23 Kommentare

  1. [...] Nach dem antisemitischen Angriff auf einen Rabbiner in Berlin herrscht in der “islamkritischen” Sekte im Netz Begeisterung vor. Man habe doch schon immer vor den judenfeindlichen Migranten gewarnt, tönt es nun. Viele Linke tun sich derweil mit der Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus in der Migranten-Community schwer – und große islamische Verbände schweigen bislang. Von unserem Gastautor Patrick Gensing / Publikative [...]

  2. Hans

    Ich hätte mir mehr Analyse über die Hintergründe für Antisemitismus in migrantischen Communities gewünscht. Stattdessen bleibt bei mir hängen Migranten sind Antisemiten.

  3. Anonymous

    Lieber Hans,

    Keine Frage, das Thema braucht ausführlichere Analysen als ich sie hier vornehmen könnte. Genau deswegen habe ich auf die Broschüre verwiesen. Wo steht, Migranten seien per se Antisemiten, sehe ich allerdings nicht – und ich möchte mich auch verwahren, dass mir solche Aussagen untergeschoben werden.

    Gruß
    Patrick Gensing

  4. Roland

    Kommentar auf PI: „Interessant ist, dass die Medien den Vorfall relativ klein halten. SPON lässt keine Kommentare zu […]“. Ich kann mir vorstellen was für Kommentare dazu geführt haben. Das bringt es auf den Punkt: Eine sachliche Diskussion ist kaum möglich, weil die antimuslimischen Rassisten gleich jede Diskussion mit ihrer Hetze übertönen und sofort Antisemiten zurückschlagen. Facebook-Kommentar eines Neonazis: „Ich drücke den Arabern die Daumen!! Das ist ihre Freiheit um die sie kämpfen!“

    Zwischen diesem Frontenkrieg ersticken sämtliche vernünftige Diskussion. Die größten Hindernisse der sachlichen Kritik sind die selbsternannten „Kritiker“. Wenn argumentative Debatten nur noch in geschlossenen Veranstaltungen möglich sind, kann einfach keine breite Mehrheit mehr mit einbezogen werden…

  5. Dennis K.

    “Grass-Debatte und islamistische Propaganda dürften den Antisemitismus derweil weiter gestärkt haben”

    Was den Antisemitismus sowohl in der linken Szene als auch bei den Muslimen maßgeblich anheizt sind die offenen Kriegspläne Israels gegen den Iran sowie die andauernde Siedlungspolitik, durch die immer mehr Muslime in immer kleinere Gebiete verdrängt werden.

    Und bevor nun wieder das gejammer losgeht: Nein, ich will nicht sagen, “die Juden seien selbst schuld, dass sie verfolg würden” – dass es Antisemitismus leider gibt und immer schon gab ist ebenso Tatsache, wie es Tatsache ist, dass die israelische Regierung jedem Antisemiten aktuell kräftig Munition für seine Propaganda liefert.

    Was das Thema mit dem Angriff auf den Rabbiner betrifft:
    Ich frage mich, wie reagiert würde, wenn z.B. ein verblendeter Katholik einen Imam angreifen würde? Würden die Wellen ähnlich hoch schlagen? Würde man sofort von antiislamischen Tendenzen im Katholozismus sprechen?

    Vermutlich – leider – nicht, weil das Thema “Antiislamismus” deutlich salontauglicher scheint als das Thema “Antisemitismus” – vor allem im konservativen Kreisen, in denen Antiislamismus schon zum guten Ton gehört.

    Ich bin hier einfach dafür, etwas mehr mit einheitlichem Maße zu messen. So kann man die Staatspolitik Israels leider ebenso als antiislamisch bezeichnen, wie man die Staatspolitik des Iran als antisemitisch bezeichnen kann – beide Länder führen einen “Kulturkrieg”. Der Unterschied ist nur: Würde der Iran gen Israel marschieren würden Europa und die USA ihn aufhalten und der Angriffskrieg wäre ganz schnell beendet. Marschiert Israel gen Iran wird die Weltöffentlichkeit diesen Angriffskrieg wieder ignorieren und die USA werden jedes Embargo erneut verhindern. Könnte man es dem Iran verdenken, wenn er wirklich Atomwaffen bauen wollte? Offenbar sind – so hat Nordkorea gezeigt – Atomwaffen das einzige Mittel, einen ziemlich sicher bevorstehenden Angriffskrieg noch zu verhindern. Willkommen zurück im Kalten Krieg – leider… es ist leider so: Kriegsdrohungen seitens Israels und den USA zwingen den Iran im Prinzip dazu, Atomwaffen zu bauen – sonst wird der Iran enden, wie schon der Irak damals.

