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(Israelische) Soldaten sind Mörder!

15. November 2012 13:38 8.221 mal abgerufen 60 Kommentare

Hunderte Raketen haben Palästinenser in diesem Jahr auf Israel abgefeuert, nun schlug Israel zurück, tötete den Militärchef der Hamas. Das Deutschlandradio und der Focus sprechen von “Mord” – und im Netz lassen Israelfeinde ihrem Hass freien Lauf – doch ernten sie mittlerweile mehr Widerspruch. Einer kassierte nun offenbar eine Anzeige.

Von Patrick Gensing

Israel wird von drei Seiten angegriffen: Aus dem Libanon schickt die Hisbollah iranische Drohnen in Richtung des jüdischen Staates und droht, weitere Raketen einzusetzen, die auch Tel Aviv erreichen sollen. Auf den Golan-Höhen zeichnet sich eine Konfrontation mit dem derzeit ziemlich unberechenbaren Syrien ab – und aus dem Süden schlagen ohnehin praktisch ununterbrochen Raketen in Israel ein.

"Soldaten sind Mörder" - eine Einschätzung, die man in deutschen Medien sonst eher selten zu lesen bekommt.

“Soldaten sind Mörder” – eine Einschätzung, die man in deutschen Medien sonst eher selten zu lesen bekommt.

Die Raketenangriffe auf Südisrael schaffen es in Deutschland aber fast nie in die Meldungsrubriken, dementsprechend überrascht gibt sich nun die deutsche Öffentlichkeit. Wie kommt Israel dazu, den Militärchef der Hamas zu töten bzw. zu ermorden, wie es bei Dradio Kultur und bei Focus-Online heißt? (Übrigens eine deutliche Sprache, die bei der Bombardierung von Tanklastzügen in Afghanistan mit mehr als 100 toten Zivilisten zu einem Rechtsstreit geführt hatte). Die Frage nach der Vorgeschichte der aktuellen Ereignisse wird höflich ausgeklammert.

Wahlkampf…

Wie nicht anders zu erwarten war, melden sich nach dem Tod des Militärchefs die üblichen Verdächtigen zu Wort. Wolfgang Gehrcke meint in einer Pressemitteilung der Linksfraktion, “die israelischen Luftangriffe, der Aufmarsch der israelischen Armee und Marine sowie die Abriegelung des Gaza-Streifens müssen beendet werden.” Dann fügte er aber immerhin noch hinzu: “Und israelisches Gebiet darf nicht weiter von Gaza aus beschossen werden.” Wer diesen “Beschuss” durchführt, benennt Gehrcke nicht.

Aber – cui bono? – wer ist schuld an der “Eskalation”? Gehrcke: “Der israelische Ministerpräsident Netanjahu nutzt die Eskalation in Gaza für seinen Wahlkampf.” So sind sie, die Israelis, für den eigenen Vorteil gehen sie über Leichen. Wenn man einen Zusammenhang zwischen anstehenden Wahlen und Militäroffensive herstellen möchte, was nicht völlig abwegig ist, sollte man aber nicht ausklammern, so wie Gehrcke es tut, dass die “Eskalation” eigentlich ein Dauerzustand ist. Dies kann nur ignorieren, wer zu den anhaltenden Raketenangriffen auf Israel oder zu Drohungen des Iran gegen Israel eben keine Pressemitteilungen herausgibt – und so als Mitglied des Bundesvorstands auch ein Statement abgibt. Den Iran erwähnt die Linksfraktion eigentlich nur, wenn es um die angeblich ungerechtfertigten Sanktionen geht.

Wahlplakat der Hamas in Ramallah. Auf dem Plakat heißt es: Palsetine From Sea to Rever (sic!). Gemeint ist, dass Israel von der Landkarte verschwinden muss, damit ein islamischer Gottesstaat zwischen Mittelmeer (Sea) und Jordan-Fluss (River) entstehen kann. (Quelle: Ervaude)

Wahlplakat der Hamas in Ramallah. Auf dem Plakat heiߟt es: Palsetine From Sea to Rever (sic!). Gemeint ist, dass Israel von der Landkarte verschwinden muss, damit ein islamischer Gottesstaat zwischen Mittelmeer (Sea) und Jordan-Fluss (River) entstehen kann. (Quelle: Ervaude)

Nun stellt sich aber die Frage, wer auf dieser aktuellen “Eskalation” sein politisches Süppchen aufwärmen möchte, wenn Gehrcke weiterhin fordert, Deutschland solle in der UNO-Vollversammlung einen palästinensischen Antrag auf Verleihung des erweiterten Beobachterstatus, die sogenannte Vatikan-Lösung, unterstützen. Auch die vollständige Aufwertung der palästinensischen Vertretung in Deutschland auf einen normalen diplomatischen Status stehe noch aus. Wird dies den Raketenbeschuss auf Südisrael beenden?

Nebensächlichkeiten, schuld an den Krisen in Nahost sei ohnehin der Westen, meint Gehrcke: Die Politik des Westens habe in Nahost zu einer Verschärfung von Kriegen geführt. In Libyen bleibe die Situation instabil und gefährlich. Syrien versinke immer weiter im Bürgerkrieg, die Auswirkungen spüre man im Libanon und jetzt auch in Gaza. Einen Hinweis auf die Machenschaften Irans in der Region, deren verlängerter Arm der Hisbollah Israel vom Libanon aus bedroht und dort einen Staat im Staat bildet, sucht man bei Gehrcke wie gewöhnlich vergebens. Antiimperialistisches Business as usual: Die einen sind die bösen und mächtigen Täter, die anderen die dusseligen und leicht verführbaren Opfer.

Anzeige gegen Piraten

Antiisraelische Propaganda auf Facebook.

Antiisraelische Propaganda auf Facebook.

Auch im Netz geht die “Israel-Kritik” ihren geregelten Gang. So geregelt, dass es dem Journalisten Tobias Raff nun reichte, er erstattete nach eigenen Angaben Anzeige. Raff schreibt, er sei “es leid, immer wieder und wieder den latenten Antisemitismus in unserer Gesellschaft ertragen zu müssen”. Damit meine er die Judenwitze in der Sauna,  antizionistische Behauptungen, dass Israels einzige Existenzgrundlage die von Angriffskriegen sei und er meine solche Aussagen wie die von Sebastian Scho auf Twitter:

“Ach, jetzt weiß ich, warum Millionen in KZ sterben musste. Damit Israel nach Belieben Angriffskrieg führen darf… WTF?!” oder “Die Israels, DIE sind die Wurzel allen Übels.”

An den Klowänden den Internets gehören solche Sprüche zum Standard, der Verfasser dieser Tweets, Sebastian Scho, ist übrigens Vorstandsmitglied des Kreisverbands Diepholz der Piratenpartei. Raff hat weitere Tweets dieses Piraten, der leider überhaupt kein Einzelfall in seiner Partei ist, dokumentiert.

“Fremdkörper Israel”

Und wer weitere ähnliche Schmierereien lesen möchte, der muss leider nicht lange suchen. Bei Twitter verkündet Twitting Thom im völkischen Brustton der Überzeugung:

Israel ist der Fremdkörper! Wenn es sich nicht anpassen kann wird es untergehen! Das kann niemand wirklich wollen!

Der Maler” wird den Juden wohl niemals Auschwitz vergeben und schreibt:

Während man uns Deutschen noch immer vorhält aus den Fehlern der Vergangenheit zur lernen, ist es Israel erlaubt auf wehrlose zu schießen.

Und einer der größten antisemitischen Schmierfinken im Netz aus dem Umfeld der Linkspartei verkündet:

Wenn im 1948 zionistisch besetzten Palästina zionistische Wahlen anstehen, dann läst die Führung der zionistischen Rassisten ihre Besatzungstruppen gern mal einige Palästinenser massakrieren, weil das bei der zionistischen Bevölkerung des besetzten Palästina gut ankommt.

Übrigens: Während einige Piraten angeblich einen Ausschluss des oben erwähnten Scho anstreben, verteidigen andere diesen. Die “Argumente” klingen vertraut: Der Kreisvorsitzende der Piratenpartei Diepholz sagte laut der Allgemeinen Zeitung: „Sebastian hat eine Art an sich, dass er die Dinge sehr sarkastisch sieht. Er provoziert gerne.“ Scho sei weder Antisemit noch Nazi. Nazi hat zwar überhaupt niemand behauptet, aber dies gehört zu den bekannten Abwehrreflexen, erst einmal zurückweisen, was niemand gesagt hat. Und Antisemit? Natürlich nicht, möchte man ergänzen, wie könnte man nur darauf kommen.

Dies betonte demnach auch Mario Espenschied, Beisitzer im Landesvorstand und Mitglied des Diepholzer Kreisverbands der Piraten. „Die Vorwürfe sind haltlos.“ Die umstrittenen Tweets seien „sehr aus dem Zusammenhang gerissen“.  Frei.Wild, Thilo Sarrazin und Günter Grass lassen grüßen.

Viel Zustimmung, aber…

Aber: Tobias Raff sagte auf Anfrage von Publikative.org, er habe viel Zustimmung für seine Anzeige erhalten. Auch zur Lage in Nahost finden sich im deutschsprachigen Twitter-Raum mittlerweile weit mehr Beiträge, die nicht strikt antiisraelisch sind. Dennoch, so kommentierte Raff treffend, erheben die meisten hauptsächlichen Vorwürfe gegen Israel. Doch so einfach sei das nicht, betonte Raff, denn “kaum jemand, der sich jetzt aufregt, hat sich über den fortwährenden Beschuss” durch die Hamas empört. Kein Internet-Phänomen, für die Leitmedien gilt dies ebenfalls.

Siehe auch: Augstein, Pirker und die “Cui bono?”-Frage“Das Problem ist Israel”Die Kehrwoche, die nicht stattfand

60 Kommentare »

  • Implizipte said:

    Ich frage mich, ob der israelsolidarische Autor sich über das Embargo gegen den Gazastreifen empört hat, ob er sich über die neuerdings beschlossene Ausweitung der illegalen Siedlungen durch die israelische Regierung empört hat, ob er sich über den alltäglichen antimuslimischen Rassismus in Israel empört hat, ob er sich über die militaristische Haltung Israels gegenüber dem Iran empört hat oder über die hunderten in israelischen Gefängnissen maltretierten Jugendlichen, die ohne Gerichtsverfahren Monatelang festgehalten werden. Das scheint nicht der Fall zu sein, daher setzt seine Kausalkette auch bei den Hamas-Raketen an, die für ihn nicht etwa Ausdruck einer tiefen Verzweiflung gegenüber den Unerträglichkeiten der israelischen Besatzungs- und Repressionspolitik sind, sondern das Böse an sich, den aus dem Nichts geborenen Islamofaschismus repräsentieren. Die hier ist nichts weiter als eine oberflächliche Kritik, implizit ein Akzeptieren des israelischen Apardheidsregime und eine Diffamierung von Kritikern der rassistischen Unzumutbarkeiten in Palästina und Israel.
    Wenn Publikative.org als antifaschistische Informationsplattform ihre Glaubwürdigkeit bewahren will, sollte sie sich gegen die Zustände der arabischen Bevölkerung in Israel und den Besetzen gebieten einsetzen und nicht israelsolidarischen Ideologen Plattformen für ihre Propaganda bieten.

