47 Kommentare

  1. Recht hat sie!

    Es ist sowieso merkwürdig, warum so viele Leute Wörter wie Neger mit Zähnen und Klauen verteidigen als hinge der Fortbestand des Abendlandes davon ab.

    Und ganz unabhängig davon, ob eine Bereinigung von Kinderbüchern angeraten ist (ich selbst bin für diese Bereinigung), sehe ich nicht, inwiefern eine solche Bereinigung irgendwem die Erinnerung stehlen kann. Was ich gelesen habe, habe ich gelesen, egal was später mit dem Text angestellt wird. Niemand raubt mir meine Lesebiographie, zumal die zu ersetzenden Wörter für die diskutierten Texte nicht wesentlich sind.

    Wenn ich meinen Enkeln dermaleinst Pippi Langstrumpf oder die kleine Hexe vorlesen sollte und die ersetzten Wörter ganz arg vermisse, kann ich das dem Enkelkind ja auch in einer “Anmerkung des Vorlesers” erklären. Ich bin sicher, dass niemandem etwas fehlt, wenn in der kleinen Hexe keine Negerlein mehr vorkommen und Pippis Vater Südseekönig ist.

    Immerhin hat ZEIT ONLINE gestern einen sehr guten Artikel von Daniel Hugendick zum Thema veröffentlicht: Kinderbücher: Von Zensur kann keine Rede sein.

  2. Roman

    Was ich immer schade an der Diskussion über solche sprachlichen Gebilde finde, ist die Tatsache, dass Worte ihre Macht ausschließlich dadurch erhalten, dass sie verletzen. Ich würde hier gern einen Vergleich ziehen zum Verhalten von Kindern. Natürlich ist es nicht schön, wenn z.B. ein etwas dickeres Kind von einigen Provokateuren (zumeist ob der eigenen Unsicherheit) “Schwabbelbacke” genannt wird. Und selbstverständlich sollte es Aufgabe der Eltern und Mitschüler sein, solche Provokateure auf ihr Fehlverhalten aufmerksam zu machen. Dennoch ist die beste Waffe gegen solche “Angriffe” ein starkes Selbstbewusstsein und konsequentes Nicht-Reagieren. Je weniger emotionale Reaktion erfolgt, umso weniger Macht hat das Wort – was es irgendwann im Sinne einer Beleidigung nutzlos macht. Gleiches gilt für Worte, die auf andere Aspekte der menschlichen Abgrenzung abzielen – ob religiös, ethnisch oder anderweitig motiviert spielt dabei keine Rolle.

    Was die Sache mit dem korrekten Sprachgebrauch noch schwieriger macht, sind zum einen historische Aspekte. Zu manchen Zeiten wurden manche Wörter nunmal in anderen Sinnzusammenhängen oder emotionalen Kontexten verwendet – diesen Fakt durch nachträgliche Tilgung dieser Wörter aus Schriften “korrigieren” zu wollen, zerstört meiner Ansicht nach die Chance, den historischen Kontext eines Werkes umfänglich zu begreifen.

    Zum anderen werden die gleichen Worte, die, von der einen Gruppe geäußert, vom Empfänger als diffamierend empfunden werden, oftmals von eben dieser “Empfängergruppe” selbst in der gegenseitigen Kommunikation verwendet werden. Anschauliches Beispiel kann hier der Gebrauch von Worten wie “Nigger” oder “Kanacke” innerhalb der jeweiligen “Gruppierungen” sein.

    Gerne vergessen wird zudem auch, dass es in beinahe jeder Kultur und Sprache Begriffe gibt, die (oftmals abschätzend) für andere Gruppen Verwendung finden. Als Beispiel kann hier das japanische “Gaijin” dienen. Sollte man dies also auch aus allen in Deutschland erhältlichen japanischen Werken verbannen?

    Ich finde die Tatsache, dass Worte wie “Neger” immer noch eine solch emotional zerstörerische Macht haben wirklich traurig. Wäre es nicht viel schöner, wenn wir den Wörtern ihre Schärfe nehmen, ohne sie zu streichen? Dann könnte ein 9-jähriges, dunkelhäutiges Mädchen “die kleine Hexe” sozusagen “unzensiert” lesen, ohne sich dadurch verletzt zu fühlen. Hierzu ist jedoch mehr notwendig als die Verbannung von Worten – hierzu gehört ein gesellschaftlicher Konsens, der alle Gruppierungen darin bestärkt, Teil eines harmonischen Ganzen zu sein, in das jeder einen eigenen, wichtigen Aspekt einbringen kann. Denn – ganz ehrlich: wenn man das eine Wort verbannt, wird eben ein anderes eingeführt. An der Tatsache, dass Menschen andere verletzen möchten mit Worten und Taten, ändert keine Zensur der Welt etwas. Und niemand mag wohl behaupten, Preußler hätte sein Werk geschrieben, um Minderheiten zu diskriminieren oder?

  3. Plok

    Wörter kommen und gehen.

    @Roman
    Wer den “historischen Kontext eines Werkes umfänglich begreifen” will und dabei offensichtlich Wert auf einzelne Wörter legt, der besorge sich bitte eine Ausgabe vor, zur und nach der zu untersuchenden Zeitspanne, um Unterschiede ausfindig zu machen und Rückschlüsse über den Sprachgebrauch im Wandel der Zeit ziehen zu können. Geht mittlerweile ja sowieso viel einfacher, jetzt da alles digital ist und Änderungen möglicherweise sogar schon protokolliert sind.
    Ist doch auch viel interessanter, wenn man feststellt, dass aus dem “Negerkönig” plötzlich der “Südseekönig” geworden ist. “Warum?”, fragt man sich und gräbt den Artikel, den obigen Brief und vielleicht sogar diese Kommentare aus dem Archiv. Und zieht entsprechende Schlüsse.

    P.S.:
    Das Wort “Neger” hat für mich keinen negativen Beigeschmack (weil ich “Neger” nie als abwertendes Wort kennengelernt habe, dazu bin ich vermutlich zu jung) – dennoch gibt es eben Personengruppen, die sich dadurch angegriffen fühlen (vorausgesetzt sie fühlen sich überhaupt angesprochen); aus meinem Umfeld weiß ich allerdings auch, dass man mit “jüngeren Schwarzen” prima Witze über “Neger” machen kann. Woran liegt das? Vermutlich weil sie *Deutsche* sind, und sich über ihre Hautfarbe und/oder Herkunft (Deutschland :D) kaum noch Gedanken machen.

    Die Frage ist: fühlt sich jemand angesprochen? attackiert? Wie geht er damit um? Muss man Rücksicht nehmen?
    Generell: Wenn man nicht gerade von Grund auf rücksichtslos ist, nimmt man dort Rücksicht, wo man kann. Wenn ich Rücksicht auf ganze Personengruppen nehmen durch minimale Änderungen nehmen kann, warum also nicht?
    Natürlich könnte man versuchen, Wörtern ihre Schärfe zu nehmen, aber das ist ein langwieriger Prozess. Als Sofortmaßnahme sind da Wortersetzungen eher praktisch.

  4. Anonymous

    das Wort “Neger” war und ist dikriminierend,hat deshalb schon lange nichts mehr in(Kinder)-Büchern oder sonstwo zu suchen.
    Ich möchte auch nicht als “Kalkleiste” bezeichnet werden. Wir Menschen stammen Entwicklungsgeschichtlich alle aus Afrika!
    WIR Europäer sind es die anders geworden sind, indem wir einen grossen Teil der Pigmentierung verloren haben, die einzig und allein dem Schutz vor intensiver Sonneneinstrahlung dient.

