSU-Mitglieder wurden Ende der 90er Jahre “Blood & Honour” zugerechnet, weitere Hinweise führen zu “Arischen Bruderschaften” sowie Hammerskins – exakt die Netzwerke, zu denen auch Page sowie dessen Bands gezählt werden können.
Interview mit Wade Page
Die taz berichtet derweil über weitere Spuren vom NSU-Umfeld zum KuKluxKlan. Amerikanischen Medien zufolge hatte sich auch Page um eine Mitgliedschaft beim Klan bemüht, eine seiner Bands, Definate Hate, spielte bei Treffen der Rassisten-Ritter.
Die Mär vom edlen Ritter
Auch Anders Breivik inszenierte sich als vermeintlich edler Ritter, der auf dem Kreuzzug sei. Der Norweger, gegen den am 24. August in Oslo das Urteil gesprochen werden soll, bediente sich in seiner Argumentation allerdings bei der “islamkritischen” Internet-Sekte, die ihren Rassismus als Religionskritik verkleidet.
Bei Breivik ist nicht von Blut und Boden die Rede, er verpackt seinen Hass als Kulturkampf gegen den Islam, der angeblich die ganze Welt beherrschen will. Diese modernisierte Form des Rassismus war in den vergangenen Jahren zur wirkungsmächtigsten Waffe der extremen Rechten geworden, die Sarrazin-Debatte kann in Sachen Breitenwirkung als Dammbruch gewertet werden, ähnlich wie beim Antisemitismus die Grass- und Beschneidungsdebatten.
Der Hass auf Muslime hat mittlerweile die Züge eines Ressentiments entwickelt, selbst Migranten, die gar nichts mit dem Islam oder sogar Islamismus am Hut haben, werden zur Teil einer weltweiten Verschwörung erklärt; die säkularen Migranten oder gemäßigten Muslime hätten die Aufgabe, die europäische Öffentlichkeit in Sicherheit zu wiegen, so das Hirngespinst. Jedes Argument gegen diese Theorie wird so zum Argument dafür; ein typisches Merkmal für Verschwörungslegenden.
Offene Gewaltaufrufe
Breivik hat seine Tat bereits begangen, anderen Protagonisten aus dieser Szene kann man praktisch beim Prozess der Radikalisierung zuschauen. Internet-Pranger, offene Gewaltaufrufe – nach Breiviks Massenmord an sozialdemokratischen Jugendlichen, die er als Kollaborateure des Islams ausgemacht hatte, haben sich einige “Islamkritiker” verbal etwas gemäßigt – andere verlieren sich immer weiter im Gedankenbunker der “Reconquista”.
Besonders absurd erscheint in diesem Zusammenhang die Einschätzung von Bundesregierung und Verfassungsschutz, die im September 2011, also nach Breiviks Doppelanschlag, allen Ernstes mitteilte, dass man islamfeindliche Blogs wie PI-News nicht als rechtsextremistisch einschätze. Islamkritische bis hin zu muslimfeindliche Einstellungsmuster seien “Ausdruck von Ängsten vor Überfremdung”, begründete die Regierung diese Einschätzung. Der Begriff “Überfremdung” ist übrigens ein zentraler Kampfbegriff der extremen Rechten.
Weiter hieß es, die überwiegende Mehrheit der Einträge auf PI bediene sich keiner klassischen rechtsextremistischen Argumentationsmuster, sondern sei „im islamkritischen Spektrum anzusiedeln“. Dieser Lesart zufolge ist auch Breivik kein Rechtsextremist, da er nicht “klassisch rechtsextrem” argumentiert.
Warnung vor NSU-Nachahmern
Nachdem der Inlandsgeheimdienst jahrelang überhaupt keinen Rechtsterrorismus erkannt haben wollte, warnt der VS nun, dass nach der NSU-Terrorserie Nachahmungstaten “denkbar” seien. Dabei haben die Behörden aber eine wichtige Sache übersehen, nämlich das Potential aus dem “islamkritischen” Milieu. Der NSU ist ein Echo aus der Vergangenheit, wie die Journalisten Staud und Radke treffend formulierten – die Gewaltaufrufe der “Islamkritiker” sind hingegen die Gegenwart.
