13 Kommentare

  1. robert

    Auf der anderen Seite sieht es aber auch ganz anders aus: http://www.neukoellner.net/macht-marchen/jenseits-der-hysterie/

    Gerade in der von ihnen zitierten Stelle steht doch nichts von In- oder Ausländern. Und so ohne Kontext lässt sich da natürlich viel rein interpretieren, gerade wenn man die erklärenden Absätze überließt.

    Ist das ein Problem des Buches, oder derer die es für ihre Zwecke missbrauchen?

  2. dertypinderdrittenreihe

    @robert:
    “Er kritisiert die „bio-deutschen“ Eltern, die Neukölln zwar hip fänden, ihre Kinder aber dann doch lieber nach Zehlendorf auf die Schule schicken. Ebenso wie Einwandererfamilien, in denen die Schulbildung offenbar keine Rolle spielt. Er ist ebenso gegen Kriminalität auf der Straße wie häusliche Gewalt. Ist das jetzt rassistisch? Agitatorisch? Nein!” aus http://www.neukoellner.net/macht-marchen/jenseits-der-hysterie/

    Na ist klar. Weil er die bio-deutschen Eltern, die sich panisch um die Bildungschancen ihre Sprösslinge sorgen genauso kritisiert wie die Einwanderereltern denen die Bildung ihrer Kinder am Arsch vorbei geht ist das Buch nicht rassistisch.
    Bio-Deutsche Eltern die sich nicht um die Bildung ihrer Kinder scheren oder migrantische Eltern, die ihre Kinder nicht in Neukölln zur Schule schicken gibts nicht. Alles schön säuberlich stereotypisiert und gewertet.
    Keine Spur von Rassismus… -.-

  3. Volker hört die Signale

    Antirassismus hat in diesem Lande einfach keine Lobby.
    Die Union ist ein Häufchen völkischer Beobachter, die FDP hängt ihr Fähnchen nach jedem chauvinistischen Lüftchen und die SPD stimmt nun auch offen in den Chor der Rassisten mit ein.
    Und die eine Partei, die sich offen gegen Rassismus und Faschismus engagiert, wird vom Verfassungsschutz bespitzelt.

    Da weiß man doch woran man ist:
    Es wird in Deutschland ein Klima installiert, das Menschen schon den Gedanken an die Einreise nach Deutschland austreiben soll. Da greifen die Bücher der Sarrazins und Buschkowskys (urdeutsche Namen, nicht wahr?^^), die menschenverachtenden Asylbedingungen und die ganz alltägliche Diskriminierung von Nicht-Biodeutschen nahtlos ineinander, offenbar mit Erfolg.

    Dass man die Rechnung bereits jetzt schon immer wieder dafür kassiert, wenn man Forscher oder Fachkräfte aus dem Ausland rekrutieren will, um Spitzenforschung zu etablieren oder Engpässe zu stopfen, scheint nicht zu einem Umdenken zu führen. Der Glauben, in einer globalisierten Welt auch in Zukunft alle Probleme auf völkisch-nationalem Wege zu lösen, ist aber utopisch. “Kinder statt Inder” war so ein Beispiel: Säuglinge können aber eben nicht programmieren; Kinder können keine KiTas leiten – und die Inder wollten nicht nach Deutschland kommen, weil sie sich nicht willkommen fühlten – ich bezweifle, dass das großartig anders sein wird, wenn demnächst Pflegekräfte aus China angeworben werden.

    Einstmals Land der Dichter und Denker, heute Land der Schlichten und Stänker…

  4. Christian

    Ach ich weiß nicht…
    Jetzt mal unabhängig von Buschkowsky, den ich nicht gelesen habe und nicht lesen werde: Wenn ich feststelle, dass es in Stadtteil A bestimmte soziale Probleme gibt, die es in Stadtteil B nicht gibt, und wenn ich dann die beiden Stadtteile charakterisiere und mir dabei auffällt, dass der Anteil von Einwohnern “mit Migrationshintergrund” in Stadtteil A höher ist, macht mich das doch nicht zum Rassisten. Der bin ich doch erst, wenn ich die Migranten zum Hauptgrund für die Probleme mache, oder bin ich am Thema vorbei?

  5. Roland Sieber

    Rassismus hat vereinfacht gesagt etwas mit Menschen in vermeintliche „Rassen“ einteilen zu tun. Der kulturelle Rassismus hingegen teilt Menschen nicht in Rassen, aber naturalisiert/biologisiert das vermeintlich Kulturelle. Wie Herr Bozkurt bereits schreibt: „Ist Buschkowsky ein Rassist? Darum geht es nicht. Steht Rassistisches in seinem Buch? Leider ja.“ Herr Buschkowsky teilt Menschen in seinem Buch pauschalisierten Kulturen zu und belegt diese mit Klischees.

  6. maguscarolus

    Da ich im Südwesten der Republik lebe, und die Verhältnisse in solchen “Brennpunkten” wie Neukölln nur vom Hörensagen kenne, bin ich angesichts der sehr unterschiedlichen Standpunkte zu dem Problem hin und her gerissen.

    Einerseits bin ich über diese Art von “Klarstellungen” à la Sarrazin oder Buschkowsky sehr beunruhigt, da ich sie als Beitrag zur zunehmenden Entsolidarisierung in diesem Lande werte, deren Nutznießer jene “Eliten” sind, die in aller Ruhe Geld und Macht an sich reißen können, während die “Harmlosen” gegenseitig über einander her fallen.

    Andererseits wird mir von Leuten, die direkt mit Migranten unterschiedlicher Herkunft und den Verhältnissen in den Asylbewerberunterkünften – sag ich mal pauschal – von Berufs wegen zu tun haben, glaubhaft versichert, dass da eine beträchtliche kriminelle Energie in unser Land herein drängt.

