16 Kommentare

  1. Laevus Dexter

    Dass dieses System offenbar problemlos unterlaufen werden kann und wird, ist ein Missstand, der abgestellt werden muss.

    Warum man dieses Ziel (der Dokumentation der Herkunft von Lebensmitteln) nicht verfolgen kann, wenn nicht gleichzeitig Massentierhaltung, Tierquälerei und Kapitalismus abgeschafft werden, erschließt sich dagegen nicht.

    Sorry, aber der Sinn dieser 3-fachen Verneinung erschließt sich mir nicht.

    Was wollt ihr nun: Massentierhaltung, Tierquälerei und Kapitalismus?

  2. Chewie

    Es mag ja völlig richtig sein, akute Problemfelder zu benennen und zu kritisieren. Eine Kritik an der kapitalistischen Produktions- und gesellschftlichen Lebensform deswegen als banale Binsenweisheit abzutun, ist deswegen aber noch lange nicht richtig. Umgekehrt ist aus Sicht der Kapitalismuskritik ein gewisser Pessimismus hinsichtlich endloser Symptombekämpfung zwar nicht zur Gänze unsinnig. Tatsächlich nützt es ja auf kurze Sicht nichts, der Hydra den Kopf abzuschlagen. Auf lange Sicht jedoch – und da gebe ich Euch Recht – ist den Auswüchsen eines immer ungezügelterenn Neoliberalismus anders aber gar nicht beizukommen.
    Es ist also tatsächlich falsch, aus einer kurzfristigen, scheinbaren Auswegslosigkeit heraus das Handtuch zu schmeißen. Es müssen sich immer Kräfte formieren, die gegen symptomatische Misstände vorgehen, um ein gesellschaftliches Bewusstsein dafür entstehen zu lassen, was im Grunde wirklich schief läuft.
    Daher ist es also genauso falsch, wenn man die Herausbildung eines solches Bewusstseins erheblich erschwert, indem man radikale Kritik pauschal banalisiert und die eigene sowie allgemeine Sicht durch die mediale Skandalisierung des eigentlich Banalen ausschließlich auf Nebenschauplätze lenken lässt.
    Das dazu. Zum Schluß noch eines:

    “Arbeitsbedingungen, die durch Hartz IV, Euro-Krise, Betrug und Schikane zustande kommen und eine Art de facto-Zwangsarbeit darstellen, resultieren eben nicht per se und ohne Umschweife aus der strukturellen Gewalt kapitalistischer Produktion. Sondern sie sind eine Folge spezifischer (De-)Regulierung.”

    Hier widersprecht ihr Euch. Was sonst, wenn nicht ein Resultat aus der Sache kapitalistischer Produktion selbst, ist es denn, wenn genannte Umstände sich ergeben, sobald äußere Restriktionen und Regulationsmechanismen außer Kraft gesetzt werden?

  3. “Arbeitsbedingungen, die durch Hartz IV, Euro-Krise, Betrug und Schikane zustande kommen und eine Art de facto-Zwangsarbeit darstellen, resultieren eben nicht per se und ohne Umschweife aus der strukturellen Gewalt kapitalistischer Produktion. Sondern sie sind eine Folge spezifischer (De-)Regulierung. ”

    Könnte es sein, dass ihr mit solchen Passagen die These des Textes über den Nieveauverfall der Kritik weit eher belegt als z.B. der Text beim Lichterkarussel, der ja z.B. darauf hinweist, dass Ammazon gewerkschaftlich geforderte Mindestlöhne zahlt? Und dass ihr aus einem reflexhaften Ressentiment gegen das, was ihr als “linke Phrsologie” oder so was empfindet, das Lesen vergessen habt?

    Was heißt denn “spezifische Deregulierung”, und wieso spielt das in diesem Fall eine Rolle? Und was ist am erwähnten Hartz IV denn nun bitte “Deregulierung”? Das ist doch exakt das Gegenteil davon, das werden Biographien kaputt reguliert, und was hat die Euro-Krise mit Hartz IV zu tun? Hat sie, aber dazu schreibt ihr ja auch nichts. Ihr werft doch hier auch nur suggestive Brocken hin.

