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  1. Leider kenne ich diese Ökonomisierung von Einwander_innen auch aus der Migrationsforschung. Das ist eine Strategie, Migration auch mal positiv darzustellen, in dem eben nicht nur auf Armut hingewiesen wird, sondern auch auch auf die Bereicherung. Die kanadische Migrationspolitik basiert beispielsweise nur auf diesem Diskurs, in dem hochqualifizierte Einwander_innen als Humankapital gesehen und ihnen die Einwanderung erleichtert wird. Niedrigqualifizierte Einwander_innen sind dort aber gar nicht gern gesehen. Und bei näherem Hinsehen wird dann deutlich, dass Kanada vermeintlich als das gelobte Einwanderungsland gesehen wird. Und Deutschland strebt nun eine ähnliche Politik an, um hochqualifizierte Personen hierher einzuladen, ohne gleich eine Masseneinwanderung wie ab den 1960er Jahren hervorzurufen. Denn in der Tat gibt es in Deutschland so viel Rassismus, dass Billiglohnarbeiter_innen von Außen kommen müssen, um Arbeiten unter Preis zu erledigen, zu denen viele andere nicht bereit sind…..Deswegen kann ich Euren beitrag verstehen, Publikative, finde aber die Kritiken mehr als angebracht, weil die Strategie, Migration als Humankapital zu betrachten, an der Situation nicht viel ändert, zumal eben Magration als Menschenrecht in diesem Diskurs überhaupt keine Bedeutung mehr hat. Deswegen finde ich auch, dass der Artikel zumindest an einer Stelle verbessert werden sollte, um eben Einwander_innen ohne Schul- und Berufsbildung nicht abzuwerten. Und vergessen sollten wir dabei auch nicht, dass unser Sozialsystem hier kein nationalstaatliches Produkt ist, fast von Gott gegeben, sondern ebenso von Migrant_innen mit aufgebaut wurde, wie es auch im globalisierten Kontext von Unterdrückung und Ausbeutung steht. Wer ein Anrecht auf diese Sicherheiten hat und wer nicht, ist deswegen nicht auf eine nationalstaatliche Frage zu reduzieren….

  2. Der Artikel nimmt den Gruppen, die gegen Einwanderung wirtschaftlich argumentieren den Wind aus den Segeln. Wirtschaftlich ist die Einwanderung in Gewinn – und das muss sie auch sein, um akzeptiert zu werden. Zu beschreiben, dass es auch Zuwanderer gibt, die schlechte Job – Perspektiven haben ist kein Rassissmus, sondern einfach die Wirklichkeit. Auch für diese Leute, und das schreibt der Autor ja auch, müssen Perspektiven geschaffen werden. Und diese Perspektiven lassen sich am ehesten finden, wenn die Wirtschaft wächst. Die meisten Menschen, auch Migranten, wollen nun einmal aus guten Gründen mehr Wohlstand und keine gerechte Verteilung von Armut.

  3. Ja, der Beitrag argumentiert mit dem Sprachgebrauch der „Ökonomisierung von Einwander_innen“ mit dessen Logik um dabei einige der Schwachstellen dieser aufzuzeigen. Die Kritik von Monitor, sibiuaner, Daniel Kulla und Sakine ist bei uns angekommen. Es steht aber in den Beitrag nirgends, dass die Publikative das Konzept der Aufteilung von zugewanderten Menschen in für den Arbeitsmarkt bzw. für das Sozialsystem nützlich und unnützlich Menschen befürwortet oder übernimmt. Dennoch kann daraus gezogen werden, dass sich „über die echte Armutsmigration […] zurecht Sorgen gemacht [wird]“. Es dient aber nicht der sachlichen Debatte, wenn dabei übersehen wird, dass wir diese Kritik bereits in früheren Artikeln aufgegriffen haben.

    Wir behaupten nicht, dass dieser Beitrag eine umfassende Rassismuskritik darstellt, aber wir sehen in dem Artikel unseres Gastautors Bauer, einen guten Beitrag den grassierenden Mainstream-Rassismus anhand seiner eigenen Zahlen ad absurdum zu führen. Der deutsche Städtetag besteht nach wie vor, selbst auf Nachfrage, auf seine behaupteten Zahlen, die in diesem Artikel widerlegt werden. Allein das Verbreiten der von Bauer genannten Zahlen ist aktive Aufklärung. Ja, Rassismus kann auch über diesen Beitrag hinaus kritisiert werden, aber ist es deshalb falsch, Kritik so zu äußern, dass diese von den Kritisierten auch verstanden wird? Ist es nicht sinnvoller, direkt die befürwortende neoliberale Berichterstattung zur Einteilung von Menschen in ihrer ökonomischen Verwertbarkeit – wie beispielsweise in der Bild oder der FAZ – zu kritisieren, als hier innerlinke Diskussionen zu führen?

  4. Dieser Artikel kritisiert den Rassismus nicht und liefert auch keine Argumente gegen Rassismus, sondern gibt dem Rassismus der Leute Recht.

    Indem er auf die rassistische Sorge ‘die Ausländer belasten die Sozialkassen und tragen nichts bei’ entgegnet:

    “Bei diesen Zuwanderern handelt es sich häufig um Menschen mit Berufen, die wir in Deutschland dringend benötigen”

    gibt der Artikel dem rassistischen Maßstab ‘die Ausländer gehören zunächst einmal nicht nach Deutschland’ ganz prinzipiell Recht, ebenso wie dem patriotischen Anspruch ‘wenn die Ausländer schon in Deutschland sind haben sie Deutschland zu nutzen’. Er stimmt den Rassisten also darin zu, dass es eine berechtigte und verständliche Sorge sei, dass arme Leute nach Deutschland kommen und das dieser Zustand zu verhindern sei (“Die Freizügigkeit innerhalb der EU kann neben vielen Vorteilen eben auch dazu führen, dass arme Menschen nach Deutschland kommen, die das deutsche Sozialsystem belasten”). Der Artikel beruhigt die Rassisten aber damit, dass es noch nicht so weit sei, dass dieser, Zustand erreicht wäre.

    Der Artikel geht sogar so weit den Rassisten zuzugestehen, dass “durch die europäische Freizügigkeit” ein solcher Zustand droht und beteiligt sich konstruktiv an der Debatte wie man das verhindern kann, dass die unnützen Ausländer draußen bleiben, ohne zu verhindern dass nützliche Ausländer nach Deutschland kommen.

    “Gerade in einer solchen Situation sollte man sich jedoch die Struktur der Zuwanderung aus den neuen EU-Mitgliedstaaten genau ansehen, um daraus eine für alle Beteiligten akzeptable Lösung zu entwickeln.”

  5. Harald

    Die berechtigten Forderungen an Zuwanderer, für den Lebensunterhalt ihrer Familien selbst durch ihre berufliche Tätigkeit aufzukommen, mit Rassismus in Verbindung zu bringen halte ich für realitätsfern und absurd. Wir leben nunmal nicht im Schlaraffenland- alles, was verteilt werden soll, müssen unsere Menschen erarbeiten.
    Länder wie Kanada,Australien, USA stellen solche Forderungen und werden auch nicht mit Rassismus belegt. Wir brauchen dringend ein Zuwanderungsgesetz nach kanadischem Vorbild.
    Die Möglichkeit des Bezug von Sozialleistungen in einem anderen EU-Land, ohne dort gearbeitet zu haben, halte ich für einen Fehler- er zerstört die Akzeptanz des Solidaritätsgedankens.

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