23 Kommentare

  1. Meckermaul

    vollste Zustimmung. Nur was jetzt noch schön wäre zu wissen:

    was sind denn Eurer Ansicht nach positive Beispiele für nicht-antisemitische und nicht-antimuslimische Religionskritik? Und speziell: welche Beschneidungskritiker sind euch in der “Debatte” (die m.E. keine war) positiv aufgefallen? Das sind durchaus ernstgemeinte Fragen, weil ich mich tatsächlich schwergetan habe, solche Leute ausfindig zu machen. Die beiden hier waren solch ein ein seltener Fall — http://www.ekd.de/ezw/Publikationen_2762.php — aber sonst… sah es in der Hinsicht m.E. eher mau aus :(

  2. german jew

    Man sollte aber auch darauf achten, dass man in seiner Kritik an den Kritikern immer deutlich differenziert. Ich halte es für gefährlich sich nur mittelmäßig mit dem Wort “antisemitisch” auseinanderzusetzen und dann mangelnde Abgrenzung vorzuwerfen. Immerhin handelt es sich hierbei um einen nationalsozialistischen selbstgewählten Kampfbegriff. Jemandem das zu unterstellen, obwohl es nur einige Überschneidungen gibt, kann ungerecht sein – ich betone “kann”.

    Nazis fordern bspw. seit langem die Finanztransaktionssteuer. Das tun die Linken und inzwischen die gesellschaftliche Mitte auch. Man findet hier also auch eine inhaltliche Nähe. Diese allein ist also keine hinreichende Bedingung, um Intentionen zu qualifizieren. Es ist vielmehr notwendig das im gesamten Kontext zu betrachten. Das macht man gemeinhin automatisch, daher fühlt sich auch niemand in den BT-Parteien dazu berufen, sich von den Nazis abzugrenzen – es ist schlicht nicht notwendig.

    Und wenn jemand bereits mehrmals zu Toleranz, Humanismus, Aufklärung, Gleichberechtigung und Frieden in Bezug auf alle Religionen und Menschen aufruft, braucht man ihm keine mangelnde Abgrenzung vorwerfen, da auch diese durch den Rest der Arbeit im Kontext erfolgt.

    Ich habe das Gefühl, dass die Autoren schlicht übersensibel sind, wenn es zu dieser Thematik kommt.

    Sie sollten sich aber bewusst werden, dass es einige Probleme gibt, mit denen unsere Gesellschaft zu kämpfen hat. Antisemitismus, Rassismus und Chauvinismus sind einige davon. Wichtig ist aber sich den richtigen Gegner zu suchen. Ich finde es beispielsweise erstaunlich, wie leicht man über organisierten Rassismus in der CDU hinwegblickt, wenn er sich gegen Muslime richtet und sie für gemäßigt hält, wenn ein verfassungswidriges Gesetz vorgeschlagen wird, dass die Beschneidung “erlauben soll”.

    Um das nämlich mal klarzustellen: Nicht ein Jurist mit Verstand wird um die Einsicht herumkommen, dass Beschneidungen im Kleinkindalter gegen die körperliche Integrität des Kindes und vor allem gegen seine Religionsfreiheit verstoßen. Das schreibe ich ohne Wertung. Das kann man gut oder schlecht finden – es handelt sich aber um Verfassungsrealität. Wäre das anders, hätte das BVerfG nicht bereits vor dem Vorschlag des kommenden Beschneidungsgesetzes gesagt, dass es die Klappe halten wird. Ich habe darüber auch schon mit mehreren muslimischen Juristen geredet, für das ebenso klar ist.

    Ich könnte mich pausenlos über diese Stümperei und Windmühlenkämpferei in falsche Richtungen und Nomenklaturen aufregen, während hier eine Politik betrieben wird, die das Erstarken der Nazis in den südlichen EU-Ländern fördert und ich erleben muss wie täglich Migranten und Roma verprügelt werden.

    Wenn 5000 schwarz angezogene Paramilitärs der Ungarischen Garde durch Roma-Viertel laufen und brüllen, dass sie sie von der Karte fegen werden oder wenn die griechische Polizei Kompetenzen an die Nazi-Partei abgeben und die in großen Gruppen Immigranten jagen, ist das für unsere Regierung in Ordnung. Aber das fehlen eines lächerlichen, überflüssigen und verfassungswidrigen Gesetzes darf nicht akzeptiert werden, damit sich die Zentralräte bei der nächsten Wahl wieder brav hinter einen stellen.