    Das Schöne an an der an Marx, nicht etwa den bolschwistischen, politischen Forderungen orientierten Analyse ist ja, dass sie auf alles, was ihr schreibt (und zu einem Brei mit Pferdefleisch verrührt, tolle Frikadelle, das) Antworten bereit stellt. Produktivkraftentwicklung – also z.B. Antibiotika. Bürgerliche Gesellschaft natürlich als Fortschritt gegenüber der feudalen Ordnung. Ökonomie als das sich über Naturzwang des reinen Überlens Erhebende. Der Liberale Rechtsstaat als Bedingung kapitalistischen Wirtschaftens, nicht etwa, wie die “Deregulierer” behaupten, irgendwie unfreiheitlicher Intervention. Würde man auch nur zwei dieser Gedanken mal auf euren Text anwenden, würde er auf einmal Struktur bekommen, anstatt nur zu suggerieren.

    Da ist das Lichterkarussell einfach eher auf der Höhe der Zeit – die Frage der Profitmaximierung ist es doch, die in die Eurokrise führte, welche dann wiederum spanische “Wanderarbeiter” hervor brachte. Da kommen all die Klassiker vom tendenziellen Fall der Profitrate zum Tragen. Der Anfang war der Derivathandel, faule Immobilienkredite, die deshalb als Produkt erfunden wurden, weil sie profitabler schienen als das Häuslebauen.

    Um mal die sympathisierende Wende zu vollziehen: Ihr macht ja hier oft einem prima Job und gehört halt zu der Generation, die ihr Denken auch infolge des Mauerfalls und angesichts ja tatsächlich teils unsäglich entnervender, linker Rhetorik geformt hat. Aber bleibt doch da mal nicht stehen. Ein bißchen politische Bildung schadet politischen Journalisten nicht. Und dazu gehört auch ein unverstellter, neugieriger Blick auf das, was das Lichterkarussell schreibt. Probiert das doch mal! Ihr würdet dann noch viel besser!

  4. Jürgen

    @momorulez

    Ich weiß nicht wo dieser “Trend” herkommt, aber der Verweis auf den “tendenziellen Fall der Profitrate” ist nun wahrlich nichts Neues und auch keine Besonderheit von angeblich progressiven Linken. Dein Text suggeriert, dass die Autoren doch mal bitte Marx lesen sollten, denn dann hätten sie endlich einen Durchblick. Es gibt nunmal auch Linke, die, trotz Marx-Lektüre, nicht im Keller bei Techno auf die Zuspitzung der Widersprüche warten, ähnlich irgendwelcher Untergangssekten. Über die verhunzten Adorno-Zitate brauchen wir überhaupt nicht zu sprechen, denn vor allem der “antideutsche” Nachwuchs ist da doch entlarvend…

  5. Der “antideutsche” Nachwuchs hat ja hier bei Publikative deutlich Spuren hinterlassen, deswegen ist der Text doch so verwirrt. Das ist vermutlich in Effekt “antideutscher Gehirnwäsche”, weil die Suggestion, Kapitalismuskritik sei struktureller Antisemtismus und die bürgerliche Gesellschaft die Rettung vor diesem, natürlich funzt in Deutschland. Gerade bei jenen, die auch aus einem grundehrlichen, honorigen und engagierten Anti-Antisemitismus heraus schreiben und in einer wirklch Hirnwäsche gleich kommenden politischen Rhetorik der 90er Jahre aufwuchsen. “Deregulierung” ist ja einer dieser begrifflichen Scherze, der als ökonomische Theorie auftritt. Während es Privatisierung z.B. von Sicherheitskräften tatsächlich gibt. Dazu lohnt es z.B., sich die Knast-Industrie in den USA genauer anzugucken. Adorno hat zu Ökonomie auch wenig Sinnvolles zu sagen gehabt, das war ja Schein-Materialismus.Ich liebe ihn trotzdem.

    Der Autor des Textes oben wurde vermutlich so konditioniert, kann er sich ja zu äußern, das jetzt irgendwo in den Synapsenverbindungen “Linker Antiamerikanismus” aufleuchtet, wie so eine Warnlampe und als später Triumph von Franz-Josef Strauss. Was kukturelle Prägungen betrifft, bin ich niemandem dankbarer als Künstlern aus den USA von John Coltrane über Joan Baez bis Jil Scott Heron, zum Beispiel. Die Nummer bitte nicht. Die zum Thema aber dazu gehört, weil der Text ja so operiert, dass er etwas als Schlagwort liest, was gar keins ist. Und dazu dann das Lichterkarussell missbraucht.

