Der König von Deutschland

Zur Geisterstunde war es soweit. In Wittenberg gründete Peter Fitzek kurz nach Mitternacht sein eigenes kleines Königreich und ließ sich vor mehreren hundert Anhängern eine Krone aufsetzen. Diese hatten sich am Wochenende des 15. und 16. September versammelt, um die Gründung des „Königreich Deutschland“ zu erleben, das die Bundesrepublik in kurzer Zeit ersetzen soll.

Von Martin Wassermann.

Peter Fitzek und seine Anhänger sind dem Milieu der „Reichsbürger“ zuzuordnen. Diese behaupten, dass die Bundesrepublik Deutschland lediglich eine Firma der Alliierten sei. Im Szenejargon ist hier von der „BRD-GmbH“ die Rede. Daher haben die zersplitterten „Reichsbürger“ verschiedene „Reichsregierungen“ geschaffen, die sich in der Rechtsnachfolge des Deutschen Reiches sehen. Die Finanzierung erfolgt über den Verkauf von Fantasie-Ausweisen, vermeintlichen Führerscheinen und angeblichen Nummernschildern. Die Träumer vom Reich werden unterdessen immer mal wieder auf den juristischen Boden der Tatsachen zurückgeholt. Autofahrer, die sich mit einem Führerschein des „Deutschen Reiches“ auswiesen, um einem Bußgeld zu entgehen, wurden wegen Urkundenfälschung und Fahrens ohne Fahrerlaubnis angezeigt und durften ganz reale Bußgelder bezahlen.

"König Fitzek" bei einer Bühnenshow am 16.9.2012, die bei YouTube als "Staatsgründungszeremonie" für das "Königreich Deutschland" bezeichnet wird (Bild: YouTube)
“König Fitzek” bei einer Bühnenshow am 16.9.2012, die bei YouTube als “Staatsgründungszeremonie” für das “Königreich Deutschland” bezeichnet wird (Bild: YouTube)

Bevor sich Peter Fitzek zum Herrscher seines Königreiches krönen ließ, hatte der umtriebige Agitator verschiedene Organisationen und Geschäfte gegründet. So entstand eine Parallelwelt in Wittenberg: Im Laden „Engelswelten“ wird allerhand esoterisches Klimbim verkauft. Nicht nur dort kann mit einer eigenen Währung, dem so genannten „Engelgeld“ gezahlt werden. Außerdem wurden eine Art Kranken- und Rentenkasse, sowie allerlei andere Institutionen geschaffen. In diesem Paralleluniversum gilt Peter Fitzek als ein von Gott gesandter Messias.

Dieser vermeintliche Messias behauptet, dass mehrere tausend Menschen seinen Ideen folgen würden. Sie haben sich in seiner Gruppierung „Neudeutschland“ organisiert, um gemeinsam gegen das verhasste „Zinssystem“ und gegen angebliche „Besatzungsmächte“ vorzugehen. Fitzek spricht von einer „Weltanschauungsgemeinschaft“ für das „deutsche Volk“. Sie umfasst auch eine „Neue Deutsche Garde“ , in der gealterte Kampfsportler aktiv sind. Irgendwann soll dieser „Orden“ die Polizei ersetzen. Vorerst kündigte Fitzek aber deren Einsatz bei Gerichtsverhandlungen an, mit denen er sich konfrontiert sieht.

Vielleicht sind diese Gerichtsverhandlungen ein Grund, warum sich Fitzek für die Einführung seiner „lupenreinen Monarchie“ stark macht. Er glaubt, dass er zukünftigen Gerichtsprozessen entgehen könne, weil ihm als „Staatsoberhaupt“ seines kleinen Königreiches Immunität zustehen würde. Außerdem könne man in seinem Reich die Texte veröffentlichen, die in der Bundesrepublik verboten seien. Ein weiterer Grund ist ideologischer Natur: Schließlich sollen „diejenigen, die mehr Macht, mehr Geld, mehr Intelligenz haben, auch mehr Verantwortung für das Allgemeinwohl übernehmen“, sagt Fitzek, der auch daher als unangefochtener Herrscher agieren möchte.


Zu den Seminaren des messianisch auftretenden Autodidakten, der vermutet, dass ihn „Gott nach Wittenberg geschickt“ hätte, pilgern regelmäßig hunderte Anhänger. Dort berichtet er seinen Jüngern wunderliche Begebenheiten, etwa wie er durch Erzengel ausgebildet worden wäre. Außerdem behauptet Fitzek, dass er in die Zukunft blicken könne. Mit seiner Inszenierung begeistert er esoterische Gläubige und deutschnationale Träumer, die sein deutsches Reich auf Erden verwirklichen wollen. So zahlen sie die immensen Anmeldegebühren, um ihren Messias zu lauschen. Für die zweitägige Krönungszermonie mussten die Anhänger, die die Karten vor Ort kauften, zum Beispiel 223 Euro bezahlen. Um die 100.000 Euro könnten auf diese Weise in die Kassen des Predigers geflossen sein.

