22 Kommentare

  1. Kniefall vor den Religionen…

    Wer glaubt das in Deutschland Kirche und Staat getrennt sind wurde gestern eines besseren belehrt. In einer Eile, welche die Politik sonst nur an den Tag legt wenn es um die Rettung von Banken geht, wurde gestern beschlossen die Beschneidung aus religi…

  2. Martin

    Ich bin ein “deutscher Pimmelschützer” und es als solcher leid, mich deshalb als Antisemiten beschimpfen zu lassen. Mir ist es egal, in wessen Gottes Namen an Säuglingen herumgeschnitten wird. Mir ist es nicht egal, wenn man sich aus religiöser Überzeugung über mühsam erkämpfte Menschenrechte, in diesem Fall die UN-Kinderrechtskonvention hinwegsetzt! Wenn es um weibliche Genitalverstümmelung geht, schreien alle auf (zurecht!), aber bei Jungs ist die Religionsfreiheit höher zu bewerten? Das nenne ich Doppelmoral!

  3. “Dafür muss er das Beschneiden seiner Söhne sein lassen, das Schächten seiner Tiere und überhaupt alles, was ihn irgendwie vom biodeutschen Menschenfreund unterscheiden könnte.”

    Ich denke die meisten vernünftigen Menschen würden es bei Beschneiden und Schächten belassen. Viele finde wahrscheinlich nicht einmal das Schächten problematisch.

    Interessant ist an diesem Beitrag vor allem, das Muslime nicht vorkommen. Es ist eben ein einfaches rhetorischen Mittel gegen Kritik an irgendetwas jüdischem die Assoziationen der deutschen Geschichte in Stellung zu bringen. Ganz so als würde einen die Einsicht, dass die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Religionsgemeinschaft oder Kultur niemanden von der Pflicht entbindet seine Kinder nicht zu verstümmeln, auf eine Stufe mit den suggerierten Nazis, im mindestens aber mit den angesprochenen wilhelminischen Nationalisten stellen.

    Hingegen das Prinzip, dass solche Zugehörigkeit das Verstümmeln der eigenen Kinder explizit erlaube zu verteidigen traut sich kaum jemand. Dann müsste man sich natürlich auch der Konsequenz stellen, dass auch weibliche Genitalverstümmelung der eigenen Kinder zu erlauben ist, so man nur aus einer diese Praktik tradierende Kultur stammt.

    Mir scheint allerdings, dass kein Kind etwas dafür kann gerade Eltern geboren worden zu sein, die einer solchen Tradition angehören, ob das jetzt Juden oder Tchamba-Kunsuntu sind, noch Junge oder Mädchen zu sein. Wenn es überhaupt ein Recht auf körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung hat, dass hat es dies unabhängig von den Umständen seiner Geburt und notfalls auch gegen den Willen der Eltern und jahrtausendelanger Tradition.

  4. Lieber Martin,

    wer Genitalverstümmelung von Mädchen

    http://de.wikipedia.org/wiki/Weibliche_Genitalverst%C3%BCmmelung

    und Beschneidung von Jungen (schätzungsweise bis zu 1/3 der männlichen Weltbevölkerung ist beschnitten)

    http://de.wikipedia.org/wiki/Zirkumzision

    zusammenwürfelt, dem passt auch wirklich der Schuh deutscher Pimmelschützer maßgeschneidert. Vor allem, weil diese Debatte schon etwa 5000 mal geführt wurde – und die Unterschiede einfach ignoriert werden.

    Vielleicht wollen Sie sich einmal bei den amerikanischen Intaktivisten umtun? Wir empfehlen dazu einen Artikel aus der Jungle World, in dem es heißt:

    Betrachtet man aber die in Internetforen sprießenden Phantasien über Beschneidungen als schreckliche Gewalt, vor der Kinder durch den Staat gerettet werden müssen, ist davon auszugehen, dass noch andere Triebkräfte am Werk sind. Die Kinder von ohnehin als verdächtig geltenden religiösen Minderheiten werden als zu rettende Opfer, ihre Eltern als Täter imaginiert. Über beide Gruppen dürfen sich die selbsterkorenen Retter erhaben fühlen.

    http://jungle-world.com/artikel/2012/28/45855.html

    Gruß
    Moderator Publikative.org

  5. savant

    Man stelle sich einfach mal vor, es würde sich eine Glaubensgemeinschaft gründen, die es als göttliches Gebot ansieht, allen Neugeborenen ihrer Anhänger die rechte Brustwarze abzuschneiden.