  5. Amber

    @Plok

    das kann jawohl nicht wahr sein! Dein ‘PS’ ist erschütternd! Deine Argumentation musste ich mir schon so oft im Leben anhören und dann immer wieder darüber diskutieren. Eigentlich habe ich da gar keine Lust mehr zu, deshalb sage ich jetzt einfach mal, dass du umdenken solltest und akzeptieren musst dass NEGER ein Wort ist, das nicht vorkommen sollte. Neger-witze können witzig sein, ich selbst lache dann auch mal darüber, aber so richtig witzig ist das nun wirklich auch nicht. Schwarze mussten ihre Einstellung dem Wort gegenüber einfach ändern bzw anpassen, aber das heißt nivht dass das alles in Ordnung ist. Und ich bin eine deutsche Frau, eine deutsche Frau die zufälligerweise dunkler ist als du, aber trotzdem beschimpfen (!) mich andere Menschen als Neger. Vielleicht beschimpfen sie mich auch mal nicht, aber betiteln, das tun sie. Das ist NICHT IN ORDNUNG!

  6. Roman

    @anonymous:
    Wirklich? “Kalkleiste” beleidigt dich? Auf einer persönlichen, emotionalen Ebene? Nunja, wenn dem so ist, respektiere ich das und wünsche dir, dass dich niemand so nennt. Wenn mich jemand beleidigen will, dann muss er das schon mit etwas persönlicherem als einer allgemeinen Phrase tun.

    Was allerdings die entwicklungsgeschichtliche Abstammung damit zu tun hat, erschließt sich mir nicht ganz. Es geht ja in der Diskussion wohl (hoffentlich) nicht nur um Schwarz/Weiß, Europa/Afrika, sondern um die sprachliche Ausgrenzung und Schmähung von Personenkreisen, die sich in einem wesentlichen oder unwesentlichen Merkmal voneinander unterscheiden.

    Im eigentlichen Sinn kann daher jede auf ein bestimmtes Merkmal abzielende Äußerung als Verunglimpfung verstanden werden, was es beinahe unmöglich machen dürfte, eine klare Grenze zu ziehen. Wer hat das Recht, zu entscheiden, welche Worte verletzend genug sind, um gebannt zu werden und welche nicht? Vermutlich fühlt sich auch eine Vielzahl an Menschen durch Worte wie “fett” persönlich angegriffen. Sollte man es daher z.B. durch “adipös” ersetzen, damit niemand mehr die beleidigende Form “fett” lesen und missbräuchlich verwenden kann? Wie steht es mit Worten wie “Hure”, “Zwerg”, “Arsch” oder ähnlichem?

    Natürlich hat das Wort “Hure” nun nichts in einem Kinderbuch zu suchen. Doch hier wirft sich die nächste Frage auf: wann ist man alt genug für welche Wörter? Wer entscheidet das? Ist es nicht gefährlicher, Kinder vor “schlimmen” Wörtern zu schützen, indem man versucht, diese aus ihrer Wahrnehmung zu verbannen? Schließlich werden sie irgendwann damit konfrontiert – und dann wird das voraussichtlich in einer missbräuchlich verwendeten Form sein und den Wörtern gerade dadurch wieder eine Schärfe verleihen.

    Wäre geduldige Aufklärung im Hinblick auf einen bewussten Umgang mit Sprache nicht sinnvoller? Möchte man Kindern absprechen, zu verstehen, dass man früher Worte verwendet hat, die heutzutage in dieser Form nicht mehr verwendet werden sollten? Und aus welchem Grund man diese nicht mehr verwenden soll? Würde man sich damit nicht einer Chance berauben, gerade bei Kindern eine Wahrnehmung für falsche und gefährliche Ab- und Ausgrenzungssituationen und -formalismen zu schaffen, so dass sie diesen bewusst begegnen und mit diesen umgehen können, wenn sie ihnen dereinst im Leben passieren. Denn eins ist wohl sicher: jeder wird irgendwann mit einer Situation konfrontiert, in der es darum geht, andere bewusst auszugrenzen. Sei es aufgrund seiner Haarfarbe, Hautfarbe, Religion, seines Geschlechts, seiner Herkunft, ….

  7. Marcus

    Das Wort Neger kann diskriminierend verstanden werden. Auch ich habe als Kind darunter gelitten, wenn mich andere Kinder so nannten. Mein Vater ist Nigerianer, somit bin ich Mischling, Mulatte oder auch Deutscher mit Migrationshintergrund. Doch Fremdenfeindlichkeit an diesem Wort festzumachen, halte ich für schlichtweg übertrieben. Auch ich kaufe lieber Negerküsse als Schokoküsse. Das Problem ist doch dort, wo Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe tyrannisiert und bedroht oder auch verletzt werden. Und dort sollte man unbedingt ansetzen und sofort handeln.

  8. Sebo

    Es ist nun leider so, dass der Sender und Empfänger eines Wortes diesem erst die Macht verleihen.
    Wenn man sich das Wort “Neger” ansieht stellt man fest, dass es aus dem lateinischstämmigen Sprachraum kommen muss (Negro=schwarz, spanisch) und eigentlich nur das Aussehen dieser Personengruppe bezeichnet. Natürlich wurde es benutzt um diese Menschen auf eine tiefere Ebene zu stellen.
    Ähnlich sah und sieht es doch auch mit dem Wort Jude aus. Hier wird nur die Religion beschrieben/ genannt. In Zeiten des Dritten Reichs und auch bei heutigen Antisemiten (die es leider noch zu viele gibt) stellt das die wohl schlimmste Eigenschaft dar, die ein Mensch haben kann.
    Ich kann Jude sagen und hören ohne das negativ zu bewerten und auch aus dem Kontext schließen ob da jemand diese Gruppe diskreminieren will.
    Genau so siehts mit dem Wort “Neger” aus. Man sollte den Kindern einfach den Verantwortungsvollen Umgang mit Sprache beibringen. Auch, dass man besser auf solche Wörter verzichten sollte die diskremierend sein könnten bzw. es schon einmal waren.

    Aber eines ist Gewiss. Sprache ist wandlungsfähig und wenn es weiterhin Menschen gibt die andere ausgrenzen wollen, dann werden diese zur Not neue Wörter finden oder bestehenden Wörtern eine schlechte Bedeutung zufügen, dass das was wir heute sagen und schreiben in ein paar Jahrzehnten als diskreminierende Sprache gelten kann.

    Was die Änderung von Kinderbüchern angeht sage ich, dass ich es nicht für nötig halte die Sprache darin zu entschärfen. Allerdings würde ich auch nicht sagen, dass die Änderungen ein Verlust im deutschen Sprachschatz wären. Wenn man sich nun aber die allgemeine Orientierung ansieht die sich weiter davon entfernt solche Wörter zu benutzen (sonst wären wir jetzt auch nicht am diskutieren), dann hätte ich Angst, dass diese Klassiker der Kinderbücher als nicht mehr kinderfreundlich eingestuft werden. Und das wäre meiner Meinung nach wirklich ein Verlust. Deshalb halte ich die Abänderung für sinnvoll.

