11 Kommentare

  1. Dennis K.

    Da kriegs man echt das kalte Kotzen.

    Um’s mal mit WIZO zu sagen:

    “Und wenn jetzt die braune Nazibrut gegen Minderheiten hetzt,
    gießt ihr Öl ins Feuer und ihr ändert kurz das Grundgesetz
    Und der kleine Vollidiot mit seinem Brandsatz in der Hand
    fühlt sich als legitimer Rächer seines Vaterlands.”

    Das trifft die Sache mit Lichtenhagen ganz gut…
    Weil die Rechtsextremen ausrasten und zum Terror greifen ändert man mal eben das Grundgesetz und kippt das Asylrecht, um sie zu beruhigen…
    Wenn die Linksradikalen ausrasten ändert man auch kurz das Grundgesetzt und fügt nette Notstandsgesetze zur möglichst einfachen Verfolgung ein (siehe Notstandsgesetzgebung als Folge der 68er)…

    Irgend was läuft doch da falsch.

  2. fx

    Guter und wichtiger Artikel, nur eine kleine Randbemerkung: eine Assoziation der Frakturschrift mit dem Nationalsozialismus berücksichtigt nicht die anscheinend wenig bekannte Tatsache, dass die Fraktur im 3. Reich seit 1941 als unerwünschte “Judenschrift” galt.

  3. Floda Nashir

    Naja, fx, so sehr ich Dir da recht geben muss, dass der Verweis auf die Typografie der Headline dieser Zeitung natürlich Blödsinn ist und die jahrhundertealte Schrift ja nun wirklich nix dafür kann, aber: die gefühlte Assoziation von gebrochener Schrift und mindestens Konservatismus steckt fest in unseren Köpfen. Modern ist sie nun mal nicht.

  4. Trotz der lesbar gut gemeinten Geisteshaltung stecken in dem Artikel mindestens 2 Verharmlosungen:

    1. “In seinem Kommentar reist Altenbockum die mühsam errichtete Brandmauer zur „Neuen Rechten“ ein.”
    Welche Brandmauer denn? Konservatismus arbeitet seit eh und je mit der unterteilung von Menschen in “gehört dazu” und “fremd”. Diese romantisierende Tendenz im Konservatismus irgend einen eigentlichen Kern zu suchen, der ja doch ganz gut ist – was soll das? Das stimmt einfach nicht.

    2. Das bringt mich zur Rede von Gauck. “Auch Bundespräsident Gauck nahm an den Feierlichkeiten teil und formulierte für seine Verhältnisse recht deutliche Worte der Kritik an Staat, Polizei und Bevölkerung.”
    Für seine Verhältnisse vielleicht. Vor allem aber konstruiert er ganzo ordentlich konservativ – siehe oben – die kulturalistische Unterscheidung von einheimisch und Fremd. Siehe Momorulez: Von PräsidentInnen: Fremde! Fremde! Fremde! “http://metalust.wordpress.com/2012/08/26/von-prasidentinnen-fremde-fremde-fremde/

  5. die da

    verzeiht mein Unverständnis
    aber was hat das mit “Fraktur” und “Stil” zu tun??

  6. Zur Klärung: Fraktur wurde tatsächlich 1941 von den Nazis als „Judenschrift“ benannt und Antiqua als Normschrift durchgesetzt. Jedoch hatte Fraktur zuvor im Nationalsozialismus ein Renaissance erlebt und wurde als deutsche Schrift verherrlicht. Auch nach 1945 wurde Fraktur noch verwendet, insbesondere im Buchdruck für Klassiker und die Bibel. Erst in den 60er Jahren verschwand die Fraktur weitestgehend. Die FAZ benutze Fraktur bis 2007 bei Kommentarüberschriften.

    So weit so Wikipedia
    https://de.wikipedia.org/wiki/Fraktur_%28Schrift%29
    https://de.wikipedia.org/wiki/Frankfurter_Allgemeine

    Gerade das Abfeiern der Fraktur als „deutsche Schrift“ nach 1933 steht auf einer symbolischen Ebene für das Bündnis vom (konservativen) Bürgertum mit dem Nationalsozialismus. Dieses Bürgertum, das nach 1945 Krampfhaft seine historische Verstrickung verschleiern wollte, gleichwohl seine antidemokratischen und deutsch-nationalen Traditionen sowie seine völkischen zum Teil rassistischen Ansichten unter dem Label Antikommunismus beibehielt, benutze die Fraktur – die vermeintlich deutsche Schrift – durchaus weiterhin als kulturellen Code. Daher ist wenig verwunderlich, wenn auch heute noch in Kreisen der extremen Rechten Fraktur als Schrift sehr Populär ist -diverse Aufkleber, T-Shirts und andere Devotionalien antidemokratischen Denkens zeugen davon (Bevor das auch noch kommt: als Provokation hielt die Fraktur auch in den Punk Einzug – das kann man schlecht finden, war aber zunächst ein stilistische Provokation des Bürgertums).
    Fraktur steht daher – so sehen wir es – für ein Bürgertum bzw. einen Konservatismus, der sich wieder seinen antidemokratischen und deutsch-nationalen Wurzeln zuwendet, ohne dabei mit dem Nationalsozialismus identisch zu sein. Jedoch war und ist dieser Konservatismus offen für die NS-Ideologie bzw. andere Ideologien der extremen Rechten.
    Dies und die lange Tradition der FAZ Fraktur zu benutzen, hat uns zu der Überschrift bewogen. Offensichtlich haben wir nicht bedacht, dass sich dies nicht von alleine kommuniziert.

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