21 Kommentare

  1. Als Polizist verkleideter Clown

    “Warum in aller Welt soll das von Jacobsen Geschilderte eigentlich kein Rassismus sein?!”

    Weil man dann “Geister sehen” würde. Und Geister sehen ist Sache der Polizei, nicht irgendwelcher dahergelaufener “Polizeiwissenschaftler” (wo kann man denn Polizeiwissenschaften studieren, am Rande bemerkt?) oder daherschreibender Journis nach Feierband.

  2. “Klischees” sind nichts anderes als Muster, die auch auf Erfahrung oder empirischen Daten beruhen können. Man kann sie nicht abschaffen, sondern sich ihrer nur bewußt werden und erkennen, daß es zutreffende und unzutreffende Muster gibt.
    Im Grenzgebiet zu den Niederlanden kontrolliert die Polizei verstärkt junge männliche ethnisch deutsche Personen, die in Gruppen in Fahrzeugen mit auswärtigen Kennzeichen unterwegs sind. Grundlage dafür sind Erkenntnisse, daß es größtenteils diese Gruppe ist, die illegale Drogen in den Niederlanden einkauft. Es wäre irrational, wenn die Polizei ihre knappen Ressourcen (abgesehen von Stichproben oder gezielter Fahndung) in diesem Zusammenhang anders einsetzen würde. Von den Betroffenen wird dies in der Regel akzeptiert, und Diskriminierungsvorwürfe gab es bislang keine.
    Warum kann an bestimmte Migrantengruppen nicht der gleiche Maßstab angelegt werden wie an Deutsche? Warum verurteilt man die Polizei moralisch wenn diese ihre Pflicht tut und dabei der Allgemeinheit dient, anstatt etwas gegen die aus der Statistik erkennbaren Kriminalitätsschwerpunkte zu unternehmen?
    Man sollte diese Schwerpunktsetzung von realer Diskriminierung im Sinne ungerechtfertigter Benachteiligung unterscheiden, für die Frau Jacobsen ja ebenfalls Beispiele nennt, und nicht beides miteinander vermischen. Man kann m.E. sowohl von Migranten ebenso wie von den erwähten deutschen Jugendlichen verlangen, daß sie auf Routinekontrollen durch die Polizei nicht mit Nazi-Vorhaltungen reagieren. Wer sich an diesen Kontrollen stört, sollte nicht die Polizei beschuldigen, sondern etwas gegen die Situation tun, die diese Kontrollen leider erforderlich macht.

  3. Angst essen Seele auf

    “ethnisch deutsche Personen”; was soll das sein? Damit ist auch alles zu dem Thema gesagt, was notwendig ist, um die Probleme zu sehen.

  4. @die “Ernstfall”-Identitären…

    Es entbehrt nicht einer gewissen “Komik”, dass nun ausgerechnet ihr hier antanzt um auf Differenzierungen zu pochen. – Also Erstens können Klischees (im Kontext der vorliegenden Debatte) durchaus und ausschließlich aus rassistischen Dünkel erwachsen: und zwar durch eine ständige Dämonisierung der Zielgruppe (egal welcher Hautfarbe, Herkunft, Sprache etc.) durch den Verweis auf die Verfehlung oder Straftat des Einzelnen unter Rückschluss auf die Gruppe. – Und diese Dämonisierung muss natürlich nicht zwangsläufig von der Polizei erfolgen, sondern kann durchaus auch seitens “der” Medien (vorwiegend Boulevard) oder von Leuten wie euch betrieben werden… wobei ein Blick in eure Website ausreicht.

