23 Kommentare

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  1. Roland Pardon

    Sehr geehrter Herr Sieber,

    danke für die Fairness, bis auf einen alle Kommentare freizuschalten. Ich gebe zu, dass die erste Antwort auf die Beträge von MD und Julia Eulenpost zu emotional war – diese Beiträge enthielten allerdings auch einen persönlichen Angriff auf mich: Ich sei ein Rassist – ein beliebter Vorwurf von Frau Gleich, in alle Richtungen. Sie kennt mich persönlich, daher kränkt mich dieser Vorwurf auch persönlich. Wenn man die entsprechenden Kommentare liest, ist der Vorwurf schlicht haltlos. Ihre Klagen, ich würde sie oder gar alle Juden für dumm erklären, weil ich Interessen anspreche, ist so offenkundig unfair, dass ich das hoffentlich nicht in aller Breite erklären muss. Interessen ungleich Intelligenz, das ist banal. – Es ist vermutlich nicht Frau Gleichs Interesse, Vorhäute zu sammeln, sondern sie ist hypersensibel, weil sie das als ersten Angriff auf Juden sieht (“Ist es wieder so weit?”) – der dieses Kölner Urteil schlicht nicht ist. Das ist dem letzten von mir vorgeschlagenen Link zu entnehmen, wenn man nur einmal bereit ist, ihn unhysterisch und sachlich zur Kenntnis zu nehmen. Ich bin Herrn Özkaraca für diese besonnene und umfassende Einschätzung dankbar, die offenbar von einem (1) juristisch geschulten Mann und (2) von einem Muslimen, der (3) gerade die Neuköllner Verhältnisse kennt, verfasst wurde. Die Hysterie, die derzeit unter Juden herrscht, mag verständlich sein, ist aber jedenfalls fehlgeleitet in der Meinung, es handle sich um einen Angriff auf Juden – das ist bestenfalls ein unangenehmer NEBENeffekt, der es für alle Beteiligten nicht einfacher macht, moderne moralisch-rechtliche Standards durchzusetzen.

    Darüberhinaus finde ich es schon durchaus wichtig, auch den Mitlesenden klar zu machen, dass MD und Julia Eulenpost mit der Ko-Autorin Adah Gleich identisch sind. Das ist für mich eindeutig aus Inhalt und Randbedingungen feststellbar.

    Dieser letzte Umstand ist schon durchaus wichtig für eine Einschätzung des Gesamtbildes und der Ko-Autorin, oder nicht?

    Noch einmal herzlichen Dank für Ihre Fairness, Herr Sieber.

    MfG R.P.

  2. Adah Gleich (author)

    Herr Roland Pardon, ich versichere Ihnen und den Mitlesern, ich bin nicht mit Frau Eulenpost und MD identisch. Ich bedaure, dass Sie sich persönlich angegriffen fühlen.

    Im Artikel geht es um antijüdische und antimuslimische Ressentiments. Ich bevorzuge den neu-deutschen Begriff Kulturrassimus. In diesem AJC Briefing wird der pseudo-wissenschaftliche Anspruch der “Pro-Kinderrechte” Kampagne der GBS verdeutlicht: http://gruene-berlin.de/sites/gruene-berlin.de/files/ajc_faktenmythenbeschneidungsdebatte.pdf.

  3. Roland Pardon

    Na, wollen Sie, Frau Gleich, uns nicht noch Ihr Ehrenwort geben, dass Sie nicht MD und/oder Julia Eulenpost sind? ;-)

    Auf das Dokument vom AJC einzugehen, das braucht mehr als einen kurzen Post. Das ist jedenfalls nicht das, was es auf den ersten Blick zu sein scheint, eine ausgewogene wissenschaftliche Analyse. Es ist ein Pamphlet, Agitation.

    Deshalb gehe ich erstmal nur ein auf den “Kulturrassimus”, eine interessante Wortfügung.