  9. Gast

    Soweit ich weiß, haben Herr Preußler (also der Autor), dessen Familie und der Verlag nach Zuschrift eines Lesers die Änderungen in der “kleinen Hexe” freiwillig veranlasst. Keine Zensur, keine Verstümmelung des Werks durch angebliche “political correctness”, kein Skandal.
    Eigentlich überhaupt kein Grund für Greiner und Konsorten so durchzudrehen. Werden da etwa wohlgehütete Ressentiments unter dem Deckmantel der Abwehr einer halluzinierten Gutmenschenverschwörung zur Zerstörung deutscher Kinderliteratur verteidigt? So kommt es mir jedenfalls vor…

  10. Aaron

    @roman
    ich denke nicht, dass es sinnvoll ist, einen entpannteren Umgang mit diskriminierenden Begriffen anzutreben.
    Klar verstehe ich, dass es unangenehme Gefühle auslöst, wenn historische (Kinderbücher belegen ja auch irgendwie einen Teil des damals vorherrschenden Zeitgeistes) umgeschrieben werden. Ich denke aber diese Besorgnis beruht vor allem auf der Befürchtung, dass auf diese Weise die Geschichte umgeschrieben und vergessen gemacht werden soll. Ich denke jedoch dass die Intention hinter dieser Aktion eher ist, Kinder vor diesen diskrimierenden Ausdrücken zu schützen.
    Ich will damit nicht sagen, dass Kinder generell vor der Vergangenheit geschützt werden sollen, aber die Heranführung an schwer vermittelbare Themen (Shoah, Kolonialzeit, …) ließe sich meines Erachtens nach viel besser durch Kinderbücher oder Schulbücher, die sich speziell mit diesen Themen befassen und behutsam versuchen, die Opfersicht zu vermitteln, bewerkstelligen, als durch das Bestehen auf der unkommentierten Verwendung von rassistischen Begriffen.
    Was die Selbstbezeichnung von POC mit rassistischen Ausdrücken angeht: Nur weil Teile von diskriminierten Gruppen für sich eine diskriminierende Bezeichnung übernehmen, gibt das Menschen außerhalb dieser Gruppe noch lange nicht das Recht, diese auch zu gebrauchen, weil der Kontext ein ganz anderer ist.
    Auch wichtig: Die Schreibweise! Siehe hier:

  11. Rayman

    Ich habe mir hier die meisten Antworten durchgelesen und viele interessante Ansaetze zu dem Thema gesehen. Mir gefaellt besonders die folgende Idee von Roman:

    “Was ich immer schade an der Diskussion über solche sprachlichen Gebilde finde, ist die Tatsache, dass Worte ihre Macht ausschließlich dadurch erhalten, dass sie verletzen.”

    Dies ist meiner Meinung nach vollkommen richtig. Doch warum ist das so? Ich versuche hier verschiedene Standpunkte zu benennen.

    1)Wenn mich jemand ein “Scheiss Milchgesicht” nennen wuerde, wuerde ich lachen und meines Weges gehen. Bezeichnet man dunkelhaeutige Menschen als “Scheiss Neger”, so wird dies meist als Rassismus verstanden. Natuerlich hat dies historische Gruende. Weisse haben dereinst Schwarze versklavt, und ihre Ressourcen und Kulturen ausgepluendert. “Neger”, von “Nigger” abgeleitet, ist genau das Wort dass diese Sklaven benannt hat. Ein Gebrauch dieses Wortes ist demnach ethisch nicht richtig.

    2)Nun leben wir aber in Deutschland, in einem der beliebtesten und internationalsten Laender der Welt, welches unzaehlige verschiedene Kulturen beherbergt. Mit Sklaverei, Ausbeutung und dergleichen haben wir schon ewig nichts mehr am Hut. Zudem ist hier jeder Mensch per Gesetz gleich. Wenn wir also jemanden einen “Neger” nennen, warum lacht dieser dann nicht ebenfalls und geht seines Weges, wo doch der historische Faktor seine Bedeutung verloren hat? Der Grund koennte sein, dass diese Leute nicht vollkommen integriert sind und sich durch den Unterton des Wortes “Neger” bedroht fuehlen, genau wie dicke Personen durch das Wort “fett” ausgegrenzt werden. Oder dass sie schlicht und ergreifend nicht durch ihre Hautfarbe definiert werden wollen.

    Doch dies ist das paradoxe an der Situation: Warum gibt es in Deutschland nicht dieses natuerliche Selbstbewusstsein, teil eines harmonischen Ganzens zu sein? Es ware schoen wenn Worte als Wertung voellig ihre Bedeutung verlieren wuerden. Das Wort “Neger” soll verboten werden? Dies ist doch ein vollkommen kuenstlicher Prozess. Neue Worte wuerden sich finden, und dies ist reine Kosmetik und keine Ursachenbehebung. In anderen Worten: Menschen kennen das Wort “Neger” nicht, weil es sich irgendein Idiot ausgedacht hat, sondern weil es nunmal dunkelhaeutige Menschen gibt. Und wenn “Neger” verboten wird, so wird sich ein anderes etablieren, wegen der Notwendigkeit eine Gruppe von Menschen beschreiben zu koennen. Genauso wie: “Die dicken da”.

    VIELLEICHT ist es besser, das Problem gerade andersherum anzugehen. Lasst alle Daemme brechen! Wenn sich Schwarze und Weisse gegenseitig “Neger” und “Milchgesicht” koennen und dabei herzlich lachen so ist dies doch eine bessere Gesellschaft, als wenn Weisse Leute Dunkelhaeutige peinlich beruehrt als “Die Farbigen bezeichnen” und dabei herumdrucksen als meinen sie die Apokalyspe. Leute, raubt doch den Worten ihre Bedeutung. Wenn alle Beleidigungen selbstbewusst verlacht werden koennen, dann werden sie auch aufhoeren, und dann sind wir alle gleich. Und nicht indem wir uns “respektvoll ignorieren” und und als “Farbige” und “Weisse” bezeichnen.

  12. Plok

    @Amber
    Entschuldigung, habe den Text mehrmals hin und her editiert, dabei ist verloren gegangen, dass ich (persönlich) Leute oder gar ganze Personengruppen nicht betitele, mit welchem Label auch immer. Was ich eigentlich sagen wollte ist: es gibt massenweise Wörter, die für irgendwen krass beleidigend sind, für andere aber wiederum nicht. Ich käme nie auf die Idee jemanden als Neger zu bezeichnen (in den angesprochenen Witzen machen das andere), weil ich es einfach nicht kann.
    Überhaupt: Nicht voreilig Fremde betiteln.
    Was ich eigentlich ausdrücken wollte, hat Marcus viel besser geschrieben als ich in meinem wirren Kommentar.

  13. @ Roman: Ignorieren ist kein sinnvoller Umgang mit Mobbing. Sie muten hier den Opfern zu, die Herabsetzungen durch die “richtige” Einstellung an sich abprallen zu lassen. Das funktioniert in aller Regel nicht. Wo soll denn das starke Selbstbewusstsein herkommen, wenn das Selbstbewusstsein systematisch zerschossen wird? Wenn jemand als Mobbingopfer nicht nur keine Unterstützung erfährt, sondern sich auch noch die falsche Einstellung vorwerfen lassen muss, hat er keine Chance, ein starkes Selbstbewusstsein zu entwickeln oder sonst unbeschadet aus der Situation herauszukommen.