    Allein euer “Hinweis” auf die Kontrollen seitens der Polizei im Grenzgebiet zu den Niederlanden ist nahezu grotesk und vollkommen unbrauchbar im Rahmen des Themas, ebenso wie eure Umschreibung des potenziellen oder gemutmaßten Dealer oder “Wochenend-Kiffer”, der sich sein “Tütchen” aus Holland holt. – Ihr schreibt` verkrampft zu diesem, von euch als Hauptzielgruppe für die Polizei zugeordneten, Klientel, dass es “junge männliche ethnisch deutsche Personen” seien, die quasi klaglos die Kontrollen über sich ergehen lassen würden. – Warum so verkrampft in der Ausdrucksweise..!? – Ihr meint weiße Jugendgruppen bzw. Einzelpersonen, die rausgezogen und überprüft werden. Nun weiß` aber Jeder, dass gerade dort keine Unterschiede gemacht werden, soll` heißen: es werden auch Personen buchstäblich aus dem laufenden Verkehr gezogen, die keine “jungen männlichen ethnischen Deutschen” sind. – So zu tun, als Beweise sich im Niederländischen Grenzgebiet der Stoizismus “junger männlicher ethnisch-deutscher Personen” gegenüber den Kontrollen der Polizei (offenbar entgegen den “Nazivorwürfen” durch “Migranten”), ist einfach nur dämlich – wenn nicht berechnend, zumal “der Schmuggler” weit über das durch euch benannte Klientel hinausgeht.

    Über eure Konstruktion des vorgeblich “stoischen” “ethnischen Deutschen” erfolgt sofort: “Warum kann an bestimmte Migrantengruppen nicht der gleiche Maßstab angelegt werden wie an Deutsche?”. – Da kann ich nur schreiben, dass der/die ggf. aus dem Verkehr gewunkene Farbige, oder von mir besser im englischen als “colored people” bezeichnet (ob` nun mit oder ohne „Tütchen“) keine „Migranten-Gruppe“ darstellt, ebenso wenig wie der „ethnische Deutsche“ (ob` mit oder ohne „Tütchen“) eine bestimmte Spezie darstellen würde, der kollektiv das Kiffen etc. zu eigen sei, da eben das von euch gezeichnete Bild vom vorgeblichen „Stammkunden“ bei der Polizei im Niederländischen Grenzgebiet falsch und ein Klischee ist – das ihr ja selbst ausgeschlossen haben wolltet…

    Ohne dass auch nur ansatzweise der obige Artikel Grundlagen für euch bietet, findet ihr über den Weg eures Konstrukts Vorwürfe, die Niemand erhoben hat: „ Warum verurteilt man die Polizei moralisch wenn diese ihre Pflicht tut und dabei der Allgemeinheit dient, anstatt etwas gegen die aus der Statistik erkennbaren Kriminalitätsschwerpunkte zu unternehmen?“. Erstens wird etwas unternommen – von euch ja selbst dargelegt, und Zweitens enthebt euer angeführtes „Beispiel“ ja wohl nicht im Geringsten die aufgeworfene Problematik im Artikel, der sich ja seinerseits nicht an einer, wie ihr schreibt: „Schwerpunktsetzung“ erigiert.

    Ihr schreibt` nicht nur Scheiße – was eurer Truppe eh` zu eigen ist -, sondern ihr marschiert darüber hinaus meilenweit mit dieser angeführten Scheiße am eigentlichen Thema vorbei. – Und euch als „Polizeiversteher“ zu deklarieren, wird dort sicherlich mit großer „Freude“ aufgenommen werden… die schreien förmlich gerade nach eurem Zuspruch, u.A. aus den französischen Wäldern und durch Richtlinien/Empfehlungen wie dieser hier: http://ernstfall.org/2012/11/13/identitare-bewegung-gotz-kubitscheks-handlungsempfehlungen/

    …Ehrlich geschrieben bleibt` mir letztendlich unklar, WAS ihr hier eigentlich wollt; eure Konstrukte, Aufrufe und Vernetzungen sprechen eurer aufgesetzten, polizeifreundlichen Pseudo-Seriosität Hohn…