    Sick Sad World!

  3. neuer Leser

    Die Giordano-Bruno-Stiftung (bin kein Mitglied o.ä.) in die Nähe der PImatenszene bringen zu wollen, ist so, als würde man ein Schaf dafür tadeln, dass es auf der gleichen Wiese weidet, auf der Wölfe und Bären gelegentlich auf Beutejagd gehen.

    Als die PImaten den Versuch einer Vereinnahmung dann doch unternommen haben, erfolgte von Seiten der GBS eine Distanzierung, die deutlich hätte nicht sein können. Die GBS schießt nachweißbar mit der gleichen Schärfe gegen alle drei großen monotheistischen Religionen; da nimmt der Islam nun wahrlich keine Ausnahmestellung ein. Auf Youtube gibt es mind. ein dutzend Videos von Schmidt-Salomon, der fast mit Schaum vorm Mund gegen das Christentum als reaktionäres Glaubenssystem wettert. Das mag jeder finden, wie er will.

    Die BGS hat mit Antisemiten und Antislamisten so viel zu tun wie Bud Spencer mit den Weight-Watchers.

  4. Roland Sieber

    Das sich Parteien um die Stimmen ihrer Wähler bemühen gehört zum Kern unserer parlamentarischen Demokratie. Die Zentralräte vertreten die Interessen ihrer Mitglieder und dies fällt ausdrücklich unter dem Schutz des Grundgesetzes. Die Anhörung von Verbänden und sachkundigen Bürgern ist hierzulande Teil des Entscheidungsprozesses, sei es durch religionskritische oder durch religiöse Verbände. Ob ein Gesetz Verfassungswidrig ist entscheidet am Ende das Bundesverfassungsgericht.

    Selbstverständlich darf und sollte Mensch Gesetze und Gesetzesentwürfe auch kritisch sehen, was ja ebenfalls unter den grundgesetzlichen Schutz fällt, aber dabei sollte doch darauf geachtet werden keine Vorurteile zu bedienen und vorhandene Klischees nicht zu reproduzieren. Das es viele weitere Probleme gibt, die es zu kritisieren gilt, sollte kein Grund sein etwas nicht zu kritisieren.

  5. german jew

    @Roland Sieber

    Danke für Antwort.

    1.) Dass sich die Parteien um Wählerstimmen bemühen gehört zum Kern…

    Das ist durchaus richtig, aber nur wenn die betroffenen Personen als Partei handeln und nicht als Kabinett. Ich bitte Sie hier zu differenzieren. Es ist nicht Aufgabe der Regierung Gesetze zu entwerfen, die keine rechtliche Bedeutung haben. Gesetze sollen unser gesellschaftliches Zusammenleben regeln und nicht die Meinungsbildung ersetzen, der die Parteien verfassungsrechtlich verpflichtet sind.

    Der Fehler der Politik ist es vielmehr, dass sie es Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte, verschlafen hat, sich mit dieser Problematik zu befassen. Traurig dass sich die Zentralräte vor diesem Hintergrund mit einem bedeutungslosen Gesetz abspeisen lassen und einem notwendigen gesellschaftlichen Diskurs ausweichen.

    2.) Über die Verfassungswidrigkeit des Gesetzes entscheidet das BVerfG

    Das mag sein, allerdings bedeutet dieser Allgemeinplatz nicht, dass alle Gesetze, die das BVerfG nicht der Normenkontrolle unterzogen hat e contrario automatisch verfassungskonform sind.
    Denn obwohl am Ende das BVerfG entscheidet, ist es doch vertretbar, etwas in seinem Gutachten verfassungswidrig zu nennen, wenn die absolut überwiegende Mehrheit der Juristen in Deutschland, unabhängig ob Lehre oder Rechtsprechung, es genauso sieht.

    Aber selbst wenn dem nicht so ist, ist das Gesetz Humbug und das ist simpel erklärt:

    Ist die Beschneidung im Kindesalter verfassungswidrig, ist auch das Gesetz verfassungswidrig. Ist die Beschneidung nicht verfassungswidrig, braucht es auch das Gesetz nicht, weil dann die Einwilligung der Eltern die Körperverletzung bereits rechtfertigt.