    Da wäre die Hölle los.

    Und die Antisemitismusargumentation zeugt lediglich von intellektueller Hilflosigkeit, denn von ernstzunehmender Kritik.

  6. Religionöserich

    Mein unsichtbarer Freund möchte das man sich die Ohrläppchen abtrennt. Wenn ich das nicht mache darf ich nicht ins Paradeis wenn ich am verwesen bin. Das wäre echt blöd

  7. Zum einen: Wäre “Übel A ist schlimmer als Übel B” ein gutes Argument um Übel B zu erlauben, dann wäre kein Übel, außer des allerschlimmsten zu verbieten.

    Zum anderen: Ein Ad Hominem Fehler versucht die Korrektheit eines Argumentes dadurch anzugreifen, indem es den Status des Argumentierenden als ernstzunehmenden Gesprächspartner angreift. Selbst wenn ihr recht hättet und jeder einzelne Beschneidungskritiker allein aus dem Bedürfnis sich als “selbsterkorener Retter” erhaben zu fühlen heraus handelt, so hat das keinerlei argumentatives Gewicht. Das Argument, dass wer ein allgemeines Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung behauptet nicht ohne Widerspruch behaupten, dass Beschneidung von Kindern aus außerhalb des Kindeswohls liegenden Gründen akzeptabel ist, wird nicht dadurch widerlegt, dass man seinen Verteidigern niedere Motive vorwirft, selbst wenn diese Vorwürfe zuträfen.

    Es muss gezeigt werden, dass a) Kinder von Juden und Muslimen keine Menschen sind oder b) Beschneidung von Kindern kein Eingriff in die körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung darstellt oder c) dass es ein höheres Rechtsgut gibt, welches durch diese Rechtsverletztung und durch keinerlei bessere Alternative geschützt oder realisiert werden kann.

  8. Martin

    @Autor:

    1. ist Beschneidung bei Jungen kein Alleinstellungsmerkmal des Judentums, auch im Islam und im Christentum gibt bzw. gab es diese.

    2. ist mir klar, dass es grosse Unterschiede sowohl in der kulturellen und historischen Bedeutung wie auch in der gesundheitlichen Auswirkung bei Zirkumzision und weiblicher Genitalverstümmelung gibt. Trotzdem sind beides Menschen-bzw. Kinderrechtsverstösse! Da ist es mir auch – wie oben schon geschrieben – egal, in wessen Gottes Namen dies geschieht.

    Und der Jungle World-Artikel ist mal wieder dieses typische Geraune, wenn man mit sachlichen Argumenten nicht weiterkommt (“… ist davon auszugehen, dass noch andere Triebkräfte am Werk sind.”). Bei mir gibt es keine anderen Triebkräfte, mir geht es um die Frage, was gewichtiger ist: die Errungenschaften des Humanismus und der Aufklärung oder freie Religionsausübung. Meine Antwort darauf sollte Ihnen jetzt klar sein.

  9. ramona ambs

    In diesem Text geht es eigentlich garnicht (mehr) um die Beschneidung, sondern um die Art der Debattenführung und um einige Argumente, die ich ziemlich unerträglich finde. Ich kenne viele, die gegen Beschneidung sind und bei denen ich nicht das Gefühl habe, es geht ihnen darum Juden per se zu diskriminieren oder sowas… aber solche Sachen wie dieser clip beispielsweise( der sich ja im übrigen auch bezeichnenderweise nur an Juden wendet!)…sowas geht einfach garnicht. Da steckt diese “Habt Ihr nix aus dem Holocaust gelernt?”-Moral-lektion dahinter… das ist einfach nur widerlich.
    Bei vielen Debattenbeiträgen fühlt man sich einfach stark an Äußerungen erinnert aus der Zeit der Judenemanzipation. Wenn man derlei einmal ausführlich wissenschaftlich analysieren würde, würde sich mancher vielleicht erstaunt die Augen reiben…

  10. Martin

    @ramona ambs:

    “… aber solche Sachen wie dieser clip beispielsweise( der sich ja im übrigen auch bezeichnenderweise nur an Juden wendet!)…sowas geht einfach garnicht. Da steckt diese “Habt Ihr nix aus dem Holocaust gelernt?”-Moral-lektion dahinter… das ist einfach nur widerlich.”