    Und natürlich sin das alte Hüte.. Die helfen aber beim Verständnis von Prozessen, wie ja selbst Wall-Street-Banker begriffen haben. Schon deshalb, weil diese künstliche Trennung zwischen BWL und VWL so aufgehoben wird. Als mittelständischer Unternehmer weiß ich doch, dass die Mehrwert-Theorie stimmt, dass alle mir bekannten Märkte von den “Marktwirtschaftstheoretikern” falsch beschrieben werden usw.. Dieses “Marx lesen!”, Robert Kurz, R.i.P., hilft tatsächlich beim Argumentieren und würde eine viel treffsichereren Text hervor bringen.

  6. shlomo

    was sind LINKE besserwisser.mutiert diese seite jetz zum antikommunismus.
    besserwisser gibt es überall,selbst hier der hinweis auf linke als noch schlimmer ist voll daneben.

  7. Lieber Andrej, lieber Andreas,

    “Und natürlich lohnt es sich, darum arbeitsrechtlich, gewerkschaftlich und medial zu kämpfen. Ansonsten wird die berechtigte Kritik an verkürzter Kapitalismuskritik selbst zur Ideologie.* Es mag sein, dass “der Kapitalismus das Problem ist” – aber diese Banalität entspricht der landläufigen Missdeutung des Adorno-Zitats, wonach es “kein richtiges Leben im falschen” gäbe. Denn damit war eben keinesfalls gemeint, dass Kritik an konkretem Elend banal und nutzlos sei – sondern es sollte die Wichtigkeit betont werden, sich den Sinn für das Richtige nicht nehmen zu lassen.”

    Natürlich kann und soll man um bessere Arbeitsbedingungen kämpfen und das prinzipiell gerne auch immer. Darum geht es aber doch hier gar nicht, es geht darum, dass jetzt wieder das Befindlichkeitsgeheule der “Empörten” sich Bahn bricht und in einem kurzen Aufschrei sich erschöpfen wird. Der Verweis auf Kapitalismus und das System der Lohnarbeit machen aber die Frage nach Arbeitsbedingungen nicht irrelevant, wie ihr es mir in den Mund legt. Nur ist der reine Arbeitskampf eben auch nicht ausreichend und das gerade beim politischen Programm des Neoliberalismus.

    Die Marktwirtschaft, die so sozial nicht mehr ist, weil sie es eben nicht mehr sein muss, macht es notwendig über klassische Fragen der Arbeitsbedingungen hinaus zu gehen. Es reicht nicht die Arbeitsbedingungen von Leiharbeiter*innen zu diskutieren (Das Leiharbeitssystem ist auch kein Ergebnis von marktorientierter Deregulierung sondern von Regulierung – es wurden dezidiert bessere Bedingungen für Leiharbeit, also Flexibilität für Arbeitgeber*innen, geschaffen.). Wir sind doch mittlerweile in der Situation, dass es immer weniger Bedarf an Arbeitskräften gibt, was die Bedingungen am Arbeitsplatz notwendigerweise verschlechtert, da die Arbeitsplatzvergabe dem systeminhärenten Konkurrenzprinzip unterliegt. Die Frage nach dem System der Lohnarbeit, der Verteilung von Arbeit, Einkommen und Wohlstand muss man sich notwendigerweise stellen, kritisiert man neoliberale Auswüchse. Erschöpfen sich Arbeitskampf, linke Politik und gewerkschaftliches Engagement in der Forderung eines Mindestlohns macht man sich zum Mittäter in der Produktion eines die Löhne drückenden Heeres entrechteter Hartz IV Bezieher*innen und Arbeitsmigrant*innen. Ein Mindestlohn, gute Arbeitsbedingungen sind wichtige Faktoren, zweifelsohne, nur darf die Kritik dort nicht enden.

    Wir sind uns doch eigentlich auch weitgehend einig, was die Kritikwürdigkeit (und die Notwendigkeit dessen) des Neoliberalismus betrifft. Mir scheint wir ziehen nur marginal unterschiedlicher Schlüsse daraus und mitunter missversteht ihr mich gewollt oder ungewollt offenbar auch, denn vieles, was ihr an meinem Text kritisiert, steht in etwas anderer Form dort auch drin – etwa dass es natürlich beschissene Bedingungen sind von Nazischränken schikaniert zu werden. Auch das Adorno Zitat verstehe ich nicht in dem Sinne, wie ihr es mir unterstellt und dazu gibt mein Text auch nur äußerst bedingt Anlass.