    Sie sprechen von der Chance, “den historischen Kontext eines Werkes umfänglich zu begreifen”, aber ist das der Sinn von Kinderbüchern? Über Rassismus werden die Kinder in der Schule (hoffentlich) noch genug zu hören kriegen, da braucht es nicht Pippi Langstrumpf oder die kleine Hexe als Aufhänger.

    Aber jetzt zum Umgang mit herabsetzenden Wörter. Wie soll man den Wörtern ihre Schärfe nehmen? Indem man weiter Neger sagt, es aber nicht böse meint? Und die Betroffenen, die sollen sich dann einfach nicht herabgewürdigt und beleidigt fühlen, bis das Wort dann seine Schärfe los ist? Ihr Vorschlag läuft darauf hinaus, dass die Betroffenen gute Miene zum bösen Spiel machen sollen, bis die betreffenden Wörter als Beleidigung unbrauchbar geworden sind. Sie sollen also entweder so tun, als wären sie nicht getroffen, oder sie sollen (wie auch immer) tatsächlich nicht getroffen sein, wenn jemand sie (absichtlich oder gedankenlos) mit rassistischen Wörtern belegt. Das finde ich unzumutbar.

    Übrigens widersprechen Sie damit auch Ihrer weiteren Argumentation. Sie weisen zu recht darauf hin, dass die sprachliche Bereinigung einzelner Bücher nicht ausreicht und dass ergänzend dazu (oder stattdessen) Überzeugungsarbeit geleistet werden muss, um den Rassismus einzudämmen. Aber wieso sollte man das tun, wenn es schon ausreicht, abzuwarten, bis die betreffenden Wörter als Beleidigung nicht mehr taugen? Wozu braucht es Ihren gesellschaftlichen Konsens und das harmonische Ganze, wenn die Wirkung böser Wörter durch Ignorieren sowieso verblasst? Das passt nicht zusammen.
    Die Bereinigung von Kinderbüchern ist sicher nicht die vorrangige Aufgabe in Sachen Förderung von Toleranz und Gleichberechtigung und Bekämpfung des Rassismus. Aber das ist kein Argument gegen eine solche Bereinigung.

    Wahrscheinlich hat Preußler seine Bücher tatsächlich nicht geschrieben, um Minderheiten zu diskriminieren. Deshalb ist es doch gerade in seinem Interesse, dafür zu sorgen, dass seine Bücher Minderheiten wirklich nicht diskriminieren, auch nicht aus Versehen.

  14. Roman

    @Marcus:
    Toller Kommentar – du hast den Punkt sehr gut erfasst. Wörter sind nicht das Problem sondern der Umgang der Menschen damit.

    Würde kein Mensch solche Wörter in diskriminierender Weise nutzen, würde sich niemand durch das Wort alleine diskriminiert fühlen. Diskriminierung beginnt im Kopf und wird erlernt. Und zwar nicht durch Worte sondern durch das soziale Umfeld. Solange es soziale Spannungsfelder gibt, wird es immer Worte geben, die dazu benutzt werden, jemanden zu verletzen. Ist es nicht das eine, dann ist es eben ein anderes Wort. Auch für das berüchtigte Wort “Neger” gibt es mehr als eine Alternative, die ebenso herabwürdigend geäußert werden können. Aus dem falschen Mund haben bereits Wörter wie “schwarz” oder “anders” das Potenzial, zur gesellschaftlichen Waffe zu werden.

  15. wowka

    meiner meinung nach ist es richtig wenn die bücher nicht zensiert werden!
    diese Kinderbücher und Geschichten sind sehr alt und transportieren ihren ganz eigen charakter und sind geprägt durch die zeit in der sie entstanden sind. In sofern sind sie ein Stück geschichte und dürfen nicht verändert werden.Beginnen wir unsere Geschichte und historie zu ändern so verzichten wir frei- und mutwillig auf unsere Kultur. Es ist genauso als würde man der davidstatue von michelangelo sein ding abmeißeln oder ihm eine unterhose drüberziehen.

    und wer jetzt sagt: du bist also dafür das unsere kultur aus rasismus besteht etc. Nein!
    und das wird sie auch nicht nur weil in kinderbüchern einige wörter drinstehen die einige für nicht angemessen halten. Meiner meinung nach wird hier an der falschen schraube gedreht. fangen wir lieber an das fernsehn zu zensieren, welches immer öfter, früher in der tageszeit und enorm offen und unzensiert über inhalte mit sexistischem kontent ausstrahlt. dies erreicht wesendlich mehr kinder und verdirbt diese, als die ohnehin schrumpfende zahl an Lesenden.

    desweiteren: natürlich vertritt die kleine diese meinung. Jedes kind wird die meinung seines umfeldes annehmen und sich angegriffen fühlen, wenn das umfeld eine welle der empörung durchspinnt.stattdesen solte dem kind erklrt werden das das früher so war es eine geschichte ist in dem diejenige fiktive person diesen status hat, und es sich nicht angegriffen fühlen soll( sobald man etwas die fixierng darauf wegnimmt verliert es seinen “schrecken”). was es auch nicht wird wenn die eltern offen damit umgehen. es kommt nicht darauf an alle menschen um ihre unterschiede zu kürzen und keinesfalls zu erwähnen. im gegenteil man soll sie akzeptieren und als masse von unterschieden eine gemeinschaft gründen. das macht tolleranz aus: das wissen um die verschiedenheit,aber dennnoch die akzeptanz dieser.

    @marcus ich geb dir recht; es regt sich auch wohl kaum ein kind
    über negerküsse auf

  16. Jan

    Ishema Kane hat den Nagel auf den Kopf getroffen “diskriminierende Sprache ist verletzend”, das hätte sie allerdings niemals herausgefunden ohne diese Wörter vorher gelesen zu haben; Rassismus ist verletzend, falls Verlage Wörter wie diese herausstreichen, streichen sie damit die Geschichte aus den Büchern. Bücher sollen kritisch gelesen werden und es ist bewundernswert, dass Ishema es geschafft hat, in so jungen Jahren, selber Diskriminierung zu erkennen. Sollen wir wirklich jedes Buch zurechtschneiden für die Augen von Kindern? Und damit den Kinder die Chance nehmen, Diskriminierung und Rassismus selber zu erkennen? Solche Situationen zeigen, mal wieder, wie schlecht Rassismus und Diskriminierung bekämpft wird; lasst uns nicht darüber sprechen, sondern es einfach aus dem Original-werk herausstreichen, um nicht mehr damit konfrontiert zu werden und als Eltern nicht mehr genötigt zu werden Wörter wie „Negerkönig“ erklären zu müssen. Frei nach dem Motto: Aus den Augen aus dem Sinn, tragisch ist hier nur, dass Diskriminierung nicht aus dem Sinn gestrichen wird, Rassismus begleitet uns weiter. Die Frage ist, ob ein unsichtbares Wort vielleicht nicht gefährlicher ist als ein sichtbares.