    … und das traurigste daran:
    Wenn einen Beitrag wie dieser hier von einem jüdisch-israelischen Linken geschrieben wird, wird kaum jemand ihn ablehnen. Wird er von einem deutschen Linken geschrieben, wird irgendwer wieder “Antisemitismus!” schreien. Nochmal zur Sicherheit:
    Ich vertrete hier Positionen, die in der israelischen Linken völliger Usus sind. Unter anderem den “bedingungslosen Stopp des Siedlungsbaus” und die Verhinderung eines “Angriffskrieges gegen den Iran”. Diese Themen müssen auch in Deutschland vertretbar sein, ohne gleich als Antisemit gebranntmarkt zu werden – ansonsten verwischt man die Grenzen des Antisemitismus so stark, dass der gesamte Begriff seinen Wert verliert.

  6. Hans

    Ich wollte nicht den Eindruck erwecken das in dem Text steht “Migranten sind Antisemiten”. Allerdings muss natürlich jede Person die zu diesem Thema schreibt, das ,wie im Text erwähnt, ein sensibles Thema innerhalb der Linken ist darauf achten, dass ein möglichst differentielles Bild vermittelt wird. Das Problem muss selbstverständlich angesprochen und bekämpft werden aber mit genügend sensibilität.

  7. Quarktasche

    …will doch wieder einer ganze fremde Länder zum Frieden erziehen, während vor der eigenen Haustür Menschen auf offener Strasse *verdroschen* werden. Und israelische Linke sind angeblich dafür. Linke sind bisweilen beknackt und zwar *worldwide*. D.h. auch in Israel. :) Nichts für ungut…

  8. hnk

    Vielleicht kann der Dennis, der kein Antisemit sein will, mal erklären, was eine antisemitische Attacke auf einen Rabbiner in Deutschland mit Israel und mit angeblichen israelischen Kriegsplänen zu tun hat.

  9. max

    Ich fürchte, es ist nicht das Problem von dennis k. dass er hier auf das Thema Israel kommt, sondern Herr Gensing, der es – mal wieder – nicht schafft, beim Thema zu bleiben, sondern seine Lieblingsthema Antisemitismus wieder in “Gänze” betrachten will. Da kommt dann aus heiterem Himmel Günter Grass wieder daher und die Beschneidungsdebatte. Letztere ist zwar ganz sicher nicht für den Überfall muslimischer Jugendlicher auf einen Juden verantwortlich, wie man sich beim Nachdenken für nur 5 Pfennig auch selbst zusammenreimen kann, aber das stört Gensing eigentlich nie, wenn er einmal in Fahrt ist.
    Es ist einfach ermüdend, dass Herr Gensing sich zu seinem lieblingsthema immer und immer wieder ausmehren muss. Er selbst liefert die Punkte, die einen beim Lesen stolpern lassen. Ich musste mich beim Lesen des Artikels (bevor ich gesehen hatte, dass der wieder von P. Gensing ist) auch fragen, ob es um den konkreten Vorfall geht, oder ob der Autor den Vorfall nur nutzt, um loszuwerden, was er offenbar eh unbedingt loswerden wollte.
    Der Vorfall ist schlimm und sollte reflektiert werden. Trotzdem muss ich grinsen, wenn ich gerade von Gensing folgende Worte zum Problem der Linken mit dem migrantischen/muslimischen Antisemitismus lese: Das Problem, so erfahren wir sei “die eigene Ideologie, die ein idealisiertes Bild von Migranten zeichnet, denen man nicht unterstellen möchte, ebenfalls menschenfeindliche Einstellungen mit sich rumzuschleppen, da sie doch selbst davon betroffen seien.”
    Auf der einen Seite schreibt Herr Gensing hier eine sehr zutreffende Analyse in einem einzigen Satz. Auf der anderen Seite ist dieser Satz 100%ig auf Herrn Gensing anwendbar, wenn man nur “Migranten” durch “Juden” ersetzt. Das ist so aufenfällig, da kann man leider nicht drüber hinwegsehen.
    Ich bin wirklich immer wieder erstaunt, wie man mit einem so beschränkten Themenspektrum ein so aktiver und gefragter Journalist werden kann.
    Dennoch: in weiten Teilen ein lesenswerter Artikel.

  10. Kay

    Dennis K. said:
    Was den Antisemitismus sowohl in der linken Szene als auch bei den Muslimen maßgeblich anheizt sind die offenen Kriegspläne Israels gegen den Iran sowie die andauernde Siedlungspolitik, durch die immer mehr Muslime in immer kleinere Gebiete verdrängt werden.

