3 Comments

  1. […] Sparen gegen die Demokratie Europaweit wird auf die Euro- und EU-Politik geschimpft. Von rechts bis links werden dabei fragwürdige und relativierende Vergleiche mit dem historischen NS-Deutschland gezogen und Sündenböcke gesucht. Die Forderungen nach einem solidarischen und demokratischen Europa gehen dahingegen oftmals im Populismus unter. Dabei ist eine progressive Kritik mehr als überfällig, da mit dem Schrei nach radikaler Liberalisierung auch der Ruf nach Demokratie schwindet. Quelle: Publikative […]

  2. max

    Was ist die Aussage des Artikels?
    Der Überschrift nach hatte ich auf eine progressive Kritik gehofft. bekommen habe ich das, was ich – im Gegensatz zu den Behauptungen des Artikels – sogar schon in Faz und Tagesspiegel lesen konnte, allein es will keiner hören, der etwas zu entscheiden hat.
    Zwischendrin ein vollkommen deplazierter Hinweis darauf, dass in der Krise angeblich jüdischen Bankierfamilien die Schuld zugeschoben wird, was ich als viel lesender Mensch wirklich noch nirgendwo gefunden habe. Vielleicht bedarf es zur Selbstvergewisserung des Autors der Behauptung, dass der Kampf gegen den Neoliberalismus/Kapitalismus auch der Kampf gegen den Antisemitismus beinhaltet. Der Zusammenhang erschloss sich nicht, ebensowenig wie der verweis auf die tatsache, dass Keynes Eugenikfan gewesen sein soll. Wozu solche Verweise, wenn im gleichen Atemzug betont wird, dass das für seine Wirtschaftstheorie, um die es im Artikel geht, keine Rolle gespielt hat? Lebt in einer Welt, in der Keynes nur noch genannt werden darf, wenn zugleich mitgesagt wird, dass man sich dessen Fehler bewusst ist?

    Im übrigen finde ich es schön, dass sich die Publikative mit der Wirtschaft auseinandersetzt. Dieser Artikel allerdings nimmt sich etwas wichtiger als er ist. Würde er sich selbst als “Heranführung an die Wirtschaftstheorien” beschreiben, wäre die Erwartungshaltung geringer als bei der Inanspruchnahme “überfälliger progressiver Kritik”, die der Artikel kaum zu erfüllen in der Lage ist.

    Im übrigen lese ich bei der Linken all das und vieles Kluges mehr auch ständig. Will nur leider auch meist keiner hören.

  3. Roland Sieber

    Ja bei der Linken ist all das auch zu lesen und wird dennoch außerhalb kaum wahrgenommen bzw. will selbst dort nicht von allen Mitgliedern gehört werden. Dafür verbreiten sich gefährliche antisemitische, rassistische und sozialdarwinistische Sündenbocktheorien partei- und spektrumsübergreifend. Ich hoffe mit dieser Heranführung an die neoklassische und keynesianische Theorie dem etwas entgegenwirken zu können.

    Während Neonazis offen gegen Juden und gegen eine angeblich jüdisch gesteuerte Globalisierung agieren, wird der Antisemitismus in der verschwörungsideologische Szene beim polarisieren gegen ein angebliches „Hochfinanztum“ oder das so genannte „Ostküstenkapital“ oftmals nur unterschwellig vermittelt. Es ist tatsächlich zu beobachten, dass dort wo ein angeblicher Kampf gegen den Neoliberalismus/Kapitalismus nicht auch den Kampf gegen den Antisemitismus beinhaltet, nicht selten auch Antisemiten und Nazis mitmischen.

    Ich würde es für ein falsches Signal halten, wenn ein Watchmedium wie Publikative in einem Artikel nicht auf den Rassismus einer Person hinweist, deren wissenschaftliche Theorie wir beleuchten. Eric Hobsbawm stand zum Beispiel wegen antizionistischen und antisemitischen Aussagen in der Kritik und Karl Marx machte kulturalistische und abwertende Aussagen gegenüber anderen Kulturkreisen. Hier sollte immer auch geschaut werden ob diese wissenschaftliche Thesen beeinflusst haben und ob wir diese deshalb für seriös halten. Ein Loblied auf Sarrazin wird es deshalb hier nicht geben. Obwohl er als Volkswirt einiges an praktischen Erfahrungen aufbringen kann, sind seine jüngsten Veröffentlichungen von Rassismus und Eugenik so stark beeinflusst, dass ich jegliche Seriosität und wissenschaftlichen Anspruch bei ihm verneine.

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