10 Kommentare

  1. Istvan K.G. Hamar schreibt:

    11. Dezember 2012 at 14:58

    Ich habe den Artikel bis diesem Satz gelesen:
    “…der die Minderheiten in Ungarn aus dem Nationenverständnis exkludiert.”
    Die Wahrheit ist der Gegenteil. In der Präambel (Nationales Bekenntnis) steht wörtlich:
    “Die mit uns zusammenlebenden Nationalitäten sind staatsbildender Teil der ungarischen politischen Gemeinschaft.”
    “Wir verpflichten uns, unser Erbe, unsere einzigartige Sprache, die ungarische Kultur, die Sprache und Kultur der in Ungarn lebenden Nationalitäten, die durch den Menschen geschaffenen und von der Natur gegebenen Werte des Karpatenbeckens zu pflegen und zu bewahren.”

    Hier kann man die Übersetzung herunterladen:
    http://www.kormany.hu/download/7/81/40000/Grundgesetz%20Ungarns%202011.pdf#!DocumentBrowse

    Ich erwarte ausdrücklich, dass dieser Artikel korrigiert wird.
    Mfg.
    I. Hamar

  2. gallendieter schreibt:

    11. Dezember 2012 at 17:11

    Also Leerstellen ist das eine. Das andere ist, dass es einfach keine Öffentlichkeit gibt, die sich für die Probleme in Ungarn interessiert.

    Falls Sie die Verfassrin des unten genannten Artikels nicht kennen Herr Salzborn würde ich Ihnen empfehlen Kontakt mit ihr aufzunehmen.
    Die von Ihnen geforderte Analyse der Situation hat sie zahlreiche Ausarbeitungen und Artikel geschrieben und arbeitet schon seit Jahren intensiv zu dem Thema.

    http://jungle-world.com/artikel/2012/24/45628.html

    Auch interessant dieser Blog:
    http://pusztaranger.wordpress.com/

    Auch die FES hat dazu eine Analyse veröffentlicht:
    http://www.fesbp.hu/common/pdf/DE_PS_szelsojobboldal_Magyarorszagon.pdf

    Was ich auch an der Stelle berichtenswert finde und was leider bei Ihrem Artikel untergeht, dass nicht nur ein Problem die Ignoranz ist,
    sondern dass es hier auch Wissenschaftler gibt, die das verharmlosen oder verschweigen. Allen voran die HSS mit ihren Publikationen.

    Im Quartalsbericht der Hans Seidel Stiftung
    http://www.hss.de/fileadmin/media/downloads/QB/Ungarn_QB_2012_III.pdf
    Der Bericht der Auslieferung des Aserbaidschaners ist einfach unfassbar: “Armenien unterstellte daraufhin Ungarn, dass es aus wirtschaftlichen Gründen einer Auslieferung zustimmte und über Leichen gehe. In den Medien spekulierte man über Vorzugslieferungen von Gas und Öl oder den Ankauf von ungarischen Staatsanleihen. Aber selbst wenn dies vereinbart worden wäre, so käme es jetzt durch die Öffentlichkeit ans Licht und wäre obsolet.”

    Naja und die Kritik die Probleme in Ungarn zu ignorieren geht nicht nur an die Wissenschaft, sondern an alle AntifaschistInnen.
    http://pusztaranger.wordpress.com/2012/10/06/viktor-orbans-blut-und-boden-rede-dokumentation-und-kommentar/

    Wenn eine europäische Ministerpräsident wieder von “Blut und Boden” redet sollten eigentlich bei allen die Alarmglocken laut läuten.

  3. Spinoza schreibt:

    12. Dezember 2012 at 20:06

    *gefolgt von der Streichung des Zusatzes „Republik“ aus der offiziellen Staatsbezeichnung*
    Na und?
    Da kann ich ganz unwissenschaftlich darauf antworten:
    Namen sind Schall und Rauch.
    Die EX-DDR hatte in ihrem offiziellen Namen “Republik”
    und was hat das gebracht?
    Demokratie?
    Meinungsfreiheit?

    Der Name unseres VATERLANDES ist Ungarn.

    (1) Ungarn ist ein unabhängiger, demokratischer Rechtsstaat.
    (2) Die Staatsform Ungarns ist die Republik.
    etcpp….
    und Meinungsfreiheit ?
    Tja, wessen Meinung und wessen Freiheit?
    Ich möchte nur hoffen, dass mir die Zukunft einer (Meinungs)Freiheit
    ala Pusztaranger und Marsovszky erpart bleibt.

  4. Peter Koroly schreibt:

    13. Dezember 2012 at 09:18

    Gibt es noch ein Land in der EU, in dem die Einwohner registriert sind und dessen Parlament trotzdem ein Gesetz beschließt, dass jeder Staatsbürger, der wählen möchte, dies spätestens 15 Tage vor der Wahl bekanntgeben muß?
    Der Staatspräsident hat dieses Gesetz nicht gegengezeichnet und das Verfassungsgericht wird entscheiden. Offensichtlich möchte die Regierungskoalition die Rechte der Bürger damit einschränken, denn eine hohe Wahlbeteiligung könnte bedeutet, dass diese “schlechteste aller Regierungen seit der Wende” gehen müßte

    Gibt es noch in der EU einen Regierungschef, der behauptet “die Juden” zu verteidigen und gleichzeitig dick mit einem der führenden antisemitischen Lohnschreiber befreundet ist?
    Viktor Orbán bringt das Kunststück fertig “Die Ungarn” den “Juden” gegenüberzustellen und ist weiterhin befreundet mit Fäkalantisemit Zsolt Bayer
    http://diepresse.com/home/meinung/gastkommentar/627995/Der-geehrte-FaekalAntisemit

    Gibt es in der EU noch einen Regierungschef der völkische Reden hält über einen mythischen Vogel, in dessen Bauch seine Staatsbürger angeblich hineingeboren wurden?