Das FBI betonte im Fall Page, man habe nicht damit rechnen können, dass der Neonazi eine solche Tat beginge. Auch der Verfassungsschutz muss nun einräumen, dass man im Prinzip kaum Möglichkeiten hat, potentielle Rechtsterroristen zu stoppen: “Der unvermittelte Angriff auf Menschen, die dem Feindbild der rechtsextremistischen Szene entsprechen [und das sind viele Millionen Menschen, PG], könnte von potentiellen Nachahmern als Strategie nach der vom NSU verwandten These „Taten statt Worte“ verstanden werden. [...] Die „Wiederentdeckung“ von Konzepten der Vergangenheit (z.B. „leaderless resistance“) ist ebenso vorstellbar wie eine Beeinflussung durch Vorgehensweisen von Terroristen anderer Phänomenbereiche. Dort wie hier erhöht sich infolge der vielfältigen Möglichkeiten internetbasierter Kommunikation die Gefahr von Gewalttaten durch selbstradikalisierte Einzeltäter oder Kleinstgruppen.”
Der Angriff von rechts
Bemerkenswert sind in diesem Zusammenhang die biographischen Ähnlichkeiten bei Breivik, Bönhardt, Mundlos und Page – allesamt ledig, geboren innerhalb einer Dekade: Page 1971, Mundlos 1973, Böhnhardt 1977, Breivik 1979. Weiße, ledige Männer, die sich seit Jahren radikalisieren – wie viele solcher rassistischen Zeitbomben noch herumlaufen und wann diese hochgehen, darüber kann nur spekuliert werden. Ein Blick ins Internet auf Kommentarspalten oder Rechtsrock-Lieder reicht, um zu erahnen, welches Potential hier zumindest schlummert.
Ich bin ein Nationaler Sozialist
Ein geistiger Brandstifter, Antisemitist
Ein Staatsfeind, ein ewig Gestriger und toller Rassist
Ein Idealist, ein brauner Terrorist(Sturm 18 – brauner Terrorist)
Wehret den Anfängen? Dieser Spruch kommt satte 25 Jahre zu spät, damals hätte man die Anfänge dieser internationalen Rassisten-Bewegung, den Rechtsrock, noch leicht zerschlagen können, doch die Ignoranz war grenzenlos.
Der nette Terrorist von nebenan
Das soziale Umfeld des amerikanischen Rassisten Page äußerte sich US-Medien zufolge vollkommen überrascht – und natürlich schockiert über die Tat. Page sei ein unauffälliger Typ gewesen. Ähnliches wurde über Breivik berichtet.
Auch die NSU-Terroristen werden von Nachbarn als nett und hilfsbereit beschrieben. Ganz fürchterlich normale Männer in den besten Jahren, keine langen Bärte, kein obskurer Besuch von schwarzhaarigen Fremden – die Rechtsterroristen sind Paradebeispiele für den Homegrown Terrorism – hausgemachter Terrorismus.
- Die BED als Headliner beim ISD 2006 – offenbar organisiert von einem Vertragspartner des Inlandgeheimdienstes in NRW.
- Der V7-Versandhandel agiert über die USA – soll aber maßgeblich aus Mecklenburg-Vorpommern betrieben werden. Hier werden BED-Merchandise und CDs angeboten.
- Konzert der Blue Eyed Devils
- Breivik präsentierte sich der Weltöffentlichkeit in einer Fantasieuniform.
- Definite Hate bei Lastfm
- Werbung des Labels56 für Page`s Band “Definate Hate”
- Musik der Blue Exed Devils bei V7
- Front Records bietet Musik der BED an.
- Die Blue Eyed Devils bei LastFM. Alles Meinungsfreiheit?
- Polnische Medien veröffentlichten Bilder von den Waffen, die bei Bruno K. gefunden wurden.

















