Zu viel Presse, zu wenig Nazis: kein neuer Prozess in Bremen

Justitia oberhalb der Rathauslaube des Kölner Rathauses. (© Raimond Spekking / Wikimedia Commons / CC-BY-SA-3.0 & GFDL)
Vor knapp einem Jahr standen in Bremen Mitglieder der Neonaziszene wegen des Überfalls auf eine antirassistische Ultragruppe vor Gericht und kamen mit milden Strafen davon. Heute sollte das von zwei der Angeklagten angestrengte Berufungsverfahren beginnen. Daraus wurde aber nichts.
Von Nicole Selmer
Im vergangenen Oktober war der Prozess wegen des Überfalls auf die Jubiläumsfeier der Bremer Ultragruppe „Racaille Verte“ durch rechte Hooligans sehr schnell zu Ende gegangen, und das mit einem vergleichsweise milden Urteil. Es folgte Kritik an der Entpolitisierung des Verfahrens ebenso wie eine Mobilisierung über die Bremer Fanszene hinaus für eine Demo gegen rechte Gewalt.
Aber auch die mit Geldstrafen milde Verurteilten waren nicht zufrieden, zwei von ihnen zogen ihre Geständnisse zurück und legten Berufung ein. Dieses Verfahren wurde heute vor dem Landgericht Bremen eröffnet und, wie Radio Bremen berichtet, gleich wieder eingestellt. Die zwei Angeklagten seien zwar im Gerichtsgebäude gewesen, zur Verhandlung aber nicht erschienen. Für diesen Fall sieht die Strafprozessordnung vor, die Berufung zu verwerfen. Der Grund für das Nichterscheinen: zu viele Medienvertreter, wie Radio Bremen schreibt.
Vor einem Jahr hatten die Angeklagten und ihre (teils vermummten) Sympathisanten noch versucht, die VertreterInnen der Presse, des Fanprojekts und die Bremer Ultras einzuschüchtern, ohne dass das Gericht eingriff. Im Berufungsverfahren hatten sich die Kräfteverhältnisse nun offenbar verkehrt: „Im Gerichtssaal anwesend waren knapp 50 Ultras und Antifas, Fanprojektler sowie ein gutes Dutzend Medienvertreter. Keine Faschos“, so ein Prozessbesucher.


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