    Da stimme ich Ihnen uneingeschränkt zu.

  11. Anonymous

    Ich bin von Publikative eigentlich ein anderes Niveau der Beiträge gewohnt. Finde es traurig die Beschneidungdebatte lediglich auf die Juden zu projezieren, während die zahlenmäßig wesentlich größere Gruppe der Muslime mit keiner Silbe erwähnt wird. Was das Grundgesetz, welches ein Recht auf körperliche Unversehrtheit garantiert mit biodeutscher Menschenfreundlichkeit zu tun hat, erschließt sich mir nicht. Es geht doch vielmehr um Selbstbestimmung. Was spricht denn dagegen, den Akt bis zur Religionsmündigkeit nur symbolisch zu vollziehen, wie es bspw. in Großbritannien zunehmend vollzogen wird?

  12. shlomo

    unabhängig von der aus dem richtungsstreit geborenen debatte,sei erwähnt das es bei dem gesetz über die beschneidung um ein gesetzt handelt was die mohelims vor strafverfolgung schützen soll.aus meiner sich in deutschland absolut sinnvoll.
    was mich wrklich stört ist,das das niveau von Publikative.org stark gesunken ist.diese deutschen antiseitismus debatten nützen den shoa opfern nur wenig oder garnicht.jedes vernuftbegabte argument viert in einer antisemitismusdebatte glaubwürdigkeit,das es hier für die pro und kontrafraktion missbraucht wird.wir juden sind nicht gehbehindert und müssen nicht bei grün von deutschen über die strasse geführt werden bzw vor den bösen linken antisemiten beschütz werden.etwas mehr echte solidarität und weniger missbrauch des judentum für innerlinke richtingsstreits würde Publikative.org auch wieder mehr glaubwürdigkeit geben.

  13. Hans Müller

    Mit der dümmste Artikel, den ich je auf publikative.org gelesen habe!

    Eine Religion, die die Genitalverstümmelung ihrer Kleinkinder praktiziert, sollte im 21. Jahrhundert nicht einfach so hingenommen werden.

    Oder um es mit den Worten von nordamerikanischen Beschneidungsgegnern zu sagen: Die Vorhaut ist kein Geburtsfehler.

    Dieses kritiklose Haltung gegenüber der Beschneidung aus irgendwelchen religiösen Gründen ist genauso falsch wie wenn man aus missverstandener Toleranz behauptet, Nazis hätten ja “nur eine andere Meinung”.
    Das ist das selbe Argumentationsmuster.

    Ich habe langsam den Eindruck, publikative.org bricht wo auch immer es nur geht eine Lanze für entweder die jüdische Religion oder aber den Staat Israel.

    Siedlungsbau in besetzten Gebieten? Atombombe? Uns doch egal, immer für Israel!
    Genitalverstümmlung an Kleinkindern? Uns doch egal, immer für die jüdische Religion!

    Mich würde sehr interessieren wie die Haltung der Autoren zur Beschneidung wäre, wenn sie nicht von der jüdischen sondern ausschließlich von der islamischen Religion praktiziert werden würde.

    Ich finde leider, dass Publikative mit der sehr einseitigen, sehr reaktionären Haltung zum Thema Beschneidung weiter abbaut.

    Früher als die Seite noch “NPD-Blog” hieß habe ich fast jeden Tag darauf gelesen. Es war eine wirklich gute Seite, auf der man sich informieren konnte was die Nazis so treiben.

    Heute ist die Seite leider teilweise religiös-reaktionär eingestellt (wie heute), bezieht unter Ignoranz völkerrechtswidriger Vorgänge immer treu Position für den rechtskonservativ-militaristischen Staat Israel oder bringt irgendwelche Fußballartikel.