  5. nicht-polizistin

    Man mag den Vorwurf bringen, dass der Begriff Rassismus für diese Praxis nicht verwendet wird. Ob das das beschriebene Phänomen weniger skandalös macht, sei dahingestellt. Immerhin benennt die Wissenschaftlerin ganz deutlich, dass die rassistische Diskriminierung der deutschen Mehrheitsgesellschaft sich in der Polizeipraxis schlicht mit anderen, nämlich sichtbar drastischen Mitteln fortsetzt. Beziehungsweise, dass diese Polizeipraxis im Einvernehmen mit großen Teilen der Gesellschaft Basis für die Aufrechterhaltung entsprechend rassistischer Diskriminierungen auf struktureller Ebene entscheidend beiträgt, wodurch sich die privilegierten Teile der Gesellschaft die Hände nicht schmutzig zu machen brauchen, um im Fahrwasser einer rassistisch strukturierten Gesellschaft aufzugehen (und sich dabei möglicherweise selbst als “nicht rassistisch” oder “antirassistisch” wahrnimmt). Nur ein Gedanke.

  6. @Axel Mylius
    “Ihr schreibt` nicht nur Scheiße – was eurer Truppe eh` zu eigen ist ..”

    Ihre Diskussionskultur möchte ich nicht weiter kommentieren, aber eine inhaltliche Widerlegung meiner Erklärung, daß die von Polizisten verwendeten Muster bei der Suche nach Straftätern meist nicht Ausdruck von “Rassismus” sind, sondern auf Erfahrung und empirischen Daten beruhen, hätte mich schon interessiert. Glauben Sie denn, daß Straftaten in der Bevölkerung statistisch gleichverteilt sind? Nur dann würde es Sinn machen, auf solche Muster zu verzichten.

  7. münchhausen

    @Ernstfall:

    Die Legende der Herkunft als ausschlaggebender Grund für kriminelles Verhalten ist in der Kriminologie / Soziologie / Sozialpädagogik schon eher ein alter Hut und verstaubt in der Rumpelkammer der Geschichte neben der Schädelkunde und Astrologie.

    Als kriminogene Faktoren werden angesehen:

    individuelle Faktoren wie Störung der Impulsivkontrolle und des Sozialverhaltens, Drogen- und Suchteinfluss

    familiäre Faktoren wie häusliche Gewalt, verweigerung von Anerkennung, Armut, Bildungsferne, delinquente Geschwister

    schulische / berufliche Faktoren wie Arbeitslosigkeit, Versagensängste, berufliche Perspektivlosigkeit

    soziale Faktoren wie Ghettoisierung, delinquente peer-group, verweigerte Anerkennung, Geschlechter- / Männlichkeitsvorstellung (Tatsächlich gibt es ForscherInnen, die gerade die ‘Machokultur’ als wichtigen Faktor betrachten – gleichzeitig aber darauf hinweisen, das ‘Machokultur’ ein globales, nicht kulturell determiniertes Phänomen ist)

    Diese Faktoren können sich gegenseitig durchaus begünstigen. Erst in ihrer Zusammenwirkung entscheidet sich das kriminelle Potential einer Person.

    Nehmen wir also das Beispiele der ‘person of color':
    Nur aufgrund seiner Hautfarbe muss eine Person nicht gleichzeitig aus einem zerütteten Familienhaus kommen, ohne Schulabschluss und mit Drogenvergangenheit sein – er muss noch nicht einmal einen anderen soziokulturellen Hintergrund haben, sondern kann ebenso gebürtiger Deutscher aus einem kleinbürgerlichen Haushalt sein. Aber alleine aufgrund der Hautfarbe wird die Polizeikontrolle durchgeführt, weil die anderen Faktoren nun mal nicht so augenscheinlich sind.
    Dabei greifen beim kontrollierenden Polizisten zwei gedankliche Kurzschlüsse ineinander: 1. Alle vier kriminogene Faktoren mit ihren jeweils unterschiedlichen Phänomenen werden ingoriert und kriminelles Potential wird auf eine Ursache reduziert. 2 andere Hautfarbe => nicht ‘deutsch’ => andere Kultur => potentiell krimineller

    Zur angeblichen Empirie bzw. der Statistik hilft der Blick in die Fachliteratur:

    Pfeiffer, Christian: Das Problem der so genannten “Ausländerkriminalität”. Empirische Befunde, Interpretationsangebote und (kriminal-)politische Folgerungen, KFN-Forschungsberichte, Hannover 1995.