    Es kann also nicht sein, dass die Regierung das Parlament missbraucht, um etwas völlig Überflüssiges zu verabschieden, mit dem nur vermeintliche Interessengruppen und Wählerkategorien bedient werden sollen.

    3.) Dass wir andere Probleme haben…

    Ich bitte Sie auch hier zu differenzieren. Ich habe nicht gesagt, dass wir uns damit nicht befassen können, weil wir andere Probleme haben. Diese Interpretation ist auch nicht sehr naheliegend, da ich mich ja grad damit befasse. Vielmehr ging es mir um die Doppelmoral, wenn es zur Toleranz kommt. Man kann deutlich sehen, dass die sog. Toleranz bei vielen Vertretern der Politik einem tagespolitischen Opportunismus folgt und hier nicht der Anspruch besteht durchgängig und breit tolerant zu sein. Das ist beispielsweise der Fall, wenn man die Geschehnisse in Ungarn und Griechenland unkommentiert lässt, ökonomisch sogar fördert und dann aber ein nutzloses Gesetz entwirft, dass das hohe Lied der Toleranz spielen soll.

    4.) Vorhandene Klischees bedienen

    Ich hoffe, dass Sie GBS meinen und nicht mich. Für diesen Fall bitte ich Sie ein weiteres Mal stärker zu differenzieren. Die Kommunikation, bzw. in diesem Fall die Bedienung der Klischees, erfolgt immer zwischen Sender und Empfänger. Es kann auch sein, dass der Text die Klischees nur bei besonders sensiblen Rezipienten bedient. Wenn ich mir die wissenschaftlichen Definitionen von Rassismus (bspw. nach Memmi) und Antisemitismus angucke, dann kann ich hier nichts der gleichen erkennen. Vielleicht sollte man darauf achten nicht nur seine eigene truthiness, sondern diskursfördernde Definitionen der eigenen Subsumtion zugrunde zu legen, um ebenfalls keine Klischees zu bedienen und für die Intoleranten in unserer Gesellschaft nicht so angreifbar zu sein.

  6. Migräne

    Was meint Dr. Schmidt-Salomon damit: “Ohnehin sollte man Ideologen stets in den wenigen Punkten Recht geben, in denen sie tatsächlich Recht haben. Denn ansonsten erzielen sie mit halben Wahrheiten ganze Erfolge. (Wenn ich mich nicht sehr irre, ist dies eine der fundamentalen Lehren, die man aus der Geschichte – vor allem auch der deutschen – ziehen sollte.)”? In welchen Punkten sollte man “Ideologen der deutschen Geschichte” eigentlich recht geben?

  7. sol1

    @ Migräne

    Was meint Dr. Schmidt-Salomon damit: “Ohnehin sollte man Ideologen stets in den wenigen Punkten Recht geben, in denen sie tatsächlich Recht haben. Denn ansonsten erzielen sie mit halben Wahrheiten ganze Erfolge. (Wenn ich mich nicht sehr irre, ist dies eine der fundamentalen Lehren, die man aus der Geschichte – vor allem auch der deutschen – ziehen sollte.)”?

    Er meint vermutlich das gleich wie Thomas von der Osten-Sacken in diesem Blogeintrag zum Thema Die Republikaner und die Beschneidung:

    Wenn die vermeintlich Richtigen völlig falsch argumentieren, sollte in einer so verkehrten Welt niemanden verwundern, wenn die Falschen zumindest in Teilen plötzlich richtig argumentieren

    http://jungle-world.com/jungleblog/1767/

  8. sol1

    Inspiriert durch Nekla Kelek, Freiheitspreisträgerin der FDP-nahen Friedrich Naumann Stiftung, entdeckte der freiheitlich-liberale Rechtswissenschaftler Holm Putzke eine „Gesetzeslücke“ zur religiösen Beschneidung von minderjährigen Jungen. Sein Doktorvater, der Strafrechtsdogmatiker Rolf Herzberg bestärkte Putzke, sich nicht um evtl. antisemitische oder antimuslimische Verdächtigungen zu kümmern. Putzke nutzte offenbar Beziehungen, um das „Kölner Urteil“ via Financial Times Deutschland und der Frankfurter Allgemeine Zeitung an die breite Öffentlichkeit zu bringen. Daraufhin wurde der Jurist zum polizeiwissenschaftlichen Beirat der Giordano-Bruno-Stiftung ernannt. Auch Herzberg ist gern gesehener Gast der GBS und des Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA). Der Strafrechtler wird die SPD-Bundestagsfraktion am 17. Oktober „aufklären“.

