22 Kommentare

  1. Weber

    Ich verstehe nicht, wie man aus dem Wunsch, die Identität verschiedener Kulturen zu respektieren und die eigene Kulturen als eine gleichwertige unter vielen zu sehen, “braune Ideologie” machen kann.

  2. Hans Karl

    Die Frage ist ja, wie groß diese “Bewegung” ist. Diese paar Facebook Seiten, von denen die zentrale gerade einmal 3000 Likes hat und wo etwa die “Identitäre Bewegung Bergisch Gladbach” 23 Likes erhascht und auch die angeblich so große und wirkmächtige französische Seite momentan auf 6562 Likes steht, ist jetzt nicht so sehr beeindruckend.

  3. Roland Sieber

    @Jo: Danke!

    @Hans Karl: Ja, dem stimme ich zu. Da sind viele „Internet-Helden“ dabei, die ihren Arsch nicht auf die Straße bzw. zu Aktionen hoch bekommen. Diese „Bewegung“ gibt es bis auf wenige reale Aktivisten bisher nicht.

    @Weber: Was sind den die Identitäten verschiedener Kulturen? Wer definiert denn welche Kultur und warum darf ich nicht mehr selbst entscheiden, wie ich meine Kultur definiere und lebe? Zumal ich ein individueller Mensch bin der in Wechselwirkung zu seinen Mitmenschen sozialisiert wurde. Ich treffe (fast) tägliche Menschen, die oder deren Eltern aus unterschiedlichsten kulturellen Zusammenhängen kommen und die alle eine minder bis große Rolle bei meiner Sozialisation spielen und ich bei deren.

    Es geht bei den „Identitären“ nicht um Kultur, sondern um kulturellen Rassismus. Sich selbst in Abgrenzung zu anderen Menschen als etwas definieren, was angeblich in einem selbst ist. Kultur ist etwas was Menschen selbst gestalten. Was aber von Geburt an in mir ist, muss ich geerbt haben, kann also keine Kultur sein.

    Wir sprechen also von biologischen erben, von Erbeigenschaften. Wenn Menschen daran glauben, dass Wesenseigenschaften nicht sozialisiert werden, sondern biologisch unveränderlich vorbestimmt sind, reden wir vom Biologismus. Wenn vermeintliche biologisch vererbbare Wesenseigenschaften pauschalisiert auf Menschen aufgrund deren unterstelltem oder tatsächlichen Kulturkreis zugeschrieben werden, handelt es sich um kulturellen Rassismus.

    Es geht bei den „Identitären“ um Fremdzuschreibungen auf die „Anderen“ sowie in Abgrenzungen zu diesen um ein konstruiertes „Wir“, nicht um Sozialisation und Kultur.

  4. Weber

    @Jo
    Wer jeder Weltsicht, die er nicht mag, “braune Ideologie” etc. unterstellt oder sie mit Nazi-Bezügen belegt, verharmlost den realen NS und instrumentalisiert dessen Opfer für seine eigenen politischen Zwecke. Im Umkehrschluss würden die Unterstellungen nämlich bedeuten, dass man dem NS unterstellt, er habe im Kern eine Ideologie der Gleichwertigkeit verschiedener Kulturen vertreten. Wenn es nach Sieber gehen würde, dann wäre “braun” jetzt nicht mehr definiert durch antisemitischen Massenmord und exterminatorische Vernichtungskriege. Auch so können Verharmlosung und Relativierung aussehen.

  5. Weber

    @Roland Sieber
    “Was sind den die Identitäten verschiedener Kulturen? Wer definiert denn welche Kultur und warum darf ich nicht mehr selbst entscheiden, wie ich meine Kultur definiere und lebe?”

    Warum sollten die Identitären ihre Definition von Identität denn nicht für sich leben dürfen? Warum soll es in unserer Gesellschaft nicht die Freiheit geben dürfen, sich für eine Identität zu entscheiden, wobei Identität selbstverständlich auch Abgrenzung bedeutet? Sie werfen den Identitären “Abgrenzung” vor. Grenzen Sie sich denn selbst nicht ab?

    Die Publikative wirft bei anderer Gelegenheit Menschen, die Assimilation von Migranten fordern, ebenfalls Rassismus vor, weil Migranten ein Recht auf Identität hätten. Warum sollen die Identitären nicht das gleiche Recht haben? Hier könnte man Ihnen vorwerfen, selbst die “Ideologie der Ungleichwertigkeit” zu vertreten, die Sie bei anderen kritisieren.

  6. Jo

    @Weber:
    Wie der Autor auch noch mal im Kommentar erklärt hat, geht es um die Definition eines angeblich klar abgrenzbarenen und unveränderlichen “Wir” gegen “die Fremden”. Der ‘klassische’ Rassismus hat das über Vererbbarkeit von Äußerlichkeiten festgemacht, vom Schädelvermessen bis zur Hautfarbe. Der ‘neue’ Rassismus (Ethnopluralismus) nutzt diesen Argumentationsstrang nicht mehr, behält aber einen anderen nahezu unverändert bei: Es gäbe bestimmte positive Charaktereigenschaften, die jedem der “Wir”-Gruppe eigen wären, den “Fremden” dagegen nicht. Eine “Vermischung” der Gruppen wird deswegen als unerwünscht betrachtet, weil die positiven Eigenschaften dann verloren gehen sollen. Der alte oder neue Rassismus kann wegen dem überhöht positiven Bezug zur “Wir”-Gruppe schon keine ‘Ideologie der Gleichwertikeit’ sein. Im Gegenteil: Wenn die “Wir”-Gruppe einmalige, positive, schützenswerte Züge hat, muss im Umkehrschluss die “Fremd”-Gruppe schlechtere Eigenschaften haben und unterlegen sein

    Wer als “Wir” und “die Fremden” eingestuft wird, kann dabei sehr verschieden sein. Historisch kennen wir “Arier” vs. “Juden/Slawen/Zigeuner” aktuell geht es eher um “der Westen” vs. “der Islam”

    Das konkrete Feindbild ist aber für die Analys der dahinterliegenden Denkmuster weniger entscheidend. Es ging in dem Artikel darum, aufzuzeigen, dass der ‘klassische’ Rassismus und der ‘neue’ Ethnopluralismus das selbe Argumentationsmuster benutzen.