    Es liegt an den Eltern zu bestimmen, welche Bücher (und damit der vollständige und bitte korrekte Inhalt) gelesen werden und wie der Inhalt interpretiert wird. Der Verlag verstößt gegen Art. 5 (1) in welche die Meinungsfreiheit nicht zensiert werden darf. Art 5 (2), welche sich auf den Schutz der Jugend und der Ehre bezieht, könnte durch den Wortgebrauch der älteren Bücher in Frage gestellt werden, doch andererseits stützt sich das Recht auf Meinungsfreiheit auf die Möglichkeit eine Meinung bilden zu können, eines der wichtigsten Attribute einer Demokratie. Des Weiteren muss hier noch einmal erwähnt werden, dass die Eltern an erster Stelle für den Schutz ihrer Kinder zuständig sind, die Mutter von Ishema hat in diesem Fall wunderbar reagiert und ihrer Tochter gezeigt was Diskriminierung sein kann. Es ist außerdem wichtig abzuwägen wie stark der „Verstoß“ ist und ob er nicht ein Moral enthält auf die nicht verzichtet werden sollte. Wir müssen hinter die Wörter schauen und lernen Verantwortung zu übernehmen.

  17. @ Jan: “diskriminierende Sprache ist verletzend”, das hätte sie allerdings niemals herausgefunden ohne diese Wörter vorher gelesen zu haben;

    Nein, das wusste sie auch ohne das Wort gelesen zu haben. Sie hat es vermutlich gelegentlich gehört, und das hat gereicht.

    (und damit der vollständige und bitte korrekte Inhalt)

    Was ist denn der vollständige und korrekte Inhalt etwa der kleinen Hexe? Mal angenommen, Preußler habe niemanden wegen der Hautfarbe herabwürdigen und verletzen wollen, ist dann “Negerlein” der korrekte Inhalt? Müsste man das Wort nicht ersetzen, um Preußlers vermutete Intention korrekt wiederzugeben? Vielleicht ist ihm das Wort “so rausgerutscht”, vielleicht war es üblich, vielleicht war er sich nicht im Klaren, wie das Wort auf Schwarze wirkt, wer weiß. Aber wenn er nicht diskriminieren wollte, ist es am besten, keine diskriminierenden Wörter zu verwenden. Und wenn solche im Text enthalten sind, ist es am besten, sie zu ersetzen.

    Wenn ich wem auf den Fuß trete, tut es demjenigen ja auch nicht weniger weh, weil ich es nicht mit der Absicht getan habe, ihm Schmerz zuzufügen. Und “Stell Dich nicht so an/Es war nicht böse gemeint” ist dann keine angemessene Reaktion. “Himmel hilf, man will mich in meiner Bewegungsfreiheit einschränken, und ich bin schon immer genau da genau so langgelaufen, warum soll ich das jetzt auf einmal nicht mehr tun” auch nicht. Man könnte sich entschuldigen und in Zukunft aufpassen, wo man hintritt.

  18. @ Jan: Ihr Hinweis auf Artikel 5 (1) des Grundgesetzes ist völlig fehl am Platz. Niemand verbietet irgendjemandem, eine Meinung zu haben oder zu äußern. Der Verlag hat nur beschlossen (wie man hört in Abstimmung mit dem Autor), diskriminierende Wörter durch andere zu ersetzen. Inwieweit das in Ihre oder irgendjemandes Rechte eingreift, ist mir nicht ersichtlich.

  19. Mal ein paar Einwürfe zu der hier geführten Diskussion:

    1.
    Zensur ist, wenn der Staat (bzw. die Regierung) bestimmte Meinungen systematisch unterdrückt – und nicht, wenn Publikationen Leserbriefe nicht veröffentlichen, Kommentare nicht freischalten oder Verlage in Zusammenarbeit mit den Rechteinhabern entscheiden, Texte zu modernisieren. Geord Diez bemerkt auf Spiegel Online dazu:
    “Ulrich Greiner etwa begann seinen Text grundsätzlich und bebend mit einem Verweis auf Artikel 5 des Grundgesetzes, der Zensur verbietet, und stellte dann die Frage “Wie anders als Zensur oder Fälschung soll man das nennen?” Wer soll hier eigentlich der Zensor sein? Dazu ist ja ein Zwang nötig, doch woher soll der wohl kommen? Der Verlag hat sich frei entschieden. Aber den Zwang konstruiert sich der Paranoiker zur Not auch selbst – und in ihrem Kern ist die Rede von der “politischen Korrektheit” eben paranoid. (Außerdem sollte man den Begriff “Zensur” nicht ohne Not verramschen: Was soll man denn bitte den Schriftstellern und Journalisten in China oder Russland oder Saudi-Arabien sagen?)”
    http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/georg-diez-zur-neger-debatte-um-die-kleine-hexe-a-878371.html

    2.
    Es gibt zahlreiche Belege dafür, dass der Gebrauch des Wortes keinesfalls historisch unbelastet war, so wie es sich manche Diskussionsteilnehmer hier gerne aus der Luft greifen würden. Eine kleine Sammlung findet sich hier, das Wort wurde stets und immer pejorativ (abwertend) verwendet:
    http://www.spiegel.de/spiegel/spiegelspecialgeschichte/d-51661374.html

    Auch dazu noch einmal Georg Diez:
    “Jedes Buch hat seine Geschichte, hat seine Gründe, jedes Land hat seine Bücher, hat seinen Rassismus – und daran verändert sich nichts fundamental, ob man nun das Wort Neger wegnimmt oder nicht. Diese Diskussion ist eine Scheindiskussion. Was ja nicht so schwer zu verstehen ist, weil das Wort rassistisch ist, abfällig und aus einer Zeit stammt, als die freundlichen Nachkriegsdeutschen von Itakern sprachen oder von Spaghettifressern oder von Kümmeltürken; als sie sagten: “bis zur Vergasung”, wenn sie sagen wollten, dass sie etwas sehr intensiv machten;”

    3.
    Während man als “normales” deutsches Kind sich beim Vorlesen einfach entspannnen und wegträumen darf, weil man ja nicht gemeint ist, ist es nach Meinung einiger Kommentatoren offenbar die natürlichste Aufgabe der Welt für Eltern von nicht biodeutschen Kindern, diese Gelegenheit, die eigentlich Ruhe und Geborgenheit vermitteln sollte, noch einmal dazu zu nutzen, mit ihren Kindern schwierige Identitätsdiskussionen zu führen. Damit diese sich dann auch nochmal ganz historisch und in Ruhe bewusst werden, dass die Anfänge des deutschen Zoowesens darin bestanden, “Negerdörfer” zu zeigen.

    Diese selbstgerechte und selbstgefällige Haltung gegenüber den Opfern von Diskriminierung ist exakt der Gegenstand der Kritik. Obwohl die meisten Diskussionsteilnehmer von Rassismus weder betroffen sind, noch sich sonderlich damit beschäftigt haben, finden sie einfach mir nichts Dir nichts, dass sie die besseren Argumente haben als diejenigen, die es sind und die es haben. Es genügt offenbar nicht, wenn diese Menschen mit guten Gründen sagen: “Hört auf damit. Es verletzt uns.” Sondern man entgegnet ihnen (paraphrasiert): “Wenn Ihr klüger wärt, könntet Ihr Euch rational erklären, dass das gar nicht rassistisch gemeint war, gemeint ist oder gemeint sein kann.”

    4.
    Deswegen finden hier auch keine Wortspiele auf Augenhöhe statt, sondern Rassismus ist ein gesellschaftliches Verhältnis, in dem einige deutlich mehr Macht haben als andere. An der Stelle fängt die politische Auseinandersetzung um Diskriminierung und Gleichberechtigung aber gerade erst an. Das heißt, wer langfristig ernsthaft mitreden will, wird nicht umhin kommen, sich mit Theorie, Gegenwart und Geschichte von Rassismus als Herrschaftspraxis zu beschäftigen. Einfach nur “ja, aber” und “meiner Meinung nach” sagen, wird nicht reichen.