    Susanne Spindler: Corpus delicti. Männlichkeit, Rassismus und Kriminalisierung im Alltag jugendlicher Migranten, Münster 2006

    Sry, nichts für ungut, aber auf die Empirie/Statistik-Diskussion hab ich echt keinen Bock, diese Schlacht hab ich schon zu oft geschlagen Und sie läuft immer nach nach zwei Mustern: Entweder wird der Stand der Forschung geleugnet und ignoriert oder die ernsthafte Forschung soll durch blogs und Bücher populärwissenschaftlicher, fachfremder Autoren (das böse S-Wort) widerlegt werden, die
    1. die Forschung als “mainstream” und “politisch motiviert” diffamieren (die Bedingungen statistischer Korrelation ist aber nunmal kein politisches Kampfmittel)
    2. Kontroversen behaupten, die es eigentlich gar nicht gibt, ähnlich wie beim Klimawandel.
    3. einfach auf einer derart unterkomplexen Ebene diskutieren, die sich auf den ersten Blick vielleicht pausibel anhört, aber ansonsten nicht viel mit der Wirklichkeit gemein hat.

  8. @Ernstfall

    Es war gar nicht mein Anliegen, Etwas widerlegen zu wollen, das nicht widerlegbar ist: Ich möchte es schwer hoffen und kann wohl davon ausgehen, dass die Polizei bei ihrer Klärung von Straftaten nach Mustern sucht, um durch Abgleichungen den Täter einzugrenzen. – Dies funktioniert selbstverständlich nur, wenn bereits Erfahrungswerte durch die Erkenntnisse bei gleichgearteten und aufgeklärten Straftaten vorliegen, wobei erst DANN der von euch angeführte Empirismus (im philosophischen Sinne/“empiricus“ – „Folge der Erfahrung“) zur Anwendung kommt, insbesondere bei Straftaten mit einem immer wiederkehrenden und gleichen Muster. Das ist aber nicht Gegenstand des Artikels gewesen, sondern dieser bezog sich und wie ich ihn verstanden habe – und um bei dem Begriff zu bleiben -, auf jenen pervertierten „Empirismus“ bei der Polizei, dessen „Erfahrung“ offenbar darin besteht, dass ein Farbiger auf einer Polizeidienststelle a priori ein Täter seien müsste…

    Und eure Echauffierung über „Diskussionskultur“ die gibt es umsonst: Als sog. „Identitäre“ in die Fußstapfen der „Unsterblichen“ treten und zur direkten Einschüchterungsaktion aufrufen – aber hier durch die Hintertür einbrechen und um intellektuelle Absolution für eure Art der „empirischen Erkenntnisgewinnung“ heischen wollen. – Wenn ihr gepflegt diskutieren wollt, dann könnt` ihr das mit Staatsanwälten tun, aber nicht mit mir. Vielleicht geben euch ja Polizei und Justiz die Absolution die ihr braucht`, um so wie in Frankreich und Österreich agieren zu können… ;)

  9. Polizeistatistiker

    @Ernstfall

    “eine inhaltliche Widerlegung meiner Erklärung, daß die von Polizisten verwendeten Muster bei der Suche nach Straftätern meist nicht Ausdruck von “Rassismus” sind, sondern auf Erfahrung und empirischen Daten beruhen, hätte mich schon interessiert.”

    Weder das die Statstiken so aussehen wie sie aussehen noch eine wie immer geartete (persönliche) Erfahrung (von Polizisten) können als triftiges Argument gegen den Rassismusvorwurf taugen, sie machen einen Gegensatz auf, der nicht funktioniert.
    Worauf beruht den die Polizeistatistik: Sie beruht darauf, was die Polizei so herausgefunden hat. Wären die “Dönermorde”[sic!] tatsächlich von “ausländischen” kriminellen Banden verübt worden, so wären die Ermittlungen mit weitaus höherer Wahrscheinlichkeit erfolreich gewesen, da ja fast ausschließlich in diese Richtung ermittelt wurde.