  • Daniel Domeinski said:

    Gehrcke hat von Netanjahu gesprochen, nicht “den Israelis”. Diese Verallgemeinerung ist eine Unterstellung von Ihrer Seite.
    Zu den Internet-Kommentaren empfehle ich einen Blick in den Thread zu folgenden Artikel aus der Jungen Freiheit:
    http://www.jungefreiheit.de/Single-News-Display-mit-Komm.154+M5016e7b5131.0.html

    Meine bisherigen Favoriten:

    Christian Hetmank aus Kamenz

    Mittwoch, 14-11-12 20:37

    Ich denke, daß das israelische Militär genau weiß, was es tut. Sie kennen ihren Gegner.
    Ein starker Staat verteidigt sich.

    Und jetzt bitte nicht die Leier von den armen Palästinensern und den Israelis als Unterdrückern. Der Krieg in Palästina ist 64 Jahre her. Wir Deutschen haben es auch geschafft, uns nach einer Katastrophe zu reorganisieren. Warum packen die es nicht?

    Gerd-Joachim Kalkowski aus Bischofstadt Hildesheim

    Donnerstag, 15-11-12 08:27

    Na, da wird es ja wieder Zunder geben. Von allen Seiten! Frau Maria Böhmer wird wohl das “Adlon” räumen lassen, für Emigranten und Asylanten der Prämiumklasse. Und alle die es werden wollen.

    P. Böttcher aus Rafa

    Donnerstag, 15-11-12 10:02

    War halt ein gefährlicher Job.
    Kann aber kein Mitleid aufkommen lassen, da er wohl genug Tränen in Israel und Gaza zu verantworten hatte.
    Die besten Gesetze stehen halt im AT.

    M. H, aus Ffm

    Donnerstag, 15-11-12 10:40

    Hat die Bunteregierung der Hamas schon Humanitäre Hilfe und Finanzielle Wiederaufbauleistungen angeboten. Sind die Unterkünfte für die Palistinensischen Flüchtlinge schon Kultursensiebel ausgestattet worden. Stehen Dolmetscher, Gebetsteppiche, Geldleistungen und Koranschulen bereit. ??? Immerhin ist unser Land ja auf einem Strammen Islam Kurs, da muß man doch den neuen Brüdern und Kulturbringern angemessen Helfen !

    Klaus Hoffmann aus Münsterland

    Donnerstag, 15-11-12 10:53

    Nun werden sie wieder gegen Israel giften und geifern, die Gutmenschen und linksversiften Qualitätszeitungen in der Bunten Republik Deutschland (BRD).

    Es ist wie hierzulande: Linke dürfen Gesetze ungestraft brechen, Rechtsdemokraten sind aber die Dummen. Und Hamas und Komplizen durfen Verbrechen begehen, schuld ist immer Israel.

    karsten reincke aus berlin

    Donnerstag, 15-11-12 11:23

    Das ist ein Akt der legitimen Landesverteidigung. Nachdem die Hamas seit Jahren Raketen auf Israel abschießt, ist es legitim, daß der militärische Chef der Hamas ausgeschaltet wird.

  • Weber said:

    “…bei der Bombardierung von Tanklastzügen in Afghanistan mit mehr als 100 toten Zivilisten…”

    Gegenüber der Bundeswehr werden hier die gleichen Unterstellungen erhoben, die man gegenüber den IDF verurteilt. Bei dem Vorfall nahe Kunduz wurden 2009 aber keine Zivilisten getötet, sondern Personen, die sich an einem laufenden Angriff beteiligten und dadurch ihren Status als Zivilisten verloren hatten.

  • Gast said:

    Mord kann man nicht rechtfertigen, Raketenbeschüsse auch nicht!

  • Gast said:

    Der Mord an einem verhandlungsbereiten Führer der Hamas bleibt unverzeihlich. Hier wurde eine große Chance auf Frieden von Netanyahu zerstört. Ob Netanyahu überhaupt ein Interesse an Frieden hat. Ich bete füge alle Opfer dieses Krieges, Juden und Araber.

  • Dennis K. said:

    Yay, wieder ein Artikel, der so auch in der Bahamas oder anderen antideutschen Medien stehen könnte. Unreflektiert und einseitig, wie leider fast immer, wenn es um den Nahost-Konflikt geht.

    Die gezielte Tötung eines hohen (noch dazu: gewählten) Politikers ist nunmal Mord – daran gibt es rein gar nichts zu rütteln. Würde die Hamas Ehud Barak töten wäre das auch Mord – und dieser Blog würde das niemals im Leben bestreiten.

    Halten wir also fest:
    Geht es nach der Publikative, darf Israel die hohen Militärführer der Palästinenser töten, aber die Palästinenser dürfen nicht die hohen Militärführer Israels töten.

    Warum Patrick das so sieht wird im nächsten Absatz deutlich:
    Er hält es für falsch, dass die “Vorgeschichte” bzw. die “Schuld” an dem Konflikt nicht erörtert wird – denn für Patrick liegt die Schuld einseitig bei den Palästinensern.

    Diesen Punkt meine ich, wenn ich sage, dass dieser Artikel wie fast alle zu diesem Thema einseitig-antideutsch sind. Die “Schuldfrage” in diesem Konflikt *sollte* ausgeklammert werden, denn es ist schlicht unmöglich, den “Schuldigen” zu benennen – und selbst wenn man es könnte würde es nur dazu dienen, dass die “nicht schuldige” Seite noch höhere Forderungen gegen die Gegenseite durchdrücken würde.

    Aber, da es für Patrick ja so wichtig ist:
    Wer ist Schuld an der Situation?
    Natürlich die Palästinenser, weil sie mit Terrorismus agieren?!?
    Sag das mal Menachem Begin, Friedensnobelpreisträger, ehemaliger israelischer Ministerpräsident und vor der Gründung Israels führender Kopf in der Irgun, unter anderem Verantwortlich für einen Terroranschlag auf ein Hotel, bei dem 91 Menschen den Tod fanden. Was tut man nicht alles für den Friedensnobelpreis?!?

    Als die jüdischen Bewohner Palästinas in der “politisch unterlegenen Situation” unter dem britischen Mandat waren ging von ihnen massiver Terrorismus aus – wer sich dafür interessiert kann sich gerne den Wikipedia-Artikel zur Irgun durchlesen. Nun, wo die Palästinenser in der unterlegenen Situation sind, greifen sie zum Terrorismus. Klärt das die Schuldfrage?!? Nein.

    In diesem Konflikt ist so viel Unrecht von beiden Seiten verübt worden, dass es absolut unsinnig ist, hier noch einen “Schuldigen” zu suchen. Statt dessen sollte man eine Lösung suchen – und Artikel wie dieser gießen lediglich Öl ins Feuer, ebenso wie manche Politiker, die sich einseitig pro-palästinensisch äußern.

    Das Hamas-Banner, dass Israel das Existenzrecht abspricht, kann so direkt neben die Propaganda der Likud stehen, die der Meinung ist, jüdische Israelis hätten das uneingeschränkte Recht, Siedlungen in ganz Palästina zu betreiben. Beide Positionen laufen darauf hinaus, dass man das Existenzrecht des jeweils anderen Staates bestreitet. Im Gaza-Streifen regiert die Hamas, in Israel Likud – und das führt zu meiner alt-bekannten Position:

    Auf beiden Seiten dieses Konflikts sind Fanatiker an der Macht, denen es wichtiger ist, ihre eigenen nationalen/völkischen/religiösen Interessen gegen die anderen durchzusetzen, als langfristig einen Frieden zu suchen, der auf Kompromissen und gegenseitiger Achtung basiert.

    Es ist wirklich schade, dass die Publikative allgemein und Patrick im speziellen so sehr darauf fixiert sind, eine einseitige Schuldzuweisung gegenüber den Palästinensern zu betreiben und jedes Handeln Israels zu rechtfertigen (bzw. sich darüber zu beklagen, wenn andere die Rechtfertigung des israelischen Handelns in Zweifel ziehen.)

    Damit macht sich Patrick leider nur zum Spiegelbild der leider tatsächlich existenten antisemitischen Vollpfosten auf der anderen Seite des Spektrums… mehr Neutralität und dadurch eine ausgewogene Berichterstattung würde der Publikative gut tun.

  • Merkava said:

    diese Piraten kotzen mich an. Schlimmer als Linkspartei und SPD, wenn das überhaupt noch geht. Der ‘linke Flügel’ in der deutschen ‘Demokratie’ nähert sich leider immer mehr der Mitte an.

  • MaterialismusAlter said:

    @Gast: “Mord kann man nicht rechtfertigen, Raketenbeschüsse auch nicht!”
    Sie sollten sich einen neuen Planeten zum leben suchen.
    Der Rest von uns, der es mit Realitätsflucht nicht so hat, versucht ethische Entscheidungen zu treffen, die nachvollziehbar zu begründen sind.
    Zivilisten gezielt zu töten (Wie es die Hamas tut) und einzelne Menschen mit militärischer Funktion zu töten und dabei zivile Tote billigend in Kauf zu nehmen sind keine besonders schönen Dinge, aber eben NICHT das gleiche, wie ihr Kommentar wohl suggerieren soll.

  • Rince said:

    Was für eine Mischung.

    Wie nehmen den aktuell mal wieder aufflammenden Nahostkonflikt und ein paar schon vorher bekannte Ausfälle eines antisemitischen Provinzpiraten (der berühmte Einzelfall…) mischen das ganze und haben einen Artikel nach Schema F. Böse antisemitische Deutsche auf der einen Seite und Solidaität mit Israel bei Publikative bzw. Patrick Gensing. Auch schwarz weiß – aber eben andersherum.

    Selbst israelische Kommentatoren bezeichnen das ganze offen als Wahlkampf…

    http://www.haaretz.com/news/diplomacy-defense/israel-killed-its-subcontractor-in-gaza.premium-1.477886

  • Lustige Kommentartoren said:

    Interessant ist das Bedürfnis deutscher Kommentarspalten-Platzwarte, wenn sie den Juden ihr Recht auf Verteidigung absprechen. Das zeugt nicht nur, dass sie keinen blassen Schimmer vom Staatsrecht haben, sondern lässt auch Zeuge von dem herzlichen Einfühlungsvermögen – das gewiss nicht überrascht, werden.

  • Lustige Kommentartoren said:

    Nachtrag:
    Eigentlich ist dem Autor des Artikels den Vorwurf zu machen, dass er ernsthaft glaubt, in Deutschland könne dieser Movens in der Presse irgendwem unbequem aufstoßen. Antisemitismus zu bekämpfen ist solange mit dem Schattenboxen zu vergleichen, solange man nicht den Kern des Antisemitismus erkennt: der in Gesellschaft liegt. Eine Antisemitismus-Kritik ist daher ohne eine Gesellschaftskritik und umgekehrt, ad absurdum.

