12 Kommentare

  1. ben

    Nun, ich finde es eig ganz gut, mal auf deutschen Blogs etwas über den Delhi Gang rape zu lesen. Und ich finde es auch gut, wenn hier koloniale Kommunikationsmuster aufgedeckt und diskutiert werden.

    Was allerdings für mich unter dem Strich bleibt, auch nach diesem Artikel ist einfach, dass hier zwar der gute Wille gezeigt wird, auf gesellschaftliche Verhältnisse in Indien zu verweisen und sie vielleicht mit unseren zu vergleichen, es aber bei dieser wagen Absichtserklärung bleibt. Denn warum lässt man nicht mal Inderinnen und Inder zu Wort kommen, zitiert aus indischen Blogs, oder sonstwas?

    Es gibt genug interessante Beispiele von indischen Beiträgen, die sich an einer (universellen) Kritik der gesellschaftlichen Verhältnissen abarbeiten. Zum Beispiel hier: http://kafila.org/

    Und sie verweisen nicht mit Unrecht oft darauf, dass in Indien die Konfliktlinien sehr stark zwischen den Klassen verlaufen und sich das auch in der rape culture ausdrückt. Es gibt zahllose Beispiele von Vergewaltigungen z.B. von indischen Militärs an Dalit- oder Stammesfrauen, die am unteren Ende der Gesellschaft stehen. Für diese Frauen geht so gut wie niemand auf die Straße. Im Gegensatz dazu hat die “neue indische Mittelschicht” endgültig seit dem Beginn des Anti Corruption Movements von Anna Hazare vor zwei Jahren eine ausgeprägte Demonstrationskultur entwickelt. Und es dürften auch in großem Maße diese Menschen sein, die sich auf den Straßen Delhis einfanden und einfinden. Die linken Strömungen in Indien stehen den Demonstrationen deshalb eher kritisch gegenüber…

    Grüße
    ben

  2. Armutsschere

    Danke für diesen Beitrag.

    Die deutsche Medienlandschaft erschafft nach dem “faulen Griechen” jetzt auch noch den “bösen Inder”, das alles schön weit weg und gruselig, wie gut dass wir uns nicht mit uns beschäftigen, das wäre wohl zu gruselig.

    Ich habe mich mit mehrere Zahlen zu angezeigten Vergewaltigungen auseinandergesetzt. Das erschreckende Ergebnis: bei allen Zahlen und Vergleichen lag Deutschland vor Indien, hier ein kleines Rechenbeispiel:

    In Indien gingen jüngst in vielen Medien die Zahl 23000 gemeldete Vergewaltigungen pro Jahr (FAZ), auch “alle 20 Minuten, die in Indien eine Frau vergewaltigt wird”; war gerade überall zu lesen (Spiegel, Stern, TAZ,).
    In Deutschland kommen wir auf Zahlen, wie 8000 pro Jahr (Frauenärzte im Netz, siehe auch Stern, oberer Link), Die Kriminalstatistik 2011 kommt auf über 7500 pro Jahr (BMI-PDF).
    Bei rund 8000 sind das in Deutschland alle 65 min, dies aber bei nur 80 Millionen (0,1 pro Tausend) statt 1,2 Milliarden Einwohnern. Grob überschlagen ist die Quote bei uns 5 mal so hoch wie in Indien (0,02 pro Tausend). Und auch hierzulande wird nur ein Bruchteil gemeldet.

    Das alles bedeutet nicht, dass in Indien alles prima läuft, die Frauen gleichberechtigter sind als in Deutschland und es sich nicht lohnt, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, es bedeutet aber, dass wir gezwungen sind, uns mit uns selbst zu beschäftigen.

    In diesem Sinne: Wem gehört die Nacht in Deutschland?

  3. Antira

    Auch in der deutschen Diskussion herrschen rassistische Argumentationmuster bei Vergewaltigungsthemen vor, etwa bei Alice Schwarzer, die behauptet, dass MigrantInnen für den Grossteil der Vergewaltigungen verantwortlich seien. Es wird höchste Zeit, dem einmal Fakten entgegenzusetzen.

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