    PS: Das ewige Herumreiten auf den Errungenschaften des Bürgertums verschleiert den Blick auf die negativen Kehrseiten, die mit diesen Errungenschaften einhergingen, womit ich den Genuss dieser Vorzüge keineswegs abstreiten möchte. Das Fehlen des Verweises auf die unerträglichen Zustände von Feudalismus und Absolutismus offenbart aber noch lange kein Gutieren dieser. Gegenteilig die implizit formulierte Kontinuität positiver Entwicklungen ist mir ein etwas zu schön gezeichnetes Geschichtsverständnis, das ich euch hier aber auch nicht unterstellen möchte. Nur zur verbrämten Ideologie macht der fehlende Verweis auf Feudalismus etc. meine “Kritik der verkürzten Kritik” nicht.

    • @Lichterkarussell:
      Zunächst einmal geht es nicht um “gewollt oder ungewollt missverstehen”, sondern um “ein Beispiel unter vielen” – und genauso ist es auch gemeint. Es gab in den letzten zwei Tagen so viele kleinere und größere ähnlich gelagerte Wortmeldungen, von “ideologische Überbaukämpfe” bis “ich bestell jetzt erstmal das Kapital bei Amazon”, dass Dein GROßBUCHSTABEN-Ausruf einfach ein schönes plakatives Demonstrationsobjekt abgibt.

      Und das tut es auch nach wie vor: Wer mit einer Überschrift im Rechthaber-Style (“Sagt mal checkt Ihr es nicht?!? It’s the ECONOMY, stupid!!!”) rausgeht, der sollte mit Widerspruch leben können. Und ja, wir sind anderer Meinung, sowohl diesbezüglich, als auch hinsichtlich des Abkanzelns der französischen Revolution in einem Halbsatz. Selbst, wenn wir ansonsten gar nicht so weit auseinander liegen sollten, halten wir diese Argumentation für exemplarisch und eben auch exemplarisch falsch.

      Worum es ging, ist dieser Reflex auf jede Art von Mainstream-Debatte, die Arbeits- oder Pruduktionsbedingungn zum Thema hat: “Aber die bleiben ja an der Oberfläche”, “das ist ja nur Empörung”, “soll sich doch bitte keiner wundern, wenn das Fleisch nur 1,49€ kostet” und so weiter und so fort. Es ist die permanente Selbstüberhöhung, dieses “been there, done that”, “weiß ich schon”, “kenn ich schon”, “hab ich vor zehn Jahren schon”, “wtf? schon mal was von Kapitalismus gehört …?!?” etc.pp. Eine Selbstgerechtigkeit, die aus unserer Sicht nicht nur anstrengend ist, sondern auch substanzlos und kontraproduktiv. Wenn die (radikale) Linke permanent so viel bessere Analysen hätte, ja warum zum Henker kann sie dann nicht einmal Entwicklungen so vorhersehen und strategisch so reagieren, dass sie gesellschaftliche Relevanz entwickelt? Die Frage ist ernst gemeint, zumindest sollte man sie (sich) ernsthaft stellen.

      Aus meiner Sicht gibt Dein Text dazu genug Anlass. Du wähnst Dich besonders weit vorne oder besonders radikal, relativierst aber ungewollt en passant, in dem Du alles unter eine extrem holzschnittartige “Kapitalismus-Analyse” subsumierst. Nur ein Beispiel:

      “Dabei haben die meisten Menschen nicht einmal die Wahl, welche Arbeit sie ernährt, wenn sie denn eine haben. Die Kritik an den Arbeitsbedingungen, die sich gerade wie eine Flutwelle über Deutschland und Amazon ergießt schlägt völlig ins Leere. Nicht die Arbeitsbedingungen, die könnten weit schlechter sein, müssen kritisiert werden, sondern das System in dem Menschen ihre Arbeitskraft verkaufen müssen. Amazon hat sich das nicht ausgedacht. Amazon nutzt nur, was das System ihnen ermöglicht.”

