47 Kommentare

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  1. j.b.once

    Respekt kann man nicht an Worten festmachen!
    Die Welle der Empörung über das Wort Neger ist meiner Meinung nach wohl etwas zur Monsterwelle mutiert und meiner Meinung nach als antirassistisch denkender Mensch irgendwie nach hinten los gegangen. Wir geben dem Wort Neger zum Istpunkt mehr negative Macht, als dies in den letzten Jahrzehnten überhaupt noch in Deutschland eine Rolle gespielt hätte. Meine letzte bewusste Berührung mit dem Wort Neger habe ich nicht als rassistisch motiviert erfahren. Der Verzicht des Begriffes Negerkuss, früher Mohrenkopf, in der Berliner Kita meiner Tochter war dann vor mehr als Zehn Jahren mal wieder so ein Tag einer Einzelerfahrung.

    Es ist erstaunlich, wie doch jedem, dem die Notwendigkeit dieser Diskussion nicht so einleuchtetn, jetzt das Festhalten an rassistischen Rudimenten unterstellt wird. Zu DDR – Zeiten war Antirassismus eigentlich ein Grundelement in der politischen Bildung. Alle waren theoretisch gleich, es gab nur Klassenfeinde des Proletariats und die saßen im Westen. Im Osten gab es dann nur Freunde. Inoffiziell gab es dann eine gut funktionierende Freidenkerschaft, denn nicht Herr Kohl hat die Wende eingeleitet.

    Nach der Wende haben wir plötzlich in den östlichen Bundesländern offiziell die größten Rassismusprobleme. Träumt weiter, denn Ursachenforschung ist doch sehr einseitig! Zugegeben, der Kontakt zu anders Aussehenden war im Osten verordnet sehr gering, aber es gab den Studenten aus Afrika in meiner Seminargruppe, der, so denke ich, sehr gut integriert war und schlauer als ich, war er auch noch.

    Respektlos können Worte sein, aber auch das Hineininterpretieren kennen wir aus DDR-Zeiten zur Genüge. Da wurde so einiges an in Literatur hineininterpretiert, mancher Schriftsteller würde sich wundern. Und jetzt trifft es die Kinderliteratur und nicht nur die des Westens. Das Ludwig Renn, eigentlich kommunistischer Schriftsteller und Spanienkämpfer mit dem Kinderbuch “Neger Nobi” nun rassistisches Gedankengut verbreitet, ist dann doch befremdlich.

    Ich empfinde auch häufig noch Respektlosigkeit von ewig gestrigen, die meiner Schulbildung und meinem Studium sowie meiner Kindheit im Osten Grauäugigkeit durch eigene Unwissenheit verpassen. Meine Kindheit möchte ich nicht missen. Mein Kind erfährt heute durch anders sein mehr Ausgrenzung und ist nicht dunkelhäutig. In Deutschland haben wir eigentlich größere Probleme, nämlich die der Klassenunterschiede! Das trifft uns alle, ob in Ost oder West, Nord oder Süd. Das ewige Schwarz-Weiss-Denken regt mich einfach auf.

    Jetzt ist der Begriff “Neger” wieder in aller Munde und Menschen, die eher keinen negativen Bezug zu diesem Wort aufgebaut haben, werden einen negativen Bezug aufbauen durch eine engstirnige Diskussion falscher Interpretationen.
    Wacht auf!

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