Die Geschäfte scheinen so gut zu gehen, dass die Gruppierung um Peter Fitzek ein ehemaliges Krankenhaus in Wittenberg erwerben konnte. Dort soll eine esoterische „Klinik für ganzheitliche Gesundheit“ entstehen. Diese könnte sich an der antisemitischen Germanischen Neuen Medizin des Ryke Geerd Hamer orientieren, für die sich Fitzek in der Vergangenheit begeisterte. Außerdem ist ein „Naturkindergarten“ geplant, der von einer langjährigen Waldorferzieherin geleitet werden soll. Zusätzlich wird die Gründung einer Privatschule und einer Universität angekündigt. Das etwa neun Hektar große Territorium, auf dem das Krankenhaus zu finden ist, soll dem „höchsten Souverän“ als „Staatsgebiet“ dienen. In den vergangenen Monaten wurden Teile der Anlage durch einige Freiwillige, die sich dabei anscheinend einer unglaublichen Ausbeutung unterwarfen, renoviert. Gelernte Facharbeiter wurden mit vier Euro pro Stunde bezahlt. Dies berichtet zumindest ein ehemaliger Interessierter, der das Projekt inzwischen verlassen hat.

Das Krankenhausgelände diente als Schauplatz der Krönungszermonie. Diese Krönung wurde durch einen mehrstündigen Monolog des zukünftigen Alleinherrschers eingeleitet, in dem sich dieser als „Vertreter des Lichts“ inszenierte, der gegen die „dunklen Mächte“ vorgehen wolle. Nach Mitternacht war es dann aber soweit: Während aus den Lautsprechern Wagners Götterdämmerung erklang, marschierte Peter Fitzek durch den Saal. Nach einem Gebet und einem obskuren Ritual wurde Fitzek, der eine Art Faschingskostüm angezogen hatte, die Krone aufgesetzt. Danach ließ sich der sichtlich zufriedene Herrscher, der sich noch als „oberster Souverän“ titulieren lässt, auf seinem Thron nieder (siehe Video).

Zuvor hatten sich bis zu sechshundert offenbar zahlungskräftige Anhänger am Ort des Geschehens versammelt und durften verschiedene Künstler und Agitatoren erleben, die die Krönung im Krankenhaus begleiteten. Dort trat der Zauberkünstler Alexander Hartmann auf, der durch die Fernsehsendung „The next Uri Geller“ bekannt wurde. Der Sänger Freddy Sahin-Scholl, der im Jahr 2010 die RTL-Castingshow „Das Supertalent“ gewann, intonierte einige Lieder. Am Tag nach der skurrilen Zeremonie war dort außerdem die Band „Die Bandbreite“ zu sehen, die verschiedene Verschwörungsmythen bewirbt. Die Band, die die Ereignisse des 11. September 2001 umdeutet und skurrile Thesen zur Entstehung der Immunschwächekrankheit AIDS anbietet, durfte in der Vergangenheit auch immer wieder auf Veranstaltungen linker Kleinst-Parteien auftreten. An Verkaufsständen wurde unterdessen Bücher verkauft, dort konnte man zum Beispiel die Machwerke des antisemitischen Autoren Jan Udo Holey erwerben.

Die Krönungszermonie und das musikalische Rahmenprogramm wurden durch Jo Conrad gefilmt. Im Jahr 1996 brachte dieser das Buch „Entwirrungen“ heraus, mit dem die antisemitischen „Protokolle der Weisen von Zion“ beworben wurden. Außerdem war er im Jahr 2009 an der Gründung des „Fürstentums Germania“ beteiligt, mit dem braunesoterische „Reichsbürger“ einen kurzlebigen Pseudo-Staat schufen. Ein weiterer Unterstützer des neuen Pseudo-Staats zu Wittenberg ist Karma Singh, der per Video zur Teilnahme aufrief. Der aus England stammende Autor, der Krankheiten wie Krebs für ein „harmloses Phänomen“ hält, warnte dort in einem antisemitischen Jargon vor den Rothschilds, die die Staatsgründung verhindern wollten.