  • @Implizipte said:

    Das Embargo hat der Gazastreifen in erster Linie selbst zuzuschreiben. Im übrigen können Waren an Gaza geliefert werden, aber nicht ohne vorherige Kontrolle z.B. an einem israelischen Hafen. Die Ladung wird von dort aus weitergeleitet in den Gazastreifen. Nur lassen die Hamas keine Waren aus Israel hinein, wer weiß, vielleicht könnten da Lebensmittel oder Medikamente vergiftet sein, nicht wahr…
    Was die Siedlungspolitik betrifft, es ist traurig, dass Juden in palästinensichen Gebiete nicht ohne Schutz leben können, sondern von Militärs geschützt werden müssen. Deswegen die Siedlungen, die auch nur eine vorübergehende Sicherheitsmaßnahme zur Kontrolle ist, solange bis es eine Zweistaatenlösung existiert. Im Jahr 2005 wurden alle(!) Siedlungen im Gazastreifen aufgelöst, in der Hoffnung, dass die Raketenangriffe aus dem Gazastreifen endlich einstellen. Das Gegenteil ist der Fall, die Raketenangriffe haben sich verstärkt. Denn die Auflösung der Siedlungen wurde als Schwäche ausgelegt, also muss man Israel einfach weiter bombardieren, bis diese einknicken. So ist die tickende Logik bei den militanten Palästinensern.
    Zudem feuert die Hamas oder islamistische Terrororanisationen Raketen nach Israel um Juden zu ermorden, nicht um militärische Ziele zu treffen! Israel greift zu Vergeltungsmaßnahmen und hat militärische Ziele im Blick. So werden z.B. Zivilisten per Flugblätter vorab informiert, dass demnächst ein Angriff auf einen Waffenarsenal oder Raketenstellung bevor steht. Im übrigens ist es auch interessant das gerade die militärischen wichtigen Stellungen oder Waffenarsenale im Wohngebieten unterbracht werden. Die getöteten Kinder werden bewusst einkalkuliert, damit man auf das böse Israel verweisen kann. Warum werden Raketen von Schulen oder Kindergärten abegefeuert? Soviel zu den heldenhaften “Freiheitskämpfern” der Hamas oder Hisbollah…

  • Gast2 said:

    Sowohl die Extremisten im Gazastreifen, die mit Raketen Zivilisten im Süden Israels töten, als auch das israelische Militär, das verantwortlich ist für den Tod von Zivilisten im Gazastreifen, laden Schuld auf sich. Jeder Versuch Taten der einen Seite als Reaktion auf Taten der anderen Seite darzustellen ist unangemessen und sinnlos, da sich die gemeinsame blutige Vorgeschichte ohnehin über Jahrzehnte erstreckt.
    Es geht nur mit einem völligen Gewaltverzicht, wobei eine Seite wohl in Vorleistung gehen müsste, egal welche. Die andere müsste früher oder später nachziehen. Leider ist das zur Zeit völlig unrealistisch.

  • max said:

    Boah Gensing!
    Wenn es nur darum geht, dumme Parolen von igendwo her zu zitieren, um zu beweisen, dass die anderen die Bösen sind, dann gehen Sie bitte auch zur Siedlerjugend und den ganzen anderen schwachsinnigen Rechtsradikalen, Nationalisten und religiösen Fundamentalisten in Israel und zitieren die (“Arabs to the gas chambers!”).
    Ihnen gehen gerade wieder die Pferde durch, weil jemand Israel nicht ausreichend huldigt. Ich habe zuletzt wirklich angefangen, Ihre Berichterstattung mit Hochachtung zu lesen, aber das hier nervt voll. Sobald Juden im Spiel sind, gibt es für Sie nur noch gut und böse, Antisemiten und Unterstützer der gerechten Sache. Dass Netanjahu kurz vor seiner Neuwahl zum starken Mann auch eben diesen auch mit Militärgewalt markiert hat auch nicht damit zu tun, dass er jüdisch ist, sondern damit, dass er ein rechtsnationaler Scharfmacher ist. Die verhalten sich immer so, in allen Ländern und mit allen Religionszugehörigkeiten.

    Die Tatsache, dass die Hamas kaputte Typen sind, macht rechte Spinner wie Netanjahu nicht zu guten Menschen, ebensowenig, wie die Tatsache, dass Israel von Rechtsnationalen, religiösen Fundamentalisten und radikalen Siedlern regiert wird, darüber hinwegtäuschen kann, dass die Hamas den Palästinensern selbst das Leben vergällt und abgelöst gehört, wie alle, die ihren religiösen Wahn mit Gewalt durchsetzen wollen.

    P.S Einseitige Berichterstattung finde ich nicht nur zu Lasten Israels, dessen Leiden von der Weltöffentlichkeit grausam verschwiegen werden. Um zu erfahren, dass allein in der letzten Woche zwanzig palästinensische Gebäude im Westjordanland von der Israelischen “Verwaltung” abgerissen wurden, muss ich auch den Newsletter von “Breaking the silence” abbonieren, sonst meldet mir das keiner.

  • max said:

    Ach übrigens, nur um es nicht zu vergessen: Ja, auch israelische Soldaten sind Mörder!

  • @Implizipte said:

    Und zum Iran: Ein Land, dass Homosexuelle, Oppositionelle oder Andersdenkende hinrichtet und seinen Vernichtungswillen gegenüber einen jüdischen Staat keinen Hehl macht, würde mir ein Atombömbchen schon ein bissl sorgen machen. Vor allem wenn diese fundementalistisch & islamistisch verblendet ist und so ihren Weg für den Mahdi frei machen wollen. Da stört ein Land wie Israel nur…
    Implizipte, stell dir nur vor, einer dieser Terrororganisationen, wie Hamas, Hisbollah oder Unterstützer wie Iran hätte die militärische Überlegenheit gegenüber Israel. Dann würde Israel nicht mehr lange stehen…

  • karl hilse said:

    Es ist einfach eine Tatsache, dass die Massenmedien hierzulande nur reagieren, wenn Israel gezielt (!) faschistische Hamas Kombatanten oder deren geistige Brandstifter tötet. Über den seit Jahren anhaltenden Raketenbeschuss liest man entweder keine Zeile oder nur in Nebensätzen, wie “Israel reagiert mit gezielten Angriffen auf einen Raketenbeschuss”. Diese gespielte Aufregung über gezielte Tötungen seitens der IDF ist gelinde gesagt zum Kotzen. Was stellen sich denn die Rächer der “Enterbten” so vor? Sollte Israel vielleicht Polizei in den Ghaza Streifen schicken und die Verantwortlichen verhaften ?
    Raketen abfeuern ist eine Kriegserklärung und Israel hat das Recht sich zu verteidigen, wobei die IDF alles tut um zivile Opfer zu vermeiden,in dem sie Flugblätter über die Zielobjekte ( wie Waffenlager und-schmieden) abwirft, die die Bevölkerung vorwarnen, dass es gefährlich ist sich dort aufzuhalten. Auf solche Warnungen reagiert die Hamas wiederum mit dem Aufruf an Alte, Frauen und Knder diese Objekte zu schützen….

  • Nur israelische Soldaten sind Mörder! | Ruhrbarone said:

    [...] Hunderte Raketen haben Palästinenser in diesem Jahr auf Israel abgefeuert, nun schlug Israel zurück, tötete den Militärchef der Hamas. Das Deutschlandradio und der Focus sprechen von “Mord” – und im Netz lassen Israelfeinde ihrem Hass freien Lauf – doch ernten sie mittlerweile mehr Widerspruch. Einer kassierte nun offenbar eine Anzeige. Von unserem Gastautor Patrick Gensing/Publikative. [...]

  • Manfred Breitenberger said:

    Den Artikel von Patrick Gensing habe ich gerne und zustimmend gelesen. Israel wird von allen Seiten angriffen was die bundesdeutsche Medienlandschaft kaum interessiert. Sobald aber Israel zurückschlägt sind die deutschen „Israelkritiker“ fassungslos.

    Interessant wäre es wie einige der hiesigen Kommentatoren reagieren würden wenn die Kindergärten, Wohnhäuser und Schulen ihrer Wohnorte von der faschistischen Hamas bombardiert werden würden. Ob sie dann ihre Regierung auch zum stillhalten auffordern würden?

    Die Täter-Opfer-Umkehr spielt eine große Rolle beim Thema sekundärer Antisemitismus. Die Deutschen werden den Juden wohl Auschwitz nie verzeihen. Nur so ist die deutsche Kumpanei mit der menschenverachtenden Hamas erklärbar.

    Die geballte Medienmacht gegen Israel ist enorm, von der TAZ bis zum Spiegel nur Halbwahrheiten und Lügen bezüglich des Nahostkonfliktes. In einem heutigen Artikel der TAZ wird so getan als ob nun die Palästinenser zurückschlagen und auch Raketen auf Israel abschießen, die Hamas also nur reagieren würde.

    Falls Tobias Raff mit seiner Anzeige etwas erreichen sollte, könnte man sich einmal um die Volksverhetzung gegen Israel in Augsteins „Freitag“ kümmern. Als kleines Beispiel seien die Aussagen von TomGard erwähnt die er in Augsteins moderierter Community unter dem Beifall fast aller Mitblogger abgeben durfte, damals vor zwei Jahren während und kurz nach der Aktion „Gegossenes Blei“:

    http://thinktankboy.wordpress.com/2010/10/01/%E2%80%9Efreitags-avantgarde%E2%80%9C-vol-6/

  • Chewie said:

    Sowohl pro- als auch anti-israelische Haltungen im Sinne einer Rechtfertigung für oder Argumentation wider die politischen und/oder militärischen Maßnahmen der isrealischen Regierung sind angesichts der Komplexität und der verhärteten Fronten im Nahostkonflikt nicht nur unproduktiv, sondern hirnverbrannt, destruktiv und in ihren Argumentationen zudem tief im nationalistischen, mindestens jedoch authoritätsdevoten und -identifizierenden Denken verankert.
    Der Anfang des Artikels findet zwar seine Berechtigung im Sinne einer kurzen Aufarbeitung der medial vernachlässigten Faktenlage und Klärung der aktuellen politischen Situation in Nahost. Allerdings scheinbar lediglich, um daraufhin Gewalt einer (hier: der israelischen) Seite zu rechtfertigen, indem man völlig zurecht zwar auch auf die Bedrohung durch Nachbarstaaten verweist, den chauvinistischen Charakter der israelischen Regierung dagegen völlig außen vor lässt. Unpateiische Aufarbeitung sucht man im folgenden wieder einmal vergebens, stattdessen findet man lediglich ein weiteres Statement im peinlich absurden Sektiererei-Konflikt zwischen Antideutschen und klassischen Antiimperialisten, die sich nicht einmal im Ansatz vom Konzept des Nationalismus lossagen können.
    Diese narzistische (mit “r” wohlgemerkt) Affinität der dt. Linken zum Thema Israel mag ja eine scheinbar nachvollziehbare historische Begründung finden, rational ist sie an sich aber deswegen noch lange nicht. Ebenso wenig ist der gefühlte Zwang rational, sich innerhalb eines noch so präsenten Konfliktes auf eine bestimmte Seite schlagen zu müssen. Die palästinensich-israelische Friedensbewegung geht da mit bestem Beispiel voran.
    Diese Bewegung, die innerhalb dieses Konfliktes das eigentliche Wesen linker Haltungen spiegelt, findet in solchen selbstverliebten Auseinandersetzungen zwischen starren linken Haltungen in Dt. merkwürdigerweise keinerlei Aufmerksamkeit. Man ist ja so schön mit sich selbst beschäftigt. Keine Solidarität mit den Menschen, noch nicht einmal Zurkenntnisnahme und Würdigung eines traditionell humanistischen Ansatzes, stattdessen Solidarität mit Religion und/oder Staat, mit einer Seite in einem völlig sinnlosen Krieg. Im Westen nichts Neues. Aber so wird das nix. Auch hier nicht.

  • Gast2 said:

    Täter sind die, die schießen und dabei zivile Opfer in Kauf nehmen oder sogar anstreben.
    Opfer sind meistens Zivilisten, oftmals Kinder, wie z.B. in diesem Fall.
    Jede Aussage wie Palästinenser sind Opfer, Isrealis sind böse oder Israelis sind Opfer, Palästinenser sind böse ist Blödsinn.
    Täter sind die mit dem Finger am Abzug oder auf dem roten Knopf, Opfer sind die, die Bomben oder Raketen schutzlos ausgeliefert sind.

  • max said:

    @manni b.
    “Nur so ist die deutsche Kumpanei mit der menschenverachtenden Hamas erklärbar.”