    Ich sag’s mal polemisch: Bevor man sich über zu viele jüdische Siedler in den palästinensischen Gebieten Gedanken macht, sollte man sich überlegen, wie es mit den über 20 Prozent Arabern in Israel weitergehen soll. Will man ein rein-religiöses oder -rassisches Palästina, so ist es im Umkehrschluss nur logisch, sich gegen die Arabern in Israel und – aus deutscher Sicht – gegen die Türken in Deutschland zu wenden.
    Also steht die Frage im Raum, wieso sich nicht auch Juden in den palästinensischen Gebieten niederlassen dürfen. Der Gedanke, den Dennis K. hier ausspricht, ist heutzutage äußerst populär, aber zu Ende gedacht absurd und rassistisch.

    Jenseits dessen halte ich – aus der Ferne betrachtet – viele jüdische Siedler für extrem fundamentalistisch, was nicht gerade förderlich für ein gut nachbarschaftliches Zusammenleben ist.

  11. Sinan A.

    Antisemitismus ist mir und so gut wie allen Einwanderern und Nachkommen der Gastarbeiter vollkommen fremd. Im Gegenteil, jeder weiß, dass der Zentralrat der Juden sich immer gegen Fremdenfeindlichkeit stark gemacht hat. Immer eine Stimme für alle war und ist, die von Rassismus betroffen sind.

    “Leider sind es meist junge Migranten”

    Gerne konkreter, nicht immer dieser Eintopf namens “Migrant”. In der Regel ist die Rede von Arabern, nicht wahr? (Bzw. von Kurden bei sonstigen üblen Geschichten.)

  12. max

    ich finde es etwas albern, dass mein kommentar noch auf freischaltung wartet, während weitere kommentare zugelassen werden.
    wenn ihr mir wegen mangelnder wertschätzung von p. gensing eine freischaltung verwehren wollt, teilt es mir bitte mit. sollte ich andere netikette verletzt haben, bitte ich ebenfalls um mitteilung, damit ich meinen eintrag entsprechend modifizieren kann.
    schönes wochenende.

  13. Blotze

    Phrasen über das angeblich “idealisierte Bild von Migranten” in der Linken, von dem Gensing schreibt, findet man sonst nur ganz weit rechts. Wie kommt’s? Und wie darf ich mir euren künftigen Kampf gegen das “idealisierte Migrantenbild” vorstellen? Kooperation mit PI?

  14. RN

    Dennis K. sagt schlicht und einfach: “Juden heizen den Antisemitismus an.”

    Zum Kotzen. Alles klar?

  15. gallendieter

    Eine späte Ergänzung: Herr Gensing geht speziell auf Antisemismus in muslemisch-migrantischer community ein.

    Just in dem Moment passiert in Wien ein Vorfall an dem laut einem Bericht der Zeitung der Standard auch Täter aus Deutschland beteiligt sind, allerdings mit migrantisch-griechischem Hintergrund. Also ich halte es höchst unwahrscheinlich, dass PAOK Fans Muslime sind :-)

    http://derstandard.at/1345166038626/Antisemitismus-in-Wien-Kritik-an-passiven-Polizisten

    Finde das zwar korrekt das Problem muslimisch migrantischer Antisemitismus darzustellen aber zu einseitig. Also es gibt auch polnische, russische, griechische, italienische, kroatische, serbische etc Migranten, die den Faschismus unterstützen und dem sogar mehr Toleranz entgegen bringen teilweise auch historisch bedingt (z.B. Kroatien, Serbien) oder ich stelle auch einen sehr sehr starken Antiziganismus bei MigrantInnen aus dem Kosovo fest.

    Beispiel:
    In Mazedonien war ich bei einem Fußballspiel einer kosovarischen Mannschaft gegen eine serbische Mannschaft. 7000 Leute brüllen Jude Jude Serbia. Das habe nich noch nicht mal in Polen gesehen.
    Fahr einmal durch Lodz. Da sind überall durchgestrichene Davidsterne
    oder Davidsterne und LKS und Widzew, was jeweils suggerieren soll die jeweiligen Gegner seien Juden.
    Dass diese Leute ihren Antisemitismus im Stadion oder in ihrer Heimat lassen, wenn sie bei uns sind glaube ich nicht. Es ist nur die Frage wie offen das ausgelebt wird.

    Kurz das Problem ist viel viel komplizierter als hier dargestellt.

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