    Was das Thema Beschneidung angeht bin ich zuversichtlich, dass es irgendwann zu einem kompletten Verbot von medizinisch nicht notwendigen Beschneidungen kommt.
    Religion wird (anders als in den USA) in der europäischen Gesellschaft tendenziell weniger wichtig. Die konservativen Beschneider, die in ihrer Weltsicht und Engstirnigkeit wohl das jüdische Pendant zur Piusbruderschaft sind, werden ihren politischen Einfluss schon noch einbüßen.

    Von mir aus soll sich jeder beschneiden lassen der es will – und zwar im Erwachsenenalter, wenn er mündig ist diese Entscheidung selber zu treffen.

  14. Theo Rettich

    Es ist natürlich sehr spannend und originell, denen, die eine eine andere Meinung haben, pubertär anmutende Schimpfbegriffe wie “Biodeutsche Pimmelschützer” an den Kopf zu werfen. Sachlich argumentieren kann schließlich jede/r.

  15. karl hilse

    Aus welchen Gründen auch immer die Beschneidung vorgenommen wird, es geht um nichts weiter als einen kleinen Hautlappen. Also viel Lärm um nichts.
    Ich kenne einige Männer die beschnitten wurden , sie haben weder Post traumatische Depression deswegen, noch können sie schlechter vögeln.
    Es sind ja hauptsächlich Männer die sich hier als die Beschützer von intakten Pimmeln aufspielen. Kastrationsangst?
    Und die Beschneidung von Mädchen mit der von Jungen zu vergleichen zeugt einfach nur von absoluter Unkenntnis der Leiden, die die Mädchen für den Rest Ihres Lebens begleiten. Es mutet seltsam an, dass sich soviel über die Beschneidung von Jungen ereifert wird und von den selben vermeintlichen Kindeerfreunden zur Beschneidung von Mädchen ( allein in Ägypten 80 %) kein Sterbenswort zu hören ist.

  16. Blak

    Hm, ich bin da nun im Zwiespalt,

    Das Video find ich suboptimal, vorsichtig ausgedrückt.

    Zur Beschneidung steh ich allerdings mit dem Autor überkreuz,
    denn es gibt sehr wohl eine unblutige Variante des Bundes mit Gott,
    nachdem man auch ganz normal jüdischen Glaubens ist.
    Daher finde ich, mit Blick auf die Menschenrechte, die UN-Kinderrechtskonvention, wäre es schon angebracht, von solchen Ritualen abzusehen.

    Es gibt auch durchaus jüdische “Pimmelschützer” (wobei ich den Ausdruck “Pimmelschützer”, der eher an die Sprache auf kreuz.net erinnert, dämlich finde):

    http://www.jewsagainstcircumcision.org/

    Einfach mal da weiterlesen, Kontakt ist ja auf der Seite angegeben für mehr Infos.

    Vielleicht wäre es auch klüger, diese gesellschaftliche Diskussion etwas
    unaufgeregter zu führen, also sachlich und nicht emotional, wie im Moment.

  17. René

    Mach’s gut Publikative.org. Dieser Artikel bildet den Abschluss in der von mir seit einiger Zeit empfundenen Niveauabsenkung.
    Nach dem ‘nicht mehr zustimmen’ kommt nun ‘Fremdschämen’. Nö, das brauch’ ich nicht.

  18. Heinrich

    Mal ganz abgesehen davon, dass ein Video, das Vergleiche zur Shoa zieht, ziemlicher Bullshit ist, fällt es mir schwer in diesem Beitrag überhaupt irgendwelche vernünftigen Argumente zu finden.

    Es geht hier doch um ein ganz grundsätzliches Problem: Religion sollte die Privatangelegenheit von mündigen Menschen sein, völlig unabhängig davon in welche Familie man zufällig hineingeboren wird! Der Autor dieses Artikels tut so, als ob Religion ein Stempel ist, denn man bei der Geburt aufgedrückt bekommt und es völlig ausgeschlossen ist, dass z.B. ein Kind christlicher Eltern sein Glück im Buddhismus, oder Islam findet. WTF?!

  19. mjb4

    @Martin und viele andere

    ist es bei diesem Artikel nicht egal welche Position man vertritt? Er zeigt doch eigentlich nur das die Beschneidungsdebatte noch durch eine zweite Komponente angeheizt wird. Und diese sollte man nicht vergessen vor allem wenn man sich in die belange einer Religionsgemeinschaft einmischt.

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