    Genau, denn wer nicht für uns ist, ist gegen uns! (und bildet damit eine Kumpanei mit unseren Feinden, mindestens)

    Die Logik der Schlächter hat in Deutschland auch schon immer viele Anhänger gehabt, wenn wir schon dabei sind, einander über unser “Deutsch-Sein” zu definieren.

  • genervt said:

    Schreib über Israel, und sie alle kommen aus ihren Löchern gekrochen…

    Dann will ich mal auch an die Klowände des Internets schmieren:
    Ja, Soldaten sind Mörder.
    Ja, einen Hamas-Führer zu töten, ist Mord, insbesondere in einem Kulturkreis, der die Todesstrafe ächtet.

    Aber dann ist es eben auch Mord, wenn die Hamas Israel beschießt, die USA Pakistanis beschießen oder deutsche Soldaten “Brücken bauen” am Hindukusch.
    Wer all das nicht Mord nennt, hat damit jedes Recht verwirkt, Israels Angriffe Mord nennen zu dürfen, weil die sich qualitativ nicht von jenen unterscheiden. Dann führt Israel einfach einen (Selbstverteidigungs-)Krieg und tötet seine Feinde, wie das in einem Krieg üblich ist.

    Klar ist Netanjahu ein Hardliner, den es nicht um Befriedung geht – aber geht es Merkel um eine Lösung der Griechenland-Pleite? Nein, die wird auch intensiviert, um eigenen Interessen zu nützen. Das fordert Opfer, nennt man aber für gewöhnlich schlicht “Politik” (bleibt die Frage, ob Berlin mehr Griechen tötet, oder Israel mehr Araber).

    Und klar ist Israel gewissermaßen ein “Fremdkörper” und imperialistisch, aber es ist nicht mehr oder weniger fremd und imperialistisch als der Iran, der ebenso von lauter Feinden umgeben ist.
    Und zu bi- und multilateralen Beziehungen gehören eben mehr als einer: genau so, wie niemand Israel “zwingt” Raketen auf die Nachbarn zu schießen, zwingt auch niemand die Nachbarn, Raketen auf Israel zu schießen. Ich bin auch dagegen, den Holocaust als Totschlagargument für jede neue Peinlichkeit Israels gelten zu lassen – aber das braucht man auch nicht, wenn man Israel als Realität anerkennt und ihm dieselben Rechte zugesteht, wie jedem anderen. Die Türkei beschießt Syrien dann, wenn sich Granaten auf türkisches Gebiet “verirren” und niemand bezeichnet das als illegitim, ohne dass Türken je industriell vernichtet worden wären – agiert Israel genau so, tut man so, als seie es ein Tabu, das zu kritisieren, weil der Holocaust wie ein Damoklesschwert über der Diskussion hinge. Der Holocaust übernimmt hier die Rolle eines Scheinarguments, mit dem der Tabubruch aufgewertet und gerechtfertigt werden soll – darum ist die Bemühung dieses Arguments für jene, die sich “israelsolidarisch” nennen (und die oft ähnlich faschistoid-schwachsinnig argumentieren, wie ihre Gegner, Stichwort: “Jede Kritik an Israel ist Antisemitismus”) kontraproduktiv.

    Ich persönlich kritisiere auch Israel, wenn es not tut, und ergreife Partei für Palästinenser, wo ich das für wichtig halte – aber nicht anders als für Kurden in der Türkei, Schotten in Britannien, Katalanen in Spanien oder Dänen in Deutschland: Diesen Volksgruppen stehen ebenso Rechte zu, wie allen anderen und sie verdienen als “Minderheiten” besonderen Schutz – das delegitimiert aber eben kenesfalls die Rechte des anderen. Ein Medium wie Twitter wiederum taugt generell nicht für eine Befassung mit diesem Thema, weil jeder die Stereotypen von “Israel gehört von der Landkarte getilgt” und “Israel ist heilig und darf alles” im Kopf hat und verkürzte Aussagen stets dem einen oder anderen Lager zugerechnet werden und sich so selbst delegitimieren. Aus diesem Grunde werde ich auch die zitierten Aussagen selbst nicht kommentieren (auch, weil dieser Kommentar schon lang genug ist), ich krieg von beiden Lagern Bauchschmerzen und verfolge deutsche Debatten zum Thema nur noch äußert unwillig, nicht zuletzt, weil es mit der gelebten israelischen Realität ohnehin nicht viel zu tun hat und solidarisiere mich lieber öffentlich mit der innerisraelischen Friedensbewegung – die hat es schon schwer genug.

    Leider geht es, wenn es um Israel geht, immer auch um Juden und vieles ist vor allem dazu geeignet, antisemitische Vorurteile gegen jüdische Deutsche (oder für jene, denen diese Vorstellung nicht gefällt: “deutsche Juden”) zu schüren; und wenn der Focus schreibt “Israelische Armee ermordet”, denken viele hierzulande eben nicht “Soldaten sind Mörder”, sondern “Juden sind Mörder”. Genau da liegt das Problem, dem es sich entgegen zu stellen gilt. Dieses Problem wiederum löst man aber nicht, wenn man stetig “Juden” und “Israelis” als deckungsgleich behandelt – dann nämlich ist der deutsche Rabbi, der seine Tochter zur Schule bringt, mit dafür verantwortlich, wenn ein israelischer Kampfjet einen Haufen Terroristen tötet. Wer Antizionismus mit Antisemitismus gleichsetzt, sagt damit nur: Den New Yorker Gemüseverkäufer Moshe unterscheidet nichts von jenem fanatischen Siedler Izak, der völkerrechtswidrig auf palästinensischem Territorium sein Haus baut.
    An diesem Mythos strickt hier p.org aber heftig mit, was unschön ist.

    Zusammenfassend möchte ich einfach mal zusammenfassend plädieren:
    1. Israel ist letztlich ein Staat wie jeder andere, mit Rechten und Pflichten, niemand steht über den Gesetzen. Israel sollte sich nicht unkritisiert mehr heraus nehmen dürfen, als alle anderen. Es muss aber tun dürfen, was alle anderen in dieser Situation auch tun. Es muss sich verteidigen dürfen gegen die beständigen Angriffe, es herrscht teils praktisch Kriegszustand und im Krieg sind andere Dinge erlaubt als im Zustand des Friedens.

    2. Juden, seien sie nun zionistisch, antizionistisch oder ganz ohne Meinung zum Zionismus, sind nicht gleich Israelis. Sie sind Russen, Deutsche, Amerikaner oder wo immer sie leben. Und oft haben sie gute Gründe, warum sie lieber hier leben, als in Israel.

  • Fabian Buschtrommel said:

    Patrick Gensing kriegt hier leider was mit den kausalitäten durcheinander…

    http://www.youtube.com/watch?v=YKAJI6wtnc8

  • Free Gaza from Hamas « ThinkTankBoy said:

    [...] Ahmed al-Dschabari deutsche  „Israelkritiker“ fassungslos macht. Wie kommt Israel dazu, den Militärchef der Hamas zu töten fragen sich Dradio Kultur oder [...]

  • timeline said:

    Die aktuelle Eskalation scheint durch zwei zivile Opfer im Gaza-Streifen begonnen zu haben:
    http://uk.reuters.com/article/2012/11/04/uk-palestinians-israel-idUKBRE8A30P020121104
    http://edition.cnn.com/2012/11/09/world/meast/gaza-violence/

    Aber ich bezweifle, dass man eindeutig belegen kann, wer “angefangen” hat. Und für die Zivilisten auf beiden Seiten, die nun evtl. verletzt oder getötet werden, ist es auch irrelevant.

  • Ichselbst said:

    @genervt:

    Endlich mal ein sachlicher Beitrag, den ich komplett unterschreiben kann.
    Mir geht es ebenfalls auf die Nerven, dass man Israelis automatisch mit allen Juden auf der Welt gleichsetzt. Kritisier ich , bin ich gegen die Juden. Ein Satz den ich bei vielen Gesprächspartnern höre.
    Das leben ist halt nicht so einfach gestrickt, das es nur Gut oder Böse gibt. Und ja, ich kann verstehen wenn Israel Gegner ausschaltet. Und ich muss nicht traurig sein über dessen Tod. Mord ist es aber ebenso. Allein die Tatsache, das man der einen Seite das Recht zum töten zugesteht und dies Verteidigung nennt, während die andere nur die feigen Mörder sind, zeigt das viele halt nicht normal mit der Geschichte umgehen können. Ich muss zugestehen, dass es mir am Anfang eben so ging. Mit der Zeit wurde mir klar, dass es nicht so einfach ist.
    Heute arbeite ich an einer Arbeit über die jüdischen Bewohner in meiner Heimatstadt. Ich bin in der Stolperstein Gruppe und habe auch das Glück zu Überlebenden Kontakt zu haben. Einmal während eines treffen stellte es sich heraus, das auf unserem hiesigen Gymnasium ab einer bestimmten Zeit anteilsmäßig sehr viele Personen jüd. Glaubens waren. Das veranlasste eine Bekannte in einem ersten Dokumententwurf zu schreiben , dass die jüd. Schüler hält wesentlich klüger wären, als christliche. Sie hat es nicht Böse gemeint, aber es ist für mich ein Zeichen wie festgelegt wie nun manchmal sind. Ich habe habe meinen Recherchen sowohl liberale als auch orthodoxe gefunden, gesetzestreue wie auch ständige Gesetzesbrecher, kaufmänner als auch Tagelöhner usw.
    Der Mensch lässt sich nicht von vornherein in Gut und Böse aufteilen

    Was Menschen verroht ist die Gewalt. Ich gehe jede Wette ein das sich sowohl bei Palästinensern als auch bei Israelis eine Mehrheit findet die Frieden will und Gewalt nicht gutheißt.

    Zum Schluss:

    Ja, Mörder sind auch die anderen. Auch die USA, die BRD.

  • david said:

    “Hunderte Raketen haben Palästinenser in diesem Jahr auf Israel abgefeuert, nun schlug Israel zurück”

    Sooo einfach ist das also? “Zurückschlagen”, ja? Ich dachte in Deutschland heißt das “zurückschießen”?

    Meine Fresse, man muss die idiotische Darstellung des Focus doch nicht mit Gegenidiotie beantworten.

  • Eisboer said:

    Wichtige und richtige Kritik.

    Die Piraten hier gesondert hervorzuheben ist mMn nicht gerechtfertigt. Die Gesellschaft hat ein Problem mit Ausländerfeindlichkeit. Dabei stehen die Piraten unter den Parteien noch am besten da.

    Folgende Verteilung von Personen mit rechtsextremen Einstellungspotential
    SPD 48% CDU 47% Grüne 37% Linke 36% FDP 23% Piraten 21%

    Quelle: http://blog.fefe.de/?ts=ae5fd1bf
    bzw: http://www.fes-gegen-rechtsextremismus.de/pdf_12/mitte-im-umbruch_www.pdf

  • thorsten said:

    http://www.heise.de/tp/artikel/38/38011/1.html

    hier wird hingewiesen, dass der getötete Jabari den Waffenstillstand unterstützen wollte… Wie sieht das der Autor des Artikels?

  • Dennis K. said:

    @Manfred Breitenberger:

    Du willst, dass wir uns in die Lage Israels versetzen. Das ist berechtigt.
    Aber versetz du dich mal in die Lage der Palästinenser. Das scheint dir nicht möglich zu sein, da du offenbar das Unrecht des israelischen Siedlungswesens entweder völlig ignorierst oder nicht wahrnehmen kannst. Auch scheint dir nicht bewusst, dass noch vor dem Terror von Hamas und Fatah der Terror der jüdischen Irgun stand: Terror hat eine lange, blutige Tradition in diesem Gebiet.