    Eine ziemlich bekloppte Verschwörungstheorie, mit der man der Auseinandersetzung mit der fundierten Argumentation von Putzke und Herzberg aus dem Weg geht.

    Und das wird noch dadurch getoppt, daß man im Abschnitt darauf von einer “verschwörungstheoretischen Karikatur” spricht.

  9. Michael

    Die Verbindung von GBS zu PI ist einfach zu erklären. Beide gehen schlampig mit Worten um und können nur sehr eingeschränkt logisch denken.

    Das Problem mit Worten ist, dass wenn man nicht weiß was ein Wort bedeutet wird es beliebig. Wird das Wort beliebig, werden die Meinungen beliebig (und austauschbar). Am Ende kommt man dann irgendwo raus wo man gar nicht hinwollte – und wird von PI zitiert.

    Bei GBS heißt das Wort Religion. Leute die Naturalismus als Ziel auf ihre Fahnen geschrieben haben, benutzen ein Wort, für das es noch nicht mal eine verbindliche wissenschaftliche Definition gibt. Kein Wunder, dass die verwirrt sind und Aussagen von sich geben, die sie so doch gar nicht gemeint haben.

  10. Roland Sieber

    Udo Ulfkotte wurde von der BPE öffentlich als Gastredner angekündigt, war aber nicht Teil des offiziellen Podiums der Veranstalter. Text und Bildmaterial dazu gibt es auf den Websites von BPE, PI und weiteren islamfeindlichen Blogs. Auch nahm Udo Ulfkotte an der Sonderveranstaltung der Kritischen Islamkonferenz anlässlich des sog. „Anti-Islamisierung-Kongresses“ teil und unterstrich in seinem Gastbeitrag die zum Ausdruck gebrachte Doppelabgrenzung der Veranstalter. Auch davon gibt es Text- und Bildmaterial. PI ist aktuell offline und um nicht direkt auf BPE zu verlinken, hier ein Foto und ein Forum mit weiteren Links.

  11. Roland Pardon

    @Michael – Es ist banal, dass es für Religion keine allgemein verbindliche Definition gibt. Für Gesundheit und Krankheit auch nicht, und doch ist die Medizin ein wohl definiertes und wichtiges Fachgebiet. Was die GBS kritisiert und befürwortet, ist klar aus den Veröffentlichungen der letzten Jahre. Es ist leicht, anderen mangelnde Logik vorzuwerfen, sich nicht weiter um Verständnis zu bemühen – und dann zu schreien, wenn man an seinem eigenen unfairen Maßstab gemessen wird. Bei Diskussionen sollte man auch dem Gegner das Principle of Charity gewähren: Wie könnte man das, was da gesagt wurde, vernünftig deuten? Nicht, wie könnte man mit diesen Aussagen einen möglichst soliden Strick drehen.
    @Adah, hier kann man nur sagen, was Schmidt-Salomon schon ausdrückte, offenbar aber nicht allgemein verständlich. Manchmal haben auch die schlimmen Finger mit irgendetwas recht. Dann sollte man das nicht ablehnen, bloß weil es ein schlimmer Finger gesagt hat. Alte geschmacklose Postkarten ausgraben, ist das ein sachlicher Diskussionsbeitrag? Hast du keine besseren Argumente? Kannst nicht inhaltlich argumentieren? Stimmt, das geht wohl nicht. Es gibt keine belastbaren Argumente, nur den Hinweis auf antike Bücher unwissender alter Männer.
    Leider hat das Thema ein viel zu großes Gewicht bekommen. Unter anderem durch die wirklich hysterische Reaktion der Regierung, schnell ein dubioses Gesetz zu durchzupeitschen. Wenn man das einfach als eine normale Rechtsfrage behandelt hätte, die es ja ist, wäre das alles nicht so hochgekocht. Oder wenigstens ein Moratorium von zwei Jahren, um das in Ruhe zu diskutieren.