    Denn dieser Hochmut und diese Empathielosigkeit finde ich ehrlich gesagt weder hinnehmbar noch satisfaktionsfähig. Und borniertes Nichtzurkenntnisnehmen ist keine Diskussionskultur.

    Mit herzlichen Grüßen
    Andrej Reisin

  20. Roman

    @gnaddrig:
    Sie haben anscheinend meine Argumentation nicht wie von mir beabsichtigt verstanden (auch eine klassische Sender-Empfänger-Problematik), daher wollte ich nochmals kurz darauf eingehen. Der gesellschaftliche Konsens und der offene, bewusste Umgang mit Sprache sowie die Lehre dieses Umgangs an Kinder ist die absolute Voraussetzung, um Wörtern die Schärfe und somit ihren diskriminierenden Sinn zu nehmen. Wenn die mehrheitliche Reaktion – gerade auch bei Kindern – wäre, auf Worte wie “Neger” dadurch zu reagieren, dass man diejenigen, die sich in einer solchen Form äußern, mit einem müden Lächeln links liegen lässt, würde aus der “Waffe” ein Armutszeugnis, das sich gegen den Äußernden wendet statt gegen das (beabsichtigte) “Opfer”. Hierdurch würde meiner Ansicht nach der Gebrauch dieser Worte nicht gefördert sondern es würde vielmehr dazu führen, dass sie aus dem alltäglichen Sprachgebrauch verschwinden. Je mehr Reaktion auf solche Äußerungen erfolgt, umso mehr Macht bekommt das Wort. Denn Ziel ist es zumeist, eine größtmögliche emotionale Reaktion hervor zu rufen.

    Je mehr wir unseren Kindern beibringen, respektvoll und vorurteilslos miteinander umzugehen und Sprache ganz bewusst als wichtigen Bestandteil des Ausdrucks eines gemeinschaftlichen Gefühls zu verstehen, umso weniger Nährboden finden Aspekte wie Diskriminierung und Rassismus. Und letztendlich ist die soziale Spannung, die hinter den Worten steckt, des Pudels Kern und Worte, gleich welcher Prägung und Ethymologie, stets nur Mittel zum Zweck.

  21. Eigenartig! Es ist eigenartig wie in Deutschland mit Sprache umgegangen wird.

    Eine unheilverkündende Bücherverbrennung wird doch gar nicht massenhaft in ihrer Unmenschlichkeit erkannt.

    Wenn aber Worte der Unkultur ersetzt werden und damit vom Mief der Vergangenheit befreit werden kommt es zu einem Aufschrei? Selbst die Ausdrucksweise in Bibelübersetzungen hat sich verändert. Warum setzt man dann die Streichung von solchen Begriffen mit Zensur in einen Zusammenhang?

    Wenn Menschen nachdenken, dann sollten sie nicht immer mitten drin damit aufhören.

    Wenn Menschen sich der Worte des sogenannten Rassismus bedienen, dann werden einfach nur die Worte gekennzeichnet. Was für eine Armut, dass es in Hamburg noch unbeschadet einen Lehrstuhl für “menschliche Rassenlehre” gibt. Unter uns Menschen gibt es keine Rassen. Bei Hunden macht das Sinn.

    Ist den Rassisten eigentlich klar, dass sie die Wiege der Menschheit beleidigen?

  22. Ari

    Ich habe die Kommentare hier überflogen und musste dabei mehrmals meine “Denkrichtung” ändern. Es handelt sich wirklich um ein vertrackteres Problem als es anfangs scheint. Ich kann, ehrlich gesagt, weder die Änderungen noch die Empörung darüber gänzlich nachvollziehen.

    Was ich mich fragen muss ist: Wenn ein Wort als Beleidigung verstanden wird ohne dass es in beleidigender Absicht benutzt wurde, wie soll man dann damit umgehen?

    Und weiterhin: Ist wirklich gut dass ein öffentlicher Diskurs über Alltagsrassismus angefacht wird wenn dieser von Politically Incorrect-lesenden Gutmenschenhassern angeführt wird?

  23. Vielleicht gehen wir mal weg von Pippi und hin zu “Jim Knopf”. Hier kommt ein kleines Negerbaby und wird von allen Anwohnern liebevoll aufgenommen und als einer der ihren gesehen. Vorurteile gibt es hier nicht, seine Hautfarbe wird überhaupt nicht hinterfragt. Sie ist normal, genau wie das Wort “Neger”. Problematisch ist das Wort für uns, weil wir die Menschen nicht zu uns gehörend sehen und sie durch ihre Hautfarbe abgrenzen. Das ist das eigentliche Problem, das ändert auch die Bezeichnung “Schwarzer” nicht.
    Wenn wir Schwarze einfach in unsere Mitte integrieren würden und sie als unsere eigenen Landsleute erkennen, dann gäbe es diese Diskussion nicht und Ishema müsste sich nicht diskriminiert fühlen. Ich finde es traurig, an welchen Themen wir uns in unserer Überflussgesellschaft hochziehen.

    Ich persönlich würde lieber in Lummerland leben, gemeinsam mit einem glücklichen, kleinen Negerjungen; als in Deutschland, wo ich politisch korrekt “schwarer Junge” sage, damit aber übermittle, dass ich als “Weiße” anders bin.

    Anm.d.Red:
    Dazu drei simple Punkte (siehe auch die Anmerkungen des Autors oben):

    1. Warum muss dann Jim Knopfs Hautfarbe Ihrer Auffassung nach überhaupt erwähnt werden? Wenn es so komplett egal wäre, wie Sie es darstellen, hätte man literarisch darauf ja als allererstes verzichten können, oder …?

    2. Leider blenden Sie das hinter Sprache stehende Machtverhältnis komplett aus. Es findet wie gesagt kein Gespräch unter Gleichberechtigten statt Es ist eben nicht egal, wer, was, in welchem Kontext wie bezeichnet. Wenn Sie als als weiße deutsche Frau “Negerjunge” sagen oder schreiben, transportieren Sie damit genauso Geschichte und Gegenwart dieses Machtverhältnisses, wie ein Mann, der eine Frau als “Weibstück” bezeichnet.

    3. Es steht nicht in Ihrer Macht, diese Geschichte und Gegenwart aufzuheben. Deswegen ist heutzutage in veröffentlichten Texten auch nicht mehr von “Weibstücken” die Rede, wenn Frauen gemeint sind. Sie können nicht als Einzelperson für sich beschließen, “ich meine das aber anders”. Bzw. Sie können natürlich, was Sie wollen, aber die sprachliche Realität ist eine andere und die Wirkung Ihrer Worte auch. Von daher gilt auch hier: Dass die so Bezeichneten die Bezeichnung “Neger” mehrheitlich ablehnen, sollte Ihnen als aufgeklärte Person reichen, um Sie nicht zu verwenden.