    Es wird allgemein der Fehler gemacht, davon auszugehen, dass Kriegsführung durch eine Armee – wie die Flächenbombardierungen während der Operation “Gegossenes Blei” – weniger schlimm seien als Quassam-Raketenbeschuss. Beidem fallen zum größen Teil zivilisten und zivile Strukturen zum Opfer – und auch wenn die israelische Armee ein Krankenhaus der Hamas sprengt, um diese zu schwächen, haben die Palästinenser hinterher ein Krankenhaus weniger. Das kann nicht die Lösung des Konfliktes sein.

    Auch das Töten des Militärchefs führt doch nur dazu, dass der Hass noch weiter wächst – die nächste Generation palästinensischer Kinder wird der Propaganda der Hamas-Terroristen zum Fraß vorgeworfen, weil man besagten Terroristen nur das nötige Öl liefert, das Feuer am brennen zu halten.

    Wie würdest du es z.B. finden, wenn Deutsche Extremisten jenseits der Oder siedeln würden, weil sie der Meinung sind, dieses Land stehe ihnen zu, weil es schon immer “deutschen Land” wäre. Und die Bundesregierung würde nichts gegen die Siedlungen tun, sondern die Siedler noch mit Waffen beliefern. Exakt das passiert in Israel, weil Leute wie Netanjahu und die Likud an der Macht sind – und genau das wird auch von der israelischen Linken in aller Deutlichkeit kritisiert, auch mit dem Begriff des Antizionismus.

    Aber offensichtlich darf man als deutscher Linker nicht der gleichen Meinung sein wie ein israelischer Linker, sondern muss das Verhalten der israelischen Rechten – Likud und co. – unterstützen und gut heißen.

    WIE KANN DAS SEIN?!?

    Wie kann man als aufgeklärter, linksliberaler Mensch in Deutschland ernsthaft so krass die Meinung derjenigen Israelis vertreten, die auf die deutschen politischen Verhältnisse übertragen in der NPD, zumindest jedoch bei den Republikanern, wären?!? Das will mir nicht in den Kopf!

    Es gibt auch rechte Arschlöcher unter israelischen Juden – und mit denen muss ich mich nicht nur deshalb solidarisieren, weil sie israelische Juden sind. Die kann ich auch ganz klar als rechte Arschlöcher bezeichnen, ohne gleich Antisemit zu sein. Und das gilt z.B. für diejenigen, die den Ausbau von Siedlungen und Flächenbombardements im Gaza-Streifen befürworten. Leider verteidigt Patrick genau diese Leute, weil er offenbar nicht in der Lage ist, innerhalb der politischen Landschaft Israels zu differenzieren, sondern immer Israel als Ganzes verteidigt.

  • neuer Leser said:

    @ genervt

    Ich stimme dir in vielen Punkten zu. Jeder Mensch, jeder Regierung, muss sich Kritik für bewusst getroffene Handlungen, sobald sie schwerwiegende negative Konseqenzen nach sich ziehen, gefallen lassen, was jedwede israelische Regierung und andere führende Machtzentren in diesem Land mit einschließt. Recht hast du auch, wenn du sagst, dass man sich den jeweiligen Kontext bestimmter Handlungen immer sehr genau ansehen muss. Und mit Sicherheit dienen reflexartige und aus der Ferne verfasste Zeitungsartikel nicht gerade dem Verständnis komplizierter Hintergründe.

    Genauso wenig sollte man “die Juden” mit dem Staat Israel gleichsetzen. Solche Gleichsetzungen suggerieren, dass Menschen jüdischen Glaubens oder sekulare Juden außer Stande oder nicht willens wären, selbst wenn sie keine israelischen Staatsbürger sind, sich kritisch mit dem Staat Israel außeinander zu setzen. Bei solchen Gleichsetzungen schwingt in der Tat immer Antisemitismus mit.

    Doch leider vereinfachst du auch vieles und vergleichst Dinge miteinander, die nicht nicht miteinader vergleichbar sind.

    1. Die Lage der Dänen in SH oder der Schotten im UK mit der Lage der Palästinenser (oder der Kurden) zu vergleichen, ist grotesk. Schon mal irgendeinen Schotten im UK oder irgendeinen Dänen in SH gesehen, der eine Mauer oder einen Strassenkontrollpunkt überwinden muss, um von Punkt A nach Punkt B zu gelangen? Wohl kaum.
    Ich weiß, dass diese Dinge zum Schutz vor Selbstmordattentätern existieren, aber sie machen auch das Leben jener zivilen Palästinenser zu Hölle, die nichts mit dem feigen Mördern zu tun haben.

    2. Dein rhetorischer Einschub “bleibt die Frage, ob Berlin mehr Griechen tötet, oder Israel mehr Araber” — nun ja, das kann wohl kaum dein Ernst sein, oder?

    3. “Israel ist letztlich ein Staat wie jeder andere” — Nein, ist er nicht, und wird es vermutlich noch auf Lange Sicht nicht sein. Man muss nicht eklären warum. Nur wird es leider immer Menschen geben, die diese besondere historische wie gegenwärtige Ausnahmestellung Israels dem Staat Israel im Allgemeinen und allen Juden im Besonderen immer zum Vorwurf machen werden. Das darf man dann Antisemitismus nennen.

    4. “Und klar ist Israel gewissermaßen ein “Fremdkörper” und imperialistisch” — Israel imperialistisch zu nennen, zeugt nicht gerade vom inhaltlichen Verständnis dieses Wortes oder von der israelischen Außen- und Sicherheitspolitik. Du bist sicher intelligent genug und in der Lage, bei näherer Beschäftigung mit diesem Begriff deinen Standpunkt zu überdenken.

    Ich selbst maße es mir nicht an (und will es auch gar nicht), mich in den Kopf irgendeines am Konflikt beteiligten oder vom Konflikt betroffenen Israelis oder Palästinensers hineinzuversetzen. Deshalb halte ich die Schnauze, bevor ich unzulässige Schuldzuweisungen, an welche Seite auch immer, vornehme. Nur wissen wir dank des Internets, dass das für viele andere eben nicht gilt.

    Letztendlich gibt es nur Verlierer. Israelische Kinder sterben, Palästinensische Kinder sterben, obwohl sie’s gar nicht müssten.

  • Publikative.org (author) said:

    Liebe neue Leserin,

    das Grundproblem, das ich auch in meinem Artikel versucht habe anzureißen, ist leider, dass die israelischen Kinder, auf die seit Monaten Hunderte Raketen von wahnhaften Antisemiten abgefeuert werden, und zwar um die Kinder, die Familien und Städte zu vernichten, in Deutschland leider keine Sau interessieren. Da können mir noch so viele Leute erzählen, ich sei ein neokonservativer Falke, das ist mir wirklich vollkommen egal. Denn mein Thema heißt Deutschland, nicht Israel. Von den deutschen Zuständen verstehe ich nämlich mehr als von denen in Nahost.

    Und so lange bei israelischer Selbstverteidigung die deutsche Volksseele kocht und bei Raketenangriffen von Gotteskriegern die Öffentlichkeit schweigt, werde ich weiterhin meine Meinung hier und anderswo ausbreiten.

    Glücklicherweise stelle ich fest, dass es eine wachsende Zahl von Leuten gibt, die das zumindest ähnlich wie ich sehen.

    Gruß
    Patrick Gensing

  • Anonymous said:

    @neuer Leser: Ich bin ein wenig enttäuscht ob dieser Antwort, möchte daher ein paar Dinge klar stellen; ich hoffe, dass dann das ein oder andere mehr einleuchtet.

    zu “1. Die Lage der Dänen in SH oder der Schotten im UK mit der Lage der Palästinenser (oder der Kurden) zu vergleichen, ist grotesk.”
    Nein, ist es nicht. Es ist eine Polemik, die auf den grundlegenden Konflikt zwischen Minder- und Mehrheit abzielt. Dass die tatsächlichen Lebensumstände grundverschieden sind, bestreite ich gar nicht.

    zu “2. Dein rhetorischer Einschub “bleibt die Frage, ob Berlin mehr Griechen tötet, oder Israel mehr Araber” — nun ja, das kann wohl kaum dein Ernst sein, oder?”
    Natürlich nicht. An den Opfern deutscher Politik in Griechenland muss selbst ein Netanjahu lange stricken.

    zu “3. “Israel ist letztlich ein Staat wie jeder andere” — Nein, ist er nicht, und wird es vermutlich noch auf Lange Sicht nicht sein.”
    Doch, ist er. Jeder Staat ist besonders – in seiner Geschichte und seiner Kultur, in seinen Menschen. Nichtsdestotrotz sind, so wie alle Menschen vor dem Gesetz gleich sind, alle Staaten objektiv vor dem Völkerrecht und der internationalen Gemeinschaft gleich.
    Antisemitismus ist ein Fakt, aber er ist hier nicht der Punkt. Würde man hier auf solche “weichen Faktoren” abzielen, wäre auch Japan ein ganz besonderer Staat, weil Japan eine jahrtausendealte, rassistische Feindschaft mit China verbindet. China könnte Japan so schnell besiegen, bis dahin hätten die USA als militärische Schutzmacht nicht einmal die Flugzeuge aufgetankt, geschweige denn größere Kampfverbände mobil gemacht. Man könnte also sagen: Japan ist in einer ganz besonderen Lage und allein der Gnade des Feindes ausgeliefert. Trotzdem sind China und Japan vor dem Völkerrecht gleich und sie zanken sich wie kleine Kinder um ein paar unbewohnte Inseln.
    Du missverstehst hier die Argumentation und kannst ihr deshalb offenbar nicht so recht folgen.

    zu “4. “Und klar ist Israel gewissermaßen ein “Fremdkörper” und imperialistisch” — Israel imperialistisch zu nennen, zeugt nicht gerade vom inhaltlichen Verständnis dieses Wortes oder von der israelischen Außen- und Sicherheitspolitik.”
    Ich werde hier der Einfachheit mal Wikipedia zitieren und hoffen, dass dir das reicht, statt den israelischen Imperialismus einfach als “Außen- und Sicherheitspolitik” zu bezeichnen, um ihn damit positiver zu besetzen.
    “Als Imperialismus bezeichnet man das Bestreben eines Staatswesens oder dessen Anführers, seinen Einfluss auf andere Länder oder Völker auszudehnen, bis hin zu deren Unterwerfung und Eingliederung in das eigene Umfeld. Dazu gehört eine ungleiche wirtschaftliche, kulturelle oder territoriale Beziehung aufzubauen und aufrechtzuerhalten.”
    Im Grunde war der Zionismus selbst schon imperialistisch und die Schaffung des Staates Israel ein imperialistischer Akt. Die “Außen- und Sicherheitspolitik” Israels ist ebenso imperialistisch geprägt, wobei ich hier nicht bewerten will, inwiefern die imperialistische Prägung einfach notwendig für die Sicherheit Israels ist.

  • neuer Leser said:

    Lieber Herr Gensing,

    bin noch immer männlichen Geschlechts :-)

    Ich stimmen Ihnen da auch vollkommen zu. Südisrael steht seit Monaten unter Dauerbeschuss aus dem Sinai. Auch ist der ständige Beschuss aus dem Gazastreifen ist nicht die Ausnahme, sondern eher die Regel. Das wird in den Medien gar nicht erwähnt. Sobald aber die israelischen Streitkräfte militärisch antworten und die Medien darüber berichten, bricht sich der virtuelle antisemitische Shitstorm seinen Bahn.