  12. Adah Gleich (author)

    @ Roland Pardon. Ich könnte mir vorstellen, dass die Regierung die Menschenrechtserklärung für Personen ethnischer und religiöser Minderheiten respektiert. “United Nations Declaration on the Rights of Persons Belonging to National or Ethnic, Religious and Linguistic Minorities”: http://www2.ohchr.org/english/law/minorities.htm.
    “Argumente” zur angeblichen Gesundheitsgefährdung durch die religiöse/unreligiöse Beschneidung von Jungen sind aus evidenz-basierter und empirischer Sicht nachwievor äusserst dürftig.

  13. Roland Pardon

    @Adah Gleich – in gewohnt unpräziser und vager Art mal schnell einen Verweis auf irgendein ellenlanges Dokument soll etwas belegen. Was genau? Keine Ahnung. Es geht ja gerade darum diese Rechte RICHTIG auszulegen. Darum geht die Debatte. Da besteht der Dissens. Die Vereinten Nationen haben NIRGENDS festgeschrieben, dass man seine Kinder verstümmeln darf.

    Würde jetzt ein Sektenführer kommen und sagen, dass man allen Mitgliedern den Blinddarm entfernen oder den rechten kleinen Finger amputieren müsste, würde Frau Gleich wohl als erste das für unzumutbar halten. In diesem Fall macht nur das ALTER den Unterschied, und dass sie selber zu einer der betroffenen Gruppen gehört, sie also völlig unparteiisch ist. Alte Traditionen können genauso bescheuert sein, wie neue Sekten.

    Es geht auch weniger um Gesundheitsgefährdung als solche, sondern darum dass es eine UNGERECHTFERTIGTE Gefährdung ist, weil nicht auf das Wohl des Kindes ausgerichtet. Und es ist eine anmaßende Vereinnahmung von Kindern, deren Folgen nie mehr zurückgenommen werden können. Die Entscheidung darf man schlicht dem Betroffenen selber überlassen. DAS ist dann Religionsfreiheit wie in dem zitierten Link beschrieben. So kann man das auch lesen, Frau Gleich.
    Es funktioniert nicht so, dass Sie einen Link heraussuchen und so tun, als wäre es doch damit völlig klar, dass SIE im Recht ist – wer sonst könnte im Recht sein?

  14. Zitat: “und dass sie selber zu einer der betroffenen Gruppen gehört, sie also völlig unparteiisch ist.” Das ist im Prinzip ein antisemitisches Statement, Herr “Roland Pardon”. Denn damit sagen Sie quasi mit, dass Juden das Thema ja gar nicht richtig einschätzen können, weil selbst betreffen.

    Das ist überheblich und rassistisch. Juden sind demnach zu dumm, die Zusammenhänge zu begreifen, und müssen daher von arischen Besser-Deutschen zu ihrem Glück gezwungen werden. Umgekehrt wird ein Schuh draus: Juden wissen sehr viel besser als nicht betroffene Bevölkerungsgruppen, welche Probleme es gibt/nicht gibt bei der Beschneidung.

    Sie knüpfen an den angeblich “aufgeklärten” Antisemitismus des 19. Jahrhunderts an. Ihre Art, sich in eine aufgeklärtere und moralischere Position zu phantasieren, ist absolut nicht akzeptabel für Juden.