[...] http://www.publikative.org/2012/08/17/die-internationale-der-rechtsterroristen/ NSU, Breivik und nun der Anschlag auf Sikhs in den USA: Rechtsextreme töten weltweit .. Die bekannteste seiner(Neonazi Wade Michael Page) Bands dürften die “Blue eyed devils” (BED) gewesen sein, bei denen er laut NYT angeblich Mitglied war. Das “Netz gegen Nazis” schreibt, in Deutschland seien die “Blue Eyed Devils” anfangs durch die Werbearbeit des “Blood & Honour”-nahen Versands “Hatesounds” aus Werder (Brandenburg) bekannt geworden. Im Dezember 2009 sollen die BED angeblich auch in Sachsen-Anhalt aufgetreten sein, … Im Jahr 2006 wurden BED zum Ian-Stuart-Gedächtnisfestival gemeinsam mit den deutschen Bands Kraftschlag und Oidoxie angekündigt. … Auch die Spuren der NSU-Unterstützerszene führten in die Musikszene, NSU-Mitglieder wurden Ende der 90er Jahre “Blood & Honour” zugerechnet, … Die taz berichtet derweil über weitere Spuren vom NSU-Umfeld zum KuKluxKlan. Amerikanischen Medien zufolge hatte sich auch Page um eine Mitgliedschaft beim Klan bemüht, GA_googleFillSlot("468x60_default_adsense"); [...]
Ich hab den Support von last.fm angeschrieben, mal sehen, wie sie reagieren. Allerdings gelten für sie die Gesetze des Vereinigten Königreichs, dort sind Nazirock und Hakenkreuze rechtlich unproblematisch.
[...] via pubikative: Die Internationale der Rechtsterroristen [...]
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[...] NSU oder der Sikhs-Anschlag. Die Internationale der Rechtsextremisten ist im Fokus des neuesten Kommentars von publikative.org. Share this:TwitterFacebookGefällt mir:Gefällt mirSei der Erste dem dies gefällt. Dieser [...]
[...] durch die Bundesregierung anerkannt. Die Gewalttätigkeit, Morde und der Terror von Nazis finden International und auch hier immer noch statt. Der Versuchte Brandanschlag in Rostock und am 28.7.2012 der [...]
[...] Siehe auch: Teil einer ideologischen Subkultur, Die Internationale der Rechtsterroristen [...]
[...] auch: Die Internationale der Rechtsterroristen Tweet Mehr Einfluss für den Verfassungsschutz, weniger für Muslime. So [...]
[...] auch: Die Internationale der Rechtsterroristen, Terror-Zentrale Braunes Haus?, Neonazis feierten schon 2002 den NSU, Schwedische Neonazis in [...]
[...] auch: Die Internationale der Rechtsterroristen, Terror-Zentrale Braunes Haus?, Neonazis feierten schon 2002 den NSU, Schwedische Neonazis in [...]
[...] http://www.publikative.org/2012/08/17/die-internationale-der-rechtsterroristen/ In Deutschland seien die “Blue Eyed Devils” anfangs durch die Werbearbeit des “Blood & Honour”-nahen Versands “Hatesounds” aus Werder (Brandenburg) bekannt geworden. Im Dezember 2009 sollen die BED angeblich auch in Sachsen-Anhalt aufgetreten sein, … Im Jahr 2006 wurden BED zum Ian-Stuart-Gedächtnisfestival gemeinsam mit den deutschen Bands Kraftschlag und Oidoxie angekündigt. Das Konzert wurde dem Plakat zufolge von dem kriminellen Neonazi Sebastian S. organisiert – S. verkaufte zu dieser Zeit dem Inlandsgeheimdienstes namens Verfassungsschutz in NRW Informationen. [...]
[...] auch: Die Internationale der Rechtsterroristen, Terror-Zentrale Braunes Haus?, Neonazis feierten schon 2002 den NSU, Schwedische Neonazis in [...]
[...] auch: Freude über den Hass, Potentielle Opfer als potentielle Täter, Die Internationale der Rechtsterroristen, Das Problem heißt [...]
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