3 Comments

  1. tebe berlin

    Das Perfide an der Debatte ist in der Tat die unreflektierte Verwendung und verharmlosende Umdeutung des Begriffes “Sippenhaft”. Hier wird, bewusst oder unbewusst, suggeriert, dass Drygalla gewissermaßen Opfer von Gesinnungsjustiz sei, ganz ähnlich dem Schicksal von Opfern des Nationalsozialismus. Und darüber hinaus, dass Drygalla für etwas “belangt” würde, in das sie schuldlos hineingeboren wurde. Nun ist Fischer aber eben nicht ihr Vater, Cousin oder Bruder, den man sich nicht aussuchen kann. Sondern es geht um ihren Lebenspartner, für den sie sich aktiv entschied und zu dem sie gehalten hat, in voller Kenntnis über dessen zutiefst menschenfeindliche Haltung und dessen Aktiviten wie die Verhöhnung von Opfer rechtsradikaler Morde.

    Dass ein nicht geringer Teil der Medienöffentlichkeit dennoch das Bild einer sensiblen, charakterfesten jungen Frau zeichnet, die trotz der “Schwächen” ihres Partners zu ihrer Liebe steht und allen Schwierigkeiten trotzt, die sich aus dieser ergeben, die zynische Gleichsetzung von rechtsradikalen Umtrieben mit Bagatelldelikten wie Taschendiebstahl (Kommentar Berliner Zeitung), die Identifikation mit Drygalla als unschuldiges Opfer einer angeblichen “Hetzjagd” – das alles sind, wie ich finde, ziemlich erschreckende Indizien sich immer weiter verschiebender Maßstäbe im Umgang mit Rechtsextremismus und deren führenden Protagonisten, wie es Fischer einer ist (Präsens, da der “Ausstieg” unglaubwürdiger kaum sein könnte). Umso wichtiger die Recherche- und Aufklärungsarbeit durch Kombinat Fortschritt und anderen. Keep up the good work!

Comments are closed.