    Mit herzlichen Grüßen
    Die Redaktion

  24. Pippi Langstrumpf

    Erst einmal: Ich gebe zu, ich habe nicht alle Kommentare bis hierhin gelesen. Mir standen nach gut der Hälfte schon die Haare zu Berge.
    Wie kann es denn sein, dass hier Diskussionen um historische Werte geführt werden, wenn es um Kinderbücher geht? Diese sind zuerst einmal für Kinder da, nicht für nörgelnde, viel-denkende Erwachsene. Ich gebe Roman recht, Worte zu verbieten löst nicht den Ursprung des Problems. Die wahnwitzige Idee meiner Grundschullehrerin böse Worte ‘in einen Sack zu stecken und aus dem Fenster zu werfen’ hat eher das Gegenteil erreicht. Allerdings geht es doch hier nicht mehr um die aktive Diskriminierung, sondern vielmehr darum, Überreste dieser zu tilgen und damit den Kindern (allen! – nicht nur den hellhäutigen und jenen 7 jährigen mit einem starken Selbstbewusstsein) Freude am lesen und an den Geschichten zu vermitteln. Und nebenbei lernen zukünftige Generationen diese Wörter nicht mehr ganz so spielend, womit doch Romans Ziel erreicht wäre. Mir hat es damals auch wehgetan als ‘Karottenfresser’, ‘Pumuckl’ oder ‘Hexe, die auf den Scheiterhaufen gehört’ bezeichnet zu werden… auch wenn ich inzwischen darüber lache und es selbst sage. Und da steckt sehr viel weniger hinter, als hinter dem Wort Neger. Also bitte: hört auf das Kind in euch und versucht den Kindern, der Zukunft, die diese Geschichten noch gar nicht kennt, die Freude an diesen Geschichten zu geben. Ansonsten bin ich dafür, dass Sie einfach mal versuchen im Kindergarten eine morgendliche Politikrunde, die ihre Werte vertritt einzuführen. Viel Glück dabei ;)

  25. neuer Leser

    Eine Sache fällt bei solchen Diskussionen immer wieder auf: So wie jeder Antisemit irgendwo – wo auch immer. man wird es nie erfahren – “seinen” Pseudo-Alles-Versteher-Juden zu haben scheint, der ihn in seinem antisemitischen Wahn voll und ganz “versteht” und “akzeptiert”, hat auch jeder Rassist irgendwo “sein” liebes Pseudo-Alles-Versteher-Negerlein rumstehen, das auch wirklich, hundert Pro rein gar nichts dagegen hat, auch als solcher bezeichnet zu werden. Siehe Gestalten wie “Plok”.

    *kotz*

  26. wm63

    @ Andrej Reisin

    Eine hervorragende Zusammenfassung – volle Zustimmung!!!

    Danke – eine echte Argumentationshilfe

  27. Jenn

    @Roman: Vielen Dank für deine Worte Roman.
    Sehr klar, sehr deutlich und sehr humane Einstellung.

    Bücher sind Zeugen ihrer Zeit und sollten nicht im Nachhinein bereinigt werden. Wenn Kinderbücher Worte enthalten, die für die heutige Zeit politisch inkorrekt sind, dann ist es die Pflicht der Eltern, oder besser noch die beste Chance der Eltern zu erklären. Solche Erklärungsversuche der Eltern regen in den Kindern Denkprozesse an, die durchaus nicht stattfinden könnten, wenn man alle alten Bücher bereinigt. Und das wäre wirklich fatal. Man stelle sich vor: Eine Generation, die nicht mehr darüber reflektiert, was die Generation vor ihr falsch gemacht hat und somit Gefahr läuft die gleichen Fehler zu machen.

    Denkt man wirklich, durch Negation der Vergangenheit die Welt zu verbessern? Das Gegenteil ist der Fall.

    Worte zu löschen ist keine Lösung, um zu verhindern, dass Menschen andere Menschen böswillig ausgrenzen und beleidigen. Es wird sich dafür immer irgendwelcher Worte bedient werden. Worte sogar, die ursprünglich nicht einmal beleidigend gemeint waren.

    Man beachte auch die rasanten Veränderungen in der Jugendsprache. Heute kann es dieses Wort sein mit dem sich Jugendliche beschimpfen, morgen Jenes. Will man sich wirklich auf dieses Lösch-Spiel einlassen? Man wird der Entwicklung der Jugendsprache zwangsläufig immer hinterher hinken.

    Und ganz nebenbei, denke ich, dass Bücher einen gewissen Denkmalschutz bekommen sollten. Man schreibt Geschichte nicht einfach um, nur weil sie im Nachhinein unbequem ist.

    Kinderbücher die JETZT geschrieben werden, werden keine Worte enthalten, die in beleidigendem und menschen-verachtendem Sinn geschrieben sind. Kinderbücher aus alten Zeiten sind wie ein Museums-Besuch :)
    Bücher von heute werden in 100 Jahren eine kleine Zeitreise darstellen.
    Und so wird es hoffentlich immer bleiben.

    • @Jenn:
      Dass das Vorlesen “alter” Bücher mit solchen Worten für 6-Jährige möglicherweise aber kein “Museumsbesuch” ist, weil sie eben sehr jung sind und gerade erst anfangen, sich die Welt zurechtzulegen, lassen Sie aber außer Acht. Genauso wie die Möglichkeit, dass dadurch rassistische Muster und Einstellungen auch verfestigt werden können, vor allem weil eben nicht alle Eltern sich die Zeit nehmen, das alles richtig zu erklären.

      Umgekehrt kann es wie gesagt (siehe oben) irgendwie auch nicht die Aufgabe der Eltern nicht weißer Kinder sein, ihre Kinder am Bettrand allabendlich mit einer schwierigen und möglicherweise auch verletzenden Identitätsdiskussion zu konfrontieren. Schon gar nicht aber können Sie das für diese Eltern entscheiden. Außerdem lesen Kinder Bücher wie Pippi Langstrumpf auch und gerne alleine. Und da lesen sie dann ganz allein Passagen wie die Folgende:

      Annika: “Hast du keine Mutter, keinen Vater?”
      Pippi: “Nein, gar nicht. Meine Mutter ist schon lange tot. Mein Vater ist ein Negerkönig. Eines Tages kommt er und holt mich. Dann werde ich eine Negerprinzessin. Heihopp, was wird das für ein Leben!”
      [...]
      Pippi: “Wie kannst du überhaupt verlangen, dass ein kleines Kind mit einem Engel als Mutter und einem Negerkönig als Vater immer die Wahrheit sagen soll? Übrigens will ich euch verraten, dass es in Nicaragua keinen einzigen Menschen gibt, der die Wahrheit sagt. Sie lügen den ganzen Tag.”

      Und das soll “für immer” so bleiben? Daran kann man berechtigte Zweifel haben.

  28. Jeannine

    Ich möchte so gerne etwas zu dem Thema sagen, dass ich vorher nicht schlafen kann (Bitte verzeiht, wenn ich dabei nicht so auf die abstrakte Ebene gehe, sondern lieber aus persönlicher Sicht schildere):

    Ich bin selbst Afro-Deutsche und habe in meiner Kindheit in einer Kleinstadt der DDR oft genug das Wort Negerpuppe hören müssen. Es kam sicher meist von Kindern, aber auch ich wusste mit 9 Jahren, dass der jeweilige Sprecher mir damit kein Angebot machen wollte, sein Freund zu werden. Und es hat mir weh getan.
    Heute wie damals kann ich unterscheiden, ob z.B. der 90-jährige Opa eines Freundes mir erzählt, er habe damals bei der Marine auch Neger kennengelernt und mich dabei breit angrinst oder jemand an mir vorbeigeht und “Scheiß Ausländer” zischt.

