16 Kommentare

  1. N.V.

    schleyer war kein “nazi”, sondern ein nazi und deshalb ist sich über ihn lustig machen das mindeste, was man tun sollte und politisch und moralisch absolut zu rechtfertigen.
    dieser “demokratische” anstand gegenüber den tätern ist eine unangenehme tradition in diesem land und moralisch nicht zu rechtfertigen, sondern nur mit einer geschichte und kultur des gemeinsam-mit-tätern-am-küchentisch-sitzen zu erklären.

  2. Dennis K.

    Also ich muss ganz klar sagen:
    Wenn die RAF auch nur einmal den Richtigen getroffen hat, dann war das Schleyer. Aber gut, da ich völlig gegen die Todesstrafe bin, bin ich natürlich auch gegen den Mord an wie auch immer belasteten. Dennoch bleibt: Schleyer war definitiv das Opfer der RAF, dem ich die wenigsten Tränen nachweinen würde.

    Dass Schleyer trotz enormer Belastung in der BRD so eine Wirtschaftsgröße werden konnte ist einfach ein Schandfleck, ebenso die Tatsache, dass eine der größten Messehallen Deutschlands nach ihm benannt ist – warum eigentlich? Für seine Leistungen im Dritten Reich? Für seine Leistung, getötet zu werden? Für seine Leistung, mittels der Seilschaften aus der “guten, alten Zeit” und auf Grundlage von Unrechtsvermögen zum Wirtschaftsmagnaten geworden zu sein?!? Daher begrüße ich zumindest, dass der AStA diese Benennung der Halle klar kritisiert, wenngleich man über die Form trefflich streiten kann.

    So weit ich das bisher überblicken kann sagt der AStA kein einziges Wort dazu, dass er die RAF toll fände. Das kann man aus der “Begrüßung” des Todes Schleyers eventuell ableiten, aber auch das wäre noch zu viel. Hey, ich begrüße auch, was die RAF in ihrer Frühphase letztlich für einen sehr positiven Einfluss auf die Heimerziehung in Deutschland hatte, ohne dass ich dadurch zum RAF-Fan würde – denn in diesem Punkt hat der Artikel Recht: Mit Leuten wie Horst Mahler – der immer schon Antisemit war – an der Spitze und in einem extremistisch-antikapitalisten Denkmuster gefangen war die RAF leider tatsächlich zumindest in nicht geringen Teilen antisemitisch, weshalb eine Glorifizierung der RAF moralisch nicht vertretbar ist. Aber wie gesagt: So wie ich das bisher sehe hat das AStA nicht die RAF glorifiziert, sondern den Tod Schleyers – auch Geschmacklos, aber dass besagte Mehrzweckhalle nach Schleyer benannt ist stört auch mich bis heute noch.

    Mit der Strafanzeige dürfte der Rechtsanwalt mE scheitern. Klar, der AStA hat kein allgemeinpolitisches Mandat, aber einen Kalender für Studenten rauszugeben, der auch die allgemeine Politik thematisiert, ist maximal im Graubereich anzusiedeln. Es ist nicht so, dass der AStA hier eine politische Kampagne oder gar Partei unterstützen würde… so niedrig wie besagter erzkonservativer Rechtsanwalt kann man die Schwelle des Verbots allgemeinpolitischen Mandates nur ansetzen, wenn man den AStA effektiv handlungsunfähig machen will.

  3. qantaqa

    Der beste Artikel seit langem (und ich schätze die meisten), inhaltlich und sprachlich brilliant. Meine Hochachtung!

  4. Radow

    Sowohl den ausführungen, dass Schleyer ein ekelhafter Nazi war, als auch jenen, dass mensch seine Ermordung durch die RAF dennoch nicht feiern sollte kann ich durchweg zustimmen.
    Dennoch musste ich mich an eingien stellen des Artikels sehr wundern:

    Gehört Publikative.org inzwischen zu den verfächtern der Extremsmustheorie oder warum wird die RAF als ‘linksextreme Mörderbande’ bezeichnet?

    Ich finde es auch berechtigt den antisemitismus in der RAF zu thematisieren, obwohl ich das in diesem Artikel schon als arg weit weg vom Thema empfinde. Aber am ende in der konklusion quasi als Hauptkritikpunkt an der RAF – und das obwohl es gerade um ihre morde (oder zumidnest einen davon) geht – in deren amerikakritischer Haltung zu sehen verfehlt das thema dann vollends.

    Liebe Publkative: ihr habt oft gut recherchierte Artikel und es stört mich agrnicht auch gute artikel von menschen aus der Antideutschen Szene zu lesen. Aber: Wenn die inhaltliche qualität der Artikel leidet weil versucht wird jedem Thema – passend oder nicht – ausschlieslich den antisemitismuskonflikt aufzudrücken und wenn das ganze soweit geht, dass ihr gar auf die extrmismustheorie verfallt, dann werden eure Artikel unlesbar…muss das sein?

  5. MaterialismusAlter

    Also ich finde den Witz ziemlich gut :) Mein Vorurteil über heutige Studenten hat sich bestätigt, als die sich entschuldigt haben als die BILD loshetzte… Keinen Arsch mehr in der Hose.

  6. dr.drai

    Sehr guter und differenzierter Artikel. Ich persönlich lese zwar überhaupt keinen Bezug auf die RAF aus dem Zitat heraus, aber die politische Vergangenheit Schleyers hätte stärker in den Mittelpunkt gerückt werden können, das stimmt.

    Zum Beispiel durch:
    “Mit seinem Tod schafft der SS-Mann Hanns Martin Schleyer die Voraussetzung für die nach ihm benannte Mehrzweckhalle in Stuttgart”

  7. kein schlapphut

    Besser ist die Bezeichnung pseudolinke Mörderbande für die RAF als linksextreme Mörderbande. Meiner Meinung nach hatte die RAF kaum noch was mit linken Ideen zu tun.