  15. Julia Eulenpost

    @Roland Pardon: seit dem beschneidungsurteil und dem ihm folgenden Diskussionen darüber gibt es eine völlig unerklärliche Hysterie. Muslimische und jüdischen Menschen, die ihre Kinder beschneiden lassen, müssen sich jetzt plötzlich Begriffe wie Körperverletzung, Verstümmelung, sexuelle Misshandlung und andere kraftvolle, farbenprächtige Bezeichnungen anhören. Kritisiert das jemand, versucht, zur Ordnung und Besonnenheit aufzurufen, verschanzen Sie beispielsweise sich hinter dem Anspruch der ultimativen Berechtigung, sich als Experte, als Mensch und antireligiöser Humanist gegen die diese “UNGERECHTFERTIGTE Gefährdung” aufzuspielen und jede Kritik und jeden Versuch in die Debatte, in die Sache etwas Ruhe zu bringen oder Zurückhaltung zu vermitteln, mit der überzeugten RICHTIGKEIT seiner eigenen Auffassung nieder zu argumentieren. Die Verbindung zwischen der NPD und der GBS kann man auch trotz aller Distanzierung nicht verleugnen. Nein, das Schaf kann man nicht verantwortlich machen, dass es dort grast, wo auch Wölfe ihr Unwesen treiben. Ich würde mal sagen, dass in dem Szenario die GBS wohl das Schaf sein soll. Das war es? Die GBS – das dumme Schaf, das es nicht schafft, auf einer anderen Wiese zu grasen? Und dann natürlich der Leithammel, Schmidt-Salomon, der immer meckert: Nein, wir sind gegen die NPD. Wir sind nicht rechts, wir sind nur gegen die Religioten dieser Welt. Und die neue Sekte DIESES Leithammel verlangt unmissverständlich den totalen Kampf gegen die Religionen dieser Welt. Und wenn man dabei eine alte Postkarte ausgräbt, dann ist das nicht in des Leithammels Verantwortung, denn der kann ja nichts dafür, dass auch die Bösen Wölfe ihr Unwesen treiben, das ist dann nur reinste Gemeinheit von Kritikerinnen, die die großen Visionen des Leithammels nicht begreifen, mäh, mäh. Roland Pardon: Pardon, können Sie mal mit Denken beginnen?

  16. Roland Pardon

    Ohne viel Aufhebens, zwei gute Links:
    http://www.youtube.com/watch?v=NfjHed3ZLVE
    Alle vier von Sunay Capkan veröffentlichten Beiträge habe ich gehört und konnte zu allem einhellig nicken – die drei Frauen der Initiative und Seyran Ates haben nicht ein Wort gesagt, dass ich für unpassend gehalten hätte. Keine hysterischen “RASSISMUS!”-Vorwürfe, sondern die Einsicht, dass alle in einer Gesellschaft mit dem, was sie mitbringen an dieser Gesellschaft mitzuarbeiten haben. Und die Einsicht, dass Nachfragen oder andere Verhaltensweisen keineswegs immer böse oder ausgrenzend gemeint sind, auch wenn sie als Verletzung ankommen – beide Seiten müssen da lernen. Und beide Seiten wollen lernen, wenn sie nicht von den anderen (verbal) geohrfeigt werden.

    Und dann noch ein “pervers GUTER” Beitrag:
    http://www.youtube.com/watch?v=sXWwgpBN5GE
    Auch hier wird darauf hingewiesen, dass es hier jedem gut gehen kann. Und dass viele gerade DESHALB aus Ländern hierher kommen, weil sie das auch so sehen. Einige von denen kommen dann auf die Idee, dass aber ihre Kultur doch die bessere wäre, und stechen Theo van Gogh ab, bedrohen Ayaan Hirsi Ali, hetzen in einigen Moscheen.

    Eine Synthese aus diesen beiden Sichten, die sich in den beiden Links oben ausdrücken – daraus könnte ein fruchtbares Produkt herauskommen, das sogar hysterischen “Rassismus!”-Schreiern gefallen wird.
    Denn den meisten hier in Deutschland sind Leute willkommen, die hier mit arbeiten, mit leben, und das auch können, weil sie sich für dieses Land interessieren und seine Sprache lernen, um aus diesem Land ein demokratisches und von guten Gesetzen geschütztes Land zu machen, und letztlich gern ihr eigenes!