      Die “meisten Menschen” haben “keine Wahl”? Wirklich? Worauf bezieht sich das? Auf Manchester im 19. Jahrhundert, Nordkorea heute, China gestern oder die Bundesrepublik morgen? Falls damit “die meisten Menschen” hierzulande gemeint sein sollten, dann stimmt der Satz einfach einfach hinten und vorne nicht. Völlig entmündigte, fertig gemachte Hartz IV Empfänger, die als Leiharbeiter der Behörde und ihren Auftraggebern ausgeliefert sind, ohne jeden Rechtsschutz oder sonstige Vertretung, haben vielleicht tatsächlich “keine Wahl”. Aber das sind eben nicht “die meisten Menschen”, sondern eine marginalisierte Gruppe.

      Die meisten anderen wählen andauernd, sie wählen Studienplätze, sie wählen Jobangebote, sie wählen Lebensentwürfe, richten sich in den Verhältnissen ein, kriegen Kinder, lernen Sprachen, fahren ein halbes Jahr nach Südamerika, schreiben Blogs oder widmen 90% ihres Tuns einem Fußballverein. Auch, wenn sich die meisten einem Lohnarbeitsverhältnis nicht dauerhaft entziehen können, ist die Ausgestaltung doch sehr unterschiedlich. Ein auf Lebenszeit berufener Professor lebt genauso in Deinem “System” wie die Millionenerbin, der VW-Facharbeiter, der Stipendien-geförderte Doktorand, der Freelance-Webdesigner oder eben die Amazon-Leiharbeiterin.

      In diesem Sinne: “Der” Kapitalismus ist wesentlich komplexer, sonst könnte er nicht permanent so viele Menschen einbinden. In der Konsequenz hat Amazon sich genau diese, ganz bestimmte Zurichtung der Verhältnisse sehr wohl “ausgedacht” – und deshalb sollten sie auch zur Verantwortung gezogen werden. Natürlich ist es verkürzt, so zu tun, als wäre alles gut, wenn nur die bösen “amerikanischen” Internet-Fuzzis zur deutschen Sozialstaats-Räson gerufen werden müssten, wie zum Beispiel Teile der FAZ glauben machen wollen. Umgekehrt aber ist der völlig unkonkrete Verweis auf “das System” aus unserer Sicht nur die andere Seite der Verkürzungs-Medaille.

      Denn dass Menschen sich über extreme Ausbeutung bei ihnen ums Eck moralisch empören, wenn ihnen diese im Fernsehen vorgeführt wird, daran können wir zunächst einmal nichts falsch finden. Genau wie wir den Dünkel (und darum handelt es sich aus unserer Sicht nun einmal) über das dumme Wahlvolk nicht teilen. Die linke Szene auf St. Pauli, in Kreuzberg oder Connewitz “weiß” das immer viel besser. Aber es ist eben auch so unendlich viel leichter an diesen Orten seiner kleinen subkulturellen Nischenexistenz nachzugehen und seinem “Besserwisser”-Blog zu frönen als in Bad Hersfeld sozialdemokratische Gewerkschaftsarbeit zu organisieren. Darüber sollte man halt man halt auch mal nachdenken, nothing less, nothing more und vor allem: nothing personal. ;-)

  8. @Momo:
    Der Autor bzw. die Autoren (aber das hast Du ja offenbar überlesen) werden sich ganz sicher nicht zu Deinen Konditionierungs-Fantasien äußern. Wir werden Dir auch nicht beweisen müssen, wie viele Kapital-Bände wir im Regal stehen haben oder wie viel Staub unsere Robert-Kurz-Ausgaben schon angesetzt haben. Dein Abarbeiten an uns ist so dermaßen ermüdend, dass wir – Hochmut kommt vor dem Fall – tatsächlich Besseres zu tun haben als auf Dein Personality-Gesabbel inhaltlich einzugehen.

    A propos Inhalt: Wie wäre es mit Debatte anstelle von paternalistisch vorgetragenen Lektüretipps? Wir “flauschen” hier nämlich nicht und wir halten auch kein Händchen mit der reaktionären Seite des St. Pauli Universums, sondern wir stellen Positionen zur Disposition. Du hingegen kannst zu keinem einzigen Thema irgendwas sagen, ohne sofort und umstandslos ad hominem zu argumentieren.