  8. berlinerjung

    lächerliche debatte, das ganze. der “jahrestag” wird im AStA-kalender in der für solche publikationen üblichen satirisch-respektlosen weise abgehandelt, ähnlich wie im “streßfaktor” oder dem buch “autonome in bewegung”, wobei letzteres gerichtsfest von jedem vorwurf der gewaltverherrlichung, anstiftung oder billigung von straftaten freigesprochen wurde. inhaltlich gibt es an der formulierung ebenfalls nichts auszusetzen: weder wird die ermordung schleyers begrüßt noch die RAF glorifiziert. der zitierte spruch beschränkt sich ausschließlich auf die berechtigte kritik an der heuchelei, mit der eine unterm strich eindeutig widerliche und in das größte verbrecherregime aller zeiten verstrickte person geehrt wird, weil deren mörder_innen aus der “richtigen” politischen ecke kamen.

    @dennis k.: der ausgang der klage gegen den AStA ist leider viel offener, als du vermuten magst. jedenfalls, wenn hamburger gerichte auch nur ansatzweise der in solchen fällen üblichen rechtsprechung folgen. der AStA FU beispielsweise wurde schon wegen verstoß gegen das “allgemeinpolitische mandat” verurteilt, weil er eine veranstaltungsreihe zu eben diesem organisiert hatte. die kritik am politischen mandat, so das gericht, sei nicht hochschulbezogen und deshalb nicht im “zuständigkeitsbereich” einer studierendenvertretung. wundern tut mich eher, dass ein nicht-mitglied der universität klagen kann: soweit ich weiß, steht die klage nur denjenigen offen, die einen “schaden” erleiden, weil sie teil der zwangskörperschaft “studierendenschaft” sind und einen semesterbeitrag für den AStA zahlen müssen. wobei sich irgendein RCDS-jura-fuzzi an eigentlich jeder uni finden lässt, der so eine klage einreicht.

  9. Roland Sieber

    @berlinerjung: Ein Kalender der mit einer Auflage von 15.000 Stück kostenlos an die gesamte politische Bandbreite der Studierenden der Universität Hamburg verteilt wird, erreicht ein anderes Publikum als Publikationen aus der Szene für die Szene.

    Eine Formulierung wie z.B. „1933 tritt der spätere Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer und späteres Mordopfer der RAF, der SS bei und engagiert sich in den Folgejahren im Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund. Als Studentenführer ordnete er zahlreiche Willkürmaßnahmen gegen jüdische Studierende und Lehrende zur „Arisierung“ der Universitäten an“, am 1. Juli in Kalender hätte eine andere Wirkung gehabt und keine Steilvorlage für die Skandalisierung geliefert, wie sie dem vielleicht ursprünglichen Ansinnen des AStAs jetzt zuwider läuft und der Diskussion insgesamt schadet.

    Soweit ich das überblicken kann, sind wir das erste Medium, dass das mutmaßliche ursprüngliche Anliegen aus dem AStA aufnahm und die Funktionen von Schleyer bei der „Arisierung“ von Studierendenschaft, Lehrerschaft sowie den Universitäten und dessen Rolle im NS-Deutschland beleuchtet sowie die unkritische Erinnerungskultur wie die Benennung der Stuttgarter Mehrzweckhalle kritisieren.

  10. suarez

    Ich sehe nicht wo der Asta die RAF abfeiert. Der Satz „Mit seinem Tod schafft Hanns Martin Schleyer die Voraussetzung für die nach ihm benannte Mehrzweckhalle in Stuttgart.“ muss nicht einmal Satire sein, um verantwortbar zu sein. Der Satz sagt doch – hoffentlich – nichts als die Wahrheit.

    Warum wurde denn die Halle nach Schleyer benannt? Weil er so ein toller Nazi war? Weil er so eine Bilderbuch No-NS-Remorse Karriere gemacht hat? Weil er so ein toller Arbeitgeberpräsident war? Nein, weil die RAF ihn abgeknallt hat. Warum wurde die Halle nicht nach seinem Fahrer benannt? Der wurde auch abgeknallt, und der hatte es im Gegensatz zu Schleyer sicherlich nicht verdient abgeknallt zu werden.

    Diese Gedenkkultur ist widerlich und gehört kritisiert. Das die BILD as usual darauf anspringt, ist Beweis genug.

  11. Quarktasche

    …vielleicht beim nächsten mal ein paar erbauliche Propaganda-Bilder von Ersatzfrau Leni Riefenstahl verwenden. Dann gibts auch keinen Ärger. (Ironie)

  12. Vielleicht kommt ja noch einer unserer “Volksvertreter” auf die Idee vor der Schleyer Halle einen Filbinger Park anzulegen, in dem dann ein Buback Denkmal errichtet wird, in dessen Sockel gemeißelt steht “gefallen im Kampf für die Demokratie”, dann hätten nachfolgende Generationen, in einer hoffentlich gerechteren Gesellschaft, immerhin einen in Stein gehauenen blöden Witz, über den sie sich totlachen können.

    “Das sichtbare Leiden des gefangenen Arbeitgeberpräsidenten war für sich schon ergreifend. Irritierender noch war die Ahnung, daß die Polaroidphotos doppelt belichtet schienen. Das zweite Bild dahinter, über das nicht gesprochen wurde, war das heimliche, vielleicht das eigentliche Skandalon des Jahres 1977: Nie zuvor hatte man in Deutschland einen SS-Mann leiden sehen.”
    Friedrich Christian Delius

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