    Eines aber in dem jedenfalls auch die Rechte von Kleinkindern ohne Kompromisse geschützt sind. :-)

  17. Roland Sieber

    Sehr geehrter Herr Pardon,

    Kritik an dem Artikel und Gegenargumente dürfen hier gerne sachlich geäußert werden. Ich möchte Sie jedoch bitten hier keine persönlichen Angriffe über die Kommentare zu führen.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Roland Sieber

  18. Roland Pardon

    Sehr geehrter Herr Sieber,

    danke für die Fairness, bis auf einen alle Kommentare freizuschalten. Ich gebe zu, dass die erste Antwort auf die Beträge von MD und Julia Eulenpost zu emotional war – diese Beiträge enthielten allerdings auch einen persönlichen Angriff auf mich: Ich sei ein Rassist – ein beliebter Vorwurf von Frau Gleich, in alle Richtungen. Sie kennt mich persönlich, daher kränkt mich dieser Vorwurf auch persönlich. Wenn man die entsprechenden Kommentare liest, ist der Vorwurf schlicht haltlos. Ihre Klagen, ich würde sie oder gar alle Juden für dumm erklären, weil ich Interessen anspreche, ist so offenkundig unfair, dass ich das hoffentlich nicht in aller Breite erklären muss. Interessen ungleich Intelligenz, das ist banal. – Es ist vermutlich nicht Frau Gleichs Interesse, Vorhäute zu sammeln, sondern sie ist hypersensibel, weil sie das als ersten Angriff auf Juden sieht (“Ist es wieder so weit?”) – der dieses Kölner Urteil schlicht nicht ist. Das ist dem letzten von mir vorgeschlagenen Link zu entnehmen, wenn man nur einmal bereit ist, ihn unhysterisch und sachlich zur Kenntnis zu nehmen. Ich bin Herrn Özkaraca für diese besonnene und umfassende Einschätzung dankbar, die offenbar von einem (1) juristisch geschulten Mann und (2) von einem Muslimen, der (3) gerade die Neuköllner Verhältnisse kennt, verfasst wurde. Die Hysterie, die derzeit unter Juden herrscht, mag verständlich sein, ist aber jedenfalls fehlgeleitet in der Meinung, es handle sich um einen Angriff auf Juden – das ist bestenfalls ein unangenehmer NEBENeffekt, der es für alle Beteiligten nicht einfacher macht, moderne moralisch-rechtliche Standards durchzusetzen.

    Darüberhinaus finde ich es schon durchaus wichtig, auch den Mitlesenden klar zu machen, dass MD und Julia Eulenpost mit der Ko-Autorin Adah Gleich identisch sind. Das ist für mich eindeutig aus Inhalt und Randbedingungen feststellbar.

    Dieser letzte Umstand ist schon durchaus wichtig für eine Einschätzung des Gesamtbildes und der Ko-Autorin, oder nicht?

    Noch einmal herzlichen Dank für Ihre Fairness, Herr Sieber.

    MfG R.P.

  19. Adah Gleich (author)

    Herr Roland Pardon, ich versichere Ihnen und den Mitlesern, ich bin nicht mit Frau Eulenpost und MD identisch. Ich bedaure, dass Sie sich persönlich angegriffen fühlen.

    Im Artikel geht es um antijüdische und antimuslimische Ressentiments. Ich bevorzuge den neu-deutschen Begriff Kulturrassimus. In diesem AJC Briefing wird der pseudo-wissenschaftliche Anspruch der “Pro-Kinderrechte” Kampagne der GBS verdeutlicht: http://gruene-berlin.de/sites/gruene-berlin.de/files/ajc_faktenmythenbeschneidungsdebatte.pdf.

  20. Roland Pardon

    Na, wollen Sie, Frau Gleich, uns nicht noch Ihr Ehrenwort geben, dass Sie nicht MD und/oder Julia Eulenpost sind? ;-)

    Auf das Dokument vom AJC einzugehen, das braucht mehr als einen kurzen Post. Das ist jedenfalls nicht das, was es auf den ersten Blick zu sein scheint, eine ausgewogene wissenschaftliche Analyse. Es ist ein Pamphlet, Agitation.

    Deshalb gehe ich erstmal nur ein auf den “Kulturrassimus”, eine interessante Wortfügung.

    Was ist Rassismus? Ich denke, ich beschreibe den üblichen Wortgebrauch recht gut und knapp, wenn ich sage: Rassismus ist die (meist negative) Bewertung von Menschen einzig aufgrund der (vermeintlichen oder wirklichen) Zugehörigkeit zu einer Ethnie. Rassismus ist allein deshalb schon verwerflich, weil niemand für diese Zugehörigkeit kann. Niemand kann sie ändern. Sie weder Verdienst noch Schuld, sondern eine simple Tatsache. Egal, wie tief nun Unterschiede zwischen Ethnien gehen, “skin-deep”, also nur aufs Aussehen, oder auch tiefer, jedenfalls hat jeder Mensch den legitimen Anspruch, als Person und Individuum wahrgenommen zu werden – keine zwei Menschen sind gleich. Da ist die Ethnie von eher beiläufiger Bedeutung.