    Dein folgenloses Bescheidwissen repräsentiert nichts als die absolute Bedeutungslosigkeit der radikalen Linken seit … hmm, let me think … 1917(?). Immer alles schon gewusst, immer die richtigen Antworten und Analysen – wirkungslos seit mindestens 1968. Mit Stempel und Garantie. Und jetzt hast Du uns im Herzen der Sozialdemokratie “erwischt”? Na dann, herzlichen Glückwunsch! Irgendwann macht irgendeiner im Keller des Elfenbeinturms das Licht aus. Verlass Dich drauf.*
    *Anmerkung: Die letzten beiden Sätze waren keinesfalls als “Drohung” gemeint, wir bedrohen nichts und niemanden. Es ging lediglich darum, zum Ausdruck zu bringen, dass man mit dieser Art von linker Elfenbeinturm-“Kritik” keinerlei gesellschaftliche Relevanz erlangt. Sondern man sitzt im Elfenbeinturm, was der angesprochene Autor irgendwann einmal (sofern ich mich nicht irre?) sogar als sein Motto ausgegeben hat. Da sitzt man dann und irgendwann ist die eigene Irrelevanz so groß, dass selbst im Keller dieses Turms das Licht ausgeht, während man munter weiter über die einzig “richtige” Kapitalismuskritik philosophiert. Für eventuelle Missverständnisse entschuldigen wir uns an dieser Stelle ausdrücklich.

    “Die Antwort lautet: “Nein, hier.”,
    Wie war nochmal die Frage?
    Spiel, Satz und Sieg für nichts,
    Und wir haben alles und nichts zu sagen,
    “Hi, ich hab’ gehört, dass…”,
    “Danke, du mich auch mal.”,
    Spiel, Satz und Sieg für nichts,
    Und wir haben alles und nichts zu sagen.

    Wir können das alles diskutieren,
    Aber doch bitte ohne zu reden,
    Zwischen großem Verständnis und von wegen,
    Die Welt geteilt in Gut und Schlecht,
    Und wer bei 10 noch steht hat Recht,
    Wer von uns bei 10 noch steht hat Recht.

    Bei 4 am Boden, tschüss, ihr Vollidioten,
    Und 8 und 9, Hip Hip Hurra,
    Und 10, ein allerletztes Mal Vernunft.”

  9. Das ist älter als Kapitalismus.
    Wir leben in einer Beschißkultur, und diese ist schon ziemlich alt.

    Und es wird so bleiben, so lange der Betrogene “selbst schuld” ist.

    Erst wenn die Menschheit weg von der allgemeinen Akzeptanz von Beschiß kommt hin zu einer Kultur der allgemeinen Ächtung von Betrug, gibt es eine Chance zur Änderung.
    Im Binnenkonsens gibt es keine Lösung.

  10. Anonymous

    “Dein Abarbeiten an uns ist so dermaßen ermüdend, dass wir – Hochmut kommt vor dem Fall – tatsächlich Besseres zu tun haben als auf Dein Personality-Gesabbel inhaltlich einzugehen.”

    Ja, Hochmut kommt vor dem Fall ;) … vielleicht einfach noch mal hinlesen, wenn die Abwehr verflogen ist. Das sind Symptome eben jener Scheuklappen, die eurer Generation anerzogen wurden. Auch das mit der “gesellschaftlichen Relevanz”, was Du schreibst.

    Fragen so zu stellen, dass die Verkaufe Priorität gegenüber den Inhalten bekäme, ist halt Teil des Problems. Diese anerzogene Verstellerei ist halt auch kapitalistisch-systemisch bedingt. Dass also Menschen beigebracht wird, auch ja nichts so zu äußern, wie sie es meinen und denken, sondern irgendwie anders, um nicht als “Elfenbeinturm” zu gelten. Gerade bei Medienschaffenden ist das ein Übel, glaube ich. So hat Kohl alle auf sein Niveau reduziert.

    Anm.d.Red.:
    Das stimmt natürlich, wir armen Opfer Kohls, merken schon gar nicht mehr, wie uns nach der Gehirnwäsche geschieht. Zum Glück aber, gibt es Anonymäuse wie Dich, die sich von ihren Scheuklappen befreit haben und klar und deutlich sehen, was in Wirklichkeit los ist. Was würden wir bloß ohne Euch machen …

  11. Das Lustige an der Anmerkung der Redaktion ist ja – der Anonymous war ich, sorry – dass das Lichterkarussell exkat in dieser Form auf euch häte reagieren können :D – das war da aber souveräner.

    Anm.d.Red.:
    ? Wir haben doch ausführlich und sachlich auf Lichterkarussell geantwortet. Auf Dich nicht, aber das ist ein anderes Thema. Belassen wir es an dieser Stelle doch dabei.

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