    Problem: Vergeltungsschläge der israelischen Armee treffen im dichtbesiedelten Gazastreifen mitunter Zivilisten. Das ist den Möchtegern-Israelauslöschern von der Hamas natürlich mehr als willkommen, geschieht der Abschuss der Raketen doch vorwiegend aus den Häuserzeilen heraus.

    Aus meiner Sicht ist die Hamas das Problem. Das wird daran deutlich, das es keinen Raketenbeschuss aus dem Westjordanland gibt, wo die Fatah regiert. Und es scheint auch nur zwei Wege zu geben, wie man diese Menschenhasser von der Hamas los wird. Entweder löscht Israel diese Gruppierung aus, was die klar schlechtere Variante wäre, oder die Palästinenser im Gazastreifen entledigen sich der Hamas von alleine, so wie die Serben sich ihrerseits Milosevic Anfang Oktober 2000 entledigt haben, nachdem er sie innerhalb von nur acht Jahren in drei Kriege geführt hat.

  • Publikative.org (author) said:

    Lieber Neuer Leser,

    danke für Ihre Ausführungen und Ihren Hinweis, vollkommen korrekt, ich bin sowohl was Hamas als auch was Geschlecht angeht ganz bei Ihnen.

    Die Lage ist kompliziert, dacor. Und tote Kinder will niemand, eine Selbstverständlichkeit – nur nicht für die Hamas. Das ist eben der Kern des Problems. Daher ist der Vergleich mit Dänemark in der Tat falsch, denn selbst nach der Okkupation durch Deutschland während des 2. Weltkriegs wollte die dänische Führung nicht ALLE Deutschen in die Ost- oder Nordsee treiben, damit sich das Meer rot färbe.

    Den Vernichtungswillen der Hamas und anderer radikalislamistischer Kräfte ignorieren viele Israel-Kritiker mit bewunderswerter Ausdauer, dabei ist dies zentral. Israel, ein multikultureller, liberaler und politisch äußerst vielschichtiger Staat, ist von Feinden bedroht, die es auslöschen wollen. Wer ernsthaft glaubt, die Siedlungen seien das Problem, blendet die islamistische, strikt antisemitische Ideologie einfach aus.

    All die Hinweise auf die Siedlungen, die angeblich den Frieden mit fanatischen Judenfeinden verhindern, verpuffen beispielsweise, wenn man bedenkt, dass sich Israel aus dem Gazastreifen zurückzog – und nun von dort mit Raketen eingedeckt wird. Von Angriffen aus dem Libanon, in dem Israelis nicht “siedeln”, mal gang abgesehen. Aber Kleinigkeiten wie die Hisbollah, die den Libanon von Innen kaputt machen, interessieren Experten wie Dennis K. eben nicht.

    Es gibt 50 andere internationale Konflikte und 100 Ungerechtigkeiten in Deutschland, die die Aufmerksamkeit und den Empörungswillen dieser deutschen Linken verdient hätten, aber nein, sie melden sich nur zu Wort, wenn es um Israel geht, sie arbeiten sich immer wieder an diesem Thema ab. Ich finde das schwer zu ertragen. Es ändert aber nichts an unserer Einschätzung zu den deutschen Zuständen, sondern bestärkt diese.

    Viele Grüße
    Ihre Patricia ;-)

  • neuer Leser said:

    @ Anonymus

    1.
    Ich habe mir in meiner Antwort an “genervt” unter Punkt 3 jegliche Ausführungen zur Besonderheit des Staates Israel gespart, da jeder halbwegs gebildete Leser sehr genau weiß, worauf ich hinaus wollte. Nun, da du meinst, Israel sei ein Staat wie jeder andere, dann zeig mir mal einen anderen Staat in der Welt, der als direkte Antwort auf die industrielle Vernichtung einer Menschengruppe gegründet wurde. Du wirst keinen finden.

    Fairerweise sollte man sagen, dass Haiti und Liberia als direkte Antworten auf die Versklavung der Schwarzafrikaner durch die Weißen gegründet wurden und entflohenen Sklaven als neue Zuflucht dienten, so wie Israel den europ. Juden als neuer Zufluchtsort dienen sollte. Deshalb auch der Name Liberia -> lat. liber: frei. Nur sieht sich Israel seit seiner Gründung einer ständigen existenziellen Bedrohung durch seine Nachbarn ausgesetzt. Auf welchen anderen Staat trifft das ebenfalls zu?

    2. Vielen dank für den Wikipediaauszug. Nur eine rhetorisch) Frage: Wieso wird in dem zitierten Artikel Israel nicht beispielhaft als imperialer Staat bezeichnet, wenn die Karten so klar auf dem Tisch zu liegen scheinen?
    Ich kann dir versichern: Wäre Israel ein imperialer Staat, wären Hamas und Hisbollah längst Geschichte, und um Israel herum säßen lauter philosemitische Vasalen. Das ist nämlich, was Imperien tun: Sie ordnen ihr Vorfeld nach ihren eigenen geostrategischen Vorstellungen. Und das kann man mit Blick auf Israels Nachbarn nun wahrlich nicht behaupten. Bitte einmal Herifeld Münkler “Imperien” (2005) lesen.

    Patricia :-) Der ist gut! Hahaha :-)

  • Dennis K. said:

    Deine Kritik an der Berichterstattung kann ich zwar inhaltlich nachvollziehen, aber ich würde sie nicht nur auf Israel beziehen.

    Fakt ist leider, dass die Nachrichten nicht darüber berichten, wenn ein paar Raketen in Israel einschlagen (und es nicht gerade zu mehreren Todesopfern kommt). Die Nachrichten berichten auch nicht darüber, wenn in Afrika mal wieder ein paar hundert Menschen am Tag verhungern. Auch nicht, wenn mal wieder ein Dutzend Kinder durch Landminen getötet oder verstümmelt werden. Was wäre auch die Konsequenz? Ein rituelles: “Heute verhungerten 2184 Menschen, 68 Menschen wurden durch Landminen getötet, 7 Quassam-Raketen trafen israelisches Territorium, dabei gab es keine Toten” – oder gleich als Laufschrift am unteren Bildschirmrand?!? Funktioniert einfach nicht!

    Das alles fällt – so traurig es klingt – unter die Kategorie “Dauernachrichten”. Gewissermaßen beschissene Zustände, die über lange Zeit anhalten und deshalb für die Medien irrelevant sind.

    Eine größere Militäropposition, bei der ranghohe Mitglieder einer Regierung getötet werden, ist hingegen Nachrichtenmaterial – ebenso wie groß angelegte Bombardierungen wie in der Operation Gegossenes Blei – natürlich berichtet jeder Nachrichtensender darüber. Du bist doch selbst Profi-Journalist, du musst doch wissen, wie das funktioniert. Zu kritisieren wären hier allerhöchstens die Grundsätze der Medienberichterstattung, nicht jedoch ein angeblicher Antisemitismus.

    Insgesamt sehe ich die deutsche Medien-Berichterstattung da eher als tendentiell pro-israelisch an, da in den aller meisten Fällen die Schuld immer der Hamas gegeben wird (Der Tenor ist durchweg: Israel greift an, weil die Hamas Israel mit Raketen beschießt…). Das ist ja auch nicht verkehrt – natürlich ist die Hamas eine Schweinebande. ABER das ist eben zu kurz gegriffen. Die Schuld an dem ganzen Konflikt ist nicht mehr zu rekonstruieren, die Schuld an den aktuellen Ausschreitungen kann eigentlich nur an einer Stelle gesucht werden: An den extrem unterschiedlichen Lebensverhältnissen zwischen Israel und den palästinensischen Autonomiegebieten.

    Wenn ein Land mit einem Human Development Index von 0,888 (Platz 17 der Weltrangliste; “Sehr hoch entwickeltes Land”) direkt neben einem Land mit einem HDI von 0,641 (Platz 114 der Weltrangliste; “mittleres Entwicklungsland”) liegt und eben tatsächlich in ersterem Land ziemlicher Wohlstand herrscht, während die Menschen im anderen Land um Trinkwasser und Strom ringen müssen (und die Kindersterblichkeit z.B. ziemlich hoch ist), braucht man sich doch nicht wundern, dass der Terrorismus Fuß fasst und aus immer mehr “normalen Palästinensern” “fanatische Judenhasser” werden.

    Terrorismus steht und fällt mit der Armut und der Bildung im Volk. Desto gebildeter und wohlhabender das Volk ist, desto weniger Spinner werden sich finden, die ihr Leben dafür riskieren, aus stumpfem Hass Raketen nach Israel zu schießen – und desto weniger Grund gibt es für die Palästinenser auch.

    Durch das Töten ranghoher palästinensischer Anführer oder das Wegbomben der kläglichen Reste von Infrastruktur wird der Konflikt nicht gelöst, sondern verschärft. Dazu nochmal: Das ist auch die Position vieler linker Israelis, die in Opposition zur Position der konservativ-rechten Israelis steht, die der Meinung sind, man müsste den Palästinensern nur oft genug den Kopf abschlagen, dann würden sie schon irgendwann aufhören zu zappeln.

    Wenn dieser Blog die Kriegshandlungen Israels nun als “legitime Selbstverteidigung” sieht schlägt er sich damit auf die Seite der rechten Israelis – und das finde ich einfach fragwürdig. Das ist das Resultat von “bedingungsloser Solidarität gegenüber Israel”, wenn man “Israel” mit der jeweiligen Regierung gleichsetzt, die nunmal aktuell rechts-konservativ ist. Ich will nicht bedingungslos Solidarisch gegenüber einer rechts-konservativen Regierung sein – nicht in Israel, nicht in Deutschland. Und ich glaube auch aus tiefster Überzeugung nicht, dass diese “bedingungslose Solidarität” irgendwem helfen wird, weil ich davon überzeugt bin, dass die Lösung dieses Konfliktes nicht mit Mitteln der Gewalt erreicht werden kann.

  • Libertad said:

    Oh wie platt ist das denn? Langsam erreicht ihr Bahamas-Niveau! Alle Soldaten sind Mörder – nur israelische nicht? Die Tötung des Hamas-Militärchefs war Mord – was denn sonst? Man kann ja der Meinung sein, dass dieser Mord politisch gerechtfertigt war. Nur traurig, dass der Autor für einen etwas differenzierten Blick auf die Dinge keinen Sinn hat…

  • Manfred Breitenberger said:

    @Dennis K. am 16 November 2012 at 15:17

    Einiges an der israelischen Siedlungspolitik ist kritisierbar, allerdings ist es wesentlich komplizierter als es sich „Israelkritiker“ vorstellen. Juden haben ein Recht auch in der Westbank zu siedeln, denn in Israel leben ebenfalls rund zwei Millionen Araber. Wer eine judenfreie Westbank fordert, knüpft an alte Traditionen an. Der jetzige Konflikt spielt sich in Gaza ab, dort siedeln keine Juden! Israel löste vor vielen Jahren seine Siedlungen in Gaza auf. Der Dank war tausendfacher Raketenbeschuss der Hamas!