    Die Ideologie des historischen NS war wesentlich mehr als nur ‘klassischer’ Rassismus – wie du völlig richtig gesagt hast – vorallem wegen der exterminatorischen Umsetzung seiner Ideologie. Das wurde aber auch nirgendwo im Artikel in Frage gestellt.

    Vielleicht lässt es sich so zusammenfassen: Jeder Nazi ist Rassist – aber nicht jeder Rassist ist ein Nazi.

  7. Nils

    Der User “Weber” verwechselt individuelle und kollektivistisch orientierte Identitätsmuster völlig.
    Assimilation als Wunschgedanke geht dabei mit einem entindividualisierten Identitätsgedanken einher, der die Erkenntnissse der modernen Gesellschaftsforschung seit Georg Simmel völlig ignoriert. Diese Erkenntnisse gehen davon aus, dass Menschen individuell in verschiedene gesellschaftliche Subsysteme eingebunden sind, und dass diese, vom Arbeitsplatz über Vereine und Verbände, Parteien und Freundeskreisen bis hin zur Familie, Teilidentitäten erzeugen. Das Gesamtgefüge dieser Teilidentitäten erzeugt bei Menschen ein jeweils einzeln formuliertes Gefühl der Identität.

  8. neuer Leser

    Wie der Autor völlig richtig schreibt, sind die “Identitären” nichts anderes als verkappte Ethnopluralisten:

    “deshalb in letzter und äußerster Konsequenz auch Respekt vor den humanen Ökosystemen (den Beziehungen zwischen den Ethnien, den Völkern und ihrem geographischen und kulturellen Raum). — Übersetzung von Sezession.de

    Hier das Original:

    “et par conséquence ultime et majeure le respect de la diversité et des écosystèmes humains (lien entre les ethnies, les peuples et leur milieu géographique et culturel)” — Webauftritt der franko-völkischen Rassentaliban.

    Man möchte also, dass jeder schön da bleibt, wo er geboren wurde. Das nennt man dann “Respekt vor den humanen Ökosystemen”. Mit einer offenen und liberalen Gesellschaft hat das herzlich wenig zu tun. Zudem werden Menschen nicht als Individuen wahrgenommen, die durch eigene Leistung (z.B. schulische oder berufliche; for the sake of a better example) und eigenes Erleben eine ganz persönliche Identität entfalten sollen (und das Recht darauf haben sollten!), sondern ausschließlich als Teil einer angeblichen kollektiv-identitären (Volks-)Gemeinschaft, deren kollektive Identität sie anzunehmen haben, der sie nicht entfliehen können (im schlimmsten Fall nicht dürfen) und die sie an die Nachkommen weiterzugeben haben, wobei vor allem die “Menschwerdung” nur innerhalb dieser konstruierten Kollektividentität möglich ist.

    Diese Ansichten werden nach wie vor im Dunstkreis der JF, des Instituts für Staatspropaganda, der Sezession und der Blauen Narzisse vertreten. Von daher überrascht die an eine sexuelle Erregung erinnernde Begeisterung dieser deutschen Neurechten für die franko-völkischen Blut- und Boden-Fans nicht.

    Seltsam nur, dass nach Alain De Boist (Ethnopluralismus) die Franzmänner, sprich des Deutschen Erb- und Erzfeind, mit den Identitätsgeschwurbel nun zum zweiten Mal als Stichwortgeber agieren müssen. Jenseits “Deutschland den Deutschen”, “Ausländer raus” und “Volkstod stoppen” fällt unseren Braunies nicht viel ein. Die deutsche Rechte scheint, den Blick voller Furcht starr auf Mekka und Medina gerichtet, ideologisch zwischen Paris und Stalingrad steckengeblieben zu sein. Auch sprachlich und intellektuell scheint man auf den Hund…pardon…Schäferhund gekommen zu sein:

    “Das Deutschland, in dem ich leben möchte, ist ein – Denkpause – … ein, also, d..d..d…das ist ein Land, in den die Deutschen leben.

    http://www.youtube.com/watch?v=hlR6UN3oHcs ab 2:00

    Tja, wer sich von solchen Hohlbratzen seine Kultur und Idenität erklären lässt, ist ohnehin verloren.

  9. [...] Der Ansatz scheint vielversprechend: Videoclips, Spaßguerilla und direkte Aktionen. Die Betonung auf das „Eigene“, aber angeblich ohne Rassismus. „Ethnopluralistische Vielfalt“ statt „kultureller Einheitsbrei“ – Mit der Überhöhung des Regionalen durch den französischen „Bloc identitaire“ klingt dies auch nicht sofort nach dem „Volkstod“ und der damit verbundenen altbackenen völkischen „Blut-und-Boden-Ideologie“ wie bei der NPD: [...]

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