    Was ist Rassismus? Ich denke, ich beschreibe den üblichen Wortgebrauch recht gut und knapp, wenn ich sage: Rassismus ist die (meist negative) Bewertung von Menschen einzig aufgrund der (vermeintlichen oder wirklichen) Zugehörigkeit zu einer Ethnie. Rassismus ist allein deshalb schon verwerflich, weil niemand für diese Zugehörigkeit kann. Niemand kann sie ändern. Sie weder Verdienst noch Schuld, sondern eine simple Tatsache. Egal, wie tief nun Unterschiede zwischen Ethnien gehen, “skin-deep”, also nur aufs Aussehen, oder auch tiefer, jedenfalls hat jeder Mensch den legitimen Anspruch, als Person und Individuum wahrgenommen zu werden – keine zwei Menschen sind gleich. Da ist die Ethnie von eher beiläufiger Bedeutung.

    Im Unterschied zur Rasse ist Kultur ein Geflecht von Traditionen, die im gesellschaftlichen Leben erlernt werden, z.B., dass Frauen den Männern untergeordnet sind, Traditionen, die auch wieder verlernt werden können, wenn man zu besserer Einsicht gekommen ist: Männer und Frauen sind nicht so wesentlich verschieden, dass in kaum einer Hinsicht eine Ungleichbehandlung gerechtfertigt ist. Insbesondere ist Selbständigkeit und Verantwortung nicht männlich oder weiblich.

    Die Rasse kann man also nicht vorwerfen, weil unwandelbar – deshalb ist Rassismus ganz zurecht geächtet. Bestimmte kulturelle Praktiken KANN man ändern oder “verlernen” – deshalb trägt jede/r die Verantwortung für das Ausmaß, in dem er/sie sich einer Kultur anschließt, und inwieweit er/sie damit die Menschenrechte stützt oder torpediert.

    Hier zeigt sich, dass der Begriff “Kulturrassismus” ein Widerspruch in sich ist, und eine verbale Propaganda-Keule, mit der Kulturrelativisten oder blindwütige Apologeten einer Kultur Kritikern das Maul stopfen wollen. Hier wird das angemessen schlechte Image des Rassismus instrumentalisiert für Agitation, damit man sich nicht mehr mit Gründen auseinandersetzen muss, die vielleicht dazu führen, dass Teile von Traditionen nicht mehr dem modernen Standard der Menschenrechte entsprechen. Sachlich sind solche Angriffe nicht, und auch nicht fair. Propaganda eben.

    Die pädagogische Ohrfeige ist ganz zurecht geächtet und gesetzeswidrig. Warum sollten wir, bloß weil es eine Tradition gibt, die noch in die Zeit vor dem Judentum zurückgeht, unsere heutigen Standards dieser Bronzezeit-Sitte anpassen? Das ist eine ernst gemeinte Frage! Aber es gibt keine belastbare Antwort außer: Das ist gar nicht so schlimm und das nützt dem Mann später mal. Aber man muss ja solche Gründe suchen, weil die eigentlichen religiösen ja nur für die Gläubigen Bedeutung haben. Die vernünftigen unter den Gläubigen werden auch den Glauben (an der Stelle) in Zweifel ziehen – wie auch bei der Beschneidung der Fall. Sie werden auch Wege finden. Theologen finden immer einen Weg rechts rum, wenn sie eben gar nicht mehr links rum gehen können. Das ist in der Geschichte immer so gewesen. DAS ist der Job von Theologen, der eine staatliche Bezahlung lohnte.
    Natürlich behaupten Priester (in dem Fall Rabbis und Imame) zuerst, dass genau der gerade in Frage stehende Ritus unverzichtbar ist. Das ist in allen Religionen so. Täten sie es nicht, würde die Glaubwürdigkeit von “Gottes Wort” ja noch schneller erodieren, als sie es jetzt schon mit ansehen müssen. Aber ein moderner Staat muss hier jedem Rückschritt entgegenstehen.

    Alles kein Grund, das Anliegen, die Beschneidung rechtssystematisch konsistent und im Sinne des Kindes als Straftat zu beurteilen, prinzipiell für antisemitisch zu halten.
    Wenn da, wie ich zugebe, einige Stinker mit rechter Gesinnung mit Freuden Trittbrett fahren, muss man Widerstand leisten, wo diese Diskussion für deren Agenda instrumentalisiert werden soll. Das tut z.B. auch die GBS! Da gibt es auch kein Mäh und Leithammel. Das Bild von Schafen und Wölfen stimmt nicht. Ich sehe mich nicht im mindesten von Wölfen gefährdet, ich kann also kein Schaf sein – Sympathie für Wölfe ist nicht vorhanden, also bin ich kein Wolf.

    Selber denken macht schlau.

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