Wer sich nur um sich selbst dreht, bleibt klein und runzelig

Die Petition gegen das Leistungsschutzrecht ist gescheitert und das Wehklagen darüber laut. Ist die Netzgemeinde in diesem Land am Ende?

Von Publikative.org und den Ruhrbaronen

Für Wolfgang Michael von Carta hat das Netz seine Kraft verloren und Nico Lumma beschreibt die Netzgemeinde als „klein und runzelig.“ Lumma hat Recht, Michael nicht: Ja, die „Netzgemeinde ist klein und runzelig, nein, sie hat nicht an Kraft verloren, denn die hatte sie nie.

Unbeschreibliche Weiten - mit weitestgehend unbekanntem Inhalt: die deutsche Blogosphäre. (Quelle: Netzpolitik)
Unbeschreibliche Weiten – mit weitestgehend unbekanntem Inhalt: die deutsche Blogosphäre. (Quelle: Netzpolitik)

Wenn die klassischen Medien ein Thema nicht aufgreifen, sind die Blogs in Deutschland nicht in der Lage, ein größeres Publikum zu erreichen und zu mobilisieren. Mal von den Tech-Blogs abgesehen, liegt es daran, dass viele Blogs sich nach wie vor mit Blogs, Facebook und Twitter beschäftigen, gerne Medienschelte betreiben, den Tod der Zeitung voraussagen und den Verlegern erklären, dass sie keine Ahnung vom Internet haben.

Eine endlose Schleife der Selbstreferentialität, die dazu führt, dass außer anderen Bloggern, Journalisten, die sich gerne beschimpfen lassen und ein paar hartgesottenen Fans sich niemand für das interessiert, was da so alles geschrieben wird. Was man durch diese Art des Bloggens flott hinbekommt sind ein paar Links von anderen Blogs und ein paar Kommentare von Gleichgesinnten – Relevanz über das eigene, enge Themenspektrum hinaus allerdings nicht.

Wir fragen uns beispielsweise schon lange, warum es in Berlin zwar hunderte von Blogs gibt, es aber niemanden in der Hauptstadt bislang gelungen ist, ein auch nur halbwegs interessantes Blog mit bundespolitischer Ausstrahlung aufzubauen. Wir schauen uns um und sehen bei den allgemein-politische Blogs, die auch außerhalb der Blog-Szene, zu der wir uns, damit da keine Missverständnisse aufkommen, zugehörig fühlen, wahrgenommen werden neben uns gerade noch die Nachdenkseiten und Carta.

Wenn die „Netzgemeinde“ nicht mehr klein und runzelig sein will, muss sie sich thematisch öffnen, den Hintern hochbekommen und zur Abwechslung mal etwas anderes betreiben, als Nabelschau und Medienkritik. Nur dann wird man auch in der Lage sein, Themen in einer breite Öffentlichkeit zu tragen, weil man von dieser breiten Öffentlichkeit auch als relevant und lesenswert wahrgenommen wird.

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7 Kommentare

  1. Wir fragen uns beispielsweise schon lange, warum es in Berlin zwar hunderte von Blogs gibt, es aber niemanden in der Hauptstadt bislang gelungen ist, ein auch nur halbwegs interessantes Blog mit bundespolitischer Ausstrahlung aufzubauen.

    Äh, Sprengsatz.de ?!

  2. dot tilde dot

    ich hoffe sehr, dass die “netzgemeinde” am ende ist. vielleicht sind wir dann endlich dieses dämliche unwort los, das eine ungeheure vielfalt von nutzerinnen und nutzern einer technologie zu konsumistischen schäfchen umstempelt.

    .~.

  3. Ergänzung

    Spontan würden mir noch Spiegelfechter und Sprengsatz einfallen. Auch, wenn die Inhalte nicht immer qualitativ hochwertig sind, auch noch Fefe.

    Eines ist mir aber unklar: Wie könnt ihr euch als ein Blog mit bundespolitischer Ausstrahlung sehen? Dieser Artikel hat zur Zeit gerade einmal 326 Views. Ich gratuliere euch zur entsprechenden Transparenz, aber wirklich Ausstrahlung habt ihr ja wohl nicht.

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