    Weil die Briten die Juden in Israel nicht schützen wollten oder konnten gründeten die Juden die sozialistische Hagana nach einem Judenpogrom in Jerusalem bereits 1920. Von ihr spaltete sich die Irgun ab, eine nationalistische rechte Gruppe. Der Großmufti von Jerusalem, Amin al-Husseini, der mit Hitler paktierte organisierte viele Judenpogrome. Alleine während des „Hebron-Massakers“ am 23. August 1929 wurden 67 Juden bestialisch ermordet. Auf den Terror der Araber antwortete die Irgun mit Gegenterror. Bei aller Kritik an der Irgun darf nicht vergessen werden, das sie im Gegensatz zu den Palästinensern mit Hagana, Palmach, der Jüdischen Brigade, tausenden jüdischen Partisanen und Widerstandskämpfern und knapp 1,5 Millionen Juden in regulären Armeen gegen die Nazis kämpfte. Der Führer der Palästinenser war SS-Mitglied, persönlich verantwortlich für die Tötung von tausenden jüdischen Kindern aus Rumänien, Bulgarien und Ungarn im Holocaust. Während des 2. Weltkrieges mobilisierte der „Großmufti“ auf dem Balkan Muslime für die „Handschar“ Waffen-SS, die unter seinem Befehl durch ihre Gräueltaten traurige Berühmtheit erlangte.

    Weiter Informationen: Vom Zerfall des „Osmanischen Reiches“ bis zur Gründung Israels

    Hitler hat seinen eliminatorischen Antisemitismus in die Region exportiert, wie aktuell sehr eindrucksvoll an der Ideologie der Hamas zu sehen ist. Die Hamas terrorisiert nicht nur Israel, sondern auch all jene Palästinenser, die sich ein friedliches Zusammenleben mit Israel wünschen und unter dem menschenverachtenden Tugendterror im Gazastreifen leiden.

    Linkes Denken wird von der Hamas mit gnadenloser Unterdrückung und Folter beantwortet, sie stellt Homosexualität unter Todesstrafe und behandelt die Frauen als Menschen zweiter Klasse. Weil die Hamas ihre Raketenbasen und Waffenlager in Wohngebiete und Schulen legt, sich also hinter Frauen und Kindern versteckt, werden auch in diesem Konflikt wieder viele getötete Zivilisten im Gazastreifen zu beklagen sein. Es ist die Strategie der Hamas durch “menschliche Schutzschilde” die zivilen Verluste zu maximieren um neue “Märtyrer” zu schaffen. Wer diese Fakten ignoriert ist unglaubwürdig, dem kaufe ich sein Mitleid mit den vielen palästinensischen Zivilisten nicht ab.

    Israel ist ein demokratischer Staat, in dem nicht alles perfekt ist, der jedoch seit seiner Staatsgründung trotz permanenter Angriffe von außen versucht seinen Einwohnern ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen. Keine andere Demokratie würde unter diesem Druck eine Demokratie bleiben. Israel ist ein Staat der den verfolgten Juden dieser Welt eine Zuflucht gibt. Seit tausend Jahren werden Juden verfolgt. Stichpunkte Dreyfus-Affäre, Russische Pogrome, Holocaust.
    Die Palästinenser wollten schon immer alles oder nichts. Sie haben bisher alle Chancen für eine Staatsgründung verschenkt, siehe beispielsweise 1948. Die Hamas will die Fahne Allahs über ganz Palästina wehen sehen, will seinen reaktionären Gottesstaat auf ganz Palästina ausweiten. Deshalb die „Lösung“: Free Gaza from Hamas.

    Wie kann man sich als aufgeklärter, linksliberaler Mensch in Deutschland ernsthaft mit der faschistischen, antisemitischen, reaktionären Ideologie der Hamas und ihrer menschenverachtender Taten solidarisieren. Ich frage mich ob dies nicht etwa mit sekundärem Antisemitismus zu tun haben könnte. Stichwort: Die Deutschen werden den Juden Auschwitz nie verzeihen.


    Jean Améry schrieb einst zum “ehrbaren Antisemitismus”
    : “..Die Allianz des antisemitischen Spießer-Stammtisches mit den Barrikaden ist wider die Natur, Sünde wider den Geist, um in der vom Thema erzwungenen Terminologie zu bleiben. Leute wie der polnische General Moczar können sich die Umfälschung des kruden Antisemitismus zum aktuellen Anti-Israelismus gestatten: Die Linke muss redlicher sein. Es gibt keinen ehrbaren Antisemitismus. Wie sagte Sartre vor Jahr und Tag in seinen “Überlegungen zur Judenfrage”: “Was der Antisemit wünscht und vorbereitet, ist der Tod des Juden.”

  • Daniel Domeinski said:

    “Es gibt 50 andere internationale Konflikte und 100 Ungerechtigkeiten in Deutschland, die die Aufmerksamkeit und den Empörungswillen dieser deutschen Linken verdient hätten, aber nein, sie melden sich nur zu Wort, wenn es um Israel geht, sie arbeiten sich immer wieder an diesem Thema ab. Ich finde das schwer zu ertragen.”

    Schwer zu ertragen ist vor allem der Mangel an Solidarität in Deutschland, sei es mit den Streik- und Protestbewegungen in Südeuropa, oder eben den Israelis und Palästinensern, die in Frieden leben wollen. Abstoßend ist auch jener Teil der deutschen Linken, die offensichtlich staatliche Kriegspolitik und rassistische Ausgrenzungen gut finden, wenn sie vom “Westen” betrieben werden. Dass man diese “Linken” bei Publikative häufig als undogmatisch und progressiv abfeiert, zeigt auch wie weit die geistig-intellektuelle Krise des deutschen Antifaschismus vorangeschritten ist. So leistet der Text von Gensing natürlich keine Kritik an deutschen Zuständen,er macht nur Propaganda für die gegenwärtige israelische Regierung.

  • timeline said:

    Sehr geehrter Herr Gensing,

    natürlich ist Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen nicht zu rechtfertigender versuchter, in einigen Fällen auch ausgeführter Mord an Zivilisten.
    Um ein halbwegs vollständiges Gesamtbild zu erhalten und die Verstrickung der vielen beteiligten Parteien zu verstehen, muss man zunächst differenzieren zwischen den Palästinensern im Westjordanland, die keineswegs das Existenzrecht Israels in Frage stellen und der extremistischen Hamas im Gazastreifen. Darüber hinaus muss man die ständigen Menschenrechtsverletzungen seitens israelischer Armee und Siedler im Westjordanland berücksichtigen, wenn z.B. Häuser von Palästinensern zerstört werden, der Zugang zu Trinkwasser und zu ihren eigenen Feldern erschwert und z.T. verhindert wird, während gleichzeitig die Siedlungen weiter ausgebaut werden. Von den Schikanen an den unzähligen Checkpoints und unrechtmäßigen Verhaftungen ganz zu schweigen.
    Und das sich die Zivilbevölkerung im Gazastreifen sich in einem de-facto-Gefängnis befindet, wo auf israelischer Seite die Kalorienzufuhr kontrolliert wird, sollte man auch sehen.
    Und um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, auch diese für die palästinensische Zivilbevölkerung aussichtslose Situation rechtfertigt weder Anschläge noch Raketenbeschuss.
    Lektüreempfehlungen: 972mag.com und breakingthesilence.org.il

  • Rince said:

    @Patrick Gensing

    [zitat]das Grundproblem, das ich auch in meinem Artikel versucht habe anzureißen, ist leider, dass die israelischen Kinder, auf die seit Monaten Hunderte Raketen von wahnhaften Antisemiten abgefeuert werden, und zwar um die Kinder, die Familien und Städte zu vernichten, in Deutschland leider keine Sau interessieren.[/zitat]

    Das Grundproblem ist, dass Sie wie auch die meisten in dieser Diskussion – nicht zuletzt Dank der deutschen Medien – eine ziemlich verschobene Realitätssicht haben.
    Wenn ich mir Ihren Artikel und Kommentare ansehe scheint der aktuelle Hintergrund folgender zu sein:
    Hamas und Co. feuern das ganze Jahr auf Israel und Israel hat bis zum 14.11. nichts getan und dann Jabari gezielt getötet und erst jetzt berichten deutsche Medien und greifen Israel ungerechtfertigt an. Das ist völlig verquer und verkennt die Realität.
    Da unten tobt das beliebte „Aktion und Reaktion“-Spiel der Palästinenser und Israelis bereits seit Wochen und Monaten. Die einen schießen mit selbstgebauten Boden-Boden Raketen, die anderen mit Luft-Boden Raketen, Artillerie und Panzern. So gab es im Oktober 96 Angriffe (darunter 72 Raketen) auf Israel aus dem Gaza Streifen und dabei 3 verletzte ausländische Gastarbeiter. Weiterhin wurde ein IDF Soldat durch eine Sprengfalle an der Grenze verletzt. Bei israelischen Angriffen im Oktober starben 3 Palästinenser, nach den Angaben anscheinend aus einem Kommando die Raketen abgefeuert haben. Das hat sich dann im November weiter aufgeschaukelt und man hat sich mehr oder weniger regelmäßig gegenseitig beschossen und es gab sogar ein kurzes vordringen israelischer Truppen in den Gaza Streifen auf der Suche nach Bomben mit folgendem Feuergefecht.
    Bis zum 14 November wurden viele Israelis verletzt und mehrere Palästinenser getötet. Davon hat nichts die deutschen Medien interessiert – völlig egal wer da auf wen geschossen hat. Aus einem ganz einfachen Grund – das ist für uns mittlerweile normal und nicht weiter berichtenswert. Berichtenswert wird es erst, wenn eine der beiden Seiten wieder irgendeine Linie überschreitet – beispielsweise gezielt einen hohen Offiziellen der Gegenseite umbringt und zwar so gezielt und chirurgisch, dass neben ihm 28(!) weitere Tote liegen. Dann berichten auch die deutschen Medien wieder und da unsere Aufmerksamkeitsspanne sehr reduziert ist wird aus der komplexen Vorgeschichte, aus Aktion und Reaktion und gegenseitigem hochschaukeln eben

    [zitat]und aus dem Süden schlagen ohnehin praktisch ununterbrochen Raketen in Israel ein.
    Die Raketenangriffe auf Südisrael schaffen es in Deutschland aber fast nie in die Meldungsrubriken, dementsprechend überrascht gibt sich nun die deutsche Öffentlichkeit.[/zitat]

    Und die folgende Reaktion in Deutschland – wo zu Nahost ohnehin jeder eine Meinung hat – ist gerade bei Linken einfach nur wieder typisch und gleitet eigentlich zielgenau in zwei extreme und wird dann nur noch reflexartig. Die generellen „Israelkritiker“, dort auch oft genug mit einer ordentlichen Dosis Antisemitismus gewürzt verdammen wie üblich Israel und jedes berechtigte Interesse gefälligst nicht mit Raketen und anderen Waffen angegriffen zu werden und auf der anderen Seite Leute wie Patrick Gensing die sich als Reaktion darauf nicht schnell genug hinter der israelischen Regierung und Militärführung positionieren können und dann als deutscher Journalist auch die fehlgeleitete Politik und militärische Reaktion mit einer Verve verteidigen, die vermutlich sogar die meisten israelischen Journalisten nur kopfschüttelnd zu Kenntnis nehmen würden…
    Dabei scheint man, wenn man der NY Times glauben kann, genau den richtigen Mann getötet zu haben…
    http://www.nytimes.com/2012/11/17/opinion/israels-shortsighted-assassination.html?smid=tw-nytimesworld&seid=auto&_r=0
    Herzlichen Glückwunsch…
    Wir werden sehen wohin diese Runde wieder führt, Hamas hat als Reaktion auch rote Linien überschritten und die Raketen ausgepackt die nicht nur den dünnbesiedelten Süden, sondern auch Tel Aviv und Jerusalem erreichen können und bedrohen nun am Ende das ganze Land. Wirklichen Frieden wollen weder Hamas noch die israelische Regierung, denn sonst müssten sich beide Seiten innenpolitischen und sozialen Problemen stellen und könnten nicht billig die Aufmerksamkeit auf den äußeren Feind richten. Die Dummen bei der Aktion sind die Fatah und die Palästinenser im Westjordanland. Die probieren es nicht mit Raketen, sondern politisch über die Anerkennung durch die UN. Für den Fall hat Israel bereits mit Annektion, Aufkündigung der Friedensverträge und Sturz von Abbas gedroht.
    Ist doch schön zu sehen, dass da unten alle an einem Strang ziehen wenn es darum geht Frieden oder zumindest ein halbwegs geregeltes miteinander auskommen so unwahrscheinlich wie möglich zu machen.