    Anderes Beispiel: Mal angenommen, Menschen unterschiedlicher Hautfarbe hätten im Durchschnitt gleichoft illegale Gegenstände bei sich. Nehmen wir jetzt an, eine Gruppe bestimmter Hautfarbe würde überproportional, also im Verhältnis zum Anteil an der Gesamtbevölkerung, häufig kontrolliert. Dann tauchte diese Gruppe eben auch in der Statistik in einer Überproportion auf.

    Noch ein Fakt ist die selektive Wahrnehmung, ein psychologisches Phänomen, bei dem nur bestimmte Aspekte der Umwelt wahrgenommen und andere ausgeblendet werden. Sie beruht auf der Fähigkeit, Muster zu erkennen, einem grundlegenden Mechanismus den wir alle, meistens, unbewusst durchführen, z.B. um neue Informationen in bereits vorhandene besser eingliedern zu können. So werden Argumente, die die eigene Position stützen, häufig stärker wahrgenommen als solche, die sie beschädigen. Ein Beispiel ist der sogenannte Vprführeffekt: Führt man in einem Zeitraum z.B. 20 verschiedene Dinge vor und denkt sich jedes mal: “das geht bestimmt schief”, wird man den Vorführeffekt als existent erachten, auch wenn es nur einmal schief geht (“Ich wusste es.”). Die anderen 19 Mal wird man nicht mehr daran denken, dass man den Vorführeffekt vorher heraufbeschworen hatte.

    “Glauben Sie denn, daß Straftaten in der Bevölkerung statistisch gleichverteilt sind?” Noch eine Problematik kommt dann zu den oben genannten verschärfend hinzu:
    Interessant ist es, wenn man z.B. die Statistiken nach Einkommensgruppen anschaut. Dann ergibt dies, das arme öfter straffällig werden (mit straffällig meine ich die Ermittlungserfolge, nicht unbedingt Straftaten). Bereinigt man sozusagen die Statistiken um diesen Faktor, so kommt heraus das “Ausländer” einer bestimmten Einkommensgruppe ähnlich haufig straffällig werden wie die “Biodeutschen” der selben Einkommensgruppe. Berücksichtigt man dies nicht und ließt die Statistik nur nach “ethnischen Zugehörigkeiten”, so schaut es dann so aus, als seien “die Ausländer an sich” öfters straffällig.

    Was sagt uns das aber über den Wert von Statistiken, die genau aus solchen Arbeitsweisen entstehen? Was sagt uns das über polizeiliche Erfahrung?

  10. Polizeistatistiker

    Einen von den Texten, die Münchhausen empfohlen hat, gibt es hier:

    Pfeiffer, Christian: Das Problem der so genannten “Ausländerkriminalität”. Empirische Befunde, Interpretationsangebote und (kriminal-)politische Folgerungen, KFN-Forschungsberichte, Hannover 1995.

    http://www.kfn.de/versions/kfn/assets/fb42.pdf

    Der Autor stellt dort fest, dass “Ausländer” keineswegs per se öfters Kriminell sind.

  11. [...] “Das Klischee vom Rassismus bei der Polizei” verlinkte Erbloggtes bei Twitter mit dem Kommentar “Rassismus heißt jetzt ‘an sichtbaren Merkmalen ethnischer Zugehörigkeit festgemachte Klischees’. Sonst ändert sich nix.” Der Autor Patrick Gensing und Erbloggtes sind offensichtlich der Ansicht, die Verwendung von “sichtbaren Merkmalen ethnischer Zugehörigkeit” bei der Polizeiarbeit sei bereits Rassismus. Das sehe ich nicht so, womit ich in ihren Augen vermutlich auch ein Rassist bin. Bei Rekurs auf sichtbare Merkmale geschlechtlicher Zugehörigkeit ist man für diese Leute sicher auch ein Sexist, außer wenn es um Frauenquoten geht, bei denen auf wundersame Weise umgekehrt die Ablehnung Sexismus beweist (siehe ‘Quotenfrauen in Gefängnissen?’). [...]