Singh berichtete auch über großzügige Mäzene des Projekts. Ein Unterstützer habe zum Beispiel 20.000 Euro gespendet. Die finanzielle Unterstützung durch die Schäfchen, die den Ideen des Peter Fitzek verfallen sind und bereitwillig die horrenden Eintrittspreise zahlen, könnte dem neuen Pseudo-Staat eine deutlich längere Lebensdauer bescheren, als es vorherigen Versuchen beschieden war. Mit Peter Fitzek, der über sein kleines Reich auf dem Krankenhausgelände herrschen wird, dürfte zwar nicht der angestrebte „Staat für die Deutschen“ geschaffen werden, es könnte aber ein größeres braunesoterisches Zentrum entstehen. Wittenberg würde so zum Wallfahrtsort für diejenigen werden, die vom deutschen Reich und einem Messias träumen.

14 Kommentare

  1. Volker hört die Signale

    Tja, “unter den Vollidioten ist der Spinner König”…oder wie ging der Spruch nochmal?

  2. neuer Leser

    Die Reichsdeppenszene wurde bzw. wird ja bislang von den Landesverfassungsschutzämtern beobachtet. Diese schätzen die Szene aus politisch-agitatorischer Sicht als ziemlich harmlos an, was durchaus stimmt.

    Aus meiner Sicht macht das Video über die “Staatsgründung” jedoch mehr als deutlich, dass besonders der Anhang um “König Fitzek” kein Fall für den Verfassungsschutz, sondern für die Sektenbeauftragte der Bundesregierung ist. Zum einen erwähnt der Artikel in mehreren Stellen ein System der finanziellen Ausbeutung, das man bei solchen “Glaubensgemeinschaften” häufig vorfindet. Zum anderen wird auch deutlich, dass Fitzeks “Konigreich Deutschland” ein rein “spirituell” angehauchts Hirnkonstrukt ist. Hinzu kommt der Personenkult, um diesen zwielichtigen selbsternannten “König” im Faschingskostüm.

  3. ne ne ne

    @neuer Leser: Kommantar zum Kommentar: Der Inlandsgeheimdienst(VS) ist ein politisches Instrumet und eine Institution die weder als glaubhafte Quelle Zitierbar noch als Institution anzuerkennen ist. An seinen Daten bemessen ist klar das er wissentlich rechtsradikales Handeln schütz und finanziert. In der Öffentlichkeit relativiert er diese Taten und vermittelt sie. Antifaschitische Strukturen greift er an und stellt sie mit rassistischen, nationalistischen Mördern gleich. Er ist mindestenz in eine Rassistische und Faschistische Mordeserie verwickelt. Ob die Deutschen Inlandsspione direkt an Morden beteiligt waren kann vielleicht auch im jetzt und hier aufgearbeitet werden. Die Wahre Dimension seines Handelns würde sich erst durch eine Revolution und folgende Aufarbeiten näher betrachenten lassen.

  4. Lukas

    Fitzek und Co. Das sind die, die ununterbrochen von Deutschland fasseln und Europa und die EU bei jeder erdenklichen Möglichkeit angreifen. Selber aber ihre Hauptwohnsitze in der Schweiz oder Frankreich haben.

    Ich danke herzlich für diesen ausführlichen Artikel! Da hat der Wittenberger Staatsschutz wieder alle Hände voll zu tun.

    Das mit der Weltanschauungsgemeinschaft machen die natürlich um Körperschaft des öffentlichen Rechts zu werden, weil sie sich davon verbesserte (Start-)Bedingungen erhoffen.

    Bei der Musik handelt es sich übrigens m.E. nicht um Wagners Götterdämmerung, sondern um Straussens Sonnenaufgang aus Also sprach Zarathustra http://www.youtube.com/watch?v=a32AahqKsrw , bekannt aus 2001 Odyssee im Weltall.

  5. neuer Leser

    @ ne ne ne:

    Ich stimme dir vollkommen zu, dass der VS sich aufgrund schlampiger Ermittlungen und Verwicklungen selbst diskreditiert hat. Das steht außer Frage. Aber ich schrieb nicht von dem VS, sondern von den Landesverfassungsschutzämtern. Bitte genauer lesen. Und da bestehen schon Unterschiede von Behörde zu Behörde, ohne alles jetzt über den Grünen Klee zu loben.

    @ Lukas:

    Du hast natürlich Recht mit deinem Hinweis auf die Komposition.

    Ein weitere Komposition, die von diesem perfiden wie durchgeknallten Sektenguru missbraucht wurde, ist Backs “Air” in D.

  6. Tilia

    Meine Güte, was für Spinner. Wahrscheinlich ziehen die auch bald in den Dschungel, gründen “Peterstown” und irgendwann wird Koolaid gemischt…

  7. Logenbrudeer

    Man kann Ihre Seite hier mit einer Politischen vergleichen, welche zu Propagandazwecken aus dem Boden gestampft wurde. Vorurteilhaft, feindbilderklärend, herabsehend und sich als großer Aufklärer darstellend. Totaler Schwachsinn was sie hier mit Ihrem Palaberforum fabrizieren.

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