  • mjb4 said:

    @Redaktion

    Das Facebook Bild eines Antifaschisten wurde hier schon in diversen Artikeln gepostet, es mangelt doch wirklich nicht an anderen antiisraelischen Profilbildern von Antifas bei Facebook. Vielleicht ist es also mal an der Zeit das Bild gegen ein anderes auszutauschen.
    Ansonsten ein guter Artikel!

  • Horst said:

    All denen, die einerseits in den vergangenen Jahren geschwiegen haben, als Islamisten aus dem Gazastreifen zig-tausendfach Mordversuche und Morde durch Abschuß von Raketen und Granaten gen israelische Zivilisten begingen, …
    all denen, die andererseits jetzt israelische Soldaten oder gar Israel als Kollektiv des Mordes bezichtigen, …
    all denen sei die Facebook-Seite der JN “Israel.mordet” (facebook.com/Israelmordet) empfohlen.

    Andererseits wäre es auch möglich, sich zuerst Wissen über den “neuen” Antisemitismus im 21. Jahrhundert anzueignen (z.B. durch: “Judenfeindschaften – Alte Vorurteile und moderner Antisemitismus”, in FES-Studie “Die Mitte im Umbruch”, Seite 68ff. http://www.fes-gegen-rechtsextremismus.de/pdf_12/mitte-im-umbruch_www.pdf ) …
    und danach zu Schweigen.

  • Walter said:

    ULRICH SAHM – Redebeitrag auf der Solidaritätskundgebung in Berlin: Raketen auf Zur Bacher (es gilt das gesprochene Wort)
    Was wird Israel vorgeworfen?
    Durch Tötung von Ahmad Jabari, dem „liebevollen Familienvater“, laut ZDF, habe Israel die Krise ausgelöst. Ich verstehe, tausende Raketen, eine Million Menschen von Beer Schewa bis Aschkelon monatelang in Luftschutzkellern, Kinder gehen nicht zur Schule und Volltreffer, bei denen es nur durch Wunder kaum Opfer gibt, das ist legitim und kein Grund zum Gegenschlag, um diesen Spuk zu beenden.
    Welchen Teufel reitet die Hamas ausgerechnet jetzt, alle rote Linien zu überschreiten und sogar Tel Aviv und Jerusalem zu beschießen. Das war ein souveräner Beschluss der Hamas, stolz verkündet, also Absicht. Hamas weiß genau, dass Israel das nicht hinnehmen kann. Jetzt werden 70.000 Reservisten eingezogen und die Panzer stehen bereit. Ich komme notgedrungen zu dem Schluss, dass die Hamas Israel derart provoziert, um die Offensive zu erzwingen. Glauben die wirklich, in einem Bodenkrieg gegen Israel siegen zu können. Ganz zynisch wünsche ich der Hamas viel Erfolg.
    Ich möchte daran erinnern, dass Schimon Peres wegen Selbstmordattentaten und Krieg im Libanon, dem Kana Debakel, die Wahlen gegen Netanjahu 1996 verloren hat. Olmert und dann Zipi Livni haben verloren, auch wegen dem Libanonkrieg 2006 und dem Gazakrieg 2008/2009. Netanjahu zu unterstellen, jetzt wegen Wahlkampf seine Soldaten in den Tod schicken zu wollen, ist blinde Gehässigkeit. Wegen der Hamas-Provokationen ist eine Offensive jetzt in Israel Konsens und gewiss keine Wahlkampftaktik. Israelische Tote, viele tote Soldaten könnten Netanjahu beim Wahlkampf eher schaden denn nützen.
    Die El Aksa Intifada ab 2000 hat den Palästinensern menschlich, wirtschaftlich und politisch mehr geschadet denn genutzt. Sie endete für sie schlimmer als für die Israelis mit Mauer, Zaun, 8000 Toten, kaputter Wirtschaft und weiteren fatalen Folgen. Damals redeten Forscher von einer suizidalen Gesellschaft . Will die Hamas den Krieg? Hat sie eine echte Chance, einen Krieg zu gewinnen? Oder rennt sie blindlings in den Tod, besoffen von der Ideologie, die Zionisten schlagen zu können. Ich mache mir Sorgen um die Palästinenser, und weniger um Israel. Möglichst viele tote Israelis ist der Maßstab für Erfolg der Hamas bei ihren Angriffen und bei Selbstmorattentaten. Da scheint die israelische Armee nicht sehr effektiv zu sein, bei 800 Luftangriffen lediglich 30 Palästinenser getötet zu haben. Die syrische Armee mit 40.000 Toten ist da viel erfolgreicher.
    Israel könnte die Stabilität im Nahen Osten gefährden, heißt es. Stabilität in Syrien mit fast 40.000 Toten und 400.000 Flüchtlingen, Autobomben in Bagdad, Aufrufe zum Umsturz in Jordanien, Terror und Chaos im Sinai, Demonstrationen in Kairo, ein ermordeter US Botschafter in Libyen. Jemen, Libanon, Grenze zur Türkei, wo bitte herrscht Stabilität? Stabilität ist wohl nur, wenn Juden sich ohne Gegenwehr mit Raketen terrorisieren und am besten auch gleich abschlachten lassen.
    Ich liebe das Wort Gewaltspirale. Wenn laut einer israelischen Zählung seit Mittwoch 550 Raketen auf Israel abgeschossen worden sind, im Durchschnitt 10 pro Stunde oder eine alle sechs Minuten, dann spricht man nicht von Gewalt. Wenn aber Israel reagiert, dann redet jeder von Eskalation und warnt vor der Gewaltspirale.
    Verhältnismäßigkeit der Mittel: 12.000 Raketen sind verhältnismäßig. Wer setzt da die Maßstäbe? Wenn ganz viele Israelis und Soldaten durch Raketen oder bei einer Offensive sterben, dann wäre wohl die Verhältnismäßigkeit gerettet. Mögen also die Israelis ihre Luftschutzkeller, die Stahlkappensysteme und ihre Panzer abschaffen, alles zum Wohle der Verhältnismäßigkeit. Die Juden haben ihre Lehre aus Auschwitz gezogen, sich wegen romantischer Vorstellungen über Verhältnismäßigkeit, Völkerrecht oder auch Menschenrechte nicht mehr abschlachten zu lassen, zumal diese internationalen Konventionen in der Regel für Juden oder heute für Israel offenbar keine Gültigkeit haben.

  • Die Situation in Israel « PeRouSaLeM. said:

    [...] warum Israel nicht mit der Hamas verhandeln kann. Genosse Grigat erklärt ähnliches im Standard. Die Publikative berichtet über Antisemit*innen. Welche Seite sich an die Waffenruhe hält und wer nicht steht in der Welt. Was macht eigentlich [...]

  • Horst said:

    Wie Recht die FES-Studie bezüglich des linken Antisemitismus hat (S. 81f.), zeigte sich heute eindrucksvoll auf der Pro-Hamas-Demo in Berlin.

    Geht es gegen Israel, haben Linke kein Problem zusammen mit schariabefürwortende Islamisten auf die Straße zu gehen. Bei den antiisraelischen Protesten Anfang 2009 war es genauso.
    “Support Gaza Demo Berlin”, 18.11.2012:
    http://www.flickr.com/photos/boeseraltermannberlin/8195664479/

    Auch Nazisparolen (kollektive Schuldzuweisung gegen Israel) werden widerspruchslos hingenommen.
    JN-Facebookseite:
    sphotos-a.ak.fbcdn.net/hphotos-ak-ash3/552387_542143112478519_864598474_n.jpg
    “Support Gaza Demo Berlin”, 18.11.2012:
    http://www.flickr.com/photos/boeseraltermannberlin/8196755956/

  • Horst said:

    Von der Partei DIE LINKE ist Wolfgang Gehrcke, Mitglied im Vorstand der Bundestagsfraktion, derzeit der einzigste, der sich zu Wort meldet.

    Vor allem die ersten zwei Sätze seiner Stellungnahme, muss man sich auf der Zunge zergehen lassen:
    “Die israelischen Luftangriffe, der Aufmarsch der israelischen Armee und Marine sowie die Abriegelung des Gaza-Streifens müssen beendet werden. Und israelisches Gebiet darf nicht weiter von Gaza aus beschossen werden”.

    Glaubt man Gehrckes Ausführungen ist die israelische Regierung einzig und allein für die jetzige Eskalation verantwortlich.

    waehlt-gehrcke.de/index.php?option=com_content&view=article&id=952

  • Publikative.org » Blog Archive » An all die Mahner, Kopfschuettler, Abwiegler said:

    [...] auch: (Israelische) Soldaten sind Mörder! Tweet    Der eine steht allein und froestelt in der Nacht. Der andere sitzt im [...]

  • genervt said:

    @neuer Leser:
    Leider habe ich wohl vergessen, meinen nickname anzugehen; von Ihnen zu erwarten, dass Sie dennoch davon ausgehen, dass ich diesen Kommentar geschrieben habe, war wohl zu viel verlangt…ich wünschte, ich könnte behaupten, dass mich das überrascht hätte.

    Ihre Anmerkungen wiederum sind ein so erbärmlicher Versuch, vom eigentlichen Punkt abzulenken, um Fakten (Völkerrecht) durch Ideologie zu ersetzen, dass ich sie nur eines einzigen Kommentares würdige, nämlich den, dass sie erbärmlich sind.
    Vielleicht sollte ich ja Ihren Namen in den Wikipedia-Eintrag zum Hitler-Putsch und zur Gründung der SA einfügen, vielleicht halten Sie sich selbst dann ja auch für einen Nazi der ersten Stunde… *lol*
    Erbärmlich.

  • IB Online (3/11). Eine kleine Netzschau « Bretterblog said:

    [...] es ein paar grundlegende Fragen und Antworten zu dem Konflikt). Während einige deutsche Medien durchaus einseitig berichten, gibt es Kritik an diesem Krieg, der auch über Twitter ausgefochten wird (einen Kommentar dazu [...]

  • Dadanopan said:

    Danke für diesen Artikel Herr Gensing.

  • Gülle, wohin man sieht | S1R said:

    [...] anzuschreiben ist aussichtslos, die Kräfteverhältnisse sind erdrückend. So bleibt einem nur die Dokumentation des Wahnsinns und die bittere Feststellung, dass mit größer werdendem Abstand zur Shoah die [...]

  • Publikative.org » Blog Archive » Augsteins Israelkritik: Eine Frage der Obsession said:

    [...] auch: Die Linke und das “Verbrechen im Namen des Holocaust”, (Israelische) Soldaten sind Mörder!, Augstein, Pirker und die “Cui bono?”-Frage, Michael Lüders und “die reichen New Yorker [...]

  • Publikative.org » Blog Archive » Antisemiten, das sind die anderen said:

    [...] Israelkritik: Eine Frage der Obsession, Die Linke und das “Verbrechen im Namen des Holocaust”,(Israelische) Soldaten sind Mörder!, Augstein, Pirker und die “Cui bono?”-Frage, Michael Lüders und “die reichen New Yorker [...]