    Freilich sind das nicht dieselben Leute, um die es in Buschkowskys Buch geht, aber es geht doch auch um die blauäugige Naivität (i.e. gleichgültige “Toleranz”) vieler “Besserwohner” in diesem Lande, die jeden Migranten a priori als kulturelle Bereicherung verbuchen möchten, solange sie selber von ihm weit weg sind.

    Von echter Gleichbehandlung aller Menschen sind wir in diesem Lande weit entfernt.

  7. [...] Es gibt keinen Rassismus mit Herz: “Buschkowsky, nicht Neukölln, ist derzeit überall. Die SPD hat sich mit Sarrazin und Buschkowsky zum Sturmgeschütz der volkstümlichen Islamkritik in Deutschland entwickelt, die Parteispitze scheint das kaum zu stören, Parteichef Gabriel lud Buschkowsky zu einer Lesung ein” … publikative [...]

  8. Phoenix

    http://menschenrechtsfundamentalisten.de (Auszüge aus Texten von Thomas Baader):

    [1.]

    Aziz Bozkurt wirft im “Migazin” Buschkowsky Rassismus vor und schreibt wörtlich:

    “Im neuen Bestseller wird er [Buschkowsky] dann auch noch deutlicher, wenn es um die ‘Wand des Schweigens wie in der ehemaligen DDR’ geht: ‘Hier ist es ein Kartell aus ideologischen Linkspolitikern, Gutmenschen, Allesverstehern, vom Beschützersyndrom Geschädigten und Demokratieerfindern, das den Menschen das Recht abspricht zu sagen, was sie denken.’ Erschreckend an diesem Satz, dass dies die Wiederholung der Argumentation eines Rechtsterroristen Breivik ist. Dies ist natürlich kein direkter Vergleich zu Heinz Buschkowsky und von ihm wahrscheinlich gar nicht so weit gedacht. Nur eine Mahnung daran, wo sich solche Sätze sonst finden.”

    Bozkurt legt Wert darauf, dass er Buschkowsky nicht direkt mit Breivik vergleicht – was freilich bedeutet, dass er es indirekt tut und diesen Vergleich auch für angemessen hält. Der Vergleich selbst wird vor allem aber durch einen Taschenspielertrick möglich, indem Bozkurt den Teil der Passage weglässt, der nicht in seine Argumentationslinie passt. Auf Seite 130 des Buches heißt es nämlich vollständig:

    “Hier ist es ein Kartell aus ideologischen Linkspolitikern, Gutmenschen, Allesverstehern, vom Beschützersyndrom Geschädigten und Demokratieerfindern, das den Menschen das Recht abspricht zu sagen, was sie denken. Richtig stolz bin ich auf die Neuköllner Bevölkerung. Es gibt bei uns keine Gegenbewegung zu den etablierten Parteien und zu unserer demokratischen Gesellschaftsordnung. Die Rechtsradikalen haben, wie erwähnt, bei den letzten Wahlen 2011 nur noch ein Viertel ihres Wählerpotentials von 1989 erreicht.”

    Hätte die vollständige Passage wirklich in Breiviks Manifest stehen können, mitsamt der offen zum Ausdruck kommenden Freude über das Scheitern der Rechtsradikalen? Offensichtlich nicht. Bozkurt reißt einen Satz aus dem Zusammenhang, um ihn dann mit Aussagen von Breivik zu vergleichen (die es in diesem Wortlaut in seinem Manifest freilich auch gar nicht gibt), und versichert anschließend treuherzig, dass es gar nicht so “direkt” gemeint ist. Das ist nicht nur Schmähkritik, sondern auch völlig sinnentleert.

    [2.]

    In diesem Zusammenhang sind die Äußerungen der Soziologin Naika Foroutan, des SPD-Politikers Aziz Bozkurt und des grünen Bezirksbürgermeister von Friedrichshain-Kreuzberg, Franz Schulz besonders hervorzuheben, deren Rassismusvorwürfe in einem krassen Missverhältnis zu ihrem eigenen Schweigen zu sogenannten “Ehrverbrechen” und der Unterdrückung von Frauen in bestimmten Einwanderermilieus stehen. Bozkurts Breivik-Vergleich muss als bewusst eingesetzte Niederträchtigkeit eingestuft werden, zumal als Beleg Äußerungen angeführt werden, die völlig sinnentstellend aus dem Zusammenhang gerissen sind. Foroutan, Bozkurt und Schulz sind in der Vergangenheit nicht durch ein besonderes Engagement für die Opfer von Ehrenmord, Zwangsheirat und häuslicher Gewalt aufgefallen. Mit Formulierungen wie “Der weiße privilegierte Buschkowsky” rückt sich zudem Aziz Bozkurt selbst sehr viel mehr in die Nähe rassistischen Gedankengutes, als es einem “Antirassisten” gut zu Gesicht stehen würde. Die “AG Integration und Vielfalt” der Berliner SPD, der Bozkurt vorsteht, thematisiert auf ihrer Website in keiner einzigen ihrer zahlreichen öffentlichen Mitteilungen die auf antimodernen Rollen- und Ehrvorstellungen beruhenden Missstände und Gewalttaten bei bestimmten Einwanderergruppen. Das Ziel einer Gleichberechtigung der Geschlechter hat man in den Reihen der Buschkowsky-Gegner offenbar bereits aufgegeben. Stattdessen wird Schönwetter-Migrationspolitik gemacht und ein permanenter Opfer-Diskurs gepflegt.

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