  12. Werner

    @münchhausen
    Sie weisen u.a. auf kulturelle Faktoren hin, scheinen aber gleichzeitig davon auszugehen, dass es keinen Zusammenhang zwischen Herkunft und kulturellen Faktoren gibt. Ich verweise in diesem Zusammenhang u.a. auf die Arbeiten von Geert Hofstede, der in global angelegten Studien das Gegenteil bewiesen hat: http://geert-hofstede.com/dimensions.html

    Wenn es “ForscherInnen” gibt, die “darauf hinweisen, das “Machokultur” ein globales, nicht kulturell determiniertes Phänomen” sei, dann ist dies so nicht haltbar, wobei man schon über den Begriff “Machokultur” streiten könnte.

    @Polizeistatistiker
    Ihre Ausführungen zum Thema Statistik sind ja richtig, aber daraus folgt doch nicht, das alle bei der Suche nach Straftätern angelegten Muster irrational sind, sondern eben nur (wie von “Ernstfall” dargestellt), dass es bessere und schlechtere Muster gibt. Anstatt die Muster abzuschaffen, sollte man sie daher verfeinern. In den USA hat dies zu einigen Erfolgen bei der Kriminalitätsbekämpfung geführt. Leider ist nur die militärische Version eines auch bei einigen Polizeieinheiten verwendeten entsprechenden Ausbildungsprogramms im Internet offen verfügbar, aber es wird deutlich, wie hier Mustererkennung vermittelt wird: http://info.publicintelligence.net/USJFCOM-CODIAC.pdf
    Herkunft kann durchaus legitiner Teil eines rationalen Musters sein, etwa bei Verstößen gegen das Aufenthaltsgesetz.

  13. münchhausen

    @Werner:

    natürlich gibt es einen Zusammenhang von Herkunft und kulturellen Wertvorstellungen – was anderes habe ich auch nie behauptet. Worauf ich aber hingewiesen habe: Kulturelle Wertvorstellungen sind nur ein Teilphänomen innerhalb Kategorie der sozialen Faktoren, die wiederrum in Wechselwirkung mit anderen Faktoren stehen (individuell, familiär, beruflich) und daher ist Herkunft alleine keine hinreichende Bedingung kriminellen Verhaltens. Die Herkunft kann dann individuell unterschiedlich durchaus einen stärkeren oder schwächeren Einfluss auf eine Person haben – es sind aber die anderen Faktoren, die mitbestimmen, welches Potential, welche kulturellen Paradigmen sich wie auswirken.

    Oder andersrum: Ein Polizeiraster, das mit der gleichen Logik operieren würde wie das racial profiling, müsste vermehrt Arbeitslose, Scheidungskinder und Paranoiker kontrollieren. Das kann man nur den meisten Leuten nicht so ansehen und deswegen kontrolliert man eben verstärkt people of colour.

    Zur Machokultur: Damit ist gemeint, dass eine wie auch immer konkret geartete Machokultur in nahezu jeder Kultur existiert und es daher kurzsichtig ist, sexistisches Verhalten dem Fremden zuschreiben zu wollen, das in der eigenen Gesellschaft angeblich nicht existiert.

    Als Beispiel zitiere ich Prof. Thomas Bauer, FR 04.10.2010:

    “Wieviel Westen steckt im modernen Islam? Der Kulturalismus führt in die eigenartige Zwickmühle, dass aus westlicher Sicht islamisches Denken und Handeln, wenn es gültigen westlichen Werten entspricht, nicht ur-islamisch sein kann. Dann ist der Islam einfach nicht fremd genug. [...]