    Viktor Orbán hat genau dies Anfang Oktober 2012 getan
    http://derstandard.at/1348284885395/Umstrittene-Blut-und-Boden-
    Rede-Orbans

    http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/victor-orban-in-berlin-der-mann-mit-dem-zweidrittelhammer-11921204.html

    Die Analyse der Friedrich Ebert Stiftung beschränkt sich auf Jobbik. Völkische Töne hört man aber auch aus der Regierungskoalition Fidesz-KDNP
    und diese hat auch einen wesentlichen Beitrag zur Erstarkung dieser Nazipartei Jobbik geleistet.

    Die Forderung von Prof. Samuel Salzborn ist richtig, diese gefährliche Tendenz in Ost-Mitteleuropa wissenschaftlich zu untersuchen. Dies sollte die Friedrich Ebert Stiftung mit der Heinrich Böll Stiftung gemeinsam tun. Denn die CDU nahen Stiftungen sind zu einer kritischen Untersuchung der ungarischen Zustände nicht geeignet, solange die Volksparteien zuschauen, wie die Demokratie in Ungarn liquidiert wird.

  5. gallendieter schreibt:

    13. Dezember 2012 at 12:14

    @ Istvan K.G. Hamar

    Sie Blitzmerker: Welche Nationalität haben den Sinti und Roma bitte und welche Nationalität haben Juden?

    Diese Minderheiten werden aus dem Nationenverständnis exkludiert, weil sie sich nicht zugehörig irgendeiner Nation, die nach dem von ihnen zitierten Gesetz definiert ist, fühlen bzw. auch von anderen nicht einer Nation im Sinne des von Ihnen zitierten Gesetzes zugeordnet werden.

  6. Peter Koroly schreibt:

    13. Dezember 2012 at 18:34

    QgallendieterQ, wer die Nation ethnisch definiert, der exkludiert, wer wie es in modernen Demokratien üblich ist, die Nation nach der Sprache und der Kultur definiert, der intetgriert.
    In Ungarn hat die ethnische Definition eine Geschichte. Nach 1938 – also noch vor der deutschen Besatzung – wurden ungarische Staatsbürger, die man plötzlich als Juden wahrnahm gesetzlich diskriminiert. Nach der deutschen Besatzung wurden diese ungarischen Staatsbürger zuerst markiert, dann ausgeraubt, in Ghettos gesperrt und schlußendlich deportiert. Die wenigsten kehrten zurück.
    Nach ihrer völkischen Definition sind Juden und Roma keine Ungarn. Die Roma auch dann wenn sie ungarisch sprechen und Katholiken sind.
    Es ist absurd, wenn ungarische Nationalisten einerseits sich darüber beschweren, dass die Anzahl der Ungarn in den Nachbarländern zurückgeht, andererseits wenn die gleichen Leute eine Horthynostalgie entfachen und sich nicht daran erinnern wollen, dass es die von Horthy eingesetzte Regierung war, die dafür verantwortlich ist, dass soviele Ungarn, deren Muttersprache Ungarisch war, die im ersten Weltkrieg im ungarischen Heer dienten, in die Vernichtungslager deportiert wurden.

  7. schreibt:

    14. Dezember 2012 at 04:30

    Hungarian professor highlights emerging radical groups
    RU Daily Targum-2012.12.04.
    György Csepeli, a professor in the Department of Social Psychology at the Institute of Sociology at Eötvös Loránd University in Budapest, …

  8. gallendieter schreibt:

    14. Dezember 2012 at 09:57

    @ Peter Koroly

    Das war eine offene Frage.

    Ich habe sicherliche keine völkische Definition.
    Ich kann insgesamt mit dem Begriff wenig anfangen.

    Die Frage ist ob dieses Gesetz nicht eine völkische Definition vorgibt und damit natürlich Juden sowie Sinti und Roma exkludiert.

    Wikipedia schreibt dazu:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Grundgesetz_Ungarns
    Die in Ungarn lebenden ethnischen Minderheiten werden zwar als „staatsbildender Teil der ungarischen politischen Gemeinschaft“, nicht jedoch als Bestandteil der „ungarischen Nation“ charakterisiert. Letztere verpflichte sich, „unser [= der ungarischen Nation] Erbe, unsere einzigartige Sprache, die ungarische Kultur, die Sprache und Kultur der in Ungarn lebenden Nationalitäten“ zu bewahren. Die Formulierung differenziert zwischen einer auf „ungarische[r] Kultur“ und Sprache begründeten ungarischen Nation und davon separaten „in Ungarn lebenden Nationalitäten“.

    Mein Verständnis und da stehe ich nicht alleine da ist, dass die ungarische Verfassung, wie Herr Salzborn schreibt, exkludiert.

    Weshalb sind sie der Meinung, dass dies nicht der Fall ist?

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