    Was mich damals wie heute verletzt, ist die mitschwingende Mitteilung: “Ich bin etwas besseres als Du” bzw. “Du bist ein Mensch zweiter Klasse”. Da hilft auch nicht mehr Selbstbewusstsein oder Ignorieren der Äußerung.

    Auch ich sage heute häufig noch Negerkuss und nehme es niemandem übel, der das auch tut, auch wenn er eine andere Hautfarbe hat. Dennoch würde ich meinem Kind kein Buch vorlesen, in dem das Wort Neger vorkommt. Bei dem genannten Beispiel Jim Knopf wäre mir auch lieber, dort würde z.B. schwarzer Junge stehen. Da Menschen mit brauner oder schwarzer Hautfarbe ja bekanntermaßen in Deutschland eine Minderheit sind, ist die Hautfarbe bei denjenigen nunmal auch die hervorstechendste Eigenschaft um die Person zu beschreiben. In afrikanischen Ländern muss man da dann wohl etwas genauer werden.

    Eventuell wird das Wort Neger in vielleicht nicht ganz so ferner Zukunft bedeutungslos werden. Ich kann mir vorstellen, dass zu “Othellos Zeiten” das Wort Mohr auch nicht ausschließlich freundlich gemeint war. Wenn mich heute jemand so bezeichnen würde, müsste ich wahrscheinlich losprusten.
    Aber wenn heute noch jemand als Neger bezeichnet wird und die Person, die das sagt, ist deutlich jünger als der genannte Opa eines Freundes, dann muss ich mir Gedanken machen, warum die Person das Wort verwendet. Das muss ich tun, da ich entsprechende Konsequenzen ziehen will. D.h. entweder zur Rede stellen, Unwissende aufklären oder die Person meiden, weil es ihr für eine zielführende Auseinandersetzung mit dem Thema an Hirnmasse (und in vielen Fällen auch an Haaren) mangelt.

    In jedem Fall bin ich der Meinung, dass die jeweiligen Personengruppen sich dazu äußern sollten, ob sie eine bestimmte Bezeichnung als verletzend und diskriminierend empfinden. Und entsprechend sollte von der Gesellschaft reagiert werden. Hier und heute kann ich diesbezüglich nur Ishema zustimmen.
    Ich glaube nicht, das z.B. Günther Wallraff wirklich meine Gefühle nachempfinden kann, weil er sich mal ein paar Wochen schwarz geschminkt unter die Menschen gemischt hat. Er tat das immer in dem Wissen, dass er die Schminke anschließend wieder abwischen wird.

    So, nun habe wohl alles gesagt, was mir dazu auf dem Herzen lag. Es fehlt nur noch mein Dank für die vorherigen Kommentare von Marcus, Amber und gnaddrig.

  29. hito

    Ishema Kane, you are awesome. You are courageous, lovely, sincere. Andrej Reisin, thanks for sharing this. Thanks also to Otfried Preussler, who asked for his own language to be modified. It´s never too late to change one´s mind.
    Shame on the majority of German academics who insist on their human right to be pathetic and petty. Could it be they´ve become completely irrelevant?

  30. Susi

    Das Wort Neger stammt noch aus der Zeit des Kolonialismus und suggeriert bereits Kindern, dass es Unterschiede gibt. Die alte Kinderliteratur stellt oft dunkelhäutige Menschen als minderwertig dar. Es gibt so viele Begriffe, die das ganz klar machen, z.B. “schwarzer Peter” ” wer hat Angst vorm schwarzen Mann” “zehn kleine Negerlein” usw.. Damit werden Vorurteile vermittelt. Ich weiß gar nicht, warum überhaupt noch eine Hautfarbe erwähnt werden sollte. So etwas ist im Zeitalter der Weltbürgerschaft längst überholt. Sofern sie in der alten Kinderliteratur noch erwähnt wird, fände ich es richtig, dass bei Neuauflagen von Kinderbüchern die Nennung einer Hautfarbe kpl. entfällt. Menschen sind Menschen, egal welcher Hautfarbe und welcher Volkszugehörigkeit.

  31. j.b.once

    Respekt kann man nicht an Worten festmachen!
    Die Welle der Empörung über das Wort Neger ist meiner Meinung nach wohl etwas zur Monsterwelle mutiert und meiner Meinung nach als antirassistisch denkender Mensch irgendwie nach hinten los gegangen. Wir geben dem Wort Neger zum Istpunkt mehr negative Macht, als dies in den letzten Jahrzehnten überhaupt noch in Deutschland eine Rolle gespielt hätte. Meine letzte bewusste Berührung mit dem Wort Neger habe ich nicht als rassistisch motiviert erfahren. Der Verzicht des Begriffes Negerkuss, früher Mohrenkopf, in der Berliner Kita meiner Tochter war dann vor mehr als Zehn Jahren mal wieder so ein Tag einer Einzelerfahrung.

    Es ist erstaunlich, wie doch jedem, dem die Notwendigkeit dieser Diskussion nicht so einleuchtetn, jetzt das Festhalten an rassistischen Rudimenten unterstellt wird. Zu DDR – Zeiten war Antirassismus eigentlich ein Grundelement in der politischen Bildung. Alle waren theoretisch gleich, es gab nur Klassenfeinde des Proletariats und die saßen im Westen. Im Osten gab es dann nur Freunde. Inoffiziell gab es dann eine gut funktionierende Freidenkerschaft, denn nicht Herr Kohl hat die Wende eingeleitet.

    Nach der Wende haben wir plötzlich in den östlichen Bundesländern offiziell die größten Rassismusprobleme. Träumt weiter, denn Ursachenforschung ist doch sehr einseitig! Zugegeben, der Kontakt zu anders Aussehenden war im Osten verordnet sehr gering, aber es gab den Studenten aus Afrika in meiner Seminargruppe, der, so denke ich, sehr gut integriert war und schlauer als ich, war er auch noch.

    Respektlos können Worte sein, aber auch das Hineininterpretieren kennen wir aus DDR-Zeiten zur Genüge. Da wurde so einiges an in Literatur hineininterpretiert, mancher Schriftsteller würde sich wundern. Und jetzt trifft es die Kinderliteratur und nicht nur die des Westens. Das Ludwig Renn, eigentlich kommunistischer Schriftsteller und Spanienkämpfer mit dem Kinderbuch “Neger Nobi” nun rassistisches Gedankengut verbreitet, ist dann doch befremdlich.

    Ich empfinde auch häufig noch Respektlosigkeit von ewig gestrigen, die meiner Schulbildung und meinem Studium sowie meiner Kindheit im Osten Grauäugigkeit durch eigene Unwissenheit verpassen. Meine Kindheit möchte ich nicht missen. Mein Kind erfährt heute durch anders sein mehr Ausgrenzung und ist nicht dunkelhäutig. In Deutschland haben wir eigentlich größere Probleme, nämlich die der Klassenunterschiede! Das trifft uns alle, ob in Ost oder West, Nord oder Süd. Das ewige Schwarz-Weiss-Denken regt mich einfach auf.

    Jetzt ist der Begriff “Neger” wieder in aller Munde und Menschen, die eher keinen negativen Bezug zu diesem Wort aufgebaut haben, werden einen negativen Bezug aufbauen durch eine engstirnige Diskussion falscher Interpretationen.
    Wacht auf!

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