    Ein drastisches Beispiel bietet der Umgang der islamischen Welt mit Homosexualität. Das klassische islamische Recht verbietet sexuellen Verkehr zwischen Männern. Die dafür angedrohten Strafen sind jedoch in über tausend Jahren kein einziges Mal angewandt worden. Stattdessen dichteten arabische Poeten – und sogar Religionsgelehrte – zwischen dem 9. und dem 19. Jahrhundert Hunderttausende homoerotischer Liebesgedichte, die einen bedeutenden Anteil der gehobenen und populären arabischen, persischen und osmanischen Literatur ausmachen. In den Jahrzehnten nach 1830 verschwinden homoerotische Gedichte plötzlich vollständig. Grund hierfür ist nicht der Islam, sondern die Übernahme westlicher, nämlich viktorianischer, Moralvorstellungen. Diese Sexualmoral ist bis heute in weiten Teilen der islamischen Welt fest verwurzelt. Das ist der Grund dafür, dass viele Muslime ein sehr zwiespältiges Verhältnis zu ihrer eigenen literarischen Tradition haben, die in ihren Augen von einer moralischen Dekadenz durchsetzt ist, die letztlich zum Niedergang des Islams führte.

    Das, was für heutige westliche Augen also ein Zeichen für Fortschritt und Modernität ist – nämlich ein gelassener Umgang mit mann-männlicher Erotik – war über ein ganzes Jahrtausend charakteristisch für die islamische Welt. Im 19. Jahrhundert übernahmen Muslime westliche Werte mit ihrer damals drastischen Verdammung homosexuellen Fühlens und Handelns und fingen an zu glauben, dass die scheinbar „lockere“ Moral ihrer Vorfahren dafür verantwortlich sei, dass die islamische Welt nicht mit der westlichen Moderne schritthalten konnte. Heute fordert die westliche Welt – durchaus zurecht – in der islamischen Welt Schwulenrechte ein und hält – durchaus zu Unrecht – die dortige Homophobie für typisch islamisch.”

  14. leser

    ah, Kommentare hier sind noch nicht zu, sehr gut.

    Also wie ist das, kann man einen Artikel von euch erwarten zu dem Folgenden?

    http://tinyurl.com/dy3qvk5

    Ich meine, dass der keine besseren Zeitungen als die BZ findet, bei der er um etwas Liebe und Wärme im Netz betteln kann, das … also ich spendiere ein halbes Taschentuch vor Mitleid. Aber deswegen gleich zu verzweifeln und als GdP- UND GdPol-Vorsitzende der Jungen Freiheit Interviews geben?

  15. münchhausen

    Und noch einmal aufs Neue: Die GdP sieht den Rassismusvorwurf eher als Diskurskeule und weniger als die Benennung existenter Probleme und schert sich derweil recht wenig um die Abwehrrechte der Bürger_innen: Wer nichts zu verbergen hat…

    http://www.taz.de/Polizeigewerkschafter-ueber-Rassismus/!107927/

    …dabei hat die Polizei selbst offenbar soviel zu verbergen, dass sich weiterhin alle Gewerkschaften gegen unabängige Untersuchungsorgane für Strafanzeigen gegen Polizeibeamte aussprechen.

  16. leser

    da oben hat jemand die Frage gestellt (der Clown, glaub ich) – “wo kann man denn Polizeiwissenschaften studieren, am Rande bemerkt?”)

    Ich glaube, da hat jemand gerade einen Pappenheimer entdeckt, der sich so vorstellt. Das heisst, -wissenschaften sollte der besser nicht drankleben, aber –

    – stellt euch vor, Cocktail-Party (sorry, aber das heißt in Krautisch übersetzt eine Schwanzschwanz-Party, verzeihung, wenn ich hier ein paar Leute desillusionieren muss, das heißt das Wort wörtlich wirklich, alternativ Schwanzschwanz-Partei) – stellt euch also vor Cocktail-Party und ein Schwanz stellt sich dem anderen vor:

    “ich habe Polizei studiert, und Sie?”

    hier ist der Pappenheimer:

    http://tinyurl.com/c8gp3ap

    Marco Schulz

  17. leser

    ah, sind noch offen, die kommentare auf dieser seite.

    es gibt nämlich einen aktuellen veranstaltungshinweis.

    am 19.1. findet wohl eine benefiz-kunstauktion (u.a. streetart) zugunsten der Oury-Jalloh-Kampagne statt. steht zumindest hier: http://tinyurl.com/abt42lm

Kommentarfunktion geschlossen.