    Im Unterschied zur Rasse ist Kultur ein Geflecht von Traditionen, die im gesellschaftlichen Leben erlernt werden, z.B., dass Frauen den Männern untergeordnet sind, Traditionen, die auch wieder verlernt werden können, wenn man zu besserer Einsicht gekommen ist: Männer und Frauen sind nicht so wesentlich verschieden, dass in kaum einer Hinsicht eine Ungleichbehandlung gerechtfertigt ist. Insbesondere ist Selbständigkeit und Verantwortung nicht männlich oder weiblich.

    Die Rasse kann man also nicht vorwerfen, weil unwandelbar – deshalb ist Rassismus ganz zurecht geächtet. Bestimmte kulturelle Praktiken KANN man ändern oder “verlernen” – deshalb trägt jede/r die Verantwortung für das Ausmaß, in dem er/sie sich einer Kultur anschließt, und inwieweit er/sie damit die Menschenrechte stützt oder torpediert.

    Hier zeigt sich, dass der Begriff “Kulturrassismus” ein Widerspruch in sich ist, und eine verbale Propaganda-Keule, mit der Kulturrelativisten oder blindwütige Apologeten einer Kultur Kritikern das Maul stopfen wollen. Hier wird das angemessen schlechte Image des Rassismus instrumentalisiert für Agitation, damit man sich nicht mehr mit Gründen auseinandersetzen muss, die vielleicht dazu führen, dass Teile von Traditionen nicht mehr dem modernen Standard der Menschenrechte entsprechen. Sachlich sind solche Angriffe nicht, und auch nicht fair. Propaganda eben.

    Die pädagogische Ohrfeige ist ganz zurecht geächtet und gesetzeswidrig. Warum sollten wir, bloß weil es eine Tradition gibt, die noch in die Zeit vor dem Judentum zurückgeht, unsere heutigen Standards dieser Bronzezeit-Sitte anpassen? Das ist eine ernst gemeinte Frage! Aber es gibt keine belastbare Antwort außer: Das ist gar nicht so schlimm und das nützt dem Mann später mal. Aber man muss ja solche Gründe suchen, weil die eigentlichen religiösen ja nur für die Gläubigen Bedeutung haben. Die vernünftigen unter den Gläubigen werden auch den Glauben (an der Stelle) in Zweifel ziehen – wie auch bei der Beschneidung der Fall. Sie werden auch Wege finden. Theologen finden immer einen Weg rechts rum, wenn sie eben gar nicht mehr links rum gehen können. Das ist in der Geschichte immer so gewesen. DAS ist der Job von Theologen, der eine staatliche Bezahlung lohnte.
    Natürlich behaupten Priester (in dem Fall Rabbis und Imame) zuerst, dass genau der gerade in Frage stehende Ritus unverzichtbar ist. Das ist in allen Religionen so. Täten sie es nicht, würde die Glaubwürdigkeit von “Gottes Wort” ja noch schneller erodieren, als sie es jetzt schon mit ansehen müssen. Aber ein moderner Staat muss hier jedem Rückschritt entgegenstehen.

    Alles kein Grund, das Anliegen, die Beschneidung rechtssystematisch konsistent und im Sinne des Kindes als Straftat zu beurteilen, prinzipiell für antisemitisch zu halten.
    Wenn da, wie ich zugebe, einige Stinker mit rechter Gesinnung mit Freuden Trittbrett fahren, muss man Widerstand leisten, wo diese Diskussion für deren Agenda instrumentalisiert werden soll. Das tut z.B. auch die GBS! Da gibt es auch kein Mäh und Leithammel. Das Bild von Schafen und Wölfen stimmt nicht. Ich sehe mich nicht im mindesten von Wölfen gefährdet, ich kann also kein Schaf sein – Sympathie für Wölfe ist nicht vorhanden, also bin ich kein Wolf.

    Selber denken macht schlau.

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