16 Comments

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  1. berlinerjung

    lächerliche debatte, das ganze. der “jahrestag” wird im AStA-kalender in der für solche publikationen üblichen satirisch-respektlosen weise abgehandelt, ähnlich wie im “streßfaktor” oder dem buch “autonome in bewegung”, wobei letzteres gerichtsfest von jedem vorwurf der gewaltverherrlichung, anstiftung oder billigung von straftaten freigesprochen wurde. inhaltlich gibt es an der formulierung ebenfalls nichts auszusetzen: weder wird die ermordung schleyers begrüßt noch die RAF glorifiziert. der zitierte spruch beschränkt sich ausschließlich auf die berechtigte kritik an der heuchelei, mit der eine unterm strich eindeutig widerliche und in das größte verbrecherregime aller zeiten verstrickte person geehrt wird, weil deren mörder_innen aus der “richtigen” politischen ecke kamen.

    @dennis k.: der ausgang der klage gegen den AStA ist leider viel offener, als du vermuten magst. jedenfalls, wenn hamburger gerichte auch nur ansatzweise der in solchen fällen üblichen rechtsprechung folgen. der AStA FU beispielsweise wurde schon wegen verstoß gegen das “allgemeinpolitische mandat” verurteilt, weil er eine veranstaltungsreihe zu eben diesem organisiert hatte. die kritik am politischen mandat, so das gericht, sei nicht hochschulbezogen und deshalb nicht im “zuständigkeitsbereich” einer studierendenvertretung. wundern tut mich eher, dass ein nicht-mitglied der universität klagen kann: soweit ich weiß, steht die klage nur denjenigen offen, die einen “schaden” erleiden, weil sie teil der zwangskörperschaft “studierendenschaft” sind und einen semesterbeitrag für den AStA zahlen müssen. wobei sich irgendein RCDS-jura-fuzzi an eigentlich jeder uni finden lässt, der so eine klage einreicht.

  2. Roland Sieber

    @berlinerjung: Ein Kalender der mit einer Auflage von 15.000 Stück kostenlos an die gesamte politische Bandbreite der Studierenden der Universität Hamburg verteilt wird, erreicht ein anderes Publikum als Publikationen aus der Szene für die Szene.

    Eine Formulierung wie z.B. „1933 tritt der spätere Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer und späteres Mordopfer der RAF, der SS bei und engagiert sich in den Folgejahren im Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund. Als Studentenführer ordnete er zahlreiche Willkürmaßnahmen gegen jüdische Studierende und Lehrende zur „Arisierung“ der Universitäten an“, am 1. Juli in Kalender hätte eine andere Wirkung gehabt und keine Steilvorlage für die Skandalisierung geliefert, wie sie dem vielleicht ursprünglichen Ansinnen des AStAs jetzt zuwider läuft und der Diskussion insgesamt schadet.

    Soweit ich das überblicken kann, sind wir das erste Medium, dass das mutmaßliche ursprüngliche Anliegen aus dem AStA aufnahm und die Funktionen von Schleyer bei der „Arisierung“ von Studierendenschaft, Lehrerschaft sowie den Universitäten und dessen Rolle im NS-Deutschland beleuchtet sowie die unkritische Erinnerungskultur wie die Benennung der Stuttgarter Mehrzweckhalle kritisieren.

  3. suarez

    Ich sehe nicht wo der Asta die RAF abfeiert. Der Satz „Mit seinem Tod schafft Hanns Martin Schleyer die Voraussetzung für die nach ihm benannte Mehrzweckhalle in Stuttgart.“ muss nicht einmal Satire sein, um verantwortbar zu sein. Der Satz sagt doch – hoffentlich – nichts als die Wahrheit.

    Warum wurde denn die Halle nach Schleyer benannt? Weil er so ein toller Nazi war? Weil er so eine Bilderbuch No-NS-Remorse Karriere gemacht hat? Weil er so ein toller Arbeitgeberpräsident war? Nein, weil die RAF ihn abgeknallt hat. Warum wurde die Halle nicht nach seinem Fahrer benannt? Der wurde auch abgeknallt, und der hatte es im Gegensatz zu Schleyer sicherlich nicht verdient abgeknallt zu werden.

    Diese Gedenkkultur ist widerlich und gehört kritisiert. Das die BILD as usual darauf anspringt, ist Beweis genug.

  4. Quarktasche

    …vielleicht beim nächsten mal ein paar erbauliche Propaganda-Bilder von Ersatzfrau Leni Riefenstahl verwenden. Dann gibts auch keinen Ärger. (Ironie)

  5. Vielleicht kommt ja noch einer unserer “Volksvertreter” auf die Idee vor der Schleyer Halle einen Filbinger Park anzulegen, in dem dann ein Buback Denkmal errichtet wird, in dessen Sockel gemeißelt steht “gefallen im Kampf für die Demokratie”, dann hätten nachfolgende Generationen, in einer hoffentlich gerechteren Gesellschaft, immerhin einen in Stein gehauenen blöden Witz, über den sie sich totlachen können.

    “Das sichtbare Leiden des gefangenen Arbeitgeberpräsidenten war für sich schon ergreifend. Irritierender noch war die Ahnung, daß die Polaroidphotos doppelt belichtet schienen. Das zweite Bild dahinter, über das nicht gesprochen wurde, war das heimliche, vielleicht das eigentliche Skandalon des Jahres 1977: Nie zuvor hatte man in Deutschland einen SS-Mann leiden sehen.”
    Friedrich Christian Delius

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